Dienstag, 30. September 2014

2014.09.30: Newsletter Bildung

Die Presse – 30. September 2014

 

 

Schweden: Schulpflicht auf zwölf Jahre verlängern

Als Mittel gegen die hohe Jugendarbeitslosigkeit könnten junge Schweden bald zwölf statt wie bisher neun Jahre in die Schule gehen müssen.

Schulpflicht bis zur Matura? Was für viele Schüler ein Albtraum ist, könnte in Schweden bald Realität werden. Sozialdemokraten und Grüne, die derzeit in Stockholm über die Bildung einer Minderheitsregierung verhandeln, wollen die Schulpflicht nämlich von neun auf zwölf Jahre verlängern. Weitere Eckpunkte der geplanten Schulreform sind höhere Lehrerlöhne und eine geringere Klassenschülerzahl.

Mit der verlängerten Schulpflicht wollen die beiden Parteien die im Europa-Vergleich hohe Jugendarbeitslosigkeit in Schweden bekämpfen. Letztere war eines der meist diskutierten Thema im vergangenen Wahlkampf. Weitere zentrale Punkte der geplanten Reform sind die Einführung eines obligatorischen Ethik-Unterrichtsfaches und die Einführung eines verpflichtenden Vorschuljahres.

Der mit der Regierungsbildung beauftragte Chef der Sozialdemokraten, Stefan Löfven, will bis Ende der Woche sowohl ein Kabinett als auch ein gemeinsames Regierungsprogramm vorstellen. Weil die beiden Koalitionspartner zusammen nur 138 der insgesamt 349 Abgeordneten im Riksdagen stellen und damit keine eigene Mehrheit besitzen, benötigt die künftige Regierung die Duldung durch andere Parteien. Die abgewählte Bürgerallianz hat bereits angekündigt, dafür bereit zu sein.

Damit soll verhindert werden, dass den rechtspopulistischen und von den anderen Parteien im Parlament in Stockholm geächteten Schwedendemokraten eine gewichtige Rolle bei der Verabschiedung von Gesetzen zukommt.

 

 

KLZ – 30. September 2014

 

Heinisch-Hosek: "Nicht nur Turboschübe"

Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek über das neue Arbeitsklima in der Koalition und die Versuche, gemeinsame Wege in der Bildungspolitik zu finden.

Frau Ministerin Heinisch-Hosek, man hat den Eindruck, die ÖVP ist fast treibende Kraft in der Bildungsdebatte geworden. Empfinden Sie das auch so?

GABRIELE HEINISCH-HOSEK: Ich hab den Eindruck, dass die ÖVP keineswegs bremsende Kraft ist, sondern gemeinsam mit der Sozialdemokratie wirklich Tempo machen möchte. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich allein unterwegs bin, sondern dass Bildung ein gemeinsames Anliegen geworden ist. Das war in der Vergangenheit nicht immer der Fall, und das begrüße ich sehr.

Wie würden Sie das Neue in Stil und Inhalt beschreiben?

HEINISCH-HOSEK: Dass schnell gemeinsame Nenner gefunden wurden und wir ausloten konnten, was wir als ersten Schritt setzen. Auch, dass wir uns gemeinsam schlaumachen wollen, ob die Neue Mittelschule Kinderkrankheiten hat, ob sie von allen gleich angenommen wird oder ob es Vorbehalte gibt.

Prozessorientiert ist das neue Codewort. Ist der Prozess ergebnisoffen für Sie?

HEINISCH-HOSEK: Ich empfinde ihn als ergebnisoffen, weil ja auch Ergebnisse herauskommen könnten, die uns gemeinsam weiterbringen.

Zum Beispiel?

HEINISCH-HOSEK: Zum Beispiel in der Phase der 10- bis 14-Jährigen, die ja für uns in der Sozialdemokratie sehr wesentlich ist. Wenn der Übergang mit sechs Jahren sanfter gestaltet wird, warum soll es nicht gelingen, die Schnittstelle der Zehnjährigen zu diskutieren? Der Herr Vizekanzler hat ja auch Bildungsexperten beigezogen, die sagen, eine Trennung mit zehn wäre weniger sinnvoll. Vielleicht führt der Prozess ja auch einmal dazu, dass wir Modellregionen einrichten.

War denn alles nur ein semantisches Problem? Politik als große Wortfindungsstörung?

HEINISCH-HOSEK: Es gab natürlich Begriffsunterschiede: Die einen wollen gewisse Wörter lieber als die anderen und umgekehrt. Die gemeinsame Sprache dieser sechs Punkte finde ich einen großen Fortschritt. Dass man sagt, die Zusammenarbeit der Kindergärten mit den Grundschulen ist wichtig und ganztägige Schulformen auch. Niemand zwingt Eltern, aber sie sollen wissen, was die ganztägige Schule kann. Die Ganztagsschule ist keine Zwangstagsschule mehr, sondern auch für die ÖVP eine Schulform, die durchaus Sinn hat. Ich glaube, diese unterschiedlichen Begriffe zu vereinen, ist einer der großen Erfolge der Regierungsklausur.

Die 10- und 14-Jährigen stehen Ihnen noch bevor.

HEINISCH-HOSEK: Dieses Problem hatte in diesem Programm einmal nicht Priorität, das ist alles. Der große Entwurf im Bildungswesen, wie von vielen erwartet, den gibt es nicht. Finnland hat 30 Jahre gebraucht, das System umzustellen.

Professor Konrad Paul Liessmann ereifert sich über die Reformbemühungen, eine Pause sei nötig. Ist das auch Ihr Eindruck?

HEINISCH-HOSEK (lacht): Viele neue Reformen sind gar nicht mehr notwendig. Wir haben ein neues Dienstrecht, wir haben eine neue Lehrerausbildung, wir haben gute Standards. Die Bildungsreform als Ganzes ist auf einem sehr sehr guten Weg, wenn wir uns die Zeit nehmen, die Dinge, die schon beschlossen sind, wirken zu lassen, mit Leben zu füllen und zu bewerben.

Dann kommt wieder Ruhe in die Schule?

HEINISCH-HOSEK: Ja, genau. Das tut sicher gut, weil das, was jetzt noch zu verwirklichen ist, wird den nächsten Schub bringen. Wir brauchen nicht nur Turboschübe. Im Bildungssystem kann man nicht von heute auf morgen Wirkungen sehen, das geht in Jahrgangsstufen. Da muss man ein bisschen geduldig sein und ein bisschen Vertrauen in das staatliche Bildungssystem haben.

INTERVIEW: THOMAS GÖTZ

 

 

KLZ – 30. September 2014

 

 

Ein rundes Paket für den sanfteren Schuleinstieg

Wie die Regierung Deutschschwächen bekämpfen und Ängste beseitigen will.

Schuleingangsphase" ist der neue Begriff, der das letzte Kindergartenjahr und die ersten beiden Jahre in der Volksschule zu einer neuen Lerneinheit verbinden soll. In enger Zusammenarbeit zwischen Kindergartenpädagoginnen und Volksschullehrern soll der sonst oft angstbesetzte Übergang zwischen Kindergarten und Schule durch intensive Kontakte erleichtert werden, ja fast verschwinden. Zuerst will die Regierung die neue Kooperation an 35 Standorten ausprobieren, ehe sie 2016/17 flächendeckend eingeführt wird.

Ein zentraler Punkt dieser Zusammenarbeit ist die Sprachförderung. Was bisher in Kindergärten und Schulen getrennt geschah, soll nun koordiniert passieren. Das Ziel ist, "dass Kinder dem Regelunterricht folgen können", steht im Konzept. Für Kinder, bei denen "Sprachförderbedarf" festgestellt wird, werden "verpflichtende Intensivkurse" eingerichtet. 45 Millionen Euro pro Jahr fließen dann insgesamt in diese zusammengelegten Programme.

Der dritte Punkt betrifft die Schulautonomie. Bis zur dritten Schulstufe sollen alternative Leistungsbeschreibungen statt Schulnoten autonom festgelegt werden können. Die Zusammenarbeit mit Sport- und Musikvereinen soll verstärkt werden. Besonders in den ganztägigen Schulen will die Regierung damit Bedenken von Eltern zerstreuen, die befürchten, Ganztagsschulen würden die Möglichkeiten ihrer Kinder einschränken.

In den Ganztagsschulen soll die "tägliche Bewegungseinheit", sprich Turnstunde, umgesetzt werden. Auch für die Erwachsenen hat die Regierung etwas zu bieten: die "Initiative Erwachsenenbildung". Kostenlos können Erwachsene Basisbildung und Pflichtschulabschluss nachholen.

 

 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 226 vom 30.09.2014              Seite: 2

Ressort: Innenpolitik

 

Österreich

 

Eine Reform zum Vergessen

 

   Nein, bitte nicht, nicht schon wieder. Die Ankündigung der Regierung, eine Bildungsreform durchzuführen und dazu eine Arbeitsgruppe einzusetzen, ist eine gefährliche Drohung. Diesmal sind es die Kindergärten und die Volksschulen, die eine neue Struktur bekommen sollen, damit der Übergang von der einen in die andere Bildungseinrichtung für die Kinder nicht so hart ist. Und dabei dachte man, dass es Vorschulklassen für Mädchen und Buben gibt, die sich mit dem Umstieg nicht so leicht tun. Aber was soll’s.

 

   Bildungsdebatten gehören in Österreich seit Jahrzehnten zur politischen Folklore. Seit den 1970er-Jahren versuchen SPÖ und ÖVP die Schule für die Zehn- bis 14-Jährigen zu reformieren. Die SPÖ will die Gesamtschule, die ÖVP ein differenziertes Schulsystem mit Neuer Mittelschule bzw. Hauptschule und Gymnasium. Herausgekommen ist dabei nicht viel.

 

   Und so beschleicht einen das ungute Gefühl, dass die jetzt angekündigten Reformen für die Volksschulen und Kindergärten nur dazu dienen, die Bürgerinnen und Bürger das bisherige Desaster vergessen zu machen.

 

 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 226 vom 30.09.2014              Seite: 2

Ressort: Innenpolitik

 

Österreich

 

Die tägliche Turnstunde als Ankündigungs-Gag

 

   Seit 2012 wird regelmäßig mehr Sport an Schulen versprochen. Kritiker: „Gar nicht umsetzbar.“

 

   Wien. Ab Herbst 2014 werde es an Pflichtschulen täglich eine Turnstunde geben. So sprach Bundeskanzler Werner Faymann am 20. Juli 2013 stilgerecht bei einer Wanderung mit Spitzensportlern im Schneeberggebiet. Wir schreiben den Herbst 2014, doch von einer täglichen Turnstunde fehlt nach wie vor jede Spur. Dafür wurde das Projekt, das auch im Regierungsprogramm ganz oben steht, am vergangenen Wochenende bei der Regierungsklausur wieder einmal verkauft. Die tägliche Turnstunde werde kommen – an (den wenigen, Anm.) ganztägigen Schulen, gab Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) bekannt.

 

   Seit 2012 ist das Thema ein Dauerbrenner: Der Ruf nach täglichem Sport an Schulen wurde laut, nachdem die heimischen Sportler keine einzige Medaille von den Olympischen Spielen in London nach Hause gebracht hatten. Rund 150.000 Menschen unterzeichneten daraufhin die Petition der Bundes-Sportorganisation (BSO), in der es hieß, dass in Kindergärten und von der Volksschule aufwärts täglich eine Stunde Turnen auf dem Programm stehen müsse.

 

   Die Politik war sofort Feuer und Flamme für die Forderung. Im November 2012 wurde im Nationalrat ein Sechs-Parteien-Antrag für die „Tägliche Turnstunde“ beschlossen. Die damalige Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ) begrüßte den Antrag: Gemeinsam mit Experten werde nun die Umsetzung der täglichen Sport- und Bewegungseinheit ausgearbeitet.

 

   Es folgte die Ankündigung im Regierungsprogramm (Dezember 2013), es folgte nun die Ankündigung bei der Regierungsklausur. Passiert ist bisher nichts.

 

   „Diese Ankündigungen sind schon peinlich“, sagt der grüne Bildungssprecher Harald Walser. Denn erstens seien alle sechs Punkte, die in der Bildungspolitik am Wochenende bei der Klausur angekündigt worden seien – von der täglichen Turnstunde bis zur Reformkommission –, bereits im Regierungsabkommen vereinbart. Zweitens sei die tägliche Turnstunde gar nicht umsetzbar: „Wir haben weder die Turnsäle noch die Turnlehrer dafür“, sagt er. Daher sei alles, was in diese Richtung angekündigt werde, eine reine „Scheinaktivität“.

 

   Sinnvoller wäre es laut Walser, über eine tägliche Bewegungseinheit zu sprechen. Das hieße etwa auch, Kinder zu animieren, wieder zu Fuß in die Schule zu gehen, indem man etwa einen „Walking-Bus“ organisiere: Für den Schulweg stünde kein Bus zur Verfügung, sondern Erwachsene, die mit mehreren Kindern gemeinsam zur Schule gingen.

 

   Übrigens: Ein Blick zurück zeigt, dass der Ruf nach der täglichen Turnstunde hierzulande schon vor 102 Jahren laut geworden ist. Als Österreich bei den Olympischen Spielen 1912 in Stockholm nur vier Medaillen errang, forderte das Österreichische Olympische Komitee mehr Schulsport. zim

 

 

Der Standard – 30. September 2014

 

 

Hürden auf dem Weg zur Bildungsreform

Günther Oswald, Katrin Burgstaller, David Krutzler

Der Wunsch der Regierung, Kindergärten und Volksschulen enger zu verknüpfen, ist in der Praxis nicht einfach realisierbar

Wien - Kindergärten und Volksschulen sollen nach Vorstellung der Regierung künftig besser zusammenarbeiten, um den Start ins Schulsystem zu erleichtern. Der STANDARD gibt einen Überblick über die Hintergründe der Debatte und die Probleme, die noch zu bewältigen sind:

Frage: Warum gibt es nicht längst eine intensive Abstimmung zwischen Kindergärten und Volksschulen?

Antwort: Zum Teil gibt es rechtliche Gründe. Volksschullehrer haben eine akademische Ausbildung absolviert, Kindergartenpädagogen nicht (Familienministerin Sophie Karmasin will das auch nicht ändern). Folglich ist ein fließender Wechsel des Personals nicht möglich.

Frage: Geht es dabei auch wieder um einen Kompetenzstreit?

Antwort: Das spielt sicher eine Rolle. Bei Volksschulen ist der Bund für Fragen der Schulorganisation zuständig, die Länder für Ausführungsgesetze. Bei den Kindergärten sind grundsätzlich die Länder zuständig, der Bund kann nur bei den Rahmenbedingungen mitreden. "Es wurde Schritt drei vor Schritt eins gemacht", beklagt daher auch die Kindergartenexpertin Heidemarie Lex-Nalis im STANDARD-Interview: "Zuerst hätte man eine andere Ausbildung einrichten müssen", sagt sie. Und: "Das elementare Bildungswesen muss unter das Dach des Bildungsministeriums kommen."

Frage: Welche Probleme gibt es in der Praxis?

Antwort: Der Rechnungshof hat im Vorjahr kritisiert, dass in den Kindergärten zwar Sprachstandsfeststellungen durchgeführt werden, diese Informationen allerdings aus Datenschutzgründen ohne die Zustimmung der Eltern nicht an die Volksschulen weitergegeben werden dürfen. "Die ganze Bürokratie geht dann von vorne los", beklagt Lehrergewerkschafter Paul Kimberger im Gespräch mit dem STANDARD. "Wir wollen das ändern", heißt es dazu im Bildungsministerium. Nur: Bis jetzt ist das nicht geschehen.

Frage: Ist es in allen Fällen möglich, dass Kindergärten und Volksschulen intensiv zusammenarbeiten?

Antwort: Ganz einfach ist das zweifellos nicht. Wie das Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) 2011 in einer Analyse schrieb, kommt im städtischen Bereich das Problem dazu, dass sich in einer ersten Volksschulklasse nicht nur Kinder eines benachbarten Kindergartens finden, sondern der Kontakt zu diversen Einrichtungen gehalten werden müsste, was die Sache noch wesentlich komplizierter macht.

Frage: Welchen Fahrplan hat sich die Regierung nun vorgenommen?

Antwort: Vorerst gibt es 35 Pilotprojekte, ein flächendeckender Start der "gemeinsamen Schuleingangsphase", wie es die Regierung nennt, ist für 2016/17 geplant. Wie man sich das Idealmodell vorstellen würde, hat Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek am Montag präsentiert. Im Wiener Bildungscampus Sonnwendviertel sind seit Anfang September Kindergarten, Volksschule und erstmals auch eine Neue Mittelschule an einem gemeinsamen Ganztages-Bildungskomplex für Kinder von null bis 14 Jahren untergebracht. Die Grenzen zwischen den Klassen und Schultypen sind streckenweise aufgelöst: Für Projektarbeiten und in Freizeitstunden können einander Kinder aller Altersstufen begegnen. Billig war das Projekt freilich mit 65 Millionen Euro nicht.

 

 

"Der Standard" vom 30.09.2014                               Seite: 24

Ressort: Kommentar

 

Sebastian Pumberger

 

Bundesland, Bundesland Abend

 

SPÖ und die Gesamtschule

 

Floskeln für mehr Bildung

 

   Manchmal zerredet man viel im Leben. „Aufgeben tut man einen Brief“, sagte Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek, um dem vermuteten Abrücken der SPÖ von der Gesamtschule Einhalt zu gebieten. Eine Floskel muss reichen, um die rote Verbundenheit mit der Kernforderung zu zeigen.

 

   Die am Wochenende verkündeten Bildungsmaßnahmen finden sich in Variationen schon im Regierungsprogramm. Statt Reformarbeit übt sich die Regierung im kollektiven Lesetest. Es gilt die Geschlossenheit auch in Bildungsfragen zu demonstrieren – und das geht bei der Schule der Zehn- bis 14-Jährigen natürlich nicht. Die SPÖ will auf lange Sicht weiter die Gesamtschule, alles andere wäre die Verabschiedung von ihrer Identität. Zunächst gibt es andere Baustellen wie den Übergang vom Kindergarten zur Volksschule.

 

   Das Problem in diesem Bereich ist aber nicht nur die Struktur, sondern auch die Ausbildung. Den Kindergartenpädagogen gehört der Stellenwert eingeräumt, den sie schon längst verdienen: ebenbürtig ausgebildet und bezahlt zu werden. Einstweilen wird nicht angekündigt, was nicht geht, sondern angekündigt, was schon vereinbart ist. Dieses Stückwerk suggeriert Bewegung und sichert politisch ab.

 

   Die große Bildungsreform wurde schon oft proklamiert – und ist samt politischem Personal gescheitert. Irgendwann wird man den Gesamtschulbrief wieder ausgraben müssen. Dann stellt sich die Frage: aufgeben oder umsetzen?

 

 

Der Standard – 30. September 2014

 

 

"Bildungsministerin hat in Kindergärten nichts zu sagen"

Katrin Burgstaller

Elementarpädagogin Lex-Nalis fordert Eingliederung der Kindergärten in Heinisch-Hoseks Ministerium

Bei der Regierungsklausur in Schladming hat Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek verkündet, Kindergarten und Volksschule künftig enger zusammenrücken zu lassen, "damit der Bildungsstart für jedes Kind optimal verläuft". Heidemarie Lex-Nalis von der Elementarpädagogik-Plattform Educare kritisiert: "Es wurde Schritt drei vor Schritt eins gemacht. Ohne Ausbildungs- und Verwaltungsreform bleibt es bei einer leeren Wort-zum Sonntag-Meldung."

Bereits seit 2009 existiert ein bundesweiter Bildungsrahmenplan für Elementarpädagogik, der zum Ziel hat, die Brücke zwischen Kindergarten und Volksschule weiterzubauen. Aber: "Es nützt nichts, wenn das nur auf Papier steht", so Lex-Nalis.

derStandard.at: Die Unterrichtsministerin hat bei der Regierungsklausur verkündet, den Kindergarten mit der Volksschule besser zu verbinden, damit der Schulstart für alle gelingt. Ein großer bildungspolitischer Wurf?

Lex-Nalis: Das ist nichts Neues. Es gibt bereits Modellregionen, in denen solche Kooperationen zwischen Schulen und Kindergärten stattfinden. Allerdings wird dabei viel Wert auf Fertigkeiten gelegt, mit denen die Kinder schon in die Schule kommen sollten. Der Kindergarten bemüht sich, den Anforderungen der Schule gerecht zu werden.

derStandard.at: Was ist das Problem?

Lex-Nalis: Es wurde Schritt drei vor Schritt eins gemacht. Zuerst hätte man eine andere Ausbildung einrichten müssen, in der Elementarpädagoginnen erleben, dass der Kindergarten tatsächlich die erste Bildungseinrichtung ist. Außerdem müssen sie lernen, speziell auf jene Kinder achtzugeben, die es notwendig brauchen. Nämlich Kinder aus sozial benachteiligten Familien. Das ist bei der derzeitigen Ausbildung nicht der Fall.

derStandard.at: Müsste der Stellenwert der Kindergärten verbessert werden?

Lex-Nalis: Das elementare Bildungswesen muss unter das Dach des Bildungsministeriums kommen. So wäre eine Kooperation auf Augenhöhe möglich. Derzeit hat die Bildungsministerin in den Kindergärten nichts zu sagen. Sie kann nur über 15a-Vereinbarungen kurzfristige Vereinbarungen treffen. Es müsste eine Verwaltungs- beziehungsweise Verfassungsreform gemacht werden. Ohne Ausbildungs- und Verwaltungsreform bleibt es bei einer leeren Wort-zum Sonntag-Meldung.

derStandard.at: Bereitet der Übergang von der Schule in den Kindergarten tatsächlich so vielen Kindern Schwierigkeiten?

Lex-Nalis: Plötzlich tut man so, als wäre es bisher ein Problem gewesen, dass Kinder Startschwierigkeiten in der Volksschule hätten. Das ist allerdings nicht der Fall. Es gibt nur bestimmte Kinder, die Schwierigkeiten haben, weil sie schon mit Defiziten kommen.

derStandard.at: Welche Kinder haben Probleme?

Lex-Nalis: Das sind Kinder, die Sprachschwierigkeiten haben. Das betrifft allerdings nicht nur Kinder aus migrantischen Haushalten, sondern auch Kinder, denen die Sprache über Videos und Fernsehen vermittelt wird. Das sind jene 28 Prozent, die wir bis zum Ende der Schulpflicht mitschleppen. Es reicht nicht, wenn Schule und Kindergarten ein paar nette Feste feiern. Es brauchte fallorientierte, zielgerichtete Absprachen zwischen Lehrerinnen und Kindergartenpädagoginnen.

derStandard.at: Hätten die Kindergärten ausreichend personelle Ressourcen, um diese Absprachen mit der Schule durchzuführen?

Lex-Nalis: Wenn Kindergartenpädagoginnen den seit vier Jahren vorgesehenen Bundesrahmenplan erfüllen würden, dann wären sie gut in der Lage, alles, was beim einzelnen Kind auffällt, weiterzugeben. Bereits jetzt muss jeder Kindergarten von jedem Kind ein Portfolio anlegen. Dieses wird allerdings oft im Sinne von Erinnerungsalben geführt. Ein Portfolio ist aber auch dazu da, um die Entwicklungsschritte und die Interventionen, damit das Kind sich weiterentwickelt, zu dokumentieren. Das wäre die Grundlage für kooperative Gespräche und Schule und Kindergarten.

derStandard.at: Wann sollten solche kooperativen Gespräche idealerweise stattfinden?

Lex-Nalis: Wenn solche Kooperationen zur Regel werden, wird man spätestens im letzten Kindergartenjahr seine Kenntnisse und Bedenken weitergeben. Man wird mit der Schulleitung beraten, was man noch im Kindergarten tun kann, damit das Kind einen guten Start hat. Und man wird gemeinsam beraten, was die Schule tun muss, damit das Kind nicht gleich in ein Loch fällt, wenn es in die Schule kommt.

derStandard.at: Welcher Teil der Ausbildung fehlt den Elementar- und Primärpädagogen?

Lex-Nalis: Es mangelt am Wissen, etwa über Entwicklungs- und Sozialpsychologie. Und es fehlt ihnen der Zugang, sich mit einem einzelnen Kind zu beschäftigen. Kinder, die nicht mitkommen oder sich im Unterricht vielleicht langweilen, fallen aus dem Blickwinkel der Pädagoginnen. Sie schauen nicht hin, sie erleben diese Kinder als störend. Auch die Elementarpädagoginnen haben den Blick auf die Gruppe. Der Bildungsrahmenplan sieht anderes vor, aber es nützt nichts, wenn das nur auf Papier steht. (Katrin Burgstaller, derStandard.at, 29.9.2014)

HEIDE LEX-NALIS (64) studierte Soziologie, Pädagogik sowie Bildungswissenschaften. Neben ihren Lehrtätigkeiten in Deutschland und Österreich leitete sie ein Jahrzehnt lang die Wiener Bundesbildungsanstalt für Kindergartenpädagogik. Derzeit ist Lex-Nalis steuerndes Mitglied der Plattform EduCare, die sich als überparteiliche Bildungsplattform versteht.

 

 

"Kronen Zeitung" vom 30.09.2014                            Seite: 2

Ressort: Politik

 

Wi, Abend, Stmk, Wi, Morgen

 

Gesamtschule "Aufgeben tut man nur einen Brief", so...

 

   Gesamtschule "Aufgeben tut man nur einen Brief", so Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) im Ö1-Morgenjournal. Sie wehrt sich gegen den Vorwurf, sie habe das Projekt Gesamtschule aufgegeben. Derzeit widme man sich anderen Schwerpunkten, aber "irgendwann" werde man auch wieder über die gemeinsame Schule der 10-bis 14-Jährigen reden.

 

 

Wiener Zeitung – 30. September 2014

 

Regierungsklausur

Schulen sind weiter als Bildungspolitik

 

 

 

 

 

 

 

Von Brigitte Pechar

 

·         Bildungsprogramm der Regierung für Grüne "ein Ärgernis".

 

 

Wien. Die Regierung hat sich bei ihrer Klausur am Freitag und Samstag in Schladming um eine Entscheidung über eine Gesamtschule herumgeschwindelt. Aber von der ÖVP kommt immerhin kein kategorisches Nein mehr. Vizekanzler Reinhold Mitterlehner will eine Bewertung der Neuen Mittelschule (NMS), die im Jänner abgeschlossen sein soll, abwarten und dann gegebenenfalls entscheiden, ob und in welcher Form es Modellversuche für eine Gesamtschule, also eine gemeinsame Schule bis zum 15./16. Lebensjahr, geben soll.

Die Volksschule ist eine Gesamtschule, die auch funktioniere, sagt Bildungsexpertin Christa Koenne. "Die Volksschulen haben sich schon auf den Weg gemacht, Schwerpunkte zu setzen." Die Lesekompetenz am Ende der Volksschule sei nicht so schlecht erfüllt, aber dann werde darauf nicht aufgebaut, sagt Koenne. Eben auch, weil es an Mindeststandards fehlt. Zwar gibt es festgesetzte Bildungsstandards, darauf aufbauend könnte man weiterarbeiten und Bildungsziele festschreiben.

Sechs Punkte für eine
bessere Bildung

Ins Zentrum wurde von Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek die Ausbildung der Kleinsten gestellt. Es soll vor allem an den Schnittstellen zwischen Kindergarten und Volksschule zu Verbesserungen kommen. Sechs Punkte hat die Regierung am Samstag präsentiert: Schulstart mit Verknüpfung von Kindergarten und Volksschule. Zweiter Punkt ist die Sprach- und Leseförderung - 45 Millionen Euro werden von der Bundesregierung jährlich für Sprachförderung zu Verfügung gestellt. Dritter Punkt ist die Stärkung der Schulautonomie - Schulen können Unterrichtszeiten blocken, bis zur 3. Schulstufe können Leistungsbeschreibungen statt Noten erstellt werden. Vierter Punkt ist eine Qualitätsoffensive für ganztägige Schulformen - bis 2018/19 sollen insgesamt 800 Millionen Euro in den Ausbau von Ganztagsschulen investiert werden. Bis dahin soll für jedes dritte Kind ein solcher Schulplatz zur Verfügung stehen. Fünfter Punkt ist die tägliche Bewegung an den Schulen - vor allem an Ganztagsschulen. Sechster Punkt ist der Ausbau der Erwachsenenbildung - wobei vor allem die Programme zum nachträglichen Erwerb eines Pflichtschulabschlusses gemeint sind.

"All diese sechs Punkte finden sich bereits im Regierungsprogramm und jetzt kündigt man wieder nur an", sagt dazu Grünen-Bildungssprecher Harald Walser. Er sei enttäuscht, dass sich die Regierung zu nichts Konkretem habe durchringen können. Für den AHS-Direktor aus Vorarlberg ist die Bildungspolitik der Regierung "ein Ärgernis".

Schulen setzen Akzente
an Schnittstellen

Das letzte Kindergartenjahr und die ersten beiden Volksschuljahre sollen zu einer Schuleingangsphase mit klaren Bildungszielen werden. Diese Schuleingangsphase wird an 35 Standorten bereits erprobt. Es handelt sich also um nichts Neues, man muss es einfach nur tun. "Die Schulen sind oft weiter als die Bildungspolitik", sagt Koenne.

Denn in der Regel tauschen sich Kindergartenpädagoginnen und Volksschulpädagoginnen jetzt schon über ihre Schützlinge aus. Zumindest ist das am Land so. Für den urbanen Bereich braucht es dafür sicherlich eine Institutionalisierung - oder eben einen Rahmen.

Wie überhaupt der Übergang an den Schulen selbst schon sehr kreativ gehandhabt wird. So laden etwa Neue Mittelschulen Kinder der vierten Volksschulklasse zu Schnuppertagen oder sogar -wochen ein. Da können Volksschüler teilweise ganz am Unterricht teilnehmen. Umgekehrt kommen NMS-Pädagoginnen in die Volksschulen und berichten beziehungsweise verteilen auch schon die ersten Lehrinhalte, sodass man sich schon in der Volksschule auf die künftige Schule vorbereiten kann.

Wenn die NMS so funktioniert, wie sie geplant war, dass nämlich AHS-Pädagoginnen mit im Team sind, dann wird dadurch auch der Bogen zum späteren Wechsel an eine AHS-Oberstufe oder eine BHS gespannt. Das alles wird an den Schulen unterschiedlich gelebt. Es kommt aber immer auch auf die Lehrkräfte an.

Qualitätsstandards für Kindergärten fehlen
Worauf sich weder Regierung noch Bund und Länder bisher durchringen konnten, sind einheitliche Qualitätsstandards für elementarpädagogische Einrichtungen in Form eines Bundesrahmengesetzes. Zwar hat die Steiermark hier eine Vorreiterrolle eingenommen, aber der dort vorgegebene Qualitätsrahmen wurde nicht bundesweit übernommen.

Weiters fehlt nach wie vor auch die akademische Ausbildung für Elementarpädagoginnen. Noch immer werden Kindergärtnerinnen an den Bildungsanstalten für Kindergartenpädagogik (Bakip) ausgebildet. Eigentlich sollte die getrennte Ausbildung von Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen mit der gemeinsamen Pädagogenausbildung ein Ende haben. Aus finanziellen Gründen, aber auch weil es zu wenige akademische Ausbildner für frühkindliche Erziehung an den Universitäten gibt, wurde das jedoch hinausgeschoben. Bildungsexperten fordern aber, dass die Ausbildung von der Bakip zumindest in den tertiären Bereich - etwa an ein Kolleg - verlegt werden müsse. Um in zehn Jahren so weit zu sein, müssen man aber sofort beginnen.

Jedenfalls hat die Regierung eine Bildungsreformkommission, bestehend aus jeweils vier Vertretern des Bundes und der Länder eingerichtet, die rasch ihre Arbeit aufnehmen und laufend beratend tätig sein soll.

 

ORF – 30. September 2014

 

Kurswechsel der ÖVP blieb aus

Die Bundesregierung hat bei ihrer Klausur in Schladming am Samstag ein sechs Punkte umfassendes Bildungsprogramm beschlossen. Die Punkte aus dem Bildungspapier sind großteils bekannt und betreffen unter dem Schlagwort „Schulstart neu“ etwa die Übergangsphase vom Kindergarten in die Volksschule und den Ausbau der Ganztagsschule.

Auffallend ist dabei allerdings, dass die Gesamtschule - seit langem erklärtes Ziel der SPÖ - im Programm der Regierung nicht vorkommt. Die Frage, warum sie die Gesamtschule nun aufgebe, beantwortete Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) am Montag im Ö1-Morgenjournal: „Aufgeben tut man einen Brief.“

Zankapfel Gesamtschule

Bei der Gesamtschule, wie sie in vielen europäischen Staaten Standard ist, findet die Differenzierung nach Begabungen innerhalb der Schule statt. Es wird nicht zwischen verschiedenen Schulformen unterschieden. Nach der zehnten Schulstufe können die Schülerinnen und Schüler in eine gymnasiale Oberstufe oder in berufliche Ausbildungslehrgänge wechseln.

Auf dem Weg zur besten Bildung wolle die Regierung zwar nun bei den Kleinen beginnen, also im Kindergarten, aber „irgendwann werden wir auch über die Zehn- bis 14-Jährigen wieder reden, da bin ich sicher“, so Heinisch-Hosek. Die Gesamtschule sei nach wie vor Ziel der Sozialdemokratie. Andere Länder würden vormachen, dass diese gemeinsame Phase der Zehn- bis 14-Jährigen mit individueller Förderung einfach das bessere Modell sei - mehr dazu in oe1.ORF.at.

Grüne: „Schwarze Blockadepolitik“

Nach der Regierungsklausur gab es von mehreren Seiten Kritik daran, dass das Projekt der Gesamtschule im Sechspunkteprogramm der Regierung nicht vorkomme. In den letzten Tagen würden prominente SPÖ-Politiker und -Politikerinnen das Wort Gesamtschule nicht einmal mehr in den Mund nehmen, so etwa die Sozialsprecherin der Grünen, Judith Schwentner, am Sonntag in einer Presseaussendung.

„Dass Ministerin Heinisch-Hosek den entscheidenden Schritt, nämlich jenen zur Gemeinsamen Schule, aufgegeben hat, ist eine Bankrotterklärung von sozialdemokratischer Bildungspolitik“, so der grüne Bildungssprecher Harald Walser am Samstag. Er sieht im Programm „Zeichen einer Fortschreibung der schwarzen Blockadepolitik“ im Bildungssystem.

Gesamtschule „offensichtlich ad acta gelegt“

Auch die SPÖ-nahe Aktion kritischer Schüler_innen (AKS) kritisierte, dass die Gesamtschule im Sechspunkteprogramm der Regierung mit keinem Wort erwähnt wird. Christina Götschhofer, Bundesvorsitzende der AKS, bezeichnete es als „schlecht verpacktes Ablenkungsmanöver“. Es sei nur eine Ablenkung von allen Themen, die im Moment bildungspolitisch in der Diskussion sind. „Auf die Evaluierung der Neuen Mittelschule zu warten, bis weiter darüber (die Gesamtschule, Anm.) geredet wird, ist ein fataler Fehler. Die Gesamtschule wird somit unter den Tisch fallen“, so Götschhofer.

Florian Kraushofer vom Vorsitzteam der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH) zeigte sich enttäuscht über die „Visionslosigkeit“ des Programms für den Bildungsbereich und kritisierte, dass das Ziel einer Gesamtschule für alle Zehn- bis 14-jährigen Kinder offensichtlich ad acta gelegt worden sei.

Mitterlehner sieht Diskussion „entkrampft“

ÖVP und SPÖ zeigten sich nach der Präsentation des Programms „Der Weg zur besten Bildung“ im Gleichklang. Vizekanzler und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) sagte, es sei der Regierung gelungen, die Diskussion im Bildungsbereich von einzelnen Begriffen wie etwa der Gesamtschule zu lösen, zu entkrampfen und in Richtung der wesentlichen Fragestellungen und zu einer ganzheitlichen, zukunftsorientierten Bildungspolitik hinzuführen. Es gehe nicht allein um die Frage „Gesamtschule - ja oder nein“. Im Unterschied zu früher gehe man nun systematisch vor, so Mitterlehner.

Auch SPÖ-Bildungssprecherin Elisabeth Grossmann begrüßte das Bildungspaket: „Mit dem großen Maßnahmenpaket für den Schulbereich hat die SPÖ-geführte Regierung einen Turbo für mehr Bildung und Chancen gezündet und nachdrücklich die Bedeutung der Bildung als zentrales Zukunftsthema unterstrichen“, so Grossmann in einer Aussendung.

„Tabus werden gesprengt“

Nach dem Rücktritt des ehemaligen Vizekanzlers Michael Spindelegger (ÖVP) hatten viele einen Kurswechsel der ÖVP in Sachen Bildungspolitik erhofft bzw. befürchtet. Dass Mitterlehner kurz nach seiner Ernennung zu Spindeleggers Nachfolger unter anderen Andreas Salcher, den früheren Wiener ÖVP-Kultursprecher und Mitgründer der Karl-Popper-Schule für Hochbegabte, als Ideengeber für Reformen anheuerte, feuerte diese Vermutungen an. Salcher, der als Gegner der frühen Selektion im Schulwesen gilt, sagte Anfang September im Interview mit der Tageszeitung „Österreich“: „Ich glaube, dass mit der ÖVP unter Mitterlehner jetzt Blockaden fallen und Tabus gesprengt werden.“

Wirtschaftskammer-Präsident und Chef des ÖVP-Wirtschaftsbunds, Christoph Leitl, sprach sich Ende Juli in einem Interview mit dem „Standard“ indirekt für die Gesamtschule aus: Es brauche „eine gemeinsame Schule mit Begabungsdiffenzierung“. Die AKS ortete damals ein „Bröckeln der Fassade der konservativen ÖVP“. Die von Leitl geforderte „gemeinsamen Schule mit Begabungsdifferenzierung“ sei grundsätzlich das Prinzip der Gesamtschule, auch wenn er sich offensichtlich nicht traue, dieses Wort in den Mund zu nehmen, so die AKS in einer Aussendung.

Platter: Gesamtschule ist „ein Erfolgsmodell“

Der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) präsentierte Anfang September stolz die Modellregion Zillertal, in der es in diesem Schuljahr erstmals eine gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen gibt. Das Zillertal sei somit Österreichs erste und einzige Region, in der die gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen umgesetzt werde, so Platter. Tirol wolle zeigen, dass die gemeinsame Schule ein Erfolgsmodell sei. Platter freute sich außerdem darüber, dass unter Mitterlehner die Bildungspolitik neu diskutiert werde, und gab sich „guter Hoffnung“.

Auch der Bildungssprecher der FPÖ, Walter Rosenkranz, sah noch Ende August die Gesamtschule im Kommen: Nach dem Abgang Spindeleggers sei ein „ÖVP-Umfaller bei der Gesamtschule vorprogrammiert“. Spindelegger sei - auch in seiner eigenen Partei - einer der letzten Verteidiger der AHS-Langform gegen die Gesamtschulromantiker gewesen, so Rosenkranz Ende August in einer Aussendung. Mit Spindeleggers Abgang sei nun auch diese Position im Wackeln, befürchtete Rosenkranz.

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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