Mittwoch, 15. Oktober 2014

2014.10.15: Bildung

APA0179 II, XI, WI 15.10.2014 11:41:29

 

Budget: Mitterlehner gibt Heinisch-Hosek OK für BIG-Mieten-Stundung

Utl.: Laut Mitterlehner spätere Zahlung 2016 möglich - Höhe wird derzeit verhandelt

Immobilien/Schule/Öffentliche Finanzen/BIG/Österreich

Das Bildungsministerium hat von Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) grünes Licht bezüglich der Stundung von Mieten bei der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) bekommen. Anstelle Anfang Dezember dieses Jahres sei eine spätere Zahlung 2016 möglich, sagte der Vizekanzler am Mittwoch nach dem Ministerrat. Die Höhe der Stundungen werde noch verhandelt.

Das Bildungsministerium hatte eine Stundung von Mieten in der Höhe von 100 Mio. Euro verlangt, um einen "strukturellen Fehlbetrag" in dieser Höhe zu bedecken und damit die Lehrergehälter sicherzustellen. Diese Lücke gebe es bereits seit vielen Jahren, betonte Ressortchefin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) nach dem Ministerrat abermals, "das Ressort ist chronisch unterfinanziert". Auf die von den Grünen geortete zusätzliche Finanzierungslücke von 240 Mio. Euro 2015 ging die Ministerin nicht explizit ein.

Bis die Stundung der Mieten durch die BIG auch formal abgesegnet ist, wird es noch etwas dauern. Nach einem ersten Vorgespräch gestern, Dienstag, werden nun zunächst auf Beamtenebene die genauen Konditionen festgelegt. Eine Unterzeichnung des Vertrags, der vom durch das Wirtschaftsressort bestellten Aufsichtsrat genehmigt werden muss, ist Ende November realistisch.

Laut Mitterlehner entstehe der Republik durch die Stundung der BIG-Mieten kein Schaden, der Vizekanzler sprach von einer "vernünftigen Vorgangsweise". Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) nahm in diesem Zusammenhang gleichzeitig seine Bildungsministerin in Schutz. Zwar sei in den vergangenen Jahren das Bildungsbudget regelmäßig überzogen worden, Heinisch-Hosek habe diesen "Gap" aber immer weiter geschlossen.

Heinisch-Hosek setzt bei der Thematik auch auf die neu gegründete Verhandlungsgruppe zur Schulreform, die auch strukturelle Defizite behandeln werde. Vor allem gehe es aber darum, wie die Koalitionspartner SPÖ und ÖVP mittelfristig Bildungsziele definieren können.

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KATHPRESS-Tagesdienst Nr.245, 14. Oktober 2014

 

"Pisa" und Co.: Enquete nahm Bildungstests unter die Lupe

Katholischer Familienverband lud Bildungsexperten zu Tagung nach Wien - Kritik an Bildungstests nimmt zu

 

 

Wien, 14.10.14 (KAP) Die Sinnhaftigkeit von Bildungstests haben am Montag Bildungsexperten bei einer Enquete des Katholischen Familienverbands Österreich (KFÖ) in Wien kritisch unter die Lupe genommen. "Vom Wiegen wird die Sau nicht fetter", brachte Günter Schmid, Bildungsexperte, ehemaliger Direktor der Sir Karl Popper Schule und Gründer der Bildungsplattform "Leistung und Vielfalt", das Problem solcher Tests wie etwa "Pisa" auf den Punkt. Zugleich sprach er sich für eine stärkere Orientierung an den Schülern statt an standardisierten Testinhalten aus. "Der Blick auf den Menschen, der hinter den Zahlen steht, muss freigehalten werden", betonte Schmid laut einer KFÖ-Aussendung (Dienstag).

 

Schmid gab weiter zu Bedenken, "dass die Tests eine störende Ablenkung von den eigentlichen Aufgaben der Schule und eine Fokussierung auf standardisierte Testinhalte" seien. Dass ein "learning for the test" in der Praxis durchaus vorkomme, bestätigte auch Isabella Zins, AHS-Direktorin in Mistelbach: "Man muss eben aufpassen, dass nicht jenen Fächern, die getestet werden, aufgrund eines bevorstehenden Tests der absolute Vorrang eingeräumt wird", so Zins.

 

Eine Lanze für Bildungstests brach hingegen Kurt Nekula, Sektionschef im Bundesministerium für Bildung und Frauen: "Testungen sind ein Mosaikstein im Prozess der Qualitätsverbesserung und zeigen uns, wo einzelne Standorte stehen und wo sie Verbesserungsbedarf haben." Die gesammelten Daten müssten aber im richtigen Kontext und "sehr vorsichtig" analysiert werden. Von der Veröffentlichung der detaillierten Ergebnisse der einzelnen Schulen hält der Sektionschef nichts, denn "dadurch entsteht ein unnötiger Konkurrenzkampf, der kont-raproduktiv ist und nicht die Rahmenbedingungen bei der Beurteilung miteinbezieht", so seine Befürchtung.

 

Für das Jahr 2015 sind die Bildungsstandards in der vierten Klasse Volksschule und die "Pisa"-Testung im Bereich der Mathematik vorgesehen, gab Nekula einen Ausblick auf das kommende Jahr. Eine grassierende "Testeritis", wie sie von einzelnen Enquete-Teilnehmern kritisiert wurde, ortet der Sektionschef deshalb nicht.

 

Einen kritischen Blick auf die Bildungstests warf der Essayist und Schriftsteller Egyd Gstättner: "Ich bin für Rechnen in Mathematikschularbeiten und dagegen, dass ein Deutschprofessor vor lauter Vergleichbarkeit und Standardisierung völlig identische Deutschmaturaarbeiten absammelt." Gstättner forderte mehr Individualität und eigenständiges Denken in den Schulkassen.

 

Für die vielen Eltern sprach Sieglinde Guserl, langjährige Elternvertreterin und Expertin des KFÖ: "Nach dem 'teaching for the test' und erfolgter Testung findet nach der Veröffentlichung der Ergebnisse die große mediale Empörung statt, gefolgt von gegenseitigen Schuldzuweisungen, um dann wieder in den alten Trott zurückzufallen." Guserl forderte einen sparsameren Umgang mit Testungen und die dadurch frei werdenden Geldmittel den Schülern zu Gute kommen zu lassen.

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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