Donnerstag, 18. Dezember 2014

2014.12.18: Bildung

Mittagsjournal, 18.12.2014

Rechnungshof rügt Schulkosten

Peter Daser

Der Rechnungshof mahnt einmal mehr zu Reformen im Schulsystem. Insbesondere wird empfohlen, die Zuständigkeit für die Pflichtschulen in einer Hand zu konzentrieren - und nicht, wie jetzt, auf Bund und Länder zu verteilen. Überprüft wurden die Schulen in Kärnten und in Salzburg. Der Rechnungshof stellte dabei auch fest, dass zwar die Zahl der Schülerinnen und Schüler sinkt, die Kosten für die Lehrer aber steigen.

Zersplitterte Kompetenz

Kern der Kritik des Rechnungshofes ist die zersplitterte Kompetenz im Schulsystem: bei den mittleren und höheren Schulen, wie den Gymnasien und berufsbildenden Schulen, ist der Bund sowohl für deren Aufgaben wie auch deren Ausgaben und wie sie bezahlt werden zuständig.

Bei den Pflichtschulen, also vor allem den Volksschulen, Hauptschulen und Neuen Mittelschulen können die Länder mitreden. Länder beziehungsweise Gemeinde sind Schulerhalter. Zusätzlich kompliziert wird es laut Rechnungshof durch die Zwitterstellung der Landesschulräte - die sind zwar Schulbehörden des Bundes, wer hier das Sagen hat, bestimmen aber die Länder.

Mehr Lehrer, weniger Schüler

Der Rechnungshof empfiehlt, bei einer umfassenden Reform der österreichischen Schulverwaltung die Aufgaben, Ausgaben- und Finanzierungsverantwortung der Pflichtschulen in einer Hand zusammenzulegen. Untersucht haben die Prüfer auch die Entwicklung der Schüler- und Lehrerzahlen sowie der Kosten:

Die Schülerzahlen sind seit 2008 um 2 Prozent gesunken. Die Zahl der Lehrer-Vollzeit-Äquivalente ist um 3 Prozent gestiegen, die Lehrer-Personalausgaben um 13 Prozent. Es gibt mehr Schulklassen, weil die Schüler-Höchstzahl pro Klasse begrenzt wurde, gleichzeitig gab es Gehaltserhöhungen.

Andererseits kritisiert der Rechnungshof, dass Lehrer für andere Tätigkeiten als zum Unterrichten eingesetzt würden: etwa in der Verwaltung, der Bibliotheks- oder Computerbetreuung. Der Rechnungshof empfiehlt, für diese Tätigkeiten Verwaltungsbedienstete zu beschäftigen, das sei billiger.

APA0159 II, XI 18.12.2014 10:44:36

 

Schulverwaltung: RH mahnt einmal mehr Reform ein

Utl.: Bundesschulen: Immer mehr Lehrer, immer weniger "Nicht-Lehrer" - Landesschulräte sind "Zwitter"

Schule/Lehrende/Öffentlicher Dienst/Rechnungshof/Österreich

Der Rechnungshof (RH) mahnt einmal mehr eine Reform der Schulverwaltung ein. So wäre etwa die "Aufgaben-, Ausgaben- und Finanzierungsverantwortung bezüglich der Pflichtschulen in einer Hand zu konzentrieren", heißt es in einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht. Generell sei bei den Bundesschulen (AHS, BMHS) eine "günstigere Ausgangslage" für eine effiziente Verwaltung gegeben.

Im Pflichtschulbereich (v.a. Volksschulen, Hauptschulen/Neue Mittelschulen, Sonderschulen, Polytechnische Schulen, Berufsschulen) ist der Bund für die Grundsatzgesetzgebung verantwortlich, die Länder für die Ausführungsgesetze. Schulerhalter sind Länder bzw. Gemeinden. An den AHS und BMHS kommen dagegen alle Kompetenzen dem Bund zu.

Die einheitliche Kompetenzstruktur an den Bundesschulen hält der RH für eine günstigere Ausgangsposition für eine effiziente und effektive Verwaltungsführung. Einschränkung: Die "Zwitterstellung" der Landesschulräte (diese sind zwar entgegen ihrem Namen Bundesbehörden, die Länder wirken aber an deren Aufbau mit) erhöhe auch hier die "Systemkomplexität".

Einmal mehr prüfte der RH auch die Entwicklungen der Schüler- bzw. Personalzahlen an den Schulen. Ergebnis: Im Bundesschulbereich (AHS, BMHS) sind zwischen 2008/09 und 2012/13 trotz leicht rückläufiger Schülerzahlen (minus zwei Prozent) die Zahl der Lehrerstellen (Vollzeitäquivalente) um drei Prozent und die Lehrer-Personalausgaben um 13 Prozent gestiegen. Grund sind die Schaffung von zusätzlichen Klassen sowie Gehaltserhöhungen und "Struktureffekte" aufgrund des hohen Durchschnittsalters der Lehrer.

Insgesamt kamen 2008/09 10,86 Schüler auf einen Lehrer an einer Bundesschule (Vollzeitäquivalent), 2012/13 waren es nur mehr 10,12. Das liegt unter dem OECD-Schnitt (rund 14 Schüler pro Lehrer-Planstelle). Dies deute auf "mit Lehrerpersonalressourcen überdurchschnittlich gut ausgestattete Bundesschulen" hin, so der RH. Gleichzeitig räumte er ein, dass dabei eine Reihe unterschiedlicher Faktoren zu berücksichtigen seien: die durchschnittliche Klassengröße, die Unterrichtszeit der Schüler im Vergleich zum Arbeitstag der Lehrer, die Höhe der Lehrverpflichtung sowie die Praxis des Teamunterrichts.

Diese Entwicklung muss aber nicht unbedingt heißen, dass die Lehrer jetzt mehr Zeit für die Schüler haben: Zwar ist die Zahl der Pädagogen gestiegen - gleichzeitig sank aber die Zahl der "Nicht-Lehrer" an den Schulen, das ist vor allem das Verwaltungspersonal. Das hat einerseits damit zu tun, dass Putzaufgaben ausgelagert und mittlerweile oft als Sachausgaben geführt werden. Andererseits gibt es in Österreich aber grundsätzlich nur sehr wenige "Nicht-Lehrer": Dies sei darauf zurückzuführen, dass für Verwaltungsaufgaben wie Administration, Bibliotheks- oder IT-Betreuung Lehrer herangezogen werden. Der RH empfiehlt daher einmal mehr, diese Aufgaben von Verwaltungsbediensteten durchführen zu lassen - das entlaste die Pädagogen und käme noch dazu günstiger. Insgesamt seien so Einsparungen von jährlich 13 Mio. Euro möglich.

(schluss) aku;ks

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen