Donnerstag, 27. November 2014

2014.11.27: Bildung

APA0338 II, XI 27.11.2014 14:07:43

 

Gesamtschule: Vorarlberger Eltern sowohl dafür als auch dagegen

Utl.: Volksschul- und NMS-Lehrer für Gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen, AHS-Lehrer für Beibehaltung des differenzierten Systems - GRAFIK

Schule/Unterstufe/Vorarlberg

Die Vorarlberger Eltern scheinen sowohl mit der aktuellen Zweiteilung Gymnasium-Neue Mittelschule (NMS) als auch mit einer Gesamtschule der Zehn- bis 14-Jährigen gut leben zu können. Volksschul- und NMS-Lehrer präferieren stark die Gesamtschule, während die AHS-Lehrer beim differenzierten System bleiben wollen. Das ist das Kernresultat eines Forschungsprojekts der Vorarlberger Landesregierung.

Das Land hat im vergangenen Jahr eine Forschungsinitiative zur Gemeinsamen Schule gestartet, in der sich Expertengruppen unter anderem mit rechtlichen und organisatorischen Fragen sowie pädagogischen Konzepten einer Gesamtschule der Zehn- bis 14-Jährigen auseinandersetzen. Im November 2013 nahmen rund 19.500 Lehrer sowie Eltern von Kindern aus der vierten, sechsten und achten Schulstufe sowie Schüler der Volksschule, der NMS und der Gymnasiumunterstufe an einer Befragung teil. So wurden 1,8 Millionen Einzeldaten zum Ist-Zustand der Schule und zu Weiterentwicklungs- und Änderungswünschen gesammelt und aufbereitet.

Die am Donnerstag präsentierten Ergebnisse der Studie fielen widersprüchlich aus. Bei den Eltern ergab sich eine Befürwortung einer "Schule für alle" - dafür waren 56 Prozent der Eltern mit Volksschulkindern (Eltern VS), 58 Prozent der Eltern von Kindern aus der NMS (Eltern NMS) und 45 Prozent der "AHS-Eltern". Aber auch für den Erhalt des aktuellen Systems gab es Zustimmung. Ja zum Ist-Zustand sagten 51 Prozent der Eltern VS, 42 Prozent der Eltern MS und 55 Prozent der Eltern AHS.

Bei den Pflichtschullehrern hingegen geht die Stimmung klar in Richtung Systemwechsel: 72 Prozent der VS-Lehrer sowie 77 Prozent der NMS-Lehrer wünschten sich die Gesamtschule, aber nur 25 Prozent der AHS-Lehrer. Umgekehrt befürworteten 45 Prozent der AHS-Lehrer die Beibehaltung des Status quo, hingegen nur 20 Prozent der VS- und 13 Prozent der NMS-Lehrer.

Zwar erwarteten sich der überwiegende Großteil sowohl der Eltern als auch der Lehrer in einer Gemeinsamen Schule mehr Chancengerechtigkeit für alle Kinder, gleichzeitig befürchteten die Eltern aber eine Überforderung der schwachen Schüler wie auch eine Unterforderung der Begabten. Letzteren Punkt unterstrichen besonders die Eltern von AHS-Schülern und noch stärker die AHS-Lehrer (78 Prozent). Dass die Gesamtschule den Vorteil einer späteren Entscheidung über den weiteren Bildungsweg mit sich bringen würde, wurde überwiegend bejaht (Eltern: 69 bis 72 Prozent, Lehrer 54 (AHS) bis 91 Prozent (VS)).

Grundsätzlich waren die Eltern der NMS- und der AHS-Kinder mit den Schulen ihrer Sprösslinge sehr zufrieden. Sie sagten zu 90 bzw. 91 Prozent Ja zur Feststellung "Ich weiß mein Kind in guten Händen". 85 Prozent (NMS) bzw. 88 Prozent (AHS) der Eltern würden ihr Kind wieder an der Schule anmelden.

Vorarlbergs Schullandesrätin Bernadette Mennel (ÖVP) freute sich insbesondere über diese große Zufriedenheit und wertete dies auch als Kompliment an die Lehrer. Es werde darum gehen, ein pädagogisches Konzept zu entwickeln, das es erlaube, die Kinder ihren individuellen Begabungen zufolge zu fördern und zu fordern. Ein Schulversuch zur Gemeinsamen Schule werde nur dann Unterstützung von den Betroffenen erfahren, wenn die Frage der Individualisierung schlüssig beantwortet werden könne.

Bis Mai 2015 soll das Vorarlberger Forschungsprojekt abgeschlossen sein. Der Abschlussbericht wird auch Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Schulen der Zehn- bis 14-Jährigen enthalten. Auf diesem Bericht aufbauend will die Vorarlberger Landesregierung einen Schulversuch zur Gemeinsamen Schule aufsetzen und damit an den Bund herantreten. Wie dieser Versuch konkret aussehen soll, hängt von den Endergebnissen der Untersuchung ab und ist noch offen. Für Mennel war aber jedenfalls klar, dass im Unterricht die Individualisierung mehr Gewicht bekommen muss. "In diese Richtung werden wir gehen, dazu brauchen wir den Bund nicht", sagte Mennel.

(GRAFIK 1403-14, 88 x 94 mm)

(schluss) jh;jle;hac

OTS0196 II 27.11.2014 13:07:50

 

Schulkinder in ihren Neigungen und Interessen fördern und fordern

Utl.: Ergebnisse der Befragung zur Schule der 10- bis 14-Jährigen in Vorarlberg vorgestellt

Bildung/Schule/Mennel

Über 19.700 Lehrpersonen, Eltern und Schülerinnen und Schüler haben im vergangenen Schuljahr im Rahmen des Forschungsprojekts "Schule der 10- bis 14-Jährigen in Vorarlberg" an einer umfassenden Befragung teilgenommen. Die Ergebnisse im Kern: Bei Schülerinnen, Schülern und Eltern herrscht eine hohe Zufriedenheit mit der eigenen Schule bzw. der Schule des Kindes. Eine deutliche Mehrheit der Eltern und Lehrpersonen der Volks- und Mittelschulen sowie der Eltern der Gymnasien erwarten sich von einer gemeinsamen Schule mehr Chancengerechtigkeit für alle Kinder. Sie äußern aber auch Bedenken, was die Sicherstellung einer individuellen Förderung betrifft.

Kein anders Bundesland hat je die Schulen der 10- bis 14-Jährigen in dieser Breite und Tiefe analysiert, sagte Bildungslandesrätin Bernadette Mennel bei der Präsentation der Befragungsergebnisse am Donnerstag, 27. November 2014, im Landhaus: "Wir haben jetzt eine datenbasierte Grundlage für die Weiterentwicklung der Schule der 10- bis 14-Jährigen geschaffen. Anhand dieser Rückmeldungen soll bis Ende Mai 2015 ein fundiertes, umfassendes, pädagogisches und strukturelles Konzept unter Berücksichtigung der rechtlichen Aspekte vorgelegt werden." Man werde dabei auf den Bund zugehen, wolle aber auch alle Möglichkeiten nutzen, die uns im eigenen Wirkungsbereich im Land offen stehen.

Entscheidend für Mennel: "Jede Weiterentwicklung der Schulen der Sekundarstufe I wird an ihrem pädagogischen Konzept der Individualisierung gemessen werden. Das heißt daran, inwieweit es gelingt, in leistungsheterogenen Gruppen alle Schülerinnen und Schüler entsprechend ihrer Fähigkeiten und Interessen zu fördern. Kein Kind soll zurückgelassen werden, jedes Kind soll in seinen Potentialen bestmöglich gefördert werden." Ziel müsse es sein, das kreative Potential der Lehrpersonen im Umgang mit Diversität und Individualisierung für diese Weiterentwicklung bestmöglich zu nutzen.

Projektkoordinatorin Gabriele Böheim-Galehr, Vizerektorin der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg, zeigte sich erfreut über die große Beteiligung. Aus den Rückmeldungen von 19.700 Lehrpersonen, Schülerinnen und Schülern sowie Eltern wurden insgesamt 1,8 Millionen Einzeldaten generiert, im Analyseprozess verdichtet und nach Schultyp, Bildungs- und Sprachhintergrund der Eltern sowie nach Regionen ausgewertet.

Sozialforscher Johann Engleitner, ebenfalls von der Pädagogischen Hochschule, hob ein weiteres Detail hervor: 90 Prozent der Eltern von Mittelschul- bzw. AHS-Schülerinnen und -Schülern berichten ohne Unterschied, dass ihr Kind an der Schule in guten Händen ist. Auch gut 80 Prozent der Schülerinnen und Schüler der NMS und der AHS sind nach eigenen Angaben mit ihrer Schule zufrieden. "Das heißt, jede Weiterentwicklung der Schule der 10- bis 14-Jährigen baut auf hohem Niveau auf", so Engleitner.

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