Dienstag, 18. November 2014

2014.11.18: Bildung

APA0301 II, WI, XI 18.11.2014 13:05:05

 

IV will "Bildungsrevolution" mit gemeinsamer Ganztagsschule

Utl.: Bildungspflicht ab vier Jahren, "Schulstartjahr" ab fünf - Abschluss mit mittlerer Reife - Schul-Kernzeit von 8.30 bis 15.30 Uhr

Schule/Bildung/Industriellenvereinigung/Österreich/Wien

Die Industriellenvereinigung (IV) spricht sich für eine ganztägige gemeinsame Schule für alle Kinder von fünf bis 14 Jahren aus, die mit einer mittleren Reifeprüfung abschließt. Die Kinder sollen von 8.30 bis 15.30 Uhr in der Schule sein, zusätzlich soll es optional Früh- und Spätbetreuung geben, so IV-Präsident Georg Kapsch bei einer Pressekonferenz am Dienstag.

Im Schulbereich brauche es eine "Bildungsrevolution" und einen "kompletten Neustart", begründete Kapsch. "Der Punkt, an dem man mit Reformen oder Reförmchen noch etwas ändern hätte können, den haben wir schon vor Jahrzehnten überschritten." Das derzeitige Bildungssystem erfülle weder die Anforderungen einer modernen Welt noch die Erwartungen der Eltern und Schüler.

Als Hauptproblem orteten Kapsch und sein Generalsekretär Christoph Neumayer die Gruppe der Fünf- bis 14-Jährigen. "Das derzeitige System ermöglicht ein bloßes Absitzen der neun Pflichtschuljahre und nimmt in Kauf, dass die Abgänger keine ausreichenden Kompetenzen aufweisen", so Neumayer. Außerdem trenne man die Kinder viel zu früh: "Wollen wir uns wirklich anmaßen, abschließend zu beurteilen, welches Potenzial in Zehnjährigen steckt?"

Nach den Vorstellungen der IV soll die Bildungspflicht mit vier Jahren und einem verpflichtenden Kindergartenjahr beginnen. Daran schließt sich mit fünf ein "Schulstartjahr", das schon an der Schule verbracht wird. Bis zur mittleren Reife mit ca. 14 Jahren verbringen die Kinder ihre Schulzeit dann in einer gemeinsamen Schulform. Die bisherige Trennung in Volksschule bzw. später AHS-Unterstufe/Hauptschule/Neue Mittelschule würde entfallen.

Diese Schulzeit soll in drei Phasen zerfallen: In der ersten würden die Grundkompetenzen wie Lesen, Schreiben, Rechnen sowie Information und Kommunikation erlernt. In der zweiten erfolge der Aufbau der Allgemeinbildung und der Fachkenntnisse, in der dritten werde dies vertieft und erfolge Ausbildungs- und Berufsorientierung. Jede Phase solle je nach Auffassungsfähigkeit der Kinder zwei bis drei Jahre dauern.

Die Bildungspflicht soll dann mit der mittleren Reifeprüfung enden. Diese solle zwischen 14 und 18 Jahren erfolgen - wer diese zunächst nicht schaffe, bleibe bis zur Absolvierung im Regelschulwesen, so Kapsch.

Organisiert sein soll dies in einer für alle verpflichtenden verschränkten Ganztagsschule mit einem Wechsel aus Unterricht, Freizeit und Lernzeit von 8.30 bis 15.30 Uhr. Optional soll es ab sieben und bis 19 Uhr dort auch noch Betreuung geben. Benotet würde mit einer Mischung aus Ziffernnoten und alternativen Beurteilungssystemen. Ein generelles Durchfallen soll es nicht mehr geben, so Kapsch. Wer in einem Fach schwach sei, bleibe in diesem auf der bisherigen Stufe und steige in den anderen auf.

Die Schulagenden sollen in Gesetzgebung und Vollziehung Bundessache werden. Finanziert würden die Schulen nach einem neuen System: Sämtliche potenziellen Anbieter - egal ob öffentlich oder privat - müssten sich einer Akkreditierung unterwerfen. Wer diese habe, erhalte pro Schülerkopf einen einheitlichen Betrag, so Kapsch. Zusätzliches Geld gebe es für Schulen, die etwa aufgrund eines hohen Anteils an Kindern mit nichtdeutscher Umgangssprache mehr leisten müssen.

Die Schulen sollen sowohl finanzielle als auch personelle Autonomie erhalten. "Dazu braucht es auch eine gewisse Größe", so Neumayer. Die Pädagogen wiederum sollten einer permanenten Weiterbildungspflicht unterliegen, nach ASVG versichert sein und dementsprechend zwischen schulischem und außerschulischem Arbeitsmarkt wechseln können.

Ziel ist für Kapsch ein "hohes Allgemeinwissen" der Schüler: "Allgemein gebildete Menschen sind wesentlich flexibler als sehr engstirnig ausgebildete." Demnächst will die IV Konzepte für die Zeit nach der mittleren Reife bzw. die Hochschulen vorlegen. Eines ist dafür schon jetzt klar: Die Polytechnische Schule werde es nicht mehr brauchen.

Als Vorbilder dienen der IV Länder wie Finnland und die Niederlande. Neumayer ist dabei klar, dass es für eine Umstellung schon aufgrund der baulichen Notwendigkeiten Zeit brauche. Dabei verwies er auf Polen, das zuletzt auf so ein System umgestellt habe.

(schluss) aku;jle;bei

OTS0158 II 18.11.2014 12:53:50

 

Grossmann begrüßt IV-Bildungsideen: "Langjährige Forderungen der SPÖ übernommen"

Utl.: Ja zu verschränkter Ganztagsschule und gemeinsamer Schule

SPÖ/Grossmann/Bildung/Schule/Industriellenvereinigung

Grundsätzlich begrüßenswert findet SPÖ-Bildungssprecherin Elisabeth Grossmann die heute präsentierten bildungspolitischen Forderungen der Industriellenvereinigung. "Die IV übernimmt damit zentrale Forderungen der SPÖ - vom zweiten kostenlosen Kindergartenjahr über die verschränkte Ganztagsschule bis zur gemeinsamen Schule", so die SPÖ-Abgeordnete heute, Dienstag. Schon bisher seien die Sozialpartner wichtige Verbündete im Kampf um Modernisierungen im Bildungssystem gewesen, so Grossmann. An die Industrie appelliert Grossmann, "auch beim Koalitionspartner ÖVP Überzeugungsarbeit für diese Ideen, aber auch für deren Finanzierung zu leisten". ****

Eine stärkere Schulautonomie befürwortet Grossmann ebenfalls. Man müsse aber darauf Bedacht nehmen, dass die Bildungsqualität an allen Standorten gewahrt wird - "es darf nicht vom Wohnort oder Geldbeutel der Eltern abhängen, welche Bildungschancen junge Menschen haben". Dies würde die - in Österreich ohnehin sehr starke - "Vererbung" von Bildungschancen noch weiter verstärken, so Grossmann abschließend. (Schluss) mb/ah/mp

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OTS0144 WI, KI 18.11.2014 12:33:59

 

Industrie: Brauchen eine Bildungsrevolution - Neues Schulkonzept der IV

Utl.: IV-Präsident Kapsch: Brauchen innere Differenzierung, hohe Autonomie, Vorgabe des Kompetenzniveaus und hohe Qualität des Lehrpersonals - Bildungsziele als Ankerpunkt

Wirtschaft und Finanzen/IV/Bildung/Schule

"Bildung hat einen zentralen Stellenwert für Gesellschaft und Wirtschaft. Bildung ist die wesentliche Grundlage für eine erfolgreiche individuelle, gesellschaftliche und wirtschaftliche Zukunft", so der Präsident der Industriellenvereinigung (IV), Mag. Georg Kapsch, anlässlich der Präsentation des IV-Bildungskonzepts heute, Dienstag, in Wien. "Unser Bildungssystem muss Maß an der Zukunft nehmen, deshalb braucht es einen grundlegenden Neustart. Das sind wir den jungen Menschen, den Eltern, den Pädagoginnen und Pädagogen sowie der Zukunft der Menschen in unserem Land schuldig", so Kapsch. "Wir haben den Punkt, wo man noch etwas mit Reformen hätte erreichen können, bereits vor Jahrzehnten überschritten", so Kapsch weiter: "Wir brauchen daher keine Reformen sondern eine Bildungs-Revolution." Immerhin sei die letzte große Bildungs-Revolution in Österreich vor 250 Jahren unter Maria Theresia passiert. "Wir müssen Bildung von Grund auf neu denken. Das Ziel sind bessere Chancen für jedes Kind", so Kapsch. Das derzeitige System ermögliche das "reine Absitzen" der Pflichtschuljahre, was nicht das Ziel sein könne, betonte auch IV-Generalsekretär Mag. Christoph Neumayer die Notwendigkeit grundlegender Schritte. Dies gelte auch für die Politik, denn "wir haben noch immer die Parteipolitik in den Schulen. Wir müssen raus aus den ideologischen Schützengräben und hin zu einer sachlichen Diskussion über Bildung. Wir brauchen mehr Spitze und mehr Breite."

Zwtl.: Derzeit teures und ineffizientes System

Derzeit leiste sich Österreich eines der teuersten Bildungssysteme der Welt und liefere dennoch nur mittelmäßige Bildungsqualität: Während Österreich für sein Bildungswesen pro Kopf 9.131 Euro ausgebe, seien es im OECD-Durchschnitt 6.476 Euro, im EU-Durchschnitt 6.077 Euro. "Jeder fünfte 15-Jährige kann nicht sinnerfassend lesen und jedes Jahr verlassen Tausende die Schule ohne Pflichtschulabschluss - 2013 gab es 53.000 Personen zwischen 18 und 24 mit Pflichtschulabschluss oder weniger. Das muss sich ändern", so Neumayer. Dies sei sowohl gesellschafts- wie auch wirtschaftspolitische Notwendigkeit, so Kapsch: "Zum einen trägt Bildung zur Persönlichkeitsbildung und Sinnfindung bei. Auf der anderen Seite sind Bildung und Wissen zentrale Erfolgsfaktoren der Wirtschaft und Industrie, auf deren Grundlage Innovationen entstehen."

Zwtl.: Bildung neu denken, Schule besser leben

Aufgrund dessen habe die IV ein Modell für eine neue Schule entwickelt. "Die Basis unseres Modells sind unter anderem international erfolgreiche Beispiele wie Niederlande, Finnland oder Polen. Diese erfolgreichen Systeme kombinieren eine gemeinsame Schule mit innerer Differenzierung, hoher Autonomie, Vorgabe von Kompetenzniveaus und einer hohen Qualität des Lehrpersonals", betonte Kapsch. Die IV trete daher für eine "nach innen differenzierte gemeinsame Schule vom ersten Schultag bis zur 'mittleren Reife' ein", so der IV-Präsident. Diese neue Schule solle alle bisherigen Schulformen und -typen in der Primar- und Sekundarstufe I sowie die polytechnische Schule ablösen. Eines sei damit jedoch auch klar: Die IV wolle kein bloßes Zusammenführen von HS, NMS und AHS zu einer gemeinsamen Schule ohne an den Grundfesten des Systems etwas zu ändern; kein bloßes Auswechseln von Türschildern ohne Verbesserung der Bildungsqualität; keine Nivellierung der Bildungsqualität nach unten. Qualitativ hochwertige Elementarpädagogik sei die Voraussetzung für ein funktionierendes Pflichtschulwesen. Es gehe erstens um Bildungsziele, zweitens Strukturen und drittens das Dienstrecht.

"Das Ziel ist es, die inadäquaten Brüche des aktuellen Systems, einmal zwischen der Elementarpädagogik und der Volksschule und zweitens zwischen der vierten und fünften Schulstufe, zu vermeiden", so Kapsch. Die neue Schule solle zudem modernen Lebens- und Arbeitswelten gerecht werden, wie Kapsch ausführte, allerdings ohne - Stichwort Ganztagsschule - den Menschen die Wahlfreiheit zu nehmen: "Es muss nicht alles in der Schule stattfinden, aber es muss alles in der Schule stattfinden können." Zentral sei die Umstellung von der Schulpflicht auf eine "Bildungspflicht". Das IV-Modell sei so angelegt, dass alle aktuellen Strukturen mit entsprechenden Übergangsfristen im neuen Modell aufgehen könnten, so Kapsch.

Die wichtigsten Kennzeichen der neuen Schule:

- Neustrukturierung der bisherigen neun Pflichtschuljahre in drei neue Schulphasen, die jeweils zwei bis drei Jahre dauern und unterschiedliche Schwerpunkte setzen. - Verschränkter, gemeinsamer Ganztagsunterricht: Aufteilung des Schultages in eine Kernzeit (8:30 bis 15:30 Uhr) und Erweiterungszeit (optional von 7:00 bis 19:00 Uhr). - Individualisierter Unterricht, der Stärken und Talente fördert und auf Methodenvielfalt setzt. - Die bisherige Unterrichtspflicht wird durch eine "Bildungspflicht" ersetzt, die sich an klar definierten Bildungszielen orientiert. - Die Bildungspflicht beginnt mit vier Jahren (2. verpflichtendes Kindergartenjahr) und endet mit dem erfolgreichen Abschluss der mittleren Reifeprüfung, die am Ende des achten Schuljahres stattfindet. Sie kann nach individuellem Bedarf und Lernerfolg auch kürzer oder länger andauern, längstens jedoch bis zum Alter von 18 Jahren. - Im Anschluss wählen die Schülerinnen und Schüler, welche die mittlere Reifeprüfung positiv absolviert haben, eines der weiterführenden Bildungsangebote: berufsbildende höhere und mittlere Schulen, duale Berufsausbildung, AHS- Oberstufe. Zukünftig starten jene Jugendliche, die sich für eine duale Berufsausbildung entscheiden, mit einem vollschulischen Berufsschuljahr in diesen Bildungsweg. - Hohe Autonomie der Schule mit Rechten und Pflichten in pädagogischen, finanziellen und personellen Belangen. - Öffentlich finanziertes Schulwesens durch ein neues "Schulträgerschaftsmodell": Es löst die bisherige Systematik von öffentlichen und privaten Schulen (inkl. Sprengel als abgegrenztes Einzugsgebiet) auf und ist in eine schlanke Schulverwaltungsstruktur eingebettet.

Insgesamt fokussiere das IV-Modell auf eine deutliche Verbesserung der Qualität im Bereich der heutigen Pflichtschulzeit, so Kapsch weiter: "Wir konzentrieren uns auf jene Schulphase, die derzeit 'Pflichtschule' heißt. Und wir wollen mit unserem Modell erreichen, dass die Bildungsergebnisse dieser Grundschulzeit deutlich wachsen. Wir setzen uns für mehr Bildungsqualität am Ende dieser Phase und für bessere Chancen für jedes einzelne Kind ein." Es gehe der IV in diesem Sinne nicht darum, darüber zu sprechen "etwas abzuschaffen, sondern wir wollen Schule von Grund auf neu bauen."

Zwtl.: Orientierung an Erfolgsfaktoren

Die IV hat sieben Bildungsziele konzipiert, an denen sich das Bildungswesen in Österreich orientieren solle. Es gehe um Schlüsselkompetenzen, "von denen wir meinen, dass sie die Gesellschaft und der Arbeitsmarkt von morgen brauchen. Unter 'Schlüsselkompetenzen' sind jene Kompetenzen zu verstehen, die Menschen für persönliche Entfaltung und erfolgreiche Beschäftigung, aber auch für soziale Integration, Bürgersinn und zur Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen benötigen", erklärte Neumayer. Neben Grundkompetenzen in den Kulturtechniken gehe es dabei um den Erwerb von Allgemeinbildung in möglichst allen Lebensbereichen, um Sozial- und Wertebildung, mehr wirtschaftliches Grundverständnis, naturwissenschaftlich-technische Kompetenzen, Kooperationsfähigkeit sowie Selbstvertrauen und Handlungskompetenz.

Basis der neuen IV-Konzeption sind sechs Erfolgsfaktoren für eine gelingende Schule. "Wir haben uns mehrere grundlegende Fragen gestellt: Wie kann die Bildungsqualität in der Breite und in der Spitze verbessert werden? Wie kann Chancengerechtigkeit verwirklicht und soziale Selektion verhindert werden? Welche Faktoren sind für den Erfolg entscheidend?", betonte der IV-Generalsekretär. Neben einer hohen Schulautonomie gehören zu den Erfolgsfaktoren eine gelingende Schulkultur, erfolgreiche Lehr- und Lernprozesse und die verschränkte Ganztagsschule. "Ganz zentral sind zwei weitere Faktoren: Wir brauchen die besten Pädagoginnen und Pädagogen, und: wir brauchen bei den Schülerinnen und Schülern mehr Spitze und mehr Breite. Daher müssen wir Begabte fördern und die soziale Selektion verringern. Dazu brauchen wir eine grundlegend neue Schule."

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Industrie: Brauchen eine Bildungsrevolution – Neues Schulkonzept der IV

IV-Präsident Kapsch: Brauchen innere Differenzierung, hohe Autonomie, Vorgabe des Kompetenzniveaus und hohe Qualität des Lehrpersonals – Bildungsziele als Ankerpunkt – Aktuelles System ineffizient

„Bildung hat einen zentralen Stellenwert für Gesellschaft und Wirtschaft. Bildung ist die wesentliche Grundlage für eine erfolgreiche individuelle, gesellschaftliche und wirtschaftliche Zukunft“, so der Präsident der Industriellenvereinigung (IV), Mag. Georg Kapsch, anlässlich der Präsentation des IV-Bildungskonzepts heute, Dienstag, in Wien. „Unser Bildungssystem muss Maß an der Zukunft nehmen, deshalb braucht es einen grundlegenden Neustart. Das sind wir den jungen Menschen, den Eltern, den Pädagoginnen und Pädagogen sowie der Zukunft der Menschen in unserem Land schuldig“, so Kapsch. „Wir haben den Punkt, wo man noch etwas mit Reformen hätte erreichen können, bereits vor Jahrzehnten überschritten“, so Kapsch weiter: „Wir brauchen daher keine Reformen sondern eine Bildungs-Revolution.“ Immerhin sei die letzte große Bildungs-Revolution in Österreich vor 250 Jahren unter Maria Theresia passiert. „Wir müssen Bildung von Grund auf neu denken. Das Ziel sind bessere Chancen für jedes Kind“, so Kapsch. Das derzeitige System ermögliche das „reine Absitzen“ der Pflichtschuljahre, was nicht das Ziel sein könne, betonte auch IV-Generalsekretär Mag. Christoph Neumayer die Notwendigkeit grundlegender Schritte. Dies gelte auch für die Politik, denn „wir haben noch immer die Parteipolitik in den Schulen. Wir müssen raus aus den ideologischen Schützengräben und hin zu einer sachlichen Diskussion über Bildung. Wir brauchen mehr Spitze und mehr Breite.“ 

Derzeit teures und ineffizientes System 

Derzeit leiste sich Österreich eines der teuersten Bildungssysteme der Welt und liefere dennoch nur mittelmäßige Bildungsqualität: Während Österreich für sein Bildungswesen pro Kopf 9.131 Euro ausgebe, seien es im OECD-Durchschnitt 6.476 Euro, im EU-Durchschnitt 6.077 Euro. „Jeder fünfte 15-Jährige kann nicht sinnerfassend lesen und jedes Jahr verlassen Tausende die Schule ohne Pflichtschulabschluss – 2013 gab es 53.000 Personen zwischen 18 und 24 mit Pflichtschulabschluss oder weniger. Das muss sich ändern“, so Neumayer. Dies sei sowohl gesellschafts- wie auch wirtschaftspolitische Notwendigkeit, so Kapsch: „Zum einen trägt Bildung zur Persönlichkeitsbildung und Sinnfindung bei. Auf der anderen Seite sind Bildung und Wissen zentrale Erfolgsfaktoren der Wirtschaft und Industrie, auf deren Grundlage Innovationen entstehen.“ 

Bildung neu denken, Schule besser leben 

Aufgrund dessen habe die IV ein Modell für eine neue Schule entwickelt. „Die Basis unseres Modells sind unter anderem international erfolgreiche Beispiele wie Niederlande, Finnland oder Polen. Diese erfolgreichen Systeme kombinieren eine gemeinsame Schule mit innerer Differenzierung, hoher Autonomie, Vorgabe von Kompetenzniveaus und einer hohen Qualität des Lehrpersonals“, betonte Kapsch. Die IV trete daher für eine „nach innen differenzierte gemeinsame Schule vom ersten Schultag bis zur ‚mittleren Reife‘ ein“, so der IV-Präsident. Diese neue Schule solle alle bisherigen Schulformen und -typen in der Primar- und Sekundarstufe I sowie die polytechnische Schule ablösen. Eines sei damit jedoch auch klar: Die IV wolle kein bloßes Zusammenführen von HS, NMS und AHS zu einer gemeinsamen Schule ohne an den Grundfesten des Systems etwas zu ändern; kein bloßes Auswechseln von Türschildern ohne Verbesserung der Bildungsqualität; keine Nivellierung der Bildungsqualität nach unten. Qualitativ hochwertige Elementarpädagogik sei die Voraussetzung für ein funktionierendes Pflichtschulwesen. Es gehe erstens um Bildungsziele, zweitens Strukturen und drittens das Dienstrecht. 

„Das Ziel ist es, die inadäquaten Brüche des aktuellen Systems, einmal zwischen der Elementarpädagogik und der Volksschule und zweitens zwischen der vierten und fünften Schulstufe, zu vermeiden“, so Kapsch. Die neue Schule solle zudem modernen Lebens- und Arbeitswelten gerecht werden, wie Kapsch ausführte, allerdings ohne – Stichwort Ganztagsschule – den Menschen die Wahlfreiheit zu nehmen: „Es muss nicht alles in der Schule stattfinden, aber es muss alles in der Schule stattfinden können.“ Zentral sei die Umstellung von der Schulpflicht auf eine „Bildungspflicht“. Das IV-Modell sei so angelegt, dass alle aktuellen Strukturen mit entsprechenden Übergangsfristen im neuen Modell aufgehen könnten, so Kapsch. 

Die wichtigsten Kennzeichen der neuen Schule: 

·         Neustrukturierung der bisherigen neun Pflichtschuljahre in drei neue Schulphasen, die jeweils zwei bis drei Jahre dauern und unterschiedliche Schwerpunkte setzen.

·         Verschränkter, gemeinsamer Ganztagsunterricht: Aufteilung des Schultages in eine Kernzeit (8:30 bis 15:30 Uhr) und Erweiterungszeit (optional von 7:00 bis 19:00 Uhr).

·         Individualisierter Unterricht, der Stärken und Talente fördert und auf Methodenvielfalt setzt.

·         Die bisherige Unterrichtspflicht wird durch eine „Bildungspflicht“ ersetzt, die sich an klar definierten Bildungszielen orientiert.

·         Die Bildungspflicht beginnt mit vier Jahren (2. verpflichtendes Kindergartenjahr) und endet mit dem erfolgreichen Abschluss der mittleren Reifeprüfung, die am Ende des achten Schuljahres stattfindet. Sie kann nach individuellem Bedarf und Lernerfolg auch kürzer oder länger andauern, längstens jedoch bis zum Alter von 18 Jahren.

·         Im Anschluss wählen die Schülerinnen und Schüler, welche die mittlere Reifeprüfung positiv absolviert haben, eines der weiterführenden Bildungsangebote: berufsbildende höhere und mittlere Schulen, duale Berufsausbildung, AHS- Oberstufe. Zukünftig starten jene Jugendliche, die sich für eine duale Berufsausbildung entscheiden, mit einem vollschulischen Berufsschuljahr in diesen Bildungsweg.

·         Hohe Autonomie der Schule mit Rechten und Pflichten in pädagogischen, finanziellen und personellen Belangen.

·         Öffentlich finanziertes Schulwesens durch ein neues „Schulträgerschaftsmodell“: Es löst die bisherige Systematik von öffentlichen und privaten Schulen (inkl. Sprengel als abgegrenztes Einzugsgebiet) auf und ist in eine schlanke Schulverwaltungsstruktur eingebettet. 

Insgesamt fokussiere das IV-Modell auf eine deutliche Verbesserung der Qualität im Bereich der heutigen Pflichtschulzeit, so Kapsch weiter: „Wir konzentrieren uns auf jene Schulphase, die derzeit ‚Pflichtschule‘ heißt. Und wir wollen mit unserem Modell erreichen, dass die Bildungsergebnisse dieser Grundschulzeit deutlich wachsen. Wir setzen uns für mehr Bildungsqualität am Ende dieser Phase und für bessere Chancen für jedes einzelne Kind ein.“ Es gehe der IV in diesem Sinne nicht darum, darüber zu sprechen „etwas abzuschaffen, sondern wir wollen Schule von Grund auf neu bauen.“ 

Orientierung an Erfolgsfaktoren 

Die IV hat sieben Bildungsziele konzipiert, an denen sich das Bildungswesen in Österreich orientieren solle. Es gehe um Schlüsselkompetenzen, „von denen wir meinen, dass sie die Gesellschaft und der Arbeitsmarkt von morgen brauchen. Unter ‚Schlüsselkompetenzen‘ sind jene Kompetenzen zu verstehen, die Menschen für persönliche Entfaltung und erfolgreiche Beschäftigung, aber auch für soziale Integration, Bürgersinn und zur Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen benötigen“, erklärte Neumayer. Neben Grundkompetenzen in den Kulturtechniken gehe es dabei um den Erwerb von Allgemeinbildung in möglichst allen Lebensbereichen, um Sozial- und Wertebildung, mehr wirtschaftliches Grundverständnis, naturwissenschaftlich-technische Kompetenzen, Kooperationsfähigkeit sowie Selbstvertrauen und Handlungskompetenz. 

Basis der neuen IV-Konzeption sind sechs Erfolgsfaktoren für eine gelingende Schule. „Wir haben uns mehrere grundlegende Fragen gestellt: Wie kann die Bildungsqualität in der Breite und in der Spitze verbessert werden? Wie kann Chancengerechtigkeit verwirklicht und soziale Selektion verhindert werden? Welche Faktoren sind für den Erfolg entscheidend?“, betonte der IV-Generalsekretär. Neben einer hohen Schulautonomie gehören zu den Erfolgsfaktoren eine gelingende Schulkultur, erfolgreiche Lehr- und Lernprozesse und die verschränkte Ganztagsschule. „Ganz zentral sind zwei weitere Faktoren: Wir brauchen die besten Pädagoginnen und Pädagogen, und: wir brauchen bei den Schülerinnen und Schülern mehr Spitze und mehr Breite. Daher müssen wir Begabte fördern und die soziale Selektion verringern. Dazu brauchen wir eine grundlegend neue Schule.“

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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