Montag, 1. Dezember 2014

2014.12.02: Newsletter Bildung

"Die Presse" vom 02.12.2014                               Seite: 24

Ressort: Nachrichten

 

Österreich, Abend, Österreich, Niederösterreich, Wien, Morgen

 

Lesen: 16.000 Kinder werden getestet

 

   Schule. An den Wiener Volksschulen findet von 22. bis 29. April 2015 der sogenannte Wiener Lesetest statt. Dabei wird die Lesefertigkeit von 15.932 Viertklässlern an den 268 öffentlichen und privaten Volksschulen unter die Lupe genommen. Der Test findet zwar nicht zum ersten Mal statt, wurde heuer aber völlig neu gestaltet.

 

   Der Stadtschulrat hat sich entschieden, die Zusammenarbeit mit dem Bildungsinstitut BIFIE zu beenden. Stattdessen wird der Test von Günter Haider, dem Ex-Chef des BIFIE, durchgeführt. Neu ist, dass der Test nur noch in der vierten Schulstufe (und nicht wie bisher auch in der achten) durchgeführt wird. Außerdem wird die Überprüfung erstmals nicht von einem Institut, sondern von den Lehrern selbst ausgewertet. Schüler und Eltern erfahren das Einzelergebnis, der Stadtschulrat wird ein Gesamtergebnis veröffentlichen. S.9

 

-----------------------------------------

 

Die Presse – 2. Dezember 2014

 

 

Wiener Lesetest: Lehrer werten selbst aus

Der Lesetest wird neu organisiert und ausgewertet. Der ehemalige Bifie-Chef Günter Haider ersetzt das Bifie bei der Untersuchung.

Der "Wiener Lesetest" wird im kommenden Jahr vollkommen neu organisiert. Statt des Bundesinstituts für Bildungsforschung (Bifie) wird die Untersuchung von Ex-Bifie-Chef Günter Haider durchgeführt - und zwar nur mehr in der vierten Klasse Volksschule, hieß es bei einer Pressekonferenz am Montag. Mit einer Folie sollen die Lehrer die Tests innerhalb weniger Minuten selbst auswerten können.

Bisher wurden jährlich alle Schüler der 4. Klasse Volksschule sowie 4. Klasse AHS-Unterstufe/Neue Mittelschule im Jänner vom Bifie auf ihre Lesefähigkeit getestet. Die dabei verwendeten lizensierten Tests blieben geheim, die Bögen wurden abgesammelt und vom Bifie ausgewertet. Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl (SPÖ) beendete im Vorjahr wegen "logistischer Schwierigkeiten und Fehlern bei der Auswertung" aber die Zusammenarbeit.

Neuer Test erarbeitet

Als neuen Partner holte sie sich Haider: "Ich kann auf Sie nicht verzichten." Dieser erarbeitete mit seinem Team von der Uni Salzburg einen neuen Test, dessen Ergebnisse mit den früheren Untersuchungen aber vergleichbar sein sollen. Im Jänner findet nun nicht mehr der Haupttest statt, sondern ein freiwilliger Vortest, bei dem sich die Schüler mit den Aufgabenformaten vertraut machen können. Zwischen 22. und 29. April steht dann der 40-minütige Haupttest auf dem Programm, wobei jede Schule den Zeitpunkt selbst auswählen kann.

Test "innerhalb von zwei Minuten" ausgwertet

Anders als bisher werden die Aufgabenpakete nicht vom Bifie an die Schulen geschickt, nach dem Test eingesammelt, ausgewertet und die Ergebnisse an die Schulen bzw. Schüler rückübermittelt. Vielmehr erhalten die Lehrer eine Schablone, mit der sie die Tests ihrer Klasse "innerhalb von zwei Minuten" selbst auswerten können, so Haider. Die Lehrer wissen so sofort, welche Schüler welche Leseprobleme haben und könnten sofort mit der Förderung beginnen - sowohl nach dem Vor- als auch nach dem Haupttest.

Der Stadtschulrat erhält lediglich die anonymisierten Schulergebnisse des Haupttests und erstellt daraus ein wienweites Resultat. Der Direktor bzw. die Schulaufsicht haben Einsicht in die kompletten Tests.

"Auch einmal den Eltern vorlegen"

Anders als bisher ist der Test auch kein großes Geheimnis mehr: Die Schulen können ihn behalten und etwa im September darauf gleich am Beginn des Schuljahrs zur Einstufung der neuen Viertklassler verwenden. Dann könnten etwa auch gleich mittels der Gratis-Nachhilfe der Stadt Fördermaßnahmen beginnen, so Brandsteidl: "Wer will, kann den Test beim nächsten Elternsprechtag auch einmal den Eltern vorlegen", so Haider.

Auf die Tests in den vierten Klassen AHS/Neue Mittelschule habe man verzichtet, so Brandsteidl. Einerseits gebe es mit dem Talente-Check der Wirtschaftskammer ein neues Instrument, das unter anderem ähnliche Prozesse abfrage. Anderseits sei der Leseerwerb nach der Volksschule schon abgeschlossen und habe man bei 14- bzw. 15-Jährigen kaum Chancen mehr, diese nach dem Test noch zu fördern. Haider verwies außerdem auf die in der vierten Klasse AHS/Neue Mittelschule erhobenen Bildungsstandards und den PISA-Test für 15-Jährige, die für diese Altersstufe Ergebnisse liefern: "Für das Monitoring braucht man nicht mehr."

90.000 Euro im ersten Jahr

Die Testergebnisse der Kinder müssen in Form von an Schüler und Eltern ausgegebenen Rückmeldeblättern an ihrer künftigen AHS/Neue Mittelschule vorgelegt werden. Mittelfristig spart die neue Testform dem Stadtschulrat Geld: Durch die Entwicklung entsprächen die Kosten von 90.000 Euro im ersten Jahr den bisherigen. In den kommenden Jahren werde es aber erheblich günstiger, obwohl jedes Jahr neue Aufgaben gestellt werden, so Brandsteidl.

Im neuen Test seien etwa Germanismen ausgemerzt worden, so Haider und Brandsteidl. Es gehe von der Aufgabenstellung her viel stärker um das Leben in Wien. "Das Weltwissen eines Wiener Kindes unterscheidet sich doch vom Weltwissen eines Kinds aus einer anderen deutschen Region", so Haider.

 

 

"Kurier" vom 02.12.2014                                   Seite: 18

Ressort: Chronik

 

Wi, Abend, Wi, Morgen

 

Wien

 

Lesetest neu: Künftig werden nur mehr die Volksschüler überprüft

 

   Reform. Der "Wiener Lesetest" wird neu organisiert. Statt des Bundesinstituts für Bildungsforschung (Bifie) wird die Untersuchung von Ex-Bifie-Chef Günter Haider durchgeführt. Dieser erarbeitete mit seinem Team von der Uni Salzburg den neuen Test.

 

   Der Hintergrund: Nach der Datenleck-Affäre hatte der Stadtschulrat im Februar die Kooperation mit dem Bifie eingestellt. Haider seinerseits hatte seinen Posten als Bifie-Chef wenig später verloren, auf seine Expertise will Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl jedoch nicht verzichten.

 

   Getestet werden zwischen 22. und 29. April 2015 nur mehr die knapp 16.000 Schüler der 4. Volksschulklassen und nicht wie bisher auch die Viertklässler in den AHS und Mittelschulen. Mit den Bildungsstandards und dem PISA Test gebe es ohnehin Erhebungen für diese Altersstufe, betont Haider: "Für das Monitoring braucht man nicht mehr."

 

   Den genauen Termin für den 40-minütigen Lesetest können sich die Schulen selbst aussuchen. Zusätzlich gibt es im Jänner einen freiwilligen Vortest, bei dem sich die Schüler mit dem Prüfungsprozedere vertraut machen können.

 

   Neu ist auch, dass die Lehrer die Tests anhand einer Schablone selbst auswerten. Bisher mussten die Fragebögen dafür an das Bifie in Salzburg zurückgeschickt werden. Künftig wissen die Lehrer also sofort, welche Schüler welche Lernprobleme haben und können umgehend mit der Förderung beginnen. Der Stadtschulrat erhält lediglich die anonymisierten Schul-Ergebnisse und erstellt daraus ein Wien-weites Resultat, das mit den bisherigen vergleichbar sein soll.

 

   Aufgrund der Entwicklungskosten kostet der neue Lesetest mit 90.000 Euro ungefähr gleich viel wie der alte. In den kommenden Jahren soll er aber deutlich günstiger werden.

 

 

"Österreich" vom 02.12.2014                                  Seite 15

 

Wien

 

NEU: LEHRER ÜBERNEHMEN AUSWERTUNG

 

15.932 Wiener Kinder machen den Lesetest

 

Vortest für Schüler der vierten Schulstufe im Jänner - Haupttest dann im April.

 

Schule. "aufgrund logistischer Schwierigkeiten und Fehler bei der auswertung wurde die zusammenarbeit mit dem bundesinstitut für bildungsforschung beendet", sagt Stadtschulratspräsidentin Susanne brandsteidl (SPÖ).

 

Änderungen. günter Haider -Ex-bifieChef - organisierte den Lesetest für 15.932 Kinder neu. So wird der Test jetzt von den Lehrern selbst ausgewertet. die Schulen dürfen die Tests behalten und zur Einstufung der neuen Viertklassler verwenden.

 

Wienweit findet vom 22. bis 29. april 2015 der "Wiener Lesetest" für alle Schüler der vierten Schulstufe statt. (fil)

 

 

Der Standard – 2. Dezember 2014

 

 

Wiener Lesetest: Lehrer werten künftig selbst aus

Test wird von Ex-Bifie-Direktor Günter Haider neu organisiert - Überprüfung wird auf Volksschüler in der vierten Klasse begrenzt

Wien - Der "Wiener Lesetest" wird im kommenden Jahr vollkommen neu organisiert. Statt des Bundesinstituts für Bildungsforschung (Bifie) wird die Untersuchung von Ex-Bifie-Chef Günter Haider durchgeführt - und zwar nur mehr in der vierten Klasse Volksschule, hieß es bei einer Pressekonferenz am Montag. Mit einer Folie sollen die Lehrer die Tests innerhalb weniger Minuten selbst auswerten können.

Bisher wurden jährlich alle Schüler der 4. Klasse Volksschule sowie 4. Klasse AHS-Unterstufe/Neue Mittelschule im Jänner vom Bifie auf ihre Lesefähigkeit getestet. Die dabei verwendeten lizensierten Tests blieben geheim, die Bögen wurden abgesammelt und vom Bifie ausgewertet. Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl (SPÖ) beendete im Vorjahr wegen "logistischer Schwierigkeiten und Fehlern bei der Auswertung" aber die Zusammenarbeit.

Freiwilliger Vortest

Als neuen Partner holte sie sich Haider: "Ich kann auf Sie nicht verzichten." Dieser erarbeitete mit seinem Team von der Uni Salzburg einen neuen Test, dessen Ergebnisse mit den früheren Untersuchungen aber vergleichbar sein sollen. Im Jänner findet nun nicht mehr der Haupttest statt, sondern ein freiwilliger Vortest, bei dem sich die Schüler mit den Aufgabenformaten vertraut machen können. Zwischen 22. und 29. April steht dann der 40-minütige Haupttest auf dem Programm, wobei jede Schule den Zeitpunkt selbst auswählen kann.

Stadtschulrat bekommt anonymisierte Ergebnisse

Anders als bisher werden die Aufgabenpakete nicht vom Bifie an die Schulen geschickt, nach dem Test eingesammelt, ausgewertet und die Ergebnisse an die Schulen bzw. Schüler rückübermittelt. Vielmehr erhalten die Lehrer eine Schablone, mit der sie die Tests ihrer Klasse "innerhalb von zwei Minuten" selbst auswerten können, so Haider. Die Lehrer wissen so sofort, welche Schüler welche Leseprobleme haben und könnten sofort mit der Förderung beginnen - sowohl nach dem Vor- als auch nach dem Haupttest. Der Stadtschulrat erhält lediglich die anonymisierten Schulergebnisse des Haupttests und erstellt daraus ein wienweites Resultat. Der Direktor bzw. die Schulaufsicht haben Einsicht in die kompletten Tests.

Anders als bisher ist der Test auch kein großes Geheimnis mehr: Die Schulen können ihn behalten und etwa im September darauf gleich am Beginn des Schuljahrs zur Einstufung der neuen Viertklassler verwenden. Dann könnten etwa auch mittels der Gratis-Nachhilfe der Stadt Fördermaßnahmen beginnen, so Brandsteidl: "Wer will, kann den Test beim nächsten Elternsprechtag auch einmal den Eltern vorlegen", so Haider.

Keine Tests in AHS und Neuer Mittelschule

Auf die Tests in den vierten Klassen AHS/Neue Mittelschule habe man verzichtet, so Brandsteidl. Einerseits gebe es mit dem Talente-Check der Wirtschaftskammer ein neues Instrument, das unter anderem ähnliche Prozesse abfrage. Anderseits sei der Leseerwerb nach der Volksschule schon abgeschlossen und habe man bei 14- bzw. 15-Jährigen kaum Chancen mehr, diese nach dem Test noch zu fördern. Haider verwies außerdem auf die in der vierten Klasse AHS/Neue Mittelschule erhobenen Bildungsstandards und den PISA-Test für 15-Jährige, die für diese Altersstufe Ergebnisse liefern: "Für das Monitoring braucht man nicht mehr."

Die Testergebnisse der Kinder müssen in Form von an Schüler und Eltern ausgegebenen Rückmeldeblättern an ihrer künftigen AHS/Neue Mittelschule vorgelegt werden. Mittelfristig spart die neue Testform dem Stadtschulrat Geld: Durch die Entwicklung entsprächen die Kosten von 90.000 Euro im ersten Jahr den bisherigen. In den kommenden Jahren werde es aber erheblich günstiger, obwohl jedes Jahr neue Aufgaben gestellt werden, so Brandsteidl.

Im neuen Test seien etwa Germanismen ausgemerzt worden, so Haider und Brandsteidl. Es gehe von der Aufgabenstellung her viel stärker um das Leben in Wien. "Das Weltwissen eines Wiener Kindes unterscheidet sich doch vom Weltwissen eines Kinds aus einer anderen deutschen Region", so Haider.

 

 

Der Standard – 2. Dezember 2014

 

 

Wiener Gratisnachhilfe eine "Mogelpackung"

David Krutzler

"Förderung 2.0": ÖVP Wien befürchtet Quersubventionierung für Volkshochschulen

Wien - Seit Herbst läuft das Programm "Förderung 2.0" in den Wiener Volksschulen. Ab Februar 2015 sollen dann auch Problemschüler in den höheren Pflichtschulen Gratisnachhilfestunden bekommen. Die von der SPÖ initiierte Förderung lernschwacher Schüler soll im Vollausbau 20 Millionen Euro pro Jahr kosten.

Dass für die so wichtige Förderung von Schülern zusätzliches Geld in die Hand genommen werden muss, wird über die Parteigrenzen hinweg begrüßt. Kritiker des SPÖ-Vorstoßes sagen hingegen, dass die Gratisnachhilfe über Kürzungen des Bundes hinwegtäuschen soll. Dieser hatte Zusatzstunden für Sport, Musik und Begabtenförderung gestrichen.

"Keine Sprachförderkurse"

Die Direktorin einer Wiener Volksschule im 14. Bezirk legt in einem Brief dar, dass durch die Einsparung etwa von Begleitlehrerstunden "die äußerst notwendigen Legastheniekurse" nicht mehr angeboten werden können. Der Brief, der an die Parteien im Wiener Rathaus gegangen ist, liegt dem STANDARD vor.

Da eine Lehrerin im Langzeitkrankenstand ist, gebe es für Kinder mit wenig bis gar keinen Deutschkenntnissen in dieser Schule seit Schulbeginn "keine Sprachförderkurse" mehr. Bisher angebotene unverbindliche Übungen wie Chor, Spielmusik oder Französisch würden vollends fehlen. Es wäre effizienter, leistungsschwache Schüler durch eine zusätzliche Lehrkraft im Unterricht am Vormittag zu betreuen als durch die Gratisnachhilfestunden der Stadt, die oft nach langen Schultagen nachmittags stattfinden müssen.

"Mogelpackung"

ÖVP-Gemeinderätin Isabella Leeb bezeichnet die Gratisnachhilfe wegen der Umschichtung gekürzter Lehrerstunden vom Vor- auf den Nachmittag als "Mogelpackung".

Die Organisation der Gratisförderung von Pflichtschülern nach der Volksschule obliegt den Volkshochschulen (VHS). Diese setzen nicht unbedingt Lehrer für die Förderstunden in Gruppen bis maximal zehn Schülern ein, sondern "Lernbetreuer". So steht es in der Projektbeschreibung. Als Qualifikation reicht auch eine "begonnene Ausbildung" zum Lehrer, zudem können "Personen mit Fachwissen im jeweiligen Unterrichtsgegenstand" oder "Personen mit pädagogischen Erfahrungen als Nachhilfelehrer" eingesetzt werden.

Quersubvention befürchtet

Sieben Millionen Euro sollen den VHS dafür pro Jahr von der Stadt genehmigt werden, der Ausschuss im Rathaus tagt diese Woche. Leeb stößt sich daran, dass die Volkshochschulen Gelder, die "nicht ausgeschöpft" werden, laut Antrag in Absprache mit der MA 13 (Bildung und außerschulische Jugendbetreuung) für andere VHS-Zwecke einsetzen können. "Das wäre eine Quersubventionierung", sagt Leeb. Die Gelder sollten für schulische Förderungen und Projekte zweckgewidmet werden.

 

 

Der Standard – 2. Dezember 2014

 

 

Hochbegabung: Schlauer Schule machen

Bis zu zwanzig Prozent der Schüler sind begabt oder hochbegabt. Oft werden die Potenziale zu wenig gefördert oder gar nicht entdeckt

Lisa Kogelnik

 

Früher ging der sechsjährige Maximilian (Name geändert) nicht gerne in die Schule. Seine Lehrerin strich ihm Wörter in seinem Heft durch. Er hatte von ihr erst gelernt, "Mama" zu schreiben, deshalb durfte in seinem Heft auch nur "Mama, Mama, Mama" stehen. Daraufhin weigerte sich Maximilian, überhaupt zu schreiben. Er wechselte die Schule. Seine jetzige Lehrerin ist stolz auf ihn: "Er konnte in der zweiten Klasse Aufsätze schreiben, die ich nie schreiben könnte", sagt Nathalie Rath. Maximilian hat eine Hochbegabung für Sprache.

Rath unterrichtet an der Volksschule St. Ursula im 23. Bezirk in Wien. Die katholische Privatschule ist eine der wenigen, die sich auf Begabungsförderung spezialisiert haben. Als eine von zehn der 260 Wiener Volksschulen hat sie etwa Lehrer, die gelernt haben, wie sie mit besonders guten Schülern umgehen sollen.

Kleine Spitzengruppe

Begabungsförderung ist zwar ein Unterrichtsprinzip, das in allen Fächern umgesetzt werden soll. Kinder, die ein Potenzial zu sehr guten Leistungen haben, kommen trotzdem oft zu kurz. Im österreichischen Regelschulsystem werden vor allem Schwächen ausgebügelt. Zudem sind Hochbegabte immer noch mit Vorurteilen konfrontiert, wonach sie Außenseiter sind und ihnen soziale Kontakte schwerfallen. Es kommt auch vor, dass Eltern ihre Kinder überschätzen und zu viel von ihnen erwarten.

Wie hoch der Anteil an begabten Schülern in Österreich ist, wird nicht erhoben, aber die Pisa-Studie weist sehr gute Leistungen extra aus. Die österreichische Spitzengruppe ist im Vergleich zu anderen Ländern nicht groß: Beim Lesen sind es etwa 5,5 Prozent der Schüler, der OECD-Durchschnitt liegt bei 8,8 Prozent.

Die magische Zahl 130

Schüler gelten als hochbegabt, wenn sie einen Intelligenzquotienten haben, der über 130 liegt. Intelligenz wird dabei auf den kognitiven Bereich eingeschränkt. Diese Kinder haben etwa eine besonders gute Auffassungsgabe oder können außerordentlich gut logisch denken.

Roland Grabner hat seit Oktober den neuen Lehrstuhl für Begabungsforschung an der Universität Graz inne. "Die Grenze bei genau 130 ist willkürlich gesetzt", sagt er. Der Mittelwert der kognitiven Intelligenz der Menschen liegt bei 100, 50 Prozent der Bevölkerung liegen darüber und 50 Prozent darunter. Wer einen IQ zwischen 85 und 110 hat, gilt als durchschnittlich intelligent.

Erweitert man die Definition von Intelligenz und orientiert sich nicht nur am IQ, geht die Begabungsforschung davon aus, dass 15 bis 20 Prozent eines jeden Jahrgangs das Potenzial zu sehr guten Leistungen haben. Diese Kinder können zum Beispiel sehr gut malen oder Geige spielen oder sich besonders gut in andere Menschen einfühlen.

Begabungen entdecken

Eine Begabung zu erkennen ist für Lehrer nicht immer leicht. "Manche wollen so sein wie die anderen und verstecken ihre Talente", sagt Rath. Wenn ein Kind hochbegabt ist, lernt es schnell, kann sich Dinge gut merken, erkennt Zusammenhänge leicht und kann sehr gut logisch denken. Rath ist auch mit Eltern konfrontiert, die ihren Sprössling für hochbegabt halten, obwohl er das nicht ist. "Eltern sind sehr stolz auf ihre Kinder und wollen sie natürlich immer fördern." Sie müsse dann überprüfen, ob das Kind tatsächlich begabt sei, und es Mutter oder Vater "diplomatisch" vermitteln, wenn sie eventuell falsch liegen.

Um Talente zu entdecken, bietet die Volksschule St. Ursula ihren Schülern Förderkurse an. Sie können turnen, am Computer arbeiten, musizieren, kochen, malen oder in naturwissenschaftlichen Fächern experimentieren. Einmal pro Woche dürfen sie in zwei Unterrichtsstunden ausprobieren, wofür im Regelunterricht keine Zeit bleibt. Die Kurse dauern vier Wochen, die Schüler können pro Schuljahr an bis zu vier teilnehmen.

An diesem Nachmittag sind die Naturwissenschaften dran. "Wir werden experimentieren, es wird gefährlich, später werden wir auch Schutzmasken tragen müssen", sagt Rath am Anfang der Stunde. Ein achtjähriger Bub lacht und reibt sich bei dieser Nachricht die Hände. Rath unterrichtet gemeinsam mit ihrer Kollegin Linda Lammel. Sie teilen die Schüler in zwei Gruppen. Eine wird künstlichen Schnee aus Windeln herstellen, die andere einen Stromkreis bauen.

Für ihren Stromkreis bekommen die Kinder anfangs nur eine Flachbatterie und ein Lämpchen und den Auftrag, es zum Leuchten zu bringen. Ein Schüler hält die Fassung an den Boden der Batterie, ein Mädchen probiert es, indem sie das Lämpchen an nur einen Kontakt hält, ein etwa siebenjähriger Bub macht es auf Anhieb richtig und hält die Glühbirne so, dass sie beide Kontakte berührt. Sie leuchtet. "Aaaaaaaaahhhh", raunen die Mitschüler und versuchen es ihm gleichzutun.

"Es geht um dieses Aha-Erlebnis", sagt Lammel. Nicht der Lehrer steht vorne am Pult und zeigt vor, sondern die Schüler können selbst ihren Lösungsweg finden. Dieses aktive Lernen ist ein wesentlicher Mechanismus der Begabungsförderung, sagt Forscher Grabner. "Man sollte dem Kind nicht sagen, welche Lösung die richtige ist, sondern die Lösung gemeinsam erarbeiten."

Der Lehrer als Pilot

Eine der wirksamsten Förderungsmöglichkeiten ist für Grabner die sogenannte formative Evaluation. Dabei überprüft der Lehrer regelmäßig, ob die Kinder den Stoff verstanden haben. "Und wenn die Lehrerin feststellt, dass die Inhalte nicht angekommen sind, passt sie den Unterricht an." Derzeit würden die Schüler häufig nach drei Monaten über den Stoff geprüft. Wer ihn nicht verstanden hat, fällt durch. Grabner beschreibt dieses Vorgehen mit einem Bild: "Das ist, wie wenn ein Pilot, der nach London möchte, sich in New York in den Flieger setzt und sechs Stunden lang in dieselbe Richtung fliegt. Wenn er landet, fragt er, ob er jetzt in London ist."

Besonders schlaue Schüler können Pädagogen im Regelunterricht auch fördern, indem sie zusätzliches Material anbieten. Lehrerin Lammel gibt ihnen eigene Zielvorgaben, sie arbeiten an anderen Projekten als ihre Mitschüler. Zudem sollten Lehrer die Geschwindigkeit des Unterrichts an die Schüler anpassen. An der Volksschule St. Ursula können sie etwa in dem Fach, in dem sie besonders gut sind, eine höhere Klasse besuchen. Das ist hier besonders leicht, weil eine Neue Mittelschule und ein Gymnasium zum Campus gehören.

An allen Schulen üblich ist, dass hochbegabte Kinder eine ganze Klasse überspringen. Auch ein Studium schon während der Schulzeit ist möglich.

Beides hat Martin Cvikl gemacht. Der 16-Jährige hat in der Volksschule eine Klasse übersprungen und studiert jetzt parallel zum Unterricht im vierten Semester Wirtschafts- und Sozialwissenschaften als außerordentlicher Student an der Wirtschaftsuniversität Wien. "Wirtschaft interessiert mich schon, seit ich zwölf Jahre alt bin, und deshalb habe ich mich entschlossen zu studieren", sagt er. "Die Förderung bringt mir etwas im Leben, weil ich früher mit dem Studium fertig bin. Das ist ein gutes Element für den Lebenslauf."

Cvikl ist einer von 90 Schülern, die in diesem Semester an österreichischen Unis studieren. Das Programm "Schüler an die Hochschulen" des Österreichischen Zentrums für Begabtenförderung und Begabungsforschung feierte im Herbst sein 15-jähriges Jubiläum. Einzige Voraussetzung für die Teilnahme: ein Motivationsschreiben und die Zustimmung des Direktors.

Cvikl genießt es, an der Universität das zu lernen, was ihn wirklich interessiert. "Ich finde diese Form des Lernens interessanter als die Schule. Es ist wie ein Hobby. Wie wenn jemand in den Fußballklub eingeschrieben ist, bin ich an der Uni eingeschrieben."

Er ist zielstrebig. Nächstes Frühjahr macht Cvikl neben dem Studium seine Matura in einem Gymnasium im 17. Bezirk in Wien und will nach dem Studienabschluss in Wirtschaft Maschinenbau studieren. Dass er an der Universität jünger als die Studienkollegen ist, stört ihn nicht. "Ich bin seit elf Jahren auch in der Schule immer ein Jahr jünger, ich habe mich daran gewöhnt."

Damit sich Universität und Schule parallel ausgehen, belegt Cvikl wenn möglich nur solche Kurse, die neben dem Stundenplan in der Schule möglich sind. Wenn er doch etwas verpasst, borgt er sich die Unterlagen von Klassenkollegen. "Dafür braucht man ein gutes Klassenklima", sagt er. "Man darf nicht auf dem hohen Ross sitzen und sagen, ich bin etwas Besseres."

Probleme mit den Kollegen

Probleme mit den Klassenkollegen kennt Annika Hämmerle. Als die 18-Jährige im vergangenen Jahr ihr Chemiestudium an der Technischen Universität in Wien begann, belegte sie einige Lehrveranstaltungen und verpasste den Unterricht an ihrer HTL. Da Hämmerle sehr leicht lernt, war das kein Problem. Schon in der Volksschule war sie mit dem Stoff für eine ganze Woche am Montag oder Dienstag fertig. Dass sie aufgrund ihres Studiums öfter fehlen darf, haben ihre Mitschüler als unfair empfunden. Jetzt organisiert Hämmerle ihre Vorlesungen an der Uni so, dass sie keinen Unterricht in der Schule verpasst.

Für ein Studium hat sich die Schülerin entschieden, nachdem sie in den USA ein Jahr lang eine Highschool besucht hatte. "Es ist drüben ganz anders, die Leute haben viel mehr ein Ziel vor Augen, jeder arbeitet auf etwas hin", erzählt sie. Zurück in Österreich hat ihr eine solche Herausforderung gefehlt.

Eigene Schulen für Hochbegabte

Wie Hämmerle und Cvikl studiert auch Stefan Maukner parallel zur Schule an der Universität. Im Gegensatz zu den anderen besucht er aber auch eine Schule für Hochbegabte. An der Sir-Karl-Popper-Schule im vierten Bezirk in Wien werden Schüler nur aufgenommen, wenn sie einen Intelligenztest bestehen.

Diese Form der Förderung in der Popper-Schule nennt Grabner "Leistungsgruppierung". Dabei werden hochbegabte Schüler zusammengefasst. "Ich stehe dem skeptisch gegenüber", sagt der Begabungsforscher. Das Ziel, eine homogene Gruppe von Schülern zu schaffen, die alle gleich gut sind, sei unmöglich. Schließlich sei auch der Unterschied von einem Schüler mit dem IQ von 130 und einem mit 160 sehr groß. "Für den Lernerfolg spielt überdies nicht nur die Intelligenz eine Rolle, sondern auch das Vorwissen, die Motivation und die Interessenlage." Er befürwortet Fördermaßnahmen, durch die alle Schüler ihrer Begabung entsprechend gefördert werden.

Maukner geht gerne an die Popper-Schule. Besonders der Umstand, dass er sich auf Fächer spezialisieren und andere abwählen kann, ermöglicht es ihm, auf die Uni zu gehen. In der Unterstufe hatte Maukner viel Freizeit. Während andere für Schularbeiten lernen mussten, konnte er den Stoff meistens alleine dadurch, dass er während des Unterrichts anwesend war. "Wäre es in der Oberstufe so weitergegangen, wäre mir wahrscheinlich langweilig geworden."

Die Schüler und Studenten Cvikl, Maukner und Hämmerle haben eines gemeinsam: Sie sind mit Vorurteilen konfrontiert und bemüht, diese nicht zu erfüllen. Alle drei betonen immer wieder, dass sie sich nicht als etwas Besseres fühlen, dass sie auch Freizeit und Freunde haben. Hämmerle erzählt den Kollegen an der Uni gar nicht, dass sie noch Schülerin ist. "Ich möchte nicht als Streberin abgestempelt werden, weil ich mich selbst nicht als solche sehe."

Hochbegabte als Außenseiter

Die Vorstellung von Hochbegabten, die wie der Wissenschaftler Sheldon Cooper in der Serie "Big Bang Theory" Schwierigkeiten mit sozialen Kontakten haben, ist noch immer verbreitet.

Cvikl hat erlebt, dass der Begriff "Hochbegabter" oft mit "sozialer Außenseiter" gleichgesetzt wird. "Das sollte nicht sein, es heißt einfach, dass man bestimmte Fähigkeiten hat." In Kursen für Lehrkräfte würden auch Lehrer oft eine tatsächlich nicht bestehende Verbindung zwischen Hochbegabung und mangelnder sozialer Kompetenz herstellen, sagt Grabner. "Wenn jemand hochbegabt ist, muss er anscheinend auch irgendwo ein Defizit haben. Sonst wäre es ja ungerecht."

Diese Klischees wurden bereits in den 80er-Jahren durch das "Marburger Hochbegabtenprojekt" entkräftet. Die Studie des Marburger Psychologieprofessors Detlef Rost belegte, dass es keine Unterschiede zwischen der sozialen Kompetenz von Hochbegabten und jener von normal begabten Kindern gibt.

Die beiden Lehrerinnen an der Volksschule St. Ursula haben trotzdem die Erfahrung gemacht, dass es begabten Kindern schwerer fällt, sich zu integrieren und ihre Emotionen zu kommunizieren. "Sie haben Schwierigkeiten mit den Gleichaltrigen, weil sie andere Interessen haben", vermutet Lammel.

In ihrem Naturwissenschaftskurs haben die Schüler mittlerweile alle einen Stromkreis gebaut. Jener Schüler, der als Erster die Glühbirne zum Leuchten gebracht hatte, ist auch der Erste, der Batterie und Lämpchen mit Kabeln verbindet und einen Schalter zum An- und Ausknipsen einbaut. Die Pädagoginnen wissen jetzt, dass er schnell begreift. Sie werden seiner Klassenlehrerin davon berichten und darüber beraten, wie sie ihn weiter fördern können.

 

 

"Kronen Zeitung" vom 02.12.2014                           Seite: 22

Ressort: Lokal

 

Wi, Vbg, Wi, Morgen

 

Start im April 15.932 Teilnehmer Lehrer werten aus

 

Neuer Wiener Lesetest für alle Viertklassler der Volksschulen

 

Von 22. bis 29. April startet der Stadtschulrat den neuen "Wiener Lesetest" an 268 Volksschulen. Erstmals werten Lehrer die Ergebnisse selbst aus. Neue Fragestellungen sollen außerdem besser auf die Lebenswelt der Kinder und deren Herkunft eingehen.

 

   Der Test dauert 40 Minuten, prüft Lesefähigkeit sowie Geschwindigkeit und soll binnen einer Stunde korrigierbar sein. Der Lehrer teilt dem Schüler und dessen Eltern das Ergebnis persönlich mit.

 

   Anschließend gelangen die Antwortbögen anonymisiert zum Stadtschulrat. Ende Mai steht dann das wienweite Resultat fest.

 

   Erstmals gibt es Texte mit Wien-Bezug - etwa Geschichten zum Donauinselfest oder zur Wiener Mistmeisterschaft. Bildungsforscher Günter Haider erklärt: "Die Lebenswelt der Kinder ist in den Texten eingebaut." Auch unterschiedliche Kulturen und Religionen werden berücksichtigt.

 

   Zwischen 19. und 23. Jänner erfolgt ein freiwilliger Vortest. A. Halouska

 

 

"Wiener Zeitung" Nr. 234 vom 02.12.2014                     Seite: 17

Ressort: Wien

 

Wiener Zeitung

 

Ex-Bifie Chef Günter Haider konzipiert neuen Wiener Lesetest, der nur noch Volksschülern der vierten Klasse vorgelegt werden soll.

 

Der Vorleser

 

    Solmaz Khorsand

 

    Wien. Entzückend ist es für Eltern, wenn ihre Sprösslinge die ersten Buchstaben lernen, sie langsam nacheinander reihen und sich zum vollständigen Wort nach vorne hanteln. Stolz präsentiert man den alphabetisierten Nachwuchs Freunden und Verwandten. Weniger entzückend ist es hingegen, wenn der Nachwuchs sich noch mit zehn Jahren mühsam von Buchstabe zu Buchstabe schwingt. Jeder fünfte zehnjährige Wiener hat Schwierigkeiten beim Lesen und gilt als „Risikoschüler". Das zeigte das Ergebnis des Lesetests aus dem Jahr 2013. Aktuellere Zahlen liegen keine vor.

 

   Wie der Status quo aussieht, soll der Wiener Lesetest im April 2015 herausfinden. Zum fünften Mal findet er nun statt. Und ist vollkommen neu organisiert, wie Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl (SPÖ) bei der Präsentation am Montagvormittag erklärte. Im Gegensatz zu den Vorjahren werden dieses Jahr nicht länger die Schüler der vierten Klassen AHS/Hauptschule und Neue Mittelschule getestet, sondern lediglich die Volksschüler der vierten Klasse getestet. Der Grund: Defizite im Volksschulalter lassen sich noch beheben, mit 14 Jahren hingegen ist der Zug in Sachen Leseförderung abgefahren, so der Tenor im Wiener Stadtschulrat.

 

   Zu viele Pannen bei Vorentwickler Bifie

 

   So werden nun zwischen 22. und 29. April 15.932 Schüler der vierten Klasse aus insgesamt 268 öffentlichen und privaten Volksschulen auf ihr Leseverständnis getestet. 40 Minuten dauern die Tests. Bereits im Jänner können die jeweiligen Klassen Vortests durchführen, um die Schüler auf das Testformat vorzubereiten und etwaige Förderungen gleich zu dem Zeitpunkt anzufordern. Die Ausführung und die Auswertung der Vor- und Haupttests übernehmen dieses Mal die Lehrer selbst. Der Stadtschulrat erhält lediglich die anonymisierten Schulergebnisse des Haupttests und erstellt daraus ein wienweites Resultat, das bis Ende Mai vorliegen soll.

 

   Anders als in den Vorjahren wurde der Test dieses Mal von Bildungsforscher Günter Haider konzipiert, der in der Anfangsphase 2011 den Test mitgestaltet hatte. Haider war bis 2013 Direktor des Bundesinstituts für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung des Österreichischen Schulwesens (Bifie) – und war unter anderem auch für die Durchführung der Pisa-Tests in Österreich zuständig. 2013 wurde Österreichs „Mr. Pisa", wie Haider genannt wurde, abgesetzt.

 

   Wegen „logistischer Schwierigkeiten und Fehlern bei der Auswertung" beendete der Wiener Stadtschulrat vergangenes Jahr seine Kooperation mit dem Institut. Das Bifie war mit Pannen bei der Generalprobe der Zentralmatura sowie wegen angeblicher Datenschutzprobleme, die fast zur Absage der österreichischen Teilnahme an der Pisa-Studie geführt hätten, ständig in den Schlagzeilen.

 

   Aufgrund der allgemeinen Verunsicherung liegt nun auch keine Auswertung des Wiener Lesetests aus dem vergangenen Jahr vor.

 

   Keine „Mauer des Schweigens" mehr

 

   Gemeinsam mit seinem Team an der Universität Salzburg konzipierte Haider nun den aktuellen Test, der nach dessen Durchführung für jeden einsehbar ist. Vergangenes Jahr war das nicht so. Das bescherte dem Wiener Stadtschulrat den ersten Platz beim „Amtsgeheimnis Award". Mit der „Mauer des Schweigens – ein Preis für besondere Bemühungen um die Verweigerung amtlicher Antworten" – kürte die Jury rund um das Forum für Informationsfreiheit den Wiener Stadtschulrat, der sich weigerte, einem Vater den Lesetest seiner zehnjährigen Tochter zu zeigen.

 

   Mehr als ein halbes Jahr versuchte der Wirtschaftsinformatiker, Einsicht in den geheimen Test zu gewinnen. „Die Lizenzgebühr zur Verwendung der Textbeispiele erlaubt keinesfalls eine Weitergabe an Dritte. Das ist in den Nutzungsbestimmungen des Vertrages so geregelt", hieß es in einer Antwort des Stadtschulrats. In einer anderen riet man ihm, sich doch bei der Schule seiner Tochter zu melden, um mehr Informationen zu dem Test zu bekommen. Der Vater wollte den offiziellen Test des Stadtschulrates, immerhin waren einige Testbeispiele in Boulevardmedien abgedruckt worden. Nach sechs Monaten wurde ihm dann in einem Bescheid mitgeteilt, dass man die „Akteneinsicht" nicht gewähren könnte. Der gesamte Dialog zwischen Vater und Behörde kann auf der Plattform „fragdenstaat.at" nachgelesen werden. Nächstes Jahr soll der Test für alle einsehbar sein. Die Schulen können den Test behalten.

 

   90.000 Euro soll die Entwicklung und Durchführung des aktuellen Lesetests kosten – ebenso viel wie in den Vorjahren. Doch langfristig gesehen soll das neue Konzept der Lehrer-Abwicklung deutlich Kosten einsparen, verspricht Chefentwickler Haider.

 

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen