Montag, 3. November 2014

2014.11.03.: Newsletter Bildung

Kronen Zeitung – 3. November 2014

 

Reformitis oder Stillstand? (22.25 Uhr, ATV)

 

Dauerbaustelle

 

   Ministerin Heinisch-Hosek im Gespräch mit Martin Thür.

 

   Martin Thür beleuchtet heute in "Klartext" (22.25, ATV) die "Dauerbaustelle Bildung" und fragt dazu bei der zuständigen Ministerin Gabriele Heinisch-Hosek nach. Zu Wort kommen auch Bildungswissenschafter Erich Ribolits sowie Lehrergewerkschafter Paul Kimberger, der über seine Sicht auf Gesamtschule, Neue Mittelschule & Co. berichtet.

 

 

 

 

Kronen Zeitung – 1. November 2014

 

Pflichtschullehrer starten Kampagne Forderungskatalog

 

Baustelle Bildung: Schulreform ist wieder ins Stocken geraten

 

Wien. - Ruhig ist es geworden um die Schulreform, die SPÖ und ÖVP so groß angekündigt hatten. Das Vorhaben ist wieder einmal ins Stocken geraten und beschränkt sich auf Lippenbekenntnisse. Die Pflichtschullehrer fordern nun bessere Arbeitsbedingungen.

 

    Die Pflichtschullehrer fordern nun endlich Reformen.

 

   Ein Bildungsgipfel mit den Ländern Anfang Oktober brachte keine konkreten Ergebnisse, und auch von der "Bildungs-Task-Force", die ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner nach seiner Übernahme des Parteivorsitzes ins Leben gerufen hatte, ist seither nicht viel zu hören. Das Sechs-Punkte-Programm, das bei der Regierungsklausur in Schladming beschlossen worden war, brachte ebenfalls nichts Neues. Die Reform droht wieder einmal zu versanden.

 

   Die Gewerkschaft der Pflichtschullehrer hat nun eine neue Kampagne gestartet und fordert Teamteaching zumindest in den ersten beiden Volksschuljahren sowie bessere Arbeitsbedingungen. "Was in der Volksschule nicht geschafft wird, ist später nur sehr schwer - verbunden mit einem wesentlich größeren Aufwand und höheren Kosten - auszubügeln. Und oft gar nicht möglich", sagt Lehrervertreter Thomas Bulant.

 

   Er kritisiert, dass es in Volksschulen keine professionelle administrative Hilfe gibt. "Der Direktor muss alles selbst machen, vom Aufpassen auf das Telefon bis zum Wechseln der Druckerpatronen", so Bulant.

 

 

 

 

Profil – 3. November 2014

 

Die Gefahr einer Schul-Monokultur

 

   Der schwierige Kampf einer Kärntner Gemeinde um eine gymnasiale Unter-stufe neben der "Neuen Mittelschule"

 

   Eine Diskussion über Ursachen und Folgen der NS-Zeit hat mich an das Gymnasium Hermagor geführt - jenes Gymnasium, in das ich wohl gegangen wäre, wenn ich nach dem Krieg im nahen Kötschach-Mauthen geblieben wäre, wohin die NS-Zeit mich verschlagen hatte. Ich habe zu meiner Freude festgestellt, dass ich eine besonders gute Schule besucht hätte - engagiert und weltoffen.

 

   Nur dass sie leider bloß aus einer Oberstufe besteht.

 

   Eine Unterstufe wird ihr seit Jahren nicht bewilligt, obwohl die Eltern der näheren Umgebung sich schon mehrmals zu gemeinsamen Aktionen zusammengetan haben; und obwohl soeben in nur zwei Wochen wieder 1500 Unterschriften dafür gesammelt wurden. Denn es gibt in Hermagor eine "Neue Mittelschule", von der man in die Oberstufe des Gymnasiums übertreten kann - und nach Ansicht der SPÖ auch soll. Erstens aus ideologischen Gründen, zweitens, weil eine zusätzliche gymnasiale Unterstufe, so leicht sie sich einrichten ließe, nicht kostenlos wäre - denn Österreich muss sparen. Ich halte dieses Sparen im Schulbereich bekanntlich für schwachsinnig, aber im konkreten Fall möchte ich auch die Ideologie infrage stellen: Ich bezweifle, dass die NMS in ihrer aktuellen Ausformung das Niveau einer gymnasialen Unterstufe erreicht.

 

   Dieser Zweifel liegt auch den 1500 Unterschriften zugrunde. In den Worten zweier Väter, mit denen ich mich unterhalten habe: "Wir wissen doch, was wir selbst in Mathematik in diesem Alter konnten. Das können unsere Kinder in der NMS nicht entfernt, obwohl die Lehrer ihr Bestes tun." Die so reden, sind nicht Freiheitliche oder Schwarze, sondern brave Rote. Sie begehren auch nicht wirklich gegen die Parteilinie auf - "für manche Kinder ist die NMS wahrscheinlich das Beste" -, sondern wollen nur "freie Wahl": "Eltern in Villach können zwischen NMS und gymnasialer Unterstufe wählen - wir nicht. Unsere Kinder müssten um fünf Uhr aufstehen, um ins nächste Gymnasium zu kommen. Das ist unfair." Manche Kinder stehen dennoch auf - als Vorstufe zur Abwanderung.

 

   Nach ziemlich vielen Gesprächen mit ziemlich vielen NMS-Lehrern (die charakteristischerweise so wenig wie die kritischen Eltern genannt werden wollen) möchte ich einen von ihnen mit einer allen gemeinsamen Sorge zitieren: "Ich habe in meiner Klasse alles - von potenziellen Sonderschülern bis zu Hochbegabten. Es ist einfach unmöglich, die gemeinsam zu unterrichten. Die Schwachen verstehen nicht, was ich sage, und langweilen sich - die Guten haben es längst verstanden und langweilen sich auch. Das wird nicht besser, wenn ein zweiter Lehrer dabei ist: Spricht er leise, verstehen ihn nur zwei, drei Kinder, spricht er laut, so stören wir uns gegenseitig." Ich füge an, dass der zweite Lehrer oft nicht einmal vom selben Fach ist, weil es zum Beispiel nicht genug Mathematiklehrer gibt.

 

   Die "alte Hauptschule" war diesbezüglich in meinen Augen das progressivere Modell, indem sie wie die teure, internationale Gesamtschule meines jüngsten Sohnes funktionierte: Es gab drei Leistungsgruppen, und Schüler konnten durchaus in Sprachen in der ersten, in Mathematik aber in der letzten Gruppe sein sowie von einer Gruppe in die nächste auf- oder absteigen. Die erste Leistungsgruppe erreichte durchwegs AHS-Niveau.

 

   Ich will nicht vorweg bezweifeln, dass auch viele Kinder der NMS dieses Niveau erreichen, aber ich befürchte, dass sie es schwerer erreichen werden: Einer extrem inhomogenen Schülergruppe eine anspruchsvolle Materie beizubringen, trifft zwingend auf die Schwierigkeiten, die der angeführte Lehrer mir beschrieben hat. (Erste diesbezügliche Untersuchungen haben das zwar gegeben, aber sie blieben unveröffentlicht.)

 

   Zur grünen Linken hält man meiner Befürchtung das Beispiel Finnlands entgegen, wo auch alle Schüler bis 14 Jahre in einer Klasse sitzen. Aber man vergisst zweierlei: In Finnland kommen nur 14 Schüler auf einen Lehrer, und es gibt viel weniger Kinder mit Migrationshintergrund. Deshalb hinkt der Vergleich. Doch nachdem Unterrichtsministerin Claudia Schmied genügend Zeitungen genügend lang mit Inseraten gefüttert hatte, um in redaktionellen Beiträgen die Vorzüge der NMS ohne kritische Einwände vorzutragen, genießt diese Schulform sogar bei fortschrittlichen VP-Funktionären uneingeschränktes Vertrauen.

 

   Auch ich sehe in ihrer Bereitschaft, die NMS zu akzeptieren, einen großen Fortschritt, weil damit endlich ein ideologiefreier Wettbewerb möglich geworden ist - nur dass es meines Erachtens ein Wettbewerb bleiben muss: Die Eltern müssen die freie Wahl zwischen NMS und gymnasialer Unterstufe haben.

 

   Vielleicht verstehen das zumindest die Grünen, die im Landbau zu Recht vor "Monokulturen" warnen: Wenn bei einer Monokultur etwas schiefgeht - etwa ein resistenter Schädling auftritt -, ist nämlich alles verloren. Das sollte man auch bei Schulen für möglich halten: Wenn man die NMS wirklich flächendeckend zur einzigen Schulform macht und dabei etwas schiefgeht, können wir durchaus hinter das aktuelle PISA-Niveau zurückfallen.

 

 

 

 

Oberösterreichische Nachrichten – 3. November 2014

 

Heinisch-Hosek: Sexualkunde in der Volksschule

 

   WIEN. "Die Sexualpädagogik kann meiner Auffassung nach nicht früh genug beginnen": Mit diesen Worten wirbt Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SP) nun für einen früheren Beginn der Sexualkunde.

 

   Konkret will sie Sexualunterricht in der Volksschule als Unterrichtsprinzip verankern, im Kindergarten soll ein "passiver Zugang" herrschen: Auf Fragen der Kinder sollen Pädagogen "antworten können", so Heinisch-Hosek. Sie will nun den in den 90er Jahren ergangenen Erlass zur Sexualerziehung erneuern.

 

   Die Bevölkerung sieht Heinisch-Hosek auf ihrer Seite: In der Umfrage zum aktuellen Frauenbarometer, der im Auftrag der Ministerin erstellt wird, sprachen sich freilich nur zwölf Prozent für einen Beginn der Sexualerziehung bereits im Kindergarten aus.

 

   Rund ein Drittel der Befragten sprach sich für Sexualunterricht in der Volksschule aus, 41 Prozent plädieren für einen Beginn mit dem zehnten Lebensjahr.

 

   Bevölkerung gespalten

 

   Bei der Frage, ob Aufklärung überhaupt Sache der Schulen sein soll, ergab die Umfrage allerdings kein eindeutiges Bild: 47 Prozent gaben an, dass dies Aufgabe der Bildungseinrichtungen sei, 51 Prozent sehen in dieser Frage das Elternhaus gefordert. Die FPÖ lehnt Änderungen im Sexualkundeunterricht ab.

 

   Für den Frauenbarometer werden vom Institut meinungsraum.at vier Mal pro Jahr 1000 Frauen und Männer im Alter von 15 bis 69 Jahren zu verschiedenen Themen befragt.

 

 

 

 

 

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