Dienstag, 9. Dezember 2014

2014.12.10: Newsletter Bildung

Die Presse – 10. Dezember 2014

 

 

Die Gesamtschul-Kluft in der ÖVP

ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner und Staatssekretär Harald Mahrer sind auf der Suche nach einer neuen bildungspolitischen Linie und wollen so die Gesamtschul-Debatte beenden.

Wien. Die Volkspartei inszeniert sich neuerdings gern als Bildungspartei. So auch gestern. Da lud Parteichef und Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner gemeinsam mit Staatssekretär Harald Mahrer zur Diskussion über die Weiterentwicklung des Bildungssystems. Die Gästeliste war bunt: Neben Experten, Bildungslandesräten und Landesschulratspräsidenten waren auch die Bildungssprecher der anderen Parteien geladen. Die ÖVP präsentiert sich betont diskussionsfreudig. Oder anders interpretiert: Sie ist auf der Suche nach einer bildungspolitischen Linie.

Eine solche existiert in der ÖVP nämlich schon seit Längerem nicht mehr. Was es unter Parteichef Michael Spindelegger gab, waren zuletzt nur noch zwei Fronten: Gegner und Befürworter der Gesamtschule. Letztere wurden in den vergangenen Jahren nicht nur zahlreicher, sondern auch durchsetzungsfähiger. Die sogenannte ÖVP-Westachse – Vorarlberg, Tirol und Salzburg – ärgerte die Bundespartei mit immer neuen Ideen und Projekten zur Gesamtschule. Auch die Steiermark ließ Spindelegger Anfang des Jahres ausrichten, dass er „mit seinem Denkverbot" in diesem Punkt übersieht, dass viele innerhalb der Partei „eine deutlich dynamischere Haltung zur gemeinsamen Schule eingenommen haben".

Selbst Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer und Niederösterreichs Landeschef Erwin Pröll wollen nicht an der derzeit üblichen Trennung der Schüler im Alter von zehn Jahren festhalten. Sie setzen sich für einen Sonderweg – eine Verlängerung der Volksschule bis zwölf Jahren – ein.

Selbst Wirtschaft macht Druck

Reformdruck bauen aber nicht nur die Länder auf, auch Wirtschaft und Industrie sorgen dafür. Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl bezeichnete die Gesamtschule vor nicht einmal einem Jahr als „Chance" und schlug einen „Modellversuch in breiterem Umfang" vor. Die Industriellenvereinigung (IV) legte mit ihrem Bildungskonzept zuletzt noch nach. Deren Präsident, Georg Kapsch, forderte eine spätere Bildungswegentscheidung.

Ein kategorisches Nein zur Gesamtschule – wie es dieses von Spindelegger gab – wird es von Mitterlehner angesichts des immer weiter zunehmenden Reformdrucks nicht geben. Er will nicht dieselben Fehler wie sein Vorgänger machen. Mitterlehner versucht, das Image einer verstaubten Bewahrerpartei im Schulbereich abzuschütteln. Das erste Zeichen setzte er dabei mit der Besetzung seiner Beratergruppe. Dass mit Buchautor Andreas Salcher hier eines der größten Feindbilder der AHS-Lehrergewerkschaft im Team ist, könnte ein erstes Zeichen gewesen sein. Mehr aber auch nicht.

Denn ein kompletter Schwenk der ÖVP in puncto Gesamtschule ist unwahrscheinlich. Viele in der Partei – wie Seniorenbund-Obmann Andreas Khol und Innenministerin Johanna Mikl-Leitner – sind deklarierte Anhänger des Gymnasiums. Auch Beamtenchef Fritz Neugebauer und die schwarze AHS-Lehrergewerkschaft haben hier ein gewichtiges Wörtchen mitzureden. Viel schwerer wiegt wohl aber, dass die Volkspartei noch immer die Mehrheit ihrer Wähler hinter der Beibehaltung des Gymnasiums wähnt. Die will man nicht vergrämen.

So ist Staatssekretär Mahrer seit Amtsantritt auf der Suche nach einem Weg zwischen den beiden Optionen Gesamtschule und Beibehaltung der AHS. Wie dieser dritte Weg aussehen soll, ist noch unklar. Nur so viel: Mit einer Veränderung der Schulstruktur soll er nichts zu tun haben. Die Strukturdebatte sei nämlich eine Themenverfehlung. Die ÖVP wird wohl noch länger nach einer Lösung suchen. Sie scheint an der Selbstfindung Gefallen gefunden zu haben.

 

 

Die Presse – 10. Dezember 2014

 

 

Analyse: „Fiese Tricks" bei der Zentralmatura

Zu wenig Information, zu viele Pannen: Die Skepsis gegenüber der Zentralmatura war stets groß. „Die Presse" hat sich angesehen, was verbessert wurde und wo der letzte Schliff noch fehlt.

Wien. Die Zentralmatura zählt unbestritten zu den unbeliebtesten Reformprojekten im Schulbereich. Am Anfang stand die Kritik an der Grundidee: Alle Schüler – egal welchen Schulschwerpunkt sie am Gymnasium gewählt haben – an denselben Aufgaben zu messen, missfiel der Lehrergewerkschaft. Es folgten lautstarke Beschwerden von Schülern, Lehrern und Eltern über die lückenhafte Information und die unzureichende Vorbereitung. Das bewirkte die Verschiebung der Zentralmatura um ein Jahr. Im vergangenen Mai erfolgte dann die Generalprobe – inklusive Pannenserie. Nun fiebern Schüler, Eltern und Lehrer dem ersten verpflichtenden Durchgang im Mai 2015 entgegen. „Die Presse" hat sich angesehen, wie die Vorbereitungen laufen und wo der letzte Schliff noch fehlt:

• Logistik: Bei der Generalprobe im Mai wurde in puncto Logistik ordentlich gepatzt. An fünf der 48 teilnehmenden Schulen musste die Prüfung unterbrochen werden. Es fehlten Beispiele. Um das zu vermeiden, kündigte das Bildungsministerium in der vergangenen Woche Adaptionen an. Direktoren und Lehrer sollten künftig die Vollständigkeit der vom Bundesinstitut für Bildungsforschung (BIFIE) gelieferten Aufgaben kontrollieren. Ein Vorschlag, der für heftige Kritik der Lehrervertreter sorgt. Der Arbeitsaufwand sei zu groß. Jeder einzelne Schüler wird bei der Zentralmatura mehr als 120 Din-A4-Blätter erhalten. In einer großen Schule müssten demnach rund 10.000 Zettel überprüft werden. Man übergebe diese Aufgabe den Schulen nur, um schon vorab einen Schuldigen für etwaige Fehler zu haben, sagt AHS-Lehrervertreter Eckehard Quin und spricht von einem „fiesen Trick". Streit ist hier programmiert.

• Benotung: Chaos gab es auch bei der Generalprobe in Englisch. Dort wurde die Grenze zwischen Genügend und Nicht Genügend" überraschend angehoben. Solch böse Überraschungen soll es nicht mehr geben. Deshalb wurde die Marke für ein positives Ergebnis in den Fremdsprachen fix auf 60 Prozent festgelegt. Ein Kritikpunkt bleibt: In den Fremdsprachen muss man für eine positive Note prozentuell deutlich mehr richtig haben als etwa in Mathematik.

• Übungsmaterial und Information: Lange wurde beklagt, dass Schülerbücher und Übungsmaterial für die die Zentralmatura fehlen. Das Problem dürfte sich laut Schülern und Lehrern mittlerweile gelöst haben. Auch die stets beklagte mangelhafte Kommunikation zwischen dem Ministerium bzw. dem Bildungsinstitut BIFIE und den Schulen dürfte mittlerweile besser geworden sein. Mit monatelanger Verspätung wurde auch die Bundesreifeprüfungskommission – eine 13-köpfiges Beratungsgremium für die Bildungsministerin, dem auch Lehrer und Schüler angehören – einberufen.

• Mündliche Matura: Änderungen gibt es nicht nur bei der schriftlichen, sondern auch bei der mündlichen Matura. Die Prüfungsfragen stellt nicht mehr ein Lehrer allein zusammen, sondern ein Lehrerteam. Dieses bereitet maximal 24 Themen vor. Aus dem Themen-Pool eines Gegenstandes zieht der Schüler zwei Themen und muss sich für eines davon entscheiden. Die Themen-Pools mussten von den Schulen bis Ende November öffentlich gemacht werden. Schon jetzt gibt es Kritik der Eltern: Nachdem es keine klaren Kriterien gebe, seien auch die Vorgaben von sehr unterschiedlicher Qualität.

• Vorbereitungszeit: Auch die Schüler machen derzeit Druck. Sie starteten erst kürzlich eine Initiative auf Facebook, mit der sie auf mehr Vorbereitungsstunden (Übungsstunden mit Lehrern) für die mündliche Matura pochen. Bei der neuen Matura sind nämlich deutlich weniger solche Stunden vorgesehen als bisher. Konkret wurde bislang die Wochenstundenzahl des jeweiligen Gegenstands in der achten Klasse mit vier multipliziert. In Nebenfächern (meist zwei Stunden pro Woche) hat es also meist bis zu acht Vorbereitungsstunden gegeben. In Hauptfächern (meist drei bis vier Wochenstunden) waren es bis zu zwölf oder 16. Künftig gibt es einheitlich vier Stunden. Und in diesen vier Stunden unterrichtet nicht wie bislang üblich pro Klasse der jeweilige Lehrer, sondern ein Lehrer für alle achten Klassen. Eine rasche Lösung ist hier nicht in Sicht. Die Kosten wären der Politik zu hoch.

• Vorwissenschaftliche Arbeit: Die sogenannte Vorwissenschaftliche Arbeit – eine für alle verpflichtende Arbeit mit 40.000 bis 60.000 Zeichen – muss bis Ende Februar eingereicht werden. Die anfänglichen Schwierigkeiten dürften gelöst sein.

• Literatur: Durch die Zentralmatura hat sich der Deutschunterricht gewandelt. Zahlreiche Lehrer berichten, dass immer weniger Zeit für das Lesen und sich Auseinandersetzen mit der Literatur bliebe. Das sorgt zwar für heftigen Unmut. Veränderungen sind hier aber nicht zu erwarten.

• Berufbildende höhere Schule (BHS): An der BHS wird die Zentralmatura erstmals im Schuljahr 2015/16 stattfinden. Sie haben also noch ein Jahr länger Zeit. Das wird wohl auch nötig sein. Denn die Verunsicherung in den Konferenzzimmern ist laut BHS-Lehrervertreter „massiv".

AUF EINEN BLICK

Die Termine. Die Zentralmatura an den AHS beginnt am 5. Mai 2015 und endet am 13. Mai. Zum Auftakt werden die Schüler in Deutsch geprüft (5.5.), am Tag danach folgt Englisch (6.5.), dann Spanisch und Französisch (7. bzw. 8.5.). Nach dem Wochenende geht es am Montag mit Mathematik weiter (11.5.). Am 12. folgt Italienisch. Den Schlusspunkt setzen Latein und Griechisch (13.5.).

 

 

Die Presse – 10. Dezember 2014

 

 

Mehr Kinder in Sonder- und Technikschulen

Gesamtschülerzahl nimmt seit Jahren stetig ab. Grund für die sinkenden Schülerzahlen sei der Geburtenrückgang.

Wien. Die Gesamtschülerzahl in Österreich geht zwar leicht zurück – berufsbildende höhere Schulen (vor allem im technischen und pädagogischen Bereich) boomen aber. Das ergaben Zahlen der Statistik Austria, die gestern, Dienstag, veröffentlicht wurden. Grund für die seit Jahren sinkenden Schülerzahlen ist laut dem Institut der Geburtenrückgang seit den frühen 1990er-Jahren. Im Schuljahr 2013/14 gab es 1,093 Millionen Schüler – um 0,7Prozent weniger als im Jahr davor. Im Vergleich zum Schuljahr 2003/04 ist das sogar ein Minus von 8,2 Prozent.

Unter den rückläufigen Geburtenzahlen leiden vor allem Haupt- und Neue Mittelschulen (minus 1,3Prozent im Ein-Jahres-Vergleich) sowie berufsbildende mittlere Schulen (minus 2,6Prozent). Auch der Rückgang an Polytechnischen Schulen ist mit minus 3,8Prozent massiv. Keine Änderungen im Vergleich zum Vorjahr gab es hingegen an der AHS-Oberstufe – im Vergleich zu 2003/04 sind es aber um 16,3Prozent mehr.

Ab 2016 wieder Zuwächse

Auch Sonderschulen haben um 2,6Prozent mehr Schüler als im Jahr davor. Unterschiedlich ist hingegen die Entwicklung in den einzelnen Schultypen der berufsbildenden höheren Schulen (BHS): Die deutlichsten Zuwächse gibt es in Bildungsanstalten für Kindergarten- und Sozialpädagogik. Die 11.792 Schüler im Jahr 2013/14 bedeuten einen neuen Höchststand für diese Schulform. Durchgehend Zuwächse gab es auch an technisch-gewerblichen sowie land- und forstwirtschaftlich höheren Schulen (0,5 bzw. 0,8 Prozent Zuwachs).

In den nächsten Jahren soll es mit der Schülerzahl allerdings wieder bergauf gehen: Die „Talsohle" sei nun fast erreicht, voraussichtlich ab 2016 sollte es wieder Zuwächse in den Schulen geben. (APA/red.)

AUF EINEN BLICK

Organisation. Seit Herbst finanziert die Stadt Wien unentgeltlich Nachhilfe in den Volksschulen. Derzeit finden in 2500 Klassen Kurse statt. Ab Februar wird das Angebot auf die Neuen Mittelschulen und die AHS-Unterstufen ausgeweitet. Die Nachhilfe für die Zehn- bis 14-Jährigen organisiert die Volkshochschule, die derzeit Lernbetreuer sucht und diese in einem zweitägigen Kurs fit für Schüler mit Problemen machen will.

 

 

Die Presse – 10. Dezember 2014

 

 

Immer mehr Schüler in berufsbildenden höheren Schulen

Die technischen und pädagogischen höheren Schulen boomen. Aber auch an den Sonderschulen gibt es mehr Schüler - trotz anders lautender Ziele.

Während der Rückgang bei der Gesamtschülerzahl weiter anhält, boomen berufsbildende höhere Schulen, vor allem im technischen- und pädagogischen Bereich. Deutlich mehr Schüler werden laut Statistik Austria aber auch an Sonderschulen verzeichnet. Im Schuljahr 2013/14 gab es in Summe 1,093 Mio. Schüler. Das sind um 0,7 Prozent weniger als im Jahr davor und 8,2 Prozent weniger als zehn Jahre zuvor.

Als Grund für die seit Jahren sinkenden Schülerzahlen nennen die Statistiker den Geburtenrückgang seit den frühen 1990er Jahren. Bei den Volksschülern sei mit 327.772 Schülern unter Berücksichtigung der aktuellen Bevölkerungsprognosen "die Talsohle fast erreicht", heißt es am Dienstag von der Statistik Austria. Voraussichtlich ab 2016 sollte es wieder Zuwächse geben.

Im Verhältnis mehr Gymnasiasten

Entsprechend der Entwicklung an Volksschulen verzeichnen auch die Haupt- und Neuen Mittelschulen (NMS) einen Rückgang. 2013/14 besuchten 209.848 Kinder diese Schulformen, um 22,4 Prozent weniger als vor zehn Jahren (als es noch keine NMS gab, Anm.) und 1,3 Prozent weniger als im Jahr davor. Deutlich geringer fällt das Minus im Zehnjahres-Vergleich an der AHS-Unterstufe aus, gegenüber dem Jahr davor gab es 2013/14 sogar ein leichtes Plus von 0,3 Prozent. Vor zehn Jahren kamen auf 100 AHS-Unterstufenschüler noch 235 Hauptschüler, mittlerweile sind es nur noch 188 Schüler der Haupt- und Neuen Mittelschule.

Zunahme an Sonderschulen

Sonderschulen haben mit 14.170 Schülern um 2,6 Prozent mehr Schüler als im Jahr davor und 5,7 Prozent mehr als 2003/04. Das ist vor allem deshalb sehr brisant, weil die Pläne des Bildungsministeriums genau in die entgegengesetzte Richtung gehen. Die Sonderschule soll bis 2020 zur Ausnahme werden, so das Diktum. Dieses Ziel scheint aber derzeit höchstens für Steiermark möglich. Denn schon derzeit werden hier 85 Prozent der Schüler mit Sonderpädagogischem Förderbedarf (SPF) in Regelschulklassen unterrichtet.

In anderen Bundesländern wie Niederösterreich oder Tirol wird hingegen weniger als die Hälfte der Kinder und Jugendlichen, denen wegen körperlicher oder psychischer Einschränkung SPF attestiert wird, integrativ beschult. Die schnellen Rückbau-Pläne wurden von Experten bereits als unrealistisch bezeichnet.

Polytechnische Schulen im Abwärtstrend

Massiv ist der Rückgang an Polytechnischen Schulen, die im vergangenen Schuljahr 16.367 Jugendliche besucht haben (minus 3,8 Prozent im Jahres-, und minus 22,8 Prozent im Zehnjahres-Vergleich).

Die rückläufigen Geburtenzahlen machen sich auch den berufsbildenden mittleren Schulen (BMS) bemerkbar, die mit 46.196 Schüler um 2,6 Prozent weniger Schüler als im Jahr davor und 12,2 Prozent weniger als vor zehn Jahren hatten. An den Berufsschulen gibt es im Zehnjahres-Vergleich mit 127.934 Schülern zwar um 2,4 Prozent mehr als vor zehn Jahren, seit fünf Jahren gehen aber auch dort die Schülerzahlen zurück, zuletzt um 2,3 Prozent gegenüber 2012/13.

Kindergartenschulen haben starken Zulauf

Die AHS-Oberstufe verzeichnete mit 91.485 Schülern praktisch keine Änderung gegenüber dem Jahr davor. Im Vergleich zu 2003/04 sind es aber um 16,3 Prozent mehr. Unterschiedlich ist die Entwicklung in den einzelnen Schultypen der berufsbildenden höheren Schulen (BHS): die deutlichsten Zuwächse gibt es bei den sogenannten lehrerbildenden höheren Schulen, also vor allem Bildungsanstalten für Kindergarten- und Sozialpädagogik. Die 11.792 Schüler im Jahr 2013/14 bedeuten einen neuen Höchststand für diese Schulform - und ein Plus von 3,4 Prozent gegenüber dem Jahr davor sowie von 34,9 Prozent gegenüber 2003/04.

Technische Schulen immer beliebter

Durchgehend Zuwächse gab es auch an technisch-gewerblichen sowie land- und forstwirtschaftlich höheren Schulen: Erstere hatten 63.731 Schüler, was ein Plus von 0,5 Prozent im Jahres- und ein Plus von 8,4 Prozent im Zehnjahres-Vergleich bedeutet; letztere hatten mit 3935 Schüler um 0,8 Prozent mehr als im Jahr davor, und 20,4 Prozent mehr als vor zehn Jahren. Ein Minus sowohl im Kurzfrist- (minus 1,8 Prozent), als auch im Langfrist-Vergleich (minus 7,4 Prozent) verzeichneten kaufmännisch höhere Schulen (40.266 Schüler im Jahr 2013/14). Mit 27.592 Schülern hatten wirtschaftsberufliche höhere Schulen zwar um 1,8 Prozent weniger Schüler als im Jahr davor, aber um 9,1 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren.

 

 

Die Presse – 10. Dezember 2014

 

 

Nachhilfelehrer im Schnellverfahren

Im Februar startet die Gratisnachhilfe für die Zehn- bis 14-Jährigen. Die ersten 150 Lernbetreuer wurden ausgewählt, Lehrer sind nur wenige von ihnen.

Wien. An den Wiener Volksschulen läuft die sogenannte Gratisnachhilfe schon seit Herbst. Bald wird sie auch für die Zehn- bis 14-Jährigen starten und erstmals von den Wiener Volkshochschulen (VHS) verantwortet werden. Ab Jänner können sich Schüler der Neuen Mittelschulen und der AHS-Unterstufe für die Förderung 2.0 (so der offizielle Name des Programms) anmelden, im Februar soll sie anlaufen. Dann sollen die angemeldeten Schüler zwei Stunden lang in einer Gruppe mit höchsten zehn Schülern in den Fächern Mathematik, Deutsch oder Englisch gefördert werden. Die Volkshochschulen sind derzeit noch eifrig auf der Suche nach passenden Nachhilfelehrern.

Zwischen 300 und 500 Lernbetreuer werden laut Volkshochschulen für die Nachhilfe – in die die Stadt rund sieben Millionen Euro investiert – benötigt. Die genaue Zahl steht erst fest, wenn die Anmeldung abgeschlossen ist und klar ist, wie viele Stunden die einzelnen Lernbetreuer arbeiten können. Bisher sind die Volkshochschulen durchaus optimistisch, dass sie genügend Personal finden können. „Es gibt bereits mehr als 500 Bewerber, 150 von ihnen wurden schon aufgenommen", sagt Sprecherin Daniela Lehenbauer.

Doch wer wird die Zehn- bis 14-Jährigen nachmittags unterrichten? Die aktiven Lehrer sind dabei jedenfalls eine Minderheit, das zeichnet sich jetzt schon ab. Sie machen rund ein Fünftel der 150 Personen aus, die von den Volkshochschulen bisher ausgewählt wurden. Den Löwenanteil stellen Trainer aus diversen Bildungseinrichtungen, die bisher zum Beispiel in der Erwachsenenbildung an diversen Institutionen Kurse angeboten haben. Bei der weiteren Suche werden auch angehende Lehrer und „Personen mit Fachwissen" gute Karten haben, heißt es von der Volkshochschule.

Zwei Tage zur Vorbereitung

In Kursen sollen die künftigen Förderlehrer auf ihre Aufgabe vorbereitet werden. Allerdings werden die Pflichtmodule nur zwei Tage dauern – das ist nicht sehr viel Zeit, um Personen vorzubereiten, die bisher noch nie mit Kindern arbeiteten. Die Wiener ÖVP spricht von „im Schnellsiedeverfahren" qualifizierten Lernbetreuern und fordert, dass die SPÖ das Geld den Schulstandorten direkt zukommen lassen solle. Kritik am Projekt kommt aber auch von vielen Schulen. Sie klagen, dass die Gratisnachhilfe über Kürzungen des Bundes hinwegtäuschen soll. So waren heuer in Wien viele Zusatzstunden für Freifächer, Musik und Förderungen gestrichen worden. (rovi)

 

 

Österreich – 10. Dezember 2014

 

Alle wollen auf die HTL

HTLs und KindergärtnerInnen-Schulen erfreuen sich regen Zulaufs von Schülern.

Es gibt zwar immer weniger Schüler, doch technische Schulen und Kindergarten-Schulen haben immer mehr Zulauf.

  • BHS. Die berufsbildenden höheren Schulen verzeichnen im 10-Jahres-Vergleich einen deutlichen Zuwachs (siehe Tabelle). Vor allem die HTLs haben mehr Schüler (plus 8,4% im Zehn-Jahres-Vergleich). Insgesamt besuchen 135.524 Schüler eine BHS.
  • Kindergarten-Schule. Am meisten Zulauf gibt es aber bei den Schulen, die KindergärtnerInnen ausbilden: Plus 34,9% seit 2003/2004 (11.792 Schüler). Grund dafür ist der massive Ausbau von Kindergartenplätzen.
  • AHS. In den vergangenen zehn Jahren ist auch die Zahl der AHS-Oberstufenschüler angewachsen (+16,3%). Im Vergleich zum Vorjahr gibt es allerdings kaum einen Unterschied.
  • Sonderschule. Zuwächse verzeichnen auch die Sonderschulen – eine Schulform, die SPÖ-Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek abschaffen will.

Die Zahl der Schüler insgesamt sinkt aufgrund der Geburtenrate allerdings immer weiter. Derzeit gibt es 1,093 Millionen Schüler, um 8,2% weniger als vor zehn Jahren.
Immer weniger Sch
üler gibt es daher in Volksschulen. Auch die Hauptschulen, Neuen Mittelschulen und AHS-Unterstufen verzeichnen einen Rückgang.

 

 

Der Standard – 10. Dezember 2014

 

 

Bildungsreform: ÖVP will "Meter machen"

Karin Riss

Die ÖVP ließ zahlreiche Experten über die Schule der Zukunft diskutieren. Wieder mit dabei: Jörg Dräger von der Bertelsmannstiftung mit manch risikoreichen Ideen

Wien – Da war er wieder, Dienstagabend im Dachfoyer der Wiener Hofburg: Der "critical friend", den die ÖVP neuerdings so gerne in Bildungsfragen konsultiert. Und wäre Jörg Dräger nicht als Vorstandsmitglied der deutschen Bertelsmannstiftung ebenso ein Polit- und Medienprofi wie Harald Mahrer, schwarzer Staatssekretär im hiesigen Wissenschafts-, Forschungs- und Wirtschaftsministerium, könnte man es dem deutschen Ratgeber glatt abnehmen, dass er sich nicht ganz an die ihm laut Drehbuch zugeschriebene Rolle halten wollte.

Dräger will nämlich folgende Jobdescription von Mahrer für diesen Abend mit auf den Weg bekommen haben: "Sag einfach das, was du heute Morgen schon gesagt hast." Da hatte die ÖVP ihren Tag der Bildung im Kreis von rund 80 Experten, die sich über Sorgen über und Empfehlungen für das heimische Bildungssystem austauschten, begonnen. Aber, so Dräger: "Das war mir zu langweilig." Sein Gegenvorschlag: Zehn bis 15 Jahre weiter in die Zukunft der Bildung zu schauen. Daraufhin habe Mahrer angeblich geantwortet: "Zu risikoreich!"

"Bad Cop"

Am Ende war es von beidem etwas. Schließlich will man auch bei der ÖVP "dass wir im Bildungsbereich endlich Meter machen", gibt Mahrer die Richtung vor. Und dafür mimt er dann auch gerne den "Bad Cop", der sich vom gewogenen Kritiker von außen die gewagten Zukunftszenarien an die Wand projezieren lässt. Von "flipped classroom" ist da auf der Leinwand in der Hofburg zu lesen, einer Art umgedrehtem Klassenzimmer unter Zuhilfenahme digitaler Technik mit dem Ziel, dass sich Schüler Faktenwissen zu einem Großteil selbst via Lernvideos zu Hause aneignen und der Lehrer im eigentlichen, realen Klassenraum mehr Zeit für das individuelle Kind hat. Ein Projekt, dass dem Staatssekretär bei seiner Ideen-Tour in Berlin vor zwei Wochen gut gefallen hat. Heute darf Dräger über Bildung 2.0 sinnieren. Und der geht noch weiter. Wenn er etwa von Lernvideos in den USA_berichtet, die genau dann stoppen und zurückspielen, wenn die Kamera erste Unaufmerksamkeit des Schülers misst, sei das zwar "ein bisschen Big brother is watching you", aber, so Dräger: "Wir müssen die Potentiale der Digitalisierung erschließen."

Grabenkampfmodus

Am abendlichen Podium waren sich die geladenen Bildungswissenschafter Christiane Spiel und Stefan Hoppmann (beide Uni Wien) mit Lehrergewerkschafter Paul Kimberger und Dräger jedenfalls über das Potential einer Ent-Emotionalisierung der Debatte über die beste Schulstruktur einig. Ganz im Sinne Mahrers, der sich gleich zu Beginn wünschte, "aus dem Grabenkampfmodus der letzten 25 bis 30 Jahre" herauszukommen. Der Lehrervertreter will aber noch etwas hinter sich lassen: Den "Projektwahnsinn" und die "Innovationshysterie mancher Bildungsexperten".

Jene am Podium fühlten sich jedenfalls nicht angesprochen und so legte rechts vorne Herr Hoppmann seine Sicht der Debatte dar: Das erste Mal, als er an einer solchen Veranstaltung teilgenommen habe, sei vor etwa 43 Jahren gewesen. Als Landesschulsprecher habe er damals das Gefühl der "unmittelbaren Dringlichkeit" der Sache gehabt. So auch heute, allerdings in seiner Rolle als Großvater schulpflichtiger Enkelkinder. Seine Botschaft, immer noch: "Ich wünsche mir eine starke Schule", eine "wo die Kinder rausgehen und sagen ,boa, ich war da'." Heißt: Autonomie und Mut, diese zu nutzen.

Kollegin Spiel nutzte die von der ÖVP gebotene Plattform auch, um auf eine Schwachstelle der Regierungspolitik hinzuweisen. So falle etwa die Bildungsforschung, wie etwa auch sie selbst sie am Institut für angewandte Psychologie, durchführe "momentan zwischen alle Fördertöpfe": Für Grundlagenförderung ungeeignet, für andere Fördertöpfe ebenso.

Viele Bälle für Mitterlehner

Vizekanzler Reinhold Mitterlehner fing so manchen Ball aus der Debatte auf – diesen nicht. Auch er bekannte "wir sollten die stärke haben, in der Autonomie entscheiden zu dürfen", will die tausenden Schulversuche "irgendwie auf den Punkt bringen" und die leidige Gesamtschuldebatte endlich als "Allheilmittel" abschreiben. Und er nahm an diesem Abend sogar manchen Ball in die Hand, der tagsüber noch kaum angefasst wurde: Etwa wenn es um die "Selektionsfrage" in der neuen Lehrerausbildung geht, hier fragt sich der ÖVP-Chef: "Was, wenn sich herausstellt, dass jemand nicht geeignet ist?". Anderes versprach der schwarze Chef "wertschätzend aufzubereiten" und in die im Jänner startende Arbeitsgruppe aus Vertretern zwischen Bund und Ländern einzubringen. Etwa die Frage, "wie schaut's bei der Lehrerfortbildung aus mit der Verpflichtung?" Sagt ja auch Dräger, dass das ein schnell und billig zu erreichendes Ziel ist. Alles in allem: Viel schwarzes Reformbekunden, das auch bei einigen der 80 Experten gut ankam. Daneben gibt es aber immer noch gute, alte ÖVP-Positionen, wenn etwa Generalsekretär Gernot Blümel auf der Parteihomepage das Gymnasium weiter zur "unverzichtbaren Schulform" erklärt.

Blümel zeichnet übrigens mit Mahrer für den schwarzen Parteireformprozess verantwortlich.

 

 

Kurier – 10. Dezember 2014

 

 

ÖVP holt sich Schul-Tipps aus Hamburg.

Kurswechsel: Ergebnis interner Debatte ist offen.

 

 

 

Auf welche Reformen im Bildungsbereich wird sich die Regierung doch noch einigen können? Wird es bald mehr geben, als einige wenige Schulversuche zu Ganztags- und Gesamtschule?

Ein wenig Bewegung gibt es derzeit bei der Volkspartei. Sie kam zuletzt gehörig unter Druck, nachdem die VP-nahe Industriellenvereinigung ihr radikales Reformkonzept einer Gesamtschule für alle von 6 bis 14 Jahren inklusive totaler Schulautonomie präsentiert hatte.

Herausforderungen

Noch hat sich der neue ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner nicht durchringen können, seine Visionen für eine Bildungsreform zu verkünden. Dafür lud Mitterlehner Dienstagabend zu einer überparteilichen Bildungsveranstaltung "zur Weiterentwicklung des Bildungssystems", um den "Herausforderungen der Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts gerecht" zu werden.

Höhepunkt war ein Referat des Deutschen Jörg Dräger, dem Vorstand der Bertelsmann Stiftung für Bildung. Dräger, ehemals in Hamburg Politiker bei der ÖVP-Schwesternpartei CDU, sprach sich deutlich für Ganztagsschulen als auch für eine individuelle (Früh-)Förderung der Schüler aus.

Dräger, wie auch Staatssekretär Harald Mahrer, findet eine Debatte über Schulstrukturen nicht mehr zielführend. Stattdessen solle mit Nachdruck über die Qualität der Schule und das, was in den Schulen passiert, geredet werden. Zudem solle auch über die Qualität der Lehrer gesprochen werden. Deutlich sprach sich Dräger für eine Fortbildungspflicht für Lehrer aus – die gibt es derzeit nur für AHS-Lehrer nicht. "Hier soll der Schulleiter entscheiden, welche Kurse besucht werden müssen", sagte Dräger dem KURIER.

Mitte Jänner wird erstmals die Bildungsreformgruppe der Regierung tagen, bis dahin soll auch klar sein, wie sich die neue ÖVP-Spitze eine Reform vorstellt.

 

 

"Heute" vom 10.12.2014                                        Seite 4

Ressort: Politik

 

Heute Hauptausgabe, Heute Niederösterreich, Heute Oberösterreich

 

Arbeitsgruppe soll neuen Diskurs bringen

 

Bildung: Mitterlehner will über Qualität diskutieren

 

Dienstagabend diskutierten die VP-Granden zur Bildung. Knackpunkt für Vizekanzler Reinhold Mitterlehner: Der Diskurs muss in eine andere Richtung gehen. Nicht die Schulstruktur - also die Frage der Gesamtschule - solle im Mittelpunkt stehen, sondern die Qualität.

 

 

"Tiroler Tageszeitung" Nr. 338-ST vom 10.12.2014            Seite: 23

Ressort: Industrie Tirol1

 

 

Bildungsdebatte versachlichen - Talente, Leistung stärker fördern

 

Die IV hat ein Modell zu einer Neukonzeption des österreichischen Bildungssystems vorgelegt. Ziel: Mehr Spitze und Breite!

 

   Von der Analyse

 

   zur Lösung!

 

   Unternehmen stehen täglich auf dem Prüfstand. Die wohl wichtigste Voraussetzung, höchste Anforderungen erfüllen zu können, sind exzellent ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Bildungspolitik hat also auch mit die Aufgabe, sämtliche Wege in den Beruf zu ermöglichen. Foto: Wodicka

 

   Unter dem Titel ?Beste Bildung für Österreichs Zukunft - Bildung neu denken. Schule besser leben" hat die Industriellenvereinigung (IV) auf Bundesebene ein neues Bildungskonzept vorgelegt. Bewusst wird dabei über den Tellerrand geschaut mit dem Ziel, zu einer Versachlichung des bildungspolitischen Diskurses beizutragen. Ausgehend von sieben Bildungszielen und Schlüsselkompetenzen hat die IV gemeinsam mit Experten aus allen gesellschaftlichen Teilen sechs Erfolgsfaktoren für eine gelingende Schule definiert.

 

   Die Umsetzung dieser Erfolgsfaktoren in einem neu konzipierten Schulsystem legt die Diskussion über eine in sich differenzierte gemeinsame Schule vom ersten Schultag (ab 6 Jahren) bis zur ?mittleren Reife" (in der Regel mit 14 Jahren) nahe.

 

   Differenzierung der Leistung

 

   Das Konzept der IV überzeugt auf breiter Basis: Auch in Tirol sind Eltern, Lehrer und Schüler vielfach der Meinung, dass Autonomie und Leistungsdifferenzierung - mit Rücksichtnahme auf verschiedene Begabungen und darauf ausgerichtete Lehrinhalte - durchaus Sinn machen kann. Es geht nicht darum, Bewährtes über Bord zu werfen und abzuschaffen, sondern etwas Neues zuzulassen, das besser ist und noch mehr Akzeptanz bei Lehrern, Eltern und Schülern findet.

 

   Unsicherheiten und Ängste abbauen

 

   Es muss gelingen, vorhandene Unsicherheiten und Ängste abzubauen, wie eine individuelle Förderung in einer ganztägig verschränkten Schule passieren soll.

 

   Jede Initiative in diese Richtung ist begrüßenswert, denn es gilt: Weg mit den ideologischen Scheuklappen, weg mit herkömmlichen Denkmustern, auf zu neuen Ufern. Auch im Bildungsbereich hätte Tirol die Chance, Vorreiter und Stimmführer zu einer Weiterentwicklung des österreichischen Schulsystems zu sein. Einige Modelle zeigen bereits, wie es in der täglichen Praxis funktionieren kann.

 

 

ORF – 10. Dezember 2014

 

·         Streit ums Gymnasium

Die ÖVP ringt um eine gemeinsame Linie zur Bildungsreform. Während sich die neue Parteispitze reformbereit gibt, bleiben bildungsbürgerliche Traditionalisten oder christliche Gewerkschafter hart.

http://tvthek.orf.at/program/Report/1310/Report/8900221/Streit-ums-Gymnasium/8900295

 

ORF – 10. Dezember 2014

 

·         Gespräch mit Harald Mahrer

Zum Thema "Streit ums Gymnasium" ist Staatssekretär Harald Mahrer (ÖVP) zu Gast im "Report"-Studio.

http://tvthek.orf.at/program/Report/1310/Report/8900221/Gespraech-mit-Harald-Mahrer/8900296

 

"Kronen Zeitung" vom 10.12.2014                           Seite: 22

Ressort: Lokal

 

Ti, Morgen

 

3000 weitere Plätze:

 

36 Millionen Euro für schulische Tagesbetreuung

 

   Die Bund-Länder-Vereinbarung zum Ausbau der schulischen Tagesbetreuung wurde bis zum Schuljahr 2018/2019 verlängert. Die Landesregierung hat daher nun neue Richtlinien dafür erlassen. "Allein in die Schaffung und Qualitätsverbesserung von ganztägigen Betreuungsangeboten fließen bis 2019 36 Millionen Euro. Wir wollen damit 3000 zusätzliche Betreuungsplätze schaffen", erklärt Bildungs-und Familien-LR Beate Palfrader gestern nach der Regierungssitzung. Das Land Tirol investiert übrigens jährlich mehr als 100 Millionen Euro in die Familienförderung und Kinderbetreuung und will die Nummer eins werden.

 

 

"Oberösterreichische Nachrichten" vom 10.12.2014            Seite: 17

Ressort: Kultur & Leben

 

 

Plädoyer gegen die angebliche Bildungskatastrophe

 

   Heute liest Philosoph Konrad Paul Liessmann im Posthof Linz, am Freitag im Theatersaal Schlierbach

 

   Von Christian Schacherreiter

 

   In den vergangenen zehn Jahren ist Bildung zu einem Hauptthema der Medien und der Politik aufgestiegen. Optimisten meinen, das sei grundsätzlich gut, weil es die Bedeutung der Bildung für die Gesellschaft zeige. Kritische Beobachter sehen die Sache skeptischer. Philosoph Konrad Paul Liessmann ist einer von ihnen. Schon mit seiner "Theorie der Unbildung" übte er gezielte Kritik an PISA & Co, an den unerwünschten Nebenwirkungen des Bologna-Prozesses, generell an der Ökonomisierung und "Industrialisierung" der Bildung, wie er die zeitgeistigen Eingriffe in die Kultur des Lehrens und Lernens nennt.

 

   Jetzt hat Liessmann eine Streitschrift mit dem Titel "Geisterstunde. Die Praxis der Unbildung" publiziert, die heftige Reaktionen ausgelöst hat, unter anderem deshalb, weil dieser Streit einer bestimmten Sorte von "Bildungsexperten" gilt, die in Österreich eine Art Deutungshoheit erhalten haben, obwohl man über ihre tatsächlichen "Kompetenzen" (ein Lieblingswort der Reformer) durchaus geteilter Meinung sein kann. In manchem, meint Liessmann, mögen diese Bildungsexperten recht haben, aber ihr prophetischer Habitus, ihr "raunendes Beschwören" einer "Bildungskatastrophe", ihr "schrilles Mahnen zur Umkehr, Einkehr oder zu völligem Neubeginn" habe mittlerweile "pathologisch-schwärmerische" Züge angenommen.

 

   Pointiert-ironischer Stil

 

   Liessmanns umfassende Kritik ist nicht nur inhaltlich fundiert, sie wird auch den stilistischen und formalen Anforderungen gerecht, die man mit anspruchsvoller Essayistik verbindet. Er schreibt einen klaren, pointiert-ironischen Stil. Jedes Kapitel beginnt er mit dem Satz "Es ist gespenstisch...", macht in der Folge den Gegenstand seiner Kritik plausibel und spitzt sie am Ende in einer Conclusio zu: "In der Katastrophen-, Test- und Dauerreformrhetorik zeigt sich die Praxis der Unbildung in ihrer hysterisierten Gestalt." Dieser Conclusio lässt er ein Gegenprogramm folgen, das er mit der Formel einleitet "Dabei wäre alles so einfach..."

 

   Auf diese Weise setzt Konrad Paul Liessmann Kuriositäten und Ärgernisse des zeitgeistigen Bildungsdiskurses der Kritik aus. Er beschäftigt sich mit der Austreibung der Inhalte aus Schule und Universität, mit der allgegenwärtigen "Kompetenz", mit Powerpoint und Internet, mit Geistferne und Konsumnähe.

 

   Und er schließt seine Streitschrift mit einer verlockenden Utopie: Müsste nicht gerade eine ökonomisch erfolgreiche Gesellschaft wie die unsere bereit sein, Bildung nicht auf Nützlichkeit und Verwertung zu reduzieren? Der Wert von Bildung, wie sie in der humanistischen Tradition definiert wird, besteht nicht vorrangig in ihrem praktischen Nutzen, sondern darin, dass Geist, Kunst, Kultur einen Wert an sich darstellen. Daran bindet der Humanismus seine Vorstellung von der Würde des Menschen.

 

   Konrad Paul Liessmann: "Geisterstunde. Die Praxis der Unbildung. Eine Streitschrift", Zsolnay, 180 Seiten, 18,40 Euro HHHHHI

 

   Lesungen: Heute liest K.P. Liessmann im Posthof, am Freitag im Theatersaal Schlierbach. 20 Uhr!

 

 

 

APA0638 II, XI 09.12.2014 22:09:42

 

Gesamtschule: Mitterlehner will "Diskurs in andere Richtung bewegen"

Utl.: Vizekanzler und sein Staatssekretär wollen lieber über Qualitätsfragen statt über Schulstruktur reden

Schule/Österreich

Vizekanzler und Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) will in der Bildungspolitik "den Diskurs in eine andere Richtung bewegen". Diskutiert werden soll nicht mehr die Schulstruktur - also die Frage Gesamtschule oder gegliedertes Schulsystem -, sondern die Qualität an den Schulen, so Mitterlehner am Dienstag Abend bei einer von seinem Ministerium organisierten Veranstaltung.

Bei der Präsentation der Ergebnisse der Veranstaltung, bei der vor allem Wissenschafter und Interessenvertreter in Workshops miteinander diskutierten, sei das Wort Gesamtschule gar nicht vorgekommen, so der Vizekanzler: "Eine ganz andere Frage hat die Menschen hier bewegt" - nämlich wie die Qualität in den Mittelpunkt gestellt werden könnte. Die derzeitige Bildungsdiskussion in Österreich habe man, weil einerseits die PISA-Ergebnisse nicht so ausgefallen seien, wie man sich das gewünscht habe, und andererseits, weil die Frage der Gesamtschule in den Mittelpunkt gerückt worden sei, als ob diese das Allheilmittel wäre. Andere Fragen wie etwa die Selektionsfrage bei den Lehrern ("Was ist, wenn jemand nicht geeignet ist im System, was passiert dann? Wie sieht es aus mit der Durchlässigkeit des Systems?") oder die Frage der Verpflichtung bei der Fortbildung habe man dagegen vermieden.

Bereits im Jänner soll die schon länger angekündigte Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Bildung erste Inputs liefern, so Mitterlehner. Im März sollen erste Ergebnisse vorliegen. Ins gleiche Horn stieß sein Staatssekretär Harald Mahrer (ÖVP): "Eigentlich reden wir in der Öffentlichkeit wahnsinnig viel über Struktur - wenn wir uns im Kleinen treffen, reden wir wahnsinnig viel über Inhalt oder Qualität", fasste er die Eindrücke eines Teilnehmers zusammen.

Der ehemalige Wissenschaftssenator der Stadt Hamburg und aktuelle Vorstand der Bertelsmann-Stiftung, Jörg Dräger, ortete mehrere Probleme im Bildungsbereich. Einerseits verrenne sich die Bildungspolitik in ideologischen Grabenkämpfen: "Das eine Lager ist für Leistung, das andere für Gerechtigkeit. Und beide tun so, als ob das nicht gleichzeitig erreichbar wäre." In Ländern wie Kanada seien beide Ziele aber fix festgeschrieben. Das zweite Problem liege in der Pädagogik und deren Orientierung am "Mittelkopf", also am fiktiven durchschnittlichen Schüler. Und drittens werde statt Chancengerechtigkeit Verteilungsgerechtigkeit angestrebt. Ergebnis seien Investitionen in die falschen Bereiche.

Nach Ansicht Drägers sollten Punkte wie die Schulstruktur, die Zuständigkeiten oder die Klassengrößen "in Ruhe gelassen werden". Investiert werden müsse primär in Ganztagsschulen und Kindertagesstätten statt in Transferleistungen. Außerdem müsse die Lehreraus- und -fortbildung verbessert werden ("dort müssen dann aber auch alle hin"), wichtig sei auch eine dezentrale Schulpolitik.

Der Bildungswissenschafter Stefan Hopmann (Uni Wien) hält die Frage der Schulstruktur zwar nicht für bedeutungslos: "Aber sie hat nicht das Gewicht, das ihr viele zumessen." Man glaube etwa immer, dass durch eine gemeinsame Schule absolute Gleichheit hergestellt werde:" "Aber Gesamtschulsysteme entwickeln eben andere Segregationseffekte." Insgesamt sei es sekundär, wie man die "Oberfläche" der Schulstruktur organisiere. Viel wichtiger sei es manchmal auch, einfach nichts zu tun: "Wir sollten aufhören, viele Dinge zu regeln, die man nicht regeln muss und wo die Beteiligten durchaus in der Lage sind, das selbst zu tun." Dabei gehe es nicht einmal um mehr Geld: Die Akteure an den Schulen sollten aber etwa über das vorhandene Geld disponieren können.

(schluss) aku;ham

OTS0225 CI, XI 09.12.2014 20:49:38

 

"Bildung für die Wissensgesellschaft" als weiterer Baustein der Bildungsreform - BILD

Utl.: Wissenschaftsminister Mitterlehner und Staatssekretär Mahrer: Erarbeitete Vorschläge werden in Arbeit der Reformkommission einfließen

Wissenschaft/Bildungsreform/Mitterlehner/Mahrer

Im Rahmen einer von Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner initiierten überparteilichen Diskussionsveranstaltung zur Weiterentwicklung des Österreichischen Bildungssystems kamen am Dienstag, den 9. Dezember 2014 rund 200 Teilnehmer in der Wiener Hofburg zusammen. Gemeinsam mit Staatssekretär Harald Mahrer und Experten aus dem Bildungsbereich, politischen Vertretern aller Parteien, Lehrern, Schülern und Vertretern der Zivilgesellschaft erarbeitete man den ganzen Tag über Vorschläge und Konzepte für das Bildungssystem von morgen.

"Das Ziel der heutigen Veranstaltung war es, den Diskurs in eine andere Richtung zu bringen und sie zu entkrampfen. Wir wollen künftig in der Diskussion die Qualität der schulischen Bildung und das Kind in den Mittelpunkt stellen. Das müssen wir dann natürlich im Zeitablauf auch auf den Punkt bringen und sagen nach welchen Standards wir Qualität definieren", so Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner.

"Wer aufhört besser zu werden, hat aufgehört gut zu sein. Dieser Grundsatz muss für uns alle Ansporn sein Seite an Seite für eine bessere Bildung zu kämpfen. Die beste Bildung für jedes Kind verlangt von uns bisher ausgetretene Pfade zu verlassen und innovative Wege in der Bildung zu gehen", so Staatssekretär Harald Mahrer. "Das heißt auch Debatten grundsätzlich anders zu führen bzw. Punkte wie Struktur- und Verantwortungsfragen nicht ständig in den Mittelpunkt zu stellen. Sondern vielmehr über das zu reden, was im Klassenzimmer wirklich passieren soll."

Ergebnis des ganztägigen Bildungs-Workshops: Frühförderung, Sprachstandsfeststellungen und Schulautonomie im Fokus

Ein besonderer Fokus liegt auf der Bildungsförderung in jungen Jahren, von einer Investition im frühkindlichen Bereich profitiert die Gesellschaft in besonderem Maß. "Wir müssen unseren bildungstechnischen Arbeitsschwerpunkt auf die ersten Lebensjahre der Kinder setzen. Denn die von der Bertelsmann präsentierte Studie bestätigt: 'was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr'," so Mahrer und führt weiter aus: "Im Rahmen des ganztägigen Workshops wurden gemeinsame Punkte definiert, die alle Experten eint: bei Frühförderung, Sprachstandsfeststellungen und Schulautonomie ziehen wir alle an einem Strang. Diese Punkte werden Teil der Arbeit der Bildungsreformkommission sein."

Bildungsreform gemeinsam angehen Mitterlehner unterstrich zudem die Notwendigkeit der Zusammenarbeit bei der Entwicklung und Umsetzung der Bildungsreform. Diese könne man nur gemeinsam bewerkstelligen, statt einer Politik der gegenseitigen Blockade steht die überparteiliche Zusammenarbeit für das Wohl der nächsten Generation im Vordergrund. "Wir müssen in der Diskussion aus Betroffenen Beteiligte machen und werden die Diskussionsbeiträge wertschätzend aufbereiten. Ziel ist es im März Ergebnisse zu haben und diese möglichst bald zu etablieren", so Mitterlehner abschließend.

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Rückfragehinweis:
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Bundesministerium für Wissenschaft,Forschung und Wirtschaft
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Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
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