Donnerstag, 11. September 2014

2014.09.11: Newsletter Bildung

 

KLZ – 11- September 2014

 

Rund 60 Prozent haben den Nachzapf geschafft

2319 Schüler in den steirischen AHS und BHS haben die Nachprüfung bestanden. Aber mehr als 1000 Schüler sind nicht aufstiegsberechtigt. Dabei kommt Sitzenbleiben in Verruf.

Demotivierend, schlecht fürs Selbstwertgefühl und die Kinder verlieren von heute auf morgen ihre Freunde - so fasst Schulpsychologe Josef Zollneritsch die Folgen des Sitzenbleibens zusammen. Es sei kein zeitgemäßes, pädagogisches Mittel mehr.

651 steirische Schüler in AHS und BHS (bei der BHS-Statistik fehlen noch die Ergebnisse von fünf Schulen) sind seit Anfang dieser Woche damit konfrontiert, dass sie "Sitzenbleiber" sind, weil sie den Nachzapf nicht geschafft haben. Mit jenen, die mehr als zwei Fleck hatten, jenen, die gar nicht mehr angetreten sind, liegt die Zahl deutlich über 1000. Junge Menschen, die nicht aufsteigen, ein Jahr verlieren oder aus der Schullaufbahn aussteigen.

Seit Jahren läuft die Debatte, ob wir uns das Sitzenbleiben leisten, es Jugendlichen zumuten können. Es gibt seit einigen Jahren Schulversuche (Ursulinen Graz, BHAK Weiz), die mit der modularen Oberstufe ab der zehnten Schulstufe das Sitzenbleiben nahezu abgeschafft haben. Mit guten Erfahrungen, betont der Weizer BHAK-Leiter Wolfgang Schweighofer: "Schüler bleiben in der Klassengemeinschaft und verlieren kein Jahr." Schaffen sie die Wiederholungsprüfung nicht, gibt es weitere Chancen: Kolloquien, Coaching und Förderung. Erst wenn gar nichts hilft, bleibt ein Schüler sitzen: "Aber das sind zwei, drei im Jahr." Schweighofer bedauert, dass dieses Modell mit der flächendeckenden Einführung der "Neuen Oberstufe" 2017 abgeschafft wird.

Dann wird es für die Altersklasse 16+ in den "Versuchsschulen" härter. Lief die Oberstufenreform zunächst unter dem Motto "kein Sitzenbleiben mehr", hat die Bildungspolitik nachgeschärft: Jetzt heißt es "Leistungsdruck und Eigenverantwortung". Man muss prinzipiell in jedem Semester positiv sein. Aber: Man kann mit maximal zwei Fleck aufsteigen, einmal - bei Zustimmung der Lehrer - mit drei.

Besonders hart trifft Sitzenbleiben auch Volksschüler, ist Zollneritsch überzeugt. Hier könne der Grundstein für eine "Karriere" als Schulversager gelegt werden. Erfolgsversprechender wäre es, gerade auch Volksschulkinder im Klassenverband zu belassen und in den Problemfächern zu fördern. "Das würde natürlich auch mehr offenen und weniger Frontalunterricht bedeuten." Während die eine Gruppe etwa in Mathematik den 3.-Klasse-Stoff lernt, könnten sich die Nachzügler in einer eigenen Gruppe nochmals dem Stoff aus der 2. Klasse widmen. Erst am Ende der Pflichtschule müssten dann alle Schüler den gesamten Stoff intus haben.

BERND HECKE, MONIKA SCHACHNER

 

----------------------------------

 

„Das ist ein gestohlenes Jahr“

 

SP-Bildungssprecherin Grossmann setzt auf die Schulen.

 

   Volkswirtschaftlich gesehen kommt uns das Sitzenbleiben teuer zu stehen: zum einen durch die Kosten, die durch das zusätzliche Jahr entstehen. Zum anderen, weil der/die Schüler/-in ein Jahr später ins Erwerbsleben einsteigt – und das bei sinkenden Geburtenzahlen. Für die Schülerinnen und Schüler selbst ist es ein gestohlenes Jahr und bedeutet oft auch soziale Ausgrenzung: Sie verlieren ihren Freundeskreis. Meiner Meinung nach sollten sie trotzdem aufsteigen und später eine Prüfung in jenem Fach ablegen können, in dem sie negativ sind. Dafür müsste die Schule in den Ferien und während der Schulzeit nachmittags entsprechende Fördereinheiten anbieten – entweder durch die Klassenlehrer oder eine Extrakraft. Die Entscheidung darüber soll jede Schule für sich selber treffen – auch unter Miteinbeziehung der Eltern. Davon würden auch Kinder aus Familien mit weniger Einkommen profitieren. Die Schule erfolgreich zu beenden, soll keinesfalls vom Geldbörsel der Eltern abhängen. Sonst droht eine „verlorene Generation“. Ich hoffe, dass nun nach der Regierungsumbildung auch der Umsetzungswille seitens des Koalitionspartners ÖVP da ist.

 

----------------------------------

 

„Chance für einen Neuanfang

 

KPH-Rektor Barones ist in Ausnahmefällen dafür.

 

   Ein Schuljahr wiederholen zu müssen, ist in gewisser Weise ein Ausdruck des Scheiterns: der betroffenen Schülerinnen und Schüler, der verantwortlichen Lehrer, der Eltern, des Schulsystems im Ganzen. Ein Scheitern, dessen man sich als Schüler/-in meist schämt und das eher Motivation nimmt als befördert. Von daher sind alle Anstrengungen auf allen Ebenen des Systems zu unternehmen, die eine solche Maßnahme unnötig machen: durch eine gute Unterrichtsqualität und ein positives Arbeitsklima, durch individuelle Förderung, durch richtige Schulwahl und durch Stützung der Familie. Wenn trotz aller Bemühungen am Jahresende die Leistung nicht genügend ist, kann allerdings die Wiederholung auch als Chance eines Neuanfanges, einer Atempause, einer motivationalen Neuorientierung gesehen werden. Ein grundsätzliches Problem beim Wiederholen stellt der Umstand dar, dass man auch jene Gegenstände wiederholen muss, die positiv abgeschlossen wurden. Es gibt zwar bereits die Möglichkeit, trotz der negativen Beurteilung in einem Fach unter bestimmten Voraussetzungen aufzusteigen, aber dieser Ansatz wäre noch auszubauen.

 

 

 

"Kleine Zeitung" vom 11.09.2014                             Seite: 14

Ressort: Bundesland

 

BERND HECKE

 

Steiermark

 

AUFWECKER

 

Sitzen bleiben!

 

   Würden Sie raushängen lassen, dass Sie sitzen geblieben sind? Sehen Sie, ich auch nicht! Vielleicht schämt man sich als Junger eher, wenn man Vorzugsschüler ist. Aber kommt man in die Jahre, steht das verlorene Jahr im Lebenslauf wohl nicht fett gedruckt. Aber ist es allein das eigene Versagen? Sind schlechte Noten des Schülers nicht auch Zensuren für Lehrer, das Bildungssystem?

 

   Schule muss fordern, aber sie kann bedeutend mehr fördern. Es hat in den letzten Jahren Schulversuche mit der „Modularen Oberstufe“ gegeben, die viel investiert haben, Schülern nicht einfach ein Jahr mehr aufzubrummen, sondern sie zu coachen, um sie im Klassenverband zu halten. Die 2017 in Kraft tretende Oberstufenreform hat nicht alles übernommen, schafft aber mehr Spielraum, bevor man sitzen bleibt.

 

   Sitzenbleiben ist nicht zwingend ein verlorenes Jahr. Man kann vom Leben lernen, reifen. Freilich könnte man in dieser Zeit von der Schule deutlich mehr lernen, ohne ein Jahr liegen zu lassen. Also sollten die Experten lieber noch ein wenig sitzen bleiben, um an noch besseren Modellen zu tüfteln.

 

   Sie erreichen den Autor unter

 

   bernd.hecke@kleinezeitung.at

 

 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 210 vom 11.09.2014              Seite: 2

Ressort: Innenpolitik

 

Österreich

 

„Ausstiegshilfe“ für die zwei Bifie-Direktoren

 

   Sie kassierten fünf Monatsgehälter für „einvernehmlichen“ Ausstieg aus gutdotierten Langzeitverträgen. Beide haben Rückkehrrechte.

 

   HElmut Schliesselberger WIEN. Für gut ein Jahr nicht gänzlich pannenfreier Arbeit an der Spitze des Bildungsforschungsinstituts und einen nicht ganz freiwilligen „einvernehmlichen“ Abgang erhalten die beiden Ex-Direktoren des Bifie eine Abgangsentschädigung von fünf Monatsgehältern. Weitere „Anreize“, aus ihren langjährigen Verträgen vorzeitig auszuscheiden, wurden den beiden Bifie-Chefs laut einer am Mittwoch veröffentlichten Anfragebeantwortung nicht angeboten.

 

    Die Bifie-Doppelspitze, Martin Netzer und Christian Wiesner, war nach einer Reihe von Pannen im Bildungsforschungsinstitut von Ministerin Gabriele Heinisch-Hosek zum Abgang gedrängt worden. Für Aufregung hatte insbesondere ein „Datenleck“ mit angeblich frei zugänglichen Ergebnissen von Schüler-Kompetenzmessungen und E-Mail-Adressen gesorgt, aufgrund dessen eine hektisch agierende Bildungsministerin sogar die PISA-Test-Teilnahme (vorübergehend) absagte. Massive Pannen beim ebenfalls recht hektisch umgesetzten heurigen Zentralmatura-Testlauf (nachträglich veränderte Bewertungsschlüssel, unvollständige Aufgabenhefte, fragwürdige Deutschmatura-Aufgaben) gaben dem Direktorenduo dann den Rest.

 

   Die Höhe der ausbezahlten Abgangsentschädigung geht nun aus der Beantwortung einer Anfrage des FPÖ-Abgeordneten Walter Rosenkranz an Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek zum Thema „Golden Handshakes“ hervor. In der FPÖ-Anfrage wurde gemutmaßt, es sei „nur äußerst schwer vorstellbar“, dass die Ex-Direktoren auf ihren Gehaltsentgang von je 600.000 Euro für vier Jahre, die sie zu früh aus ihrem Fünf-Jahresvertrag ausscheiden mussten, verzichten würden. So weit kam es nicht. Anfang Juli hatte es aber geheißen, es gebe schwierige Verhandlungen über den „freiwilligen“ Rückzug.

 

   Das Jahresgehalt der beiden Bifie-Direktoren betrug laut den seinerzeitigen Ausschreibungsunterlagen 150.000 Euro im Jahr. Bei fünf Monatsgehältern Entschädigung dürften Martin Netzer und Christian Wiesner jeweils mit rund 53.600 Euro brutto „Abgangsentschädigung“ auf weniger exponierte Leitungsfunktionen im Ministerium bzw. im Bifie zurückkehren. Denn beide waren für ihre Tätigkeit an der Spitze des Bifie karenziert.

 

   Netzer und Wiesner galten als rot-schwarze Proporzbesetzung für die Bifie-Chefetage. Martin Netzer, ehemals Büroleiter von ÖVP-Bildungsministerin Elisabeth Gehrer, war vor dem Wechsel ins Bifie-Direktorium stv. Leiter der Sektion Berufs-, Erwachsenenbildung und Schulsport. Ihm ist nun, wie es in der Anfragebeantwortung heißt, im Ministerium „ein Arbeitsplatz der entsprechenden Wertigkeit zuzuweisen“.

 

    Der gemäß Proporzlogik der roten Reichshälfte zugerechnete Christian Wiesner war vor seinem Aufstieg an die Bifie-Spitze Leiter des „zentralen Managements und Services“ beim Bifie und leitet neuerdings die Bifie-Organisationseinheit „Netzwerk angewandte Forschung und Lehre“.

 

   Das Bifie wird momentan interimistisch von Claudia Schreiner aus dem Bifie und Jürgen Horschinegg aus dem Ministerium geleitet. Über eine Bifie-Reform und ein im Raum stehendes „Abspecken“ des Bildungsforschungsinstituts berät derzeit eine Arbeitsgruppe.

 

 

"Der Standard" vom 11.09.2014                                Seite: 7

Ressort: Inland

 

Bundesland, Bundesland Abend

 

Neos wollen autonome Schule

 

Strolz: Vorarlberg soll Schulversuch starten

 

   Dornbirn – Österreichs Schulen sollen autonom werden. Den Anfang könnte Vorarlberg mit einem „Bildungsleuchtturm Rheintal“ machen, meint Matthias Strolz (Neos). Vorarlberg soll einen Schulversuch „Autonome Schule“ beantragen. In Vorarlberg ist man aber mit einem Forschungsprojekt zur gemeinsamen Schule beschäftigt. Vor Beendigung der Studie wird man keine Aktivitäten setzen.

 

   Der Neos-Chef präsentierte zum Vorarlberger Wahlkampffinale in Dornbirn die nationale Initiative „Autonome Schule“. Pädagogische, finanzielle und personelle Autonomie sind die Eckpfeiler der pinken Schule. Die Umstellung auf das Autonomiekonzept würde, rechnet Strolz, zehn Jahre dauern. Mit der finanziellen Autonomie könnte man aber schon jetzt beginnen. Und zwar durch das Umwandeln der Gelder für Co-Teaching in freie Mittel für die einzelne Schule.

 

   Die Neos wollen das Lehrerdienstrecht abschaffen, Kollektivverträge einführen, Schuldirektoren zu Managern machen. Autonome Schulen könnten sich nicht nur Lehrende, sondern auch Lernende aussuchen. Soziale Ausgewogenheit müsse aber ein Kriterium für die Zuteilung der Mittel sein, begegnet Strolz dem Argument, seine Partei wolle Eliteschulen schaffen. (jub)

 

 

"Kronen Zeitung" vom 11.09.2014                           Seite: 32,33

Ressort: Reportage

 

Wi, Abend, Morgen

 

Eine internationale Schule im Wiener Arbeiterbezirk Favoriten: Kinder aus 34 Nationen gehen in der HTL Ettenreichgasse ein und aus. Ein Lokalaugenschein.

 

34 Nationen - eine Schule

 

   Die 14 Schülerinnen und Schüler des 4. Jahrgangs der höheren Abteilung für Elektrotechnik in der HTL Ettenreichgasse haben acht unterschiedliche Muttersprachen.

 

  Sieben Burschen stehen vor dem Schultor der HTL Ettenreichgasse und unterhalten sich lautstark - in Deutsch. Ihre Baseball-Kappen sind zur Seite gedreht. Aus einem Smartphone dröhnt Hip-Hop-Musik. Dann läutet die Schulglocke - schnell werden die Zigaretten ausgedrückt und die Jugendlichen laufen ins Schulgebäude.

 

   Die sieben Burschen haben alle Migrationshintergrund - ein Großteil der tausend Schülerinnen und Schüler der HTL Ettenreichgasse 54 in Wien-Favoriten spricht zu Hause nicht Deutsch. 135 Lehrerinnen und Lehrer unterrichten hier Jugendliche aus 34 Nationen. Die Schüler kommen aus Albanien, China, Kuba, Indien, Kroatien oder Serbien. Andere wiederum haben ihre Wurzeln im Iran, Jordanien, im Kongo, in der Türkei oder den USA. "Es sind so viele Länder, ich weiß sie gar nicht alle auswendig", gibt Direktor Stefan Wenka zu. Der hohe Migrationsanteil an seiner Schule ist für den 46-jährigen Physik- und Sportlehrer - er leitet die HTL im 10. Wiener Gemeindebezirk seit fünf Jahren - kein Problem dar. "Es ist egal, woher die Kinder kommen. Wichtig ist, dass sie Deutsch sprechen", findet Wenka. Erfüllt ein Schüler alle Anforderungen, hat aber Schwierigkeiten mit dem Lesen, bietet die HTL spezielle Förderkurse an.

 

   Firmen werben dem Direktor die Schüler ab

 

   Während im Unterricht Lehrer und Schüler Deutsch sprechen müssen, steht es den Jugendlichen in der Pause frei, auch in ihrer Muttersprache zu sprechen. "Das können wir nicht verbieten. Außerdem ist für uns Mehrsprachigkeit ein Mehrwert, der gefördert gehört", so der Direktor. Firmen werben viele seiner Schüler ab, noch bevor sie den Abschluss gemacht haben. "Unternehmer suchen oft Personal, das auch andere Sprachen beherrscht."

 

   "In der Schule spreche ich sehr selten Rumänisch, sonst verstehen mich ja meine Freundinnen nicht", lacht die 19-jährige Diana - ihre Eltern sind aus Rumänien nach Wien eingewandert. Gemeinsam mit Azim (18), Islam (20) und Caroline besucht Diana die vierte Klasse für Elektrotechnik (auf dem Foto oben ganz rechts). Der Großteil der 14 Klassenkameraden besitzt die österreichische Staatsbürgerschaft, aber nur drei Schüler haben auch Deutsch als Muttersprache. Das Klassenklima werde dadurch aber nicht gestört. "Ich spreche zu Hause Arabisch mit meinen Eltern, aber in der Schule Deutsch", erzählt Islam, der als Sechsjähriger von Ägypten nach Österreich gekommen ist. Auch Azim spricht mit der Familie Türkisch - und erklärt das der "Krone" im breiten Wiener Dialekt.

 

   "Anders geht es auch nicht", stellt Otto Reisenauer (56) klar - er unterrichtet seit 27 Jahren an dieser HTL. "Die Kinder arbeiten großteils in Kleingruppen und müssen am Ende des Jahres gemeinsame Arbeiten abgeben. Würde hier ein Schüler kein Deutsch sprechen oder aufgrund seiner Herkunft ausgegrenzt, würden die Noten aller darunter leiden." Direktor Wenka hat sogar Jugendcoaches engagiert: "Unsere Herausforderung lautet, jene Kinder zu unterstützen, die aus sozial schwachen Familien kommen und zu Hause keine Eltern oder Geschwister haben, die ihnen bei den Hausaufgaben helfen könnten", erklärt Wenka.

 

   Unterschiedliche Kulturen können eine Bereicherung sein: Das ist auch das Ergebnis der "Krone"-Umfrage (Grafik links).

 

   Streit gibt es – aber meistens über Sport

 

   Kommen 34 Nationen wirklich immer gut miteinander zurecht? "Na klar streiten unsere ,Nationen‘, aber meistens hat das sportliche Gründe", lacht Azim. Er drückt der türkischen und nicht der österreichischen Basketball-Mannschaft die Daumen

 

----------------------------------

 

Zuhören lernen

 

   In der schon seit mehreren Jahren anhaltenden Schuldebatte vermisse ich völlig das Thema "Konzentrationsfähigkeit stärken". Wenn ich eine Volksschulklasse betrete und die Lehrerin sagt "Hört auf, euch zu schlagen" oder ich Schüler telefonisch am leichtesten während des Unterrichts erreiche, dann wird klar, dass zwischen allgemeinem Lärmpegel, verschiedensten Ablenkungen und einem häufigen Desinteresse an Lerninhalten das Vermitteln von Wissen oft ein nervlicher Drahtseilakt für Lehrende ist, der auf den kleinstmöglichen Kompromiss zielt.

 

   In Europa sind viele Rohstoffe schon verbraucht. Unsere Zukunft ist die Kreativität, das analytische Denken, die Liebenswürdigkeit, das Durchhaltevermögen, die Motivation, das Kulturverständnis und die Einsatzfähigkeit junger Menschen. Junge Menschen brauchen Inspiration und Begeisterung.

 

   Wie das funktioniert, sehe ich täglich bei unserer Arbeit. In Rumänien wird unsere Methode in einer landesweiten Bildungsinitiative umgesetzt, hier droht der Bund mit einer 40-prozentigen Kürzung unserer Subvention! Also bleibt mir in Österreich leider nur die Möglichkeit, Ratschläge zu erteilen: Gebt den Kindern die Möglichkeit zuhören zu lernen! Bereichert die Lerninhalte mit Humor und Poesie! Habt keine Angst vor der Klassik!!! Vermittelt die Herrlichkeit der Sprache und schafft klare Verhaltensregeln! Denkt an die Kinder und nicht an die Ideologie!

 

   Sylvia Rotter, Intendantin des Wiener Kindertheaters www.schulefuerdasleben.org

 

Morgenjournal, 11.9.2014

 

Match um Stadtschulrat in Wien

Stefan Kappacher

In Wien hat SPÖ-Chef Bürgermeister Michael Häupl den Vorwahlkampf, nämlich das Match Rot gegen Blau eröffnet. Und den FPÖ-Kandidaten für das Amt des Stadtschulrats-Vizepräsidenten abgelehnt. Ein unnötiges Amt, wie von Häupl abwärts viele befinden - nur leider, in der Bundesverfassung vorgesehen. Das wollen SPÖ und ÖVP jetzt ändern - und es könnte sein, dass sich der Verwaltungsreformer Häupl damit ein Eigentor schießt. Denn jetzt ist auch die Debatte über das Amt der roten Stadtschulrats-Präsidentin eröffnet.

Verfassung müsste geändert werden

Es ist eine der Kuriositäten in der Bundesverfassung. Artikel 81a regelt, dass Landesschulräte - in Wien Stadtschulrat - einen Vizepräsidenten haben können und in den fünf an Bevölkerung größten Bundesländern sogar haben müssen. Da fällt Wien eindeutig darunter, will es also den Vizepräsidenten per Landesgesetz abschaffen, dann muss erst die Bundesverfassung geändert werden. Die Klubchefs der Koalition sind dafür. Andreas Schieder von der SPÖ ist diskussionsbereit, wenn der Vorschlag von den Ländern komme. Auch ÖVP-Klubobmann Reinhold Lopatka sieht das ähnlich.

Grünes Licht also für die Abschaffung des für die FPÖ reservierten Vizepräsidenten-Postens in Wien. Geht es nach der ÖVP, dann sollte Wien dem Beispiel Tirols und Vorarlbergs folgen, die längst auch den Präsidenten-Posten in ihren Landesschulräten quasi eingespart haben. Das machen dort die Bildungslandesrätinnen mit. Reinhold Lopatka sagt, diese Vorschläge hätten seine Unterstützung.

Bundes- gegen Landespolitik

Der Wiener Bildungsstadtrat Christian Oxonitsch lässt ausrichten, dass das in Wien kein Thema sei. Er will den Job von seiner Parteifreundin Stadtschulrats-Präsidentin Susanne Brandsteidl nicht übernehmen, man könne das große Wien auch nicht mit den kleinen Bundesländern im Westen vergleichen. Die Tiroler Bildungslandesrätin und Landesschulrats-Präsidentin Beate Palfrader erklärt, warum das mit der Größe des Landes nichts zu tun hat, sondern mit der Sache: durch die Zusammenführung der beiden Funktionen sei Zugriff auf beide Bereiche möglich.

Ein Argument, dem sich auch SPÖ-Klubchef Andreas Schieder nicht verschließt - mit der gebotenen Vorsicht gegenüber den Wiener Parteifreunden.

Der Bund steht also bereit. Jetzt muss nur noch der Wiener Bürgermeister aktiv werden und zeigen, dass es auch ihm um die Sache und nicht nur um Vorwahlkampf geht.

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen