Mittwoch, 5. November 2014

2014.11.05.: Newsletter Bildung

Die Presse – 5. November 2014

 

Wie andere Schulsysteme mit Sex umgehen

 

   Sexualerziehung. Während Sexualkunde in Schweden schon seit den 1940er-Jahren in der Volksschule gelehrt wird, beginnt das in der Türkei bis heute erst in der Oberstufe. Für Kontroversen sorgt das Thema so gut wie überall.

 

   Die heimische Bildungspolitik hat offenbar ein neues Wundermittel für sich entdeckt: Mit brisanten Themen werden in letzter Zeit immer öfter Expertengruppen betreut. Am vergangenen Freitag wurde dementsprechend ein weiterer Expertenbeirat angekündigt - nämlich einer für Sexualerziehung. Dieser soll die Sexualpädagogik im Auftrag des Bildungsministeriums neu und vor allem moderner gestalten.

 

   Schon die erste Ansage von Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ), Sexualerziehung könne nicht früh genug beginnen, sorgte für Aufregung - "Die Presse" berichtete. Stellt sich die Frage, inwieweit sich in anderen Ländern das Bildungssystem um die Aufklärung kümmert und ob das Thema Sexualerziehung auch anderswo so heftig diskutiert wird wie in Österreich.

 

   In der Vorschule wird passiv aufgeklärt. Später ist Sexualerziehung fächerübergreifend.

 

   Im sozialdemokratisch und weniger kirchlich geprägten Schweden wurde der Sexualunterricht bereits in den 1930er-Jahren für alle Volksschulen gefordert. 1942 wurde er eingeführt. 1955 wurde er zum Pflichtfach. Schweden war damit eines der ersten Länder der Welt.

 

   Heute gibt es passiven Sexualunterricht bereits in den Kindergärten. Dies nahezu ohne Kritik. Die Erzieher beantworten dabei die Fragen der Kinder, etwa darüber "wie sie zustande gekommen sind und Fragen zum Körper", sagt Hans Olsson vom schwedischen Aufklärungsverband RFSU. Eine aktivere Sexualaufklärung in Kindergärten wird nicht diskutiert. Im Nachbarland Norwegen wird sie jedoch getestet. Etwa, um den sexuellen Missbrauch von Kindern schneller aufdecken zu können.

 

   Der schwedische "Unterricht zum Zusammenleben" findet schon ab der ersten Klasse, im siebten Lebensjahr, durch Lehrer statt. Bis zur vierten Klasse fokussiert er auf die Rollen von Mann und Frau. Auch Trans- und Homosexualität werden als gleichberechtigt aufgegriffen. Der Diskriminierung von normabweichender Sexualität soll vorgebeugt werden. Schon seit 1977 sind außereheliche und homosexuelle Verbindungen Thema im Unterricht. Ab der vierten Klasse wird es biologischer. Es geht um die Pubertät, den Körper, Trieb und Sexualverkehr im Detail, Verhütung, Geschlechtskrankheiten, Vergewaltigung. Insgesamt sind die Lehrpläne jedoch sehr breit gehalten. Sexualkunde kommt freilich im Fach Biologie vor. Aber eben nicht nur. So bekommen auch jene Kinder etwas davon mit, deren Eltern sie aus Berührungsängsten krankschreiben, wenn das Thema in Biologie behandelt wird. (anw)

 

   In Familien wird Sex meist als Schande gesehen. Experten versuchen gegenzulenken.

 

   In der Türkei klafft in Sachen schulischer Sexualerziehung eine große Lücke zwischen Forderungen von Experten und gesellschaftlicher Wirklichkeit. Sexualkunde findet in türkischen Schulen erst in der Oberstufe statt und wird meistens in wenigen Unterrichtseinheiten im Biologie-Unterricht oder bei Gesundheitsthemen behandelt. Da auch in den meisten Familien der größtenteils islamisch-konservativen Gesellschaft kaum über das Thema gesprochen wird, sind viele junge Türken auf sich allein gestellt. Selbst Fachleute des Familienministeriums in Ankara forderten deshalb bereits vor einigen Jahren die Einführung eines eigenen Fachs Sexualkunde an den Schulen. Geschehen ist dies bisher aber nicht.

 

   Umfragen zeichnen laut Ministerium ein erschreckendes Bild der Unkenntnis. Jeweils mehr als 90 Prozent von befragten Studentinnen und Studenten sagten 2011 in einer Studie aus, sie seien bei ihrer ersten Monatsblutung und bei ihrem ersten Samenerguss völlig überrascht gewesen und hätten nicht gewusst, wie sie damit umgehen sollten. Fast 100 Prozent aller Befragten gaben an, in ihren Familie sei das Thema Sexualität als "Schande" behandelt und tabuisiert worden. In einer anderen Umfrage stellte sich heraus, dass viele Schüler nur sehr ungenaue Vorstellungen von der Funktion der Sexualorgane haben. Als Folge sammeln zwar drei von vier jungen Türken bis zum 24. Lebensjahr sexuelle Erfahrungen - doch die meisten wissen nichts über Verhütung oder Krankheiten. Bemühungen von Experten, durch eine konsequentere Sexualerziehung für mehr Aufklärung zu sorgen, stoßen auf Widerstand. So trafen Sexualkunde-Seminare der nicht-staatlichen Stiftung für Familienplanung für Oberschüler in Istanbul auf Proteste von Eltern. Sie warfen den Fachleuten vor, Homosexualität als "normal" zu präsentieren und den Ehebruch zu befürworten. (güs)

 

   Sexualerziehung beginnt in der Volksschule. Über den Inhalt wird stets diskutiert.

 

   Das Thema Sexualerziehung in der Schule lässt auch in Deutschland die Eltern nicht kalt. Zwar ist es bereits fast 50 Jahre her, dass die Kultusminister beschlossen haben, Sexualerziehung nicht nur den Eltern zu überlassen, sondern auch die Lehrer damit zu betrauen. Über die Art und Weise der Sexualerziehung wird aber immer wieder diskutiert. Zuletzt Anfang des Jahres in Baden-Württemberg.

 

   Dort sollte der Aufklärungsunterricht um die Themen Homo-, Bi-sowie Transsexualität ergänzt werden. Der Widerstand war groß. Die Online-Petition "Zukunft - Verantwortung - Lernen: Kein Bildungsplan 2015 unter der Ideologie des Regenbogens" fand 192.000 Unterstützer. Sie wurde zwar behandelt, hatte aber keine Auswirkungen.

 

   Generell beginnen die Sexualkundestunden in Deutschland bereits in der Volksschule. Im Biologieunterricht wird über Verhütung, Geschlechtsorgane und die Pubertät gesprochen. Alles, was darüber hinausgeht, ist umstritten. Die einen halten eine umfassendere Sexualerziehung in einer Welt, in der sich Kinder und Jugendliche Informationen über das Internet holen, für wichtig. Die anderen fürchten eine zu frühe Sexualisierung.

 

   (j.n.)

 

   Mädchen wünschen sich einen besseren Sexualunterricht. Mängel gibt es viele.

 

   Das Image der prüden Briten ("No Sex, we are British") hat sich in den letzten Generationen gewandelt. Aber Rekordzahlen an Schwangerschaften von Jugendlichen und Alleinerziehern zeigen, dass es mit der Sexualerziehung nicht weit her ist. Zwar sieht die letzte Lehrplanreform vor, dass Kinder bereits in der Volksschule (zwischen vier und elf Jahren) lernen, "wie ein Baby empfangen und geboren wird".

 

   Darauf aufbauend sieht das nationale Curriculum dann in der weiterführenden Schule (zwölf bis 18 Jahre) Unterricht in "persönlicher gesellschaftlicher, gesundheitlicher und ökonomischer Erziehung" vor. Dieser Gegenstand ist nicht nur ein Mischmasch, es obliegt auch den Schulen, wie und mit welchen Inhalten er ausgefüllt wird. Die Schulinspektionsbehörde Ofsted kritisiert, dass der Sexualunterricht an 40 Prozent der Schulen unzureichend sei. Zudem gilt die Lehrplanverordnung nur für staatliche Schulen. Private oder kirchliche Erziehungseinrichtungen unterliegen hier keinen Vorschriften. Experten kritisieren außerdem, dass die Vorgaben des Erziehungsministeriums aus dem Jahr 2000 mittlerweile hoffnungslos veraltet sind und beispielsweise dem Aufkommen des Internet in keiner Form Rechnung tragen. Während etwa 81 Prozent der 14- bis 16-Jährigen angeben, regelmäßig an ihren Computern sexuell freizügige Bilder und Filme anzusehen, spricht der Leitfaden noch prüde davon, dass im Sexualunterricht "der Schule angemessene Darstellungsformen zu wählen" seien.

 

   Unter der jungen Generation besteht ein klares Unbehagen über diese Situation: In einer Umfrage gaben Mädchen zwischen sieben und 21 Jahren als größten Wunsch an ihre Politiker die Verbesserung des Sexualunterrichts an. Insbesondere dem anderen Geschlecht fehlt es an den elementarsten Grundlagen: An den Eliteuniversitäten Cambridge und Oxford erhalten männliche Studienanfänger mittlerweile Instruktionen darüber, dass für Sex das Einverständnis beider Partner vorauszusetzen sei.

 

   (gar)

 

   Lehrer sind in punkto Sexualerziehung nur unzureichend ausgebildet.

 

   Auch in Frankreich ist die Sexualaufklärung für viele ein heißes Eisen, das man lieber gar nicht erst anfasst, weil man sich daran nur die Finger verbrennt. Sie wurde im Jahr 1973 in den Mittelschulen per Gesetz eingeführt. Dadurch sollte vor allem die Zahl ungewollter Schwangerschaften von Jugendlichen gesenkt werden. 2001 wurde die französische Sexualpädagogik vor allem zur Aids-Bekämpfung erweitert. Bereits in der Volksschule, und danach im College, sollen in einer dem Alter angepassten Weise drei Kurse über biologische Geschlechtsunterschiede, Fortpflanzung und Sexualität sowie über die Verhütung von Schwangerschaften und sexuell übertragbaren Krankheiten eingeplant werden.

 

   Bis heute bleibt es allerdings ein Problem, dass das Lehrpersonal in keiner Weise dafür ausgebildet wurde. Es gebe zwar die Möglichkeit, externe Spezialisten hinzuzuziehen. Doch das hat sich als riskant erwiesen, weil Eltern aus religiösen oder moralischen Überlegungen einen negativen Einfluss befürchten. Erst kürzlich wehrten sich konservative Kreise gegen ein Buch, das beim Thema Gleichberechtigung der Geschlechter eingesetzt werden sollte. Sie behaupteten unter anderem, Kinder würden darin zur Masturbation und Homosexualität verleitet. (r.b.)

 

 

 

 

Die Presse – 5. November 2014

 

Täglich Turnen in der Ganztagsschule

 

   Reform. Per Gesetzesnovelle soll sichergestellt werden, dass es zumindest in Ganztagsschulen jeden Tag eine Stunde Bewegung gibt: im Turnunterricht oder im Freizeitteil.

 

   Wien. Die tägliche Turnstunde soll demnächst umgesetzt werden - zumindest in den Ganztagsschulen. Eine Gesetzesnovelle, die Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) gestern in Begutachtung geschickt hat, soll das auf den Weg bringen. Durch die Turnstunden und durch Sport im Freizeitteil soll sichergestellt werden, dass es jeden Tag eine Stunde Bewegung gibt.

 

   Außerdem dürfen im Freizeitteil demnach nicht mehr nur Freizeitpädagogen die Schüler betreuen, sondern auch Sporttrainer. Durch diese Öffnung der Schulen für Vereine und Sporttrainer erhofft sich Ressortchefin Heinisch-Hosek unter anderem mehr Vielfalt beim Bewegungsangebot. Die Maßnahmen sollen ab kommendem Schuljahr Realität werden.

 

   Bessere Qualitätssicherung

 

   Neben der täglichen Turnstunde soll ein zweiter Punkt des Sechs-Punkte-Programms der Regierung umgesetzt werden: die angekündigte Qualitätsoffensive. So sollen künftig auch die Aufgaben und Ziele von Lernzeit und die Ausgestaltung von Freizeit an den ganztägigen Schulen präzisiert werden. Die Schulaufsicht soll sich künftig auch um die Kontrolle des Betreuungsteils kümmern.

 

   Außerdem auf dem Weg ist die Etablierung eines Pflichtmoduls Politische Bildung ab der sechsten Schulstufe, also der zweiten Klasse Gymnasium oder NMS. Dieses Modul soll im Rahmen des Unterrichtsfachs Geschichte und Sozialkunde umgesetzt werden. Schulautonom könne aber auch ein eigener Unterrichtsgegenstand eingerichtet werden, kündigte Heinisch-Hosek an. Auch hier ist der Start für das kommende Schuljahr geplant. Zusätzliche Kosten werden laut Ressort nicht erwartet. (APA/red.)

 

 

 

 

Die Presse – 5. November 2014

 

Länder wollen Lehrer

 

   Bund/Länder. Oberösterreich-Landeschef Pühringer bekräftigt Angebot zur Verwaltungsvereinfachung.

 

   Linz. Vor dem Start einer neuen Reformkommission von Bund und Ländern im Bildungssektor kündigt sich eine Fortsetzung des Tauziehens um Kompetenzen für die Lehrer an. Der Landeshauptmann Oberösterreichs, Josef Pühringer (ÖVP), erneuert das Angebot der (ÖVP-geführten) Länder, die Verwaltung für alle Lehrer zu übernehmen und damit zu vereinfachen.

 

   Derzeit sind die Länder für die Pflichtschullehrer (Landeslehrer) zuständig, nicht für Pädagogen an höheren Schulen (Bundeslehrer). Der ÖVP-Landeschef unterbreitete dieses Angebot im Rahmen eines Besuchs von Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) am Montag in Linz. Starker Widerstand kam bisher von der SPÖ und von Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek, die alle Lehrer in Bundeskompetenz sehen wollen.

 

   Allerdings möchte Schelling den Hebel vor allem so ansetzen, dass Zuständigkeit und Finanzierung in eine Hand zusammengeführt werden. Genau das ist bei den Landeslehrern derzeit nicht der Fall, die Bezahlung erfolgt durch den Bund. (ett)

 

 

 

 

Kleine Zeitung – 5. November 2014

 

   Tägliche Turnstunde kommt

 

   WIEN. Die lange angekündigte tägliche Turnstunde dürfte in Ganztagsschulen bald Realität werden. Das sieht ein von Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) eingebrachter Gesetzesentwurf vor. Dafür sollen auch Sporttrainer an die Schulen geholt werden. Bis zur Umsetzung soll es noch ein knappes Jahr dauern.

 

 

 

 

Kleine Zeitung – 5. November 2014

 

Wie der Staat gegen Fanatisierung vorgeht

 

Eine Initiative für Schüler und ihre Grenzen.

 

   Wo verläuft die Grenze zwischen Hysterie und Sorge? Schmal ist der Grat, der vernünftige Vorsicht von überzogener Panikreaktion trennt. Wenn das Leben und die Gesundheit Halbwüchsiger auf dem Spiel stehen, verschiebt sich die Grenzlinie leicht.

 

   Es ist erst ein paar Tage her, dass die Polizei einen 14-Jährigen angeblich nur knapp an einem Anschlag auf Passanten im Westbahnhof hindern konnte. Schon länger zirkulieren die Fotos zweier junger Mädchen aus Wien, die nach ihrer Radikalisierung in einer Moschee ins nahöstliche Kriegsgebiet zogen. Der Unterschied der Gesichter vor und nach ihrer geistigen Transformation ist erschreckend.

 

   Dem Feuer radikaler, blutrünstiger Ideen mit Papier beikommen zu wollen, hat immer etwas Lächerliches an sich. Dennoch, was sonst kann eine Schulbehörde, ein Direktor, was kann die Polizei dagegen tun? Aufklären, auf signifikante Veränderungen im Verhalten und Aussehen junger Menschen aufmerksam machen und die Gefährdeten selbst warnen vor der Verlockung durch scheinbar große, einfache Ideen. Das garantiert zwar keinen Erfolg, aber viel mehr ist auch nicht möglich.

 

   In Wien beginnt der Verfassungsschutz gerade mit einer solchen Informationskampagne. 150 Schulen erhielten Informationsbroschüren über die „jihadistische Gefährdung“. Das Bildungsministerium ließ Folder zu „Jugend und Extremismen“ anfertigen und an Schulen verteilen.

 

   Ednan Aslan, mutiger und klar denkender Vertreter eines europäischen, moderaten Islam, referiert an pädagogischen Hochschulen, um angehende Lehrer zu sensibilisieren für solche Veränderungen. Wo die Grenze zur Vernaderung, zur Panikmache oder zum Schüren von Konflikten unter Schülerinnen und Schülern verläuft, lässt sich in Broschüren und Vorträgen nicht dekretieren. Sie zu erspüren bleibt der Sensibilität des Einzelnen überlassen.

 

   Bücher und Vorträge können Gefahrenzonen ausschildern und all jenen Empfehlungen mitgeben, die sich an den Rändern der Gesellschaft bewegen. Garantieren können sie nicht, dass Anschläge entdeckt, Katastrophen verhindert werden und dass endlich alles gut wird.

 

   Auch sensiblen Pädagogen, Mitschülern, Eltern sind schon tief greifende Veränderungen im Wesen der ihnen Anvertrauten entgangen, Veränderungen, die das Leben junger Menschen für immer zerstört haben. Es wird wieder passieren. Aber es soll niemand sagen können, es wäre nicht alles versucht worden.

 

 

 

 

Oberösterreichische Nachrichten – 5. November 2014

 

Enzenhofer will an Schulen wieder strafen

 

   "Sozialdienst" für störende Schüler

 

   Experten und Eltern zurückhaltend

 

   Linz. Für mehr Interventionsmöglichkeiten für Lehrer an Schulen spricht sich Oberösterreichs Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer aus. "Ja, es soll an Schulen Strafen geben", sagt Enzenhofer. Er kann sich zum Beispiel Sozialdienste vorstellen: "Wenn jemand permanent stört, sollte er Arbeiten bekommen, die der Gemeinschaft dienlich sind." So sollen etwa Schüler, die eine Klasse verschmutzen, diese auch reinigen müssen. Außerdem kann er sich Zusatzübungen etwa in Deutsch oder Mathematik vorstellen. Derzeit sind Strafen laut Gesetz verboten, das Nachholen versäumter Lernziele zuhause ist aber erlaubt.

 

   Enzenhofer hat als Vorsitzender des Christlichen Lehrervereins Ende November Personalvertretungswahlen zu schlagen. Paul Kimberger, oberster Lehrervertreter und ebenfalls CLV-Mitglied, unterstützt ihn. Er setzt sich auch für Time-out-Klassen ein. Dort sollen Schüler, die den Unterricht stören, unter pädagogischer Anleitung Aufgaben erledigen. "Kinder müssen lernen, Grenzen zu akzeptieren." Experten, Eltern- und Schülervertreter reagieren zurückhaltend.

 

 

 

 

Oberösterreichische Nachrichten – 5. November 2014

 

PRO & CONTRA FRAGE DES TAGES

 

Sollen Lehrer wieder strafen dürfen?

 

Pro

 

Gerald Winterleitner Ressortleiter Land&Leute

 

Grenze für Schüler

 

Als Schüler war ich vermutlich ein Stück weit von dem entfernt, was landläufig unter "braves Kind" gelistet wird. An die eine oder andere Missetat wird sich mancher Lehrer vielleicht erinnern. (Um es zu erwähnen: Wirklich schlimm war ich nicht.) Eines aber war mir in den zwölf Schuljahren klar: Ab einer gewissen Grenze ist Schluss mit lustig. Einerseits hatte das damit zu tun, dass damals manche Strafen in der Schule erlaubt und gebräuchlich waren. Und ich wusste, wo die Toleranzgrenze meiner Eltern liegt. Heute sieht der Schulalltag häufig anders aus: Da zittern Lehrer vor der Kombination aus unerzogenem Schüler und erziehungsverweigernden Eltern. Strafen sollten nicht sein müssen. Manchmal helfen aber nur sie.

 

Contra

 

Manuela Kaltenreiner Redakteurin Land&Leute

 

Grenzen für Lehrer

 

Kinder zu begleiten, bis sie erwachsen und selbstständig sind, ist eine Herausforderung, der sich nicht nur Eltern, sondern auch Lehrer stellen müssen. Sie haben ihre Berufung darin gefunden, Wissen zu vermitteln. Doch der Schulalltag verlangt den Pädagogen mehr ab. Es geht um Zusammenhalt, individuelle Stärke und soziale Kompetenz. Manchmal um die Grundsätze der zwischenmenschlichen Kommunikation. Dennoch: Es ist gut, dass der Spielraum begrenzt ist. Nur mit Bestrafung und erhobenem Zeigefinger Grenzen setzen zu können, ist ein Zeichen von Schwäche. Und dabei stellt sich die Frage, wer die Lehrer kontrolliert, die ohnehin in einer machtvolleren Position sind, die aber nicht ausgenutzt werden darf.

 

 

 

 

Oberösterreichische Nachrichten – 5. November 2014

 

Strafen für Schüler? "Akzeptanz und Respekt dürfen nicht verloren gehen"

 

   Experten, Eltern- und Schülervertreter reagieren zurückhaltend auf Enzenhofer-Vorstoß

 

   Von Herbert Schorn

 

   linz. "Strafen sind ein schlechter Lehrmeister." So reagiert Josef Oberneder, Vizerektor der Pädagogischen Hochschule (PH) Oberösterreich, auf den Vorstoß von Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer, in der Schule Strafen einzuführen. Letzterer kann sich Sozialdienste für störende Schüler vorstellen, auch Zusatzübungen in Form von Rechnungen und Aufsätzen oder Time-out-Klassen. Dort sollen Schüler, die den Unterricht stören, in pädagogischer Begleitung Aufgaben erledigen. Unterstützt wird Enzenhofer, zugleich Vorsitzender des Christlichen Lehrervereins (CLV), vom obersten Lehrervertreter Österreichs, Paul Kimberger, und dem Chef der landesweiten Lehrervertretung (Zentralausschuss), Walter Wernhart - beide sind im CLV.

 

   "Gefahr von Missbrauch"

 

   "Time-out-Klassen bedeuten Segregation, also Trennung", sagt Oberneder. "Das ist genau das, was wir nicht wollen." Konflikte seien Teil des Schullebens: "Sie sollten an Ort und Stelle gelöst werden." Daher forciere die PH die Konfliktlösungskompetenz angehender Lehrer. Ebenfalls zurückhaltend reagiert Franz Keplinger, Rektor der Linzer PH der Diözese. "Ich will Schulen nicht mit Strafen in Verbindung bringen", sagt er aus eigener leidvoller Erfahrung. Aber: "Die Schüler müssen lernen, dass ihr Verhalten Grenzen hat." Er plädiert etwa für Klassenverträge, in denen Schüler und Lehrer Verhaltensregeln vereinbaren. Besonders skeptisch ist er den Time-out-Klassen gegenüber eingestellt. "Wertschätzung, Akzeptanz und Respekt dürfen den Schülern gegenüber nicht verloren gehen. Alles, was man pädagogisch macht, muss positiv besetzt sein und darf nicht zur Diskriminierung führen." Laut Schulunterrichtsgesetz sind Kollektivstrafen, körperliche Züchtigung und beleidigende Äußerungen seit den 1980er Jahren verboten. Lehrer sind verpflichtet, "persönlichkeits- und gemeinschaftsbildende Erziehungsmittel" anzuwenden. Das Gesetz nennt Anerkennung, Aufforderung und Zurechtweisung. Wenn Schüler durch ihr Verhalten Lernziele nicht erreichen, können sie die Lehrer auffordern, diese zuhause nachzuholen.

 

   Kurt Süss vom Verband der Elternvereine an Pflichtschulen kann verstehen, dass es im Schulalltag zu schwierigen Situationen kommt: "Strafen sollten aber nur begrenzt in Absprache mit dem Schulforum erlaubt werden." Auch Lorenz Raml, Vize-Landesschulsprecher für die Gymnasien, fordert eine starke Eingrenzung von Strafen: "Sonst besteht die Gefahr, dass Strafen von Lehrern missbraucht werden könnten."

 

 

 

 

Oberösterreichische Nachrichten – 5. November 2014

 

Zielgruppengerecht

 

   Kommentar

 

   An Schulen soll es wieder Strafen geben. Warum geht Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer genau jetzt mit dieser kernigen Botschaft an die Öffentlichkeit? Noch dazu, wo die Ausweitung schulischer Sanktionsmöglichkeiten nur vom Parlament in Wien beschlossen werden kann und daher Enzenhofers Einfluss darauf ziemlich begrenzt ist?

 

   Ende November stehen Personalvertretungswahlen an. Und Enzenhofer hat als Chef des mächtigen Christlichen Lehrervereins (CLV) eine satte Mehrheit von 71,2 Prozent zu verteidigen. Da braucht es ein Thema, das die Zielgruppe gerne hört. Der Vorstoß soll den Lehrern signalisieren, dass der CLV auf ihrer Seite ist.

 

   Ob Enzenhofer damit nur Emotionen schüren will oder ob die Forderung ernst gemeint ist, das wird wohl erst die Zeit nach der Wahl zeigen.

 

   Enzenhofer spricht aus, was die Lehrer gerne hören

 

 

 

 

Oberösterreichische Nachrichten – 5. November 2014

 

Tägliche Turnstunde an Ganztagsschulen

 

   WIEN. Lange war davon geredet worden, nun soll die tägliche Turnstunde Realität werden - zumindest an den Ganztagsschulen. Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SP) kündigte gestern an, dass es an ganztägigen Schulen fünf Bewegungseinheiten pro Woche geben soll. Neben dem Sportunterricht wird es im Freizeitteil der Schüler Angebote geben. Dafür sollen Sporttrainer und Vereine verstärkt eingebunden werden.

 

   Im Begutachtungsentwurf findet sich noch eine weitere Neuerung: Künftig soll ab der sechsten Schulstufe (2. Klasse AHS/ Mittelschule) Politische Bildung gemeinsam mit Geschichte unterrichtet werden.

 

 

 

 

Oberösterreichische Nachrichten – 5. November 2014

 

Schulwechsler und -Abbrecher kosten in Oberösterreich jährlich 70 Millionen

 

   Mangelhafte Berufsberatung führt zu zufällig gewählten Ausbildungen

 

   LINZ. Nur zwei Drittel der 14-Jährigen schließen die einmal begonnene Schule oder Lehre direkt ab. Ein Drittel wechselt entweder den Schultyp (20 Prozent), jeder zehnte scheitert, fünf Prozent beginnen überhaupt keine Ausbildung mehr. Diese Zahlen liefert das Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft (Ibw) nach einer Befragung im Vorjahr, die sich an die 14- und 15-Jährigen des Schuljahres 2006/07 wandte. Anhand dieser Daten wurden jetzt erstmals die Kosten für die "falsche" Ausbildungswahl für Oberösterreich erhoben.

 

   Kurt Schmid vom Ibw schätzt, das Wiederholen von Klassen in der Oberstufe (Gymnasium und berufsbildende Schule) kostet jährlich 13 Millionen Euro. Dazu kommen die Systemkosten für die öffentliche Bildung: Aussteiger oder Schulwechsler kosten für den gesamten Sekundarbereich II 32 Millionen im Jahr, leitet das Ibw aus internationalen Zahlen ab. Nationale Bewertungen würden fehlen.

 

   In der Folge erleidet die Schulabbrecher einen Einkommensverlust von 13 Millionen Euro - im Vergleich zu den Kollegen, die die Ausbildung abgeschlossen haben. Dazu kommen erhebliche Kosten für die öffentliche Hand: Arbeitslosengelder und Förderkosten (Geringqualifizierte haben ein höheres Risiko arbeitslos zu werden), geringere Steuereinnahmen (5,6 Millionen) summieren sich auf 14 Millionen. "Diese rund 70 Millionen Euro sind die Untergrenze", sagt Schmid. Nicht bewertet sind etwa höhere Krankheitskosten, die mit niedrigen Bildungsabschlüssen zusammenhängen.

 

   Auch den Weg zum Bildungsabschluss hat das Ibw hinterfragt. Nicht einmal die Hälfte des Schuljahrgangs hat eine gute Berufsbildung erfahren. Die Ausbildungen seien zu oft ein Ergebnis von Zufällen, sagt Schmid. Dennoch war ein Großteil der Befragten mit ihrem späteren Arbeitsmarkteinstieg zufrieden.

 

   Für die Finanziers der Studie, das AMS, das Wirtschaftsressort des Landes, Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung, sind die Ergebnisse alarmierend. Landesrat Michael Strugl sagt zu den verlorenen Kosten: "Das ist die gleiche Summe, die wir jährlich für Arbeitsmarktförderung ausgeben."

 

   Zumutbar

 

   Wegen der Rekordarbeitslosigkeit überlegt Vize-Kanzler Reinhold Mitterlehner, die (regionalen) Zumutbarkeitsbestimmungen für Arbeitssuchende zu verschärfen. Man müsse aufmerksam werden, wenn andere Länder in Europa einen Rückgang der Arbeitslosigkeit schaffen und Österreich nicht, so Mitterlehner. (sib)

 

 

 

 

Salzburger Nachrichten – 5. November 2014

 

Bewegung fünf Mal pro Woche

 

   Die öfter angekündigte tägliche Turnstunde soll jetzt wirklich kommen.

 

   wien. Eine Gesetzesnovelle, die Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek am Dienstag vorgelegt hat, soll die schon länger angekündigte tägliche Turnstunde an Ganztagsschulen auf den Weg bringen. Für diesen Zweck sollen auch vermehrt Trainer aus Vereinen an die Schulen geholt werden.

 

   Ganztagsschulen dürfen dem Entwurf zufolge zwar weiterhin autonom festlegen, wie viel Zeit für Lernen und Freizeit vorgesehen ist. Künftig sind dabei aber „Bewegungseinheiten in ausreichender Zahl sicherzustellen“, sodass es fünf davon pro Woche gibt. Außerdem dürfen nicht mehr nur Freizeitpädagogen die Schüler betreuen, sondern auch Sporttrainer. Durch die Öffnung der Schulen für Vereine und Sporttrainer erhofft sich Heinisch-Hosek u. a. mehr Vielfalt beim Angebot.

 

   Neben der täglichen Turnstunden soll in der Novelle noch ein zweiter Punkt des Sechs-Punkte-Programms der Regierung zur Bildung umgesetzt werden, nämlich eine „Qualitätsoffensive“ bei den Ganztagsschulen: Künftig sollen auch die Aufgaben und Ziele von Lernzeit und die Ausgestaltung von Freizeit über die Betreuungspläne als Teil der Lehrpläne aufgenommen werden. Die Qualitätssicherung soll auch in diesem Bereich die Schulaufsicht übernehmen.

 

   Außerdem auf dem Weg ist die Etablierung eines Pflichtmoduls Politische Bildung ab der sechsten Schulstufe (zweite Klasse AHS, Hauptschule, Neue Mittelschule). Dieses soll im Rahmen des Unterrichtsgegenstandes Geschichte und Sozialkunde umgesetzt werden., APA

 

 

 

 

Salzburger Nachrichten – 5. November 2014

 

Täglich grüßt die tägliche Turnstunde

 

   Politik ist nicht die Kunst des Möglichen, Politik ist die Kunst der Wiederholung. Sommer 2012: Österreich beendet die Olympischen Sommerspiele von London medaillenlos, die Ursache ist schnell ausgemacht. Es gibt zu wenig Sportunterricht an den Schulen.

 

   17. Oktober 2012: Alle 183 Nationalratsabgeordneten unterstützen die Initiative „Tägliche Turnstunde“.

 

    24. April 2013: „Die tägliche Turnstunde soll an ganztägigen Schulen ab sofort verpflichtend werden“, kündigt Unterrichtsministerin Claudia Schmied an.

 

    20. Juli 2013: Die tägliche Turnstunde in den Pflichtschulen soll „ab Herbst 2014 Realität werden“, kündigt Bundeskanzler Werner Faymann an.

 

   13. Dezember: „Die tägliche Turnstunde steht ganz oben im Koalitionsabkommen“, vermeldet die Austria Presse Agentur.

 

   Und gestern legte Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek ein Gesetz vor, das die tägliche Turnstunde an Ganztagsschulen, die am 24. April 2013 „ab sofort“ und am 20. Juli 2013 „ab Herbst 2014“ eingeführt worden ist, nun wirklich einführen soll. Wenn’s wahr ist.

 

 

 

 

Salzburger Nachrichten – 5. November 2014

 

Die Polizei sensibilisiert Lehrer für Dschihad

 

   Was sollen Pädagogen tun, wenn Schüler Terror und Bürgerkrieg verherrlichen? Viele Lehrer fühlen sich mit der Frage alleingelassen.

 

   Marian Smetana Wien. Sie tragen plötzlich keine Jeans mehr, sondern weite Gewänder, sie hören keine Musik mehr, sondern zitieren aus dem Koran, sie machen keine Hausaufgaben mehr, sondern sehen sich im Internet brutale Videos vom syrischen Bürgerkrieg an. An Österreichs Schulen sind Islamismus und Dschihad längst auf dem Vormarsch, die Politik will das nun eindämmen.

 

   Ein Beispiel ist die Neue Mittelschule in der Deublergasse im 21. Wiener Gemeindebezirk, wo der Dschihad plötzlich im Klassenzimmer angekommen war: „Wir hatten vor einem Jahr eine Schülerin, die kam auf einmal mit einer Burka in den Unterricht“, erzählt Direktor Christian Klar. Am Anfang dachte sich der Pädagoge, dass man das Mädchen nicht in der Ausübung der Religion stören dürfe, bis er mit dem Vater des Mädchens sprach. „Da habe ich gemerkt, dass die Familie überhaupt nicht religiös ist und schon lang versucht, die Tochter aus einem radikalen Umfeld zu lösen.“ Eltern und Lehrer setzten sich mit der Schülerin zusammen. „Schnell wurde klar, dass sie nach Syrien wollte.“ Die Eltern griffen hart durch, verboten ihr die Burka und den Umgang mit einer radikalen Gruppierung. Das Mädchen blieb zunächst in Österreich. „Was wirklich aus der Schülerin wurde, weiß ich nicht, sie hat die Schule abgeschlossen, aber wir haben es geschafft, dass sie keine Mitschüler mit ihrem Gedankengut ansteckt“, sagt Klar.

 

   Lehrer und Direktoren stehen vor einer Herausforderung. Wie erkennt man, dass aus Jugendlichen Islamisten werden? Deshalb startete der Wiener Stadtschulrat am Dienstag eine Informationsreihe zu diesem Thema. Verfassungsschutz und Islamexperten unterrichteten 150 Wiener Schuldirektoren darin, wie sie erkennen können, ob Schüler kurz davor stehen, nach Syrien zu reisen, um dort für den „Islamischen Staat“ (IS) zu kämpfen.

 

   Die Direktoren wünschen Aufklärung zu dem Thema. Anonym sprechen viele davon, dass man das Thema bis jetzt verschlafen habe, und Lehrer mit dem Problem allein dastünden. „Wir spürten eine zunehmende Verunsicherung bei den Lehrern, wie man mit diesem Thema umgehen soll“, sagt auch Erich Zwettler, Leiter des Wiener Verfassungsschutzes.

 

   Er ist einer der Ansprechpartner für Lehrer und weiß, wie schwierig es ist, Zeichen einer Radikalisierung zu deuten. „Viele Jugendliche wollen nur provozieren, und sind weit davon entfernt, sich wirklich einer Terrororganisation anzuschließen.“ Trotzdem sollte man aufmerksam sein. „Wenn sich IS-Sympathisanten von ihrem Freundeskreis verabschieden oder sich größere Geldbeträge borgen, könnte eine Reise in das Kriegsgebiet bevorstehen.“

 

   Das Bildungsministerium setzt auch auf Information: Allen Schulen wurde der Folder „Jugend und Extremismen“ zugeschickt. Außerdem sollen bei allen Konferenzen Schulaufsicht und Schulpsychologen über die Themen „Extremismus – Deradikalisierung – Dschihadismus“ informiert werden.

 

   Für Christine Sirch wird das höchste Zeit. Die Direktorin hat an ihrer Schule, der Neuen Mittelschule in der Georg-Wilhelm-Pabst-Gasse in Wien-Favoriten, ebenfalls mit Schülern zu tun, die den Dschihad verherrlichen. „Ich finde es gut, dass der Stadtschulrat uns die Möglichkeiten aufzeigt, was wir tun können. Etwa wann man sich an den Verfassungsschutz wenden sollte und welche Ansprechpartner es gibt, die vielleicht helfen können.“ Eines steht für Sirch allerdings fest: „Die Schule allein kann auch hier nicht alle Fehler ausbügeln.“

 

 

 

 

Österreich – 5. November 2014

 

ISIS: Polizei warnt Direktoren

 

Infos für die Schulleiter im Kampf gegen Dschihadisten

 

Der Verfassungsschutz warnt Schuldirektoren, um "heilige Krieger" zu identifizieren.

 

Wien. 150 Wiener Schuldirektoren bekamen am Dienstag an der Pädagogischen Hochschule einen Kurs in Sachen "Heiliger Krieg". Religionslehrer Ednan Aslan und Verfassungsschutzchef Erich Zwettler erklärten den Pädagogen, wie sie angehende ISIS-Kämpfer unter ihren Schülern erkennen können.

 

Erste Anzeichen seien "Änderungen in der Bekleidung, starke Nutzung von sozialen Netzwerken und das Schuleschwänzen", so Zwettler.

 

Alarm müsse auch geschlagen werden, wenn etwa Mädchen zum Islam konvertieren, nur um einem Burschen zu gefallen.

 

Ziel der Schulungen sei das Erkennen von Dschihadisten - es geht auch darum, islamistische Anschläge in Österreich zu verhindern.

 

Auch Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek reagiert: Allen Schulen wurde bereits der Folder Jugend und Extremismen mit umfangreicher Linkliste und Literaturtipps zugeschickt.

 

 

 

 

Österreich – 5. November 2014

 

Heinisch lässt aber Start-Datum offen

 

Turnstunde per Gesetz

 

Ganztagsschulen sollen dafür auch mit Sportvereinen zusammenarbeiten dürfen.

 

Wien. Eigentlich war die tägliche Turnstunde schon für das Schuljahr 2014/15 angekündigt -tatsächlich wird jetzt erst eine entsprechende Novelle präsentiert. Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) will damit fünf Stunden Sport und Bewegung pro Woche in den Ganztagsschulen festlegen, also eine jeden Tag. Dazu sollen Schulen auch mit Sportvereinen und Trainern zusammenarbeiten dürfen. Skurril: Ab wann das Gesetz in Kraft tritt, ist offen.

 

 

 

 

Der Standard – 5. November 2014

 

Sonderschuldebatte: Landesräte fordern Ministerin zu Taten auf

 

   Wien – Nach einem Standard-Bericht über ein Gutachten, das die Völkerrechtswidrigkeit von Sonderschulen feststellt, fordern Bildungslandesräte von Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ), diese Schulform abzuschaffen. In der Steiermark werden 85 Prozent der Kinder mit Behinderungen in Regelschulen unterrichtet, sagt Michael Schickhofer (SPÖ). Aber „verfassungsrechtlich ist es uns nicht möglich, auf Sonderschulen zu verzichten“. Auch Tirols Landesrätin Beate Palfrader (ÖVP) fordert die Ministerin zum Handeln auf. Diese sieht keinen Rechtsbruch. Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ), der das Gutachten in Auftrag gab, wollte sich nicht äußern. (red)

 

 

 

 

Der Standard – 5. November 2014

 

Sonderschulen: "Ministerin muss Schritte setzen"

 

Länder haben keine Kompetenz zur Abschaffung

 

Wien/Innsbruck - Nachdem Innsbrucker Juristen im Standard das Ergebnis einer Rechtsprüfung veröffentlichten, der zufolge Österreichs Sonderschulen gegen die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung - und damit gegen Völkerrecht - verstoßen, meldete sich am Dienstag die Bildungsministerin zu Wort: Sie widerspreche dieser Ansicht, weil Eltern die Wahlfreiheit hätten, ihre Kinder auch in Regelschulen unterzubringen, sagte Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) vor dem Ministerrat. Der Verfassungsjurist Karl Weber lässt dieses Argument nicht vorbehaltlos gelten: "Das würde voraussetzen, dass entsprechende Schulformen vorhanden sind, in denen Kinder mit Behinderung aufgenommen werden können. Viele Regelschulen sind dazu jedoch noch nicht in der Lage, weil entsprechende Einrichtungen und Personal fehlen." In der Steiermark werden bereits 85 Prozent der Kinder mit Behinderungen in Regelschulen unterrichtet. Auch wenn man wollte, könne das Land Sonderschulen jedoch nicht gänzlich abschaffen: "Aufgrund der Wahlfreiheit der Eltern ist das verfassungsrechtlich nicht möglich", sagt der zuständige Landesrat Michael Schickhofer (SPÖ). Auch Tirols Bildungslandesrätin Beate Palfrader (ÖVP) sieht die Ministerin am Zug: "Sie muss erste Schritte setzen. Regelungs-wie auch Finanzierungskompetenz liegen beim Bund." In Österreich gibt es derzeit 310 Sonderschulen, davon 108 in Niederösterreich. Bis ins Jahr 2020 will Heinisch-Hosek die Sondereinrichtungen "sukzessive abbauen" - Experten wie der Behindertenanwalt Erwin Buchinger (SPÖ) sind skeptisch, ob sich das Vorhaben umsetzen lässt, weil zu wenig dafür getan werde. Wie viele Kinder mit Behinderung in Regelschulen unterrichtet werden, ist je nach Bundesland sehr unterschiedlich -in Tirol und Niederösterreich sind es noch weniger als die Hälfte.

 

 

 

 

Der Standard – 5. November 2014

 

Novelle für tägliches Turnen in Ganztagsschule

 

Wien - Eine Gesetzesnovelle, die Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) am Dienstag in Begutachtung geschickt hat, soll die tägliche Turnstunde an Ganztagsschulen auf den Weg bringen. Demnach sind Schulen angehalten, "Bewegungseinheiten in ausreichender Zahl sicherzustellen", sodass es fünf davon pro Woche gibt. Dafür sollen auch vermehrt Trainer aus Vereinen an Schulen geholt werden. Vorgesehen ist auch eine Qualitätsoffensive bei Ganztagsschulen. (APA)

 

 

 

 

Kronen Zeitung – 5. November 2014

 

Terrorfahnder warnen nun an Schulen vor "Heiligem Krieg"

Verfassungsschützer und Islamprofessor informieren Lehrer

 

Mehr als 150 Wiener Schuldirektoren lauschten gespannt den Worten des Chefs des Verfassungsschutzes Erich Zwettler und des Wiener Islamprofessors Ednan Aslan in der Pädagogischen Hochschule Wien/Krems. Heißes Thema: Wie erkenne ich dschihadistische Gefährdung von Jugendlichen.

 

   Jugendliche gelten als leichtes Opfer für Dschihadisten. Lehrer werden für das Problem sensibilisiert.

 

   "Was ist normal, was ist extremistisch, woran erkenne ich, ob jemand auf dem Weg nach Syrien ist?" Fragen, die für Pädagogen nicht so leicht zu beantworten sind, wenn man mit jungen Menschen zu tun hat, deren Leben durch die Pubertät oft kopfsteht. Wiens Stadtschulrats-Präsidentin Susanne Brandsteidl hat die Veranstaltung mitinitiiert.

 

   "Man muss sehr sensibel vorgehen. Mit der Holzhammermethode kann viel zerstört werden", erklärt Erich Zwettler, Chef des Wiener Verfassungsschutzes. Zu den Alarmsignalen zählen: wenn Jugendliche statt in die Schule lieber in die Moschee gehen oder junge Frauen zum Islam konvertieren, nur um einem Burschen zu gefallen. Plötzlich entpuppt sich der Traummann als Islamist.

 

   "Bei Männern ist meist das Internet die Einstiegsdroge", so Zwettler weiter. Auch Außenseiter und minderjährige Asylwerber, die orientierungslos sind, sind gefährdet.

 

   "Wir warnen alle Familien, ohne zu hetzen, vor den dschihadistischen Teufeln, die als gute Engel erscheinen und als Retter auftreten. Sie haben mit dem wahren Islam nichts zu tun. Alle Muslime müssen sich von solchen Teufeln distanzieren", warnt Birol Kilic, Obmann der Türkischen Kulturgemeinde.

 

   Erst vor Kurzem sorgte ein 14-jähriger Schüler aus St. Pölten mit Attentatsplänen auf den Wiener Westbahnhof für Schlagzeilen. Die Haftverhandlung findet Mitte kommender Woche statt. Derzeit werden die systematisch sichergestellten Datenträger des Burschen von Terrorfahndern durchforstet.

 

 

 

 

Kurier – 5. November 2014

 

Wie Kinder ihren Körper entdecken

 

Erziehung. Wenn Kinder mit Doktorspielen beginnen, werden Eltern nervös. So gehen Sie richtig damit um

 

   Mit Missbrauchsvorwürfen ist derzeit Lena Dunham, Star der Teenie-Serie "Girls", konfrontiert. Ein US-Blogger behauptet, dass sie als Siebenjährige ihre kleine Schwester missbraucht haben soll, weil sie dieser in die Vagina geschaut habe. Er kommentierte damit eine Passage aus ihrem neuen Buch. Jetzt brach die Schauspielerin entnervt ihre Europa-Lesereise ab.

 

   Anlass für den KURIER, mit Experten über die ersten Körpererfahrungen von Kindern und den Reiz von Doktorspielen zu sprechen. Für die Sexualpädagogin Bettina Weidinger ist besonders irritierend: "Hier wird sofort negativ bewertet, obwohl man den Fall gar nicht kennt. Die Kombination aus Kind und Sex führt automatisch zu einer schnellen Aufregung."

 

   Zweifellos ist es Aufgabe der Erwachsenen, eine Situation zwischen Kindern immer danach zu analysieren, ob es notwendig ist, einzugreifen, bzw. sich einzumischen. Das gilt nicht unbedingt für sexuelle Neugier, sondern vielmehr für soziales Verhalten wie kindliche Erpressung oder gar Gewalt in diesem Kontext.

 

   Experimentierlust "Sex zwischen Erwachsenen und das Lustempfinden und Experimentieren von Kindern sind zwei völlig verschiedene Dinge", betont Weidinger. Das Körpergefühl fange bereits vor der Geburt an: "Schon im Bauch können Kinder eine Erektion haben. Ihr Lustempfinden ist von Anfang an da. Man erlebt immer wieder Kinder, die sich die Windel aufmachen und sich an ihre Geschlechtsorgane greifen. Sie machen etwas, das sich gut anfühlt." Solche Erkundungen gehören zur Entwicklung des Körpergefühls, sagt Weidinger: "Natürlich ist es nicht angenehm, wenn sich Kinder vor den Gästen auf ihren Penis greifen. Dann können Eltern ruhig sagen: Es ist absolut in Ordnung. Aber hier und jetzt passt es nicht." Wichtig sei, das Kind nicht für sein Verhalten zu kritisieren.

 

   Mit vier oder fünf Jahren interessieren sich Kinder auch für die Geschlechtsorgane anderer Kinder. Dann ziehen sie sich gemeinsam ins Zimmer zurück, zeigen sich nackt oder widmen sich "Doktorspielen" - Eltern werden da leicht nervös. Was ist zu tun? Weidinger: "Wenn Eltern ein ungutes Gefühl haben, sollen sie dem Kind sagen: Ich möchte das nicht."

 

   Wichtig ist für Kinder der soziale Lerneffekt, betont die Sexualtherapeutin: "Seien Sie sensibel, ob ein Kind auf das andere Druck ausübt. Kinder lernen beim Spielen, welcher Kontakt ihnen guttut, und üben Nein zu sagen. Das sollten die Eltern unterstützen."

 

   Manchmal überschreiten Kinder die Grenzen, sagt Sabine Götz vom Institut für Erziehungshilfe: "Wenn Kinder sexuelle Praktiken zum Beispiel im Fernsehen sehen, die sie nicht verstehen, verarbeiten sie das im Spiel. Das muss man vorsichtig ansprechen, weil Kinder sofort merken, wenn Eltern ein Verhalten beunruhigend finden.

 

   Ab sechs bis sieben Jahren zeigen Kinder Interesse für Tabubrüche und Schimpfwörter wie das berühmte F-Wort. "Eltern sollten direkt sagen, dass das nicht den guten Umgangsformen entspricht."

 

   Das erste Interesse für "erwachsenen Sex" zeigt sich ab etwa zehn Jahren. Ab diesem Zeitpunkt beschäftigen sich die Kinder mit der Fantasie des Geschlechtsaktes, ohne aktiv zu werden. Erst langsam wenden sie sich realen Personen und konkreten Handlungen zu.

 

   Heikel sei nur zwanghaftes Verhalten, sagt Götz: "Wenn Kinder sich für nichts anderes interessieren als ihr Sexualleben."

 

   Den ersten Sex haben Jugendliche durchschnittlich mit 16 Jahren, so Weidinger: "Eltern haben manchmal Angst, dass sie diesen wichtigen Moment übersehen. Aber es geht in der Erziehung darum, den Kindern zwischen null und zehn Jahren einen guten Umgang mit ihrem Körper beizubringen."

 

   Sexualpädagoge Wolfgang Kostenwein beobachtetet eine besondere Scheu der Erwachsenen, mit ihren Teenager-Kindern über Sex zu reden: "Jugendliche wollen über Beziehung sprechen, Eltern reden über Verhütung. Die Informationen über den Sexualakt holen sich die Kinder ohnehin nicht von ihren Eltern."

 

 

 

 

Kurier – 5. November 2014

 

Sex steht bei den Pädagogen auf dem Lehrplan

 

Aufklärung. Sexualerziehung findet sowohl zu Hause als auch im Kindergarten und in der Schule statt

 

   Ein Satz von Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek hat diese Woche für einiges Aufsehen gesorgt: "Sexualpädagogik kann nie früh genug beginnen." Gemeint war damit: "Auch im Kindergarten kann die Sexualität schon Thema sein."

 

   Allerdings stimmen dieser Aussage nur 12 Prozent der Österreich zu. KURIER-Familycoach Martina Leibovici-Mühlberger sieht die Sache differenzierter: "Es sollte natürlich keine aufgezwängte Aufklärung geben. Nach dem Motto: Heute üben wir, eine Schere zu halten, morgen lernen wir etwas über Sex." Es sollte vielmehr eine Bereitschaft der Kindergartenpädagogen geben, auf Fragen der Kinder zu antworten und nicht verschämt wegzuschauen, wenn ein Kind fragt, woher die Babys kommen. "Sinnvoll wäre es, dass die Elementarpädagogen in ihrer Ausbildung lernen, wie man mit Kindern altersadäquat darüber redet."

 

   In der Schule ist Sexualerziehung ebenfalls ein wichtiges Thema. Allerdings auf der Basis eines zwanzig Jahre alten Erlasses. Meist findet Aufklärung in den Fächern Biologie und Religion statt. "Das ist nicht mehr zeitgemäß", sagt Laura Schoch von der Bundesjugendvertretung (BJV). Sie weiß: "Obwohl Jugendliche im Internet Zugang zu pornografischen Seiten haben, wissen sie zu wenig über Sex und Verhütung. Sie stehen mit ihren Fragen alleine da." Mit dem provokanten Werbespot "RDN WR KLRSEX" soll das Schweigen gebrochen werden.

 

   Sex als Konsum Auch Heinisch-Hosek weiß, dass es Änderungen braucht: "Der Erlass gehört dringend überarbeitet. 1990 hatten die Jugendlichen noch kein Handy mit Zugang zu Pornos im Internet. Jetzt schon." Leibovici-Mühlberger stellt fest, dass "durch die vielen Pornos Sexualität immer mehr als Konsumprodukt gesehen wird. Hier gilt es gegenzusteuern - von Eltern und Schule."

 

   Die Ministerin hat nun ein Projekt in Auftrag gegeben, um die Vermittlung von Aufklärung zu überarbeiten. Darin werden Jugendliche, Pädagogen und Eltern eingebunden, sowie Sexualpädagogen aus Beratungsstellen außerhalb der Schule. "Ab sofort stelle ich den Lehrern 100 neue Verhütungskoffer für den Unterricht zu Verfügung. Da sehen die Jugendlichen die Vielfalt an Möglichkeiten."

 

 

5 Tipps: So reden Sie mit Ihrem Kind über Sex

 

   Sie richten sich nach dem Tempo ihres Kindes. Wenn es fragt, antworten Sie. Aufschieben bringt nichts.

 

   "Du bist okay" ist die wichtigste Nachricht für Ihr Kind. So lernt es, sich zu spüren.

 

   Verbieten Sie Ihrem jungen Kind nicht, über Sex zu reden. Es weiß gar nicht, dass das als peinlich gilt.

 

   Hören Sie hin, was es wissen will. Interessiert es sich für Conchita Wurst oder will es über Homosexualität reden? Will Ihr Teenager Ideen zum Flirten oder Verhütungstipps?

 

   Wenn Sie sich dabei unwohl fühlen, sagen Sie es. Und finden Sie jemanden anderen, der das Gespräch übernimmt.

 

 

 

 

 

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