Donnerstag, 25. September 2014

2014.09.26: Newsletter Bildung

Der Standard – 26. September 2014

 

 

Schulpolitik "an sich" ohne "Nichtveränderung"

SPÖ und ÖVP wollen auch über Bildung reden - machen aber ein Geheimnis daraus

Sie werden über Bildung reden. Ja. Das bestätigen beide Regierungsparteien vor der Klausur in Schladming. Aber ansonsten gilt die neue rot-schwarze Vertraulichkeit: "Ich kann Ihnen nichts verraten", sagte etwa SPÖ-Klubobmann Andreas Schieder zum STANDARD. Und auch in den Büros von Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) und von Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner war man dazu am Donnerstag wortkarg.

Die neue Linie lautet: nicht an Einzelthemen aufreiben, sondern ein Gesamtkonzept erarbeiten.

So ein heikles Einzelthema ist die gemeinsame Schule, auf der die SPÖ, so Schieder, "an sich schon" beharrt: "Alle internationalen Modelle zeigen, dass das der richtige Weg ist." Ob das mit der ÖVP machbar ist, wird die Klausur eher nicht belasten, zu gering ist die Chance auf eine Einigung.

Allerdings, deutete der neue ÖVP-Chef bei der Klubklausur der Volkspartei an, wird sich seine Partei in der Schulpolitik bewegen - müssen. Mitterlehner: "Wenn der erste Satz ist: ,Das Gymnasium muss bleiben', dann entdeckt der Wähler bei uns nur den Ansatz der Nichtveränderung." Festlegungen gleich zu Beginn einer Debatte seien da nicht hilfreich, gehe es doch insgesamt um eine Weiterentwicklung: "Das wird uns noch fordern."

Fordern könnte die Koalition ein durch ein STANDARD-Interview von Harald Mahrer, Staatssekretär in Mitterlehners Ressort, angezogenes Thema: Mahrer hat sich für eine akademische Ausbildung der Kindergartenpädagoginnen und -pädagogen ausgesprochen.

Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP) ist dagegen und sagte am Donnerstag im Parlament, die Ausbildungssituation sei sehr gut. Sie setze sich für eine Erweiterung der tertiären Ausbildung ein, derzeit sei eine akademische Ausbildung aller Elementarpädagoginnen aber nicht sinnvoll.

Auf STANDARD-Anfrage sagte Heinisch-Hosek, dass mit der neuen Pädagogenbildung die Voraussetzungen geschaffen seien, Unis und PHs müssten Studienangebote machen - und die Länder die - noch nicht akademischen - Anstellungserfordernisse für Kindergartenpädagoginnen ändern.

Derzeit gehen nur 41 Prozent der Absolventinnen einer Bundesanstalt für Kindergartenpädagogik (Bakip) in den Beruf, sagt Heide Lex-Nalis von der Plattform Educare, selbst zehn Jahre Bakip-Direktorin: "In Wien sind es sicher nur 30 Prozent." Die anderen gehen an die Uni und studieren. Ihre Schlussfolgerung: Bakips auflösen, spätere Berufsentscheidung und Uni-Ausbildung.

 

 

"Der Standard" vom 26.09.2014                               Seite: 40

Ressort: Kommentar

 

Lisa Nimmervoll

 

Bundesland, Bundesland Abend

 

kindergartenpädagoginnen

 

Kinder im Abseits

 

   Eine Berufsausbildung, nach der bis zu zwei Drittel der Absolventinnen nicht in den erlernten Beruf einsteigen, sondern nach der (Berufs-)Matura lieber weiterstudieren, hat ein Problem. Mit einer Schule, die von der eigenen Berufsgruppe am liebsten abgeschafft würde, läuft etwas falsch. Eine Regierung aber, die darauf nur mit billigen Kompetenzausreden und finanziellen Killerargumenten reagiert, betreibt schlicht Arbeitsverweigerung.

 

   Sie hat nicht verstanden, in welch prekäre Lage die Kindergartenpädagoginnen und die Bildungsanstalten für Kindergartenpädagogik (Bakip) mittlerweile gedrängt wurden – in ein gesellschaftspolitisch hochriskantes Abseits. Laut OECD-Vergleich begnügt sich nur noch die Slowakei auch mit Fachschulniveau für ihr Kindergartenpersonal.

 

   Einer der wichtigsten pädagogischen Berufe – es geht um die erste Bildungsinstitution für Kinder – wird systematisch so vernachlässigt, dass ihm langsam die Pädagoginnen ausgehen – oder davonrennen. Pädagogen finden sich ohnehin kaum im Kindergarten, nicht zuletzt aufgrund der schlechten Bezahlung. Das Geldargument gegen die Akademisierung ist übrigens das schändlichste. Für die Frauen im Beruf reicht’s, aber für Männer müsste es mehr sein?!

 

   Dass ausgerechnet die Familienministerin, die eigentlich die Anliegen der Familien und Kinder vertreten sollte, gegen die akademische Ausbildung derer ist, die mit den Kindern arbeiten, ist ein Eigentor der Sonderklasse.

 

 

Der Standard – 26. September 2014

 

 

Brandsteidl: "Können den einen oder anderen Jugendlichen retten"

Interview | Katrin Burgstaller

Wiens Stadtschulratspräsidentin über Jihadismus als "vehementes Thema" an Schulen

derStandard.at: Die Stadt Wien hat das Netzwerk zur Deradikalisierung und Prävention ins Leben gerufen. Glauben Sie, dass Sie damit Jugendliche davor bewahren können, in den Jihad zu ziehen?

Susanne Brandsteidl: Der Stadtschulrat ist Teil eines Netzwerks, die Steuerung geht von der Kinder- und Jugendanwaltschaft aus. Ich erlebe bei diesem sehr schnellen Handeln, dass es eine selten gute und zielgerichtete Kooperation zwischen allen Partnern gibt. Ich glaube, dass wir doch den einen oder anderen Jugendlichen retten können.

derStandard.at: Sie wollen, dass Schüler verdächtige Fälle dem Stadtschulrat melden. Ist das nicht auch problematisch?

Brandsteidl: Wenn Schülerinnen und Schüler sich mit Problemen an Lehrer wenden oder wenn es zu Veränderungen im Verhalten der Schüler kommt, dürfen Lehrer nicht wegschauen, sondern müssen helfen. Das ist Teil der Präventionsarbeit. Es soll nicht heißen, das passiert außerhalb der Schule und geht mich deshalb nichts an. Die Direktoren kommunizieren das an den Stadtschulrat, und wir helfen weiter.

derStandard.at: In den vergangen Wochen wurde viel über Jihadismus an Wiener Schulen diskutiert. Ist das tatsächlich ein großes Problem, oder haben wenige Fälle für überproportional viel Aufsehen gesorgt?

Brandsteidl: Es ist ein vehementes Thema, es ist ein großes Thema, auch weil Lehrer und Direktoren bislang in diesem Ausmaß noch nicht damit konfrontiert wurden. Lehrer und Direktoren äußern den dringenden Wunsch nach Unterstützung. Deshalb gibt es ein Expertennetzwerk. Lehrer sind an sich keine Experten für Jihadismus.

derStandard.at: Wie tritt Jihadismus im Schulalltag in Erscheinung?

Brandsteidl: Die Erscheinungsformen sind sehr breit. Die medial präsentesten sind Schüler und Schülerinnen, die sich auf den Weg gemacht haben, um im Jihad zu kämpfen, oft ohne das Wissen ihrer Eltern und ihrer Schule. Es gibt auch den einen oder anderen Schüler, der schon im Jihad umgekommen ist. Da gilt es in der Klassengemeinschaft entsprechend zu reagieren, weil in der schulischen Gemeinschaft Fassungslosigkeit herrscht. Es handelt sich um kein Wiener Thema, sondern es ist ein weltpolitisches Thema.

derStandard.at: Was raten Sie Eltern, die sich Sorgen machen, dass ihre Kinder mit problematischen Ideologien, etwa jener des "Islamischen Staates", in der Schule in Kontakt kommen.

Brandsteidl: Sich um Kinder zu sorgen ist immer als positiv anzusehen. Lieber einmal zu viel Sorge gemacht als einmal zu wenig. Die Kinder kommen in der Schule damit im Regelfall nicht in Kontakt. Die Schule ist gerade momentan sehr, sehr achtsam und sehr, sehr sorgfältig. Wenn seitens der Eltern Kommunikation mit der Schule erwünscht ist, wird dem zu 100 Prozent nachgegangen. Nicht nur Kinder und Jugendliche sind in der Schule gut aufgehoben. Auch Eltern können sich an die Schule wenden.

derStandard.at: Das Thema Jihad ist derzeit in den Medien sehr breit vertreten, Politik, Lehrer und Eltern sind alarmiert. Dabei gibt es noch zahlreiche andere Probleme an Schulen, zum Beispiel werden viele Kinder gemobbt. Die Schule hat aber den Auftrag, einen gewaltfreien Raum zur Verfügung zu stellen. Brauchen die Schulen mehr Unterstützung von Sozialarbeitern und Psychologen, also auch mehr Budget dafür?

Brandsteidl: Das ist ein anderes Thema. Aber ja, Schule kann Unterstützung immer brauchen. Bei der Deradikalisierungsgruppe geht es aber ganz eindeutig um außerschulische Gewalt, die Kinder erleben. In diesem Fall durch Jihad und andere religiöse Aktivitäten. Zur Schule als gewaltfreiem Raum: Ich glaube, dass die Gewalt nicht vordergründig in der Schule entsteht, sondern in der Schule sichtbar wird.

derStandard.at: Gedenken Sie, mehr Budget für Psychologen und Sozialarbeiter aufzuwenden?

Brandsteidl: Das liegt nicht in meinem Kompetenzbereich. Ich kann mein Budget ausschließlich für Lehrer einsetzen. Das muss ein Wunsch an den Bund sein.

derStandard.at: Ist das Ihrerseits eine Forderung an den Bund?

Brandsteidl: Ja. Aber ich möchte die beiden Themen trennen. (Katrin Burgstaller, derStandard.at, 25.9.2014)

Susanne Brandsteidl (51) ist amtsführende Stadtschulratspräsidentin in Wien.

 

 

OÖN – 26. September 2014

 

 

Weg mit Vize im Landesschulrat? Keine Mehrheit

 

LINZ. Dass Grüne und Freiheitliche eine gemeinsame Achse bilden, ist im Landtag eher selten. Am Donnerstag war es aber der Fall, als Grünen-Bildungssprecher Gottfried Hirz und seine blaue Kollegin Silke Lackner die Abschaffung des Landesschulrats-Vizepräsidenten forderten.

 

Immerhin gibt es für diesen Job, der laut Hirz "nahezu funktionslos ist", monatlich 8.100 Euro brutto. Mit einer Streichung "würde das Land jährlich mehr als 110.000 Euro einsparen", rechnete Lackner vor.

 

Die von Grünen und FPÖ vorgelegten Anträge an den Bund – dieser müsste eine Änderung der Verfassung vornehmen, in der die Besetzung des Jobs derzeit noch festgeschrieben ist – fanden allerdings keine Unterstützung von SPÖ und ÖVP. Mit der Begründung, dass die Angelegenheit noch diskutiert werden müsse, wurde die Causa dem Bildungsausschuss zugewiesen. "Leider", sagte Lackner, "das ist enttäuschend", kommentierte Hirz diese Entscheidung.

 

Ausgeübt wird der Job des Landesschulrats-Vizechefs seit Jahren von Brigitte Leidlmayr (SP). (eda)

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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