Montag, 13. Oktober 2014

2014.10.14: Newsletter Bildung

 

Die Presse – 14. Oktober 2014

 

 

Kosten: 100-Millionen-Loch im Schultopf

Verschleppte Reformen treffen Unterrichtsministerin Heinisch-Hosek. Aber die Regierung vertagt eine längerfristige Lösung wieder in neue Bund-Länder-Kommission.

Wien. Die Bundesregierung und Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) werden jetzt Opfer ihrer eigenen Versäumnisse im Bildungswesen. Seit Jahren liegen Konzepte einer Expertenkommission für tiefgreifendere, strukturelle Einsparungen im Schulwesen abseits des Unterrichts der Schüler vor, umgesetzt wurde davon in der Schulverwaltung praktisch nichts. Das rächt sich: Ressortchefin Heinisch-Hosek ist trotz eines Acht-Milliarden-Euro-Budgets finanziell so eingeschränkt, dass sie sich nur mit Stundung von Mieten durch die Bundesimmobiliengesellschaft heuer über die Runden retten kann.

Der Grund dafür: Sie schleppt ein dauerhaftes Loch von 100 Millionen Euro als „strukturellen Fehlbetrag“ mit. Im Vorjahr waren es unter Vorgängerin Claudia Schmied (SPÖ) sogar noch 145 Millionen Euro, der Fehlbetrag wurde durch das Auflösen von Rücklagen auf 100 Millionen verkleinert. Eine längerfristige Lösung der Finanzmisere ist aber auch jetzt nicht in Sicht. Die Regierung vertagt vielmehr ein Problem wieder einmal. Das 100-Millionen-Loch wird jetzt, wie der „Presse“ im Bildungsministerium erläutert wurde, eines der Themen, mit denen sich eine neue politisch hochkarätig besetzte Bildungsreformkommission von Bund und Ländern ab Mitte November beschäftigen wird.

Verhandlungen über Zahlungsaufschub

Kurzfristig soll, wie „Die Presse“ am Montag berichtete, die beim Wirtschaftsministerium angesiedelte Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) der Unterrichtsministerin finanziell helfen. Verhandlungen über eine Stundung der Mieten müssen allerdings erst geführt werden. In jedem Fall schleppt damit die Ministerin mit einem Aufschub das Fehlen von zig Millionen ins kommende Jahr weiter. Wie hoch die Zinsen bei einem Abkommen mit der BIG sein werden, sei ebenfalls Gegenstand von Verhandlungen.

Was genau gestundet werden muss oder kann, um auch wirklich die notwendigen 100Millionen Euro abzufangen, ist auch noch unklar. Das Bildungsministerium zahlt für rund 320 Schulstandorte insgesamt an die 300 Millionen Euro Miete pro Jahr an die BIG. Allein mit einer Stundung der Mietzahlungen des letzten Quartals des Jahres werden also keine 100 Millionen zustande kommen. Weder im Bildungsressort noch in der Bundesimmobiliengesellschaft will man das vorerst kommentieren: Details seien noch zu klären bzw. lägen noch nicht auf dem Tisch.

Nur eine absolute Peinlichkeit bleibt Heinisch-Hosek erspart: Die Auszahlung der Lehrergehälter sei trotz der großen finanziellen Probleme jedenfalls gesichert, wird in ihrem Ressort betont.

Schon im Frühjahr 2010 hat eine Arbeitsgruppe von SPÖ, ÖVP und Bundesländern unter Beiziehung des Rechnungshofes Vorschläge für Einsparungen gemacht. Das Konzept sah unter anderem vor, dass Bezahlung und Anstellung von Pflichtschullehrern zusammengeführt werden sollen. Derzeit stellen die Länder die Pflichtschullehrer an, der Bund zahlt. Eine der Folgen: Die Länder haben mehr Lehrer eingestellt, als aufgrund der Schülerzahlen zulässig wäre. Der Bund hat die Mehrkosten von rund 33 Millionen Euro pro Jahr dennoch ungekürzt weiter bezahlt.

Sparen bei Landesschulratsposten

Umgesetzt wurde eine kleinere Sparmaßnahme. Die Bezirksschulräte wurden inzwischen abgeschafft. Eine weitere Sparmaßnahme wurde am Montag von den Klubchefs von SPÖ und ÖVP, Andreas Schieder und Reinhold Lopatka, erneut angesprochen: Die Posten der Vizepräsidenten der Landesschulräte sollen abgeschafft werden können. Ein Job, der für die vier bevölkerungsreichsten Bundesländer und Kärnten per Verfassung festgeschrieben ist, was eine Verfassungsänderung verlangen würde. Im SPÖ-Parlamentsklub gibt es dafür grünes Licht.

Abgeschafft werden könnten demnach sogar die amtsführenden Präsidenten der Landesschulräte. Vorarlberg und Tirol haben deren Agenden bereits den Bildungslandesräten übertragen. Was dies an Einsparungen bringt, weil dann auch Mitarbeiterstäbe reduziert werden können, konnte man nicht beziffern. Außerdem gab man sich in betroffenen Ländern am Montag im ORF-Radio bezüglich der Idee recht zurückhaltend.

 

 

Die Presse – 14. Oktober 2014

 

 

Gesamtschule: „Kein Garant, aber besseres Schulmodell“

Für die Wirtschaftskammer kommt es auf die Umsetzung an. Letztlich sei die Gesamtschule das bessere System.

Wien. Die anhaltende Debatte um die Gesamtschule ist eine höchst ideologische: Die einen halten diese Schulform für das Allheilmittel, die anderen für die größte bildungspolitische Gefahr. Die Wirtschaftskammer (WKO), selbst durchaus gesamtschulaffin, hat das Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft (IBW) beauftragt, eine Studie durchzuführen, um „die ideologischen Eingrabungen in den Hintergrund zu drängen“, wie es Michael Landertshammer, der Leiter der bildungspolitischen Abteilung der WKO, formuliert. Das Ergebnis: Die Umstellung auf eine Gesamtschule allein ist per se noch kein Garant für bessere Schülerleistungen. Letztlich sei die Gesamtschule dennoch das bessere System.

Studienautor Kurt Schmid hat für diese Untersuchung internationale Schülerstudien wie PISA, PIRLS oder TIMSS analysiert und anschließend die Struktur des Schulsystems untersucht. Empirisch abgesichert sei demnach, dass eine frühe Differenzierung keine positiven Effekte zeige und dass Gesamtschulsysteme sozioökonomische Benachteiligungen reduzierten. Generell haben alle Länder, die bei PISA besser abschnitten als Österreich, eine längere Phase der gemeinsamen Schule. Umgekehrt gilt aber auch, dass alle Länder, die eindeutig schlechter abschneiden, Gesamtschulsysteme haben. Es kommt also auf die konkrete Ausgestaltung des Systems an. Studienautor Schmid hat für den Erfolg von Gesamtschulsystemen verschiedene Kriterien ausgemacht: So brauche es mehr Schulautonomie in finanziellen und personellen Angelegenheiten sowie eine externe Leistungsüberprüfung von Schülern. Außerdem müsse man weg von der Selektionsorientierung – Selektion in unterschiedliche Schultypen oder Leistungsgruppen sei kontraproduktiv – hin in Richtung einer Orientierung an den Potenzialen der Kinder. Stichwort: innere Differenzierung. Eine temporäre Bildung von Kleingruppen sei sinnvoll. Lehrer müssten lernen, mit der Heterogenität der Schüler umzugehen, und sollten besser ausgesucht und ausgebildet werden.

„Hauptschule legt Stück des Weges fest“

Unter diesen Voraussetzungen könnte zwar auch ein differenziertes Schulsystem bessere Leistungen erbringen. Aber: „Dabei gibt es Grenzen“, so Schmid. Denn der Besuch einer Hauptschule bzw. einer AHS-Unterstufe kreiere bei den Jugendlichen ein gewisses Selbstbild. „Damit wird ein Stück des Weges festgelegt, den man erreichen kann“, gibt der Studienautor zu bedenken. Auch auf Lehrerseite habe das differenzierte Schulsystem Nachteile: AHS-Lehrer brauchten schwache Schüler gar nicht fördern. Sie könnten den schwachen einfach sagen, dass sie in der falschen Schule sitzen, und sie an die Haupt- bzw. Neue Mittelschule abgeben. Noch einen Nachteil des differenzierten Schulsystems sieht Schmid: „Auch der sozialen Zuschreibung bei einem Besuch einer Hauptschule bzw. eines Gymnasiums entkommt man nicht.“ (j.n.)

 

 

"Kleine Zeitung" vom 14.10.2014                              Seite: 4

Ressort: Politik

 

Steiermark

 

Schulisches Budgetloch

 

Lehrergehälter nur durch Budgettrick gesichert.

 

   WIEN. Gabriele Heinisch-Hosek versichert: „Die Gehälter für die Lehrer sind im heurigen Jahr gesichert.“ Doch die Unterrichtsministerin hat ein ernsthaftes Problem: Mittel- und langfristig fehlt offenkundig das Geld für die Finanzierung des laufenden Schulbetriebs, zumindest bekommt Heinisch-Hosek die explodierenden Lehrerkosten nicht in den Griff. Im Büro der Ministerin spricht man von einem „strukturellen Fehlbetrag“, der sich aufgrund der steigenden Lehrergehälter in den letzten Jahren im Budget aufgetan habe. 2013 konnte man die Differenz durch das Aufbrauchen von Rücklagen überbrücken, 2014 setzt man im Ministerium darauf, dass die Mieten für die Schulen durch die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) gestundet werden. Im Unterrichtsministerium heißt es, die BIG habe dem bereits zugestimmt, im Finanzministerium hält man sich bedeckt.

 

   Kein Präsident mehr?

 

   Indes ist eine Debatte über die Abschaffung der Landesschulratspräsidenten entbrannt. In Vorarlberg und Tirol hat der Bildungslandesrat den Posten übernommen. Im übrigen Österreich hält sich die Begeisterung für das Modell – derzeit noch – in Grenzen.

 

 

KLZ – 14. Oktober 2014

 

Für 30 kleine Pflichtschulen wird es eng

Der Rechnungshof stellt 183 steirische Schulen infrage: Landesrat Schickhofer will erst 2016 über Schließungen reden. Derzeit kommen rund 30 Standorte in die engere Wahl.

Wien nimmt sich den steirischen Schulbetrieb vor. Nach der Rechnungshof-Forderung nach weiteren Schulschließungen (wir berichteten) wirft der "Report" (ORF 2) heute die Frage auf, warum die Steirer da nicht mitziehen. Zwar sind nach der ersten Welle (Aus für 32 Standorte) heuer zehn weitere Verfahren eingeleitet worden. Noch in der Schwebe sind die Fälle Breitenau & Co., die nun der Verwaltungsgerichtshof prüft. Selbst wenn er das Land bestätigt, bleibt der Druck aufrecht: Laut Bundesrechnungshof hätten 62 Volksschulen, 115 (!) Haupt- beziehungsweise Neue Mittelschulen, fünf Sonderschulen und ein "Poly" bereits im Vorjahr nicht mehr die Kriterien erfüllt.

Davon unbeeindruckt, will Bildungslandesrat Michael Schickhofer (SPÖ) an seinem Zeitplan festhalten. Tenor im Landhaus: 2015 tun sich mit der Gemeindestrukturreform neue Chancen auf, die Kommunen benötigen aber Zeit. Aus Schickhofers Sicht ist erst 2016 anhand der neuen Anmeldezahlen (Stichtag 1. Oktober) über weitere Schließungen zu entscheiden. "Sicher nicht in dem Umfang wie vom Rechnungshof angeführt." Die jüngsten Anmeldezahlen würden derzeit 30 Standorte zu Schließungskandidaten machen.

Offen bleibt, ob Fusionsgemeinden von sich aus Standorte konzentrieren: In einem Ort wird die Kinderbetreuung, im anderen der Schulbetrieb forciert.

THOMAS ROSSACHER

 

 

"Oberösterreichische Nachrichten" vom 14.10.2014             Seite: 2

Ressort: Politik

 

 

Die Zweiten

 

   Kommentar

 

   Von Heinz Steinbock

 

   In Wien gibt es keinen Landesschulrats-Vizepräsidenten. Was den Wienern, muss man dazusagen, eher passiert ist als beabsichtigt war. Der Posten stand der FPÖ zu, deren Kandidaten lehnte Bürgermeister Häupl (SP) ab. Einen weiteren nominierten die Blauen nicht. Eigentlich ein verfassungswidriger Zustand. Denn die fünf bevölkerungsstärksten Länder (warum eigentlich gerade die?) müssen einen Schulrats-Vize haben. Wiener Konsequenz: Der Landtag fordert vom Bund die Streichung der aus dem Jahr 1962 stammenden Verfassungsbestimmung. Richtig vermissen dürfte man das Amt nicht.

 

   Angesichts der "Machtbefugnisse" (der Vize ist nicht einmal berechtigt, den Präsidenten zu vertreten) ist nicht ernsthaft zu widerlegen, dass es sich um ein Beispiel handelt, wie vor Jahrzehnten der Proporz zwischen roter und schwarzer Reichshälfte noch in manchen Gesetzen festgeschrieben wurde.

 

   Man möge darüber diskutieren, sobald Einigkeit über grundlegende Reformen der Schulverwaltung herrscht, sagen jetzt ÖVP und SPÖ in Oberösterreich. Auch recht, wenn diese Einigung schnell erfolgt. Und dann klar zugeordnet wird, welche Funktionen wer zu erfüllen hat, und welche konsequenterweise wegfallen.

 

   Ein Beispiel, wie Proporz zum Gesetz wurde

 

   h.steinbock@nachrichten.at

 

 

OÖN – 14. Oktober 2014

 

 

Schulverwaltung: Druck für Abschaffen des Schulrats-Vize steigt

 

LINZ/WIEN. Brauchen die Länder Landesschulrats-Vizepräsidenten? Klubchefs Schieder und Lopatka für Gesetzesänderung - "Abwarten" in Oberösterreich.

 

Kann man dieses Amt, oder auch das des Landesschulratspräsidenten, abschaffen? Auf Bundesebene bringen SPÖ und ÖVP wieder Schwung in die Diskussion, in Oberösterreich blocken Schwarz und Rot aber noch ab.

 

Im oberösterreichischen Landtag forderten Grüne und FPÖ am 25. September die Abschaffung des Vizepräsidenten-Postens per Dringlichkeitsantrag an den Bund (die OÖN berichteten). Denn der Job ist in der Bundesverfassung verankert und steht der zweitstärksten Fraktion zu. In Oberösterreich (Brigitte Leidlmayer, SP) ist er mit 8100 Euro brutto monatlich am höchsten bezahlt. Der Antrag wurde von SPÖ und ÖVP in den Bildungsausschuss verwiesen.

 

Für die Streichung des gesetzlichen "Proporzpostens" sprechen sich nun aber vehement die Nationalrats-Klubobmänner von SPÖ und ÖVP, Andreas Schieder und Reinhold Lopatka, aus. "Ich bin für eine wirkliche Verschlankung der Schulverwaltung, und deswegen bin ich auch dafür, dass man bei Präsidenten bzw. Vizepräsidenten die Möglichkeit schafft, zu verschlanken", so Schieder. "Das muss man eben mit den Ländern besprechen", sagt Lopatka, man müsse bereit sein, den Verfassungs-Artikel zu ändern. Lopatka sieht es aber als "zu kurz gegriffen, nur den Vizepräsidenten zu lösen", man müsse dies "in größerem Zusammenhang sehen".

 

Der Wiener Landtag hat mehrheitlich für die Abschaffung des Schulrats-Vize votiert, in Oberösterreich befasst sich der Bildungsausschuss am 23. Oktober wieder mit dem Grün-FP-Antrag. "Die klaren Signale auf Bundesebene zeigen, dass ÖVP und SPÖ umdenken müssen", meint Grünen-Klubchef Gottfried Hirz. Die Grünen seien auch für weitere Änderungen offen, etwa nach dem "Tiroler Modell", Landesschulratspräsidium und Bildungsressort zusammenzulegen. Nachdem schon Schieder und Lopatka eine Verschlankung der Schulverwaltung fordern, müsse Oberösterreich "nachziehen", sagt FP-Klubchef Günther Steinkellner.

 

Doch ÖVP und SPÖ argumentieren ähnlich: Zuerst müsse eine Bildungs-Strukturreform zwischen Bund und Ländern vereinbart werden, dann könne man über Funktionen und Personen diskutieren.

 

"Schritt A muss vor Schritt B kommen", sagt etwa VP-Klubobmann Thomas Stelzer. Die "Reformgruppe" von Bund und Ländern sei ja schon eingesetzt. "Es macht für uns keinen Sinn, losgelöst über einzelne Posten zu reden", sagt auch SP-Bildungssprecherin Sabine Promberger. (bock)

 

 

OÖN – 14. Oktober 2014

 

 

Im Bildungsressort fehlen 100 Millionen Euro

 

WIEN. SP-Unterrichtsministerin Heinisch-Hosek verhandelt über Stundung von Mieten für Schulgebäude.

 

In Budgetnöten ist Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SP): 100 Millionen Euro fehlen – bei einem Gesamtbudget von rund acht Milliarden Euro – für heuer in ihrem Ressort, wie das Ministerium gestern bekannt gab.

 

Um allen anderen finanziellen Verpflichtungen nachkommen zu können – der Großteil des Bildungsbudgets fließt in Personalkosten –, will Heinisch-Hosek nun eine Stundung der Mieten für Schulgebäude. 300 Millionen Euro überweist sie jährlich an die Bundesimmobiliengesellschaft (Details siehe Box). Die letzte Rate für heuer, 100 Millionen, ist im Dezember fällig – und soll auf nächstes Jahr verschoben werden.

 

Dieser Plan sei, heißt es im Büro der Ministerin, mit dem Finanzressort bereits akkordiert. Dort will man laufende Verhandlungen nicht kommentieren.

 

Aus der BIG heißt es lediglich, sollte eine Stundung gewährt werden, dürfe der BIG daraus "kein Schaden entstehen". Was bedeutet, dass dann auch Zinsen fällig wären.

 

Wie kommt es überhaupt zu dem Fehlbetrag? Im Ministerium wird ein Zusammenhang mit den Sparvorgaben für das Ressort dementiert, diese würden zum Großteil durch die spätere Auszahlung von Mitteln für den Ausbau der Ganztagsschule erreicht. Vielmehr handle es sich um einen "strukturellen Fehlbetrag, der seit mehreren Jahren besteht", wie Heinisch-Hoseks Sprecherin Julia Valsky auf OÖNachrichten-Anfrage erklärt.

 

So würden sowohl Lehrergehälter wie auch BIG-Mieten jährlich valorisiert bzw. index-erhöht, das würde aber nicht ausreichend im zugeteilten Budget berücksichtigt. 2013 konnte der Fehlbetrag von 145 Millionen Euro durch Auflösen von Rücklagen gedeckt werden. Diese Möglichkeit besteht heuer nicht: "De facto sind keine Rücklagen mehr da", so Valsky.

 

Lehrer müssten nicht um ihre Gehälter zittern: "Diese sind sicher", heißt es im Ministerium. Für die Zukunft will Heinisch-Hosek in der koalitionären Bildungsreformkommission eine Lösung finden. (jabü)

 

Schulen als Mietobjekte

 

Die Konstruktion gibt es seit dem Jahr 2000: Bundesschulen, wie unter anderem auch Universitätsgebäude, sind Eigentum der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG). Die BIG vermietet die Gebäude wiederum an die jeweiligen Ministerien und steht selbst zu 100 Prozent im Eigentum der Republik.

 

 

OÖN – 14. Oktober 2014

 

 

Wirtschaftskammer wirbt für gemeinsame Schule

 

WIEN. Druck in der Frage einer gemeinsamen Schule bis 14 kommt erneut aus der Wirtschaftskammer.

Der Leiter der bildungspolitischen Abteilung, Michael Landertshammer, sprach sich am Montag für die Umstellung aus.

 

Als Beleg für seine Forderung präsentierte er eine von der Kammer beauftragte Vergleichsstudie internationaler Bildungssysteme und deren Abschneiden bei Schülertests. Demnach haben zwar, so Landertshammer, "sowohl die besten und die schlechtesten Länder Gesamtschulsysteme". Allerdings hätte die äußere Differenzierung nach Schultypen auch "keine positiven Effekte", wie Studienautor Kurt Schmid vom Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft betonte. Und: In Gesamtschulsystemen schafft es Schule eher, soziale Unterschiede auszugleichen.

 

Wesentlicher Erfolgsfaktor gelungener Gesamtschulsysteme sei die "innere Differenzierung an den Schulen", sagte Landertshammer. Weshalb die Wirtschaftskammer nicht nur den Umstieg auf die gemeinsame Schule, sondern auch mehr Autonomie für die Standorte und "Unterricht, der nicht auf Selektion, sondern auf Potenziale der Kinder abzielt", fordert, wie Landertshammer erklärte. (jabü)

 

 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 238 vom 14.10.2014              Seite: 2

Ressort: Innenpolitik

 

Österreich

 

Gesamtschule hilft, aber nicht allein

 

   Wirtschaftskammer wünscht sich Systemumstellung, aber nicht sofort.

 

   Wien. Die Gesamtschule der Zehn- bis 14-Jährigen bietet die besseren Voraussetzungen für gute Schülerleistungen, reicht aber allein nicht aus, um diese auch zu erzielen. Ländern wie Finnland, die schon vor Jahrzehnten eine Gesamtschule eingeführt haben, ist es besser gelungen, die Ungleichheit von Schülerleistungen zu reduzieren. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie des Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw), die die Wirtschaftskammer (WKÖ) in Auftrag gegeben hat.

 

   Die WKÖ deklariert sich seit Längerem schon als Gesamtschulfan, wenn auch nicht uneingeschränkt. „Die Gesamtschule führt nicht automatisch dazu, dass der Unterricht besser wird. Es kommt auf die Lehrer und die innere Differenzierung des Unterrichts an“, betont Michael Landertshammer, der in der WKÖ die Bildungspolitik verantwortet.

 

   So steht es auch in der Studie. Ihr Autor, Kurt Schmid, sieht zwar im differenzierten Schulsystem „schon noch Ansätze, die man verbessern kann. Es gibt aber Grenzen.“ Das habe mit den Selbstbildern der Jugendlichen zu tun, die an die Hauptschule bzw. Neue Mittelschulen gingen. „Die Einstufung bedeutet immer eine soziale Einstufung. Der Übertritt von der AHS in die Hauptschule wird als Zurückstufung empfunden“, sagt Schmid.

 

   Was macht eine erfolgreiche Gesamtschule aus? Die Studie zählt etwa Schulautonomie, eine schulinterne und externe Leistungsüberprüfung, ausreichend Unterstützungspersonal sowie Lehrer auf, die gelernt haben, mit heterogenen Schülern umzugehen. „Nicht die Kinder sollen sich an der Schule, sondern die Schule an den Kindern ausrichten“, sagt Landertshammer. Eine „Systemumstellung“ in Richtung Gesamtschule müsse ganz am Schluss des Reformprozesses stehen.

 

 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 238 vom 14.10.2014              Seite: 2

Ressort: Innenpolitik

 

Österreich

 

Die Schulverwaltung soll etwas schlanker werden

 

   Wien. SPÖ und ÖVP machen Druck, dass die Länder die Präsidenten der Landesschulräte nach dem Muster Tirols und Vorarlbergs ganz einsparen. Anlass ist ein Antrag des Wiener Landtags: Er will eine Verfassungsänderung, um den Posten des Vizestadtschulratspräsidenten abschaffen zu können. Die Klubchefs Andreas Schieder (SPÖ) und Reinhold Lopatka (ÖVP) wollen diese Proporzposten in der Schulverwaltung ganz streichen, wie sie im Ö1-Morgenjournal am Montag sagten.

 

   Eine entsprechende Gesetzesänderung müsste vom Nationalrat beschlossen werden, da die Posten in der Verfassung festgeschrieben sind und nur mit einer Zweidrittelmehrheit geändert werden können – ein Relikt der 1960er-Jahre.

 

    Der Auslöser für die Debatte ist im Wiener Vorwahlkampf zu suchen: Der FPÖ als zweitstärkster Partei steht zwar die Nominierung des Vizestadtschulratspräsidenten in Wien zu. Nachdem sie aber einen 21-jährigen Burschenschafter nominiert hatte, lehnte Wiens Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) dessen Bestellung ab. Der Wiener Landtag forderte daraufhin in einem mehrheitlich beschlossenen Antrag vom Bund, den Ländern die Möglichkeit zu geben, auf den Vizepräsidentenposten zu verzichten.

 

 

Österreich – 14. Oktober 2014

 

Lehrer: Es fehlen 100 Millionen

Ministerin Heinisch-Hosek kämpft mit einer Strukturlücke von 100 Millionen.

Am Montag ließ Gabriele Heinisch-Hosek die Katze aus dem Sack. Es sind 100 Millionen Euro. Wie ÖSTERREICH als Erster berichtete, fehlt der Ministerin Geld für die Lehrergehälter. Jetzt bestätigt sie die Story.

Mieten für Schulen werden gestundet.
Trotzdem werden die Lehrergagen pünktlich überwiesen: Heinisch hat laut eigenen Angaben mit der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) eine Vereinbarung getroffen. Die BIG stundet Mietzahlungen in Höhe von 100 Millionen Euro bis ins Jahr 2015 – Die Ministerin kann das Geld den Lehrern überweisen.

Gehälter steigen stärker als Budget.
Warum die Lücke? Die Lehrergehälter steigen stärker als das Budget, das Claudia Schmied und dann Heinisch mit dem Finanzminister ausverhandelt hatten. Trotzdem konnte Heinisch das Minus auf 100 Millionen senken. 2013 waren noch 145 Mio. offen, die mit Rücklagen abgedeckt wurden. Und das trotz eines harten Sparpakets von 57 Mio. (2014) bis 60 Mio. Euro im Jahr 2015. Jetzt will die Ministerin im Rahmen der Arbeitsgruppe Bildung nachverhandeln.

Gewerkschaft droht: “Dann brennt das Haus“
Während das Team Stronach Heinischs Rücktritt verlangt, ist die Gewerkschaft cool. AHS-Vertreter Eckehard Quin geht davon aus, dass Heinisch pünktlich zahlt: „Ansonsten brennt das Haus lichterloh“.

(fis,gü)

Heinisch: "Verhandle mit ÖVP und Ländern"

ÖSTERREICH: Sie wollen Stun­dungen von der BIG. Um welche Summe geht es?
Gabriele Heinisch-Hosek: Zuallererst das Wichtigste: Die Lehrergehälter sind ­sicher. Um den strukturellen Fehlbetrag für heuer zu tilgen, werden wir der BIG rund 100 Millionen Euro nicht im Dezember, sondern erst zu einem späteren Zeitpunkt überweisen.

ÖSTERREICH: Wie lange genau sollen die Mieten gestundet werden?
Heinisch-Hosek: Das steht noch nicht fest und ist Gegenstand von Gesprächen.

ÖSTERREICH: Wann wird das Problem dieser „strukturellen Lücke“ von Ihnen denn gelöst werden?
Heinisch-Hosek: Auch das will ich gemeinsam mit dem Koalitionspartner und den Ländern in der Bildungsreformkommission diskutieren und gemeinsam eine Lösung finden.

 

 

Der Standard - 14. Oktober 2014

 

 

"Die Idee des Lehrers ist im Verschwinden"

Interview | Lisa Nimmervoll

Erziehungswissenschafter Alfred Schirlbauer über Pauker, pädagogische Zauberkünstler und Lehrer, die sich "dasteßn"

STANDARD: Sie werden am Mittwoch an der Uni Wien über das "Verschwinden des Lehrers" referieren (15. Okt., 17 Uhr, NIG, Universitätsstr. 7, Hörsaal 2i). Wieso verschwinden die Lehrer denn?

Schirlbauer: Als Berufsstand verschwinden die Lehrer natürlich nicht. Aber das, was Lehren ausmacht, die Idee des Lehrers ist zunehmend im Verschwinden. Begonnen hat alles zu Zeiten der Reformpädagogik der 1920er-Jahre mit der Idee vom autonom und bedürfnisorientiert lernenden Kind. Damals geriet schon das Lehren als Erklären, Zeigen und Erzählen einer Sache in Verruf. Die Nazis bereiteten der Reformpädagogik dann ein jähes Ende, obwohl die meisten Reformer ohnehin schon auf dem Wege zu dieser Heilslehre waren. Vermutlich, weil der Disziplingedanke hier fehlte. Ab Ende der 60er-Jahre hatte die Pädagogik ihre "kritische Wende". Gesellschaftskritik auf pädagogisch erwies sich allerdings als Problem. Der Lehrer verschwindet meines Erachtens immer, wenn das Fach seine Konturen verliert. Die 80er-Jahre waren dann die Zeit des Psychobooms. Die gesellschaftskritische Wende machten zwar nur wenige Lehrer mit, die psychotherapeutische schon bedeutend mehr. Das hatte Auswirkungen in der Praxis.

STANDARD: In welcher Form?

Schirlbauer: Plötzlich ging's nur noch ums Ich, um die individuellen Befindlichkeiten. Diskussionen wurden geführt im Modus: Wie siehst du das von dir her? Ich sehe das von mir her so und habe dabei das Gefühl, dass ... Ein unermüdliches Psychologisieren ergriff auch den Schulalltag. Die Sachlichkeit des Unterrichts hatte wenig Chancen gegen das lebendige Gefühl. In den 1990ern gab es noch einmal eine Wende zurück zur Reformpädagogik. Das Kind steht im Mittelpunkt, nicht mehr der Gegenstand des Unterrichts, das Kind mit seinen Bedürfnissen, seiner unendlichen Kreativität, seinen spontanen Lernbedürfnissen. Die psychotherapeutischen Elemente verbanden sich nur allzu leicht mit der reformpädagogisch typischen Verehrung des Kindes.

STANDARD: Sie wollen aber auch von der "Epiphanie" des Lehrers, also der Erscheinung quasi im Status einer Gottheit berichten ... wie das?

Schirlbauer: "Gott Kupfer" lassen wir mal beiseite. Es gibt Tendenzen, die darauf hindeuten, dass der Lehrer wiederkommen wird. Es wird auch in Zeiten von Google den Lehrer brauchen als sachkundigen Experten, der auch etwas erklärt und Zusammenhänge herstellt. Auch die neue Kompetenzorientierung spricht dafür, dass der Lehrer wiederkommen wird.

STANDARD: Warum glauben Sie das?

Schirlbauer: Kompetenz ist so eine Art Plastikwort. Es besagt nicht viel. Alles, was Menschen tun, kann man mit dem Wort Kompetenz verknüpfen. Bindet sich jemand die Schuhe, hat er Schuhbandknüpfkompetenz, kocht jemand, hat er Kochkompetenz. All diese Kompetenzen verweisen aber auf ein sachliches Wissen, ohne welches keine Kompetenz zustande kommt. Man wird also einsehen, dass es nicht nur nicht genügt, Kompetenzkataloge für Unterricht vorzuschreiben, sondern dass diese einen systematisch geordneten Wissenserwerb überhaupt verunmöglichen.

STANDARD: Der Titel der Vortragsreihe heißt "De magistro - vom Pauker zum Begleiter". Sie haben vor 20 Jahren bedauert, dass die Lehrer als Autoritätsfiguren entzaubert seien. War das ein Plädoyer für den guten, alten, autoritären Pauker?

Schirlbauer: Nein, wir brauchen uns auch nicht grämen, dass die Zeit des sturen Paukens vorbei ist. Das Problem ist nur, was haben wir uns stattdessen eingehandelt. Nicht das, was Augustinus in "De magistro" geschrieben hat: einen Lehrer, der es versteht, eine Sache so zu präsentieren, dass die Schüler sie selbstdenkend mitvollziehen können, sondern eine bunte Vielfalt von Unterrichtsmethoden, bei denen zweifelhaft ist, ob sie überhaupt irgendein Wissen generieren. Ich gebe es zu: Ich halte nicht viel vom Selbsttätigkeitsrummel, den so mancher Projektunterricht erzeugt, auch nicht vom Gruppenunterricht. Den selbstständigen Wissenserwerb gibt es zwar, aber sein Ort ist nicht die Schule.

STANDARD: Im Westen Österreichs formieren sich Gymnasiumsbefürworter. Das müsste Ihnen gefallen, 2013 schrieben Sie fast erleichtert: "Der Vizekanzler hat zwar erst unlängst wieder betont, dass er die Tore Roms nicht öffnen werde für Hannibal." Michael Spindelegger gibt es als Schutzherrn des Gymnasiums aber nicht mehr. Fürchten Sie, dass jetzt die gemeinsame Schule kommt?

Schirlbauer: Ich frage mich, wieso die Gesamtschule eigentlich als rotes bzw. grünes Projekt gehandelt wird. Die fortgeschrittenste Gesamtschule hatten seit jeher die USA. Die Gesamtschule ist das spätkapitalistisch adäquate Industriebildungsmodell, ohne Bildungsdünkel zwar, aber mit Elitenqualifizierung über die sündteuren Privatschulen. Man löst damit vielleicht Probleme, erzeugt aber auch welche. Etwas macht mich speziell nachdenklich.

STANDARD: Was denn?

Schirlbauer: Ich denke an die Praktiker. Schon jetzt ist eine Hauptschul- oder neue Mittelschulklasse ein heterogenes Sammelsurium. Detto die Unterstufe der AHS. Wenn wir die zwei in eine Klasse zusammenpacken, wird die Zusammensetzung noch heterogener. Die Lehrer sollen sich dann damit "dasteßn". Natürlich schwärmen gewisse Pädagogen: Dann machen wir innere Differenzierung. Dieses Programm gibt's seit 20, 30 Jahren, nur gemacht haben es in der Wirklichkeit wenige, weil es einfach sauschwer ist, für die verschiedenen Schülerindividuen in einer Klasse verschiedene Lernwege vorzubereiten. Wer das kann, ist ein pädagogischer Zauberkünstler. Es ist schon normaler Unterricht sauschwer, stressig, und nach fünf Stunden ist man geschafft.

STANDARD: Reicht eine Differenzierung in zwei Kindergruppen wirklich aus?

Schirlbauer: Die klassischen Gesamtschulmodelle machen zwar auf Gemeinsamkeit, haben dann aber die Differenzierung innen in A-, B-, C-Leistungskurse, und zwar in Deutsch, Englisch, Mathematik. Das ist auch fatal. Damit sagt man nämlich, worauf's ankommt: Deutsch, Englisch, Mathematik ist wichtig. Für die ideologische Speisung, das Habituelle braucht es dann keine Differenzierung. Geschichte lernt man also ohne differenzierte Schülerschaft. Das heißt, das ist nicht so wichtig oder so viel wert. Da kommt's nicht auf Wissen an, sondern auf die richtige Gesinnung. Naturwissenschaften? Da ist Differenzierung nicht notwendig? Wieso nicht? In Mathematik schon? Ich bin nicht dagegen, einen solchen Versuch zu wagen. Das Problem ist nur, solche Versuche erfolgen immer auf dem Rücken von Kindern und Jugendlichen. Wir wissen nicht, wie das Experiment ausgeht. Das wissen auch die Evaluatoren nicht.

STANDARD: Aber es gibt ja Länder, wo es klappt. In Finnland funktioniert's etwa.

Schirlbauer: Finnland, Schweden, die Skandinavier haben damit ja überhaupt noch nie ein Problem gehabt, aus einem Grund, weil sie keine bürgerliche Gesellschaft gehabt haben. Die Skandinavier sind ja im 20. Jahrhundert direkt von einer Agrargesellschaft in eine Industriegesellschaft gehüpft. Da hat es keine bürgerliche Phase gegeben. Das muss man ja zugeben, die Bildungsidee ist eine bürgerliche Idee. Ist sie deswegen zu verabschieden?

STANDARD: Soll oder muss das Gymnasium eigentlich unbedingt acht Jahre dauern?

Schirlbauer: Nicht ohne Einschränkung. Wenn es das Gymnasium weiterhin geben soll, dann müsste es seine Ansprüche wieder steigern. Viele Gymnasien leisten ja heute nicht mehr das, was sie leisten sollten. Wir haben ja Maturanten, die die Orthografie nicht beherrschen, sich in der Geschichte nicht auskennen, die Naturwissenschaften nicht verstehen. Zum gymnasialen Profil möchte ich noch etwas ganz Reaktionäres sagen: Gymnasium bitte nicht ohne Latein - ab der dritten Klasse -, sonst ist es keines. (lacht)

Alfred Schirlbauer (Jg. 1948) unterrichtete acht Jahre an Pflichtschulen und war bis 2009 Professor für Pädagogik an der Universität Wien. Zuletzt erschienen: "Ultimatives Wörterbuch der Pädagogik. Diabolische Betrachtungen" (Sonderzahl Verlag, 2012). Er referiert im Rahmen der vom Fachdidaktikzentrum Psychologie - Philosophie der Uni Wien von Konrad Paul Liessmann, Katharina Lacina und Bernhard Hemetsberger in Kooperation mit dem STANDARD organisierten Vortragsreihe "Fachdidaktik kontrovers", die im Wintersemester 2014/15 dem Thema "De magistro. Vom Pauker zum Begleiter - Über den Wandel des Lehrerbildes" gewidmet ist.

 

 

Der Standard – 14. Oktober 2014

 

 

Wenn SPÖ und ÖVP wollen, könnten sie Schulproporz abschaffen

Mit Grünen und Neos hätten Sie im Parlament genug Stimmen über Zweidrittelmehrheit hinaus

Wien - An der Zweidrittelmehrheit würde die Abschaffung des Proporzes in der Schulverwaltung nicht scheitern. Die Neos haben bereits 2013 einen entsprechenden Antrag eingebracht, sagte Parteichef Matthias Strolz am Montag zum STANDARD: "Um die parteipolitische Versorgungsmentalität in der Bildungspolitik insgesamt zurückzudrängen, ist die Abschaffung der Landesschulräte eine Kernforderung." Daher würden die Neos diesen "wichtigen Schritt" von SPÖ und ÖVP unterstützen.

Im Ö1-Morgenjournal haben die Klubchefs der Koalition, Andreas Schieder (SPÖ) und Reinhold Lopatka (ÖVP), vorgeschlagen, den Ländern per Verfassungsänderung die Möglichkeit zur Abschaffung der Landesschulratspräsidenten und deren Vizes zu ermöglichen.

Vorschreiben wollen die beiden den Ländern aber nichts, sie sollen nur auf freiwilliger Basis die Posten streichen dürfen. Artikel 81a der Bundesverfassung sieht derzeit vor, dass zumindest in den fünf einwohnerstärksten Bundesländern ein Vizepräsident bestellt werden muss. Die Posten sind mitunter nicht schlecht bezahlt, in Oberösterreich gibt es 8100 Euro (14-mal im Jahr) für den Vize. Präsident des Landesschulrats ist eigentlich der jeweilige Landeshauptmann, in der Praxis gibt es aber amtsführende Präsidenten.

Wien möchte jetzt den Vizepräsidenten - und nur diesen - loswerden, nachdem dort Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) den von der FPÖ vorgeschlagenen 21-jährigen Studenten Maximilian Krauss als Vizepräsident nicht akzeptiert hatte.

Neun Neos-Stimmen im Parlament würden zur Abschaffung nicht reichen, um mit den 99 rot-schwarzen auf die nötigen 122 zu kommen. 24 Grüne schon. Deren Bildungssprecher Harald Walser hat erst im September zwei Anträge zur "Entpolitisierung der Landesschulräte" eingebracht. Deren Abschaffung wäre "überfällig".

Die FPÖ (40 Sitze) will "keine vordergründigen plakativen Einsparungen und dann durch die Hintertür neue Abteilungen", sagte Bildungssprecher Walter Rosenkranz im Ö1-Mittagsjournal.

Und die Adressaten einer Gesetzesänderung, die Länder? Reagierten zurückhaltend. Wien will nur ohne Vize werkeln. In Salzburg, wo dieser Posten abgeschafft ist, sei ein amtsführender Landesschulratspräsident weiterhin notwendig, sagte eine Sprecherin von Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) zum STANDARD. Der Landeshauptmann zeichne auch für die Bildungsagenden ressortverantwortlich, das sei in Personalunion nicht zu machen.

Kärntens Peter Kaiser (SPÖ) findet diese Posten "an und für sich" wichtig und will Änderungen "ergebnisoffen" prüfen. Hans Niessl (SPÖ) im Burgenland ist für eine weitergehende Änderung. Prinzipiell gute Idee, aber es gehe um effiziente Strukturen, meint Niederösterreichs Bildungslandesrätin Barbara Schwarz (ÖVP) zur Abschaffungsmöglichkeit. Die Steirer sind "für alle Diskussionen offen". In Oberösterreich ist die SPÖ gegen eine Abschaffung, die ÖVP will das Thema Verwaltungsverschlankung in der Arbeitsgruppe "Bildung" mit dem Bund klären.

Tirol und Vorarlberg haben die Landesschulräte abgeschafft, dort machen die Bildungslandesräte deren Agenden mit.

 

 

"Kurier" vom 14.10.2014                                    Seite: 2

Ressort: Seite 1

 

Wi, Länder, Abend, Bgld, Länder, N.Ö., N.Ö./Industrieviertel, N.Ö./Mitte, N.Ö./Weinviertel, Oberösterreich, Wi, Morgen

 

sparvorgaben

 

100 Millionen für Lehrer-Gagen fehlen

 

Budget. Miete für Schulen wird nun gestundet

 

   Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek kann die Sparvorgaben des Finanzministeriums nicht erfüllen. Daher soll die Bundesimmobilien-Gesellschaft (BIG) dem Ministerium Schulmieten in der Höhe von 100 Millionen Euro für das Jahr 2014 stunden. Auf diesen Budget-Trick hatte bereits Heinisch-Hoseks Vorgängerin Claudia Schmied einst zurückgegriffen.

 

   Damit ist gesichert, dass die Lehrergagen bezahlt werden können. Wie die Ressortchefin die Einsparungen im kommenden Jahr erreichen will, ist aber offen. Heinisch-Hosek will nun dafür kämpfen, dass ihrem Ministerium die Valorisierung der Lehrer-Gehälter und die

 

   Indexierung der Miete für die Schulgebäude künftig abgegolten wird.

 

   POLITIK2

 

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Kurier – 14. Oktober 2014

 

 

100 Millionen für Lehrer-Gagen fehlen .

Lehrergehälter heuer nur durch Mietstundung gesichert. Heinisch-Hosek fordert mehr Geld.

 

 

 

Die Regierenden liefern der Lehrergewerkschaft Propaganda-Material für die Personalvertretungswahlen Ende November. "Mehr finanzielle und personelle Ressourcen" hat der oberste Standesvertreter Paul Kimberger vor ein paar Tagen erneut begehrt. 14.000 zusätzliche Schulhilfskräfte seien vonnöten.

Und dann stellt sich heraus, dass sich SPÖ-Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek nicht einmal das jetzige Schulpersonal leisten kann. SPÖ-Kanzler Werner Faymann und ÖVP-Vizekanzler Reinhold Mitterlehner musste sie mitteilen, dass kein Geld da ist, um die rund 70.000 Pflichtschullehrer zu entlohnen.

Treffen

Ein Ausweg wurde ersonnen: Die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) stundet Heinisch-Hoseks Ressort Mieten für Schulgebäude (Gymnasien, HTLs etc.) – 100 Millionen Euro bis Ende Dezember. Am Dienstag treffen einander Vertreter von Ministerium und BIG, um das Procedere festzulegen. Mit Zinsen soll der Bund im kommenden Jahr nachzahlen.

Dass trotz Acht-Milliarden-Budgets Salärnotstand ist, wird im Unterrichtsressort so erklärt: Seit Jahren gebe es vom Finanzministerium zu wenig Geld, unter anderem "für die Valorisierung von Lehrergehältern und die Indexierung von Mieten" (beides steigt kontinuierlich). Im Vorjahr sei der Fehlbetrag von 145 Millionen Euro ausgeglichen worden. Rücklagen wurden aufgelöst. Dieses Jahr gehe es um 100 Millionen; da behelfe sich die Ministerin mit der Mietstundung.

Sparvorgaben

Davon unabhängig, aber problemverschärfend seien die Sparvorgaben des Finanzministers für 2014 (87 Millionen) und 2015 (90 Millionen). Teillösung für heuer: Jene 50 Millionen, die für Ganztagsschulen vorgesehen waren, gibt es erst 2018. Wie die restlichen 37 Millionen hereinbekommen werden sollen, ist offen. Die Schwierigkeit: 93 Prozent des Budgets gehen für Personal drauf.

Was will die Ministerin tun? In der Bildungsreformgruppe von Bund und Ländern werde sie Valorisierung und Indexierung thematisieren, heißt es in ihrem Büro. Der Finanzminister sollte dafür künftig Geld geben.

Wird es das? Aus dem Finanzressort gibt es, mit Verweis "auf die laufenden Verhandlungen", dazu keinen Kommentar. Gewerkschafter Kimberger, der wegen des Gagen-Engpasses für seine Klientel gestern bei Heinisch-Hosek war, enthält sich eines solchen nicht: "Wenn Milliarden in Pleitebanken gesteckt werden, muss die Regierung auch die Finanzierung eines Zukunftsressorts langfristig sichern."

 

"Kurier" vom 14.10.2014                                   Seite: 10

Ressort: Innenpolitik

 

Wi, Abend, Oberösterreich, Morgen

 

Freiwillige vor für schlankere Schulbürokratie

 

Sparen. SPÖ und ÖVP bieten an, Landesschulräte abzuschaffen. Länder sollen aber entscheiden

 

   Braucht man die Landesschulratspräsidenten und deren Stellvertreter?

 

   SPÖ und ÖVP wollen den Ländern ermöglichen, diese -Funktionen abzuschaffen, kündigten deren Klubchefs, Andreas Schieder und Reinhold Lopatka, via ORF-Radio an. Die Grünen könnten den Regierungsfraktionen zur nötigen Zwei-Drittel-Mehrheit im Parlament verhelfen.

 

   Auslöser der Debatte war die Diskussion um den FPÖ-Kandidaten für den Vize-Stadtschulratsposten in Wien. Bekanntlich hat Bürgermeister Michael Häupl den blauen Jus-Studenten Maximilian Krauss abgelehnt. Ein Nachfolger wurde nicht nominiert.

 

   Die Entscheidung, ob die Verwaltungsposten gestrichen werden, soll auch im Fall einer Gesetzesänderung den Ländern obliegen. In Tirol und Vorarlberg haben bereits die Bildungslandesräte die Aufgaben der Landesschulräte übernommen. In Salzburg wurde zumindest der Stellvertreter-Posten abgeschafft. Die übrigen Länder sind zurückhaltend. Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser, derzeit Chef der Landeshauptleute-Konferenz, will "ergebnisoffen" prüfen.

 

 

"Kurier" vom 14.10.2014                                   Seite: 24

Ressort: Leben

 

Wi, Abend, Oberösterreich, Morgen

 

Wann die Gesamtschule ein Erfolgsmodell ist

 

Studie. Schulautonomie und externe Prüfungen zeichnen PISA-Sieger wie Finnland aus

 

   Bildung ist ein wichtiger Standortfaktor. Nur logisch, dass sich die Wirtschaftskammer (WKO) intensiv mit dem Thema auseinandersetzt. Jetzt hat sie beim Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw) eine Studie in Auftrag gegeben, die sich mit dem Thema Gesamtschule beschäftigen soll. Denn die Frage, ob 10-14-Jährige in einer gemeinsamen Schule unterrichtet werden sollen, spaltet die Bildungspolitiker wie keine andere.

 

   Studienautor Kurt Schmid will solch ideologischen Debatten ausweichen: "Nur die Gesamtschule einzuführen macht ein Schulsystem noch nicht erfolgreich", sagt er. Allerdings zeigt sich, dass in Ländern mit Gesamtschulsystemen Bildung weniger vererbt wird als in solchen mit differenzierten Systemen." Schmid erklärt sich das so: "Die Entscheidung für Gymnasium oder Hauptschule ist auch eine soziale Zuschreibung. Das wirkt sich auf das Selbstbild der Schüler aus." Wer sich selbst als Verlierer des Bildungssystems sieht, bringt auch schlechtere Leistungen. Warum sind Finnen top? Die Frage, die sich die Wissenschaft stellen muss, lautet also: "Welche Faktoren machen eine Gesamtschule erfolgreich?" Oder warum ist Finnland bei PISA top und Italien weit von der Spitze entfernt - obwohl beide eine gemeinsame Schule haben?

 

   Vielleicht erstaunlichstes Ergebnis der Studie: Klassische Faktoren wie Bildungsausgaben, Klassengröße, Lehrer-/Schülerverhältnis und Anzahl der Unterrichtsstunden wirken sich kaum aus. Zum Erfolg führen dagegen ein guter Unterricht und die Fähigkeit der Lehrer, individuell zu unterrichten. Heißt: Die schwachen Schüler zu fördern und die guten zu fordern.

 

   Das ist aber derzeit weder im Gymnasium noch in der Neuen Mittelschule oder Hauptschule möglich. Die Lösung wäre also, eine Struktur zu schaffen, in der Individualisierung gelebt werden kann. Wichtigstes Erfolgskriterium ist dabei die Schulautonomie. Wo am Standort über Budget und Personal entschieden wird, wird meist effektiver gearbeitet. Externe Prüfungen wie z.B. Bildungsstandards sorgen dafür, dass das Niveau nicht sinkt.

 

   Angesichts dieser Ergebnisse fordert Michael Landertshammer von der Wirtschaftskammer: "Es hängt sehr viel vom Lehrer ab. Deshalb müssen wir in dessen Ausbildung investieren. Er muss wissen, wie er mit unterschiedlichen Begabungen umgeht." Sein Wunsch: Eine pädagogische Universität als Ausbildungsort für alle Pädagogen . Und: "Der Beruf des Pädagogen muss attraktiver gemacht werden."KURIER.at/Familie

 

 

"Kurier" vom 14.10.2014                                   Seite: 34

Ressort: Chronik

 

Bgld, Morgen

 

Bildung

 

ÖVP will Änderung bei Neuer Mittelschule

 

Umfrage. Nur "Befriedigend" für NMS/Daten wurden von schwarzer Lehrergewerkschaft erhoben

 

   Die ÖVP nimmt eine Umfrage der schwarzen Lehrergewerkschaft zum Anlass, Änderungen bei der Neuen Mittelschule (NMS) zu fordern. Rund 2000 Pflichtschullehrer waren im Juni von der Fraktion Christlicher Gewerkschafter (FCG) angeschrieben worden, 619 Fragebögen (31 Prozent) wurden ausgefüllt retourniert, erklärte Helmut Gaal, FCG-Vizevorsitzender im Zentralausschuss der Pflichtschullehrer, bei der Präsentation der Ergebnisse am Montag in Eisenstadt.

 

   Leistung und Niveau des NMS-Unterrichts würden im Durchschnitt nur mit der Schulnote Drei bewertet. "Befriedigend, mehr nicht. Das ist nicht das beste Zeugnis", sieht ÖVP-Landeshauptmannstellvertreter Franz Steindl Luft nach oben. 41 NMS gibt es im Burgenland mittlerweile, aber keine Hauptschulen mehr.

 

   Nur 16 Prozent der Pädagogen halten Leistung und Niveau der NMS für höher als in Hauptschulen. Positiv für die NMS: Für rund 50 Prozent der Lehrer schneidet die NMS beim Lehrer-Schüler-Kontakt besser ab. Im Vergleich zur AHS-Unterstufe wird die NMS aber "durchwegs schlechter beurteilt".

 

   Man sei nicht grundsätzlich gegen die Neue Mittelschule, aber gegen die Umsetzung, die mit hohem Mitteleinsatz erfolgt sei, verwies Steindl auf einen Rechnungshofbericht. Demnach betrugen die Lehrerpersonalkosten je Schüler bundesweit an NMS rund 7200 Euro, an AHS-Unterstufen 4700 Euro. Der Gesamtschule erteilte Steindl anders als seine VP-Kollegen in Westösterreich übrigens eine klare Absage.

 

   ÄnderungWas soll sich aus Sicht der ÖVP, die der NMS vom Start weg reserviert gegenüberstand und sie als "SPÖ-Prestigeprojekt" bezeichnet, ändern? "Mehr Autonomie für Schulstandorte, mehr Freiraum bei Gestaltung der Lehrpläne und rasche Evaluierung der NMS", betonte Steindl, der auch kritisierte, dass entgegen ersten Plänen kaum AHS-Lehrer beim Team-Teaching vertreten seien. Gewerkschafter Gaal sprach sich gegen Einsparungen beim Team-Teaching (in Hauptgegenständen unterrichten zwei Lehrer) aus.

 

   Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ) hat gegen eine Evaluierung grundsätzlich keine Einwände. Als positive Errungenschaft der NMS sieht der Präsident des Landesschulrates schon jetzt, dass "acht Prozent mehr Schüler in weiterführende Schulen" gingen als aus Hauptschulen.Th. Orovits

 

 

Wiener Zeitung – 14. Oktober 2014

 

 

Lehrergehälter

Heinisch-Hosek will Stundung von 100 Millionen Euro BIG-Miete

 

 

 

 

 

 

 

 

·         Um "strukturellen Fehlbetrag" zu decken.

 

 

 

Wien. Das Bildungsministerium will eine Stundung von Mieten bei der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) in der Höhe von 100 Millionen Euro. Das sei bereits mit dem Finanzministerium akkordiert, hieß es von einer Sprecherin zur APA. Im Finanzressort wollte man das mit Verweis auf laufende Verhandlungen nicht kommentieren, in der BIG bestätigt man lediglich eine Anfrage des Bildungsministeriums.

"Lehrergehälter sind sicher"

Durch die geplante Stundung der im Dezember fälligen 100 Millionen würde sich die Zahlung der BIG-Mieten in das neue Budgetjahr verschieben. Dadurch, betonte die Sprecherin von Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ), seien die Lehrergehälter sicher. Neben dem Finanzressort soll auch der für die BIG zuständige Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) eingebunden sein. Bei der BIG zeigt man sich grundsätzlich gesprächsbereit, aber: "Verhandelt wird derzeit aber noch nicht, da wir keine Details kennen." Der BIG dürfe jedenfalls kein Schaden entstehen, sprich: für verspätete Zahlungen müssen Zinsen gezahlt werden.

Bei den 100 Millionen Euro handelt es sich laut Bildungsministerium um einen sogenannten "strukturellen Fehlbetrag": Das Ministerium erhalte vom Finanzressort bereits seit Jahren zu wenig Geld. 2013 seien es 145 Millionen Euro gewesen, die durch Auflösung von Rücklagen finanziert wurden, heuer sei der Fehlbetrag durch eine Erhöhung des Finanzrahmens schon geringer ausgefallen.

Davon unabhängig muss das Ressort noch die Budget-Sparvorgaben des Finanzministeriums für 2014 und 2015 erfüllen. Das sei für heuer bereits gelungen, u.a. durch die Verschiebung von Mitteln für den Ausbau von Ganztagsschulen. Im kommenden Jahr stehen allerdings noch einmal rund 90 Millionen an Einsparungen an. Ob tatsächlich diese Summe eingespart werden muss und wie hoch der strukturelle Fehlbetrag 2015 ausfallen soll, wird laut der Sprecherin im Rahmen der Bildungsreformkommission geklärt.

Kritik erntet Heinisch-Hosek für ihren Wunsch nach Mietstundung von der FPÖ: Dieser Plan sei ein Beweis dafür, dass die Ministerin ihr Ressort nicht im Griff habe. "Ihr geht es offensichtlich nicht um Einsparungen, sondern nur darum, die Schulden in die Zukunft zu verschieben, wie dies auch schon ihre Amtsvorgängerin Claudia Schmied getan hat", so Bildungssprecher Walter Rosenkranz, der echte Strukturreformen fordert. Für Team-Stronach-Bildungssprecher Robert Lugar ist Heinisch-Hosek überhaupt rücktrittsreif: "Nach den ständigen Problemen mit dem Bifie, den massiven Schwierigkeiten bei der Zentralmatura und dem gescheiterten Modell der Ganztagsschule ist die Schuldenmacherei von Heinisch-Hosek die endgültige Bankrotterklärung unseres Schulsystems."

 

"Vorarlberger Nachrichten" vom 14.10.2014

Ressort: VN-A

 

 

Schon bald gibt es die ersten Ergebnisse zum Projekt „Schule der Zehn- bis 14-Jährigen“.

 

Schulsystem auf Seziertisch

 

Forschungsprojekt

 

   Feldkirch. Das Forschungsprojekt „Schule der Zehn- bis 14-Jährigen“ spielte bei den Koalitionsverhandlungen zwischen der ÖVP und den Grünen eine nicht unwesentliche Rolle. Das Projekt diente beiden Parteien als bestes Argument dafür, beim Thema Bildung eine gemeinsame Linie zu finden – und Zeit zu gewinnen. Hauptargument für beide Parteien: „Warten wir mal ab, was für Ergebnisse das Forschungsprojekt bringt.“ Auf Grundlage dieser werde man dann die erforderlichen Schritte setzen und beim Bund auf die Möglichkeiten zur Durchsetzung der notwendigen Reformschritte drängen. Stichwort: Modellregion Vorarlberg.

 

   Zu den Koalitionsverhandlungen hatten die beiden künftigen Regierungsparteien beim Kapitel Bildung Gabriele Böheim (55) als Expertin geladen. Die Projektkoordinatorin und Vizerektorin der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg gab den Verhandlern Informationen über das Forschungsprojekt. Die offensichtlich wichtigste Erkenntnis des Expertenbesuchs beim neuen Regierungstandem: Die erste Bildungswegentscheidung kommt für Schulkinder im Alter von zehn Jahren zu früh. Eine gemeinsame Schule für Zehn- bis 14-Jährige scheint daher als logischer Kernpunkt einer Modellregion Vorarlberg realistischer denn je.

 

   Fast 20.000 Rückmeldungen

 

   Freilich hütet sich Gabriele Böheim selbst, über bereits vorliegende Inhalte des Forschungsprojekts Aussagen zu treffen. Doch lange muss die interessierte Öffentlichkeit nicht mehr warten. Ende November /Anfang Dezember wird es die Veröffentlichung des ersten von insgesamt zwei Projektberichten geben. Dieser Bericht enthält eine umfassende Evaluierung der Schulen der Sekundarstufe I in Vorarlberg sowie Informationen über die Bereitschaft der relevanten Gruppen, organisatorische Entwicklungen des Schulsystems mitzutragen. Die Ergebnisse basieren auf Rückmeldungen von 19.700 Eltern, Schülern und Lehrpersonen. Befragt wurden die Eltern von Kindern der vierten Schulstufe, die Eltern und Schüler der sechsten und achten Schulstufe sowie Lehrer von Volksschulen, Neuen Mittelschulen und Allgemeinbildenden Höheren Schulen. Es wurden dabei nicht weniger als 1,9 Millionen Einzeldaten erhoben. Sämtliche Schulleiter der Sekundarstufe I (Zehn- bis 14-Jährige) erhalten die Ergebnisse der Befragungen für ihre jeweilige Schule und können diese entsprechend verwerten.

 

   Spannung ist angesagt

 

   Die Veröffentlichung des zweiten Projektberichts gibt’s im Mai 2015. Darin werden die Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen Pädagogik, Organisation und Recht sowie die Empfehlungen der Leiter der Expertengruppen kundgetan. Spannend dabei: Es wird klare Aussagen über Vor- und Nachteile eines zweigliedrigen bzw. eingliedrigen Systems geben. Auch soll aufgezeigt werden, wie Vorarlberg „sein“ System umsetzen kann. Am Forschungsprojekt beteiligen sich neben den befragten Personen 30 Experten aus den Bereichen Schule, Schulmanagement und Hochschule, Erziehungswissenschaftler, Psychologen, Soziologen sowie Experten der Integration, der Begabtenförderung und Elternvertreter. Böheim ist sich sicher: „Dieses Forschungsprojekt ist österreichweit einzigartig.“

 

   » 22.000 Fragebögen wurden an Lehrer, Schüler und Eltern verschickt» Rücklauf: 19.700» 1,9 Millionen Einzeldaten wurden erhoben» 30 Experten gestalten das Projekt federführend» Koordinatorin: Gabriele Böheim, Vizerektorin PH Vorarlberg» Projektdauer: Oktober 2013 bis Mai 2015» Kosten: 100.000 Euro

 

 

   Wallner fordert Bildungsdirektionen

 

   Bregenz. (VN-hk) Landeshauptmann Markus Wallner (46) will in Sachen Schulverwaltungsreform vorpreschen. Vorarlberg unterstütze die vorgeschlagene Abschaffung der Landesschulratspräsidenten - und Vizepräsidenten. „In Vorarlberg hat das für die Bildung zuständige Mitglied der Landesregierung schon immer gleichzeitig die Funktion eines Landesschulratspräsidenten eingenommen“, betonte Wallner.

 

   „Eine Nachahmung ist empfehlenswert.“ Gleichzeitig drängt er auf die Einrichtung von Bildungsdirektionen auf Landesebene. Eine dezentrale Verwaltung würde Doppelgleisigkeiten beseitigen, ist Wallner überzeugt. Die Länder seien willens, mehr Verantwortung in der Schuhlverwaltung zu übernehmen.

 

 

ORF – 14. Oktober 2014

 

Frühe Differenzierung ohne Positiveffekte

Das Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw) hat im Auftrag der Wirtschaftskammer (WKÖ) das System der Gesamtschule unter die Lupe genommen. Für die am Montag präsentierte Studie analysierte Autor Kurt Schmid unter anderem internationale Schülerleistungsstudien wie PISA, PIRLS oder TIMSS und verglich anschließend die Strukturen und Inputfaktoren wie Ausgaben oder Schüler-Lehrer-Relationen miteinander.

Sein Fazit: Eine gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen bietet einen besseren strukturellen Rahmen für gute Schülerleistungen, reicht aber allein nicht aus, um diese auch tatsächlich zu erzielen. Gesamtschulländern gelinge es meist auch besser, die Ungleichheit der Schülerleistungen zu reduzieren. Empirisch abgesichert ist laut Schmid jedenfalls, dass eine frühe äußere Differenzierung keine positiven Effekte zeige und dass Gesamtschulsysteme sozioökonomische Benachteiligungen reduzieren.

Jetziges System ließe sich verbessern

„Im differenzierten System sind schon noch Ansätze drinnen, die man verbessern kann“, meinte Schmid. „Gleichzeitig gibt es aber auch Grenzen“: So kreiere die Einordnung in AHS-Unterstufe oder Hauptschule bzw. Neue Mittelschule Selbstbilder in den Jugendlichen. „Damit wird ein Stück des Weges festgelegt, den man erreichen kann. Die Einstufung bedeutet immer auch eine soziale Zuschreibung.“ Auf Lehrerseite biete das System die Möglichkeit, Schüler von der AHS in die Hauptschule abzuschieben, anstatt sie zu fördern.

Mangelnde Durchlässigkeit

Das Argument, dass das Schulsystem ohnehin durchlässig sei, stimme so nicht: „Wenn man sich die De-facto-Übertritte ansieht, gibt es eigentlich nur die von der AHS-Unterstufe in die Hauptschule, umgekehrt kaum.“

Doch auch die Gesamtschule ist kein Allheilmittel: „Sie bedeutet nicht, dass der Unterricht auch besser wird“, so Schmid. Die Gesamtschule biete lediglich ein formelles strukturelles Dach, um Probleme wie die Vererbbarkeit von Bildungsabschlüssen und die Ungleichheit der Schülerleistungen zu reduzieren.

Nicht selektieren, sondern an Potenzialen orientieren

In der Studie wird daher auch festgehalten, welche Kriterien erfolgreiche Gesamtschulsysteme ausmachen: Das seien einerseits eine leistungsfördernde Governance-Struktur mit Schulautonomie in finanziellen und personellen Angelegenheiten sowie externen Überprüfungen von Bildungsstandards, so der Leiter der bildungspolitischen Abteilung der WKÖ, Michael Landertshammer.

Außerdem müsse man weg von der Selektionsorientierung hin in Richtung einer Orientierung an den Potenzialen der Kinder. Lehrer müssten lernen, produktiv mit der Heterogenität der Schüler umzugehen und brauchten zur Unterstützung zusätzliches Personal.

Umstellung erst letzter Schritt

Die Systemumstellung solle dabei aber erst am Schluss stehen, so Landertshammer: Zunächst könne einmal das „Übergangsmanagement“ an den Schnittstellen, also etwa zwischen Volksschule und AHS-Unterstufe/Hauptschule, verbessert und die Individualisierung des Unterrichts ausgebaut werden. Dann müssten die Lehrer in Sachen Leistungsheterogenität geschult und eine sinnvolle Überprüfung der Bildungsstandards mit Rückmeldungen implementiert werden. Wenn das alles stehe, könne man dann auch die Schulautonomie einführen und am Schluss die Schulverwaltung neu gestalten.

Gesamtschule bietet etwas mehr Chancengleichheit

Die perfekte Schulwelt entsteht aber auch durch die Gesamtschule nicht. „Bestimmte Dinge wie die Risikogruppe der schlechten Schüler oder eine gewisse Vererbbarkeit von Bildungschancen kann man nicht auf null drehen“, so Schmid. „Aber man kann sie verringern.“ So seien etwa in Finnland während der Pflichtschulzeit ein Drittel der Schüler in einer längerfristigen Fördermaßnahme. Dort betrage die Risikogruppe der schlechten Schüler fünf bis acht Prozent. „Bei uns gibt es diese Form der Unterstützung nur anekdotisch - und unsere Risikogruppe ist bei 25 Prozent.“

 

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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