Montag, 13. Oktober 2014

2014.10.11.-13.: Newsletter Bildung

"Oberösterreichische Nachrichten" vom 13.10.2014             Seite: 2

Ressort: Politik

 

 

"Deutsch vor Schuleintritt ist kein Muss"

 

   SP-Unterrichtsministerin Heinisch-Hosek über ihre Pläne für die Schuleingangsphase

 

   Von Jasmin Bürger

 

   Wien. Auch mit der neuen Schuleingangsphase werde nicht garantiert sein, dass jedes Volksschulkind Deutsch spricht, denn "das ist nicht möglich", sagt Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SP) im OÖNachrichten-Interview. Die gemeinsame Schule strebt sie weiter an.

 

   OÖN: Frau Ministerin, das vergangene Schuljahr war politisch für Sie pannenreich. Welche Lehren haben Sie daraus gezogen?

 

   Gabriele Heinisch-Hosek: Es hat wirklich heftig begonnen, der Dornen gab es viele und man muss mir auch keine Rosen streuen. Aber ich freue mich zum Beispiel, dass es bei der Zentralmatura in Englisch keine einzige Beanstandung gegeben hat. Und ich bin zuversichtlich, weil das neue Schuljahr gut begonnen hat, auch mit dem Aufbruch bei der Regierungsklausur.

 

   Inhaltlich schaut es bei der von Ihnen angestrebten gemeinsamen Schule der Zehn- bis 14-Jährigen nicht nach Annäherung mit der ÖVP aus. Selbst im reformfreudigen Vorarlberg ist die neue schwarz-grüne Koalition beim angekündigten Schulversuch eher zurückhaltend. Enttäuscht?

 

   Ich höre, nicht nur Vorarlberg, auch Tirol hat Interesse an einem Schulversuch. Ich bin offen für Gespräche über Modellregionen, und auch der Vizekanzler hat gesagt, darüber reden wir in der Reformkommission. Das ist kein Nein und das freut mich.

 

   Im Westen formiert sich mit der Initiative "Pro Gymnasium", die auch von Ihrer Vorvorgängerin Elisabeth Gehrer unterstützt wird, aber neuer Widerstand gegen eine gemeinsame Schule. Haben Sie dafür Verständnis?

 

   Im Bildungsbereich gibt es viele neue Initiativen, auch "Jedes Kind". Die begrüße ich sehr, weil sie das Kind in den Mittelpunkt stellt. Andere Initiativen möge es geben, ich werde weiter dafür werben, dass eine gemeinsame Phase der Zehn- bis 14-Jährigen die Zukunft ist. Nur weil es bei der Regierungsklausur kein Thema war, heißt es nicht, dass das gestorben ist.

 

   Staatssekretär Mahrer sieht als Ziel der neuen Schuleingangsphase, dass kein Kind mehr in die Volksschule kommt, das nicht Deutsch kann. Sind Sie d'accord?

 

   Grundsätzlich ist es als Ziel gut. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass es immer Quereinsteiger geben wird, die wir intensiv betreuen wollen. Und mir ist wichtig, den gesamten Entwicklungsstand eines Kindes zu sehen, nicht nur zu sagen, wer Deutsch kann, ist schulreif. Wir wollen mit der Schuleingangsphase der unterschiedlichen Entwicklung Rechnung tragen und diese Phase als Einheit sehen. Deutsch vor dem Schuleintritt ist kein absolutes Muss, auch weil das nicht möglich ist. Natürlich müssen wir uns anschauen, wie läuft die Sprachförderung jetzt, was bewirken die 20 Millionen, die das Integrationsministerium investiert. Und mir ist ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr für alle ein Anliegen. Auch das werden wir in der Reformgruppe diskutieren.

 

   Die akademische Ausbildung von Kindergartenpädagogen bleibt mangels Finanzierbarkeit aber ein Wunschtraum, oder?

 

   Nein, von Bundesseite haben wir alles eingeleitet, es gibt bei der Lehrerbildung neu den Schwerpunkt Elementarpädagogik. In fünf Jahren können die ersten Bachelors fertig sein. Bis dahin werden wir mit den Ländern eine Anpassung der Dienstrechte diskutieren. Wir wollen die Länder dazu bewegen, entsprechend zu bezahlen. Das wird man auch im Finanzausgleich berücksichtigen müssen.

 

   Abschließende Frage an die SP-Frauenchefin: Ist das Partei-Schiedsgericht zur Mandatsvergabe rund um Sonja Ablinger nicht ein reines Placebo?

 

   Das Schiedsgericht wird prüfen, wie die Mandatsvergabe in Oberösterreich (Walter Schopf hat das Mandat der verstorbenen Nationalratspräsidentin Barbara Prammer übernommen, Anm.) vonstattengegangen ist. Ich bleibe dabei, dass das Wahlrecht über einem sich von der Partei selbst gegebenen Gesetz stehen muss. Weshalb ich es als Frauenchefin auch zugelassen habe, dass bei Nachrückungen Männer zum Zug kommen. Bis zum Parteitag wollen wir aber eine Verschärfung der Statuten.

 

   "Ich werde weiter dafür werben, dass eine gemeinsame Phase der Zehn- bis 14-Jährigen die Zukunft ist."

 

 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 237 vom 13.10.2014             Seite: 20

Ressort: Wissenschaft

 

Österreich

 

„Es geht darum, dass sich die Schüler wohlfühlen“

 

   Bei der Schulwahl sollten Eltern nicht nur den Ruf einer Schule im Auge haben, sagt Bildungsberaterin Nina Behrendt.

 

   thomas hödlmoser

 

Nina Behrendt leitet das Schulservice im Salzburger Landesschulrat – die erste Anlaufstelle in Sachen Schulwahl. Im SN-Gespräch erklärt sie, wieso Kinder bei der Wahl der Schule unbedingt das letzte Wort haben sollten und warum der Tag der offenen Tür so wichtig ist.

 

    Wie finde ich heraus, welche Schule die beste ist für mein Kind? Behrendt: Die Eltern haben mehrere Möglichkeiten: Sie können zu uns in die Schulservicestelle kommen. Dort bekommen sie eine kostenlose Schullaufbahnberatung – gemeinsam mit ihrem Kind. Wir reden mit dem Kind, schauen das Zeugnis an und versuchen, mit gezielten Fragen die wirklichen Interessen herauszufinden. An vielen Schulen gibt es auch Infoabende für die Eltern. Eine andere Möglichkeit sind schriftliche Austestungen – die macht die Wirtschaftskammer Salzburg. Die sind aber kostenpflichtig. Woran erkennt man eine qualitativ „gute“ Schule? Man schaut sich die Schulen am besten am Tag der offenen Tür an. Das Ambiente, das Gespräch mit den Lehrern, das Auftreten der anderen Schüler: Da bekommt man einen ersten Eindruck. Wir hören oft von Eltern den Satz: „Der Bub ist reingegangen und es hat ihm gleich so gut gefallen.“ Es geht ja nicht nur darum, dass die Schule qualitativ gut ist. Es geht vor allem darum, dass sich der Schüler wohlfühlt und dass er in der richtigen Schule ist und positive Erlebnisse hat. Nur wenn sie positiv an ihr Ziel in der Schule kommen, sind Kinder glücklich und erfolgreich. Reicht es, wenn eine Schule einen guten Ruf hat? Nein. Es kommt ja oft ungerechtfertigt zu einem schlechten Ruf. Ich würde nicht vom Ruf ausgehen, sondern mich selbst vor Ort überzeugen. Wie wichtig ist die Meinung des Kindes bei der Schulwahl? Kann ein Zehnjähriger bei der Entscheidung für Neue Mittelschule oder Gymnasium wirklich mitreden? Das Kind muss jedenfalls mitentscheiden, welche Schule die richtige ist. Mit zehn Jahren kann ein Kind aber die Entscheidung meist nicht allein treffen. Deshalb stellt sich für Eltern bei der Wahl zwischen Neuer Mittelschule und Gymnasium die Frage: Kommt mein Kind gut allein in der Schule zurecht? Lernt es von sich aus? Wie geht es mit Misserfolgen um? Wichtig ist: Die Neue Mittelschule bietet nach positiv abgeschlossener vierten Klasse genau dieselben Voraussetzungen wie die positiv abgeschlossene vierte Klasse Gymnasium. Somit steht auch hier der Weg zu jeder weiterführenden Schule mit Abschluss einer Matura offen. Kann man einem Zehnjährigen einen langen Schulweg zum Gymnasium zumuten? Im Alter von sechs bis 14 ist wichtig, dass der Schulweg nicht allzu lang ist. Man muss nicht in die weite Welt reisen, wenn vor Ort eine der vielen sehr guten Neuen Mittelschulen ist. Wenn aber das Kind für das Gymnasium geeignet ist, gibt es in jedem Bezirk auch das passende Gymnasium. Die wichtige Bildungsentscheidung wird ohnehin erst nach der achten Schulstufe getroffen. Dann soll man den Kindern unbedingt Mut zusprechen, wenn die Lieblingsschule weiter weg liegt.

 

   Detaillierte Infos gibt es im „Salzburger Bildungsberater“. Das Buch enthält alle Infos über Salzburgs Schulen, Schwerpunkte etc. Der „Bildungsberater“ ist kostenlos und kann ab sofort beim Schulservice bestellt werden – telefonisch unter: 0662/8083-2071.

 

 

Österreich – 13. Oktober 2014

 

Niessl und Haslauer reformieren die Schule

Nach der Steuergruppe sind die Länder auch in der Bildungs­arbeitsgruppe stark vertreten.

Nach dem Ministerrat, der diesmal erst am Mittwoch stattfindet, stellt die Regierung ihre neuen Arbeitsgruppen vor.

  • ÖSTERREICH-Recherchen ergaben, dass in der Bildungsarbeitsgruppe für die SPÖ Ministerin Heinisch-Hosek und Burgenlands Landeshauptmann Niessl sitzen. Die ÖVP vertreten Staatssekretär Mahrer und Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer. Gerüchten zufolge soll auch NÖ-LH Erwin Pröll Teil der Reformgruppe sein.
  • In der Politgruppe zur Steuerreform sitzen, wie berichtet, neben SPÖ-Kanzler Faymann und ÖVP-Vize Mitterlehner ebenfalls vier Landeshauptleute. Für die SPÖ der Wiener Häupl und Kärntens Kaiser. Für die ÖVP Vorarlbergs Wallner und Pühringer aus OÖ.
  • Die ÖIAG-Arbeitsgruppe besteht aus politischen und Wirtschaftsexperten.

 

 

Österreich – 13. Oktober 2014

 

Hosek kann Lehrergehälter nicht zahlen

Die SP-Bildungsministerin schafft es nicht die strengen Sparvorhaben zu erfüllen.

Alle Ministerien haben strenge Sparvorlagen vom Finanzministerium erhalten. Bislang fällt es dem Bildungsministerium offenbar am härtesten die ausgemachten 63 Millionen Euro einzusparen. SPÖ-Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek hatte ihre Sparvorstellungen nach Konflikten mit den Ländern zurücknehmen müssen. Jetzt ist die Not groß:

BIG muss Heinisch Geld stunden, damit sie Lehrer zahlen kann.
Vergangene Woche übermittelte die rote Ministerin der Regierungsspitze ein quasi SOS. Sie könne die Lehrergehälter – Pflichtschullehrer - aufgrund ihrer Budgetnöte nicht mehr zahlen. Das wäre freilich ein enormes Debakel für die Schulpolitik der Regierung nach dem angestrebten Neustart. Und ein gefundenes „Fressen“ für die Lehrergewerkschaft, die von Heinisch-Hosek ja sogar noch mehr Personal fordert.

In der rot-schwarzen Koalition zeigen sich einige Ministerkollegen jetzt etwas ungehalten: „Sie hat für das Bildungsressort ein Budget von acht Milliarden Euro. Andere Ministerien müssen auch eisern sparen“.

Wie auch immer. SPÖ-Kanzler Werner Faymann und VP-Vizekanzler Reinhold Mitterlehner wollen und können nicht just im Bildungsbereich ein Desaster zulassen.

Die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) wird Heinisch-Hosek ausständige Schulden (Mieten) bis Dezember stunden, damit die Lehrer doch ihr Gehalt erhalten können.

„Zurück zum Start für Neue Mittelschule“
Ein Arbeitskreis der Regierung – dieser soll spätestens im November die Arbeit aufnehmen – und wie die Steuerreformgruppe aus zwei Landeshauptleuten und zwei Regierungspolitikern bestehen – soll dann eine Bildungsreform verhandeln. Ein Prüfbericht soll laut ÖSTERREICH-Informationen etwa der Neuen Mittelschule ein katastrophales Zeugnis ausstellen. Auch hier wird es wohl „zurück an den Start“ heißen müssen.

 

"Kronen Zeitung" vom 13.10.2014                            Seite: 4

Ressort: Politik

 

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ÖVP fordert erneut:

 

"Deutsch vor Schuleintritt"

 

   Wien. - ÖVP-Staatssekretär Harald Mahrer pochte bei einem ersten Treffen mit der neuen Bildungs-Initiative "Jedes K!IND" auf Deutschkenntnisse vor dem Schuleintritt. "Denn das, was wir am Anfang versäumen, können wir später schwer nachholen", betont Mahrer.

 

 

 

Wiener Zeitung – 13. Oktober 2014

 

 

"Die Lehrergehäter sind sicher"

 

 

 

 

 

 

 

 

·         Unterrichtsministerin dementiert bericht, das Geld für die Bezahlung der Pflichtschullehrer sei ausgegangen.

 

 

Wien. "Die Lehrergehälter sind sicher", sie würden bezahlt. Mit diesen Worten reagierte eine Sprecherin von Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) am Sonntag auf einen "Österreich"-Bericht, wonach der Ministerin das Geld für die Bezahlung der Pflichtschullehrer ausgegangen ist und ihr deshalb Miet-Schulden gestundet werden müssten.

Springt die BIG ein?

  Ob es tatsächlich nötig ist, dass die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) ausständigen Schulden bis Dezember stundet, wollte Heinisch-Hoseks Sprecherin am Sonntag nicht kommentieren.

  Die Tageszeitung "Österreich" berichtet laut Vorausmeldung am Montag, dass das geschehe, weil Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) ein Desaster im Bildungsbereich nicht zulassen wollten - und dass spätestens ab November in einem Arbeitskreis der Regierung eine Bildungsreform erarbeitet werden soll. Denn Heinisch-Hosek schaffe es nicht, die strengen Sparvorgaben zu erfüllen, nachdem ihre Vorschläge dafür am Widerstand der Länder scheiterten.

  Heinisch-Hosek hatte im Frühjahr vorgeschlagen, die nötigen Einsparungen u.a. durch größere Schülergruppen in einzelnen Fächern an AHS-Oberstufen und berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) und weniger Zweitlehrer-Einsatz an den Neuen Mittelschulen (NMS) abzudecken. Davon nahm sie nach heftigen Protesten aus den Ländern wieder Abstand - und kündigte stattdessen an, 50 Mio. Euro für den Ausbau der Ganztagsschule erst 2018 auszuzahlen und in den kommenden Monaten weitere Maßnahmen auszuverhandeln.

  Heinisch-Hosek wäre nicht die erste Bildungsministerin, der die BIG die Stundung von Schulden anbietet. Auch ihrer Vorgängerin Claudia Schmied (SPÖ) hatte die Stundung von Schul-Mieten vereinbart, nachdem 2009 ihr Vorhaben einer höheren Lehrverpflichtung am Widerstand der Gewerkschaft scheiterte. Schmied konnte allerdings im Jänner 2010 den Verzicht auf die Stundung bekannt geben, weil der Aufwand beim Lehrerpersonal günstiger als prognostiziert verlaufen sei.

 

Morgenjournal, 13.10.2014

 

Schulverwaltung soll schlanker werden

Stefan Kappacher

SPÖ und ÖVP machen Druck, dass die Länder die Präsidenten der Landesschulräte nach dem Muster Tirols und Vorarlbergs einsparen. Anlass ist ein Antrag des Wiener Landtags: Er will eine Verfassungsänderung, um den Posten des Vizepräsidenten im Stadtschulrat abschaffen zu können. Die Klubchefs Andreas Schieder (SPÖ) und Reinhold Lopatka (ÖVP) wollen nun diese Proporzposten in der Schulverwaltung insgesamt streichen.

Schieder will "Verschlankung"

Aus einem Parteienstreit im Wiener Vorwahlkampf könnte jetzt ein nicht zu unterschätzender Reformschritt in der Schulverwaltung werden. Der Wiener SPÖ-Chef, Bürgermeister Michael Häupl, hatte den Kandidaten der FPÖ, der der Posten des Vizepräsidenten im Stadtschulrat zusteht, nicht akzeptiert. Die FPÖ nominierte keinen neuen Kandidaten, der alte Vizepräsident wurde abgelöst, der Posten ist jetzt frei. Was aber im Widerspruch zur Verfassung steht, denn die verlangt, dass die vier größten Bundesländer und Kärnten Vizepräsidenten haben.

Der Wiener Landtag fordert jetzt in einem mehrheitlich beschlossenen Antrag vom Bund, die Verfassung in diesem Punkt zu ändern. Es soll den betroffenen Ländern die Möglichkeit gegeben werden, auf die Vizepräsidenten - die Vizepräsidentin in Oberösterreich kassiert satte 8.100 Euro vierzehn Mal im Jahr - zu verzichten. "Denn ich bin für eine wirkliche Verschlankung der Schulverwaltung, und deswegen bin ich auch dafür, dass man auch bei Präsidenten bzw. Vizepräsidenten die Möglichkeit schafft zu verschlanken", so SPÖ-Klubobmann Andreas Schieder.

Was wollen die Wiener wirklich?

Also nicht nur die unnötigen Proporzposten sollen abgeschafft werden, sondern auch die amtsführenden Präsidenten der Landesschulräte - und das sind immer noch, speziell auch im Fall des Wiener Stadtschulrats, parteipolitische Top-Jobs. Dort setzen die Landeshauptleute nur Vertrauenspersonen hin. Schieder bleibt dennoch dabei: "Wien hat die Verwaltung zwar zusammengelegt, hat aber immer noch einen Bildungsstadtrat und einen Präsidenten. Während wir in Tirol Präsident und Landesrat zusammengelegt haben, aber dafür zwei Verwaltungen haben. Am besten ist ein Chef und eine Verwaltung. Als ersten Schritt scheint es mir sinnvoll, die Möglichkeit einzuräumen, dass es die Länder aus sich heraus tun." Also kein Zwang via Verfassung. Das sieht auch ÖVP-Klubobmann Reinhold Lopatka so: "Das muss man eben mit den Ländern besprechen, dass das Tiroler Modell oder ein anderes umgesetzt werden soll. Da müssen wir bereit sein, diesen Artikel 81a in der Bundesverfassung zu ändern. Wenn hier ein entsprechender Antrag vom Kollegen Schieder kommt, dann wird es an uns sicher nicht scheitern." Es sei jedenfalls "zu kurz gegriffen, nur den Vizepräsidenten zu lösen, weil die Wiener ein Problem haben. Wir müssen das schon in einem größeren Zusammenhang sehen."

Und genau das ist der wunde Punkt: In der gleichen Wiener Landtagssitzung, in der der Antrag zur Abschaffung des Vizepräsidenten beschlossen wurde, sind weitreichendere Anträge zur Reform der Schulverwaltung von der rot-grünen Mehrheit abgeschmettert worden.

 

 

 

"Oberösterreichische Nachrichten" vom 11.10.2014             Seite: 4

Ressort: Politik

 

 

"Heinisch-Hosek lässt zu, dass einige gewaltbereite Schüler alle anderen in Geiselhaft nehmen"

 

   Lehrergewerkschafter Kimberger ist empört über das Nein der Unterrichtsministerin zu Schulassistenten

 

   Von Jasmin Bürger

 

   WIEN. Mit empörten Anrufen aus der Kollegenschaft musste sich am Freitag der Chef der Pflichtschullehrergewerkschaft, Paul Kimberger (VP), herumschlagen. Auslöser der Aufregung: das OÖNachrichten-Gespräch mit Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SP), in dem sie gestern die Forderung der Lehrer nach zusätzlichem Unterstützungspersonal mangels Budget zurückgewiesen hatte.

 

   Kimberger wirft stellvertretend für die von ihm vertretenen Pädagogen Heinisch-Hosek nun vor, "ihre Aufgaben nicht wahrzunehmen". Als zuständige Ministerin müsste sie "Lehrer und Schüler schützen vor jenen gewaltbereiten Kindern, die Unterricht zerstören und unmöglich machen", kritisiert er im OÖN-Gespräch. Mit ihrer Weigerung, den Lehrern zusätzliches Personal wie Sozialarbeiter zur Seite zu stellen, "lässt Heinisch-Hosek zu, dass einige gewaltbereite Schüler alle anderen in Geiselhaft nehmen", so Kimberger.

 

   Dass Schüler, die den Unterricht stören, ein alltägliches Problem an Schulen sind, hat für ihn die von seiner Gewerkschaft zuletzt beauftragte Umfrage unter Pflichtschullehrern ergeben (die OÖNachrichten berichteten): "Ich vertraue der Expertise von 6000 Pädagogen", sagt Kimberger.

 

   "Das ist Sparen beim Kind"

 

   Wenig kann er auch mit Heinisch-Hoseks Verweis auf die Sparzwänge in ihrem Ressort anfangen. Konkret hatte Heinisch-Hosek gesagt, sie könne sich "schwer bis gar nicht vorstellen, aus dem jetzigen Budget zusätzliches Personal zu finanzieren, wenn wir nicht beim Kind sparen wollen".

 

   Für Kimberger ist diese Argumentation "skurril", denn zusätzliches Personal für den Umgang mit schwierigen Schülern "nutzt ja gerade den Schülern". Damit könne "die Qualität des Unterrichts deutlich verbessert werden".

 

   Unterstützung von Eltern

 

   Kimberger will mit seiner Forderung nicht locker lassen, auch "weil ich weiß, dass wir in dieser Frage ganz viele Schüler und Eltern auf unserer Seite haben". Dieser Druck, so hofft er, werde auch die Ministerin zu einem Umdenken bewegen, wobei auch er zugibt: "Für dieses Schuljahr ist es ohnehin schon zu spät."

 

 

"Österreich" vom 12.10.2014                                   Seite 7

Ressort: Österreich

 

Isabelle Daniel

 

Burgenland, Tirol, Vorarlberg, Steiermark, Niederösterreich

 

Interview mit ÖVP-Finanzminister Hans Jörg Schelling

 

Schelling: »Sind mit Neuer Mittelschule in der Sackgasse«

 

ÖSTERREICH: Sie sind jetzt seit sechs Wochen Finanzminister. Ist die Umstellung von der Privatwirtschaft groß?

 

HanS JÖRg SCHEllIng: Es gibt sehr große Unterschiede in den Arbeitsweisen. Aber das war mir durch meine Tätigkeit im Hauptverband klar. In der Politik geht es nicht nur um modernes Management. Man braucht auch viel mehr Geduld. Und das Finanzministerium ist natürlich der herausforderndste Job, in dem man jede halbe Stunde mit einem neuen Thema konfrontiert wird.

 

ÖSTERREICH: Welche Stiländerungen wollen Sie?

 

SCHEllIng: Man darf das Pferd nicht immer von hinten aufzäumen. Das ist bei der Steuerreform, bei der Bildung und der Heeresreform passiert. Zunächst muss man sich ein klares Ziel setzen. Ich habe in der lähmenden Debatte um eine Steuerreform bereits nach vier Wochen ein Resultat geschafft und die Blockade gelöst: Wir haben uns auf ein Volumen von fünf Milliarden Euro geeinigt, anstatt weiter über Gegenfinanzierungen zu streiten. Die hängen ja auch von der Art der Reform ab.

 

ÖSTERREICH: Aber es werden Steuern dafür erhöht werden müssen SCHEllIng: Nein, aus meiner Sicht ist eine Steuerreform in Etappen ohne neue Steuern möglich. ÖSTERREICH: Sie wollen nicht nur eine Steuersenkung, sondern auch ein Konjunkturpaket in die fünf Milliarden inkludieren, oder? SCHEllIng: Darüber werden wir gemeinsam diskutieren. Deswegen rede ich immer von einer echten Reform. Wir brauchen einerseits Maßnahmen, die die kalte Progression vorerst ausgleichen, um die Kaufkraft zu stärken. Andererseits aber auch Maßnahmen, die die Wirtschaft ankurbeln. Die Investitionen schwächeln, hier muss man gegensteuern.

 

ÖSTERREICH: Was halten Sie vom ÖGB-Steuermodell?

 

SCHEllIng: Es ist ein durchaus professionell ausgearbeitetes Konzept. Wir prüfen mehrere Modelle. Ich bin da pragmatisch. Mit Ideologien allein löst man keine Probleme. Das sieht man bei der Bildungsreform, in der man mit dem Lehrerdienstrecht begonnen hat. Das war aus meiner Sicht der falsche Weg.

 

ÖSTERREICH: Kommt endlich eine echte Bildungsreform? Gerade hier haben die Ideologien - siehe gemeinsame Schule -eine Reform stets verhindert.

 

SCHEllIng: Es muss eine Bildungsreform kommen. Ich denke, dass durch das neue Team um Reinhold Mitterlehner etwas weitergehen wird. Es gibt ein Reformpapier der Wirtschaftskammer, zu dem ich stehe. Dass die Neue Mittelschule in der Sackgasse ist, zeigt sich immer deutlicher. Man sollte nicht in einer Sackgasse verbleiben, sondern kehrtmachen. Da muss man fähig sein, sich zu bewegen. Das fordern die Menschen von uns. Sonst wird die Politikverdrossenheit noch steigen.

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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