Mittwoch, 10. Dezember 2014

2014.12.11: Newsletter Bildung

KLZ – 11. Dezember 2014

 

Lehrer gegen Kontrollpflicht bei Zentralmatura

Direktoren und Lehrergewerkschaft wehren sich gegen den"Schwarzen Peter" durch ihre neue Kontrollpflicht der Aufgaben bei der Zentralmatura. Um Pannen wie bei der Generalprobe im Vorjahr zu vermeiden, als an einigen AHS wegen fehlender Testteile die Mathe-Klausur unterbrochen werden musste, sollen künftig die Schulen die angelieferten Aufgabenpakete auf Vollständigkeit kontrollieren.

"Das Ministerium möchte durch dieses Vorgehen schon im Vorfeld klarstellen, wer der Sündenbock bei etwaigen Pannen ist: nämlich der Direktor und die Lehrer", kritisiert Eckehard Quin (FCG), Vorsitzender der AHS-Gewerkschaft, im APA-Gespräch. "Das ist völlig inakzeptabel!" Der geplanten Regelung zufolge sollen der Schulleiter und drei Lehrer die Aufgabenhefte für die schriftliche Zentralmatura, bei der ab 2015 an allen AHS die Maturanten am selben Tag idente Klausuren bekommen, auf Vollständigkeit und Fehldrucke kontrollieren.

Das sei allerdings schon rein technisch nicht machbar, wehrt sich Quin gegen die Änderung. Das für die Erstellung der schriftlichen Maturaaufgaben zuständige Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) selbst habe als Richtlinie angegeben, dass für 100 Maturanten ein Stapel von 120 bis 150 cm bedruckter A4-Zettel angeliefert werde. Ein Testheft umfasst im Schnitt etwa 30 Seiten - bei 100 Kandidaten, die pro Kopf drei bis vier Klausuren zu schreiben haben, müssten Direktoren und Lehrer innerhalb weniger Tage rund 10.000 Testseiten überprüfen - und zwar zur Gänze, wenn tatsächlich ausgeschlossen werden solle, dass bei einzelnen Heften Seiten fehlen, so Quin. Aus seiner Sicht ist die vollständige Lieferung allerdings Aufgabe des Bifie. "Immerhin hat es jahrelang für die Entwicklung Zeit gehabt und bekommt viel Geld dafür."

Und noch eine zweite Fehlerquelle soll aus Quins Sicht an die Schulen weitergereicht werden, nämlich die der Datensicherheit. Bisher wurden die Aufgaben erst unmittelbar vor der Prüfung geöffnet und davor penibel auf Geheimhaltung geachtet: Die Aufgaben werden streng gesichert im Bifie aufbewahrt, in einer auf Zeit für den Normalbetrieb gesperrten und videoüberwachten Druckerei gedruckt, kuvertiert und gesichert, in einem alarmgesicherten Raum gelagert und in speziell gesicherten, per GPS-Ortung überwachten Fahrzeugen in einem vorab fixierten Zeitfenster an die Schulen geliefert. Dort wurden die Aufgaben bis kurz vor der Klausur im Safe verwahrt. Bei den Probeläufen in den vergangenen Jahren tauchten auch keine Aufgaben im Vorfeld auf.

Durch die Neuregelung hätten allerdings allein an den AHS plötzlich 1.500 Direktoren und Lehrer schon vorher Zugriff auf die Aufgaben, mit dem verpflichtenden Start der Zentralmatura an den Berufsbildenden Höheren Schulen (BHS) 2016 kämen dann noch einmal rund 1.200 Personen dazu. "Es ist klar, wem dann die Schuld gegeben wird, wenn Aufgaben geleakt werden."

Quin geht allerdings nicht davon aus, dass in Sachen Aufgaben-Kontrolle "das letzte Wort schon gesprochen ist". Immerhin habe die Ankündigung des Ministeriums bei der AHS-Direktorenkonferenz vergangene Woche für großen Unmut gesorgt. Willhelm Zillner, Sprecher der AHS-Direktoren, kündigt denn auch im APA-Gespräch an, sich gegen alle Maßnahmen, die den Schulen den "Schwarzen Peter" zuschieben würden, zu wehren.

Gleichzeitig betont er aber, dass die Direktoren jederzeit bereit seien, konstruktiv mitzudenken, wie man Pannen verhindern und die Matura störungsfrei durchführen kann. Zillner will nun im Gespräch mit dem Ministerium klären, was genau von den Schulen erwartet werde und darlegen, was Direktoren und Lehrer leisten können. Für den Fall, dass die Gespräche scheitern, werde man allerdings über Maßnahmen nachdenken.

Beide rechnen übrigens bei der Zentralmatura mit kleineren Pannen: "Es ist einfach sehr unwahrscheinlich, dass es nirgends zu Problemen kommt", verweist Quin auf den Umfang der Reform, die allein rund 19.000 AHS-Maturanten betrifft. Entscheidend sei es, dass es ein System gebe, um diese Fehler aufzufangen. Auch Zillner betont die Rolle eines guten Plan B: "Das Wichtige ist, dass es Prozeduren gibt, um bei Problemen professionell zu reagieren."

 

Österreich – 11. Dezember 2014

 

Lehrer: Eklat wegen neuer Matura

Lehrer befürchten, dass das Ministerium ihnen Schwarzen Peter zuschiebt.

Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek ist entschlossen, die Peinlich­keiten vom Vorjahr in Sachen Zentralmatura zu vermeiden. Deshalb gibt es eine Neuerung: Die Schulen sollen die angelieferten Aufgabenpakete auf Vollständigkeit kon­trollieren. Die Lehrer toben.

Bei der Generalprobe im vergangenen Jahr musste an einigen AHS die Mathe-Klausur wegen fehlender Testteile unterbrochen werden. Jetzt fürchten Direktoren und Lehrer, dass man ihnen mit der neuen Kontrollpflicht lediglich den Schwarzen Peter zuschieben möchte. „Das Ministerium möchte schon im Vorfeld klarstellen, wer der Sündenbock bei Pannen ist", kritisiert Eckehard Quin, Chef der AHS-Gewerkschaft.

Den Lehrern geht es auch um die Mehrarbeit
Bisher wurden die Aufgaben erst vor der Prüfung geöffnet. Davor wurde penibel auf Geheimhaltung geachtet. Durch die Neuregelung hätten 1.500 Direktoren und Lehrer schon vorher Zugriff. „Es ist klar, wem dann die Schuld gegeben wird, wenn Aufgaben geleakt werden", so Quin. Insider sehen indes ein anderes Motiv hinter den Protesten: Die Vorausüberprüfung der Aufgaben bedeutet natürlich Mehrarbeit.

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ÖVP bleibt auf ihrem Anti-Reform-Kurs

 

Nein zu Gesamtschule

 

Die ÖVP bleibt auch unter Mitterlehner bei ihrem klaren Nein zur Gesamtschule.

 

Wien. Wer gedacht hat, dass die ÖVP sich unter ihrem neuen Parteichef Mitterlehner für die gemeinsame Schule erwärmen kann, wird enttäuscht. Bei einer Veranstaltung seines Ministeriums drang Mitterlehner darauf, "den Diskurs in eine andere Richtung zu bewegen". Statt über die Gesamtschule zu debattieren, solle man "mehr Qualität ins System bringen". Die Aussagen sind ein Schlag ins Gesicht der Industriellenvereinigung (IV), die vehement die Gesamtschule fordert. (knd)

 

 

Wiener Zeitung – 11. Dezember 2014

 

ÖVP

ÖVP umschifft Gesamtschule

 

 

 

 

 

 

 

Von Bettina Figl

 

Wien. Ein Abend zum Thema Bildung, an dem das Wort Gesamtschule nicht fällt? Und das in Österreich? Ja, das gibt es - aber nur, wenn die ÖVP Gastgeberin ist. Zur Diskussion am Montagabend hatten Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner und Staatssekretär Harald Mahrer nicht nur Experten, sondern auch Bildungssprecher der anderen Parteien eingeladen. Gemeinsam beriet man in Workshops über Verbesserungen im Schulsystem.

Neuer Kurs in der Debatte
Mitterlehner betonte, er wolle "den Diskurs in eine andere Richtung bewegen". "In der Öffentlichkeit reden wir viel über Struktur - wenn wir uns im Kleinen treffen, reden wir wahnsinnig viel über Inhalt oder Qualität", schlug Mahrer in dieselbe Kerbe.

"Die Strukturdebatte ist beliebig", befindet auch Stefan Hopmann, Professor für Bildungswissenschaft an der Uni Wien. Auch er besuchte die Veranstaltung und sagt gegenüber der "Wiener Zeitung", die gemeinsame Schule sei kein Allheilmittel: "Die Schule kann soziale Unterschiede nicht aus eigener Kraft ausgleichen." Die Forschung habe gezeigt, dass mit der Gesamtschule andere Formen der Differenzierung mit teils noch härteren Umverteilungseffekten einhergehen, so Hopmann: "Das Problem verschwindet nicht. Es zeigt sich weltweit, dass Segregation auf dem Vormarsch ist."

Doch auch der Formel "Qualität statt System" kann der Bildungsexperte wenig abgewinnen: Aus der Forschung sei bekannt, dass sich Schulen vor allem durch Autonomie verbessern: "Schulen müssen unterschiedlich sein dürfen. Es ist nicht dasselbe, ob ich in Linz, Simmering oder Hermagor unterrichte." Doch anstatt die Schulen in ihrer Autonomie zu stärken, habe Österreich in den vergangenen zehn Jahren vor allem in Standards investiert und die Direktoren haben bei der Geldverteilung oder Personalentscheidungen nach wie vor wenig Freiheit.

Mitterlehner lobte am Montag die rund 1000 Schulversuche in Österreich. "Schulversuche sind die österreichische Form der Nichtentscheidung", sagt dazu Hopmann: Verschiedene Konzepte zu testen und das Beste allen Schulen aufzuerlegen, sei falsch. Er betont, jede Schule habe andere Voraussetzungen, die durch zentrale Steuerung nur schwer bewältigbar seien.

Trotz Bildung ohne Arbeit
Hopmann spricht sich wie Jörg Dräger, der ebenfalls am Montag zugegen war, für mehr Verteilungsgerechtigkeit aus: Anstatt in zusätzliches Kinderbetreuungsgeld zu investieren, sollten beispielsweise Kindertagesstätten verbessert werden, so Dräger, Vorstand der Bertelsmann-Stifung und ehemaliger Wissenschaftssenator der Stadt Hamburg. Die Rechnung "höheres Bildungsniveau ergibt weniger Transferleistungen" würde nicht aufgehen, und sei "naive OECD-Mathematik", so Hopmann. Vor Arbeitslosigkeit sei heute niemand mehr gefeit, auch nicht bei guter Bildung.

Der Idee, den Schulbeginn vorzuverlegen, kann Hopmann nichts abgewinnen. Die vor einigen Wochen von der Industriellenvereinigung eingebrachte Vorverlegung des Alters für den Eintritt in das Schulsystem ist für Hopmann ein "Schuss in den Ofen": Diese Maßnahme wäre nicht nur teuer, sondern würde auch wenig bringen, wie Beispiele in Norwegen zeigen. "Es wäre viel sinnvoller, den Kindergarten qualitativ aufzustellen. Leider wurde das bei der Reform der Lehrerausbildung nicht umgesetzt. Wir brauchen keine Verschulung des Kindergartens, aber mehr Kompetenz in der Elementarpädagogik."

Was sagt eigentlich Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek dazu, dass sich die ÖVP sich seit Neuestem als Bildungspartei positioniert? "Wir freuen uns über den neuen Schwung in der Bildung. Die Erwartungshaltung, dass sich nun etwas tut, ist sehr hoch", heißt es aus dem Bildungsministerium.

Das Ministerium war bei der Veranstaltung übrigens nicht eingeladen. Umso gespannter sei man auf die Ergebnisse, die eine Arbeitsgruppe zwischen Bund und Länder im März präsentieren wird. Erste Inputs soll es schon im Jänner geben.

 

 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 286 vom 11.12.2014             Seite: 11

Ressort: Innenpolitik

 

Österreich

 

Schüler planen Petition gegen Zentralmatura

 

   Protestwelle gegen geplante Stundenkürzungen bei der Maturavorbereitung

 

   Wien. Eine neue Facebook-Gruppe „Zentralmatura Nein Danke" gibt es bereits, die Grünen bringen heute ihren Entschließungsantrag dazu ein. Nun soll eine parlamentarische Onlinepetition der Schülervertreter folgen. „Wir werden alles unternehmen, um die Verkürzung der Vorbereitungszeit bei der Zentralmatura zu verhindern", verspricht Bundesschulsprecher Lukas Faymann.

 

   Genau das hat das Bildungsministerium geplant. Statt bis zu acht Vorbereitungsstunden in den Nebenfächern und bis zu 16 Stunden Vorbereitungszeit in den Hauptfächern sind künftig nur mehr einheitlich vier Stunden vorgesehen.

 

   Neos-Chef Matthias Strolz erklärt sich auf Anfrage bereit, eine Petition im Namen der Schüler zu unterstützen. Dadurch müssen die Schüler keine 500 Unterschriften mehr sammeln, um sie überhaupt im Parlament einzubringen. Auch Lehrer- und Elternvertreter stehen hinter den Schülern.

 

   Claudia Dörrich, Vorsitzende der Salzburger AHS-Lehrergewerkschaft , erinnert an das Versprechen der Regierung, die Zentralmatura kostenneutral einzuführen. „Das Geld, das man sich durch die kürzere Vorbereitungszeit erspart, fließt in die Betreuung der vorwissenschaftlichen Arbeiten, die jeder Schüler schreiben muss."

 

   Die Direktoren und die Lehrergewerkschaft wehren sich zudem gegen die geplante Kontrollpflicht. Sie sollen künftig die Aufgaben für die schriftliche Zentralmatura auf ihre Vollständigkeit hin überprüfen. par

 

Morgenjournal, 11.12.2014

 

Neue Aufregung um Zentralmatura

Regina Pöll

Durch die neue, schriftliche Zentralmatura ab Mai an allen Gymnasien komme die Literatur im Deutschunterricht zu kurz, darüber empören sich seit Wochen Deutschlehrer und Autoren - und jetzt auch Volksanwalt Peter Fichtenbauer von der FPÖ, der sich konkret an Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek von der SPÖ wendet.

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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