Dienstag, 9. September 2014

2014.09.09: Bildung / OECD-Studie "Bildung auf einen Blick 2014"

APA0160 II, XI, AI 09.09.2014 11:05:31

 

OECD: Kindergartenpädagogen ohne akademische Ausbildung Ausnahme

Utl.: Neben Österreich ist nur in der Slowakei nicht-tertiäre Ausbildung üblich - Auch derzeitiges Fehlen von Aufnahmeverfahren für Lehrerausbildung für Bundesschulen international ungewöhnlich

Schule/Lehrende/Berufsausbildung/OECD/Österreich/Frankreich

Österreich ist mit der Ausbildung von Kindergartenpädagogen an den Bildungsanstalten für Kindergartenpädagogik (Bakip) eine Ausnahmeerscheinung in der OECD, wie die am Dienstag veröffentlichte Studie "Bildung auf einen Blick 2014" zeigt. Nur in der Slowakei werden Kindergartenpädagogen ebenfalls nicht auf tertiärem Niveau ausgebildet.

In 25 der 35 Länder mit verfügbaren Daten werden Kindergartenpädagoginnen und -pädagogen auf Hochschulen (Uni, Fachhochschule, Pädagogische Hochschule) ausgebildet, an sechs im außerhochschulischen Tertiärbereich (Kolleg, berufsbildende/lehrerbildende Akademien), in Japan und Südkorea gibt es beide Modelle.

In Österreich erfolgt die Ausbildung der Kindergartenpädagogen mit den Bakips an Schulen, an denen wie bei den Berufsbildenden Höheren Schulen (BHS) neben der Matura auch eine Berufsberechtigung erworben wird. Außerdem können Maturanten im Kolleg eine zweijährige Ausbildung absolvieren.

Im Zuge der neuen Pädagogenausbildung war zwar eine Akademisierung der Kindergartenpädagogen geplant, mangels Angeboten an den Hochschulen wird die Ausbildung dort allerdings vorerst weiter kaum stattfinden. Außerdem wehren sich die Gemeinden als Kindergartenerhalter aus Angst vor höheren Kosten gegen die Akademisierung.

Ebenfalls international ungewöhnlich ist das derzeit in Österreich noch gültige Modell, dass an den Unis jeder ohne Zugangsverfahren ein Lehramtsstudium beginnen darf. Heuer haben bereits erste Unis Aufnahmekriterien eingeführt, verpflichtend wird die Selektion aber erst mit dem Studienjahr 2016/17. In zwei Drittel der 32 OECD-Länder mit verfügbaren Daten werden schon jetzt zusätzliche Auswahlkriterien neben der Hochschulreife angewandt, wobei auch eine Kombination mehrerer Verfahren möglich ist: 19 Länder setzen auf einen Numerus Clausus als Zugangskriterium, in neun Ländern müssen Interessenten ein Interview und in fünf Ländern einen Standardtest absolvieren.

Mit der neuen Lehrerausbildung (ab 2015/16 für Volksschullehrer, ab 2016/17 für die Sekundarstufe) wird auch die Dauer der Ausbildung angepasst: Mit drei Jahren ist die Ausbildung für Lehrer der Volks-, Haupt- und Neuen Mittelschule (NMS) derzeit um ein bis zwei Jahre kürzer als im OECD-Raum üblich, mit der neuen Lehrerausbildung soll sie allerdings künftig wie jene der Bundeslehrer (ABSH, BMHS) sechs Jahre - davon ein Jahr Induktionsphase mit einem Mentor - dauern.

(schluss) jle;aku;has

APA0159 II, XI, AI 09.09.2014 11:03:21

 

OECD: Österreich als Land der alten Lehrer

Utl.: 45 Prozent der Sekundarlehrer sind 50 Jahre und älter - OECD fordert Anreize für Lehrerberuf und warnt vor Gehaltskürzungen

Schule/Lehrende/OECD/Österreich/Frankreich

Zwischen 2002 und 2012 ist der Anteil von über 50-jährigen Lehrern im Sekundarbereich (u.a. Hauptschule/Neue Mittelschule, AHS, Berufsbildende Mittlere und Höhere Schulen/BMHS) in Österreich im OECD-Raum am stärksten gestiegen. Laut der neuen Studie "Bildung auf einen Blick" gab es im Schnitt ein Plus von vier Prozentpunkten bei den Lehrern der Generation 50 Plus, in Österreich waren es 26.

Insgesamt waren 2012 in Österreich 45 Prozent der Sekundarlehrer 50 Jahre und älter, im Volksschulbereich waren es 36 Prozent. Zum Vergleich: Im OECD-Schnitt waren bei den Sekundarlehrern 36 Prozent über 50, im Primarbereich 30 Prozent.

Die OECD hält in ihrer Studie auch gleich Empfehlungen bereit, wie die Politik auf die Überalterung der Lehrerschaft und den dadurch drohenden Verlust erfahrener Pädagogen reagieren sollte: Es brauche "deutlich stärkere Anreize für junge Menschen", sich für den Lehrerberuf zu entscheiden, eine Erweiterung der Ausbildungsgänge für Lehrkräfte und erforderlichenfalls alternative Qualifizierungswege für Quereinsteiger.

Das hohe Alter einer steigenden Zahl der Pädagogen bringt dabei nicht nur Bedarf an mehr jungen Lehrern, die Abgänge ersetzen sollen, sondern hat auch Auswirkungen auf die öffentlichen Haushalte: So bestehe in den meisten Schulsystemen (so auch in Österreich) ein Zusammenhang zwischen den Gehältern der Lehrkräfte und der Anzahl der Berufsjahre. "Ein höherer Anteil älterer Lehrkräfte in der Lehrerschaft erhöht die Kosten der Schulbildung, was zu einer Beschränkung der Mittel führt, die für die Umsetzung anderer Initiativen auf Schulebene zur Verfügung stehen."

Lehrergehälter sind bei der formalen Bildung der größte Einzelposten bei den Kosten, gleichzeitig aber auch mit den Arbeitsbedingungen wichtige Faktoren zur Anwerbung kompetenter Lehrer. Die OECD warnt daher in der Studie vor weiteren Kürzungen der Gehälter, die seit der Finanzkrise 2008 im OECD-Schnitt über alle Bildungsbereiche im Schnitt um fünf Prozent zurückgegangen sind (Österreich war nicht von Kürzungen betroffen, Anm.). So "sollte die Politik in ihrem Bemühen, sowohl die Qualität des Unterrichts als auch langfristig tragfähige Bildungshaushalte sicherzustellen, die Auswirkungen von Gehaltsveränderungen bei den Lehrkräften sorgsam abwägen".

(schluss) jle;aku;has

APA0154 II, XI, AI 09.09.2014 11:00:13

 

OECD: Österreich holt bei Hochschul-Abschlussquoten auf

Utl.: Akademikerrate aber nach wie vor gering - Hochschulbildung lohnt sich in Österreich am Arbeitsmarkt besonders - GRAFIK

Hochschule/Universität/OECD/Österreich/Frankreich

Österreich holt bei den Abschlussquoten im Hochschulbereich auf. Das zeigt die neue OECD-Studie "Bildung auf einen Blick 2014": Demnach werden hierzulande 39 Prozent eines Altersjahrgangs im Lauf ihres Lebens ein Studium abschließen - das liegt etwa im OECD-Schnitt. 1995 waren es in Österreich erst zehn Prozent (OECD: 20 Prozent). Die Akademikerquote bleibt indes vorerst weiter gering.

Grund für die unterschiedliche Entwicklung der beiden Indikatoren: Die Akademikerquote betrifft die 25- bis 64-Jährigen und zeigt den Anteil der Akademiker in dieser großen Altersgruppe. Bis die aktuellen Abschlussquoten auf die Akademikerrate durchschlagen, dauert es Jahre bzw. Jahrzehnte.

Der Anstieg der Abschlussquote im sogenannten Tertiärbereich A (Unis, Fachhochschulen, Pädagogische Hochschulen) in Österreich (Daten aus 2012) dürfte auf mehrere Faktoren zurückzuführen sein - etwa auf die Einführung der Fachhochschulen Mitte der 1990er Jahre sowie schnellere Studienabschlüsse (Bachelor) ab dem Beginn der 2000er Jahre. In allen anderen Staaten haben die Abschlussraten zwar ebenfalls zugenommen, allerdings (auch aufgrund des niedrigen Ausgangswertes in Österreich) meist nicht in gleichem Ausmaß.

Die höchsten Abschlussquoten werden in Island verzeichnet, wo 60 Prozent eines Altersjahrgangs ein Hochschulstudium abschließen (1995: 20 Prozent), gefolgt von Neuseeland (57 Prozent; 1995: 33 Prozent) und Polen (53 Prozent; keine Angabe für 1995). Der OECD- und der EU-Schnitt liegen bei je 38 Prozent. Zieht man nur jene OECD-Länder heran, für die auch 1995 schon Zahlen vorlagen, beträgt der OECD-Schnitt 42 Prozent.

Darüber hinaus schließen weitere zwölf Prozent eines Altersjahrgangs in Österreich einen Studiengang des sogenannten Tertiärbereichs B (etwa Kollegs, Meister- oder Werkmeisterschulen; berufs- oder lehrerbildende Akademien) ab - das liegt ebenfalls in etwa im OECD-Schnitt (zehn Prozent). Rechnet man beide Tertiärbereiche zusammen, kommt man für Österreich auf eine aktuelle Abschlussquote von 51 Prozent (OECD: 48 Prozent).

Die Akademikerquote in Österreich bleibt indes im OECD-Vergleich sehr niedrig: Der Anteil der 25- bis 64-Jährigen mit Hochschulabschluss (Tertiärbereich A und B) liegt erst bei 20 Prozent (OECD: 32 Prozent). An der Spitze befinden sich Kanada (53 Prozent), Japan (47 Prozent) und Israel (46 Prozent). Auch hier verzeichnete Österreich Zuwächse (2000: 14 Prozent), diese sind aber geringer als in fast allen anderen OECD-Ländern.

Die Vorteile einer Hochschulbildung sind in Österreich am Arbeitsmarkt übrigens besonders hoch: Die Beschäftigungsquote der 25- bis 64-Jährigen liegt bei Akademikern bei 87 Prozent (OECD: 83 Prozent) und damit auch höher als bei Absolventen aller anderen Ausbildungsstufen. Außerdem erzielen Akademiker (Tertiärbereich A und B) gegenüber Absolventen des sogenannten Sekundarbereichs II (z.B. AHS-Maturanten, Lehrabsolventen, Absolventen von berufsbildenden mittleren Schulen) in Österreich ein um 71 Prozent höheres Einkommen (OECD: 59 Prozent).

(GRAFIK 1070-14, Format 88 x 55mm)

(schluss) aku;jle;has

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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