Mittwoch, 5. November 2014

2014.11.05.: APA Bildung

APA – 4. November 2014

 

Heinisch-Hosek: Vorbereitungen für Reifeprüfung laufen auf Hochtouren

 

Utl.: Bildungsministerin informiert über Maßnahmen für Reifeprüfung 2015

 

Bildungsministerin Heinisch-Hosek hat heute im Unterrichtsausschuss über den "Bericht zur Entwicklung der standardisierten schriftlichen Reife- und Diplomprüfung" 2013 informiert, der zum fünften Mal verfasst wurde. Demnach fanden zum Haupttermin 2013 Schulversuche an 308 AHS (Fremdsprachen, Deutsch) und 70 BHS statt (Deutsch, angewandte Mathematik, Englisch). Rund 12.000 Schüler/innen haben sich in einem oder mehreren der genannten Fächer der verbindlichen Prüfung unterzogen.

 

Die Bildungsministerin informierte die Mitglieder des Unterrichtsausschusses auch über die umfassenden Vorbereitungsmaßnahmen für die Reifeprüfung, die 2015 an den AHS flächendeckend, an den BHS an 94 Standorten als Schulversuch umgesetzt wird.

 

"Das BMBF hat aus den Geschehnissen von 2014 gelernt und hat deshalb bereits umfassende Vorbereitungen gesetzt, um Schulen bestmöglich auf die neue Matura vorzubereiten", erklärt Bildungsministerin Heinisch-Hosek. Das BMBF habe bereits rund 1.200 Anfragen zu diesem Thema beantwortet, über 120 Lehrer/innenfortbildungsveranstaltungen und über 50 Workshops wurde bereits an den Schulen durchgeführt.

 

"Erstmals laden wir alle Schulleiter/innen aller berufsbildenden und allgemeinbildenden Schulen zu einer eigenen Konferenz ein. Dabei sollen Fragen zur Durchführung der Reifeprüfung beantwortet und umfassend über Neuerungen im Regelbetrieb informieren werden," erklärt Heinisch-Hosek und verweist auf die Konferenzen Ende November. Um die Schulen bis zur Matura auch weiterhin kontinuierlich zu begleiten, stellt das BMBF Unterstützung bei Bedarf zur Verfügung. Für eine bessere Informationspolitik werde es außerdem einen Newsletter geben, der die Schulleiter/innen schnell und unkompliziert informiert.

 

Weiters wird ein "Partnerschulkonzept" umgesetzt: Schulen, die bereits Erfahrungen mit Schul-versuchen zu neuen Reifeprüfung gesammelt haben, werden mit Standorten, die hier weniger Erfahrung haben, zusammengeschlossen, um ihre Erfahrungen und lokal erstellten Unterlagen auszutauschen. Die Schulaufsicht wird diesen Prozess koordinieren.

 

"Mit der Überarbeitung der Korrektur- und Beurteilungsanleitungen schaffen wir mehr Transparenz und Klarheit bei der konkreten Beurteilung", so die Ministerin weiter. Für einen reibungslosen Ablauf wurde außerdem die Erstellungs- und Auslieferungslogistik der Prüfungsaufgaben vom TÜV untersucht und als sicher eingestuft. In Zukunft wird es möglich sein, die Vollständigkeit der Aufgaben an den Schulen vor dem Einsatz zu überprüfen und eventuell fehlende Unterlagen nachzufordern.

 

"Die Vorbereitungen für die Reifeprüfung laufen auf Hochtouren. Die Schulpartner/innen und die Schüler/innenvertretung werden wie die Schulleiter/innen laufend eingebunden, um sie bestmöglich auf nächstes Jahr vorzubereiten", so Heinisch-Hosek abschließend.

 

Rückfragehinweis:

Bundesministerium für Bildung und Frauen

Dr.in Julia Valsky

Pressesprecherin

Tel.: +43-1-53120-5025

julia.valsky@bmbf.gv.at

 

 

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APA – 4. November 2014

 

Heinisch-Hosek: Keine Angst vor der Zentralmatura

 

Utl.: Unterrichtsausschuss debattiert Anlaufschwierigkeiten der standardisierten Reifeprüfung

 

Unzulänglichkeiten habe es zwar bei den heurigen Schulversuchen zur standardisierten Reifeprüfung gegeben. Sofort sei aber vom Ministerium mit einer Taskforce darauf reagiert und gemeinsam mit den Schulpartnergremien die notwendige Problembehebung angegangen worden, so Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek heute im Unterrichtsausschuss des Nationalrats. Auf Zweifel seitens der Opposition, ob denn mit dem Bildungsforschungsinstitut BIFIE als Organisator der Zentralmatura ein reibungsloser Ablauf gewährleistet ist, antwortete die Ministerin, die zukünftige Aufgabenstruktur des BIFIE kläre eine Reformarbeitsgruppe bis Jahresende.

 

Diskussionsgrundlage im Ausschuss war der BIFIE-Bericht über die Schulversuche im Vorjahr, mit denen die Schulen auf die standardisierte Reife- und Diplomprüfung vorbereitet wurden. In Allgemeinbildenden höheren Schulen (AHS) findet die sogenannte Zentralmatura dieses Schuljahr statt, an Berufsbildenden höheren Schulen (BHS) 2015/16. Wiewohl der Bericht vom Ausschuss mehrheitlich angenommen wurde, befeuerte er doch eine intensive Debatte über die Organisation und den Ablauf der neuen Reifeprüfung. Von der Zahl der Vorbereitungsstunden für MaturakandidatInnen bis hin zur Ausgestaltung der Beurteilungsschlüssel waren noch viele Fragen für die Abgeordneten offen.

 

Die Anregung der Grünen, negative Klausurarbeiten bei der Reifeprüfung einer Zweitbegutachtung zu unterziehen, wurde wie ihr Antrag auf ein Maturafach Türkisch vertagt.

 

Ablauf der Reifeprüfung auf Fehler durchleuchtet

 

Eine tiefgreifende Umstellung bei der Matura bilde die neue Reifeprüfung, erklärte Bildungssprecherin Elisabeth Grossmann (S), da sei es natürlich, dass Ängste unter allen Beteiligten bestünden. Etwa, ob ausreichend Zeit zur Vorbereitung der SchülerInnen auf das neue Prüfformat gegeben ist, wie die Abgeordneten Asdin El Habbassi (V) und Julian Schmid (G) einwarfen. Befürchtung unter den Lehrkräften macht Robert Lugar (T) aus, da tatsächlich nur wenige LehrerInnen Rückmeldungen zu den Schulversuchen der Zentralmatura gegeben hätten. Ihr Ministerium arbeite mit allen SchulpartnerInnen permanent daran, sämtliche Unsicherheiten abzubauen, damit im nächsten Jahr ein reibungsloser Verlauf der Reifeprüfungen sichergestellt ist, replizierte Bildungsministerin Heinisch-Hosek.

 

Welche Prozess- und Arbeitsschritte bei den vorjährigen Feldtestungen und Schulversuchen zur Entwicklung der standardisierten kompetenzorientierten Reifeprüfung konkret vorgenommen wurden, erörterte der Ausschuss auf Grundlage eines Berichts des Bildungsforschungsinstituts BIFIE. Insgesamt habe sich im Großteil der Rückmeldungen von LehrerInnen und SchülerInnen Zufriedenheit mit Durchführung und Aufgabenstellungen gezeigt, geht aus dem Bericht hervor. Auch die begleitende Information durch das BIFIE wurde demnach seitens der Lehrkräfte gut aufgenommen, kritisiert worden sei jedoch die nicht immer als ausreichend empfundene Kommunikation von Änderungen im Zusammenhang mit den Prüfungen.

 

Deutlich nimmt das BIFIE im Bericht über die Zentralmatura auch zu den Vorfällen Stellung, die rund um die Schulversuche der standardisierten Reifeprüfung im heurigen Frühjahr und hinsichtlich Datensicherheit für Aufregung bei den Beteiligten sorgten. Um Organisationsfehler bei der standardisierten kompetenzorientierten Reifeprüfung zukünftig möglichst zu vermeiden, erläuterte Bundesministerin Heinisch-Hosek, habe sie eine eigene Taskforce mit VertreterInnen des Ministeriums und Mitgliedern des BIFIE eingerichtet. In Absprache mit SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern seien in diesem Gremium von der Logistik bei Aufgabenübermittlung bis zu den zeitlichen Rahmenbedingungen der Wiederholungsprüfungen mehrere Änderungen im Prüfungsablauf erarbeitet worden.

 

Verstärkt fänden zudem Informationsveranstaltungen mit allen Beteiligten sowie Fortbildungen für Lehrkräfte statt, die SchülerInnen würden nicht zuletzt durch die Bildungsstandards, in Kompetenz-Checks und Probeklausuren auf ihre Reifeprüfung vorbereitet. Ein Schulpartnerschaftsprogramm ermögliche außerdem einen Erfahrungsaustausch hinsichtlich Zentralmatura zwischen den Schulstandorten, berichtete Heinisch-Hosek. Zur Zukunft des Bildungsforschunsinstituts BIFIE, das mit der Abwicklung der Zentralmatura betraut ist, sagte sie, im Dezember erwarte ihr Ressort den Endbericht der zuständigen Reformarbeitsgruppe. In diesem Lenkungsausschuss seien WissenschafterInnen aus dem In- und Ausland mit der Ausarbeitung von Vorschlägen betraut, wie Struktur und Aufgabenbereich des Bildungsforschungsinstituts aussehen sollen.

 

Ihren Ausgangspunkt nahm die Debatte über Änderungen beim Bildungsforschungsinstitut in mehreren Bemerkungen seitens der Opposition. Das BIFIE lerne offenbar aus seinen Fehlern, resümierte Gerald Loacker (N) die Ausführungen der Ministerin, dennoch lasse die angekündigte Reform des Bildungsforschungsinstituts noch auf sich warten. Ebenso hinterfragte Wendelin Mölzer (F) den Stand der BIFIE- Reform und Harald Walser (G) meinte überhaupt, hoheitliche Aufgaben wie die Matura müssten vom Ministerium selbst in die Hand genommen werden.

 

Die Aufregung, die bei Schulversuchen im Frühjahr durch flexible Beurteilungsvorgaben ausgelöst wurde, nahm Grünen-Bildungssprecher Harald Walser zum Anlass, die Beurteilungsmethodik näher zu hinterfragen. Gerade bei den LehrerInnen würde eine Zweitbeurteilung von negativ bewerteten Klausuren durch eine andere Fachlehrkraft für mehr Sicherheit sorgen, fand er. Seinem Antrag (325/A[E]) dazu hielt Marianne Gusenbauer-Jäger (S) entgegen, dass sich ein Gesamtkonzept der Beurteilung in Vorbereitung befinde. Zur Benotung einer Reifeprüfung generell vermerkte Heinisch-Hosek, auch in Zukunft hätten die LehrerInnen die Gesamtleistung bei der Matura zu interpretieren. Als verlässliche Ausgangsbasis dafür böten die Beurteilungsschlüssel zur standardisierten Reifeprüfung klare Prozentzahlen. Den Antrag der Grünen kommentierte die Bildungsministerin zurückhaltend, immerhin stehe den SchülerInnen mit den Kompensationsprüfungen eine gute Möglichkeit zur Verbesserung offen. Auf Antrag der SPÖ wurde der gegenständliche Tagesordnungspunkt ebenso vertagt wie die Forderung von Alev Korun, Türkisch als zweite lebende Fremdsprache und als Maturafach an Österreichs höheren Schulen einzuführen (541/A[E]).

 

Sie halte einen solchen Schritt angesichts der vielen Jugendlichen mit Türkisch als Muttersprache für sinnvoll, begründete Alev Korun (G) die Initiative. Auch der enge wirtschaftliche Bezug zur Türkei spreche für die Förderung der Mehrsprachigkeit. Den Antrag wollten SPÖ und ÖVP deshalb nicht zur Abstimmung bringen, weil die Umsetzung der Forderung der Grünen eine Novelle des Lehrplans der AHS voraussetzt, wie Andrea Gessl-Ranftl (S) betonte. Auch Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek machte darauf aufmerksam, dass man zunächst den ersten Schritt setzen müsse, nämlich Türkisch als Studium anzubieten, und das wird ihrer Aussage zufolge wahrscheinlich ab dem Studienjahr 2015/16 der Fall sein. Den Bericht über die Zentralmatura nahmen alle Fraktionen bis auf die FPÖ schließlich zur Kenntnis. (Fortsetzung Unterrichtsausschuss) rei/jan

 

Rückfragehinweis:

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APA – 4. November 2014

 

Kostenfreies Nachholen von Bildungsabschlüssen wird verlängert

 

Utl.: Unterrichtsausschuss stimmt Ausweitung des Förderprogramms zur Basisbildung zu

 

Das Förderprogramm Erwachsenenbildung wird zwei weitere Jahre laufen. Die Verlängerung der entsprechenden Finanzierungsvereinbarung von Bund und Ländern wurde heute im Unterrichtsausschuss mehrheitlich genehmigt. Bis 2017 sollen ab nächstem Jahr 54,6 Mio. € bereitgestellt werden, um Jugendlichen ohne Pflichtschulabschluss bzw. gering qualifizierten Erwachsenen das Nachholen von Bildungsabschlüssen und die Teilnahme an Programmen zur Basisbildung kostenlos anzubieten.

 

Auf die Vertagung einigte sich die Ausschussmehrheit aus SPÖ und ÖVP bei mehreren Anträgen der Opposition. Konkret waren das Forderungen der Grünen nach Abschaffung von Sonderschulen und Landesschulräten, Politischer Bildung als Pflichtfach, sowie nach mehr Bewegungsangeboten im Schulalltag; NEOS-Vorschläge zur Fortbildung von LehrerInnen und zur SchuldirektorInnen-Bestellung; und die Anliegen der FPÖ, Schulsprengel aufzulösen sowie die Finanzierung von Pflichtschulen zu reformieren.

 

Nachholen der Pflichtschulbildung wird weiter finanziert

 

Nachholbedarf in Sachen Basisbildung gebe es ausreichend in Österreich, erschließt sich aus der Regierungsvorlage, der bis auf die Freiheitlichen alle Fraktionen zustimmten. Einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zufolge würden bis zu einer Million ÖsterreicherInnen zwischen 16 und 65 Jahren nicht über ausreichende Kompetenzen in Lesen, Schreiben und Rechnen verfügen. Eingebettet wird das Förderprogramm zum Erwerb von Grundkompetenzen in bundesweit einheitliche Qualitätsstandards, unter anderem für Anbieter und Inhalte der Bildungsmaßnahmen. Insgesamt hätten somit weitere 19.400 Personen die Möglichkeit, ihr Bildungsniveau zu erhöhen, begrüßte Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek die von Bund und Ländern getroffene Vereinbarung.

 

Eine zweite Chance eröffne sich damit für Personen jeden Alters, denen es an Schlüsselkompetenzen für den Eintritt in die Gesellschaft mangelt, lobten auch Elisabeth Grossmann und Erwin Preiner (beide S) die Initiative. Brigitte Jank (V) fügte an, nicht zuletzt verbesserten sich durch das Nachholen von Basisbildung die Jobchancen, denn ein fehlender Schulabschluss führe oft in die Arbeitslosigkeit. Ausschussvorsitzender Walter Rosenkranz warf allerdings kritisch ein, er erwarte sich bei den Bildungsmaßnahmen des Unterrichtsministeriums im Sinne der effizienteren Gestaltung verstärkte Zusammenarbeit mit dem Sozialressort. Konkret sah er Ungereimtheiten bei der Budgetsituation für das Programm, worauf Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek versicherte, vom Finanzminister seien die bis 2017 nötigen Mittel zugesagt. Daniela Holzinger (S) wies zudem darauf hin, dass Gelder aus dem Europäischen Sozialfonds zusätzlich in den Fördertopf flössen.

 

Harald Walser (G) und Gerald Loacker (N) befürworteten das Förderprogramm zwar grundsätzlich, werteten es jedoch letztlich als Beleg für ein Versagen im bestehenden Schulsystem. Dabei würden sich die Kosten für den Staat erhöhen, wenn schon PflichtschülerInnen die Grundkompetenzen im Lesen, Schreiben und Rechnen nicht ausreichend vermittelt werden. Speziell bei der Lesekompetenz brauche es mehr Förderung, gerade an den Volksschulen, spezifizierte Walser und fand dabei einen Unterstützer in Robert Lugar (T). Unzureichende Basisbildung bei SchülerInnen dürfe nicht den Schulen allein angelastet werden, hielt daraufhin Ministerin Heinisch-Hosek fest. Im Grunde sei es eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung, Kinder in einem bildungsfreundlichen Umfeld aufwachsen zulassen. Abgesehen davon, räumte sie ein, sehe sie tatsächlich in der frühen Trennung der SchülerInnen in ihrer Schullaufbahn nach der Volksschule ein Problem. Dadurch würden Bildungsnachteile im Elternhaus allzu häufig vererbt.

 

Oppositionsanträge zur Entpolitisierung und mehr Autonomie in der Warteschleife

 

In vielen Bereichen des Schulsystems orten FPÖ, Grüne und NEOS Veränderungsbedarf und legten dies in mehreren Entschließungsanträgen dar, die SPÖ und ÖVP aber alle vertagten. Zentrales Anliegen der Opposition ist die Schaffung entpolitisierter und möglichst autonom agierender Schulstandorte. Die Vertagung wurde vielfach mit dem Hinweis begründet, dass eine Bildungsreformkommission ein Gesamtpaket vorlegen soll. All diese Themen würden derzeit bereits auch in einer Arbeitsgruppe zwischen Bund und Ländern behandelt, sagte Ministerin Heinisch-Hosek, die es für falsch hielt, Einzelteile zum jetzigen Zeitpunkt herauszunehmen. Sie wolle kein Stückwerk, sondern ein großes Ganzes, hielt sie fest.

 

Der Grüne Bildungssprecher Harald Walser regt etwa an, die bestehenden Landesschulräte generell durch regionale Bildungsdirektionen zu ersetzen und diese zu entpolitisieren (590/A[E]). Auch soll nach Auffassung der Grünen das Amt der proporzmäßig bestellten VizepräsidentInnen der Landesschulräte und des Stadtschulrates Wien abgeschafft werden (592/A[E]).

 

Die Forderung der Grünen nach Entpolitisierung wurde von den anderen Oppositionsparteien unterstützt. Der Ausschussvorsitzende Walter Rosenkranz (F) wollte jedoch den Angriff Walsers hinsichtlich der Nominierung eines 21jährigen FPÖ-Kandidaten für den Posten des Vizepräsidenten des Wiener Stadtschulrates nicht hinnehmen. Für Rosenkranz geht es darum, das System der Landesschulräte anders und vor allem effizienter zu gestalten. Die Entscheidung des Wiener Bürgermeisters, den Posten nicht zu besetzen, hält er für einen Verfassungsbruch. Auf eine entsprechende Frage reagierte Heinisch- Hosek mit dem Hinweis, dass sie dem Landeshauptmann in diesem Fall keine Weisung erteilen könne.

 

Die Anträge der NEOS wiederum zielen auf mehr Schulautonomie und Stärkung der DirektorInnen ab. Funktionierende Schulautonomie brauche geeigneten DirektorInnen, gibt NEOS-Bildungssprecher Matthias Strolz in seinem Antrag (662/A(E)) zu bedenken. Er skizziert daher ein neues Verfahren zur Auswahl von SchuldirektorInnen, wobei neben einer hochwertigen Leitungsausbildung die objektive Ermittlung der besten Kandidatin bzw. des besten Kandidaten maßgeblicher Faktor sein muss. Zur Ankurbelung der Lehrerfortbildung rät Strolz, neben den Pädagogischen Hochschulen auch Universitäten und private Anbieter für die Fortbildung des Lehrpersonals zuzulassen (659/A(E)). Wichtig sei überdies, vermehrt die unterrichtsfreie Zeit für Fortbildungsmaßnahmen zu nutzen. Die Direktoren seien Manager und Gestalter der Schulen, sie sollen auch für die Auswahl der LehrerInnen sowie für deren Fortbildung verantwortlich sein, unterstrich Gerald Loacker (N) den Vorstoß seiner Fraktion. Dieser Antrag sei inhaltlich überholt, entgegnete ihm Erwin Preiner (S), denn was im Antrag gefordert werde, sei jetzt schon Realität. Die Ministerin wandte sich auch dagegen, die Schule als einen Betrieb beziehungsweise als ein Unternehmen zu betrachten.

 

Opposition für Abschaffung der Schulsprengel

 

FPÖ-Bildungssprecher Walter Rosenkranz und sein Parteikollege Gerald Hauser beziehen in einem Antrag erneut für die Auflösung der Schulsprengel Position (651/A(E)). Das stärke nicht nur die Wahlfreiheit der Eltern, in welche öffentliche Pflichtschule sie ihre Kinder schicken, auch einen qualitätssteigernden Wettbewerb zwischen den Schulen bewirke man damit, unterstützte Anneliese Kitzmüller (F)die Forderungen. Derzeit seien Eltern Bittsteller, wenn sie für ihr Kind den Schulsprengel wechseln wollen, warf Gerald Loacker von den NEOS ein. Grundsätzlich fand die Initiative auch bei den anderen Oppositionsparteien Zustimmung, sie wurde jedoch von SPÖ und ÖVP vertagt.

 

Außerdem macht sich die FPÖ für eine Reform der Finanzierung des Pflichtschulerhalts (652/A(E)). Die Gemeinden seien oftmals in ihrer Verantwortung für Errichtung, Erhaltung und Auflassung allgemein bildender Pflichtschulen finanziell überlastet.

 

Vollständige Inklusion versus Wahlfreiheit für die Eltern

 

Eine umfassendere Diskussion ergab sich zum Thema Inklusion. Nach Meinung der Grünen sollten die Sonderschulen der Vergangenheit angehören, sie sollen in Kompetenzzentren für inklusiven Unterricht umgewandelt werden (675/A(E)). Dort ließen sich die pädagogischen und schulischen Rahmenbedingungen nach den Bedürfnissen aller SchulpartnerInnen gestalten, erläuterte Abgeordnete Helene Jarmer (G). Das derzeitige Sonderschulsystem laufe der UN-Konvention für die Rechte von Menschen mit Behinderung zuwider, die Österreich 2008 ratifiziert hat. Als positives Beispiel nannte sie Südtirol, wo die Inklusion sehr gut funktioniere. Franz-Joseph Huainigg (V) erinnerte in diesem Zusammenhang an den Nationalen Aktionsplan der Bundesregieruing, wonach Modellregionen eingerichtet werden sollen. Er machte sich auch für die Wahlfreiheit der Eltern stark. Ebenso will Ausschussvorsitzender Walter Rosenkranz (F) die Wahlfreiheit der Eltern nicht antasten. Jedes Kind sei individuell, sagte er, deshalb sollten die Eltern entscheiden können. Damit konnte sich Harald Walser (G) nicht einverstanden erklären. In vielen Regionen hätten heute die Eltern keine Wahl, befand er, außerdem sei in der UN- Konvention das Recht des Kindes festgeschrieben, inklusiv unterrichtet zu werden.

 

"Ungeduldig" in der Frage der Inklusion zeigte sich auch Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek. In Tirol, der Steiermark und Kärnten würden in nächster Zeit Modellregionen eingerichtet, informierte sie, ihr Ziel sei es, bis 2020 schrittweise eine Annäherung an eine inklusive Gesellschaft zu erreichen. Es gehe darum, das Machbare anzudenken, so die Ministerin, die gleichzeitig unterstrich, dass Inklusion als gesellschaftspolitisches System gelebt werden müsse und nicht allein an der Schule hänge.

 

Mehr Bewegung in der Schule als Präventionsmaßnahme

 

Um mehr Bewegung in die Gespräche über verstärkten Turnunterricht an Schulen zu bringen, fordert Harald Walser (G) 2 Mio. € aus dem Bildungsbudget für das kommende Jahr. Schulen würden aus diesem Topf je bis zu 1000 € erhalten, wenn sie das Geld zweckgebunden für Bewegungsinitiativen einsetzen, die wiederum autonom gestaltbar sind (685/A(E)). Der zu Fuß zurückgelegte Schulweg, bewegter Unterricht oder Bewegungsspiele für den Pausenhof wären kostengünstige Alternativen zur täglichen Turnstunde, die sich aus Ressourcengründen häufig an den Schulstandorten nicht umsetzen lasse, so Walser. Sein Vorschlag würde die tägliche Bewegungseinheit sicherstellen und liege auch im Sinne der Schulautonomie, bekräftigte Walser im Ausschuss. Sein Vorschlag wurde auch von FPÖ-Bildungssprecher Walter Rosenkranz unterstützt. Manfred Hofinger (V) verwies in seinem Vertagungsantrag auf das 6-Punkte-Programm der Regierung, worin der täglichen Bewegung ein besonderer Schwerpunkt gewidmet sei, außerdem liege eine Gesetzesnovelle derzeit zur Begutachtung vor. Bundesministerin Gabriele Heinisch-Hosek stellte klar, dass die von der Regierung vorgesehenen 10 Mio. € für mehr Bewegung in der Schule ein Teil der 18 Mio. € darstellen, die ganztägigen Schulformen zur Verfügung stehen werden. "Wir öffnen auch die Türen für Vereine", sagte sie.

 

Politische Bildung darf keine parteipolitische Bildung sein

 

Als eine aus demokratiepolitischen Gründen gestellte "Uraltforderung" bezeichnete Harald Walser (G) schließlich seine Initiative, Politische Bildung als Pflichtfach ab der 7. Schulstufe in allen Schultypen vorzusehen (466/A(E)). Den derzeitigen Zustand der politischen Bildung hält er für besorgniserregend, denn es sei ein Glücksspiel, ob sich derzeit LehrerInnen mit diesem Thema auseinandersetzen. Walter Rosenkranz von der FPÖ warnte in diesem Zusammenhang vor Parteipolitik im Unterricht, wenn er auch prinzipiell für mehr politische Bildung eintrat. Die Abgeordneten Daniela Holzinger (S) und Asdin El Habbassi (V) bezeichneten die geplante Einführung von Pflichtmodulen als einen Schritt in die richtige Richtung. Die Etablierung der Politischen Bildung als Pflichtfach sei finanziell derzeit nicht machbar, gab Ministerin Heinisch-Hosek zu bedenken. Es sei aber im Rahmen von Schulversuchen bereits heute möglich, ein derartiges Pflichtfach zu führen, auch werde die Erweiterung der Schulautonomie dafür Wege öffnen. (Schluss) rei/jan

 

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APA – 4. November 2014

 

Kostenfreies Nachholen von Bildungsabschlüssen wird verlängert

 

Utl.: Beschluss im Unterrichtsausschuss - 54,6 Mio. Euro von 2015 bis 2017 vorgesehen

 

Das Förderprogramm Erwachsenenbildung wird zwei weitere Jahre laufen. Die Verlängerung der entsprechenden Finanzierungsvereinbarung von Bund und Ländern wurde am Dienstag im Unterrichtsausschuss mehrheitlich genehmigt, meldete die Parlamentskorrespondenz.

 

Bis 2017 sollen ab nächstem Jahr 54,6 Mio. Euro bereitgestellt werden, um Jugendlichen ohne Pflichtschulabschluss bzw. gering qualifizierten Erwachsenen das Nachholen von Bildungsabschlüssen und die Teilnahme an Programmen zur Basisbildung kostenlos anzubieten. Weitere 19.400 Personen hätten somit die Möglichkeit, ihr Bildungsniveau zu erhöhen, begrüßte Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) die Vereinbarung.

 

 

 

 

APA – 5. November 2014

 

Oö. Landesschulratspräsident Enzenhofer will Strafen in den Schulen

 

Utl.: Keine Prügel, aber beispielsweise Arbeit für die Gemeinschaft - Eltern und Pädagogen reagieren zurückhaltend

 

Der oberösterreichische Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer (ÖVP) hat sich für mehr "Interventionsmöglichkeiten" für Lehrer an Schulen ausgesprochen: "Ja, es soll an Schulen Strafen geben", sagte Enzenhofer laut Medienberichten als Vorsitzender des Christlichen Lehrervereins (CLV) vor dessen Generalversammlung am Mittwoch. Eltern und Pädagogen reagieren zurückhaltend.

 

Laut Schulunterrichtsgesetz sind Kollektivstrafen, körperliche Züchtigung und beleidigende Äußerungen seit den 1980er-Jahren verboten. Lehrer sind verpflichtet, "persönlichkeits- und gemeinschaftsbildende Erziehungsmittel" anzuwenden. Das Gesetz nennt Anerkennung, Aufforderung und Zurechtweisung. Wenn Schüler durch ihr Verhalten Lernziele nicht erreichen, können sie die Lehrer auffordern, diese zuhause nachzuholen.

 

Enzenhofer stellte gegenüber dem ORF-Radio Oberösterreich fest, dass er weder für Prügelstrafen sei, noch dass Kinder in der Ecke stehen müssen. Jedoch müsse es für Fehlverhalten eine Konsequenz geben. Er kann sich zum Beispiel Sozialdienste vorstellen: "Wenn jemand permanent stört, sollte er Arbeiten bekommen, die der Gemeinschaft dienlich sind." So sollen etwa Schüler, die eine Klasse verschmutzen, diese auch reinigen müssen, erläutert er in den "Oberösterreichischen Nachrichten". Außerdem kann er sich Zusatzübungen etwa in Deutsch oder Mathematik vorstellen.

 

Enzenhofer hat als Obmann des CLV Ende November Personalvertretungswahlen zu schlagen und eine satte Mehrheit von 71,2 Prozent zu verteidigen. Unterstützt wird er vom Chef der landesweiten Lehrervertretung (Zentralausschuss), Walter Wernhart, und vom obersten Lehrervertreter Österreichs, Paul Kimberger - beide sind im CLV. Letzterer setzt sich auch für Time-out-Klassen ein. Dort sollen Schüler, die den Unterricht stören, unter pädagogischer Anleitung Aufgaben erledigen. "Kinder müssen lernen, Grenzen zu akzeptieren."

 

Obendrein fordert Enzenhofer unter anderem im "Neuen Volksblatt" mehr Personal: einerseits, damit sich die Lehrer auf den Unterricht konzentrieren können und sich nicht mit Verwaltungsaufgaben beschäftigen müssen, andererseits auch, um die Schüler zu fördern. So brauche es mehr Unterstützungslehrer für Kinder mit besonderen Bedürfnissen. Die Sonderschulen sollen laut Forderung des CLV trotzdem erhalten bleiben.

 

Der Vizerektor der Pädagogischen Hochschule (PH) Oberösterreich, Josef Oberneder, reagierte auf den Vorstoß von Enzenhofer mit: "Strafen sind ein schlechter Lehrmeister" und "Time-out-Klassen bedeuten Segregation, also Trennung. Das ist genau das, was wir nicht wollen." Konflikte seien Teil des Schullebens: "Sie sollten an Ort und Stelle gelöst werden." Daher forciere die PH die Konfliktlösungskompetenz angehender Lehrer.

 

Ebenfalls zurückhaltend reagierte Franz Keplinger, Rektor der Linzer PH der Diözese. "Ich will Schulen nicht mit Strafen in Verbindung bringen", sagt er aus eigener leidvoller Erfahrung. Aber: "Die Schüler müssen lernen, dass ihr Verhalten Grenzen hat." Er plädiert etwa für Klassenverträge, in denen Schüler und Lehrer Verhaltensregeln vereinbaren. Besonders skeptisch ist er den Time-out-Klassen gegenüber eingestellt. "Wertschätzung, Akzeptanz und Respekt dürfen den Schülern gegenüber nicht verloren gehen. Alles, was man pädagogisch macht, muss positiv besetzt sein und darf nicht zur Diskriminierung führen."

 

Kurt Süss vom Verband der Elternvereine an Pflichtschulen kann verstehen, dass es im Schulalltag zu schwierigen Situationen kommt: "Strafen sollten aber nur begrenzt in Absprache mit dem Schulforum erlaubt werden." Auch der Vize-Landesschulsprecher für die Gymnasien, Lorenz Raml, fordert eine starke Eingrenzung von Strafen: "Sonst besteht die Gefahr, dass Strafen von Lehrern missbraucht werden könnten."

 

 

 

 

 

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