Donnerstag, 27. November 2014

2014.11.27: Newsletter Bildung

"News" Nr. 48/2014 vom 27.11.2014                         Seite: 27

Ressort: Politik

 

 

Wer blockiert, handelt fahrlässig

 

   Der Präsident der Industriellenvereinigung, Georg Kapsch, hat es drastisch formuliert: Nicht Schulreformen seien nötig, sondern "eine Bildungs-Revolution.“ Seit Jahren drängt die IV auf eine Schule, die kein Kind zurücklässt und starke und schwache SchülerInnen fördert. Dazu gehören die besten Lehrerinnen und Lehrer, ein verpflichtendes Startschuljahr, eine gemeinsame Schule mit innerer Differenzierung, individualisierter Unterricht, Schulautonomie.

 

   Und dazu gehört der verschränkte Ganztagsunterricht, in Österreich immer noch Ausnahme statt Normalität. Kinder könnten früher in die Schule kommen, aber der Unterricht würde um 8.30 oder 9 Uhr starten, was dem Biorhythmus von Jugendlichen besser entspricht als der frühe Start. Dann wird abwechselnd gelernt, musiziert, geübt, geturnt, gezeichnet, ein Bühnenstück geprobt, gegessen und über wichtige Dinge gesprochen. Unterrichts-ende wäre um 15.30 Uhr, Betreuung danach möglich. Hausaufgaben sind dann unnötig: Zu Hause hätten die Kinder wirklich frei. Die besten Privatschulen haben immer schon vorgemacht, wie das geht.

 

   Auch wenn schon viele Anläufe gescheitert sind: Es muss gelingen, die Schule besser, interessanter und erfolgreicher zu machen. Wer hier weiter blockiert, handelt fahrlässig.

 

   Sind Sie anderer Meinung?

 

   Schreiben Sie uns: prager.tessa@news.at

 

 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 275 vom 27.11.2014              Seite: 1

Ressort: Seite 1

 

Österreich

 

Salzburgs Schulen rüsten gegen Lockruf des Dschihad

 

   Wien. Der „Islamische Staat“ (IS) zieht offenbar immer öfter jüngere Menschen in seinen Bann. Im Internet tauchen seit Längerem Videos auf, die die Ausbildung von Kindersoldaten zeigen. Und auch in Österreich berichten Sozialarbeiter von mehreren Fällen radikalisierter 13- und 14-Jähriger. Immer öfter wenden sich Schulen hilfesuchend an Experten. Anfragen gibt es dabei nicht nur aus Wien, sondern auch aus Salzburg. Beim Landesschulrat für Salzburg ist offiziell zwar kein Fall bekannt, die Problematik bestätigt man jedoch. „Bereits in den kommenden Tagen wird deshalb ein Leitfaden an alle Lehrer ergehen“, sagt Markus Leitner vom Landesschulrat Salzburg. Rund 370 Salzburger Schulen erhalten dann eine fünfseitige Anleitung, wie sie im Falle einer Radikalisierung im Klassenzimmer diese erkennen und sich richtig verhalten können. In Wien gibt es diese Leitfäden bereits. Und auch offizielle Meldungen beim Stadtschulrat. In 20 Fällen wurde sogar der Verfassungsschutz eingeschaltet. Meist waren Schüler der Oberstufe betroffen. „Doch in Einzelfällen auch Hauptschüler“, erklärt Stadtschulratsprecher Matias Meissner. Wie man Jugendliche deradikalisieren kann, erklärt ein Experte im SN-Gespräch. Seite 12

 

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"Salzburger Nachrichten" Nr. 275 vom 27.11.2014             Seite: 12

Ressort: Innenpolitik

 

Österreich

 

Dschihad-Fans immer jünger

 

   Sozialarbeiter berichten von immer jüngeren Anhängern der Terrormiliz IS in Österreich. Oft schlagen Schulen als Erste Alarm. Auch in Salzburg.

 

   Anja Kröll Wien. Die Burschen und Mädchen mit denen Moussa Al-Hassan Diaw zu tun hat, sind fast noch Kinder. Junge Menschen, die plötzlich davon sprechen, in den Dschihad zu ziehen oder ihre Eltern Ungläubige nennen. „Der Jüngste war 13 Jahre alt“, erzählt der Religionspädagoge und Obmann des Netzwerks sozialer Zusammenhalt, das sich mit der Deradikalisierung von Jugendlichen in Österreich beschäftigt.

 

   30 Mal wurde das Netzwerk seit der Gründung im September aktiv. Oft hätten Eltern oder Vereine Hilfe bei den Experten gesucht, noch öfter Schulen. Diaw und sein Team rücken dann aus in die Klassenzimmer des Landes. In Wien, Salzburg, Vorarlberg, Tirol, Ober- und Niederösterreich haben sie Teenagern schon erklärt, was sie da eigentlich von sich geben, wenn sie die Terrormiliz des „Islamischen Staates“ (IS) verherrlichen.

 

   „Das Problem ist, gibt es einen radikalisierten Schüler in der Klasse, steigt die Gefahr, dass er die anderen mit seinem Gedankengut ansteckt“, sagt Diaw, der an diesem Vormittag bereits an zwei Schulen zu sogenannten Interventionen, also Einzelgesprächen, war. Besonders oft gebe es diese in Wien. Beim Landesschulrat für Salzburg liegt offiziell kein Fall vor. Aber Experten sprechen von Neuen Mittelschulen in der Mozartstadt, in denen das Phänomen längst angekommen sei. Der Stadtschulrat Wien hat nach Hinweisen aus Schulen bereits 20 Mal den Verfassungsschutz eingeschaltet.

 

   Neu ist die Entwicklung von Jugendlichen, die sich für den radikalen Islam begeistern, nicht. 2001 tauchten die ersten Fälle auf. Mittlerweile sind 150 Personen aus Österreich in den Bürgerkrieg nach Syrien oder in den Irak gezogen. Was allerdings neu ist, ist, dass sich immer mehr ganz Junge für den „Heiligen Krieg“ begeistern. Diaw erklärt dies durch die Dauerpräsenz im Internet und die perfekte Marketingmasche der Dschihadisten. Sie verstünden es, westliche Motive mit dem Dschihad zu verbinden. Schöne Villen und Pools, die in Syrien warten. Schokoriegel und Waffen. Das Konzept funktioniert. Das zeigt auch ein Blick in den Raum, in dem Diaw nun steht. Kein Klassenzimmer, sondern der Schulungsraum des Xtra-Instituts für Freizeitpädagogik in Wien. Vor rund 50 Sozialarbeitern hält der Mann mit der eindringlichen Stimme einen Vortrag zum Thema „Prävention, Deradikalisierung und Demokratie“. Die anschließende Fragerunde dreht sich fast ausschließlich darum: Wie bringt man radikale Jugendliche von ihrem Weg ab? „Zunächst geht es darum, ihnen die Gewaltbereitschaft zu nehmen. Ihren Blick durch die ideologische Brille zu ändern. Zum Vollblutdemokraten macht sie das noch nicht“, sagt Diaw. Pause. „Man muss sie zwingen, selbst zu denken.“

 

   Vielleicht sollte man ihnen auch die Geschichte eines Burschen erzählen, der aus Syrien zurück nach Österreich kam. Einem Sozialarbeiter erklärte er: „Die da unten wollten uns verkaufen. Das sind Menschenhändler, die mit uns Geld machen.“ Kein Wort von Schokoriegeln oder Pools. Für die Deradikalisierung gilt: Je jünger die Betroffenen, je kürzer sie vom IS-Gedankengut befallen sind, um so eher sind sie davon abzubringen. Ein wichtiger Knackpunkt ist vor allem die Religion. „Wenn man den Jugendlichen zeigt, was wirklich im Koran steht und es ihnen erklärt, dann sehen sie, dass ihnen die selbst ernannten Prediger im Internet nicht die Wahrheit sagen“, erklärt Diaw.

 

   Doch dies setzt voraus, dass es Experten gibt, die sich mit dem Thema auskennen. Die meisten Lehrer fühlen sich eher überfordert. Diaw: „Im schlimmsten Fall, wird der Jugendliche von der Schule geworfen. Dann ist er erst recht alleingelassen.“

 

   Viele Fragen wird Diaw an diesem Abend noch im Vortragsraum in Wien beantworten, ehe es für ihn wieder in eine Schule geht. Zu einem Teenager, der sich radikalisiert hat.

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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