Dienstag, 16. Dezember 2014

2014.12.17: Newsletter Bildung

Die Presse – 17. Dezember 2014

 

 

Per SMS gegen das Schulschwänzen

Alle Eltern von Schülern an Polytechnischen Schulen in Tirol bekommen ein SMS, wenn ihr Kind nicht in der Schule erscheint. Auch Wien baut das SMS-Service für Schulschwänzer aus.

Wien. Die Schule zu schwänzen war für Jugendliche schon einmal einfacher als heute. Die Schulschwänzer verließen das Elternhaus morgens in gewohnter Manier. Anstatt in die Schule ging es in den Park oder ins Kaffeehaus. Das Risiko erwischt und an die Eltern gemeldet zu werden war nicht allzu groß. Das hat sich geändert.

Denn mittlerweile genügen an immer mehr heimischen Schulen nur wenige Klicks, und schon sendet der Lehrer eine Textnachricht oder ein Mail an die Erziehungsberechtigten und informiert sie über das Fernbleiben der Tochter bzw. des Sohnes. Mit der Webapplikation können Lehrer entweder selbst Texte verfassen oder vorgefertigte Textbausteine zusammensetzen, um den Eltern binnen weniger Augenblicke eine Nachricht auf das Mobiltelefon oder den Computer zu schicken.

Im Idealfall gibt es ein elektronisches Klassenbuch, das mit dem System synchronisiert wird. Damit ist im Computer sofort ersichtlich, wer an dem Tag gefehlt hat und gemeldet werden muss. Diese schnelle Art der Kommunikation zwischen Eltern und Schülern wird stetig beliebter.

Im Herbst 2012 startete das Projekt Schul.InfoSMS in Tirol an allen 16 Polytechnischen Schulen. Ein Jahr darauf nahmen bereits sechs Neue Mittelschulen (NMS) teil. Noch in diesem Schuljahr soll das System in Tirol auf 50 Schulen mit 8000 Schülern ausgedehnt werden. Zum Einsatz kommt das Schulschwänz-SMS-Service dort vermehrt an sogenannten Brennpunktschulen. Nach einer Evaluierung am Ende des Schuljahrs soll dann entschieden werden, ob das Projekt in einen Regelbetrieb übernommen wird, heißt es aus dem Büro der Tiroler Bildungslandesrätin, Beate Palfrader (ÖVP).

In Wien spricht der eigens eingesetzte Schulschwänzbeauftragte, Horst Tschaikner, davon, dass etwa die Hälfte der Gymnasien und berufsbildenden Schulen entweder von einem elektronischen Klassenbuch (bei dem sich die Eltern online über Fehlstunden informieren können) oder dem Info-SMS Gebrauch machen.

Zwingen kann man niemanden

Wie weit das Schulschwänz-SMS-Service nun ausgebaut wird, hängt nicht nur an der Politik – sondern auch an den Schulen und den Eltern. Denn ohne Einverständniserklärung kann niemand dazu verpflichtet werden. Außerdem müssen die privaten Handynummern oder Mailadressen verwendet werden dürfen.

Angenommen wird dieses Service in unterschiedlichem Ausmaß: „Es gibt Eltern, die wollen unbedingt per SMS informiert werden, falls ihr Kind nicht in der Schule erscheint, andere wiederum verwehren sich dagegen", schildert Wiens Schulschwänzbeauftragter Tschaikner. Und der Stadtschulrat versuche zwar, Schulen auf das SMS-Service aufmerksam zu machen. Sollte sich eine Schule aber dagegen entscheiden, sei das kein Problem. „Hauptsache, es wird überhaupt zwischen Schule und Eltern kommuniziert", so Tschaikner.

An den Tiroler Schulen, die das Service bereits nutzen, herrscht jedenfalls große Zufriedenheit: Laut Evaluationsbericht nützen 71 Prozent der Lehrer das Angebot regelmäßig. Und zwar nicht nur, um Schulschwänzer zu melden, sondern auch, um die Eltern über die Leistung und das Benehmen ihrer Kinder oder über wichtige Schultermine zu informieren.

800 Strafen allein in Wien

Das SMS-Service ist nur eine von vielen Initiativen, mit der versucht wird, gegen das Schulschwänzen, als Vorstufe eines möglichen Schulabbruchs, vorzugehen. Dasselbe Ziel hatte die Politik mit der Einsetzung eines fünfteiligen Stufenplans (siehe Grafik). Seit vergangenem Schuljahr muss im Fall einer Schulpflichtverletzung ein bestimmtes Verfahren in Gang gesetzt werden.

Schlagend wird es, wenn ein Schüler an drei aufeinanderfolgenden Tagen unentschuldigt fehlt oder innerhalb eines Semesters fünf Tage bzw. 30 Unterrichtsstunden unentschuldigt verpasst. Wirken alle Maßnahmen – vom Lehrer-Eltern-Schüler-Gespräch bis zur Einbindung des Jugendamts – nicht, können Verwaltungsstrafen bis zu 440 Euro verhängt werden.

Und das passiert gar nicht so selten. 880 Strafen wurden 2013 allein in Wien verhängt. In Kärnten waren es nur 119 Strafen. 29 davon konnten die Strafe nicht bezahlen und mussten daher sogar eine Ersatzfreiheitsstrafe verbüßen.

 

 

"Die Presse" vom 17.12.2014                               Seite: 11

Ressort: Bildung

 

Niederösterreich, Morgen

 

Tägliches Turnen kommt, Hauptschule läuft aus

 

   Das bringt 2015. Einige schulpolitische Vorhaben werden umgesetzt. Über manches wird noch immer gestritten.

 

   Wien. Über eine der Neuerungen, die im kommenden Jahr in der Schule anstehen, wird immer noch heftig gestritten: über die Zentralmatura. Klar ist: Im Jahr 2015 steht in den heimischen Schulen einiges an. Die wichtigsten Punkte.

 

   Neue Matura. Erstmals werden 2015 alle Maturanten an denselben Tagen die gleichen schriftlichen Klausuren ablegen. Nach der Verschiebung der Reform um ein Jahr, diversen Pannen bei der Generalprobe und dem nach wie vor schwelenden Streit um den fehlenden Raum für die Literatur (siehe auch Seite 12) werden die Klausuren vom 5. bis 13. Mai stattfinden.

 

   BIFIE-Reform. Eigentlich sollte es bereits im laufenden Jahr so weit sein, die Reform des viel kritisierten Bildungsforschungsinstituts BIFIE, das für die Zentralmatura und für die Bildungsstandards verantwortlich zeichnet, müsste demnächst konkretisiert werden. Nach einer Serie von Problemen und Pannen - unter anderem einem Datenleck - hat Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) eine "Redimensionierung" des BIFIE angekündigt.

 

   Bildungsstandards. Am 6. und 7. Mai werden die Viertklässler an allen Volksschulen in Deutsch getestet. Dieser Bildungsstandardtest war nach dem Datenleck beim BIFIE um ein Jahr verschoben worden.

 

   PISA-Test. Fast wäre die Teilnahme beim PISA-Test geplatzt - in letzter Sekunde änderte Heinisch-Hosek dann doch noch ihren Kurs: Dank einer Sonderregelung der OECD wird im Herbst das Wissen von 15-bis 16-jährigen österreichischen Schülern in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften abgefragt.

 

   Aus für die Hauptschule. Das Schuljahr 2015/16 läutet das endgültige Aus für die Hauptschule ein. Mit Herbst sollen alle ersten Klassen Neue Mittelschulklassen sein.

 

   Neue Lehrerausbildung. Die Lehrerausbildung im Primarbereich wird komplett umgestellt. Angehende Volksschullehrer müssen dann vier Jahre Bachelor- und ein Jahr Masterstudium absolvieren. Für die Sekundarstufe - Hauptschule, Neue Mittelschule, Gymnasien, berufsbildende Schulen - ist die Umstellung erst ein Jahr später Pflicht. Einige Universitäten und Pädagogische Hochschulen starten aber schon früher.

 

   Tägliche Turnstunde. An den ganztägigen Schulen soll es ab kommendem Herbst inklusive der vormittäglichen Turnstunden pro Tag eine Bewegungseinheit geben. Am gestrigen Dienstag ging das Vorhaben durch den Ministerrat.

 

   Inklusive Schule. In Tirol, der Steiermark und Kärnten werden Modellregionen eingeführt, in denen eine "inklusive Schule für alle" umgesetzt werden soll. Sonderschulen sollen durch gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung zunehmend obsolet werden.

 

 

Die Presse – 17. Dezember 2014

 

 

Gymnasien: Mehr Lehrer pro Schüler

In acht Bundesländern stieg die Zahl der AHS-Lehrer. Die Senkung der Klassenschülerhöchstzahl greift.

Wien. Die Zahl der Gymnasiasten hat sich in den vergangenen sieben Jahren österreichweit kaum verändert: 2006 besuchten 203.700 Jugendliche eine AHS, 2013 waren es 203.300. Die Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage seitens der ÖVP durch Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) zeigt aber, dass die Zahl der Lehrer an den Gymnasien in diesen Jahren um rund 13 Prozent gestiegen ist.

In Wien um stieg die Zahl der AHS-Lehrer um rund 900 auf mehr als 6400, in Niederösterreich um 600 auf auf rund 3300. Die Steiermark verzeichnete einen Zuwachs von rund 250 Pädagogen, Salzburg von 200, Oberösterreich und Tirol von jeweils rund 150 und Vorarlberg von rund 100. Das Burgenland kommt auf ein Plus von 50 Lehrern, einzig Kärnten verzeichnete ein Minus von 40.

Ähnlich sieht es bei den Klassen aus, deren Zahl innerhalb von sieben Jahren von 7900 auf 8600 stieg. Die meisten neuen AHS-Klassen wurden dabei in Niederösterreich geschaffen (plus 200), gefolgt von Wien (plus 170). Auch bei den neuen AHS-Standorten liegt Niederösterreich mit acht Gymnasien voran, gefolgt von Wien mit fünf seit dem Jahrtausendwechsel. Insgesamt ist die Zahl der Gymnasien zwischen 2006 und 2013 von 330 auf 346 gestiegen.

Weniger Schüler pro Klasse

In den einzelnen Klassen gibt es nun deutlich weniger Gymnasiasten: Im Jahr 2006 waren es pro Klasse noch durchschnittlich 25,2 Schüler, sieben Jahre später nur noch 23,1. Am dichtesten sitzen die Kinder nach wie vor in den ersten Klassen, aber auch hier sank die durchschnittliche Klassengröße von 28,1 auf 24,5 Schüler.

Die Senkung der Klassenschülerhöchstzahl greift also: Seit dem Jahr 2008 dürfen nur noch 25 Schüler in einer Unterstufenklasse sitzen, wobei dieser Höchstwert auf bis zu 30 Schüler überschritten werden darf, um Abweisungen zu vermeiden. So gibt es auch immer noch Klasse, in denen mehr als 25 Schüler sitzen: 2006 waren es 3100 Unterstufenklassen, sieben Jahre später noch knapp 1400 Klassen.

 

 

Die Presse – 17. Dezember 2014

 

 

Petition gegen neue Matura im Fach Deutsch

Der Verlust der Literatur ist Anlass für den Widerstand. Petition wurde mittlerweile 600-mal unterzeichnet.

Wien. Die Kritik an der Zentralmatura, die 2015 erstmals verpflichtend an allen Gymnasien stattfinden wird, reißt nicht ab. In der Vorwoche beschwerten sich Schüler, Lehrer und Eltern über die Reduktion der Vorbereitungsstunden für die mündliche Matura. Nun formiert sich im Internet Widerstand gegen die neue Deutschmatura.

Auf bildungstief.at warnen die Initiatoren vor dem „Ende des Literaturunterrichts an der AHS". Im Moment finde „eine stille Revolution statt, die Unterrichtende fassungslos vor dem stehen lässt, was in Zukunft der Deutschunterricht sein soll", schreiben die Lehrer Elisabeth Lukas (Mary Ward Privat-ORG Krems) und Gerald Weigl (BRG Kremszeile). Sie zeichnen ein dramatisches Bild: „Dem Ende des klassischen Literaturkanons folgt nun der völlige Auszug der Literaturkunde." Bei der Zentralmatura sei die „Auseinandersetzung mit literarischen Texten unterrepräsentiert".

Die Kandidaten können zwischen drei Aufgabenpaketen wählen. Eines der Pakete muss auch eine literarische Aufgabenstellung beinhalten. Für die zu schreibenden Texte gilt ein genormter Kanon: vom Leserbrief bis zur Meinungsrede. Also fragen die beiden durchaus provokant: „Sollen wir den Anspruch auf Wissen zugunsten einer Dressur auf Textmuster und ,Kompetenzen' aufgeben?"

600 Unterschriften

Anscheinend teilen diese Befürchtung viele Lehrer. Die Petition, in der gebeten wird, „die aktuellen Bildungsziele dahingehend zu korrigieren, dass im Deutschunterricht neben dem Training normierter Textsorten wieder eine reflektierende Literaturvermittlung ermöglicht wird", wurde mittlerweile 600-mal unterzeichnet – laut Initiatoren auch von Volkstheater-Intendant Michael Schottenberg oder von Schauspieler und Autor Miguel Herz-Kestranek.

Die Initiatoren hoffen auf 1000 Unterschriften und wollen die Petition dann der Bildungsministerin übergeben. (j.n.)

 

 

Die Presse – 17. Dezember 2014

 

 

Multikulturelle Schulen feiern Advent

An Wiens Volksschulen ist nur fast jeder zweite Schüler Christ, Muslime bilden die zweitgrößte Gruppe. Weihnachten wird in den Schulen dennoch ausgiebig zelebriert.

Wien. Am Anfang stand die Adventkranzweihe, dann kam der Nikolaus und nun wird bereits eifrig für das Krippenspiel geprobt: An der Volksschule in der Herbststraße im 16. Wiener Gemeindebezirk weihnachtet es. Dass es sich hier um eine Schule mit hohem Migrantenanteil handelt, an der mehr als die Hälfte der Kinder nicht katholischen Glaubens sind, spielt kaum eine Rolle. Gefeiert wird trotzdem.

„Wir sind eine österreichische Schule mit Wiener Kindern und dementsprechend zelebrieren wir die Advent- und Weihnachtszeit", sagt Direktorin Gabriele Prokop im Gespräch mit der „Presse". Die eigenen Traditionen angesichts der sich verändernden Schülerpopulation zu leugnen, komme nicht infrage. Im Gegenteil: Bräuche sollten gepflegt werden (auch nicht katholische übrigens). Daran habe sich seit den mittlerweile elf Jahren, in denen Prokop als Direktorin einer Schule vorsteht, auch niemand gestoßen.

Dass das nicht selbstverständlich ist, zeigten in den vergangenen Jahren die Diskussionen über die Frage, ob in den Klassen ein Kreuz hängen darf, sowie die Schlagzeilen über das Hausverbot für den Nikolaus im Kindergarten. Gern wird damit argumentiert, dass Rücksicht auf die nicht christlichen Kinder genommen werden muss. Von rund 65.000 Kindern in Wiens Volksschulen sind 23.800 römisch-katholisches, etwa 6000 serbisch-orthodox und 2300 evangelisch. Die zweitgrößte Gruppe nach den Christen bilden mit 17.900 die Muslime. Mehr als 11.100Volksschüler sind ohne religiöses Bekenntnis.

Sensibel Advent feiern

Aus dem mutikulturellen Umfeld zu schließen, dass Weihnachten aus den Schulen verschwinden soll, sei falsch, sagt Schulinspektor Rupert Corazza. „Weihnachten begegnet den Schülern in dieser Jahreszeit ohnehin ständig. Die Lehrer müssen ihnen erklären können, warum es einen Weihnachtsbaum, Adventmärkte und das Christkind gibt." Deshalb werde Weihnachten in den Volksschulen heute auch „nicht weniger engagiert" gefeiert, aber „sensibler", sagt der Schulinspektor.

Und wie feiert man die Adventzeit sensibel? „Man muss es mit den christlichen Elementen nicht auf die Spitze treiben", formuliert es Direktorin Prokop aus der Herbststraße. In ihrer Schule werde etwa nicht „Stille Nacht, heilige Nacht" gesungen – das sei etwas für die Familie. Außerdem werde „niemand dazu vergattert", beim Krippenspiel mitzumachen.

Zuckerfest wird auch gefeiert

In der Volksschule Kindermanngasse im 17.Bezirk, in der ebenso mehr als die Hälfte der Schüler nicht katholisch sind, hat man sich schon komplett von Krippenspielen verabschiedet. Dort werden nur weihnachtliche Theater – beispielsweise über Rudolf das Rentier – einstudiert. Und in der Volksschule Knollgasse wiederum gibt es zwar Nikolaus-Sackerln, aber nicht die traditionelle Geschichte vom Bischof von Myra, der mehrere Wunder vollbracht haben soll. Sondern von „einem allgemeinen Mann mit weißem Bart", wie Direktorin Irene Janu erklärt.

Auch die Liederauswahl ist an den meisten Schulen eine durchdachte. Traditionelles ist zwar weiterhin erlaubt. Lieder, die von Jesus erzählen, werden aber bewusst weniger oft angestimmt. Man setzt auf Modernes. „Bei uns singen alle ,Es wird scho glei dumpa', aber auch englische Gospels und Spanisches", sagt Eva Mader, die die Volksschule Wichtelgasse im 17.Bezirk leitet.

Die Schulen bemühen sich generell, nicht nur katholische, sondern auch andere religiöse Feste zu feiern. „Das andere darf auch sein, es wird genauso wertgeschätzt", sagt Direktorin Prokop. So wird in den Schulen etwa auch auf das islamische Zuckerfest am Ende des Ramadan Rücksicht genommen.

In dem multikulturellen Umfeld verschwimmen die kulturellen Grenzen, wie es scheint, häufig: „Ich habe meine Schüler – auch die mit Migrationshintergrund – gefragt, ob sie zu Weihnachten feiern. Alle haben mit Ja geantwortet", erzählt die Direktorin der Volksschule Knollgasse. Das habe bei vielen keinen religiösen Hintergrund. „Es ist für viele keine religiöse Übung, sondern einfach nur Brauchtum."

AUF EINEN BLICK

Wiens Volksschulen werden derzeit von rund 65.000 Kindern besucht. Davon haben laut Stadtschulrat 23.800 Schüler römisch-katholisches Religionsbekenntnis. Etwa 6000 Wiener Volksschüler sind serbisch-orthodox, weitere 2300 evangelisch. Die zweitgrößte Gruppe nach den Christen bilden mit 17.900 die Muslime. Mehr als 11.100Volksschüler sind in der Bundeshauptstadt ohne religiöses Bekenntnis.

 

 

Die Presse – 17. Dezember 2014

 

 

Eine Schülerin mit einer Mission: Lernen, wie es uns gefällt

Die 15-jährige Berlinerin Alma de Zárate hat mit zwei Mitschülerinnen ein Buch geschrieben. Sie wollen die Schule reformieren.

Berlin. Es fällt schwer zu glauben, dass Alma de Zárate eben erst 15 Jahre alt geworden ist. Und zwar nicht nur, weil sie ein Buch geschrieben hat. Sondern auch, weil die Schülerin mit einer Ernsthaftigkeit spricht, die man einer 15-Jährigen gar nicht zutraut. Und vor einer Runde von Uni-Professoren und Politikern (aus Österreich) beschreibt, was sie an konventionellen Schulen so schrecklich findet. Frontalunterricht zum Beispiel: „Die eine Hälfte der Schüler ist schon fertig, die andere kommt überhaupt nicht klar", sagt sie etwa. „Ich frage mich immer: Wer kommt denn auf so etwas?!"

Weil sie zeigen will, dass es auch ganz anders geht, hat sie mit ihren Mitschülerinnen Jamila (15) und Lara-Luna (16) – und mit der Unterstützung des „Stern"-Journalisten Uli Hauser – ein Buch geschrieben. „Wie wir Schule machen" heißt es. Schon der Untertitel könnte manchen stutzig machen: „Lernen, wie es uns gefällt", lautet er. 15-Jährigen gefällt es zu lernen?

Schüler als Ideengeber

An der Evangelischen Schule Berlin Zentrum, die Alma, Jamila und Lara-Luna besuchen, offenbar schon – was man bereits bemerkt, wenn man durch die Räumlichkeiten geht: Die Atmosphäre ist entspannt. Die Schüler erarbeiten sich in altersgemischten Gruppen selbstständig den Stoff. (Alma: „Es ist ja total langweilig, wenn alle gleich sind"). Und sie schwärmen von Schulfächern wie „Herausforderung" – ab 13 Jahren müssen die Schüler der Evangelischen Schule jedes Jahr drei Wochen lang mit 150 Euro irgendwo außerhalb von Berlin zurechtkommen.

Anstelle ihrer letzten Herausforderung hat Alma nun dieses Buch geschrieben, wie sie der „Presse" erzählt. „Eigentlich wollten wir segeln gehen, aber der Skipper ist krank geworden. Und die Idee für das Buch war schon da, also haben wir einmal drauflosgeschrieben." Ursprünglich war das ein Einfall von Schulleiterin Margret Rasfeld, die ihren Schülern auch sonst viel Verantwortung übergibt: Die Schüler sind es, die Lehrern anderer Schulen bei Fortbildungen erzählen, was Sache ist. Seit einiger Zeit coachen sie sogar Manager. Zu sagen haben sie also etwas. „Nur: In der Bildungsdiskussion fragt eigentlich nie jemand, was die Schüler wirklich wollen", sagt Alma.

„Wir wollten uns einmischen"

„Wir wollten uns in die Debatte einmischen und versuchen, ganz vielen Schülern eine Stimme zu geben", so Alma. „Immer reden Lehrer, Politiker, Wissenschaftler über die Schule. Dabei kann Schule ohne Schüler doch nicht funktionieren." Ihr Ziel: „Wir wollen die Leute überzeugen, dass es auch anders geht." Wie konkret – ob wie an der Evangelischen Schule oder ganz anders –, das müsse jeder selbst überlegen. Übrigens auch ein Auftrag an Staatssekretär Harald Mahrer (ÖVP), der Alma bei seiner jüngsten Berlin-Visite traf: In das Buchexemplar, das die Schülerin ihm überreichte, schrieb sie: „Seien Sie mutig!"

 

 

KLZ – 17. Dezember 2014

 

Mehr Lehrer für AHS-Schüler

Die Zahl der AHS-Lehrer ist seit dem Jahr 2006 von 18.600 auf 21.000 gestiegen - obwohl die Schülerzahl im gleichen Zeitraum praktisch stagnierte.

Die Zahl der AHS-Lehrer ist seit dem Jahr 2006 von 18.600 auf 21.000 gestiegen. Im gleichen Zeitraum stagnierte die Schülerzahl praktisch: Im Schuljahr 2006/07 besuchten 203.700 Jugendliche eine AHS, 2013/14 waren es 203.300. Das zeigt die Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage von ÖVP-Bildungssprecherin Brigitte Jank durch Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ).

Dieser starke Lehrkräfte-Zuwachs um rund 13 Prozent geht vor allem auf das Konto von zwei Bundesländern: In Wien stieg die Zahl der AHS-Lehrer um rund 900 auf mehr als 6.400, in Niederösterreich um 600 auf rund 3.300. Die Steiermark verzeichnete einen Zuwachs von rund 250 Pädagogen, Salzburg von 200, Oberösterreich und Tirol von jeweils rund 150 und Vorarlberg von rund 100 AHS-Lehrern. Das Burgenland kommt auf ein Plus von 50 Lehrern, einzig Kärnten verzeichnete ein Minus von 40.

Ähnlich sieht es bei der Zahl der Klassen aus: Gab es 2006/07 noch etwas über 7.900 Klassen, waren es 2013/14 schon 8.600. Die meisten neuen Klassen wurden dabei in Niederösterreich mit einem Plus von mehr als 200 geschaffen. Das gleiche Bild zeigt sich bei den AHS-Standorten, deren Zahl im gleichen Zeitraum von 330 auf 346 stieg: Auch hier liegt Niederösterreich mit acht neuen Standorten voran, gefolgt von Wien mit fünf.

Die Klassenschülerzahlen haben sich dementsprechend ebenfalls verringert: 2006/07 saßen in einer durchschnittlichen AHS-Klasse noch 25,2 Jugendliche, 2013/14 waren es nur 23,1. Die höchsten Schülerzahlen gibt es nach wie vor in den ersten Klassen AHS: Auch hier sank die durchschnittliche Klassengröße aber von 28,1 auf 24,5 Schüler.

Die Senkung der Klassenschülerhöchstzahl ist auch der Hauptgrund für diese Entwicklungen. Seit 2008 dürfen (aufsteigend von den damals ersten Klassen) nur noch 25 Schüler in einer AHS-Unterstufenklasse sitzen, wobei dieser Höchstwert auf bis zu 30 Schüler überschritten werden darf, um Abweisungen zu vermeiden. 2006/07 gab es dementsprechend noch rund 3.100 AHS-Unterstufenklassen mit mehr als 25 Schülern, 2013/14 waren es noch knapp 1.400.

 

"Kleine Zeitung" vom 17.12.2014                              Seite: 6

Ressort: Tribüne

 

BERND HECKE

 

Steiermark

 

LEITARTIKEL

 

Jetzt muss Frau Minister die Reifeprüfung ablegen

 

Das Bifie kann nicht ewig als Sündenbock herhalten.

 

   Wenn ein Institut die Unserie des Jahres hingelegt hat, dann das Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie). Seit der Datenpanne im Februar, als Schüler-Testdaten offen auf rumänischen Servern landeten, ist die „Vollzugsbehörde" für PISA-Tests und Bildungsstandards aus dem Stolpergang nicht mehr herausgekommen.

 

   Beim Probegalopp für die Zentralmatura heuer im Mai gab es fast täglich Aufregung. In Englisch sorgten falsche Notenschlüssel für einen Wirbel, an Wiener AHS fehlten Mathematik-Maturaaufgaben, bei einer Deutsch-Matura wurden Schüler mit einem Text eines NS-Dichters konfrontiert – nur halt nicht im Kontext einer Problemarbeit über Literatur im Schreckensregime.

 

   Die beiden Bifie-Direktoren waren noch im Mai das Bauernopfer. Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek war froh, dass die Direktoren den Weg freimachten, „um das Institut vor weiteren Schäden zu bewahren".

 

   Dennoch hat die Buchstabenkombination „Bifie" den Ruhepuls an Österreichs Schulen abgeschafft. Auch im neuen Matura-Jahrgang liegen die Nerven blank, seit an vielen Gymnasien eine Modell-Schularbeit in Mathematik als Testlauf für die Zentralmatura abgehalten worden ist. Selbst Eltern von Vorzugsschülern klagen, dass es nun plötzlich Fünfer hagelt. An mancher Schule müssen alle 8. Klassen die Arbeit wiederholen, weil teils weit mehr als die Hälfte der Schüler einen Fleck geschrieben haben.

 

   Der Schuldige ist auch jetzt schnell gefunden. Das Bundesinstitut gilt unter Eltern, Schülern und einigen Lehrern als heimtückischer Fallensteller, der endlos lange Aufgabentexte besonders kompliziert verfasst.

 

   Es ist schon ein Reflex, das Bifie für alles verantwortlich zu machen. Dabei zielt die Kritik erfahrener Schuldirektoren auf andere ab: Sie verstehen nicht, warum die Zentralmatura so rasch durchgedrückt wird. Schüler sollten zumindest vier Jahre gezielt mit neuen Strategien auf die neuen Lernziele und Prüfungsstandards vorbereitet werden. Viele stellen die Frage, warum bei Prüfungen ein einheitlicher Standard gilt, wo es doch bei den AHS zwischen BG, BRG und Borg im Unterricht Unterschiede gibt.

 

   Diese Kritik trifft nicht das Expertengremium, sondern die Politik, die diese Reform der Reifeprüfung beschlossen hat. Sollte die Zentralmatura 2015 zum Fiasko werden, reicht es für die Bildungsministerin nicht mehr, beim Sündenbock Bifie Köpfe rollen zu lassen. Für Heinisch-Hosek ist die persönliche Reifeprüfung im Fach Krisenmanagement ab sofort im Laufen.

 

   Sie erreichen den Autor unter

 

   bernd.hecke@kleinezeitung.at

 

 

"Kleine Zeitung" vom 17.12.2014                             Seite: 18

Ressort: Bundesland

 

Steiermark

 

„Warnschuss, der auch sein Gutes haben kann"

 

Das Bifie will statistische Auswertung abwarten.

 

   REAKTIONEN

 

   GRAZ, SALZBURG. Hört man in die Lehrerschaft hinein, sehen nicht alle den Weltuntergang über uns hereinbrechen. Noch gibt es keine detaillierte Statistik über die Mathe-Modellschularbeit. Die Resultate an einzelnen Schulen versetzen aber Schüler und Eltern in Aufruhr. Die Teilnahme am Testlauf für die Zentralmatura mit standardisierten Aufgaben war für Schulen freiwillig, betont man im Landesschulrat Steiermark. Die Prüfungsbeispiele repräsentierten ein Mindestleistungsniveau. Präsidentin Elisabeth Meixner spart „trotz eines Bekenntnisses zu Leistung" nicht mit Kritik am Bildungsinstitut „Bifie": „Nach den bisherigen Problemen hätte ich mir ein umsichtiges, breit kommuniziertes Vorgehen erwartet, um neue Irritationen zu vermeiden." Die Schüler machen ihrem Ärger heute in Graz mit einem Flashmob beim Landhaus Luft.

 

   Beim Bifie und auch an mancher steirischen Schule reagiert man gelassen. Noch liegt die statistische Auswertung nicht vor und es gebe auch Schulen, wo die Noten nicht so schlecht ausgefallen sind.

 

   Ein Lehrer an einer Grazer Schule, der nicht genannt werden will, sieht die Modell-Schularbeit auch positiv: „Der Warnschuss kann auch sein Gutes haben. Lehrer und Schüler können sich gezielt auf die Matura vorbereiten." Das Bifie könne das Niveau nachjustieren, falls es wirklich zu hoch angesetzt gewesen sei.

 

 

"Kleine Zeitung" vom 17.12.2014                             Seite: 14

Ressort: Bundesland-Thema

 

Kärnten

 

Test für Matura als „Fleck"

 

Verunsicherte Schüler, verärgerte Lehrer, überdurchschnittlich viele Fünfer: Unruhe um Modellschularbeit für Zentralmatura in Mathematik.

 

   THOMAS MACHER, BERND HECKE

 

   In manchen Kärntner Konferenz- und Klassenzimmern rauchen seit vergangener Woche die Köpfe. „Diese Aufgaben waren eine Frechheit. Es ist unglaublich, dass die Schüler mit derart schweren Beispielen verunsichert werden", sagt Barbara Pfeiler, Mathematiklehrerin und Administratorin am BRG Viktring. Mehrere Kärntner Gymnasien ließen am vergangenen Donnerstag ihre Achtklässler eine Mathematikschularbeit schreiben, die vom Bundes-Bildungsinstitut (Bifie) zusammengestellt wurde. Eine Probe für den Ernstfall: Denn in diesem Schuljahr wird das Bifie die Fragen für die schriftliche Matura an allen Allgemeinbildenden Höheren Schulen (AHS) zentral vorgeben.

 

   Doch der Testlauf am Donnerstag verlief holprig. „Die Schularbeiten sind bei uns sehr unterschiedlich ausgefallen. Manche Klassen waren sehr gut, manche weniger", sagt Lehrerin Pfeiler vom BRG Viktring. Noch schlechter sieht es am BORG Wolfsberg aus: Am Gymnasium gibt es heuer drei Maturaklassen; zwei davon müssen die Schularbeit nun wiederholen. In beiden Klassen hatten über 50 Prozent der Schüler ein Nicht genügend auf die Arbeit. „Das ist mir unerklärlich", sagt Direktor Peter Reischl, der auch Mathematiklehrer ist. Er selbst habe die Aufgaben nicht als zu schwer empfunden: „Das, was ich gesehen habe, empfand ich als angemessen. Natürlich können die Schüler das anders sehen."

 

   Bei den Beispielen des Bifie komme es darauf an, die Aufgabenstellungen sehr genau durchzulesen: „Das ist ein Lernprozess für die Schüler." Mit Förderkursen, Übungsbeispielen von der Webseite des Bifie und einer eigenen Internetplattform soll den Maturanten dabei geholfen werden. „Ich werde vor den Weihnachtsferien auch noch einmal in die Maturaklassen gehen und die Schüler darauf aufmerksam machen, wo sie sich Informationen und Materialien besorgen können", sagt Direktor Reischl. Sorgen mache er sich trotzdem: „Das ist eine sehr ernste Sache."

 

   „Weniger dramatisch"

 

   Gelassener wird dem Matura-Stress an anderen Schulen entgegengeblickt. „Wir haben uns konsequent auf die Zentralmatura vorbereitet. Manche Eltern schmeißen zwar die Nerven weg, aber die Lehrer sehen das weniger dramatisch", sagt der Direktor des Klagenfurter Bachmanngymnasiums, Markus Krainz. Dessen Maturanten haben am Donnerstag allerdings nicht die zentral vorgegebene Mathematikschularbeit geschrieben.

 

 

"Kleine Zeitung" vom 17.12.2014                             Seite: 74

Ressort: Kultur&Film

 

EGYD GSTÄTTNER

 

Kärnten

 

QUERGEDACHT

 

Die Mutter aller Unwörter: K. O.

 

Über die Problematik von „kompetenzorientierten Schularbeiten" und „Schreibsituationen".

 

   Seit über eineinhalb Jahrzehnten werden nun die Worte und Unworte des Jahres gewählt, da finden sich „Hacklerregelung" und „Schweigekanzler", „Lebensmensch" und „Penthousesozialismus", „fremdschämen", „Rettungsgasse" und „Töchtersöhne". Seltsamerweise aber ist noch nie das Unwort aller Unwörter gekürt worden, das Wort „Kompetenzorientierung".

 

   Diese „Kompetenzorientierung" klingt wie dem Werbefernsehen entlaufen – wer gar nichts anderes anzubieten hat, kann immer noch „Kompetenzorientierung" („K.O.") aus dem Bauchladen fischen! Eine reine Hochstaplerfarce! Um mich an Kompetenz orientieren zu können, muss ich Kompetenz haben. Wenn ich Kompetenz habe, muss ich mich nicht an ihr orientieren …

 

   Was denkt sich ein bundesbeamteter Lehrer, der über den Angabezettel „Kompetenzorientierte Schularbeit" schreibt? Wie wurden denn Schularbeiten die ganze Menschheitsgeschichte lang bis vor sechs Jahren, bis zur Erfindung der zwangsverordneten Bifie-Diktatur geschrieben? Nicht kompetenzoriertiert? Den Schwachsinn im Unwort, liebe Bildungsexperten, nennt man „Pleonasmus". Zum Beispiel: Zweibeiniger Egyd Gstättner, rundes Rad, dunkle Finsternis oder rückgratloser Weisungsgebundener.

 

   Und wie ist man bis vor sechs Jahren bei Deutschschularbeiten am Weg zu Bildung, Reife und Matura ohne „Arbeitsaufträge" und „Schreibsituationen" ausgekommen? In dieser grauen Vorzeit waren noch alle Menschen schreibsituationselastisch wie ein Schriftsteller! Nach der „Schreibsituation" kommen die Verordnung der „Denksituation" und die „Denkaufträge". In Zukunft wird man als Denker nicht mehr einfach denken dürfen – und vor allem nicht, was man will, sondern man wird nur noch in vorgesehenen Denksituationen in vorgegebene Denkrichtungen mit von Bildungsforschungsexperten ausgearbeiteten gewünschten Denkergebnissen denken dürfen.

 

   Frei, mündig, kreativ und kritisch müsst ihr nicht mehr sein, wenn ihr die Matura hinter euch habt! Ihr müsst funktionieren! Ihr müsst Mitläufer sein! Nicht nur ihr K.O.-Schüler übrigens. Auch ihr K.O.-Lehrer! Ihr vor allem!

 

 

"Kleine Zeitung" vom 17.12.2014                             Seite: 14

Ressort: Bundesland-Thema

 

Kärnten

 

Schüler ziehen aus „Themen-Topf"

 

Neuerungen wie wissenschaftliche Arbeit, standardisierte Aufgaben.

 

   PRÜFUNGSABLAUF

 

   Die Zentralmatura konfrontiert Lehrer und Maturanten mit einer Vielzahl neuer Regeln und Aufgaben. Das Bifie hat die Reifeprüfung auf drei Säulen aufgestellt.

 

   Vorwissenschaftliche Arbeit: Jeder Schüler einer AHS muss im Maturajahr eine sogenannte Vorwissenschaftliche Arbeit (VWA) schreiben. An den Berufsbildenden höheren Schulen (BHS) muss eine Diplomarbeit im Team verfasst werden. Viele Lehrer kritisieren, dass die vorgegebenen Bewertungskriterien eher einem universitären als einem schulischen Niveau entsprächen. Schriftliche Prüfungen: Im schriftlichen Teil der Matura können die Prüflinge zwischen drei oder vier Klausuren wählen. Alle haben dabei dieselben Aufgaben zu erledigen, die ihnen zentral auferlegt werden. Benotet wird nach einem vorgegebenen Schlüssel. An diesem wurde in der Vergangenheit auch Kritik laut. Im Fach Englisch wurde beispielsweise die Grenze zwischen Genügend und Nicht genügend überraschend angehoben.

 

   Mündliche Prüfungen: Abhängig von der Zahl der schriftlichen Klausuren müssen zwei oder drei mündliche Prüfungen absolviert werden. Der Maturant zieht aus einem vorgegebenen „Themen-Topf" zwei Aufgabenstellungen und muss sich für eine entscheiden. Die Schüler kritisieren, dass ihnen die Vorbereitungsstunden mit ihren Lehrern für die mündliche Matura gekürzt wurden. Einsparungen sollen der Grund sein.

 

 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 291 vom 17.12.2014              Seite: 2

Ressort: Innenpolitik

 

Österreich

 

Die tägliche Bewegungseinheit für die Regierung fehlt

 

   Ab dem Schuljahr 2015/16 soll an Schulen – falsch: nur an Ganztagsschulen! – täglich eine „Bewegungseinheit" stattfinden. Diesen „Durchbruch für die tägliche Bewegung unserer Kinder" (Johanna Mikl-Leitner) hat die Regierung beschlossen. Er führt dazu, dass nicht mehr nur Freizeitpädagogen die Ganztagsschüler im Freizeitteil betreuen dürfen, sondern Sporttrainer hinzuzuziehen sind. Und: An den Pädagogischen Hochschulen wird aus dem Bewegungseinheitenbehufe gleich auch ein neuer Ausbildungszweig geschaffen: der zum „Bewegungscoach".

 

   Nichts gegen mehr Sport für die Schüler, wirklich nichts. Und natürlich sollen sich die Kinder pädagogisch wertvoll bewegen. Aber geht's ein bisserl weniger bombastisch? Insbesondere dort, wo der Bund sowieso nichts zu bestimmen hat. Denn was und wie lange eine Bewegungseinheit ist, ist Sache der Ganztagsschulen. Und Geld für die geforderten Sporttrainer und künftigen Bewegungscoaches gibt's auch keines.

 

   Deshalb Vorschlag: Wie wär's, wenn sich die Regierung in einer tägliche Bewegungseinheit austobt statt in ständig neuen Gesetzen von bewegender Belanglosigkeit?

 

 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 291 vom 17.12.2014              Seite: 2

Ressort: Innenpolitik

 

Österreich

 

Mehr Lehrer für gleich viele Schüler

 

   Was die Senkung der Klassenschülerhöchstzahl in den AHS bedeutete.

 

   Wien. Die Zahl der AHS-Lehrer ist seit dem Jahr 2006 von 18.600 auf 21.000 oder um rund 13 Prozent gestiegen. Im gleichen Zeitraum stagnierte die Schülerzahl praktisch: Im Schuljahr 2006/07 besuchten 203.700 Jugendliche eine AHS, 2013/14 waren es 203.300. Das geht aus der Antwort von Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) auf eine parlamentarische Anfrage der ÖVP hervor.

 

   Dieser starke Lehrkräftezuwachs geht vor allem auf das Konto von zwei Bundesländern: In Wien stieg die Zahl der AHS-Lehrer um rund 900 auf mehr als 6400, in Niederösterreich um 600 auf rund 3300. Die Steiermark verzeichnete einen Zuwachs von rund 250 Pädagogen, Salzburg von 200, Oberösterreich und Tirol von je rund 150 und Vorarlberg von rund 100. Das Burgenland kommt auf ein Plus von 50 Lehrern, einzig Kärnten verzeichnete ein Minus von 40.

 

   Hauptgrund ist die Senkung der Klassenschülerhöchstzahl, sie ließ die Zahl der AHS-Klassen um 700 auf unterdessen 8600 steigen, wobei allein in Niederösterreich 200 zusätzliche Klassen entstanden. Seit 2008 dürfen (aufsteigend von den damals ersten Klassen) nur noch 25 Schüler in einer Klasse sitzen; um Abweisungen zu vermeiden, dürfen es bis zu 30 sein. Stand der Dinge: 2013/14 saßen im Schnitt 23,1 Schüler in jeder AHS-Klasse, 2006/07 waren es 25,2 gewesen. Die meisten Schüler drängeln sich nach wie vor in den ersten Klassen, aber auch hier sank die Klassengröße aber von 28,1 auf 24,5 Schüler.

 

   Auch 16 zusätzliche Gymnasien kamen in den vergangenen Jahren dazu.

 

   Insgesamt gibt es nun 346 AHS – und erneut ging der Zuwachs vor allem auf Niederösterreich (acht neue Standorte) und Wien (fünf). , APA

 

 

"Der Standard" vom 17.12.2014                                Seite: 6

Ressort: THEMA

 

Bundesland, Bundesland Abend

 

Bildung

 

   Der Satz „Das Gymnasium bleibt" ist mit dem fliegenden Wechsel an der ÖVP-Spitze von Michael Spindelegger zu Reinhold Mitterlehner aus der Bildungsdebatte verschwunden, mit ihm aber auch gleich die ganze Gesamtschulfrage. Zumindest auf Bundesebene wurde das Thema derart entschärft, dass es zum Nichtthema erklärt wurde. Bei der Regierungsklausur im Herbst kam die Koalition überein, auf dem „Weg zur besten Bildung" fortan vor allem Kindergärten und Volksschulen forcieren zu wollen. Das ist dem Befinden von Rot-Schwarz sicher zuträglich, dieses könnte aber gestört werden, wenn die schwarz-grüne Regierung in Vorarlberg eine Gesamtschulmodellregion beantragen sollte.

 

   Einstweilen werden kleinere Schritte groß gefeiert, am Dienstag beschloss der Ministerrat eine „Qualitätsoffensive" für Ganztagsschulen, an denen es ab 2015/16 täglich auch eine Turnstunde geben soll. Die Unis müssen sich mit dem Mindestprogramm (615 Millionen Euro) statt der geforderten Milliarde abfinden, und die Studienplatzfinanzierung muss aufgrund Geldmangels warten. (nim)

 

 

KATHPRESS, 16. Dezember 2014

 

 

Religionspädagogen: Mehr religiöse Kompetenz für Lehrer

Zunehmende Entwicklung hin zu Gewalt und Radikalismen betrifft auch Schulen

 

KAP) Eine Kompetenzerweiterung bei Lehrern in Bezug auf religiöse Phänomene hat das Österreichische Religionspädagogische Forum (ÖRF) gefordert. Im Hintergrund steht eine gesellschaftliche Entwicklung hin zu Gewalt und Radikalismen, die in letzter Zeit beobachtbar gewesen sei und auch die Schule betreffe, so das Forum in einer Aussendung (Dienstag). Die Aus- und Fortbildung von Lehrern müsse deshalb auch Schlüsselkompetenzen in Bezug auf religiöse Vielfalt und den adäquaten Umgang damit im Schulalltag umfassen.

 

Angesichts dieser Entwicklungen stünden Lehrer vor der besonderen Herausforderung, wie sie unter Beachtung der spezifischen multireligiösen und multikulturellen Verhältnis-se vor Ort diesen Tendenzen im Unterricht und schulischen Zusammenleben gegensteuern können. Über den fachlichen Unterricht hinaus, müssten Lehrkörper fähig sein, "wachsende Gewaltbereitschaft und Radikalität unter Schülern rechtzeitig wahrzunehmen und gefährdete junge Menschen zu begleiten".

 

Die Reflexion der Präsenz und Bedeutung der Religionen alleine in die Verantwortung von Religionslehrern zu legen, sei zu wenig. Diesen Auftrag zu ignorieren, bedeute nicht nur den Frieden an Schulen zu riskieren, sondern in der Gesamtgesellschaft. Aus diesem Grund fordert das ÖRF in der Ausbildung angehender Lehrer an den Pädagogischen Hochschulen und Universitäten neben den fachlichen Kompetenzen, interreligiöse Kompetenzen nicht nur zu berücksichtigen, sondern jene explizit zu vertiefen und zu erweitern, die Lehrkräften in der Praxis einen reflektierten Umgang mit Konfessionen, Religionen und Weltanschauungen ermöglichen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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