Dienstag, 9. September 2014

2014.09.09: Bildung / OECD-Studie "Bildung auf einen Blick 2014"

ORF – 9. September 2014

 

Aufstieg bleibt schwierig

Bildung ist in Österreich immer noch eine Frage der Herkunft. Das macht die am Dienstag veröffentlichte Bildungsstudie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) deutlich. Danach gelingt in Österreich ein Bildungsaufstieg nicht einmal einem Viertel der 25- bis 34-Jährigen. Das bedeutet: Alle anderen kommen nicht über den Schulabschluss der eigenen Eltern hinaus. Dabei erhöht gerade in Österreich ein Hochschulabschluss nach wie vor deutlich die Chancen auf einen überdurchschnittlich gut bezahlten Job.

Lesen Sie mehr …

------------------------------------------

 

Herkunft als Kriterium

In Österreich erreicht nur ein sehr geringer Anteil der Bevölkerung einen höheren Bildungsabschluss als die Eltern. Nur je 21 Prozent der 25- bis 34-jährigen Männer bzw. Frauen, die nicht mehr in Ausbildung sind, erreichten einen höheren Bildungsabschluss als ihre Eltern.

Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenAuf Google+ teilen

In den OECD-Ländern sind es dagegen durchschnittlich immerhin 28 Prozent der Männer und 36 Prozent der Frauen, die mit ihren Bildungsabschlüssen die eigenen Eltern überflügeln. Bei den 26- bis 64-Jährigen schaffen überhaupt nur in Deutschland und Tschechien noch weniger den Aufstieg als in Österreich.

Studie umfasst gesamtes Bildungssystem

Diese Umstände sind freilich nicht neu. Seit 1996 veröffentlicht die OECD jedes Jahr eine aktuelle Ausgabe ihrer Studie. Die Ergebnisse decken dabei das gesamte Bildungssystem vom Kindergarten bis zur Erwachsenenbildung ab. Die Studie umfasst unter anderem Daten zur Bildungsbeteiligung, Absolventenquoten, Bildungsausgaben sowie zu Weiterbildung und zu Lehr- und Lernbedingungen.

Für Österreich war der Tenor über die Jahre hinweg recht gleichlautend: Das Land habe zu wenige Akademiker, zu niedrige Schreib- und Lesekonsequenzen und überdurchschnittliche Gehälter für Lehrer. Darüber hinaus stand seit Jahren eben die geringe Durchlässigkeit des Bildungssystems in der Kritik.

Heinisch-Hosek baut auf Gesamtschule

Der Problematik scheint sich die Politik durchaus bewusst zu sein. Der grüne Bildungssprecher Harald Walser etwa spricht von „erschreckenden“ Befunden und fordert eine „Bildungsrevolution“. Aber auch aus der Regierung kommt der Wunsch nach Veränderung. „Wir brauchen mehr Bewegung bei der Vererbung von Bildung“, sagte Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) Ministerin am Dienstag anlässlich der Veröffentlichung der OECD-Studie bei einem Hintergrundgespräch. Dabei will sie - wenig überraschend - auf Maßnahmen wie die Ausbauoffensive bei Ganztagsschulen setzen.

Um mehr Kindern den Besuch dieser „echten“ Ganztagsschulen zu ermöglichen, wo soziale Benachteiligungen besser ausgeglichen werden sollen, will Heinisch-Hosek auch über eine mögliche Auflösung der Schulsprengel diskutieren, so dass künftig leichter Schulen aus Nachbargemeinden besucht werden können. Allerdings müsse man hier „akribisch aufpassen“, dass es nicht zu Benachteiligungseffekten von Gemeinden, die viel in Schulen investiert haben, komme.

Hohe Bildungsausgaben

Insgesamt sieht Heinisch-Hosek durch die aktuelle OECD-Studie allerdings auch bekannte Trends bestätigt: Österreich sei bei der Berufsbildung „top, man kann sagen Weltklasse“ und habe die Wirtschaftskrise verhältnismäßig gut bewältigt. Auch bei der Elementarpädagogik habe man „ordentlich aufgeholt“, so haben 2012 schon 65 Prozent der Dreijährigen einen Kindergarten besucht (plus 18 Prozent seit 2005, OECD-Schnitt: 70 Prozent). Bei den Bildungsausgaben sei jedoch „teilweise mehr Effizienz gefragt“.

Tatsächlich liegt Österreich mit Ausgaben von 13.116 US-Dollar pro Auszubildenden vom Kindergarten bis zu den Hochschulen hier deutlich über dem OECD-Schnitt von 9.487 Dollar. Das kann auch auf die vergleichsweise kleinen Klassengrößen, sowie die verhältnismäßig kurze Zeit, die Lehrer in den Klassen verbringe, zurückgeführt werden. Während österreichische Lehrer in der Hauptschule und AHS-Unterstufe durchschnittlich 607 Stunden im Jahr unterrichten, kommen ihre Kollegen im OECD-Schnitt auf 694 Stunden. Dazu kommen die im OECD-Vergleich hohen Lehrergehälter.

Hohe Gehälter für Lehrer und Akademiker

Verglichen mit anderen Akademikern relativieren sich freilich die Gehälter von Österreichs Lehrern. So verdient ein Lehrer in der Volksschule gerade einmal 55 Prozent vom durchschnittlichen Akademikergehalt, in der Sekundarstufe I sind es 60 und in der Sekundarstufe II 61 Prozent. Überhaupt sind die Vorteile einer Hochschulbildung in Österreich am Arbeitsmarkt besonders hoch: Die Beschäftigungsquote der 25- bis 64-Jährigen liegt bei Akademikern bei 87 Prozent (OECD: 83 Prozent) und damit auch höher als bei Absolventen aller anderen Ausbildungsstufen.

Außerdem erzielen Akademiker gegenüber Absolventen des Sekundarbereichs II (z. B. AHS-Maturanten, Lehrabsolventen, Absolventen von berufsbildenden mittleren Schulen) in Österreich ein um 71 Prozent höheres Einkommen. Im OECD-Schnitt beträgt dieser Unterschied nur 59 Prozent. Das mag auch an der in Österreich noch immer verhältnismäßig niedrigen Akademikerquote liegen. Der Anteil der 25- bis 64-Jährigen mit Hochschulabschluss (Tertiärbereich A und B) liegt erst bei 20 Prozent (OECD: 32 Prozent). An der weltweiten Spitze befinden sich Kanada (53 Prozent), Japan (47 Prozent) und Israel (46 Prozent).

Mehr Hochschulabschlüsse

Allerdings sollte die Quote in Zukunft ansteigen. Nach der aktuellen OECD-Studie werden hierzulande 39 Prozent eines Altersjahrgangs im Lauf ihres Lebens ein Studium abschließen. Damit liegt Österreich im OECD-Schnitt. Der Anstieg der Abschlussquote ist freilich zu Teilen Kosmetik. So sind die vermehrten Abschlüsse auch auf die Einführung der Fachhochschulen Mitte der 1990er Jahre sowie schnellere Studienabschlüsse (Bachelor) ab dem Beginn der 2000er Jahre zurückzuführen.

Auf die Akademikerquote selbst schlägt diese Entwicklung allerdings noch nicht sofort durch. Denn die Akademikerquote betrifft die 25- bis 64-Jährigen und zeigt den Anteil der Akademiker in dieser großen Altersgruppe. Bis die aktuellen und zukünftigen Abschlussquoten nachweislich die Akademikerrate prägen, wird es also noch Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte dauern.

------------------------------------------

 

Österreich steht fast alleine da

Österreich ist mit der Ausbildung von Kindergartenpädagogen an den Bildungsanstalten für Kindergartenpädagogik (BAKIP) eine Ausnahmeerscheinung in der OECD, wie die am Dienstag veröffentlichte Studie „Bildung auf einen Blick 2014“ zeigt. Nur in der Slowakei werden Kindergartenpädagogen ebenfalls nicht auf tertiärem Niveau ausgebildet.

Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenAuf Google+ teilen

In 25 der 35 Länder mit verfügbaren Daten werden Kindergartenpädagogen auf Hochschulen (Uni, Fachhochschule, Pädagogische Hochschule) ausgebildet, an sechs im außerhochschulischen Tertiärbereich (Kolleg, berufsbildende und lehrerbildende Akademien), in Japan und Südkorea gibt es beide Modelle.

Kein Studium für Österreichs Kindergärtner

In Österreich erfolgt die Ausbildung der Kindergartenpädagogen mit den BAKIPs an Schulen, an denen wie bei den berufsbildenden höheren Schulen (BHS) neben der Matura auch eine Berufsberechtigung erworben wird. Außerdem können Maturanten im Kolleg eine zweijährige Ausbildung absolvieren.

Im Zuge der neuen Pädagogenausbildung war zwar eine Akademisierung der Kindergartenpädagogen geplant, mangels Angeboten an den Hochschulen wird die Ausbildung dort allerdings vorerst weiter kaum stattfinden. Außerdem wehren sich die Gemeinden als Kindergartenerhalter aus Angst vor höheren Kosten gegen die Akademisierung.

Zugangsverfahren für Lehrer internationaler Standard

Ebenfalls international ungewöhnlich ist das derzeit in Österreich noch gültige Modell, dass an den Unis jeder ohne Zugangsverfahren ein Lehramtsstudium beginnen darf. Heuer haben bereits erste Unis Aufnahmekriterien eingeführt, verpflichtend wird die Selektion aber erst mit dem Studienjahr 2016/17.

In zwei Drittel der 32 OECD-Länder mit verfügbaren Daten werden schon jetzt zusätzliche Auswahlkriterien neben der Hochschulreife angewandt, wobei auch eine Kombination mehrerer Verfahren möglich ist: 19 Länder setzen auf einen Numerus clausus als Zugangskriterium, in neun Ländern müssen Interessenten ein Interview und in fünf Ländern einen Standardtest absolvieren.

Mit der neuen Lehrerausbildung (ab 2015/16 für Volksschullehrer, ab 2016/17 für die Sekundarstufe) wird auch die Dauer der Ausbildung angepasst: Mit drei Jahren ist die Ausbildung für Lehrer der Volks-, Haupt- und Neuen Mittelschule (NMS) derzeit um ein bis zwei Jahre kürzer als im OECD-Raum üblich, mit der neuen Lehrerausbildung soll sie allerdings künftig wie jene der Bundeslehrer (ABSH, BMHS) sechs Jahre - davon ein Jahr Induktionsphase mit einem Mentor - dauern.

------------------------------------------

 

Fast die Hälfte über 50

An Österreichs Schulen unterrichten vermehrt alte Lehrer. Laut der aktuellen OECD-Studie „Bildung auf einen Blick“ stieg der Anteil von über 50-jährigen Lehrern im Sekundarbereich (etwa Hauptschule und Neue Mittelschule, AHS sowie berufsbildende mittlere und höhere Schulen) zwischen 2002 und 2012 um mehr als ein Viertel. Der OECD-Schnitt lag gerade bei vier Prozent.

Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenAuf Google+ teilen

Insgesamt waren 2012 in Österreich 45 Prozent der Sekundarlehrer 50 Jahre und älter, im Volksschulbereich waren es 36 Prozent. Zum Vergleich: Im OECD-Schnitt waren bei den Sekundarlehrern 36 Prozent über 50, im Primarbereich 30 Prozent.

OECD will Anreize für Junge und Quereinsteiger

Die OECD hält in ihrer Studie auch gleich Empfehlungen bereit, wie die Politik auf die Überalterung der Lehrerschaft und den dadurch drohenden Verlust erfahrener Pädagogen reagieren sollte: Es brauche „deutlich stärkere Anreize für junge Menschen“, sich für den Lehrerberuf zu entscheiden, eine Erweiterung der Ausbildungsgänge für Lehrkräfte und erforderlichenfalls alternative Qualifizierungswege für Quereinsteiger.

Hohe Gehälter für die Älteren

Das hohe Alter einer steigenden Zahl der Pädagogen bringt dabei nicht nur Bedarf an mehr jungen Lehrern, die Abgänge ersetzen sollen, sondern hat auch Auswirkungen auf die öffentlichen Haushalte: So bestehe in den meisten Schulsystemen - so auch in Österreich - ein Zusammenhang zwischen den Gehältern der Lehrkräfte und der Anzahl der Berufsjahre.

„Ein höherer Anteil älterer Lehrkräfte in der Lehrerschaft erhöht die Kosten der Schulbildung, was zu einer Beschränkung der Mittel führt, die für die Umsetzung anderer Initiativen auf Schulebene zur Verfügung stehen“, heißt es in der Studie.

OECD warnt vor Kürzungen

Lehrergehälter sind bei der formalen Bildung der größte Einzelposten bei den Kosten, gleichzeitig aber auch mit den Arbeitsbedingungen wichtige Faktoren zur Anwerbung kompetenter Lehrer. Die OECD warnt daher in der Studie vor weiteren Kürzungen der Gehälter, die seit der Finanzkrise 2008 im OECD-Schnitt über alle Bildungsbereiche im Schnitt um fünf Prozent zurückgegangen sind. So „sollte die Politik in ihrem Bemühen, sowohl die Qualität des Unterrichts als auch langfristig tragfähige Bildungshaushalte sicherzustellen, die Auswirkungen von Gehaltsveränderungen bei den Lehrkräften sorgsam abwägen“.

Gehalt eine Frage des Verhältnisses

Österreichs Lehrer waren von Kürzungen bisher allerdings noch nicht betroffen. Pädagogen verdienen hierzulande zu jedem Zeitpunkt ihrer Karriere und in allen Schultypen mehr als im OECD-Schnitt. Lag 2012 bei Volksschullehrern schon das Einstiegsgehalt mit rund 32.600 US-Dollar (kaufkraftbereinigt) pro Jahr über dem OECD-Schnitt (29.400), ist der Abstand beim Höchstgehalt mit rund 64.100 noch größer (OECD: 46.900). Ähnlich verhält es sich in der Sekundarstufe I (Ö: rund 34.100 Start-, rund 66.500 Endgehalt; OECD: 30.700 bzw. 48.900) und der Sekundarstufe II (Ö: 34.600 bzw. 69.400; OECD: 32.300 bzw. 51.700).

Im Vergleich zu anderen Akademikern stehen Lehrer in Österreich dagegen nicht so gut da. So verdient ein Lehrer in der Volksschule gerade einmal 55 Prozent vom durchschnittlichen Akademikergehalt, in der Sekundarstufe I sind es 60 und in der Sekundarstufe II 61 Prozent (OECD: 85 bzw. 88 und 92 Prozent).

------------------------------------------

 

Analphabetenquote bleibt weltweit hoch

781 Millionen Erwachsene weltweit können nicht lesen und schreiben. Die von der UNESCO seit dem Jahr 2000 angestrebte Halbierung der Analphabetenraten liegt in weiter Ferne. Zu handeln täte aber not, ist doch der Analphabetismus, den es auch in Österreich in siebenstelliger Größe gibt, eine Last etwa für die Wirtschaft.

Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenAuf Google+ teilen

UNESCO-Chefin Irina Bokova hat deshalb die Weltgemeinschaft zu mehr Engagement zur Förderung von Lesen und Schreiben aufgerufen. In Österreich haben laut einer OECD-Studie eine Million Menschen Probleme beim Lesen.

Hierzulande wurde im 2013 veröffentlichten „Programme for the International Assessment of Adult Competencies“ (PIAAC) 17 Prozent der 16- bis 65-Jährigen nur eine geringe Lesekompetenz bescheinigt, diese Gruppe ist dadurch mit möglichen Beeinträchtigungen in Beruf oder Alltag konfrontiert. Männer haben dabei nicht signifikant besser abgeschnitten als Frauen. Unterschiede gibt es allerdings nach soziodemografischen Merkmalen: So hat jeder vierte 55- bis 65-Jährige nur niedrige Lesekompetenz, außerdem hat jeder Dritte mit maximal Pflichtschulabschluss Probleme beim Lesen.

Frauen weltweit am stärksten betroffen

Weltweit gesehen am stärksten von Analphabetismus betroffen sind Frauen: Zwei Drittel der Analphabeten sind weiblich, dieser Anteil konnte wegen des in fast 40 Prozent der Staaten noch immer eingeschränkten Zugangs von Mädchen zu Bildung seit 1990 nicht reduziert werden.

Eine Viertelmilliarde Kinder können weder Texte lesen noch Wörter schreiben, obwohl sie mindestens vier Jahre Schulbesuch hinter sich haben. Eine echte Chance auf eine Alphabetisierung im zweiten Bildungsweg gebe es allerdings nur in wenigen Ländern.

Zehn Länder mit massiver Analphabeten-Ballung

Weltweit gab es zwar laut der UNESCO-Studie „Weltbericht Bildung für alle 2013/14“ seit 1990 einen durchaus bedeutenden Rückgang an Analphabeten um zwölf Prozent, seit 2000 aber betrug das Minus nur noch ein Prozent. 557 Mio. der erwachsenen Analphabeten leben in nur zehn Ländern, am meisten sind es in Indien, China und Pakistan.

Unterdessen ist in Subsahara-Afrika die Zahl der Analphabeten seit 1990 wegen des Bevölkerungswachstums um mehr als ein Drittel gestiegen. Auch die Länder mit den geringsten Alphabetisierungsraten von unter 35 Prozent liegen heute in Afrika (Burkina Faso, Guinea, Mali, Niger, Tschad).

Für Unternehmen verursacht Analphabetismus laut einer deutschen Studie zusätzliche Kosten und eine Mehrbelastung der Kollegen. Dennoch sind nur wenige Betriebe bereit, in die Bildung der betroffenen Mitarbeiter zu investieren.

Die Kosten des Analphabetismus

Die Stiftung Lesen in Mainz hatte mehr als 1.600 Arbeitnehmer und fast 550 Arbeitgeber in Deutschland aus den Branchen Gastgewerbe, Transport, Logistik, Landschaftsbau und Bau befragen lassen. 34 Prozent der Beschäftigten und 42 Prozent der Unternehmer gaben an, mindestens einen Analphabeten im Betrieb zu kennen. Details der Studie sollen am 8. September vorgestellt werden.

In Deutschland schätzt man die Zahl all jener, die nicht richtig lesen und schreiben können, auf ca. 7,5 Millionen.

41 Prozent der Arbeitgeber und 47 Prozent der Kollegen berichten laut der Mainzer Studie von Folgen, sollte ein Beschäftigter ein Analphabet sein. „In Unternehmen, wo die Betroffenen offen damit umgehen, wird weniger über Probleme berichtet“, so Studienleiterin Simone Ehmig.

Wie sich die Kollegen durchschlagen

Zwar befürwortet ein Großteil der Befragten, dass auch Erwachsene noch lesen und schreiben lernen sollen. „Wenn es um konkrete Maßnahmen geht, sehen wir jedoch auch klare Grenzen“, sagte Ehmig. Im Arbeitsalltag halten es Arbeitgeber und Beschäftigte häufig nicht für nötig, dass die Betroffenen eine Grundbildung erwerben, weil die Abläufe auch so funktionieren: Die Analphabeten werden für bestimmte Aufgaben nicht eingesetzt, Kollegen kompensieren ihr Defizit oder Farbcodes und Symbole ersetzten Schrift.

 

 

APA0364 II, XI, AI 09.09.2014 14:30:02

 

OECD: Alle fühlen sich bestätigt

Utl.: Rufe nach akademischer Ausbildung der Kindergartenpädagogen und mehr Mitteln für Hochschulen

Berufsausbildung/Bildung/Schule/OECD/Frankreich/Österreich

Wie jedes Jahr fühlen sich auch heuer praktisch alle Parteien und Interessenvertretungen durch zumindest ein Ergebnis der 700-Seiten-OECD-Studie "Bildung auf einen Blick" bestätigt. Grüne, HochschülerInnenschaft (ÖH) und Arbeiterkammer (AK) kritisierten in Aussendungen vor allem die schlechten Werte Österreichs bei der Bildungsmobilität.

AK-Präsident Rudolf Kaske forderte zur Bekämpfung der ungleichen Bildungschancen ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr sowie einen Schwerpunkt auf Unterrichts- und Betreuungsqualität beim Ausbau der Ganztagsschulen. Außerdem müssten Kindergartenpädagogen wie fast in der gesamten OECD auf akademischem Niveau ausgebildet werden.

Die Industriellenvereinigung (IV) will gleich die "Reset"-Taste bei der Bildung drücken. Auch für Generalsekretär Christoph Neumayr ist es "absurd", dass sich Österreich nach wie vor keine akademische Ausbildung im Elementarbereich leiste. Außerdem müsse es Änderungen bei der "unübersichtlichen Schulverwaltungsstruktur" geben - nach wie vor würden die hohen Bildungsausgaben und die vom Spitzenfeld weit entfernte Bildungsqualität nicht übereinstimmen.

Die ÖH forderte eine "drastische Erhöhung der Bildungsausgaben und eine Bildungsreform". Mit besseren Betreuungsverhältnissen und Ausgaben von zwei Prozent des BIP im tertiären Sektor könne man die Akademikerquote deutlich anheben. Auch die Grüne Wissenschaftssprecherin Sigrid Maurer fordert von der Regierung ein "Herausrücken der Uni-Milliarde". Österreich sei mit Ausgaben von 1,5 Prozent für den tertiären Sektor vom Zwei-Prozent-Ziel weit entfernt.

ÖVP-Wissenschaftssprecher Karlheinz Töchterle unterstützt Forderungen nach mehr Mitteln für den Hochschulsektor. "Gerade auch, um international mithalten zu können, ist eine Budgetsteigerung unabdingbar", so Töchterle. Man müsse aber auch sehen, dass die öffentliche Hand in Österreich schon jetzt mehr Budget für den tertiären Bereich zur Verfügung stellt (1,4 Prozent des BIP), als im OECD-Durchschnitt (1,1 Prozent). "Wir müssen also auch bei den privaten Mitteln eine weitere Steigerung erreichen."

Die FPÖ will aus der Studie herausgelesen haben, dass "das Schulexperiment Neue Mittelschule gescheitert" sei.

(schluss) aku;jle;has

OTS0167 II 09.09.2014 13:56:24

 

VSStÖ/AKS zu OECD Studie Education at a Glance - Elitenreproduktion stoppen!

Utl.: Die heute veröffentlichte Studie zeigt eines ganz deutlich - sozialer Aufstieg ist in Österreich auch im Jahr 2014 besonders schwer und selten.

Bildung/Hochschulen/OECD/VSStÖ/AKS

Die Bildungsmobilität in Österreich schneidet in der OECD Studie besonders schlecht ab. Vor allem Frauen haben schlechte Karten was den sozialen Aufstieg anbelangt. Nur an die 21% der jungen Männer und Frauen, die nicht mehr in Ausbildung sind, erreichen einen höheren Bildungsabschluss als ihre Eltern. Im OECD Schnitt sind es dagegen immerhin 28% der Männer und 36% der Frauen.

"Besorgniserregend ist dieser Trend, wenn man bedenkt, dass hier wiederum eine Elitenreproduktion stattfindet. Bildungssektoren dürfen nicht voneinander getrennt betrachtet werden, denn schon in der Volksschule finden Selektionen statt, die Auswirkungen auf den weiteren Bildungsverlauf haben. Wieder einmal zeigt sich hier großer Handlungsbedarf in Richtung Umsetzung der Gesamtschule", so Christina Götschhofer Vorsitzende der Aktion kritischer Schüler_innen.

Über Jahrhundete hinweg hat das Bildungsbürger_innentum die Macht über die Hochschulen. Kinder aus Arbeiter_innenfamilien wird der Zugang zu tertiärer Bildung größtenteils immer noch verwehrt. Zugangsbeschränkungen, Studiengebühren und die Tatsache, dass Studieren an sich in Österreich in den letzten Jahren generell sehr teuer geworden ist, stellen eine natürliche Hürde für Arbeiter_innenkinder dar. "Das Beihilfensystem muss endlich reformiert werden, Zugangshürden jeglicher Art gehören wieder abgeschafft und es muss für alle Kinder in Österreich ein freier Bildungszugang geschaffen werden", fügt Rasha Abd El Mawgoud Vorsitzende des Verband Sozialistischer Student_innen hinzu.

"Dass Aufstiegschancen auch heutzutage noch von der Herkunft abhängen, ist ein Armutszeugnis für diese Bundesregierung und einem Sozialstaat unwürdig. Große Investitionen in Bildung haben nur dann einen Sinn, wenn sie auch bei allen Menschen in Österreich ankommen - unabhängig von ihrer Herkunft", so Götschhofer und Abd El Mawgoud unisono. AKS und VSStÖ sind sich einig: Vom Kindergarten bis zur Hochschule - Bildung darf kein Privileg der Eliten sein.

Rückfragehinweis:
Verband Sozialistischer Student_innen
Katharina Krischke
Pressesprecherin
Tel.: +43 676 385 8813
mailto:katharina.krischke@vsstoe.at
http://www.vsstoe.at


Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/11627/aom

*** OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT ***

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen