Mittwoch, 1. Oktober 2014

2014.10.02: Newsletter Bildung

Die Presse – 2. Oktober 2014

 

 

Zu wenig Literatur? Ministerin sieht keine Probleme

"Literatur ist Teil der standardisierten Reifeprüfung und das ist gut und genug so", sagt Heinisch-Hosek nach scharfer Kritik.

Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) hat am Mittwoch im Ö1-Mittagsjournal die wiederholten Vorwürfe der IG Autorinnen Autoren, die schriftliche Zentralmatura führe zu einer stiefmütterlichen Behandlung von Literatur an den höheren Schulen, zurückgewiesen. "Literatur ist Teil der standardisierten Reifeprüfung und das ist gut und genug so", sieht sie keinen Änderungsbedarf.

·         Plädoyer für Literatur: Die große Bildungslücke

"Es ist jetzt geregelter meiner Meinung nach als in der Vergangenheit, als es individuell entschieden wurde, welche Themen zur Matura kommen", so die Ministerin. "Es hätte auch sein können, dass keine Literatur vorkommt, und das ist jetzt Pflicht."

Die IG Autorinnen Autoren hatte wiederholt nicht nur die Qualität der Aufgabestellungen kritisiert, sondern ortet auch eine immer oberflächlichere Beschäftigung mit Literatur an den Oberstufen aufgrund der Zentralmatura. Heinisch-Hosek wiederum betonte, dass das Interesse junger Menschen an Literatur nicht dadurch entstehe, ob diese ein Drittel oder die Hälfte der Matura ausmache, sondern dadurch, wie der Pädagoge dem Umgang damit vermittle.

Deutschmatura. Die Kandidaten können zwischen drei Aufgabenpaketen wählen, die jeweils in einer thematischen Klammer stehen, etwa „Gesundheit“ oder „Reisen“. Zwar muss eines der drei Pakete auch eine literarische Aufgabenstellung beinhalten, die Herkunft einer Textpassage, der Zusammenhang oder die Epoche sind aber unwichtig, da die literarischen Texte nur als Anstoß dienen – etwa für eine Empfehlung des literarischen Textes an Personen, die einen praktischen beruflichen Nutzen daraus ziehen können.

Textsorten. Alle zu schreibenden Texte sind auf einen Textsortenkanon genormt. Eine Textsorte wird jeweils zu einem Zweck verfasst. Das Bifie, das für die Umsetzung der Zentralmatura zuständig ist, führt diese Textsorten an: Offener Brief, Empfehlung, Leserbrief, Kommentar, Textanalyse, Erörterung, Meinungsrede und Textinterpretation. Letzteres betrifft aber keine literarischen Texte, da die Beurteilung, wie es heißt, kaum möglich wäre. Die Zentralmature startet an allen Gymnasien verpflichtend im Frühling 2015, an BHS ein Jahr später.

 

 

Die Presse – 2. Oktober 2014

 

 

Vorarlberg plant Schulversuch zu Gesamtschule

Das ist ein Punkt im Koalitionspapier, das die beiden Parteien seit Montag verhandeln. Außerdem: mehr Ganztagsschulen, weniger Noten.

Vorarlberger ÖVP und Grüne wollen einen Schulversuch zur Gemeinsamen Schule der Zehn- bis 14-Jährigen lancieren. Das ist ein Punkt im Koalitionspapier, das die beiden Parteien seit Montag verhandeln. Laut Grünen-Chef Johannes Rauch waren bis Mittwochmittag elf der 20 Kapitel abgeschlossen. Rauch und ÖVP-Obmann Markus Wallner hielten einen Abschluss der Gespräche in dieser Woche weiter für möglich.

Wallner sagte, man werde mit den Ergebnissen des Vorarlberger Forschungsprojekts zur Gemeinsamen Schule (geplanter Abschluss: Mai 2015) an den Bund herantreten. "Aufbauend auf den Resultaten werden wir einen Vorschlag zu einem Schulversuch formulieren", kündigte Wallner an. Da das Land nicht über die entsprechende Kompetenz verfüge, gehe in diesem Bereich ohne den Bund gar nichts. Rauch nannte das Vorhaben ein "ausdrücklich schwarz-grün definiertes Projekt".

Mehr Ganztagsschulen, weniger Noten

Den zwei Parteichefs zufolge sieht das Bildungspaket weiters die Stärkung der Frühpädagogik, eine Verdoppelung des Angebots an Ganztagsschulen oder auch die Abschaffung der Ziffernnoten in den ersten beiden Volksschulstufen vor. "Im Bildungskapitel haben wir einen Durchbruch geschafft", sagte Rauch.

Hinsichtlich des Gesamtstands der Verhandlungen erklärte Wallner, man sei schon "relativ weit", laut Rauch sind "fast alle großen" Kapitel bereits besprochen. Am Mittwoch war unter anderem der Sozialbereich zu diskutieren. Dass die Koalitionsgespräche noch in dieser Woche abgeschlossen werden können, darauf wollten sich die zwei Chefverhandler aber nicht festlegen.

 

 

Die Presse – 2. Oktober 2014

 

 

Grüne wollen flexible Schuleingangsphase

Bildungssprecher Walser fordert Mehrstufenklassen für Vorschule sowie erste beiden Schulstufen und vermisst die Gesamtschule.

Die Grünen wollen die Vorschule bzw. die ersten beiden Volksschulklassen neu organisieren. Die Schüler sollen demnach gemeinsam in Mehrstufenklassen unterrichtet werden und diese sogenannte "Grundstufe I" in ein bis drei Jahren durchlaufen können, so Bildungssprecher Harald Walser bei einer Pressekonferenz am Mittwoch. Dafür sollen 1,5 Lehrkräfte pro Klasse zur Verfügung stehen.

Walser sieht darin mehrere Vorteile: Kinder mit Deutsch-Problemen hätten Zeit für den Spracherwerb, ohne Lehrinhalte zu verpassen, durch die Vermischung der Jahrgangsklassen würden auch keine Klassen entstehen, in denen ein Großteil der Kinder die Unterrichtssprache nicht beherrschen. Im Herbst geborene Kinder erhielten mehr Zeit für ihre Entwicklung, Hochbegabte könnten schneller in eine höhere Schulstufe wechseln.

Die Neuregelung der Eingangsphase ist ein Punkt in einem "Alternativen 6-Punkte-Programm zur Bildungspolitik" der Grünen, das sie dem gleichnamigen Papier der Regierung gegenüberstellten. Wobei Walser das rot-schwarze Konzept "mutig findet - weil gar nix Neues dabei war". Alle sechs Punkte seien ohnehin schon im Regierungsprogramm verankert. Zum Teil gebe es sogar "Rückzieher" wie etwa bei der täglichen Turnstunde, wo Walser die "massive Einschränkung auf ganztägige Schulformen" kritisierte. Eine tägliche Bewegungseinheit werde aber gerade dort gebraucht, wo Kinder komprimiert am Vormittag lernen müssten.

Gesamtschule gar nicht erwähnt

Die "Kernreform" für die Grünen, nämlich eine Gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen, sei gar nicht erwähnt, bemängelte Walser. Hier falle die SPÖ sogar schon hinter einige ÖVP-Länder wie Tirol oder Vorarlberg zurück. Walser hofft dabei vor allem auf eine grüne Regierungsbeteiligung im Ländle sowie in Folge die Umsetzung einer möglichst großen Modellregion, am besten das ganze Bundesland.

Im Elementarbereich setzen die Grünen auf zwei verpflichtende Kindergartenjahre für alle Kinder. Diese sollten 15 bis 20 Wochenstunden umfassen. Bei der Sprachförderung ortete Walser bei der Regierung einen "Kniefall vor den beharrenden Kräften". Die angedachten Intensivsprachkurse würden wieder eine Separierung von Kindern bedeuten - dies sei aber nur bei Quereinsteigern, die neu nach Österreich kommen, sinnvoll. Stattdessen dürfe man nicht auf Pauschallösungen setzen, sondern müsse zunächst einmal die Pädagogen in Sachen Sprachererwerb gut ausbilden.

 

 

KLZ – 2. Oktober 2014

 

Deutsch-Unterricht ohne Literatur?

Alarmismus oder berechtigte Kritik? Die Zentralmatura marginalisiert angeblich den Literaturunterricht - nun wird gefordert, den Deutschunterricht nun in allen Schultypen in "Deutsch und Literatur" umzubenennen

Wenn sonst nichts mehr hilft, muss eben die Literaturnobelpreisträgerin ran. "Alles, was gelesen werden kann, muss auch gelesen werden, sonst wird es immer jemand geben, der glaubt, einem das Wort verbieten zu können. Das wäre den Herrschenden vielleicht ganz recht", zitiert die Illustrierte "News" Elfriede Jelinek. Zweck dieser Übung: Kritik an der mit dem heurigen Schuljahr flächendeckend eingeführten Zentralmatura und der damit angeblich einhergehenden Marginalisierung der Literatur an Gymnasien.

Vor der warnt derzeit auch die IG Autorinnen Autoren mit größtem Nachdruck: Der Literaturunterricht habe "durch die Vorgaben der kompetenzorientierten zentralen schriftlichen Reifeprüfung trotz aller Beteuerung des Gegenteils an Stellenwert erheblich eingebüßt", meinen die IG-Vorstände Gerhard Ruiss und Ludwig Laher. Sie fordern daher, den Deutschunterricht nun in allen Schultypen in "Deutsch und Literatur" umzubenennen - "um ein sichtbares Zeichen zu setzen, dass es im Deutschunterricht nicht nur um Grammatik und Ausdruck, Textsorten und Wörterkorridore geht".

Abgesehen davon, dass die Umbenennung - folgt man Ruiss' und Lahers Argumentation - einem Etikettenschwindel gleichkäme: Ist die Kritik berechtigt oder purer Alarmismus? Ist an höheren Schulen tatsächlich Schluss mit Goethe, Schiller, Schnitzler, Handke? Wird die heranwachsende Bildungselite tatsächlich nur noch zu Kompetenzautomaten erzogen? Muss man gar dem Pessimismus des Dramatikers Peter Turrini recht geben? "Der Literaturunterricht in den Oberstufen der Gymnasien verschwindet mehr und mehr. Wenn der Klang und die Vielfalt der dichterischen Worte verstummen, dann wird es auch in den Oberstübchen der Gymnasiasten immer stiller und leerer", fürchtet er.

Engagementfragen

Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek weist den Vorwurf der stiefmütterlichen Behandlung der Literatur an höheren Schulen erwartungsgemäß zurück. Erst mit der Zentralmatura sei die Literatur zum Pflichtthema bei Reifeprüfungen geworden, sagt sie. Und: "Das Interesse junger Menschen an Literatur entsteht nicht dadurch, dass diese ein Drittel oder die Hälfte der Matura ausmacht, sondern dadurch, wie der Pädagoge den Umgang damit vermittelt." Zumindest in diesem Punkt ist sie sich mit den Kritikern der Maturareform einig: "Differenzierte Literaturvermittlung", so Ruiss und Laher, "bleibt jenen Lehrerinnen und Lehrern überlassen, denen Prosa, Lyrik und Drama ein persönliches Anliegen sind."

Letztlich liegt's also wieder einmal am Engagement der Lehrer. Der Schluss wird die aufgeregte Debatte nicht viel weiterbringen, zumal sich in ihr bereits Kritik an Zentralmatura, Unterrichtsstoff und Lehrerbildung zu einem Mansch verbinden, aus dem vor allem eines herauszulesen ist: ein tiefes Unbehagen an der aktuellen Bildungspolitik. Immerhin aber gibt es mit der Forderung "Literaturunterricht schon ab dem Volksschulalter!" nun aber auch einen einigermaßen konstruktiven Vorschlag zur Verbesserung der Lage. Die frühe Begegnung mit literarischen Texten soll die Lesekompetenz genauso fördern wie die Lust am Schmökern. Und wer schon als Kind die Wunder der Literatur erfährt, hat damit das beste Rüstzeug für eine fundierte Bildungskarriere - und vermutlich auch für eine fundierte Maturaauseinandersetzung mit der deutschen Sprache.

UTE BAUMHACKL

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Fakten

Die Zentralmatura, ab diesem Schuljahr in Kraft, schreibt eine literarische Aufgabe bei der Deutsch-Reifeprüfung verpflichtend vor. Drei "Themenpakete" der Prüfung bestehen aus je zwei voneinander unabhängigen Aufgaben, die gleich gewichtet sein müssen. Eine der Aufgaben muss eine literarische Themenstellung beinhalten. Der Unterschied zu bisher: Die Koppelung verhindert, dass unter Umständen die gesamte Deutsch-Matura per Literaturaufgabe absolviert werden kann.

Die "alte" Reifeprüfungsverordnung schrieb drei Themen vor: einen Problemaufsatz, die Analyse eines literarischen oder nichtliterarischen Textes sowie ein drittes ohne verpflichtende Vorgabe - in der Praxis stellten hier die Lehrer häufig eine Literaturaufgabe.

 

 

KLZ – 2. Oktober 2014

 

"Wichtig ist Lust an Literatur"

Literatur soll im Lehrplan der Volksschule als eigener Lernbereich definiert werden." Diese Forderung stellen Werner Wintersteiner vom Institut für Deutschdidaktik an der Universität Klagenfurt sowie Gerhard Ruiss, Obmann der IG Autorinnen Autoren.

Herr Wintersteiner, diese Forderung in allen Ehren. Aber was macht man, wenn man ein Kind hat, das überhaupt nicht lesen will?

WERNER WINTERSTEINER: Bei der Beschäftigung mit Literatur geht es ja keineswegs ausschließlich um die Leseförderung, sondern um die Entwicklung einer ästhetischen Kompetenz. Und die kann auch über Filme passieren, durch Besuch von Theatern oder wenn man vorgelesen bekommt. Natürlich ist es erfreulich, wenn Leute auch selber lesen. Aber ich habe eine Zeit lang die Lesebiografien meiner Studenten, also von angehenden Lehrkräften, gesammelt. Und ich bin draufgekommen, dass die Frauen ganz viele Leseerlebnisse haben und dass es unter den Männern teilweise so war, dass sie mehr Hörbücher gehört haben.

Können Hörbücher das geschriebene Buch ersetzen?

WINTERSTEINER: Bis zu einem gewissen Grad. Man sollte schon sehen, dass da echtes Interesse an Geschichten und damit an ästhetischen Produkten da ist. Auch über Filme und Hörbücher lernen Kinder etwas über Erzählstrategien. Außerdem lesen auch Kinder, die nicht zu Büchern greifen, ganz viel. Heute kann man ja nicht einmal mehr Eisenbahn fahren, ohne dass man nicht bei einem Automaten die Anleitung verstehen muss. Lesen ist nicht gleich Buch lesen.

Aber rundum hört man, dass viele Kinder überhaupt nicht mehr lesen können.

WINTERSTEINER: Es gibt inzwischen große Anstrengungen, durch geeignete Leseförderungsmaßnahmen hier eine Wendung zum Besseren zu erzielen. Aber man muss ja nicht nur die Lust am Lesen, sondern auch die Lust an der Literatur entwickeln.

Literatur scheint aber generell ihren Stellenwert in der Ausbildung zu verlieren. Sie waren Mitglied der Arbeitsgruppe, die bis Anfang 2013 die neue Matura konzipiert hat. Jetzt hört man, dass Literatur da überhaupt keine Rolle mehr spielen soll.

WINTERSTEINER: Das ist nicht richtig, im Gegenteil. Im Gymnasium gab es schon bisher ein literarisches Thema bei der Matura, das ist weiter verbindlich. In den berufsbildenden höheren Schulen war es bisher nicht verpflichtend, nun wird es verbindlich. Da ist doch eine Aufwertung des Literaturunterrichts. Dennoch bin ich der Meinung, dass die Probedurchgänge der neuen Matura gezeigt haben, dass sich die Zweiteilung der Maturaaufgabe in Sach- und Literaturtext nicht bewährt hat. Man sollte daher als dritte Möglichkeit ausschließlich ein Literaturthema vorsehen.

INTERVIEW: MARIANNE FISCHER

 

OÖN – 2. Oktober 2014

 

 

"Völlig daneben": Lehrergewerkschaft attackiert Karmasin

 

WIEN. Mit heftiger Kritik sieht sich Familienministerin Sophie Karmasin (VP) konfrontiert. Sie hatte zuletzt, wie berichtet, den auch parteiinternen Rufen nach einer akademischen Ausbildung für Kindergartenpädagogen eine Absage erteilt, dies sei nur für Führungspositionen vorstellbar, so Karmasin.

   

"Ich halte ihre Meinung für schlimm und politisch völlig daneben", sagt der Chef der Pflichtschullehrer-Gewerkschaft Paul Kimberger nun im OÖNachrichten-Gespräch. Gerade in der Elementarpädagogik sei ein "deutlicher Schwerpunkt" notwendig.

 

Ruf nach Bildungszielen

 

Dass die Regierung bei ihrer Klausur am Wochenende eine Reform der Schnittstelle Kindergarten/Volksschule angekündigt hat, begrüßt Kimberger zwar: "Hier einen weicheren Übergang zu schaffen und einen Austausch zwischen Kindergärten und Schulen zu gewährleisten, halte ich für richtig." Er schlägt die Fixierung von Bildungszielen – etwa ausreichende Deutschkenntnisse – vor, die vor Schuleintritt erreicht werden müssen. Was Kimberger im Regierungsplan aber "fehlt, ist eben die akademische Ausbildung" von Kindergartenpädagogen.

 

Mängel sieht der Lehrergewerkschafter nach wie vor auch bei der neuen Lehrerausbildung: "Dass die eigene Ausbildung für Sonderpädagogen abgeschafft wird, ist ein Wahnsinn", sagt er.

 

Am Freitag will die Lehrergewerkschaft auf weitere Probleme der Lehrerschaft aufmerksam machen: Kimberger präsentiert eine Studie, für die 6000 Lehrer zu Belastungsfaktoren in den Schulen befragt wurden. (jabü)

 

 

SN – 2. Oktober 2014

 

Vorarlbergs ÖVP und Grüne wollen Schulversuch

Vorarlberger ÖVP und Grüne wollen einen Schulversuch zur Gemeinsamen Schule der Zehn- bis 14-Jährigen lancieren. Das ist ein Punkt im Koalitionspapier, das die beiden Parteien seit Montag verhandeln. Laut Grünen-Chef Johannes Rauch waren bis Mittwochmittag elf der 20 Kapitel abgeschlossen. Rauch und ÖVP-Obmann Markus Wallner hielten einen Abschluss der Gespräche in dieser Woche weiter für möglich.

Wallner sagte gegenüber der APA, man werde mit den Ergebnissen des Vorarlberger Forschungsprojekts zur Gemeinsamen Schule (geplanter Abschluss: Mai 2015) an den Bund herantreten. "Aufbauend auf den Resultaten werden wir einen Vorschlag zu einem Schulversuch formulieren", kündigte Wallner an. Da das Land nicht über die entsprechende Kompetenz verfüge, gehe in diesem Bereich ohne den Bund gar nichts. Rauch nannte das Vorhaben ein "ausdrücklich schwarz-grün definiertes Projekt".

Den zwei Parteichefs zufolge sieht das Bildungspaket weiters die Stärkung der Frühpädagogik, eine Verdoppelung des Angebots an Ganztagsschulen oder auch die Abschaffung der Ziffernnoten in den ersten beiden Volksschulstufen vor. "Im Bildungskapitel haben wir einen Durchbruch geschafft", sagte Rauch.

Hinsichtlich des Gesamtstands der Verhandlungen erklärte Wallner, man sei schon "relativ weit", laut Rauch sind "fast alle großen" Kapitel bereits besprochen. Am Mittwoch war unter anderem der Sozialbereich zu diskutieren. Dass die Koalitionsgespräche noch in dieser Woche abgeschlossen werden können, darauf wollten sich die zwei Chefverhandler aber nicht festlegen.

 

Der Standard – 2. Oktober 2014

 

 

Walser will flexible Schuleingangsphase

Mehrstufenklassen für Vorschule sowie erste beiden Schulstufen - Walser: Sechs-Punkte-Programm der Regierung "mutig, weil gar nix Neues dabei ist"

Wien - Die Grünen wollen die Vorschule bzw. die ersten beiden Volksschulklassen neu organisieren. Die Schüler sollen demnach gemeinsam in Mehrstufenklassen unterrichtet werden und diese sogenannte "Grundstufe I" in ein bis drei Jahren durchlaufen können, so Bildungssprecher Harald Walser bei einer Pressekonferenz am Mittwoch. Dafür sollen 1,5 Lehrkräfte pro Klasse zur Verfügung stehen.

Deutsch-Probleme

Walser sieht darin mehrere Vorteile: Kinder mit Deutsch-Problemen hätten Zeit für den Spracherwerb, ohne Lehrinhalte zu verpassen, durch die Vermischung der Jahrgangsklassen würden auch keine Klassen entstehen, in denen ein Großteil der Kinder die Unterrichtssprache nicht beherrschen. Im Herbst geborene Kinder erhielten mehr Zeit für ihre Entwicklung, Hochbegabte könnten schneller in eine höhere Schulstufe wechseln.

Die Neuregelung der Eingangsphase ist ein Punkt in einem "Alternativen 6-Punkte-Programm zur Bildungspolitik" der Grünen, das sie dem gleichnamigen Papier der Regierung gegenüberstellten. Wobei Walser das SP-VP-Konzept "mutig findet - weil gar nix Neues dabei war". Alle sechs Punkte würden ohnehin schon im Regierungsprogramm verankert sein.

Rückzieher von Turnstunde

Zum Teil gebe es sogar "Rückzieher" wie etwa bei der täglichen Turnstunde, wo Walser die "massive Einschränkung auf ganztägige Schulformen" kritisierte. Eine tägliche Bewegungseinheit werde aber gerade dort gebraucht, wo Kinder komprimiert am Vormittag lernen müssten.

Die "Kernreform" für die Grünen, nämlich eine Gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen, sei gar nicht erwähnt, bemängelte Walser. Hier falle die SPÖ sogar schon hinter einige ÖVP-Länder wie Tirol oder Vorarlberg zurück. Walser hofft dabei vor allem auf eine grüne Regierungsbeteiligung im Ländle sowie in Folge die Umsetzung einer möglichst großen Modellregion, am besten das ganze Bundesland.

Im Elementarbereich setzen die Grünen auf zwei verpflichtende Kindergartenjahre für alle Kinder. Diese sollten 15 bis 20 Wochenstunden umfassen. Bei der Sprachförderung ortete Walser bei der Regierung einen "Kniefall vor den beharrenden Kräften". Die angedachten Intensivsprachkurse würden wieder eine Separierung von Kindern bedeuten - dies sei aber nur bei Quereinsteigern, die neu nach Österreich kommen, sinnvoll. Stattdessen dürfe man nicht auf Pauschallösungen setzen, sondern müsse zunächst einmal die Pädagogen in Sachen Sprachererwerb gut ausbilden.

 

 

"Der Standard" vom 02.10.2014                                Seite: 7

Ressort: Inland

 

Bundesland, Bundesland Abend

 

Hürden für neue Lehrerausbildung sollen beseitigt werden

 

   Wien – Mit einer Novelle des Universitäts- sowie des für die Pädagogischen Hochschulen geltenden Hochschulgesetzes will Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) „die letzten rechtlichen Hürden für Kooperationen“ aus dem Weg räumen. Die Begutachtungsfrist der Entwürfe von Bildungs-und Wissenschaftsministerium läuft bis 29. Oktober.

 

   In beiden Novellen finden sich Regelungen zur neuen Lehrerausbildung, in der ab 2016/17 bei der Ausbildung von Lehrern im Bereich Hauptschule bzw. Neue Mittelschule, AHS, berufsbildende mittlere und höhere Schule die Pädagogischen Hochschulen mit Unis kooperieren müssen.

 

   Probleme, die bisher durch unterschiedliche studienrechtliche Bestimmungen entstanden sind, sollen künftig ausgeräumt werden, indem die für die Studenten günstigere Regelung angewendet wird. Die UG-Novelle bringt auch höhere Frauenquoten in den Kollegialorganen, nämlich 50 statt 40 Prozent. (APA)

 

 

 

"Kronen Zeitung" vom 02.10.2014                           Seite: 13

Ressort: Lokal

 

Wi, Abend, Wi, Morgen

 

Bleibt Allgemeinbildung auf der Strecke? Experten-Kritik:

 

Bei Zentralmatura in Deutsch ist Literatur-Kenntnis nicht gefragt

 

Egal, ob Nestroy, Grillparzer oder Goethe, sie standen für Generationen von Schülern auf der Leseliste. Damit ist nun Schluss. Wer zur Zentralmatura antritt, kommt fast ohne Literaturkenntnisse aus. Die IG Autorinnen Autoren schlägt Alarm. Sie fordert mehr literarische Werke bereits in den Oberstufenklassen.

 

   Das Studium von Klassikern in der Weltliteratur gilt als Fleißaufgabe.

 

   Für Gerhard Ruiss ist allein schon die gemeinsame Deutsch-Zentralmatura für AHS und BHS ein Verhau. Gerade für Gymnasiasten sollte der Schwerpunkt inMARTINA MÜNZERder Allgemeinbildung liegen. Dazu gehören eben literarische Themen. "Nestroy wird künftig nur noch eingefleischten Theaterbesuchern ein Begriff sein", so Ruiss. Da die Lehrer die Schüler ausschließlich für die Abschlussprüfung trainieren, wird das Studium der Literatur oft als Fleißaufgabe in die Freizeit verlegt. Gefragt sind heute Kommentare oder Leserbriefe. Das Ergebnis sind für Ruiss die hohen Durchfallsraten bei diversen Aufnahmetests. Auch Wiens Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl, selbst Deutschprofessorin, übt Kritik: "Es wird zu wenig und zu unstrukturiert Literatur vermittelt."

 

   "Bei der neuen Reifeprüfung wurde die Auseinandersetzung mit literarischen Werken im Vergleich zur Matura alt ausgebaut", kontert Unterrichtsministerin Heinisch-Hosek Pädagogen.

 

 

Wiener Zeitung – 2. Oktober 2014

 

 

Bildungsreform

Sechs grüne Bildungsschritte

 

 

 

 

 

 

 

 

·         Grüne stellen Gegenpapier zur Bildungsreform vor. Bildungsgipfel in St.Pölten ohne Ergebnisse.

 

Wien/St. Pölten. (del/apa) Es scheint ein Herbst der Bildungsreformen zu werden. Nach der Regierungsklausur in Schladming haben die Grünen nun ihr "Alternatives 6-Punkte-Programm zur Bildungspolitik" vorgestellt, welches sich direkt auf die vorgestellten sechs Bildungsschritte der Regierung bezieht. Vergangenen Samstag hatte ja Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek ein 6-Punkte-Programm für eine Bildungsreform vorgestellt; der Fokus liegt vor allem auf den Bereichen Kindergarten und Volksschule. Zur Erinnerung: Das Regierungspapier sieht etwa mehr Autonomie für die Schulen vor, den Ausbau der Ganztagsschule, mehr Lese- und Sprachförderung, die tägliche Turnstunde in Ganztagsschulen und eine integrierte "Schuleingangsphase".

"Die sechs Punkte waren in Wahrheit schon im Regierungsprogramm drin", sagt Harald Walser, Bildungssprecher der Grünen, im Rahmen einer Pressekonferenz. So seien etwa die von der Regierung versprochenen 45 Millionen für die Sprachförderung ohnehin schon budgetiert. Er bekrittelt, dass im Regierungspapier nichts zur Gesamtschule steht. Die Grünen sind seit Langem für die Einführung der gemeinsamen Unterstufe für 10- bis 14-Jährige.

Vorarlberg soll Modellregion für Gesamtschule werden
Er fordert mehr Modellregionen, in denen eine gemeinsame Schule getestet werden soll. Derzeit gibt es so einen Versuch im Zillertal in Tirol. Das Problem an solchen Modellregionen ist allerdings, dass die Erkenntnisse aus dem Schulversuch nicht unbedingt aussagekräftig sind, weil das Gymnasium weiterhin besteht und Kinder, die fit für das Gymnasium sind, auch seltener auf eine Gesamtschule kommen. Walser ist allerdings zuversichtlich, dass zumindest in den Bundesländern Bewegung in die Debatte kommt und sich immer mehr Landeshauptleute solche Schulversuche vorstellen können. In Vorarlberg etwa läuft gerade eine groß angelegte Studie in Kooperation mit der Uni Innsbruck, die untersuchen soll, ob und in welchen Bereichen eine gemeinsame Schule eine bessere Lösung als die klassische Teilung in Hauptschule und Gymnasium ist. "Wenn es nach mir geht, wird ganz Vorarlberg eine Modellregion", sagt Walser.

Weiters schlagen die Grünen im Bildungspapier eine flexible Schuleingangsphase vor. Schüler der ersten, zweiten und der Vorschulstufe sollen gemeinsam unterrichtet werden. Jene, die sich leichter beim Lernen tun, sollen schneller aufsteigen und jene, die mehr Zeit brauchen, kommen erst nach drei Jahren in die nächste Schulstufe. Unter dem Punkt Sprachförderung fordert Walser die Inklusion von Schülern mit nicht-deutscher Muttersprache. Die Bundesregierung hatte sich darauf verständigt, für Quereinsteiger und Schüler mit Deutschproblemen eigene Förderklassen einzurichten, in denen sie maximal ein Jahr lang intensiv Deutsch lernen sollen. Das hält Walser für wenig sinnvoll, weil die Schüler dadurch isoliert würden. Weitere Forderungen der Grünen: für jedes Kind einen Platz an einer Ganztagsschule, flexible Lehrpläne und eine flexible Leistungsbeurteilung, die tägliche Turnstunde in allen Schulen und eine bedarfsorientierte Mittelzuteilung. Das bedeutet zum Beispiel, dass Schulen mit einem sehr hohen Anteil an nicht-deutschsprachigen Schülern oder Schülern aus sozial schwachen Familien auch mehr Mittel für die individuelle Betreuung bekommen sollen.

Bildungsgipfel mit Landesreferenten
Trotz allem bleibt das Bildungspapier der Grünen etwas vage. Es geht beispielsweise nicht darauf ein, woher die Mittel für die Reformvorschläge kommen sollen oder bis wann diese umgesetzt werden. Auch zur Frage der besseren sozialen und kulturellen Durchmischung in Klassen sind im Rahmen des Grünen-Papiers keine konkreten Durchführungsvorschläge.

Am Mittwoch hat Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek die Bildungsreferenten der Bundesländer zu einem Bildungsgipfel in St. Pölten geladen. Nachdem die Regierung vergangene Woche in Schladming ihre sechs Punkte für eine Bildungsreform vorgestellt hat, befasst sich jetzt eine Arbeitsgruppe mit wesentlichen Punkten der Bildungsreform. In fünf Themenpaketen werden etwa die Ganztagsschule, die Schul- und Personalverwaltung oder die Schulkoordination erörtert. Zu konkreten Inhalten wollte die Bildungsministerin am Rande des Gipfels nichts sagen. Anfragen der "Wiener Zeitung" zu den Inhalten des Gipfels blieben ebenfalls unbeantwortet. Erste Ergebnisse solle es im März nächsten Jahres geben. Der nächste Gipfel findet im Jänner statt.

Im Ö1-"Mittagsjournal" nahm Heinisch-Hosek allerdings zur Zentralmatura Stellung. Die "Interessengemeinschaft Autoren" hatte Anfang der Woche bekrittelt, dass die Literatur im Deutschunterricht und in der neuen Zentralmatura zu kurz komme. Deshalb fordert sie die Umbenennung des Fachs "Deutsch" in "Deutsch und Literatur". Die Bildungsministerin ist nicht der Meinung, dass dieser Teil in der Zentralmatura zu kurz kommt. "Literatur ist Teil der standardisierten Reifeprüfung und das ist gut und genug so", sagte die Ministerin. Im Vergleich zur "alten" schriftlichen Deutschmatura muss bei der neuen Zentralmatura eine von drei Aufgabenstellungen eine Literaturfrage sein. Im alten Modell konnten die Lehrer noch selbst entscheiden, ob sie eine Literaturfrage zur Matura stellen. Das Literatur-Thema ist nun zwar in einer der Aufgaben vorgeschrieben, gleichzeitig muss aber noch eine andere Aufgabe absolviert werden. Damit kann nicht mehr die gesamte Deutschmatura mit einer Literaturaufgabe absolviert werden.

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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