Freitag, 24. Oktober 2014

2014.10.24.: Newsletter Bildung

Die Presse – 24. Oktober 2014

Politische Bildung als Roulette: Lehrer ohne Zeit und Ausbildung

 

Studie. Die meisten Lehrer halten das Unterrichtsprinzip Politische Bildung für wichtig. Bei der Unterrichtsgestaltung verlassen sie sich sehr oft auf ihre eigenen Ideen.

 

   Wien. Politische Bildung ist in Österreich ein Unterrichtsprinzip. Es sollte also in allen Schulstufen und Schultypen berücksichtigt werden und wie ein roter Faden durch alle Fächer laufen. Doch ob Politische Bildung tatsächlich vermittelt wird, ist ein Glücksspiel, wie eine gestern, Donnerstag, präsentierten Sora-Studie im Auftrag der Pädagogischen Hochschule Wien und der Arbeiterkammer zeigt. Demnach hat mehr als die Hälfte der Lehrer in Wien nach eigenen Angaben keine Zeit für Politische Bildung.

 

   An der Erhebung haben insgesamt 476 Lehrer teilgenommen, davon 201 Volksschulpädagogen und 275 Lehrer der Hauptschulen, Neuen Mittelschulen und AHS-Unterstufe (Sekundarstufe I).

 

   Die nötige Ausbildung fehlt

 

   Über 80 Prozent der befragten Lehrer messen der Politischen Bildung in der Schule große Bedeutung zu. Dabei nehmen sie sich selbst in die Verantwortung, was die Vermittlung betrifft: In der Volksschule sehen sich 55 Prozent der Lehrer als selbst für die Politische Bildung ihrer Schüler verantwortlich. In der Mittelstufe nimmt dies allerdings ab, hier sind nur noch 49 Prozent der Lehrer der Meinung, dass sie diese Aufgabe erfüllen müssen.

 

   Ein Drittel der Pädagogen gab allerdings an, dass ihnen die Ausbildung im Bereich Politischer Bildung fehlt. Dementsprechend äußerten die Befragten den Wunsch nach mehr Unterrichtszeit für Politische Bildung und mehr Fort- und Weiterbildung. Doch obwohl es in der Lehrerfortbildung Angebote gibt, hat nur ein kleiner Bruchteil der befragten Lehrer diese auch genutzt.

 

   Und wie wird Politische Bildung tatsächlich unterrichtet? Ein wesentlicher Befund der Studie ist, dass sie nicht wie andere Unterrichtsgegenstände entsprechend den Lehrplänen abgehandelt wird. An die Stelle der Fachdidaktik rückt eine subjektive Umsetzung, die stark vom einzelnen Lehrer abhängt. Mehr als die Hälfte der Pädagogen in der Sekundarstufe I verlassen sich bei der Vorbereitung des Unterrichts vor allem auf eigene Ideen bzw. selbst gestaltetes Material. Etwas weniger als die Hälfte setzt auf Medien wie Zeitungen, Zeitschriften und Fernsehen, und nur ein Drittel verwendet anerkannte Schulbücher.

 

   Angst vor Parteiwerbung

 

   Bei den Inhalten, die die Lehrer vermitteln wollen, kristallisierten sich folgende Schwerpunkte heraus: Konfliktlösung, kritisches und unabhängiges Denken sowie die Fähigkeit, eine eigene Meinung zu vertreten. Auch die Erziehung zu Toleranz und Gerechtigkeit hat einen hohen Stellenwert. Umgekehrt gelingt es den Lehrern nur mäßig, die Mitgestaltung und Mitbestimmung des Unterrichts durch die Schüler zu fördern und schuldemokratische Prozesse zu begleiten.

 

   Ein Teil der Lehrer setzt das Unterrichtsprinzip ambitioniert um: Sogar in der Volksschule gibt jeder dritte Befragte an, Politische Bildung häufig zu unterrichten. Weitere zwei Fünftel tun das manchmal. Auch Ängste gibt es im Unterricht: 17 Prozent der Volksschullehrer befürchten, dass es unmöglich sei, politische Bildung objektiv zu gestalten, ein Viertel hält sie für zu kompliziert und jeweils etwas mehr als ein Drittel hält die Kinder für zu jung bzw. hat Angst, dass es als Parteiwerbung in der Schule genützt werden könnte.

 

   Unmittelbar im Anschluss an die Präsentation der Studie wurden am Donnerstag erneut Rufe nach der Einführung eines eigenen Unterrichtsfachs Politische Bildung laut. Die Arbeiterkammer fordert die rasche Umsetzung der im Regierungsprogramm angekündigten Pflichtmodule. Langfristig brauche es auch ein eigenes Schulfach. Im Vorjahr forderte dies bereits ein Bündnis von insgesamt 34 Jugend-und Schülerorganisationen. (rovi)

 

 

 

 

Der Standard – 24. Oktober 2014

Umfrage: Lehrer haben zu wenig Zeit für politische Bildung

 

   Wien – Neben dem umfangreichen Lehrplan bleibt keine Zeit für politische Bildung. Das sagen mehr als die Hälfte der Wiener Lehrer an Volksschulen, Neuen Mittelschulen und der Unterstufe von Gymnasien in einer Studie des Sora-Instituts im Auftrag der Wiener Arbeiterkammer (AK) und der Pädagogischen Hochschule Wien.

 

   Derzeit gilt politische Bildung als „Unterrichtsprinzip“, das in allen Fächern gelehrt werden soll. Im Lehrplan werden umfangreiche Kompetenzen, die vermittelt werden sollen, aufgelistet. Studienautorin Elke Larcher sieht im Gespräch mit dem Standard eine Diskrepanz zwischen den umfangreichen Anforderungen, die an die Lehrer gestellt werden und dem, was sie leisten können. „Sie brauchen eine Präzisierung dessen, was sie jedenfalls an politischer Bildung weitergeben sollen.“ Derzeit komme etwa die Vermittlung von Möglichkeiten der Partizipation viel zu kurz.

 

   Die AK Wien fordert die Umsetzung des Pflichtmoduls „Politische Bildung“ für die gesamte Mittelstufe im Fach Geschichte, wie es im Regierungsprogramm vorgesehen ist. Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) kündigte am Donnerstag im Parlament an, das Pflichtmodul im kommenden Jahr einführen zu wollen. (koli)

 

 

 

 

Die Presse – 24. Oktober 2014

Das Schulbudget hängt in der Luft

 

   Finanzprobleme. Ministerin Heinisch-Hosek will nun Mietenzahlung sogar bis 2016 aufschieben. Verunsicherung um die Lehrergehälter bleibt trotz der Zahlungszusagen der SPÖ-Ressortchefin.

 

   Wien/Brüssel. Nun jagt eine schlechte Nachricht über die prekäre Lage der Staatsfinanzen schon fast täglich die nächste. Wie angespannt die Situation im Bildungswesen ist, offenbarte sich am Donnerstag im Nationalrat deutlich. Dort kündigte Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) im Rahmen der Fragestunde erstmals an, sie wolle erreichen, dass die Stundung, also der Aufschub der Mietzahlungen für Schulgebäude, gleich bis zum ersten Quartal 2016 erfolgt. Damit will sie sich über die Tatsache hinwegretten, dass, wie berichtet, ein Loch von 100 Millionen Euro im Acht-Milliarden-Bildungsbudget klafft.

 

   Im Unterrichtsbudget zeigt sich damit immer deutlicher, dass kein Geld mehr da ist, auch wenn das Ministerium die Finanzlücke von 145 auf 100 Millionen Euro verkleinert hat. Bei einem Zahlungsaufschub muss allerdings die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) mitspielen, mit der die Verhandlungen erst geführt werden. Heinisch-Hosek begründete ihren Wunsch nach einem Aussetzen der Begleichung der Mieten damit, dass sie das heuer bereits im Mai für 2015 beschlossene Budget nicht aufschnüren möchte.

 

   Tatsache ist allerdings, dass das Schulbudget auch deswegen völlig in der Luft hängt, weil die Ministerin erst die Gespräche der neuen Bund-Länder-Reformkommission zum Schulwesen und deren Ergebnisse abwartet. Diese nimmt erst Mitte November ihre Arbeit auf. Für 14. November ist auch die nächste Sitzung der Arbeitsgruppe geplant, die bis Ende 2014 Einsparungen in der Verwaltung sucht.

 

   Die Unterrichtsministerin heizte die Mutmaßungen, dass die budgetäre Lage noch weit schwieriger als bisher publik geworden ist, selbst weiter an. Zwar bekräftigte sie im Parlament, die Auszahlung der Lehrergehälter sei gesichert. Allerdings drückte sie sich um eine eindeutige Antwort auf die Frage des grünen Abgeordneten Harald Walser herum, der wissen wollte, ob es stimme, dass für die Erhöhung der Lehrergehälter 2015 budgetär nicht vorgesorgt sei. Die Gehaltserhöhung für den öffentlichen Dienst ist seit Jänner dieses Jahres bereits fix, sie liegt auch für die Lehrer um 0,1 Prozent über der Teuerungsrate. Heinisch-Hosek bezog sich in ihrer Antwort allerdings auf das Jahr 2016 und meinte ausweichend, dass über dieses Budget noch gar nicht verhandelt worden sei, was formal stimmt.

 

   Rätsel um Neue Mittelschule

 

   Für neue Ungewissheit sorgt, dass die SPÖ-ÖVP-Regierung frühestens im Jänner 2015 entscheiden wird, wie es mit der Neuen Mittelschule weitergeht. Zuvor wird eine Evaluierung über vier Jahre dieser 2008 eingeführten und von der SPÖ als Schritt in Richtung Gesamtschule vorangetriebenen Schulform vorgenommen. Vorerst gibt es 1072 Standorte, der flächendeckende Ausbau in Österreich ist von der Koalition bereits beschlossen.

 

   Der Rechnungshof hat allerdings bereits herbe Kritik geübt. Demnach treibt der verstärkte Einsatz von Lehrern in der Neuen Mittelschule, der vom Bund abgegolten wird, die Kosten in die Höhe. Die ÖVP hat sich offen gelassen, wie es mit diesem Schulzweig weitergeht. Heinisch-Hosek reagierte im Hohen Haus ungehalten auf ein Nachbohren der FPÖ. Sie wandte sich strikt gegen "Vorverurteilungen" der Neuen Mittelschule.

 

   Staatsschulden sind gestiegen

 

   Von der EU kam am Donnerstag praktisch zeitgleich die Meldung, dass Österreichs Staatsschulden im zweiten Quartal 2014 gegenüber den ersten drei Monaten dieses Jahres von 81,3 auf 82,6 Prozent gestiegen sind. In der gesamten Eurozone ging der öffentliche Schuldenstand in diesem Zeitraum laut jüngsten Daten von Eurostat von 91,9 auf 92,7 Prozent nach oben. In der EU erhöhte sich die Quote von 85,1 auf 87,0 Prozent, wobei allerdings nicht alle Einzelergebnisse sämtlicher EU-Staaten vorlagen.

 

   Nach wie vor am höchsten liegt Griechenland, doch wurden keine genauen Daten ausgewiesen. Italiens Staatsschuld stieg von 130,7 auf 133,8 Prozent. Frankreich, das auch mit einem steigenden Budgetdefizit zu kämpfen hat, musste ebenfalls eine Erhöhung seiner Staatsschuld von 94,1 auf 95,2 Prozent hinnehmen.

 

Staatsschulden

Höchststand. Österreichs Staatsschulden sind im zweiten Quartal...

 

   Höchststand. Österreichs Staatsschulden sind im zweiten Quartal 2014 auf 82,6 Prozent der Wirtschaftsleistung gestiegen, im ersten Quartal waren es 81,3 Prozent. Zum Vergleich: In der EU lag der Schuldenstand laut Daten von Eurostat heuer im Juni bei 87,0 Prozent (gegenüber 85,1 Prozent im ersten Quartal dieses Jahres).

 

 

 

 

Kleine Zeitung – 24. Oktober 2014

Ministerin gab den Einsprüchen statt

 

Unterrichtsministerin entschied sich für Ingrid Köck als Direktorin am Mürzer BRG.

 

   MÜRZZUSCHLAG/WIEN. In der gestrigen Fragestunde des Parlaments gab Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek bekannt, dass sie bei der Direktorenbestellung am BRG Mürzzuschlag für die kandidierende Frau ist. Und das ist Ingrid Köck, langjährige Lehrerin und Administratorin an der Schule (wir berichteten). In einem zweiten steirischen Fall hat sie ebenso entschieden. In beiden Fällen wurden ursprünglich Männer zu Schulleitern ernannt, die Frauen erhoben Einspruch bei der Gleichbehandlungskommission.

 

   Die steirische SPÖ-Nationalratsabgeordnete und Bildungssprecherin Elisabeth Grossmann betont dazu, dass die Entscheidung im Parlament mit viel Applaus begrüßt worden ist. Grossmann: „Ein Schritt in Richtung Objektivierung. Außerdem sind Frauen meist nicht so gut politisch vernetzt wie Männer.“

 

   Die Praxis, dass einer der Bewerber interimistisch als Schulleiter tätig ist, hält Grossmann für schlecht: „Das ist eine Wettbewerbsverzerrung und ein Präjudiz, weil sich ein Kandidat oft jahrelang an der Schule profilieren kann.“ Ihr wäre es lieber, der älteste Lehrer oder die älteste Lehrerin führe interimistisch die Schule. FRANZ POTOTSCHNIG

 

 

 

 

ORF.at – 24. Oktober 2014

IS-Drohungen: Psychologen betreuen Schüler

 

Ein 16-jähriger Wiener, der in Syrien für die IS kämpfen soll, hat SMS an seine Ex-Mitschüler geschickt. Darin droht er ihnen mit dem „Abschlachten“. Psychologen und Polizeibeamte betreuen nun die Betroffenen in einer Berufsschule in Meidling.

 

„Unsere Schülerinnen und Schüler sind nervös, weil ihnen in SMS aber auch in einem Video unter anderem mit dem Abschlachten gedroht worden ist“, sagt Erich Macho, Direktor der Berufsschule Längenfeldgasse in Meidling.

 

Seitdem bekannt ist, dass sich ein ehemaliger Mitschüler in Syrien der Terrormilitz Islamischen Staat angeschlossen hat und in einem Dschihadisten-Video zu sehen ist, werden sie von Schulpsychologen in regelmäßigen Abständen betreut. "Die Psychologen sind gut geschult und sprechen nicht nur vor der Klasse, sondern auch einzeln mit den Schülerinnen und Schülern“, so Macho. „Dabei geht es vor allem um Konflikt- und Krisenbewältigung.“

 

Polizei schult Präventionsbeamte

 

Auch seitens der Polizei sollen künftig Programme gegen Extremismus an Schulen gestartet werden. „Doch vorher müssen unsere Präventionsbeamten noch entsprechend ausgebildet werden“, so Polizeisprecher Johann Golob. „Bis dahin sind in erster Linie Schulpsychologen gefragt, wenn Ängste entstehen. Sobald es in Richtung Strafhandlung geht, ist sowieso die Polizei gefordert.“

 

In der betroffenen Berufsschule in Meidling werden jedoch schon bald Gewaltpräventionskurse von Polizeibeamten abgehalten. „Es ist uns zusätzlich auch wichtig, die Lehrerinnen und Lehrer als Multiplikatoren zu erreichen. Es ist entscheidend, dass sie sensibilisiert sind und extremistische Vorfälle schnell melden bzw. auch die Eltern rasch vorladen“, so Golob.

 

Lehrpersonal wird „sensibilisiert“

 

Unterstützt wird das Lehrpersonal zusätzlich über das Netzwerk zur Deradikalisierung der Stadt Wien. Seit dem Frühjahr arbeitet eine Steuerungsgruppe an dem Aufbau des Netzwerkes, beteiligt sind unter anderem die Magistratsabteilungen 17 (Integration), 11 (Familie), 13 (Jugend) sowie der Wiener Stadtschulrat.

 

Als Koordinationsstelle dient die Wiener Kinder- und Jugendanwaltschaft. Ziel des Netzwerks sei es auch, anonym zu erfassen, wie viele Jugendliche betroffen sind. Nicht zuletzt deshalb wird derzeit die Studie „Ursachenforschung der abwertenden Identitätsbildung“ durchgeführt, deren Ergebnisse im März 2015 vorliegen sollen.

 

 

 

 

 

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