Mittwoch, 8. Oktober 2014

2014.10.08: Newsletter Bildung

 

"Die Presse" vom 08.10.2014                                Seite: 7

Ressort: Inland

 

Österreich, Abend, Österreich, Morgen

 

Vorarlberg testet die Gesamtschule

 

   Koalitionspakt. Die schwarz-grüne Landesregierung in Bregenz will eine Modellregion für die gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen einrichten und keine neuen Schulden machen.

 

   Bregenz. Schwarz-Grün in Vorarlberg steht, seit die Parteivorstände am Montagabend - fast einhellig mit 49:1 Stimmen in der ÖVP und 21:1 Stimmen bei den Grünen - zugestimmt haben. Am Dienstag stellten Landeshauptmann Markus Wallner und sein Koalitionspartner, Grünen-Landessprecher Johannes Rauch, das Programm der Landesregierung vor. Es gliedert sich in 20 Kapitel und 75 Seiten, wobei die Schwerpunkte auf den Themen Bildung und Finanzen liegen.

 

   * Wallner nannte die Bildungspolitik "das Allerwichtigste in der Ausrichtung des Landes für die Zukunft". Früh- und Sprachförderung sollen gestärkt, die Zahl der Ganztagesklassen soll verdoppelt werden. Vor allem aber soll die gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen in einer Modellregion getestet werden. In dieser - noch nicht näher definierten - Region wird es also nur noch dieses Schulmodell geben (mehr dazu im Bericht auf S. 13).

 

   Die grüne Bundessprecherin, Eva Glawischnig, sieht darin ein Signal an die Bundesregierung, in der Bildungspolitik "vom Reden endlich ins Handeln zu kommen", wie sie am Dienstag erklärt hat. ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner wollte vorerst nicht näher auf die Vorarlberger Pläne eingehen. Jedenfalls ließen sich daraus keine Folgen für die Bundespartei bzw. -politik ableiten, so der Vizekanzler. Man werde das Thema in der Bildungsreformgruppe diskutieren, "eine konsensuale Lösung finden".

 

   Auf die Kindergartenpädagogen in Vorarlberg wartet eine "leistungsgerechte Gehaltsreform". Diesem Thema will sich die Landesregierung ab nächstem Jahr widmen. Bei den Elternbeiträgen im Kindergarten ist eine soziale Staffelung geplant - Armutsgefährdete sollen allerdings gar nichts bezahlen.

 

   * In der Finanzpolitik will die Landesregierung prinzipiell keine Nettoneuverschuldung zulassen. Das war eine Bedingung der ÖVP. Außerdem soll eine Verwaltungsreform vorangetrieben werden.

 

   * Wirtschaftspolitisch strebt man Vollbeschäftigung und einen Bürokratieabbau an. Neue Tourismusregionen sollen explizit nicht erschlossen werden. Das sei bereits in der Tourismusstrategie des Landes festgehalten, betonten beide Seiten.

 

   * Grünen-Landeschef Rauch versprach große Investitionen in die Verkehrspolitik, nämlich 300 Mio. Euro für die Bahnhofinfrastruktur, den öffentlichen Verkehr und den Radverkehr. Über eine Ringstraßenbahn im unteren Rheintal soll noch einmal diskutiert werden. Die Projekte Stadttunnel Feldkirch und S18-Nachfolgelösung wurden außer Streit gestellt.

 

   * Die Ressorts werden im Schlüssel 5:2 verteilt. Fünf gehen an die ÖVP, zwei an die Grünen. Wallner übernimmt neben den Finanzen auch die Agenden Familie und Jugend. Sein Stellvertreter, Karlheinz Rüdisser, bleibt für Wirtschaft, Tourismus und Verkehr zuständig und bekommt den Hochbau dazu. Gesundheitslandersrat Christian Bernhard wird auch Kulturlandesrat, weil Harald Sonderegger aus der Regierung ausscheidet. Er soll Landtagspräsident werden. Bernadette Mennel behält die Bildung, den Sport und die Legistik, Erich Schwärzler die Sicherheit und die Landwirtschaft. Seitens der Grünen wird sich Rauch um die Bereiche Umwelt, Mobilitätsmanagement und öffentlicher Verkehr kümmern. Katharina Wiesflecker wird Sozial- und Frauenlandesrätin. (red./APA)

 

 

Die Presse – 8. Oktober 2014

 

 

Vorarlberg: Die Hürden auf dem Weg zur Gesamtschulregion

Schwarz-Grün einigt sich auf die gemeinsame Schule. Eine landesweite Umsetzung ist rechtlich schwierig.

Bregenz. Mit Vorarlberg hat sich nun das erste Bundesland für die Gesamtschule ausgesprochen. Im Arbeitsprogramm der neuen schwarz-grünen Regierung ist eine Modellregion zur Gesamtschule festgeschrieben. „Die Presse" hat sich zentrale Fragen angesehen:

1. Hat sich Vorarlberg auf eine flächendeckende Gesamtschule geeinigt?

Schwarz-Grün hat sich in einem ersten Schritt auf eine Modellregion (eine Stadt oder einen Bezirk) geeinigt. Dort soll es nur noch einen einzigen Schultyp geben. Das würde dort das Aus für das Gymnasium bedeuten. Langfristiges Ziel ist aber die Einführung in ganz Vorarlberg.

2. Kann Vorarlberg die Gesamtschule überhaupt im Alleingang einführen?

Rechtlich ist das nicht einfach. Es gibt zwei Möglichkeiten. Nummer eins: Die Gesamtschule könnte als Schulversuch eingeführt werden. Dabei müssten aber an jedem Standort zwei Drittel der Eltern und zwei Drittel der Lehrer zustimmen. Außerdem darf kein Schulversuch bundesweit an mehr als zehn Prozent der Gymnasien stattfinden. Nummer zwei: Eine Änderung des Schulorganisationsgesetzes auf Bundesebene. Auch bei dieser Variante gibt es einen Haken: Gewisse Inhalte können nämlich nur mit einer Zweidrittelmehrheit verändert werden, und das könnte schwierig werden, zumal die FPÖ und die Bundes-ÖVP (zumindest bislang) gegen die Einführung der Gesamtschule sind.

3. Warum ist die ÖVP in Vorarlberg
eigentlich für die Gesamtschule?

Vorarlberg zählte in diesem Punkt stets zu den Vorreitern und initiierte in der Vergangenheit eine Umfrage, bei der mehr als 20.000 Lehrer, Eltern und Schüler unter anderem zu einer gemeinsamen Schule gefragt wurden. Offiziell gibt es zwar noch keine Ergebnisse, aber erste Hinweise: „Es zeigte sich eine breite Zustimmung zur Gesamtschule im Land", sagt der grüne Bildungssprecher, Harald Walser, selbst Vorarlberger, zur „Presse". Der Rückhalt in der Bevölkerung sei ein Mitgrund gewesen, warum sich Schwarz-Grün ohne große Diskussionen auf die Einführung von Modellregionen zur Gesamtschule geeinigt hätte, sagt Walser. Ende Mai 2015 kommt der Endbericht, dann will die Vorarlberger Koalition beim Bund vorstellig werden.

4. Was bedeutet der Vorarlberger Schritt für die Bundesebene?

ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner betonte, dass die Vorarlberger Einigung keine Auswirkung auf die Bundes-ÖVP habe. Doch auch für ihn sind weitere Modellregionen unter Umständen denkbar.

 

 

"Die Presse" vom 08.10.2014                               Seite: 16

Ressort: Economist

 

Österreich, Abend, Österreich, Morgen

 

Wir wollen die beste Bildung! Nur, wie?

 

   Bildungsinitiativen. Zahlreiche NGOs und Vereine kämpfen für eine bessere Bildungspolitik. Wie diese aussehen soll, darüber scheiden sich aber die Geister.

 

   Vergangenen Donnerstag waren es gleich zwei auf einen Schlag: neue Bildungsinitiativen nämlich, die sich der Öffentlichkeit präsentierten. Während in Wien die Bildungs-NGO "Jedes Kind" offiziell aus der Taufe gehoben wurde, war es im Westen des Landes die Initiative "Pro Gymnasium", die zur selben Zeit einen Forderungskatalog samt einer Liste von Unterstützern vorlegte. Was die beiden wollen? Eine bessere Bildung natürlich. Die Wege, die dort hinführen sollen, sind allerdings doch ziemlich unterschiedlich.

 

   Etwas, was für verschiedenste Initiativen gilt, die politisch Druck machen, lobbyieren und damit in der Bildung etwas in Gang setzen wollen. "Die Presse" hat sich einige der prominentesten (und die neuesten) Bildungsinitiativen angesehen. Wer steht dahinter, was wollen die Initiativen - und wie viel Potenzial haben sie, um etwas zu verändern? Eine Bestandsaufnahme.

 

--------------------------------------

 

"Die Presse" vom 08.10.2014                               Seite: 12

Ressort: Bildung

 

Österreich, Abend, Österreich, Morgen

 

Für jedes Kind, mit einem Draht zur Regierung

 

   Die NGO "Jedes Kind" schließt auch Aktionismus nicht aus.

 

   Jedes Kind. Gewissermaßen war die Initiative "Jedes Kind" schon vor ihrem offiziellen Start erfolgreich - wer sonst hat schon einen direkten Draht zur Regierung? Einer der Gründer - inzwischen nicht mehr an Bord - ist nämlich Harald Mahrer, seit Kurzem ÖVP-Staatssekretär.

 

   Geblieben sind Personen, die nicht wirklich dem ÖVP-Spektrum zuzuordnen sind - der grünaffine AHS-Lehrer Daniel Landau oder die frühere rote Schülervertreterin Eleonora Kleibel -, die sich aber als politisch unabhängig verstehen. Man will für jedes Kind lobbyieren, besonders für jene, die derzeit zurückbleiben. Dafür gehöre das ganze System umgekrempelt. Wie genau, ist noch etwas vage - vor allem ob der vielen Ideen: von Kassasturz über Architektur bis zu radikaler Individualisierung.

 

   Mit Cornelius Obonya und Barbara Stöckl hat man sich jedenfalls recht massentaugliche Botschafter geholt. In Mahrer dürfte man Hoffnungen setzen. Und auch Aktionismus schließt man nicht aus. (beba)

 

--------------------------------------

 

"Die Presse" vom 08.10.2014                               Seite: 12

Ressort: Bildung

 

Österreich, Abend, Österreich, Morgen

 

Mit Elisabeth Gehrer für acht Jahre Gymnasium

 

   Aus Tirol kommt Widerstand gegen die Gesamtschule.

 

   Pro Gymnasium. Eigentlich gilt der Westen ja als jene Gegend Österreichs, in der man der Gesamtschule offener gegenübersteht als anderswo. Gerade dort regt sich aber jetzt Gegenwind: mit der Initiative "Pro Gymnasium", die vergangene Woche in Innsbruck gestartet wurde. Vorrangiges Ziel ist - wie der Name schon sagt - der Erhalt des achtjährigen Gymnasiums.

 

   Initiatoren sind eine lose Gruppe von Personen aus dem Bildungsbereich - von Eltern, Lehrern und Schülern bis zum Innsbrucker VHS-Chef. Sie wollen die Debatte weg von der Gesamtschule hin zu Punkten lenken, die man ohne eine Systemreform verbessern könnte: weg von den Noten als Aufnahmekriterium für die AHS, mehr Oberstufengymnasien oder zusätzliches Unterstützungspersonal.

 

   Die Zahl der Unterstützer von Pro Gymnasium - das sich als klassische Bürgerinitiative versteht - liegt inzwischen bei knapp 2000. Ganz vorn: Ex-Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (ÖVP). (beba)

 

--------------------------------------

 

"Die Presse" vom 08.10.2014                               Seite: 12

Ressort: Bildung

 

Österreich, Abend, Österreich, Morgen

 

Eine Stimme für die Kindergärten und Krippen

 

   Educare rückt ein vergessenes Thema in den Mittelpunkt.

 

   Educare. Die Plattform Educare konzentriert sich auf einen Bereich, der ansonst gern vergessen wird: auf die elementare Bildung - also die Krabbelstuben, Krippen und Kindergärten. Dadurch haben diese Institutionen, die meist im Kompetenzwirrwarr zwischen Bund, Ländern, Gemeinden und privaten Trägern untergehen, erstmals eine gemeinsame, hörbare Stimme bekommen.

 

   Das hilft. Die Elementarbildung ist im Zentrum der Bildungsdiskussion angekommen. Mit Heidemarie Lex-Nalis und Raphaela Keller gibt es zwei Mitglieder des Steuerungsteams, die sich immer wieder lautstark zu Wort melden. Oberstes Ziel der Arbeitsgemeinschaft aus Institutionen, Interessengemeinschaften, Trägerorganisationen und Experten ist die Wahrnehmung der Kindergärten als Bildungseinrichtungen.

 

   Deshalb plädiert Educare auch für ein Bundesrahmengesetz zur Qualitätssicherung und für die Uni-Ausbildung der Pädagogen. (j. n.)

 

--------------------------------------

 

"Die Presse" vom 08.10.2014                               Seite: 12

Ressort: Bildung

 

Österreich, Abend, Österreich, Morgen

 

Ohne großen Wirbel, aber stets präsent

 

   Die Initiative setzt seit sieben Jahren auf Veranstaltungen.

 

   Bildung Grenzenlos. Es ist eine Initiative, die nicht für den allergrößten Wirbel sorgt - womöglich schöpft "Bildung Grenzenlos" aber gerade daraus eine gewisse Stärke. Denn die Vorsitzende Heidi Schrodt - die ehemalige Direktorin des Wiener Gymnasiums Rahlgasse - wird öffentlich eher als Expertin wahrgenommen denn als Aktivistin mit übertriebenem ideologischem Sendungsbewusstsein.

 

   Die Versachlichung des Diskurses war eines der zentralen Anliegen bei der Gründung der Initiative vor inzwischen sieben Jahren. Im Bezug auf das Streitthema Gesamtschule heißt das etwa: ja, aber nur mit großer innerer Differenzierung an beiden Enden des Begabungsspektrums.

 

   Die Initiative setzt vor allem auf Veranstaltungen, Debatten und Enqueten, um das Thema zu erörtern. Kürzlich lenkte Vorsitzende Schrodt mit ihrem Buch zu Migration und Schule den Blick auf ein problembehaftetes Thema - und wurde ausgiebig rezipiert. (beba)

 

--------------------------------------

 

"Die Presse" vom 08.10.2014                               Seite: 12

Ressort: Bildung

 

Österreich, Abend, Österreich, Morgen

 

Ein Begehren, das sich noch ein bisschen regt

 

   Hin und wieder meldet sich Hannes Androsch zu Wort.

 

   Bildungsvolksbegehren. Mit seinem eigentlichen Ziel ist das Volksbegehren unter der Führung von Ex-Minister Hannes Androsch (SPÖ) vor inzwischen drei Jahren relativ drastisch gescheitert - nur sechs Prozent der Österreicher unterschrieben vor inzwischen drei Jahren den Forderungskatalog. Der reichte von mehr Schulautonomie über zusätzliche Ganztagsschulen bis zur erstmaligen Trennung der Schüler am Ende der Schulpflicht.

 

   Einige der geforderten Punkte sind inzwischen zumindest teilweise umgesetzt: eine neue Lehrerausbildung, ein Ausbau der ganztägigen Schulplätze, mehr Krippenplätze. Wie viel das Volksbegehren damit zu tun hatte, ist aber fraglich. Die Behandlung im Parlament erfolgte jedenfalls eher halbherzig.

 

   Ganz eingeschlafen ist die Initiative trotz der Rückschläge nicht. Erst im Sommer meldete sich Initiator Hannes Androsch in Briefen an Sozialpartner, Landeschefs und Regierung zu Wort. Allerdings mit mäßiger Resonanz. (beba)

 

--------------------------------------

 

"Die Presse" vom 08.10.2014                               Seite: 12

Ressort: Bildung

 

Österreich, Abend, Österreich, Morgen

 

Ein Pol gegen die große Gefahr Gesamtschule

 

   Eine Initiative in Opposition zum Bildungsvolksbegehren.

 

   Leistung & Vielfalt. Die Plattform entstand eigentlich als Gegenpol zum Bildungsvolksbegehren. Stein des Anstoßes war die (implizite) Forderung nach einer Gesamtschule in dem Volksbegehren. Die wird von "Leistung und Vielfalt" - Vorsitzender ist Günter Schmid, Gründungsdirektor der Wiener Popper-Schule für Hochbegabte - als brandgefährlich gesehen.

 

   Ein Kritikpunkt der Initiative: die Panikmache der Politiker. Zwar müsse man auf die Klassenschülerhöchstzahl achten und die Pädagogik verbessern - grundlegende Änderungen des Systems seien aber nicht nötig. Intimfeindin der ÖVP-nahen Plattform war Ex-Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ). So hieß es zu ihrem Rücktritt, man empfinde "tiefe Befriedigung über die Entschärfung der gefährlichsten Zeitbombe für die Qualität des Bildungswesens".

 

   Die Plattform meldet sich von Zeit zu Zeit bis heute zu Wort - vor allem natürlich dann, wenn es um die Gesamtschule geht. (rovi)

 

Die Presse – 8. Oktober 2014

 

 

Schulwart: Plädoyer für den „uninteressantesten Beruf"

Das Buch „Der vergessene Schulwart" ruft zu einer größeren Wertschätzung für die Schulwarte und einer Aufwertung des Berufs auf.

Von Julia Neuhauser  

Wien.„Schulwart zu sein ist so ziemlich der uninteressanteste Beruf, den man sich nur vorstellen kann." Es sind Aussagen wie diese, die im Buch „Der vergessene Schulwart" der Psychotherapeutin Rotraud A. Perner kritisch hinterfragt werden. Es ist eine Art Plädoyer für eine größere Wertschätzung der Schulwarte und eine Aufwertung des Berufes.

In der Bildungsdiskussion wird stets von einer Lehrer-Eltern-Schüler-Partnerschaft gesprochen – dass auch Schulwarte Teil des Schulsystems sind, wird zumeist vergessen. Zu Unrecht, meint die Autorin. Denn die Schulwarte seien jene Mitarbeiter im schulischen Bereich, die den besten Überblick über die Geschehnisse außerhalb des Unterrichts haben.

Die Psychotherapeutin sieht die Schulwarte als „Ressource zur Förderung von Kindern und Jugendlichen". „In einer Zeit, in der Lehrkräfte mit einer immer ,verhaltensoriginelleren' Schülerschaft konfrontiert sind und nach sozialer Unterstützung rufen [...], erscheint es mir grob fahrlässig, die wichtige Zentrumsperson Schulwart als ,nur' Raumpflege- und Reparaturperson auf die unterste Stufe der Schulhierarchie einzuordnen, bei Bedarf von ihr aber quasi als Naturbegabung soziale Kompetenzen zu erwarten", so Perner. Sie sieht Schulwarte als „Schulcoaches" und „Helfer im Sinne von Gewaltschutz und Frieden" und wünscht sich eine entsprechende Berufsausbildung, ebenso wie eigene Fort- und Weiterbildung. Perners Institut für Stressprophylaxe und Salutogenese hat sogar schon diesbezügliche Vorarbeiten geleistet. Das würde auch zu der notwendigen höheren sozialen Anerkennung des Berufs beitragen.

Lediglich als Hilfskraft bezahlt

Per Gesetz übernehmen die Schulwarte wichtige Aufgaben: Ihnen obliegt die Obhut über das Gebäude, die Einrichtung, die technischen Anlagen sowie über die Liegenschaft. In der Praxis heißt das, dass sich Schulwarte um das Schneeschaufeln, die Reparatur von Möbeln und das Montieren von Beamern kümmern. Doch während die Technik den Beruf veränderte, hat sich die geringe Bezahlung nicht geändert. „Wenn man die Leistung der Schulwarte in Relation zu ihrer gehaltlichen Einstufung stellt, muss man zwangsläufig zur Ansicht kommen, dass diese Personen für hoch qualifizierte Tätigkeiten lediglich als Hilfskräfte bezahlt werden", heißt es im Buch.

Immerhin würden Schulwarte durch ihre Arbeit, die nicht selten über das Jobprofil hinausgeht und auch Montage-, Reparatur- und Wartungsarbeiten umfasst, dem Schulsystem viel Geld sparen. Laut einer im Buch zitierten Erhebung seien das fast fünf Millionen Euro.

Teil des Buches ist eine Befragung von Schulwarten zum Thema Stress und Gewalt an Schulen. Ihren eigenen Job beschreiben Schulwarte meist als mäßig stressig. Den Lehrerjob halten sie für etwas stressiger. Gewalt an der Schule halten sie für kein allzu großes Problem. Sich selbst schätzen die Schulwarte als pädagogisch nicht besonders kompetent ein, so die Ergebnisse.

 

 

Die Presse – 8. Oktober 2014

 

 

Lokalaugenschein: Unterricht in Uniform

Das Militärrealgymnasium in Wiener Neustadt steht auf der Streichliste des Verteidigungsressorts. Nur zwei Jahrgänge sollen dort noch die Matura machen können.

Wiener Neustadt. Mit einem lockeren Gruß ist es in dieser Schule nicht getan – zumindest meistens nicht. Auch nicht mit einem Händeschütteln. Und so hebt der Schüler die Hand zum Salut, als er über die Treppe an Oberst Wilhelm Mainhart vorbeiläuft. Dieser ist militärischer Leiter der Schule und trägt Uniform. Wie der Schüler auch. Im Militärrealgymnasium wird Oliv getragen. Meistens zumindest. Und in Uniform gilt es zu salutieren, jedenfalls bei der ersten Begegnung des Tages. Auch, wenn das nicht immer ganz so streng eingehalten wird. Sonst käme man ja aus dem Salutieren nicht mehr heraus, sagt Internatsleiter Stefan Haas. Hauptmann, in Uniform natürlich.

Militärgymnasium, das klingt nach Kaiser, nach Habsburger. Tatsächlich setzt die Schule die Tradition der Militärschulen fort, feiert selbst aber erst kommendes Jahr ihr 50.Jubiläum. Dass den rund 180 Schülern – alle zwischen 14 und 18, an die 30 davon Mädchen – zum Feiern zumute sein wird, darf man bezweifeln. Die Schule steht auf der Streichliste des Verteidigungsressorts. Geht es nach Minister Gerald Klug (SPÖ), sollen nur noch zwei Jahrgänge in Wiener Neustadt maturieren können. Dann soll die Schule aufgelöst werden, das Gebäude auf dem Gelände der Militärakademie könnte für die Weiterbildung von Offizieren genutzt werden.

Vor allem die kurze Frist bis zur Schließung ist für Schuldirektor Werner Sulzgruber inakzeptabel. „Man kann eine Schule, sofern man das für sinnvoll hält, auslaufen lassen", sagt er. „Aber eine höhere Schule innerhalb von zwei Jahren aufzulösen, ist eine pädagogisch unverantwortliche Maßnahme." Etwa hundert Schüler müssten ein bzw. zwei Jahre vor der Matura an eine andere Schule wechseln. Und nicht überall gibt es Schulen, die Russisch als zweite Fremdsprache anbieten, wie das Militärgymnasium. „Man darf den Jugendlichen die Zukunft nicht so erschweren."

Zweierreihe frühmorgens

Doch was ist das eigentlich für eine Schule, die da vor dem Aus steht? Wäre nicht das omnipräsente Olivgrün, hinge in den etwas abgenutzten gelb gestrichenen Gängen nicht hier und da die Skizze einer Waffe an der Wand und ein Namensschild inklusive militärischen Titels an der Tür, man könnte glauben, man befände sich in einem ganz normalen Internat. Einem, in dem wie überall Schüler gescholten werden, wenn sie in ihren Zimmern zu laut Musik hören. Und eines, in dem fleißig gegrüßt wird – worauf man vom Kommandanten abwärts auch stolz ist.

Doch es ist auch eine Schule, in der die Schüler nach der Tagwache um sechs Uhr früh in Uniform und Habt-Acht-Stellung in den Gängen vor dem Zimmer stehen und in der kontrolliert wird, ob Kleidung, Bart, Frisur auch heereskonform sind. In der anstatt eines laschen „Morgen, Herr Fesser" der Taghabende einer Klasse seine Gruppe in der Stärke von so und so vielen Schülern zum Unterricht meldet.

Zu einem Stundenplan, der dem eines Oberstufenrealgymnasiums mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt entspricht, kommt ein Nachmittag Sport – etwa Reiten, Klettern, Leichtathletik, Kraft. Und einer für die vormilitärische Ausbildung: von Erster Hilfe über Überleben in der Natur und Geländekunde bis hin zum Exerzieren und zum Kennenlernen der verschiedenen Waffen. Ohne sie in Händen zu halten, wohlgemerkt. War bis vor einigen Jahren Schießausbildung inklusive, ist das inzwischen gestrichen. Aber kennen sollte man die Waffen. Immerhin wurde die Schule in erster Linie zur Qualifikation zukünftiger Offiziere gegründet.

Das ist auch bis heute eines der Hauptargumente: Ein Großteil der Absolventen würde eine Miliz- oder Berufskarriere im Heer einschlagen, sagt Militärakademiekommandant Gerhard Herke. Die Schule habe sich bewährt, um Führungsnachwuchs heranzuziehen – etwas, was man im Ministerium anders sieht. Kaum jemand würde nach dem Abschluss etwa die Militärakademie besuchen. Tatsächlich ist auch der Andrang an die Schule überschaubar – aber konstant, wie es dort heißt: Stets würden sich etwas mehr Schüler bewerben, als es Plätze gibt. Heuer waren es weniger. Gestartet wurde mit 57 Schülern. Die Schüler kommen aus ganz Österreich, an die zehn Prozent von ihnen haben einen familiären Bezug zum Heer.

Eine Schullaufbahn in Uniform, mit Tagwache und vormilitärischer Ausbildung: Das scheint doch etwas antiquiert. Oder? „Nicht doch", meint Direktor Sulzgruber, „das ist nicht so verkrustet, wie es manchen vielleicht scheint. Hinter der vormilitärischen Ausbildung steckt eine Menge an sozialen Kompetenzen: Teambuilding, Kommunikation."

Schüler ergreifen Initiative

Die Schüler haben in der 6b inzwischen selbst die Initiative ergriffen. Der geplante Wandertag wurde auf Wunsch der Schüler abgeblasen – zugunsten einer Art politischer Bildung mit Klassenvorstand Othmar Holzer. „Ziel: Erhalt des MilRg", steht da an der Tafel. „Teilziel: Vier Jahre." Daneben eine Reihe von Maßnahmen: Flyer, ein Aktionstag, ein Brief an den Bundespräsidenten. Und: „We won't give up yet."

„Wir lassen das nicht einfach auf uns zukommen", sagt Christian Vesligay (15). Er ist seit zwei Wochen Schulsprecher und marschierte schon mit einem Protestbrief ins Ministerium; gestern übergaben die Schüler beim Ministerrat eine Petition. Die kommenden Tage will man nutzen, um den Menschen auf der Straße zu zeigen, warum es die Schule gibt. Und vor allem: dass es sie gibt. Denn das größte Problem sei, dass viele nicht einmal wüssten, dass das Militärgymnasium überhaupt existiere.

AUF EINEN BLICK

Das Militärrealgymnasium an der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt besteht seit 1965. Es ist ein öffentliches Oberstufenrealgymnasium mit Schwerpunkt Naturwissenschaften. Daran angeschlossen ist ein militärisch geführtes Internat. Die 24Lehrer werden vom Unterrichtsressort gestellt, dazu kommen 13Bundesheerangestellte: u.a. acht Erzieher, der militärische Leiter und der Internatsleiter. Auch Kosten für Gebäude und Infrastruktur zahlt das Verteidigungsressort. Eltern zahlen zehnmal jährlich 340 Euro für das Internat.

Mit der Schließung will das Ministerium jährlich 200.000 Euro laufende Kosten einsparen, zudem 1,5 Millionen Euro an Baubedarf. Nutze man das Gebäude für die Offiziersweiterbildung, könne man außerdem ein anderes verkaufen.

 

 

"Kleine Zeitung" vom 08.10.2014                              Seite: 8

Ressort: Österreich

 

Steiermark

 

Erwachsenenbildung wird verlängert

 

Finanzierung von 50 Millionen ist nun bis 2017 gesichert.

 

   WIEN. Um drei Jahre verlängert wird die kostenlose Basisbildung zur Alphabetisierung oder zum Nachholen eines Pflichtschulabschlusses. Eine entsprechende Vereinbarung mit den Ländern hat der Ministerrat beschlossen. Bundesweit kommt laut Vizekanzler Reinhold Mitterlehner rund eine Million Bürger dafür infrage. Gesamtkosten: 50 Millionen, 21 Millionen steuert die EU bei. Pro Person wird mit bis zu 6600 Euro gefördert. Von 2012 bis 2014 haben 13.600 die Basisbildung und 5800 einen Schulabschluss nachgeholt. Dies sei laut Mitterlehner wichtig für Personen im erwerbsfähigen Alter, um qualifiziert arbeiten zu können.

 

 

"Kleine Zeitung" vom 08.10.2014                             Seite: 10

Ressort: International

 

Steiermark

 

Nie mehr sitzen bleiben

 

Frankreich schafft die Ehrenrunden von Schülern ab. Nur noch auf Wunsch der Eltern oder bei langen Fehlzeiten soll es Ausnahmen geben.

 

   Es ist eine dieser Folterfragen, die einem noch in den Knochen sitzen, wenn die Schule längst Geschichte ist. „Gibt es Sitzenbleiber in dieser Klasse?" Zu Beginn eines jeden Schuljahres wollen Frankreichs Lehrer das wissen. Wer nicht in die nächste Schulstufe aufgestiegen ist, hat seinen ganzen Mut zusammenzunehmen, den Finger zu heben und im Kreis der neuen Kollegen den Offenbarungseid zu leisten.

 

   Aber mit Demütigungen dieser Art, mit dem Sitzenbleiben schlechthin, soll jetzt Schluss sein. Frankreichs Bildungsministerin Najat Vallaud-Belkacem hat ein entsprechendes Dekret auf den Weg gebracht. Noch in diesem Jahr soll es verabschiedet werden und bereits im nächsten Jahr in Kraft treten. Ausnahmen sind allein bei hohen Fehlzeiten eines Schülers vorgesehen und auch nur, sofern die Eltern dies wünschen. Ansonsten gilt: Jeder wird versetzt.

 

   Für Frankreich kommt das einer Revolution gleich. Denn: 28 Prozent der 15-jährigen Schüler haben dort bereits einmal die Klasse wiederholt. Im EU-Durchschnitt liegt der Anteil der Sitzenbleiber lediglich bei zwölf Prozent. Ein Ranking der 34 Staaten der Organisation für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD), die sich durch vergleichbaren Wohlstand auszeichnen, weist Frankreich auf Platz fünf aus.

 

   Ministerin unter Beschuss

 

   Vallaud-Belkacem, die sich bereits als reformfreudige Ministerin für Frauen und Familie viel Feind und viel Ehr gemacht hat, steht mit diesem Vorschlag erneut im Kreuzfeuer der Kritik. Der konservative Lehrerverband Snalc wirft der 37-jährigen Sozialistin vor, mit einer Versetzungsgarantie in den höheren Klassen „ein Massaker" anzurichten. Andere Lehrerorganisationen pflichten der Ministerin zwar insoweit bei, als sie es für wenig hilfreich halten, einem Schüler das ihn überfordernde Jahresprogramm ein zweites Mal vorzusetzen und seiner Selbstachtung bleibenden Schaden zuzufügen. Zugleich warnen sie die Politikerin aber eindringlich davor, auf das Instrument des Sitzenbleibens zu verzichten, ohne brauchbare Alternativen an der Hand zu haben.

 

   Nun ist es nicht so, dass die Reformerin daran nicht gedacht hätte. Ihr Dekret empfiehlt „auf den Schüler abgestellte individuelle Förderprogramme und pädagogische Begleitung".

 

   Wie das bei Klassen von mehr als 30 Schülern zu leisten ist, sagt der Erlass allerdings nicht. Das Gutgemeinte mag so dazu führen, dass dem Unterrichtstempo nicht gewachsene Schüler endgültig den Anschluss verlieren, resignieren und vorzeitig von der Schule abgehen. Schon jetzt stehen in Frankreich jährlich 150.000 Jugendliche ohne Abschluss auf der Straße.

 

 

OÖN – 8. Oktober 2014

 

 

Schwarz-grüner Schulversuch

 

BREGENZ. Nach der Besiegelung des schwarz-grünen Koalitionspakts in Vorarlberg durch die Parteigremien Montagabend haben Landeshauptmann Markus Wallner (VP) und Landesstatthalter Johannes Rauch (Grüne) gestern ihr Arbeitsprogramm präsentiert.

Ein Schwerpunkt der fünfjährigen Koalition soll Bildung sein. In Vorarlberg soll die Zahl der Risikoschüler halbiert werden, Kindergartenpädagogen sollen ab 2015 "leistungsgerecht" entlohnt werden. Auch ein Schulversuch zur gemeinsamen Schule der Zehn- bis 14-Jährigen wird zumindest geprüft.

 

Was das Landesbudget betrifft, so haben sich Wallner und Rauch vorgenommen, keine Netto-Neuverschuldung mehr einzugehen.

 

 

"Österreich" vom 08.10.2014                                   Seite 6

Ressort: Politik

 

Wien

 

Vorarlberg:

 

Regierung stärkt die Gesamtschule

 

Die Front in der ÖVP für das Gymnasium bröckelt langsam

 

Die schwarz-grüne Koalition in Vorarlberg stellte Dienstag ihr Arbeitsprogramm vor.

 

Wien/Bregenz. Wichtiger Teil des Koalitionspaktes zwischen Schwarz und Grün ist ein klares Bekenntnis zur Gesamtschule. Die soll im Ländle ab Mai 2015 als "regionaler Schulversuch" eingeführt werden. Das Vorarlberger Modell soll dann als Vorschlag für eine bundesweite Gesamtschule dienen. Damit ist Vorarlberg jetzt unter den ÖVPgeführten Ländern Vorreiter in Sachen Gesamtschule.

 

Front bröckelt. Auf Bundesebene rannte die SPÖ-Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek bisher vergeblich gegen die ÖVP an, die sich weiter an das Gymnasium klammert. Jetzt bekommt die SPÖ auf Bundesebene ausgerechnet von einem ÖVP-Landeshauptmann wie dem Vorarlberger Markus Wallner Rückenwind.

 

Seit dem Abgang von Ex-Finanzminister und ÖVP-Chef Spindelegger bröckeln auch in der ÖVP die Fronten gegen die Gesamtschule. Sein Nachfolger Mitterlehner ist kein absoluter Gegner.

 

 

"Der Standard" vom 08.10.2014                                Seite: 1

Ressort: SEITE 1

 

Bundesland, Bundesland Abend

 

Schwarz-Grün will gemeinsame Schule in ganz Vorarlberg

 

Wallner und Rauch im Interview: Schulversuch für alle 10- bis 14-Jährigen

 

   Bregenz – Die neuen Koalitionspartner in Vorarlberg, Landeshauptmann Markus Wallner von der ÖVP und Grünen-Chef Johannes Rauch, kündigen im Interview mit dem Standard an, die gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen in Vorarlberg in einem Schulversuch umsetzen zu wollen. Ein entsprechender Antrag soll 2015 gestellt werden.

 

   Aktuell läuft zur gemeinsamen Schule ein landesweites Forschungsprojekt. Auf Basis der Studienergebnisse will die Landesregierung dem Bund einen großangelegten Schulversuch für ganz Vorarlberg vorschlagen. Der Realisierung müsste der Nationalrat zustimmen. Bisher scheiterte der Wunsch nach einer Modellregion Vorarlberg auch an der Haltung der Bundes-ÖVP.

 

   Zwei weitere Anliegen richtet die schwarz-grüne Landesregierung an den Bund: die rasche Umsetzung der Steuerreform und damit mehr soziale Gerechtigkeit. Dem Bund wiederum verspricht Landeshauptmann Wallner die fristgerechte Erfüllung der Flüchtlingsquote. Noch ist Vorarlberg säumig. Gemeinsam mit der Caritas und den Gemeinden wolle man rasch den Wohnraum beschaffen, sagt Wallner. Der künftige Umweltlandesrat der Grünen, Rauch, will eine Überzeugungstour durch die Gemeinden starten. (red)

 

    Seite 7

-----------------------------

 

"Der Standard" vom 08.10.2014                                Seite: 7

Ressort: Inland

 

INTERVIEW: Jutta Berger : Markus Wallner (47) ist seit 2011 Landeshauptmann von Vorarlberg und Obmann der Vorarlberger Volkspartei.

 

Bundesland, Bundesland Abend

 

„Das kann man den Menschen nicht mehr zumuten"

 

   Parteipolitisches Hickhack ist Vergangenheit.Landeshauptmann Markus Wallner und Grünen-Chef Johannes Rauch wollen Vorarlberg gemeinsam gestalten. Und gleich mit dem Projekt beginnen.„"

 

   Standard: Sie beide scheinen gut miteinander zu können. Was haben Grün und Schwarz bei den Verhandlungen voneinander gelernt?

 

   Wallner: Es war eine Lerneinheit für beide Parteien. Von der ersten Sekunde an war spürbar, dass wir zu einem positiven Abschluss kommen wollen. Ich habe gelernt: Wenn die Positionen sauber ausdiskutiert und aufeinander abgestimmt werden, in fairen persönlichen Stil, kann ein sehr gutes Ergebnis herauskommen. Wir können uns sehr gut ergänzen.

 

   Rauch: Meine Lernerfahrung und Hoffnung für die Zukunft: Auch in konfliktbeladenen Feldern ist es möglich, zu einer guten Lösung zu kommen, auch ohne faulen Kompromiss.

 

   Gibt es einen Koalitionsausschuss bei kontroversen Themen?

 

   Wallner: Ja, aber nicht mit 400 Leuten. Der Koalitionsausschuss besteht aus den beiden Obmännern und den beiden Klubobleuten, nach Bedarf ziehen wir weitere Personen bei.

 

   Strittiges Thema in den Verhandlungen war die Verkehrspolitik, Nun steht Bahnausbau als erster Punkt im Arbeitsprogramm. Hat die Bahn Vorrang vor Straßenbau?

 

   Rauch: Die Bahn stellt das Rückgrat dar. Die Straßenbauten wird es wohl brauchen, ansonsten setzen wir auf den Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs.

 

   Wallner: Die Reihung liegt auch daran, dass es bereits ein Paket zum Bahnausbau gibt, das wir miteinander und mit der ÖBB umsetzen werden.

 

   Die Grünen sind bei umstrittenen Straßenprojekten einen Kompromiss eingegangen. Würde die ÖVP einen negativen Ausgang von UVP-Verfahren akzeptieren?

 

   Wallner: Damit will ich mich gar nicht beschäftigen. Das wäre ein Rückschritt. Das kann niemandem Recht sein, weil wir seit vielen Jahren auf Entlastung vieler Menschen drängen. Wir hoffen auf positive Verfahrensabläufe. Aber natürlich ist eine Umweltverträglichkeitsprüfung ergebnisoffen.

 

   Ein Arbeitsschwerpunkt ist Bildung. Wann kommt die Modellregion zur gemeinsamen Schule?

 

   Rauch: Im Mai 2015 wird das Ergebnis des Forschungsprojektes vorliegen. Auf dieser Grundlage wird an den Bund herangetreten, einen Schulversuch in Vorarlberg zu ermöglichen. Mit der Umsetzung von Maßnahmen im eigenen Bereich fangen wir aber gleich an.

 

   Wallner: Wir haben ein Volksschulpaket auf Schiene. Die Frühpädagogik, die Sprachförderung werden intensiviert. Das Volksschulpaket umfasst 3,4 Millionen Euro. Davon gehen 2,7 Millionen Euro in den Bereich Stundenkontingente, wo der Bund schon ewig säumig ist. Da müssen wir in Vorfinanzierung treten. 700.000 Euro fließen in administrative Entlastung der einzelnen Schulen. Unsere Anliegen in Bildungsfragen werden wir sehr offensiv vertreten.

 

   Welche Anliegen haben Sie sonst noch an den Bund?

 

   Wallner: Die Steuerreform. Sinnvollerweise hat ja die Bundesregierung einen Beschluss gefasst, in das Thema einzutreten.

 

   Rauch: Das ist eine Frage der sozialen Gerechtigkeit. Wir haben ein 12-Milliarden-Euro-Schuldenpaket am Buckel, aber keine Entlastung. Das kann man den Menschen nicht mehr zumuten.

 

   Der Bund möchte, dass Vorarlberg endlich die Flüchtlingsquote erfüllt. Wann wird das sein?

 

   Wallner: Wir werden alles unternehmen, um die Quote zu erfüllen. Dazu brauchen wir aber die Unterstützung der Gemeinden. Wir ersuchen sie, mit der Caritas Wohnraum zu schaffen.

 

   Reicht gutes Zureden aus?

 

   Wallner: Man muss es probieren. Einfach von oben herab zu verordnen, ist kontraproduktiv.

 

   Rauch: Das ist ähnlich wie beim gemeinnützigen Wohnbau. Die Gemeinden haben sich vor riesigen Wohnblocks gefürchtet, das hat sich geändert. Wir fragen nun die Gemeinden, ob sie eine oder zwei Familien aufnehmen. Diese Gemeindetour werden wir gleich starten. Es ist dringend.

 

   Sie wollen einen neuen Gesellschaftsindikator einführen. Wird nun anstelle des BIP das Bruttolandesglück erhoben?

 

   Wallner: Wohlstand kann nicht nur über das BIP definiert werden, die Aussage des BIP ist wesentlich, aber nicht die einzige.

 

   Rauch: Nicht das Wirtschaftswachstum allein macht dieses Land aus, es sind auch soziale Sicherheit, intakte Natur- und Landschaft, bürgerschaftliches Engagement. Das BIP allein ist zu wenig.

 

   Wie glücklich sind Sie im Moment, auf der Skala 1 bis 5?

 

   Rauch: 5

 

   Wallner: Dem schließe ich mich an.

 

   Von der ersten Sekunde an war spürbar, dass wir zu einem positiven Ergebnis kommen wollen. Wir ergänzen uns.

-----------------------------

 

"Der Standard" vom 08.10.2014                                Seite: 7

Ressort: Inland

 

Bundesland, Bundesland Abend

 

Westen will gemeinsame Schule

 

Gesetzesänderung könnte Modellregionen erleichtern

 

   Bregenz – Bildung ist eines der gemeinsamen Projekte, die Volkspartei und Grüne gemeinsam angehen möchten. Fünf Seiten des 75-seitigen Arbeitsprogramms „Vorarlberg gemeinsam gestalten" sind der Bildung gewidmet.

 

   2015, wenn das Ergebnis des Vorarlberger Forschungsprojekts „Schule der 10- bis 14-Jährigen" vorliegt, will die Landesregierung dem Bund einen Vorschlag zu einem regionalen Schulversuch unterbreiten. Begründung: Eine spätere Bildungswegentscheidung wäre für die Kinder von Vorteil und würde die Volksschulen entlasten.

 

   Mit dem Schulversuch wünschen sich Vorarlberg und auch Tirol eine Abschaffung der bisherigen Hürden für Schulversuche für diese speziellen Modellregionen. Üblicherweise müssen an Pflichtschulen zwei Drittel der Eltern und zwei Drittel der Lehrer einem Schulversuch zustimmen, an höheren Schulen dürfen auch die Schüler mitstimmen.

 

   In Tirol ist ein Schulversuch zur Gesamtschule in Innsbruck an dieser Hürde gescheitert: Die schwarz-grüne Landesregierung konnte kein Gymnasium überzeugen, mitzumachen. Deshalb gibt es aktuell nur im Zillertal eine Modellregion. Das war allerdings nur möglich, weil es dort kein Gymnasium gibt.

 

   Hoffnung auf Mitterlehner

 

   Eine Änderung des Schulorganisationsgesetzes könnte die Umsetzung der Modellregionen im Westen erleichtern. Bisher scheiterte dies vor allem an der ÖVP unter Michael Spindelegger, der die Gesamtschule ja vehement ablehnte. Vom neuen ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner erwartet sich der Westen mehr Bewegung. Der wollte eine Auswirkung der Modellregionen auf die Bundespartei nicht ausschließen. Er kündigte an, das Thema in der Bildungsreformgruppe diskutieren zu wollen, um eine „konsensuale Lösung" zu finden. (jub, koli)

 

 

"Kronen Zeitung" vom 08.10.2014                            Seite: 2,3

Ressort: Politik

 

Wi, Abend, Bgld, Ktn, Wi Mitte, Wi Nord, Wi Süd, Wi West, N.Ö., O.Ö., Sbg, Stmk, Ti, Vbg, Wi, Wi, Morgen

 

Ex-Ministerin Gehrer macht gegen ÖVP-Westachse mobil

 

Neuer Streit um Gesamtschule

 

Innsbruck/Wien (d.v.). - Während die neue schwarz-grüne Koalition in Vorarlberg einen Schulversuch zur Gesamtschule entwickelt und auch die ÖVP-Länderchefs in Tirol und Salzburg auf Modellregionen pochen, macht eine Initiative gegen den gemeinsamen Unterricht mobil. Eine der Speerspitzen der Reformgegner: Ex-Bildungsministerin Elisabeth Gehrer.

 

    Elisabeth Gehrer trat 2007 als Bildungsministerin zurück.

 

   In der Schuldebatte brodelt es wieder. Die neue Tiroler Initiative "Pro Gymnasium" fordert ein Ende der Debatte um die Gesamtschule, die "keinen Nutzen" gebracht habe und nur zur "Diffamierung des ursprünglich guten Images aller Bildungseinrichtungen" beigetragen habe. An vorderster Front der Unterstützer steht die ehemalige ÖVP-Unterrichtsministerin Elisabeth Gehrer, die schon zu ihrer Amtszeit nicht gerade für ihren übergroßen Reformwillen bekannt war.

 

   Generell finden sich zahlreiche Ehemalige unter den Unterzeichnern - Ex-Direktoren, Rektoren, Schulinspektoren oder Landesschulratspräsidenten.

 

 

Kurier – 8. Oktober 2014

 

Gesamtschule: Der Druck steigt weiter.

Der Koalitionspakt stärkt die Westachse. Zum Tragen kommt der liberale Grundzug bei der Bildung.

 

 

 

Er hätte sich freuen können, ja, er hätte sogar ein wenig stolz sein dürfen. – Immerhin hat Parteifreund Markus Wallner in Vorarlberg binnen einer Woche einen Koalitionspakt geschmiedet und seinen Posten als Landeshauptmann endgültig verteidigt.

Doch irgendwie wirkte Reinhold Mitterlehner am Dienstag nach dem Ministerrat nicht wirklich beglückt. Er beobachte die Entwicklungen im Ländle "vollkommen neutral", sagte der ÖVP-Chef; Schwarz-Grün sei eine "unabhängige Entscheidung" der Vorarlberger ÖVP; und überhaupt habe diese "mit dem Bund nichts zu tun". Euphorie klingt anders.

Stärkung der Westachse

Die begrenzte Begeisterung mancher Bundes-Schwarzen hat handfeste Gründe. Denn der am Dienstag im Ländle präsentierte Koalitionspakt stärkt die Partei-interne "Westachse", die bei ideologisch heiklen Themen wie der Bildung eher gesellschaftsliberal orientiert ist.

Ein Beispiel: der Familienbegriff. Im Wallner-Rauch-Pakt findet sich das klassische Vater-Mutter-Kind-Schema nicht, Familie wird als "Zusammenleben von Menschen" definiert, die "besondere Verantwortung füreinander übernehmen". Patchwork-Familien, Homo-Ehen, all das passt da hinein.

Noch stärker kommt der liberale Grundzug beim Bildungsthema zum Tragen: So geht Vorarlberg bei der Gemeinsamen Schule der 10- bis 14-Jährigen klar über die Festlegungen der schwarz-grün geführten Regierungen in Tirol und Salzburg hinaus.

Modellstandort

Genügte den Salzburger Regierungspartnern, dass im Land nach Möglichkeit ein "Modellstandort" eingerichtet wird, will man dieses Schulmodell im Ländle nun flächendeckend forcieren. In Vorarlberg hat man sich darauf verständigt, dass die Region zum Schulversuch wird. Und für eben diesen, so bestätigten Wallner und Rauch gestern, werde man 2015 um Unterstützung im Bund kämpfen.

Für konservative ÖVP-Proponenten ist die neue Liberalität alarmierend. Wie sonst wäre es zu erklären, dass die etwa von Ex-Unterrichtsministerin Elisabeth Gehrer unterstützte Initiative "Pro Gymnasium" in Tirol Unterschriften sammelt, um das "Ende der Gesamtschuldebatte" zu erzwingen?

Bundesparteichef Reinhold Mitterlehner hält sich vorerst zurück. Vorarlbergs Vorstoß für die Gemeinsame Schule will der Vizekanzler ins Konzept der internen Arbeitsgruppe einarbeiten – man müsse sich hier "konsensual bewegen". Wie gesagt, Euphorie klingt anders.

 

 

"Kurier" vom 08.10.2014                                    Seite: 3

Ressort: Innenpolitik

 

Länder, Länder, Morgen

 

ÜBERBLICK

 

 

   49 Millionen für die Erwachsenenbildung

 

Bildung. Die Regierung investiert 49 Millionen Euro in die Erwachsenenbildung. Damit sollen Erwachsene Hauptschul-Abschlüsse nachholen können.

 

 

"Vorarlberger Nachrichten" vom 08.10.2014

Ressort: VN-C

 

 

Bildungspolitik in Vorarlberg

 

   Im Unterschied zum Bildungsprogramm der Bundesregierung, das die Probleme dort löst, wo sie entstehen, strebt die Bildungspolitik im Land eine „Modellregion Vorarlberg" an. Gemeint ist damit eine schulische Strukturreform, die die Unterstufe des Gymnasiums beseitigt. Doch um welchen Preis? Bei einem flächendeckenden Schulversuch verlieren die beteiligten Vorarlberger Eltern, Schüler und Lehrer ihr demokratisches Recht auf Mitbestimmung. Für mindestens vier Jahre werden Vorarlbergs Schüler als einzige in Österreich keine Möglichkeit haben, ein Gymnasium besuchen zu dürfen. Eine Änderung der äußeren Schulstruktur löst die aktuellen Probleme keineswegs. Es werden gut funktionierende Strukturen zerstört, um in neu geschaffenen Organisationsformen noch inhomogenere Gruppen irgendwie doch wieder leistungsdifferenziert zu unterrichten. Warum nicht die bestehende Differenzierung beibehalten und vorhandene Probleme gezielt lösen? Außerdem kann eine Gesamtschule Ausgrenzung nicht verhindern und Chancengleichheit nicht sicherstellen, sondern fördert vielmehr die soziale Segregation. In vielen Gesamtschulstaaten muss gute Bildung in Privatschulen teuer erkauft werden. Die Tiroler Initiative „Pro Gymnasium" bringt diesen Sachverhalt auf den Punkt. Sie tritt ein für schulische Vielfalt und den Erhalt des achtjährigen Gymnasiums und fordert eine Weiterentwicklung der Bildungslandschaft auf dieser Basis (www.progymnasium.at). Der Bildungsweg unserer Kinder beginnt im Vorschul- und Volksschulbereich. Dieser braucht massive Unterstützung, denn hier werden die Weichen für Chancengleichheit gestellt und nicht in einer Gesamtschule der Zehn- bis 14-Jährigen.

 

   Mag. Michaela Germann, ÖPU Vorarlberg, Kapellenstraße 6, Lauterach

 

 

Morgenjournal, 8.10.2014

 

Wallner: Vorarlberg keine Schul-Modellregion

Vorarlbergs Landeshauptmann Wallner im Gespräch mit Stefan Kappacher

In Vorarlberg steht die sechste Landesregierung mit grüner Beteiligung. In nur einer Woche hat sich die bisher allein regierende Landes-ÖVP mit den Grünen geeinigt, wobei die mit ihrer Kritik an aktuellen Verkehrsprojekten gleich einmal abgeblitzt sind. Und Vorarlberg wird auch keine flächendeckende Modellregion für eine gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen werden, ein Herzensprojekt der Grünen. Das stellt Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) im Ö1 Interview klar.

"Totalumstellung wäre Flop"

Das künftig schwarz-grün regierte Vorarlberg gilt als Vorreiter in der Bildungspolitik, auch die ÖVP machte sich für die Modellregion für die gemeinsame Schule stark. Jetzt schreckt sie aber vor einer großen flächendeckenden Lösung zurück. Landeshauptmann Wallner: "Wenn man ein ganzes Bundesland von heute auf morgen umstellen würde, dann bin ich mir sicher, dass das ein großer Flop wäre." Also soll ähnlich wie in Tirol und Salzburg ein Schulversuch im Wettbewerb mit den Gymnasien definiert werden, was bei der gemeinsamen Schule ein Widerspruch in sich ist. In den Verhandlungen mit den Grünen sei das einer der harten Punkte gewesen, sagt Wallner.

Über die bei den Grünen umstrittenen Verkehrsprojekte ist erst gar nicht verhandelt worden: "Das war sicher ein schwieriger Punkt für die Grünen, aber dieses Entgegenkommen habe ich verlangt, damit wir überhautp weiterverhandeln konnten", sagt ÖVP-Landeschef Markus Wallner.

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen