Mittwoch, 19. November 2014

2014.11.19: Newsletter Bildung

Die Presse – 19. November 2014

 

 

Schule: Vom Wert der Handschrift

 

Es wird immer weniger mit der Hand geschrieben. Stiftehersteller versuchen, den Wert des Schreibens zu argumentieren. Die These: Wer schreibt, der lernt.

Nicht nur die Notizen für den Job, auch persönliche Nachrichten, Urlaubsgrüße und Liebesbriefe werden längst per E-Mail verschickt. Ja sogar den Einkaufszettel kritzeln viele inzwischen nicht mehr auf einen Zettel, sondern tippen ihn ins Smartphone. Die Handschrift wird im Alltag immer mehr zurückgedrängt, so viel ist klar. Und auch die Unis, sogar die Schulen verändern sich. In den USA beispielsweise wird die Handschrift immer mehr von der Tastatur verdrängt.

Und auch in Österreich gibt es an den Schulen immer mehr Laptop- oder iPad-Klassen. Nicht einmal an die Tafel muss da und dort noch geschrieben werden, seit es digitale Tafeln gibt. Wenn die Kinder, die heute in den Volksschulen sitzen, erwachsen sind, sind Stift und Papier womöglich komplett aus der Mode gekommen. Und die Handschrift brauche man dann bestenfalls noch für die Unterschrift, sagen manche.

Gute Argumente sind nötig

Eine entsetzliche Vorstellung für manche. Schreiben mit der Hand habe eine individuelle Note, die eigene Handschrift ist so einzigartig wie ein Fingerabdruck: Was da alles an Emotionen verloren gehe. Wo komme man denn hin, wenn nicht einmal mehr persönliche Briefe mit der Hand geschrieben werden. Und was passiert dann, wenn einmal der Strom ausfällt – und aber keiner mehr mit der Hand schreiben kann?

Wie auch immer man diese eher nostalgiegetriebenen bis quasi-apokalyptischen Motive für eine Bewahrung der Handschrift sieht, klar ist: Das Schreiben mit der Hand kann man heute nicht mehr verteidigen, ohne fundiert zu argumentieren, wozu es tatsächlich taugt. Hier setzt Sebastian Schwanhäußer an, jüngst bei der Interpädagogica in Wien zu Gast: Er ist der Chef von Schwan-Stabilo, dem deutschen Stiftehersteller und hat auch das Schreibmotorikinstitut gegründet, das Forschung sammelt und betreibt und das (bessere) Schreiben mit der Hand fördern will (siehe unten).

„Wenn Schreiben nur noch eine Erinnerung an die Vergangenheit wäre, dann würde es wahrscheinlich zu einer Nische werden, wie Kalligrafie bei den Japanern", sagt Schwanhäußer. „Aber wir denken, dass das Schreiben mit der Hand einen Wert an sich hat: Dass es eine Technik ist, die hilft, Wissen besser aufzunehmen."
Ist Handschrift also mehr als bloß eine Möglichkeit, um Wörter zu Papier zu bringen – die einfach durch die Tastatur und demnächst durch automatische Spracherkennung ersetzt werden kann? Oder, anders gefragt: Würde man mit der Handschrift mehr verlieren als bloß die Handschrift?

Schwanhäußer sagt: Ja. Einer ganzen Reihe von Studien zufolge bestehe ein enger Zusammenhang zwischen dem Schreiben mit der Hand und kognitiven Prozessen. Kurz gesagt: Wer schreibt, der lernt. Es gehe dabei etwa um die Aktivierung der entsprechenden Gehirnregionen. Einer französischen Studie zufolge lernen Kinder, die mit der Hand schreiben, deutlich schneller und besser lesen als Kinder, die lernen, mit der Tastatur zu schreiben.

Merkfähigkeit ist besser

„Die Gehirnareale sind vernetzter, wenn man mit der Hand schreibt", sagt Marianela Diaz Meyer, die das Schreibmotorikinstitut leitet. „Das kennt man ja auch vom bewegten Lernen. Wenn Kinder sich bewegen, dann nehmen sie etwas intensiver auf." Forscher der US-amerikanischen Eliteuni Princeton haben jüngst etwa herausgefunden, dass Studierende, die sich Notizen am Laptop machen in Leistungstests schlechter abschneiden als jene, die mit der Hand mitschreiben. Der Grund: Wer mit der Hand schreibt, ist gezwungen, die Information gleich zu verarbeiten. Und das hilft dabei, zu merken und das Gemerkte auch zu verstehen.

Schwanhäußer will jedenfalls keine Endzeitstimmung aufkommen lassen. „Im Bildungsbereich hat das Schreiben mit der Hand seinen Platz." Und das werde auch so bleiben – zumindest teilweise. „In bildungsaffinen Schichten wird das Schreiben mit der Hand einen großen Wert haben." Da könnte sich – das wünscht sich jedenfalls der Stiftehersteller -, die Ansicht durchsetzen, dass Schreiben keine verstaubte, alte Technologie sei. „Sondern dass das Schreiben durchaus ein Hilfsmittel sein kann, um die eigene Bildungsleistung ein Stückweit zu erhöhen."

Wird also das Schreiben eher als Lerntechnik – etwa um sich etwas besser zu merken – denn als klassische Kulturtechnik bestehen bleiben? „Der Sinn dahinter ist eher Bildung und nicht Kultur", meint Schwanhäußer. „Kultur alleine wird nicht überleben, wenn nicht etwas anderes dahinter ist."

Auf einen Blick

Handschrift wird in Beruf und Alltag, aber auch in den Schulen immer mehr von digitalen Technologien abgelöst. Immer wieder zeigen Studien, dass das Schreiben mit der Hand aber positive Effekte auf das Lernen und die Merkfähigkeit hat. Erst jüngst haben Forscher der US-Uni Princeton herausgefunden, dass Studenten, die sich Notizen mit der Hand statt am Laptop machen, bei Leistungstests besser abschneiden. Eine Erklärung: Sie sind gezwungen, das Gehörte gleich zu filtern und in ihren eigenen Worten niederzuschreiben, während man beim Mitschreiben am Computer dazu tendiert, Informationen vollständig mitzuschreiben. Andere Forscher verweisen auf den Zusammenhang zwischen der Bewegung und einer Aktivierung bzw. besseren Vernetzung entsprechender Gehirnareale.

 

 

Die Presse – 19. November 2014

 

 

Schreiben lernen: Schönschreiben ist überbewertet

Es geht zuerst darum, spielerisch die Bewegung zu üben - und rasch zu einer effizienten Schrift zu kommen.

Wie lernt man in der Schule gut schreiben? Jedenfalls nicht, indem Schönschreiben in den Vordergrund gestellt wird, das ist inzwischen Konsens. „Beim Schreibenlernen geht es um Motorik vor Form", sagt Marianela Diaz Meyer, die das deutsche Schreibmotorikinstitut leitet. „Es geht nicht darum, ein schönes A oder ein schönes B zu machen. Man muss weg vom Nachmalen: Es geht zuerst darum, spielerisch die Bewegungen zu üben – und dann erst um die Buchstaben."

Das Geheimnis sei, sich zunächst nicht auf das Ergebnis zu konzentrieren, sondern die Bewegungen zu sehen: den Rhythmus, die Geschwindigkeit, den Druck. Diese fein- und grobmotorischen Kompetenzen müssten dann auf das Schreiben übertragen werden. „Es gibt eine Erwachsenenschrift, und das ist etwas Effizientes", sagt Diaz Meyer. „Es bringt nichts, dass die Kinder das Schreiben zwei Mal lernen: zuerst die Form und dann die Effizienz. Das sollte man so früh als möglich auch im Schreibunterricht berücksichtigen."

Manches würde die Kinder beim Schreiben übrigens besonders hemmen, so Diaz Meyer: Zwischen klar markierten Linien zu schreiben etwa. Lieber sollte man auf einem weißen Blatt schreiben oder auch auf Blättern, deren Zeilen farblich gekennzeichnet sind.

„Die Motorik muss passen"

Auch die konkrete Art der Schulschrift – in Österreich wurde diese zuletzt vor knapp 20 Jahren reformiert –, seien eigentlich nebensächlich, meint Diaz Meyer. „Wir können uns lange streiten, ob ein Strich unten oder oben eine bessere Verbindung ergibt. Wenn die grundlegenden motorischen Fähigkeiten passen, dann kann ich es auf die eine oder andere Weise."

In einem Pilotprojekt, das das Schreibmotorikinstitut gemeinsam mit der PH Wien vor zwei Jahren an drei Volksschulklassen in Liesing durchgeführt hat, habe sich auch gezeigt, dass der Zugang über die Motorik erfolgreich sei: Einmal pro Woche wurden spezielle Übungen in den Schreibunterricht integriert. Nach sechs Monaten seien die Schreibkompetenzen der Schüler deutlich besser gewesen als die anderer Klassen.

 

 

Die Presse – 19. November 2014

 

 

Gesamtschuldebatte: "Die Schulform verändert wenig"

Bildungsforscher Stefan Hopmann über die "windschiefe" Gesamtschuldiskussion und darüber, dass manche Eltern ihre Kinder notfalls auch ins Ballettgymnasium schicken würden.

Die Presse: Politisch wird immer mehr am Gymnasium gerüttelt – gerade tut das die Industrie (siehe unten). Wie sieht es mit der Zukunft dieser Schulform aus?

Stefan Hopmann: Sie bleibt bedroht.

Dabei wird von vielen Seiten argumentiert, das Gymnasium sei die erfolgreichste Schulform.

Die ganze Diskussion ist windschief. Schulformen als solche sind weder erfolgreich noch nicht erfolgreich. Das ist ein völliger Unsinn. Wenn ich den sozialen Hintergrund berücksichtige, ist das Gymnasium nicht besser als die Neue Mittelschule. Primär spiegeln Leistungstests wie PISA die gesellschaftliche Verteilung von kulturellen und sozialen Ressourcen.

Kann man so etwas überhaupt über die Schule verändern?

Über Schulformen wenig. Die Schulform bildet die Unterschiede ab, aber sie schafft sie nicht her. Was man im besten Fall erreichen kann ist, dass es für die Schüler am unteren Rand nicht katastrophal endet. Aber niemand kann ressourcenstarke Familien daran hindern, das auszuspielen.

Das Gymnasium ist für manche quasi die Verdinglichung von Ungerechtigkeit. Zu Unrecht?

Historisch war es das. Bei Maria Theresia war das Gymnasium als Gesamtschule des Bürgertums konzipiert. Es hat dafür gesorgt, dass die Bürgerkinder nicht mit den Schmuddelkindern auf einer Schulbank sitzen mussten. Die Arbeiterbewegung hat das bekämpft. Aber nicht mit einer neuen Idee von Schule, sondern mit der Forderung nach gleichem Zugang zur bürgerlichen Bildung. Und sie führen immer noch den Kampf der Zwanzigerjahre: den Kampf um bürgerliche Bildung für alle.

Was kann das Gymnasium werden? Eine kleine Eliteschule?

Wenn ich das Gymnasium einschränke, etwa, indem die Unterstufen der Realgymnasien abgeschafft werden und nur noch spezialisierte Formen AHS bleiben, wie der Salzburger Landeschef Wilfried Haslauer einmal vorgeschlagen hat, wird das keine Eliteschule. Es ist dann immer noch die Gesamtschule des Bürgertums. Akademikereltern wählen zuerst den Schultyp und dann die Ausrichtung. Die würden ihr Kind auf die Ballettschule schicken, wenn das das einzig verfügbare Gymnasium ist.

Würde es dann auch mehr Privatschulen geben?

Für jeden öffentlichen Platz, den ich schließe, würden zwei private hochkommen. In den USA ist inzwischen die Mehrheit der Kinder, die auf eine öffentliche Schule gehen, unter der Armutsgrenze. Wenn die öffentliche Schule mir nicht das Extra gibt, nach dem ich suche, sind diese Eltern auch bereit, die Hälfte des Familieneinkommens zu investieren.

Kann man den Eltern das denn vorwerfen?

Nein. Das finde ich legitim. Das tue ich doch selbst mit meinen Enkeln. Denn Bildung ist das Einzige, was man vererben kann. Also ist die Frage nach Gymnasium oder nicht die falsche. Man muss fragen: Wie müssen alle Schulen aufgestellt sein, damit sie die, die sie nun einmal bekommen, bestmöglich versorgen?

Tun die Gymnasien das derzeit?

Viele verfahren immer noch so wie im 19. Jahrhundert: Ein Schüler kann mithalten oder nicht. Jede Schule müsste eine klare Auflage haben, kein Kind abgeben zu dürfen, das sie einmal genommen hat. Man muss in einer guten Schule lernen können, was es für die Schule braucht. Es kann nicht sein, dass ein Kind davon abhängig ist, wie gut Mama in Mathematik ist oder Opa in Deutsch.

Wären Schulen dann nicht umso restriktiver bei der Aufnahme?

Ich würde die Aufnahme überhaupt anders regeln: Weg mit den ganzen Vorgaben, welche Noten man haben muss. Wir haben das einmal untersucht. Wenn sich Kind, Eltern und Lehrer zusammensetzen, kommen die in über 90 Prozent zu einem Konsens.

Wie könnten sich die Gymnasien aus dem politischen Würgegriff befreien?

Die Gymnasien müssen viel deutlicher Programmschulen sein und mit Kultivierung arbeiten. Im Gegensatz zur Qualifizierung, die meint, dass ich gewisse Dinge beherrsche, meint das ein Kultivieren des Lernens, der Gemeinschaftlichkeit, der Fähigkeit, mit anderen etwas anzufangen, durchzuführen und zu Ende zu bringen. Das ist der Bereich, in dem Schule mehr Wirkung hat.

Sagen Sie, Leistung und klassisches Lernen seien unwichtig?

Nein, Leistung bleibt wichtig. Aber es gibt überhaupt keinen empirischen Beleg dafür, dass die gegenwärtige Qualifizierungshysterie etwas bringt. Immer geht es um mehr Leistung, um mehr Kompetenzorientierung: Da steckt die Fantasie dahinter, man könne diese Schraube beliebig anziehen. Das geht aber gar nicht. Man vergisst übrigens 80 Prozent dessen, was man in der Schule gelernt hat, eh sofort wieder – ohne, dass es schädliche Nebenwirkungen hätte.

ZUR PERSON

Stefan Hopmann (60) ist Professor am Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien. Seine These im Streit um Gymnasium versus Gesamtschule: Es kommt nicht auf die Struktur an, sondern darauf, was in der Schule passiert. Hopmann ist auch ein scharfer Kritiker der PISA-Studien.

 

 

Die Presse – 19. November 2014

 

 

Schweden: SMS als Waffe gegen Schulschwänzer

Stockholmer Schulen gelang es, das Schwänzen stark zu reduzieren: Eltern werden automatisch per SMS informiert, wenn ihre Kinder unentschuldigt fernbleiben.

 

Piep, piep! Ihre Tochter Louise Leijonhufvud ist heute unentschuldigt dem Unterricht ferngeblieben. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an den Klassenlehrer. Mit freundlichen Grüßen, Ihre Schule."

So oder so ähnlich kann eine jener Meldungen lauten, die seit längerer Zeit bereits in Stockholmer Grundschulen gelegentlich per SMS an Eltern geschickt werden – und mit denen offenbar erfolgreich eine neue „Wunderwaffe" gegen das Phänomen des Schulschwänzens geschaffen wurde: Die Kurzbotschaften an Handys, deren Text die von der ersten bis zur neunten Klasse führenden Grundschulen selbstständig festlegen können, sind sozusagen Schwänzalarm-SMS an Eltern, deren Sprösslinge dem Unterricht ohne Entschuldigung fernbleiben.

Und sie wirken in der Tat: Seit dieser Alarmdienst samt einer in Echtzeit online abrufbaren Abwesenheitsliste eingeführt worden ist, hat sich die Zahl von Schulschwänzern bzw. der durch diese versäumten Schulstunden deutlich reduziert.

Fehlzeitregister im Internet

Bereits seit 2009 werden unentschuldigte Fehlzeiten der Schüler in einem zentralen, von den Eltern im Internet abrufbaren Register eingetragen. Das allein schon hat zu mehr Disziplin im Vergleich zu den schwer einsehbaren handschriftlichen Klassenbüchern geführt. Zudem konnten Eltern dank der Digitalisierung auch über eine Applikation im Mobiltelefon ihre Kinder bei Krankheit einfach online entschuldigen.

„Insgesamt haben sich die unentschuldigten Fehlzeiten aller Stockholmer Grundschulen schon durch diese Maßnahmen drastisch von 2,9 Prozent im Schuljahr 2009/2010 auf 1,7 Prozent im Schuljahr 2013/2014 reduziert", sagt Erika Isaksson vom Stockholmer Ausbildungsverwaltungsamt zur „Presse". „Der obligatorische Informationsdienst ist für den Rückgang verantwortlich, haben unsere Analysen ergeben."

Seit 2012 aber werden zusätzlich in 16 Versuchsschulen bei der digitalen Erfassung der anwesenden Schüler durch die Lehrkräfte umgehend SMS an Eltern geschickt, wenn ihre Kinder zum Stundenbeginn unentschuldigt nicht erschienen sind. Folge: Eine Erhebung des Schulamtes hat ergeben, dass sich das Schwänzen an den meisten der 16 Versuchsschulen jetzt sogar mehr als halbiert hat.

So hatten etwa die Schülerinnen und Schüler der Grundschule in Akalla, einem sozialschwachen Vorort mit mehr als 70 Prozent Migrantenanteil, im Schuljahr 2009/10 noch rund neun Prozent der gesamten Unterrichtszeit unentschuldigt verpasst. Dann kam der Schwänzalarm, und siehe: Im Schuljahr 2013/14 waren es plötzlich nur noch 2,1 Prozent.

Der bei der Einführung der Schwänz-SMS noch belächelte und von Schülervertretern gar als „die Integrität verletzend" heftig kritisierte elektronische Alarmdienst hat sich damit klar bewährt. Ab dem kommenden Schuljahr soll er daher gleich auf alle Stockholmer Grundschulen erweitert werden.

Wer schwänzt, ist einsam

Die Digitalisierung, der SMS-Dienst und auch Sozialarbeiter, die im Rahmen des Versuchs an einigen besonders problematischen Schulen der schwedischen Hauptstadt extra dafür eingesetzt wurden, um vor allem Kindern mit auffallend hoher Abwesenheitsrate zu helfen, haben angeblich auch die Stimmung an den Schulen geändert. „Es ist ganz einfach nicht mehr so populär zu schwänzen. Man wird nämlich einsam, weil es keine so große oder gar keine Clique mehr gibt, mit der man außerhalb der Schule herumhängen kann", sagt der Sozialarbeiter Claude Brochard der Zeitung „Svenska Dagbladet".

Und: Die kräftig erhöhte Anwesenheit der Schüler habe auch zu besseren Schulnoten und einem ruhigeren, entspannteren Klima in den Klassenzimmern geführt. Dieses schwedische Modell müsste daher gerade auch für Österreich ein Vorbild sein.

 

 

Die Presse – 19. November 2014

 

 

AHS: Aus- und Umbauten auf langer Bank

In Wien drängen immer mehr Schüler in die AHS. Baulich hinkt man hinterher.

Wien. Der Sparstift wird im Bildungsbereich besonders häufig an den Gymnasien angesetzt. Das macht sich auch bei den Neueröffnungen von Schulen bemerkbar. Die ÖVP klagt, dass die bislang letzte AHS-Unterstufe in Wien vor mittlerweile zwölf Jahren eröffnet wurde. Wann auch immer eine neue AHS errichtet werde, dann handle es sich stets nur um eine Oberstufe. Die Unterstufe werde als Mittelschule geführt. Damit werde über die Hintertür das Gymnasium in der Langform abgeschafft, so die Kritik.

Derzeit sind zwei neue AHS-Standorte in Wien geplant. In Penzing soll eine AHS mit 32 Klassen entstehen, in der Seestadt Aspern sollen es 36 Klassen sein. Allerdings ist laut Stadtschulrat auch an diesen Standorten noch offen, ob in den ersten vier Jahren (also quasi der Unterstufe) nicht die Neue Mittelschule als Schulversuch eingeführt wird.

Zu wenig Platz für Lehrer

Bleibt der Andrang an die AHS weiterhin hoch, so kann der Bedarf aber ohnehin nicht gedeckt werden. Denn Wien wächst schnell: In den nächsten Jahren wird die Zahl der Kinder und Jugendlichen stark steigen. Gibt es derzeit 145.000 schulpflichtige Kinder zwischen sechs und 14 Jahren, werden es im Jahr 2025 rund 170.000 sein.

Die Budgetnöte im Schulsystem machen einen Ausbau aber unwahrscheinlich – und sie sorgen schon jetzt häufig für Klagen. Viele Schulen harren auf einen Ausbau oder Umbau: Sei es wegen steigender Schülerzahlen, wegen des stark gestiegenen Bedarfs an Nachmittagsbetreuung oder der Platznot der Lehrer für Vorbereitung und Korrekturarbeiten. Lehrervertreter beschweren sich außerdem darüber, dass in vielen Schulen die Infrastruktur für einen modernen Unterricht fehlt. So seien in vielen Unterrichtsräumen beispielsweise weder Beamer noch Lautsprecher vorhanden. (rovi)

 

 

Die Presse – 19. November 2014

 

 

Gesamtschuldebatte: "Die Schulform verändert wenig"

Bildungsforscher Stefan Hopmann über die "windschiefe" Gesamtschuldiskussion und darüber, dass manche Eltern ihre Kinder notfalls auch ins Ballettgymnasium schicken würden.

Die Presse: Politisch wird immer mehr am Gymnasium gerüttelt – gerade tut das die Industrie (siehe unten). Wie sieht es mit der Zukunft dieser Schulform aus?

Stefan Hopmann: Sie bleibt bedroht.

Dabei wird von vielen Seiten argumentiert, das Gymnasium sei die erfolgreichste Schulform.

Die ganze Diskussion ist windschief. Schulformen als solche sind weder erfolgreich noch nicht erfolgreich. Das ist ein völliger Unsinn. Wenn ich den sozialen Hintergrund berücksichtige, ist das Gymnasium nicht besser als die Neue Mittelschule. Primär spiegeln Leistungstests wie PISA die gesellschaftliche Verteilung von kulturellen und sozialen Ressourcen.

Kann man so etwas überhaupt über die Schule verändern?

Über Schulformen wenig. Die Schulform bildet die Unterschiede ab, aber sie schafft sie nicht her. Was man im besten Fall erreichen kann ist, dass es für die Schüler am unteren Rand nicht katastrophal endet. Aber niemand kann ressourcenstarke Familien daran hindern, das auszuspielen.

Das Gymnasium ist für manche quasi die Verdinglichung von Ungerechtigkeit. Zu Unrecht?

Historisch war es das. Bei Maria Theresia war das Gymnasium als Gesamtschule des Bürgertums konzipiert. Es hat dafür gesorgt, dass die Bürgerkinder nicht mit den Schmuddelkindern auf einer Schulbank sitzen mussten. Die Arbeiterbewegung hat das bekämpft. Aber nicht mit einer neuen Idee von Schule, sondern mit der Forderung nach gleichem Zugang zur bürgerlichen Bildung. Und sie führen immer noch den Kampf der Zwanzigerjahre: den Kampf um bürgerliche Bildung für alle.

Was kann das Gymnasium werden? Eine kleine Eliteschule?

Wenn ich das Gymnasium einschränke, etwa, indem die Unterstufen der Realgymnasien abgeschafft werden und nur noch spezialisierte Formen AHS bleiben, wie der Salzburger Landeschef Wilfried Haslauer einmal vorgeschlagen hat, wird das keine Eliteschule. Es ist dann immer noch die Gesamtschule des Bürgertums. Akademikereltern wählen zuerst den Schultyp und dann die Ausrichtung. Die würden ihr Kind auf die Ballettschule schicken, wenn das das einzig verfügbare Gymnasium ist.

Würde es dann auch mehr Privatschulen geben?

Für jeden öffentlichen Platz, den ich schließe, würden zwei private hochkommen. In den USA ist inzwischen die Mehrheit der Kinder, die auf eine öffentliche Schule gehen, unter der Armutsgrenze. Wenn die öffentliche Schule mir nicht das Extra gibt, nach dem ich suche, sind diese Eltern auch bereit, die Hälfte des Familieneinkommens zu investieren.

Kann man den Eltern das denn vorwerfen?

Nein. Das finde ich legitim. Das tue ich doch selbst mit meinen Enkeln. Denn Bildung ist das Einzige, was man vererben kann. Also ist die Frage nach Gymnasium oder nicht die falsche. Man muss fragen: Wie müssen alle Schulen aufgestellt sein, damit sie die, die sie nun einmal bekommen, bestmöglich versorgen?

Tun die Gymnasien das derzeit?

Viele verfahren immer noch so wie im 19. Jahrhundert: Ein Schüler kann mithalten oder nicht. Jede Schule müsste eine klare Auflage haben, kein Kind abgeben zu dürfen, das sie einmal genommen hat. Man muss in einer guten Schule lernen können, was es für die Schule braucht. Es kann nicht sein, dass ein Kind davon abhängig ist, wie gut Mama in Mathematik ist oder Opa in Deutsch.

Wären Schulen dann nicht umso restriktiver bei der Aufnahme?

Ich würde die Aufnahme überhaupt anders regeln: Weg mit den ganzen Vorgaben, welche Noten man haben muss. Wir haben das einmal untersucht. Wenn sich Kind, Eltern und Lehrer zusammensetzen, kommen die in über 90 Prozent zu einem Konsens.

Wie könnten sich die Gymnasien aus dem politischen Würgegriff befreien?

Die Gymnasien müssen viel deutlicher Programmschulen sein und mit Kultivierung arbeiten. Im Gegensatz zur Qualifizierung, die meint, dass ich gewisse Dinge beherrsche, meint das ein Kultivieren des Lernens, der Gemeinschaftlichkeit, der Fähigkeit, mit anderen etwas anzufangen, durchzuführen und zu Ende zu bringen. Das ist der Bereich, in dem Schule mehr Wirkung hat.

Sagen Sie, Leistung und klassisches Lernen seien unwichtig?

Nein, Leistung bleibt wichtig. Aber es gibt überhaupt keinen empirischen Beleg dafür, dass die gegenwärtige Qualifizierungshysterie etwas bringt. Immer geht es um mehr Leistung, um mehr Kompetenzorientierung: Da steckt die Fantasie dahinter, man könne diese Schraube beliebig anziehen. Das geht aber gar nicht. Man vergisst übrigens 80 Prozent dessen, was man in der Schule gelernt hat, eh sofort wieder – ohne, dass es schädliche Nebenwirkungen hätte.

ZUR PERSON

Stefan Hopmann (60) ist Professor am Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien. Seine These im Streit um Gymnasium versus Gesamtschule: Es kommt nicht auf die Struktur an, sondern darauf, was in der Schule passiert. Hopmann ist auch ein scharfer Kritiker der PISA-Studien.

 

 

Die Presse – 19. November 2014

 

 

Industrie fordert ganztägige Gesamtschule

Die IV pocht auf eine "Bildungsrevolution": Der Kindergarten soll schon für Vierjährige verpflichtend sein, Fünfjährige sollen ein Schulstartjahr absolvieren. Alle Schüler sollen die Schule von 8.30 bis 15.30 Uhr besuchen.

Wien. Die Industriellenvereinigung (IV) meldete sich mit einem neuen Bildungskonzept lautstark zu Wort und geht mit der bisherigen Schulpolitik hart ins Gericht. Es brauche eine „Bildungsrevolution", sozusagen „einen kompletten Neustart", fordert IV-Präsident Georg Kapsch. Denn: „Der Punkt, an dem man mit Reformen oder Reförmchen noch etwas ändern hätte können, den haben wir schon vor Jahrzehnten überschritten." Das derzeitige Bildungssystem erfülle weder die Anforderungen einer modernen Welt noch die Erwartungen der Eltern und Schüler.

Was die IV verändern möchte? So ziemlich alles – von der Vorverlegung des Schulstarts über die Einführung der Gesamtschule bis hin zur verpflichtenden Ganztagsschule. Ein Überblick:

Gesamtschule: „Es gibt natürlich Themen im Bildungsbereich, bei denen wir der Sozialdemokratie näherstehen", sagte IV-Generalsekretär Christoph Neumayer vor einem Jahr zur „Presse". Gestern zeigte die IV erneut, dass das Thema Gesamtschule ein solches ist. Denn während die Bundes-ÖVP weiter gegen die Einführung einer Gesamtschule ist, spricht sich die ihr nahestehende IV klar für eine solche aus. Derzeit würden Kinder zu früh in die unterschiedlichen Schultypen getrennt. „Wollen wir uns wirklich anmaßen, abschließend zu beurteilen, welches Potenzial in Zehnjährigen steckt?", fragt Neumayer.

Ganztagsschule: Auch was die Ganztagsschule anbelangt, ist die IV nicht auf ÖVP-Linie. Sie will eine für alle verpflichtende verschränkte Ganztagsschule mit einem Wechsel aus Unterricht, Freizeit und Lernzeit von 8.30 bis 15.30 Uhr. Optional soll es ab sieben und bis 19 Uhr dort auch noch Betreuung geben.

Schulstartjahr: Laut IV soll die Bildungspflicht mit vier Jahren beginnen – und zwar mit einem verpflichtenden Kindergartenjahr. Daran soll mit fünf Jahren ein Schulstartjahr anschließen, das an der Schule verbracht wird. Elementarpädagogen übten gleich Kritik: Ein früherer Schulstart widerspreche wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Schulzeit: Die Schulzeit selbst soll in drei Phasen geteilt werden: In der ersten sollen die Grundkompetenzen – also Lesen, Schreiben, Rechnen – sowie Information und Kommunikation gelernt werden. In der zweiten geht es um den Erwerb von Allgemeinbildung und Fachkenntnissen und in der dritten um deren Vertiefung bzw. um Ausbildungs- und Berufsorientierung. Jede Phase solle (je nach Auffassungsfähigkeit der Kinder) zwei bis drei Jahre dauern. Die Bildungspflicht soll mit der mittleren Reifeprüfung enden. Diese solle im Alter zwischen 14 und 18 Jahren erfolgen. Die Schulpflicht soll erst zu Ende sein, wenn diese geschafft ist. Sitzenbleiben soll es keines mehr geben. Benotet würde mit einer Mischung aus Ziffernnoten und alternativen Beurteilungssystemen.

Finanzierung: Die Finanzierung soll neu gestaltet werden: Potenzielle Anbieter – öffentlich oder privat – müssten sich einer Akkreditierung unterziehen. Pro Schüler gebe es einen fixen Geldbetrag. Zusätzliches Geld gebe es für Schulen, die etwa aufgrund eines hohen Anteils an Kindern mit nicht deutscher Umgangssprache mehr leisten müssen.

Autonomie: Gesetzgebung und Vollziehung sollen Bundessache werden. Die Schulen sollen sowohl finanzielle als auch personelle Autonomie erhalten. Zudem wünscht sich die IV, dass Pädagogen sich permanent weiterbilden müssen.

Demnächst will die IV Konzepte für die Zeit nach der mittleren Reife bzw. die Hochschulen vorlegen. Jetzt schon klar ist, dass die Polytechnische Schule gestrichen werden soll.

 

 

"Kleine Zeitung" vom 19.11.2014                              Seite: 4

Ressort: Politik

 

Steiermark

 

Industrie will komplett neue Schule

 

Industrie schwebt gemeinsame Schule der 6- bis 14-Jährigen sowie Kindergartenpflicht ab 4 vor. Mit einer Kernzeit von 8.30 Uhr bis 15.30 Uhr.

 

   MICHAEL JUNGWIRTH

 

   Die Industriellenvereinigung (IV) will das Bildungssystem komplett auf den Kopf stellen. Der Industrie schwebt die Überleitung von Volksschule, AHS und Neue Mittelschule in einen völlig neuen Schultyp vor, der einer Mischung aus Gesamt- und verschränkter Ganztagsschule gleichkommt. „Wir brauchen keine Reform, wir brauchen eine Revolution", argumentiert Industriechef Georg Kapsch bei der Präsentation des monatelang ausgearbeiteten, neuen pädagogischen Konzepts. „Die letzte Bildungsrevolution fand unter Maria Theresia statt, und das war vor 250 Jahren."

 

   Unterfüttert wird der Vorstoß mit den bekannten Zahlen über die hohe Drop-out in Österreich, die mangelnde Lesekompetenz der Schüler und die fehlende soziale Durchlässigkeit des teuren heimischen Bildungssystems. Christian Neumayer, Generalsekretär, sekundiert: „Wir bauen keine Luftschlösser, sondern greifen nur auf Systeme zurück, die es international schon gibt."

 

   Zu den Eckpunkten:

 

   Kleinkinder: Statt von der Schulpflicht ist von der „Bildungspflicht" die Rede, die bereits mit dem vierten Lebensjahr beginnt. Neben dem verpflichtenden Kindergarten ist ein verpflichtendes Startschuljahr vorgesehen (eine Art von Vorschule).

 

   Schüler: Die Industrie fordert eine gemeinsame Schule der 6- bis 14-Jährigen. Die neun Jahre sind in drei Schulphasen eingeteilt und enden mit der mittleren Reife. Vorgesehen ist nicht nur eine Binnendifferenzierung, sondern ein individualisierter Unterricht. „Wir wollen keine Nivellierung nach unten", so Kapsch.

 

   Schulzeit: Die Schule beginnt um 8.30 Uhr und endet um 15.30 Uhr. Die Kinder können in der Schule bleiben, müssen aber nicht. „Es muss nicht alles an der Schule stattfinden. Es soll aber alles angeboten werden."

 

   Durchfallen & Noten: Eine Klasse soll nicht wiederholt werden können, bei der Benotung ist an eine Kombination aus Ziffernbenotung und alternativem Beurteilungssystem gedacht.

 

   Organisation: Die Industrie will ein neues Schulträgermodell. Die Autonomie soll ausgeweitet werden, pro Schüler überweist der Staat einen Fixbetrag an die Schule.

 

   Lehrer: Der Quereinstieg und der Querausstieg von Lehrern sollen gefördert werden. „Lehrer von der Wiege bis zur Bahre, das soll Geschichte sein."

 

   Kein Njet der ÖVP

 

   SPÖ, Grüne, Neos begrüßen den Vorstoß. Überraschend ist die wohlwollende Reaktion der ÖVP. „Wir werden die Vorschläge weltoffen und ideologiefrei diskutieren", so Staatssekretär Mahrer zur Kleinen Zeitung. „Wir nehmen jeden Vorschlag gern auf, denn wir wollen die beste Bildung für jedes Kind."

 

 

"Kleine Zeitung" vom 19.11.2014                              Seite: 4

Ressort: Politik

 

Steiermark

 

DREI FRAGEN AN

 

1.Was halten Sie vom Konzept? ...

 

   1.Was halten Sie vom Konzept?

 

   NIKI GLATTAUER: Ich halte jeden einzelnen Punkt für vollkommen richtig. Ich freue mich, dass die Wirtschaft erkannt hat, wo die Probleme liegen.

 

   2.Wo liegen die Probleme?

 

   GLATTAUER: Dass die Trennung der 10-Jährigen aufgehoben wird, halte ich für ganz entscheidend. Ich unterstütze auch das zweite verpflichtende Kindergartenjahr. Die Reform der Benotung führt dazu, dass der Lehrer eine neue Beziehung zum Schüler aufbaut. Zu begrüßen sind auch die Abschaffung des Polytechnikums und der Ausbau der Berufsberatung. Wir schleppen so viele Kinder durch die AHS bis zur Matura mit, die in einem Handwerksberuf glücklicher wären.

 

   3.Ist das Konzept wirklich realisierbar?

 

   GLATTAUER: Alles ist realisierbar, wenn es die Politik will. Die Chancen stehen gut, weil sich in der ÖVP was geändert hat. Wenn der politische Wille da ist, kann man die Leute auch von einem sehr mutigen Schritt überzeugen. Wenn nicht, dann gewinnen die Angstmacher die Oberhand.

 

   INTERVIEW: M. JUNGWIRTH

 

 

"Kleine Zeitung" vom 19.11.2014                              Seite: 8

Ressort: Tribüne

 

Steiermark

 

DENKZETTEL

 

Doppelt radikal

 

   Klotzen statt kleckern. Diesem Motto hat sich die Industriellenvereinigung bei der Ausarbeitung ihres neuen Schulkonzepts verschrieben. Statt an Schrauben herumzudrehen, hat man sich für den großen Wurf entschieden und schlägt eine gemeinsame Schule der 6- bis 14-Jährigen vor.

 

    Berufsbedingte Zyniker mögen einwenden, das klinge zwar supertoll, werde aber hierzulande sowieso nie realisiert – angesichts der Myriaden von Bedenkenträgern, die unser Land beherrschen.

 

   Mag sein, nur ist dies allemal besser als der selbstgenügsame Stillstand, der sich trotz inszenierter Umtriebigkeit über die Republik legt. Abgesehen davon, dass das radikale Konzept kein medial getriebener Schnellschuss ist, sondern das Ergebnis langer Überlegungen.

 

   Nicht minder radikal ist die Reaktion der ÖVP. Mitterlehner wollte sich gestern nicht zu Wort melden, schickte aber Staatssekretär Mahrer vor, der den Vorschlag überraschend offen aufnahm. Unter Spindelegger wäre das IV-Konzept umgehend als fehlgeleiteter Stumpfsinn abqualifiziert worden. So haben sich glücklicherweise die Zeiten geändert. MICHAEL JUNGWIRTH

 

 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 268 vom 19.11.2014              Seite: 2

Ressort: Innenpolitik

 

Österreich

 

Industriellenvereinigung ruft nach Gesamtschule für alle Kinder bis 14

 

   Wien. Die Industriellenvereinigung (IV) will, dass alle Kinder und Jugendlichen zwischen fünf und 14 Jahren in eine gemeinsame ganztägige Schule gehen, die mit einer mittleren Reifeprüfung endet. IV-Präsident Georg Kapsch forderte am Dienstag überhaupt den „kompletten Neustart" im Schulsystem, am besten eine ganze „Bildungsrevolution" ein und legte ein Konzept vor.

 

   Die IV wünscht sich dazu eine Bildungspflicht, die mit vier Jahren mit einem verpflichtenden Kindergartenjahr beginnen soll. Daran schließt ein „Schulstartjahr" an, das Fünfjährige bereits an der gemeinsamen Schule verbringen, an der sie bis zur Erlangung der mittleren Reife mit 14 Jahren verbleiben sollen. Organisiert sein soll dies in einer Ganztagsschule von 8.30 bis 15.30 Uhr, in der Lern- und Freizeit abwechseln. Die Schulzeit umfasst drei Phasen, die ein Kind binnen zwei bis drei Jahren absolvieren soll. In der ersten sollen Grundkompetenzen wie Lesen, Schreiben, Rechnen erlernt werden, in der zweiten Allgemeinbildung und Fachwissen erlangt werden. In der dritten Phase erfolge die Ausbildungs- und Berufsorientierung. Am Ende der Bildungspflicht soll jeder Schüler eine mittlere Reifeprüfung ablegen.

 

   Applaus kam von SPÖ, Grünen und Neos. Am Zug sei nun die ÖVP. Sträube sie sich weiter gegen die Gesamtschule, nehme sie „in Kauf, dass sie letztlich auch dem Wirtschaftsstandort schadet", sagte der grüne Bildungssprecher., APA

 

 

Österreich – 19. November 2014

 

Jetzt fordert IV Gesamtschule

Industriellenvereinigung für ganztägige gemeinsame Schule.

Die Industriellenvereinigung (IV) spricht sich für eine ganztägige gemeinsame Schule für alle Kinder von fünf bis 14 Jahren aus, die mit einer mittleren Reifeprüfung abschließt. Die Kinder sollen von 8.30 bis 15.30 Uhr in der Schule sein, zusätzlich soll es optional Früh- und Spätbetreuung geben, so IV-Präsident Georg Kapsch bei einer Pressekonferenz am Dienstag.

"Bildungsrevolution"
Im Schulbereich brauche es eine "Bildungsrevolution" und einen "kompletten Neustart", begründete Kapsch. "Der Punkt, an dem man mit Reformen oder Reförmchen noch etwas ändern hätte können, den haben wir schon vor Jahrzehnten überschritten." Das derzeitige Bildungssystem erfülle weder die Anforderungen einer modernen Welt noch die Erwartungen der Eltern und Schüler.

Als Hauptproblem orteten Kapsch und sein Generalsekretär Christoph Neumayer die Gruppe der Fünf- bis 14-Jährigen. "Das derzeitige System ermöglicht ein bloßes Absitzen der neun Pflichtschuljahre und nimmt in Kauf, dass die Abgänger keine ausreichenden Kompetenzen aufweisen", so Neumayer. Außerdem trenne man die Kinder viel zu früh: "Wollen wir uns wirklich anmaßen, abschließend zu beurteilen, welches Potenzial in Zehnjährigen steckt?"

Nach den Vorstellungen der IV soll die Bildungspflicht mit vier Jahren und einem verpflichtenden Kindergartenjahr beginnen. Daran schließt sich mit fünf ein "Schulstartjahr", das schon an der Schule verbracht wird. Bis zur mittleren Reife mit ca. 14 Jahren verbringen die Kinder ihre Schulzeit dann in einer gemeinsamen Schulform. Die bisherige Trennung in Volksschule bzw. später AHS-Unterstufe/Hauptschule/Neue Mittelschule würde entfallen.

Diese Schulzeit soll in drei Phasen zerfallen: In der ersten würden die Grundkompetenzen wie Lesen, Schreiben, Rechnen sowie Information und Kommunikation erlernt. In der zweiten erfolge der Aufbau der Allgemeinbildung und der Fachkenntnisse, in der dritten werde dies vertieft und erfolge Ausbildungs- und Berufsorientierung. Jede Phase solle je nach Auffassungsfähigkeit der Kinder zwei bis drei Jahre dauern.

Die Bildungspflicht soll dann mit der mittleren Reifeprüfung enden. Diese solle zwischen 14 und 18 Jahren erfolgen - wer diese zunächst nicht schaffe, bleibe bis zur Absolvierung im Regelschulwesen, so Kapsch.

Organisiert sein soll dies in einer für alle verpflichtenden verschränkten Ganztagsschule mit einem Wechsel aus Unterricht, Freizeit und Lernzeit von 8.30 bis 15.30 Uhr. Optional soll es ab sieben und bis 19 Uhr dort auch noch Betreuung geben. Benotet würde mit einer Mischung aus Ziffernnoten und alternativen Beurteilungssystemen. Ein generelles Durchfallen soll es nicht mehr geben, so Kapsch. Wer in einem Fach schwach sei, bleibe in diesem auf der bisherigen Stufe und steige in den anderen auf.

Die Schulagenden sollen in Gesetzgebung und Vollziehung Bundessache werden. Finanziert würden die Schulen nach einem neuen System: Sämtliche potenziellen Anbieter - egal ob öffentlich oder privat - müssten sich einer Akkreditierung unterwerfen. Wer diese habe, erhalte pro Schülerkopf einen einheitlichen Betrag, so Kapsch. Zusätzliches Geld gebe es für Schulen, die etwa aufgrund eines hohen Anteils an Kindern mit nichtdeutscher Umgangssprache mehr leisten müssen.

Die Schulen sollen sowohl finanzielle als auch personelle Autonomie erhalten. "Dazu braucht es auch eine gewisse Größe", so Neumayer. Die Pädagogen wiederum sollten einer permanenten Weiterbildungspflicht unterliegen, nach ASVG versichert sein und dementsprechend zwischen schulischem und außerschulischem Arbeitsmarkt wechseln können.

Ziel ist für Kapsch ein "hohes Allgemeinwissen" der Schüler: "Allgemein gebildete Menschen sind wesentlich flexibler als sehr engstirnig ausgebildete." Demnächst will die IV Konzepte für die Zeit nach der mittleren Reife bzw. die Hochschulen vorlegen. Eines ist dafür schon jetzt klar: Die Polytechnische Schule werde es nicht mehr brauchen.

   Als Vorbilder dienen der IV Länder wie Finnland und die Niederlande. Neumayer ist dabei klar, dass es für eine Umstellung schon aufgrund der baulichen Notwendigkeiten Zeit brauche. Dabei verwies er auf Polen, das zuletzt auf so ein System umgestellt habe.

 

Der Standard – 19. November 2014

 

 

Industriellenvereinigung will eine Schule von 5 bis 14 Jahren

Bildungspflicht ab vier Jahren, "Schulstartjahr" ab fünf - Abschluss mit mittlerer Reife

Wien - Die Industriellenvereinigung (IV) spricht sich für eine ganztägige gemeinsame Schule für alle Kinder von fünf bis 14 Jahren aus, die mit einer mittleren Reifeprüfung abschließt. Die Kinder sollen von 8.30 bis 15.30 Uhr in der Schule sein, zusätzlich soll es optional Früh- und Spätbetreuung geben, so IV-Präsident Georg Kapsch bei einer Pressekonferenz am Dienstag.

Im Schulbereich brauche es eine "Bildungsrevolution" und einen "kompletten Neustart", begründete Kapsch. "Der Punkt, an dem man mit Reformen oder Reförmchen noch etwas ändern hätte können, den haben wir schon vor Jahrzehnten überschritten." Das derzeitige Bildungssystem erfülle weder die Anforderungen einer modernen Welt noch die Erwartungen der Eltern und Schüler.

Bloßes Absitzen der Schulzeit

Als Hauptproblem orteten Kapsch und sein Generalsekretär Christoph Neumayer die Gruppe der Fünf- bis 14-Jährigen. "Das derzeitige System ermöglicht ein bloßes Absitzen der neun Pflichtschuljahre und nimmt in Kauf, dass die Abgänger keine ausreichenden Kompetenzen aufweisen", so Neumayer. Außerdem trenne man die Kinder viel zu früh: "Wollen wir uns wirklich anmaßen, abschließend zu beurteilen, welches Potenzial in Zehnjährigen steckt?"

Nach den Vorstellungen der IV soll die Bildungspflicht mit vier Jahren und einem verpflichtenden Kindergartenjahr beginnen. Daran schließt sich mit fünf ein "Schulstartjahr", das schon an der Schule verbracht wird. Bis zur mittleren Reife mit rund 14 Jahren verbringen die Kinder ihre Schulzeit dann in einer gemeinsamen Schulform. Die bisherige Volksschule und spätere Trennung in AHS-Unterstufe, Hauptschule oder Neue Mittelschule würde entfallen.

Drei Phasen

Diese Schulzeit soll in drei Phasen zerfallen: In der ersten würden die Grundkompetenzen wie Lesen, Schreiben, Rechnen sowie Information und Kommunikation erlernt. In der zweiten erfolge der Aufbau der Allgemeinbildung und der Fachkenntnisse, in der dritten werde dies vertieft und erfolge Ausbildungs- und Berufsorientierung. Jede Phase solle je nach Auffassungsfähigkeit der Kinder zwei bis drei Jahre dauern.

Die Bildungspflicht soll dann mit der mittleren Reifeprüfung enden. Diese solle zwischen 14 und 18 Jahren erfolgen - wer diese zunächst nicht schaffe, bleibe bis zur Absolvierung im Regelschulwesen, so Kapsch.

Kein generelles Durchfallen

Organisiert sein soll dies in einer für alle verpflichtenden verschränkten Ganztagsschule mit einem Wechsel aus Unterricht, Freizeit und Lernzeit von 8.30 bis 15.30 Uhr. Optional soll es ab sieben und bis 19 Uhr dort auch noch Betreuung geben. Benotet würde mit einer Mischung aus Ziffernnoten und alternativen Beurteilungssystemen. Ein generelles Durchfallen soll es nicht mehr geben, so Kapsch. Wer in einem Fach schwach sei, bleibe in diesem auf der bisherigen Stufe und steige in den anderen auf.

Die Schulagenden sollen in Gesetzgebung und Vollziehung Bundessache werden. Finanziert würden die Schulen nach einem neuen System: Sämtliche potenziellen Anbieter - egal ob öffentlich oder privat - müssten sich einer Akkreditierung unterwerfen. Wer diese habe, erhalte pro Schülerkopf einen einheitlichen Betrag, so Kapsch. Zusätzliches Geld gebe es für Schulen, die etwa aufgrund eines hohen Anteils an Kindern mit nichtdeutscher Umgangssprache mehr leisten müssen.

Die Schulen sollen sowohl finanzielle als auch personelle Autonomie erhalten. "Dazu braucht es auch eine gewisse Größe", so Neumayer. Die Pädagogen wiederum sollten einer permanenten Weiterbildungspflicht unterliegen, nach ASVG versichert sein und dementsprechend zwischen schulischem und außerschulischem Arbeitsmarkt wechseln können.

Keine "engstirnige Ausbildung" mehr

Ziel ist für Kapsch ein "hohes Allgemeinwissen" der Schüler: "Allgemein gebildete Menschen sind wesentlich flexibler als sehr engstirnig ausgebildete." Demnächst will die IV Konzepte für die Zeit nach der mittleren Reife bzw. die Hochschulen vorlegen. Eines ist dafür schon jetzt klar: Die Polytechnische Schule werde es nicht mehr brauchen.

Als Vorbilder dienen der IV Länder wie Finnland und die Niederlande. Neumayer ist dabei klar, dass es für eine Umstellung schon aufgrund der baulichen Notwendigkeiten Zeit brauche. Dabei verwies er auf Polen, das zuletzt auf so ein System umgestellt habe.

ÖVP zeigt sich offen

Die Volkspartei hatte eine "Einheitsschule" stets abgelehnt. Dennoch versprach Staatssekretär Harald Mahrer eine ernsthafte Prüfung der Überlegungen. "Wir werden die Vorschläge weltoffen und ideologiefrei diskutieren", sagte Mahrer (ÖVP) in der "Kleinen Zeitung" (Mittwoch-Ausgabe): "Wir nehmen jeden Vorschlag gern auf, denn wir wollen die beste Bildung für jedes Kind."

 

 

"Kurier" vom 19.11.2014                                    Seite: 1

Ressort: Seite 1

 

Wi, Abend, Bgld, Länder, Länder, N.Ö., N.Ö./Industrieviertel, N.Ö./Mitte, N.Ö./Weinviertel, Wi, Morgen

 

Wer wagt es?

 

   Die Idee geht so: Eine gemeinsame Schule der Fünf- bis 14-Jährigen (also vom Kindergarten bis zum Ende der Schulpflicht); und zwar mit verpflichtenden Unterrichtszeiten bis 15.30 Uhr und Betreuungsangeboten bis 19.00 Uhr. Kurz: Eine Gesamt- und Ganztagsschule. Die Horrorvorstellung für die ÖVP und alle streng konservativen Denker. Welche linkslinke Organisation erfrecht sich, solche Vorschläge zu machen?

 

   Es ist die ÖVP-nahe Industriellenvereinigung, des Linksabweichlertums eher unverdächtig.

 

   Auch die übrigen Gedanken des IV-Konzepts klingen grundvernünftig: Bildungspflicht statt Schulpflicht (mit überprüfbaren Zielen); individuelle Förderung und Leistungsgruppen; Direktoren entscheiden selbstständig darüber, welche Lehrer sie beschäftigen. So oder so ähnlich würde Schule aussehen, würde man sie heute, ohne ideologische und historische Vorbelastung, erfinden (siehe Seite 3).

 

   Aber keine Angst: Wir werden es schon schaffen, auch dieses Konzept zu Brei zu zerreden. guido.tartarotti@kurier.at

 

 

"Kurier" vom 19.11.2014                                    Seite: 1

Ressort: Seite 1

 

Wi, Abend, Bgld, Länder, Länder, N.Ö., N.Ö./Industrieviertel, N.Ö./Mitte, N.Ö./Weinviertel, Wi, Morgen

 

Industrie fordert

 

Gemeinsame Schule für alle Fünf- bis 14-Jährigen

 

Ganztägig.IV-Chef Kapsch fordert totalen Umbau des Bildungssystems. Jeder soll Schule gründen dürfen.

 

   Genug der Reformen. Die Industriellenvereinigung will eine Bildungsrevolution. Ihr Ziel: Eine Ganztagsschule für alle Kinder bis zum Erreichen der Mittleren Reife. Die Schule ist dafür verantwortlich, dass die Schüler dieses Bildungsziel erreichen. Damit sie das schaffen können, sollen sie autonom über die Finanzen und das Personal entscheiden können - und auch über die Methoden, denn eine Gesamtschule kann mit Frontalunterricht nicht funktionieren. Neu ist auch, dass zukünftig jeder eine Schule gründen dürfen soll.POLITIK3

 

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Kurier – 19. November 2014

 

 

IV will gemeinsame Schule für alle Fünf- bis 14-Jährigen.

Industriellenvereinigung stellt ihr Konzept vor: Ganztagsschule für alle zwischen 5 und 15, Mittlere Reife und Bildungs- statt Unterrichtspflicht.

 

 

 

 

Das Wort Gesamtschule wollte IV-Präsident Georg Kapsch auf keinen Fall in den Mund nehmen, als er am Dienstag das neue Bildungskonzept der Industriellenvereinigung vorstellte: "Es geht nicht darum, das Gymnasium oder die Neue Mittelschule abzuschaffen, sondern um eine Revolution im Bildungssystem, wir wollen etwas ganz Neues schaffen."

Einen radikalen Schnitt will die Industriellenvereinigung also wagen. Und da sie ahnt, dass von der großen Koalition eher ein Reförmchen als ein großer Wurf zu erwarten ist, hat sie selbst ein Bildungskonzept ausgearbeitet. Zuvor hat sie sich in erfolgreicheren Ländern wie Polen oder den Niederlanden umgeschaut und in- und ausländische Experten zu Diskussionen eingeladen. Jetzt hat sie ihr Konzept vorgestellt – allerdings erst einmal für die Kinder von fünf bis 14 Jahren, "weil wir da die größten Probleme haben."

Die Eckpunkte des IV-Modells:

  • Von 5 bis 14

Um die vielen Übergänge zu vermeiden, soll es nur noch eine Schulform  geben. An ihrem Standort werden die Schüler vom verpflichtenden Kindergartenjahr bis zum Ende der Pflichtschule unterrichtet.

  • Mittlere Reife

Statt einer Unterrichtspflicht soll es eine Bildungspflicht geben. Heißt: "Der Schulstandort ist dafür verantwortlich, dass Schüler die Bildungsziele erreichen", so IV-Generalsekretär Christoph Neumayer. Am Ende der Pflichtschulzeit sollen alle Schüler eine Mittlere Reife-Prüfung machen.

  • Drei Phasen

Jedes Kind soll drei Phasen durchlaufen. In der ersten lernt es Lesen, Schreiben und Rechnen. Später sind die Schwerpunkte Allgemeinbildung, Fachkenntnisse und Berufsorientierung.

  • Individualisierung

Wenn alle unter einem Dach lernen, muss es Methodenvielfalt geben, auch Leistungsgruppen sind denkbar. Kapsch: "Wir wollen keine Nivellierung nach unten."

  • Ganztags

Schulbesuch soll für alle in der Kernzeit von 8.30 Uhr bis 15.30 Uhr verpflichtend sein. Geöffnet soll die Schule von 7 bis 19 Uhr sein.

  • Private und öffentliche Träger

Jeder soll nach einer Akkreditierung eine Schule eröffnen können. Für jedes Kind erhält der Träger den selben Betrag. Für Brennpunktschulen gibt es zusätzliches Geld. Die Landesschulbehörden werden abgeschafft.

  • Autonomie

Schulleiter sollen über Finanzen und ihre Lehrer entscheiden. Diese sollen zwischen Schule und freiem Arbeitsmarkt wechseln.

Ein schönes Konzept. Nur: Wie soll das alles finanziert werden? Kapsch gibt unumwunden zu: "Durchgerechnet haben wir uns das nicht. Aber: Derzeit sind geben wir pro Schüler um rund 40 Prozent mehr aus als der OECD-Schnitt. Das muss auch bei uns zu machen sein."


Reaktionen

"Allianz der Reformwilligen täglich wächst"

SP: Gesamtschule ja. VP: Offen bereden. Opposition: Applaus

Die Reaktionen der Parteien auf das Bildungskonzept der Industriellenvereinigung sind wohlwollend, aber unverbindlich. Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek begrüßt  „neue Denkanstöße" und unterstützt die Idee einer gemeinsamen Schule. Etwas verhaltener fällt ihre Reaktion auf den Vorschlag aus, dass zukünftig jeder eine Schule gründen kann: „Das müssen wir uns noch konkret anschauen."

Ähnlich schwammig ist die Reaktion von Staatssekretär Harald Mahrer (VP): „Wir werden die Vorschläge werteoffen und ideologiefrei diskutieren. Wir nehmen jeden bildungspolitischen Vorschlag gerne auf, denn wir wollen gemeinsam die beste Bildung für jedes Kind."

Die Grünen können sich eine Spitze gegen die ÖVP nicht verkneifen: „Wenn die ÖVP sich weiter gegen die gemeinsame Schule sträubt, nimmt sie wissentlich in Kauf, dass sie letztlich auch dem Wirtschaftsstandort Österreich schadet", so Bildungssprecher Harald Walser. Und die Neos?  Die freuen sich, dass „die Allianz der Reformwilligen täglich wächst".

Wenig begeistert reagiert die Elemetarpädagogenplattform EduCare. Der Schulstart mit fünf Jahren sei „ein Fall für die bildungspolitische Mottenkiste" und widerspreche wissenschaftlichen Erkenntnissen, wonach junge Kinder eines ganz speziellen Umfeldes bedürfen.


Streitgespräch

Muss das Schulsystem reformiert werden?

Christian Friesl (IV) kritisiert den Stillstand in der Bildungspolitik, Direktorin Isabella Zins warnt vor Reformitis.

Neustart Schule. So heißt die neue Initiative der Industriellenvereinigung, die Schwung in die Bildungspolitik bringen will. Doch viele Lehrer sind skeptisch. Nach Zentralmatura und Bildungsstandards haben sie genug von Reformen. Muss sich im Schulsystem wirklich etwas ändern? Der KURIER lud zum Streitgespräch: Isabella Zins, Direktorin im BORG Mistelbach und Vize-Obfrau der Bildungsplattform Leistung und Vielfalt, und IV-Bildungssprecher Christian Friesl reden über Risikoschüler, differenziertes Schulsystem und Ganztagsschulen.

KURIER: : Es gibt viele Initiativen, die Schulreformen zum Ziel haben. Braucht es noch eine wie Neustart Schule?

Christian Friesl: Schauen wir uns die Missstände an: Es gibt viel zu viele Schulabbrecher – dazu kommt: 20 Prozent der Pflichtschulkinder sind Risikoschüler, können z. B. nicht ausreichend lesen. Die soziale Selektion ist groß. Das stört mich, weil sich das seit mehr als 25 Jahren nicht geändert hat. Wir meinen deshalb: Es braucht eine Neukonzeption des Bildungssystems. Unser Ziel ist es, Mitstreiter zu gewinnen und das öffentliche Bewusstsein für die Wichtigkeit des Themas zu stärken.

Bildung hat in der Gesellschaft keinen Stellenwert mehr.

Friesl: Dabei ist Bildung in einem reichen Land der Garant für wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit und sozialen Zusammenhalt. Das wird einer unserer Aktivitäten sein: Zeigen, was Bildung über Schule hinaus bedeutet, für die Gesundheit, für die Demokratie etc.

Isabella Zins: Bei ihren Zielen bin ich dabei, doch Sie werfen dem System Dinge vor, die so nicht stimmen: Österreichs Bildungsausgaben z. B. sinken und liegen unter dem OECD-Schnitt. Aber man müsste mehr von Anfang an denken: Eltern muss man mitgeben, wie wichtig ihre Rolle ist. Leider muss Schule mittlerweile so viel leisten, dass Lesen, Schreiben und Rechnen zu kurz kommen. Wir haben zudem eine Herausforderung mit Kindern von Migranten und bildungsfernen Schichten, die jahrelang ignoriert wurde. Lehrer haben das Gefühl, sie stünden mit diesen Problemen allein da: Nirgendwo in Europa gibt es so wenig Unterstützungspersonal.

Friesl: Niemand sagt: Die Lehrer sind schuld. Eines unserer Ziele ist es ja, die Pädagogen aufzuwerten. Das Lehrerbashing muss ein Ende haben. Natürlich wünschen wir uns, dass es mehr Zusammenarbeit mit Eltern gibt. Es kann nicht alles in der Schule passieren, aber dass Bildung schwerpunktmäßig in der Schule passiert, das dürfen wir verlangen. Um bessere Ergebnisse zu erzielen, müssen wir über zwei Dinge reden: Die Bildungskarriere darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen. Und wir brauchen ein besser ausgebautes Ganztagsschulsystem.

Zins: Bei der Nachmittagsbetreuung hat sich viel getan. Ich gebe aber zu bedenken, dass in jedem Schulsystem der Welt das Elternhaus die Bildung mehr beeinflusst als die Schule. Darauf weist der Bildungsforscher Stephan Hopmann hin. Es gibt auch keine Hinweise, dass eine Ganztagsschule zu besseren Ergebnissen führt. Wer sein Kind zusätzlich fördern will, tut das. Da will ich den Eltern die Wahlfreiheit lassen.

Friesl: Ich will auch niemandem etwas verbieten. Was ich anbieten möchte: Wer Bildung zu Hause nicht hat, soll Unterstützung erhalten – das Grundlevel bei den Risikoschülern muss gesteigert werden. Die Schule muss verantwortlich dafür sein, dass Schüler am Ende der Pflichtschulzeit die Bildungsziele erreichen. Um das zu erreichen, braucht die Schule mehr pädagogische, personelle und finanzielle Autonomie. Und zur Wahlfreiheit: Davon kann ich nur reden, wenn ich die Angebote habe.

Zins: Sicher wünschen wir uns mehr Gestaltungsspielraum. Ich fürchte aber, dass Autonomie in Zeiten des Sparens bedeutet, dass ich als Direktorin entscheiden kann, ob ich die Latein- oder die Deutschstunden kürze oder welche Werbefirma ich ins Haus lasse. Autonomie würde bedingen, dass man wirklich gestalten kann. Zur personellen Autonomie: Es muss eine Börse geben, die das Personal im Blick hat. Landschulen würden kaum Lehrer bekommen, weil dort wenige hin wollen.

Friesl: Ich würden da gerne zu den Pflichtschulen zurückkommen: In der Steiermark haben wir z. B. 40 Prozent Kleinschulen. Dort wird Autonomie schwer. Schulen brauchen eine kritische Größe, um das von Ihnen geforderte Unterstützungspersonal auch sinnvoll einsetzen zu können.

Zins: Ich kann nachvollziehen, dass jede Ortschaft ihre Schule behalten will. Es wird aber in den nächsten Jahren Zusammenschlüsse geben, weil das nicht leistbar ist.

Friesl: Wir müssen uns anschauen, ob und wo die hohen Investitionen im Bildungssystem ankommen.

Zins: 93 Prozent des Budgets fallen auf die Lehrergehälter.

Friesl: Aber nicht alle stehen im Klassenzimmer.

Zins: Manche sitzen im BIFIE (schmunzelt). Aber all das sind Missstände, die eingerissen sind und keine Systemfehler. Ich hätte von Ihnen gerne den Entwurf eines Gegensystems.

Friesl: Wir müssten bei den Übergängen anfangen, z. B. vom Kindergarten in die Schule. Ich frage auch, ob es so viele Übergänge braucht und wie man sie gestaltet.

Zins: Da ist schon vieles in Veränderung, z.B. gibt es den Begabungskompass für die 13-Jährigen. Eines möchte ich schon festhalten: Das differenzierte Schulsystem ist nicht so schlecht, wie es von manchen dargestellt wird: Das zeigen Studien wie PISA und PIRLS – im internationalen Vergleich holen die Schüler und Schülerinnen in der Sekundarstufe auf, was für die Vielfalt spricht.

 

 

"Wiener Zeitung" Nr. 225 vom 19.11.2014                     Seite: 10

Ressort: Österreich

 

Wiener Zeitung

 

Die Industriellenvereinigung will ein komplett neues Schul- und Bildungssystem.

 

Bildungsrevolution

 

    Petra Tempfer

 

    Wien. Mit fünf Jahren ins ganztägige Schulzentrum, das man mit 14 oder 18 wieder verlässt – je nachdem, wann man die mittlere Reifeprüfung absolviert: Das ist die Grundstruktur jenes neuen Schul- und Bildungssystems, das Georg Kapsch, Präsident der Industriellenvereinigung (IV), am Dienstag vorgestellt hat. Dabei gehe es um die Revolutionierung des aktuellen Systems, um einen kompletten Neustart. Mit „Reförmchen", wie Kapsch sagte, habe das Konzept rein gar nichts zu tun. Es wäre daher falsch, von der Abschaffung der Volksschule, der Neuen Mittelschule oder des Gymnasiums zu sprechen. „Man muss Bildung und Schule völlig neu denken", so Kapsch.

 

   Grundsätzlich unterscheidet der IV-Präsident drei Phasen, in die die Schulzeit zerfallen soll. Die Übergänge seien fließend, da man vor allem „die Brüche zwischen Elementarpädagogik und Volksschule sowie vierter und fünfter Schulstufe vermeiden muss". In der ersten Phase sollen die Kinder Grundkompetenzen wie Lesen, Schreiben, Rechnen sowie Information und Kommunikation erlernen. In der zweiten geht es darum, Allgemeinbildung und Fachkenntnisse zu erwerben. In der dritten will man diese vertiefen, zudem erfolgt eine Ausbildungs- und Berufsorientierung.

 

   Unterrichtsministerin hält Initiative für begrüßenswert

 

   Die Beurteilung der Kinder soll in Form einer Kombination aus Ziffern und eines transparenten Systems erfolgen. „Wir denken, dass es kein generelles Durchfallen mehr geben kann", sagt Kapsch. Vielmehr sollen Kinder in einzelnen Fächern aufsteigen oder auf einer bestimmten Stufe bleiben.

 

   Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) hält diese Initiative der IV für begrüßenswert, heißt es auf Nachfrage der „Wiener Zeitung" aus dem Ministerium. Die Kinder später zu trennen entspreche den internationalen Standards. Auch Grüne, Neos und Team Stronach befürworten das Konzept. Die Grünen sehen nun die ÖVP in der Pflicht. Wenn sich diese weiter gegen die Gemeinsame Schule sträube, nehme sie wissentlich in Kauf, dass sie letztlich auch dem Wirtschaftsstandort Österreich schade. Die ÖVP reagierte vorsichtig: „Wir werden die Vorschläge weltoffen und ideologiefrei diskutieren", sagte Staatssekretär Harald Mahrer (ÖVP) zur „Kleinen Zeitung".

 

   Soweit findet der Plan der IV also Zuspruch. Allein – die Frage der Finanzierung ist noch nicht geklärt. „Eine Berechnung für die Kosten der Umstellung gibt es keine", sagt dazu IV-Generalsekretär Christoph Neumayer, stellt allerdings einen Vergleich an: Österreich gebe für sein Bildungswesen mehr als 9100 Euro pro Kopf und Jahr aus. In Finnland hingegen, wo das System ähnlich dem von der IV propagierten ist, liegen die Pro-Kopf-Ausgaben bei 7500 Euro. Das ist zwar mehr als der OECD-Durchschnitt von 6500 Euro, aber deutlich weniger als Österreich derzeit ausgibt.

 

   Geht es nach der IV, soll auch die Finanzierung der Schulen künftig eine ganz andere sein als heute. Jeder, der eine Schule gründen möchte, soll ein Akkreditierungsverfahren durchlaufen. Wird sein Antrag genehmigt, soll er pro Schülerkopf einen einheitlichen Betrag erhalten. Kapsch: „Das Konzept sieht ein öffentlich gefördertes Schulsystem vor. Damit wollen wir verhindern, dass aufgrund des permanent schlechter werdenden Regelschulwesens eine Privatschule nach der anderen aufmacht." Die Schulagenden sollen zwar in Gesetzgebung und Vollziehung Bundessache werden – jeder einzelne Schulstandort soll aber finanzielle und personelle Autonomie erhalten.

 

   „Es bringt gar nichts, Schulzentren zu schaffen"

 

   Ziel ist laut Kapsch ein hohes Allgemeinwissen der Schüler und sie auf die Berufswelt vorzubereiten. Außerdem will der IV-Präsident weg von der gesellschaftlich tief verankerten Tatsache, dass Bildung vererbbar ist.

 

   Diese Ziele sind auch für Bildungsexperten Stefan Hopmann von zentraler Bedeutung – der Weg dorthin sei allerdings ein ganz anderer. „Es bringt gar nichts, neue Schulzentren zu schaffen, das kostet nur Energie. Es geht darum, Kinder gezielt zu fördern oder zu fordern. Je nachdem, was sie brauchen. Schulqualität entsteht im Klassenzimmer", sagt er zur „Wiener Zeitung". Erst dann könne man soziale Unterschiede ausgleichen und dem Problem der Vererbbarkeit von Bildung begegnen.

 

   Fließende Übergänge zwischen einzelnen Bildungsphasen in ein und demselben Schulzentrum hält Hopmann hingegen für kontraproduktiv und sogar gefährlich. „Damit schafft man die gleichen Differenzen wie vorher. Sie werden nur schwerer sichtbar und damit schwerer anfechtbar, weil alle durch die selbe Tür gehen."

 

   Die Elementarpädagogenplattform EduCare formuliert es drastischer. Das Schulstartjahr mit fünf Jahren sei ein Fall für die „bildungspolitische Mottenkiste". Dieses Modell widerspreche allen wissenschaftlichen Erkenntnis sen, wonach junge Kinder ein ganz spezielles Umfeld brauchen.

 

   Junge und ältere Schüler sollen in einem Schulzentrum vereint sein. fotolia/Tatjana Balzer

 

 

"Vorarlberger Nachrichten" vom 19.11.2014

Ressort: VN-A

 

 

IV-Präsident für gemeinsame Schule der Fünf bis 14-Jährigen.

 

Industrielle fordern "Bildungsrevolution"

 

   Wien. (VN-ebi) Die Industriellenvereinigung (IV) spricht sich für eine ganztägige gemeinsame Schule für alle Kinder von fünf bis 14 Jahren aus, die mit einer mittleren Reife abschließt. Jeder Schritt in diese Richtung bringe das Bildungssystem weiter, kommentierte der Geschäftsführer der IV Vorarlberg, Mathias Burtscher, das am Dienstag in Wien vorgestellte Bildungskonzept.

 

   „Statt leerer politischer Diskussionen über Überschriften und Türschilder stellen wir Bildungsziele, Schlüsselkompetenzen und Erfolgsfaktoren für eine gelingende Schule vor", so Burtscher. Dies soll erreicht werden, indem die Schulzeit in drei Phasen aufgeteilt wird, erklärten IV-Präsident Georg Kapsch und Generalsekretär Christoph Neumayer. Dies betitelten sie auch als „Bildungsrevolution".

 

   In der ersten Phase würden die Grundkompetenzen wie Lesen, Schreiben und Rechnen erlernt. In der zweiten folgt der Aufbau der Allgemeinbildung und Fachkenntnisse, in der dritten werden dies vertieft und es erfolge eine Berufsorientierung. Organisiert sein soll dies in einer verschränkten Ganztagsschule mit einem Wechsel aus Unterricht, Freizeit und Lernzeit von 8.30 bis 15.30 Uhr. Optional soll es ab sieben und bis 19 Uhr Betreuung geben. Wie viel die Umsetzung kosten würde, hat die IV noch nicht berechnet.

 

 

Heute – 19. November 2014

 

Schule für alle von 5-14 Jahre, kein Sitzenbleiben

"Für Reförmchen ist es zu spät." Mit diesen Worten präsentierte Georg Kapsch, Präsident der Industriellenvereinigung (IV), am Dienstag sein Konzept. "Heute" fasst zusammen:

  • Bildungs- statt Schulpflicht: Für Vierjährige soll es eine Kindergartenpflicht geben, Fünfjährige sollen in ein "Schulstartjahr". Bis zur mittleren Reife soll nicht selektiert werden.
  • Drei-Phasen-Schule: Erst sollen Grundkompetenzen wie Lesen und Schreiben erworben werden, dann Allgemeinbildung. In der letzten Phase geht's um Fachkenntnisse und Berufsorientierung. Mit 14 oder 15 gibt es eine "Mittlere Reifeprüfung".
  • Kein Sitzenbleiben: Ziffernnoten sollen um alternative Beurteilungen ergänzt werden. Durchfallen soll es nicht mehr geben. Kapsch: Wer in einem Fach schwach ist, wiederholt dieses, in anderen Fächern steigt er auf.
  • Ganztägig geführt, soll Schule einen Wechsel aus Unterricht, Freizeit und Lernzeit anbieten. Nachhilfe wäre nicht mehr nötig.
  • Bund verwaltet, nicht Länder.
  • Autonomie und Finanzierung: Jede Schule soll über Direktor und Lehrer entscheiden. Der Staat finanziert die Schulen – pro Schüler wird ein Fixbetrag gezahlt. Zuschläge sind denkbar. 

 

 

ORF – 18. November 2014 / ZIB

 

·         Industriellenvereinigung fordert "Bildungsrevolution"

Die Industriellenvereinigung hat Vorschläge gemacht, wie das Schulsystem in Österreich völlig umgekrempelt werden könnte. Demnach sollen Kinder ab fünf Jahren mit der Schule beginnen. Bis 14 würden nach dem Modell alle Kinder die gleiche Schule besuchen.

http://tvthek.orf.at/program/Zeit-im-Bild/1203/Zeit-im-Bild/8798040/Industriellenvereinigung-fordert-Bildungsrevolution/8798500

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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