Mittwoch, 17. Dezember 2014

2014.12.18: Newsletter Bildung

Die Presse – 18. Dezember 2014

 

 

Schule: Spätstart für Verhandlungen

Erst ab 16. Jänner wird koalitionsintern über das Thema Bildung diskutiert.

Während sich die rot-schwarze Regierung in puncto Steuerreform mit dem 17.März 2015 bereits eine fixe Deadline gesetzt hat, ist man im Bereich Bildung schon froh, überhaupt einen ersten Verhandlungstermin gefunden zu haben. Die Bildungsreformkommission der Regierung soll am 16.Jänner 2015 erstmals zusammentreffen.

Eingeladen haben dazu Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) und Wissenschaftsstaatssekretär Harald Mahrer (ÖVP). Neben diesen beiden werden noch zwei weitere Vertreter des Bundes teilnehmen: Für die SPÖ ist das Kanzleramtsminister Josef Ostermayer, für die ÖVP Innenministerin Johanna Mikl-Leitner. Für die Länder nehmen ebenso vier Verhandler am Tisch Platz: Burgenlands Hans Niessl, Kärntens Peter Kaiser (beide SPÖ) sowie Niederösterreichs Erwin Pröll und Salzburgs Wilfried Haslauer (beide ÖVP).

Dass es die Bildungsreformgruppe (obwohl sie genauso wie die Steuerreformgruppe am 15.Oktober eingesetzt wurde) nicht geschafft hat, noch 2014 ihre Verhandlungen aufzunehmen, liegt mitunter an den Ländern. Diese haben ihre Nominierten nämlich erst Mitte November offiziell abgesegnet.

Über diesen verspäteten Start dürften die Verantwortlichen aber gar nicht unglücklich sein. Immerhin wollen sie in ihren Verhandlungen zum Teil auf den ausgearbeiteten Reformvorschlägen und Sparideen der sogenannten Bund-Länder-Expertengruppe aufbauen. Diese achtköpfige Verhandlungsgruppe – der unter anderem Sektionsleiter, Landesschulratspräsidenten und der Bildungssprecher der Industriellenvereinigung angehören – wird sich im Jänner und Februar noch zu Klausuren treffen und Ende März einen fertigen Bericht vorlegen.

Bildungsministerin Heinisch-Hosek hat sich für den Jahresbeginn auch etwas anderes vorgenommen: Sie wird eine Tour durch alle Bundesländer starten, um die Gesprächsbasis mit ihnen zu verbessern.

 

 

Die Presse – 18. Dezember 2014

 

 

Schule: Raiffeisen muss Werbepraktiken ändern

Schüler wurden im Unterricht dazu aufgefordert, ein Konto zu eröffnen und sich dafür ein Geschenk abzuholen.

Die Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien muss bestimmte Werbepraktiken an Schulen einstellen. Dazu hat sich das Institut in einem Unterlassungsvergleich verpflichtet. Unter anderem wurden etwa Schüler direkt in der Unterrichtsstunde aufgefordert, ein Konto zu eröffnen und sich dafür gegen die Überlassung von Daten ein Geschenk abzuholen.

Laut dem Verein für Konsumteneninformation (VKI), der im Auftrag des Sozialministeriums die Bank klagte, ermöglichten "Sponsoringvereinbarungen" mit den Schulen im Wert von 2000 Euro pro Jahr einen umfassenden Marketingauftritt. Neben dem Anbringen von Plakaten im Schulgebäude und bei Veranstaltungen waren dabei auch Werbeauftritte im Umfang von bis zu zehn Unterrichtsstunden inkludiert. Dabei wurde direkt in den Schulstunden in Unterstufenklassen für das Juniorkonto der Bank geworben.

Daten der Schüler abgefragt

Unter anderem wurden die Zehn- bis 14-Jährigen aufgefordert, mit ihren Eltern die nächste Filiale aufzusuchen, um sich dort kostenlos einen Rucksack bzw. eine "Junior-Card" zu holen. Gleichzeitig wurden Bögen verteilt, auf denen die Schüler ihre Daten bekanntgeben bzw. deren Verwendung für Marketingzwecke zustimmen sollten. Untermalt wurden die Schulbesuche zum Teil durch Auftritte eines komplett mit den versprochenen Rucksäcken zugepflasterten Mitarbeiters.

In dem der APA vorliegenden Vergleich verpflichtet sich die Bank, es zu unterlassen, "Schüler der Unterstufe der Mittelschule direkt, insbesondere im direkten Gespräch in Schulstunden oder durch Verteilung von Werbematerial an die Schüler in den Schulen, aufzufordern, bei Raiffeisenbanken ein Konto, insbesondere ein Taschengeldkonto, zu eröffnen....". Gleiches gilt für das Versprechen eines für die Schüler attraktiven Geschenks, wenn die Kinder dieses nur erhalten, wenn sie der Bank ihre persönlichen Daten für Marketingzwecke zur Verfügung stellen bzw. ihre Freunde dazu veranlassen.

Werbung an Schulen ist grundsätzlich erlaubt

Schulsponsoring bzw. Werbung an Schulen ist grundsätzlich erlaubt. Das Schulunterrichtsgesetz macht dazu nur sehr allgemeine Vorgaben: "In der Schule, bei Schulveranstaltungen und bei schulbezogenen Veranstaltungen darf für schulfremde Zwecke nur dann geworben werden, wenn die Erfüllung der Aufgaben der österreichischen Schule (Paragraph 2 des Schulorganisationsgesetzes) dadurch nicht beeinträchtigt wird." Letztlich müssen die Direktoren entscheiden, welche Werbemaßnahmen sie zulassen oder nicht. Im konkreten Fall ortete der VKI aber einen Verstoß gegen das Gesetz gegen Unlauteren Wettbewerb (UWG).

"Wenn die für Bildung vorgesehene Unterrichtszeit für Werbezwecke missbraucht wird, ist ganz klar eine Grenze überschritten", so VKI-Juristin Ulrike Docekal in einer Aussendung. "Im konkreten Fall handelt es sich nicht nur um eine klar aggressive Geschäftspraktik, die in dieser Form europaweit einzigartig sein dürfte." Sie hält weitere Maßnahmen gegen überbordende Schulwerbung und Kontrollen für "dringend geboten".

 

 

"Kleine Zeitung" vom 18.12.2014                             Seite: 14

Ressort: Bundesland-Thema

 

Steiermark

 

Ein Drittel der Schularbeiten negativ

 

Die Fünfer-Flut bei der standardisierten Mathe-Modellschularbeit lässt bei Achtklasslern und Eltern die Wogen hochgehen. Die Schüler steigen jetzt auf die Barrikaden.

 

   BERND HECKE

 

   Sie können sich nicht vorstellen, welcher Druck auf unseren Kindern in der Schule derzeit lastet“, machte sich eine Mutter gestern am Telefon bei uns Luft, deren Tochter bei der heiß umstrittenen Modellschularbeit in Mathematik (wir berichteten) einen Fleck ausgefasst hatte. Sieben Jahre hätten diese Kinder auf eine Auszeichnung hingearbeitet, dank der Experimente des Bildungsministeriums und des Bundesinstituts für Bildungsforschung rund um die Zentralmatura sei dieser Traum nun geplatzt.

 

   Auch Hannes Urdl, vierfacher Vater mit einer Tochter im Maturajahrgang, ist über die Tendenz im Schulwesen entsetzt: „Meine Tochter hat diese Schularbeit zwar geschafft, aber es ist trotzdem ein Wahnsinn, wie es derzeit an den Schulen zugeht.“ Er kritisiert das standardisierte Stoff-Fressen und Abprüfen: „Der humanistische Zugang, auch eine gute Allgemeinbildung ist schon ganz verloren gegangen.“

 

   Schlechte Notenbilanz

 

   In der Steiermark hat man sich einen Überblick über den Ausgang der Modellschularbeit verschafft. Der Landesschulrat wollte die Zahlen gestern nicht kommentieren, weil erst für heute die vollständige Statistik erwartet werde. Doch die vorläufige Bilanz, die uns schon vorliegt, fällt jedenfalls mies aus: Landesweit haben sich 38 Klassen (mit 784 Schülern) dem Testlauf für die Zentralmatura unterzogen. Es gab nur 22 Sehr gut. Dafür am anderen Ende der Skala 252 Nicht genügend. Der Direktor des Grazer BG/BRG Kirchengasse Reinhard Gande kennt die Tendenz und die sei signifikant schlechter als üblich.

 

   Aber nicht nur bei Eltern gehen die Emotionen hoch. Gestern sind 300 Schüler bei einem von der Schülerbewegung Progress organisierten Protest-Flashmob vor dem Grazer Hauptbahnhof auf die Barrikaden gestiegen. AHS-Landesschulsprecher Lukas Steiner formulierte die Forderungen: „Wir fordern das Bifie auf, auf das Resultat dieser Modellschularbeit zu reagieren. Diese ewig langen mathematischen Textangaben, die nur darauf abzielen zu verwirren, müssen überarbeitet werden.“ Außerdem sei bei der standardisierten Schularbeit ein zu großer Wissensstand vorausgesetzt worden. Die Schüler kämpfen aber auch um ihre Vorbereitungsstunden für die mündliche Matura, die von bisher bis zu zwölf auf höchstens vier zusammengestrichen worden sind.

 

   In dieselbe Kerbe schlägt die Schülerunion Steiermark, die gestern in einem offenen Brief an Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek mehr Vorbereitungsstunden einfordert.

 

   Akuter Handlungsbedarf

 

   Nachdem die miserablen Noten nun am Tisch liegen, ist auch Landesschulratspräsidentin Elisabeth Meixner betroffen: „Hier läuft offenbar wirklich etwas schief. Und das, obwohl ja ausgewiesene Experten an der Zentralmatura gearbeitet und alles auch mit den pädagogischen Hochschulen und den Ländern abgestimmt und vorbereitet haben.“ Der kritische Punkt in Meixners Analyse: „Wir haben über Jahre die Schulautonomie forciert, überall gab es eigene Schwerpunktsetzungen.“ Das sei oft auch gut gewesen, räche sich aber jetzt bei der Standardisierung, weil alle über einen Kamm geschoren würden.

 

   Dramatisch stelle sich die Situation in den Oberstufenrealgymnasien dar (Borg), so Meixner: „Hier gibt es auch Kinder aus den Neuen Mittelschulen, viele mit Migrationshintergrund.“ Für diese könnten standardisierte Aufgabenstellungen zum Knock-out-Kriterium aus dem Schulsystem werden. Meixner will, wenn die Endergebnisse auf dem Tisch liegen, auf jeden Fall die Ministerin damit konfrontieren.

 

 

"Kleine Zeitung" vom 18.12.2014                             Seite: 14

Ressort: Bundesland-Thema

 

Steiermark

 

DREI FRAGEN AN . . .

 

1.Herr Direktor, die erste Notenbilanz des Probegalopps für die...

 

   1.Herr Direktor, die erste Notenbilanz des Probegalopps für die Mathe-Zentralmatura liegt am Tisch. Ist sie signifikant schlechter als üblich?

 

   REINHARD GANDE: Es gibt vergleichsweise sehr wenige Sehr gut und überdurchschnittlich viele Befriedigend, Genügend und Nicht genügend. Das ist sicher signifikant schlechter.

 

   2.Wo liegt denn jetzt das Problem?

 

   GANDE: Die Schüler klagen, sie hätten Übungsbeispiele von der Bifie-Homepage gerechnet und sich gut vorbereitet, aber diese bei der Schularbeit nicht wiedergefunden. Und dann gibt es die wirklich sehr langen, komplizierten Angaben. Ich bin kein Mathematiker und ich habe mir die angeschaut. Die Texte sind – auch wenn das Logische und die mathematische Aufgabe eigentlich nicht so schwer sind –, schwer zu verstehen. Migranten haben da kaum eine Chance.

 

   3.Ist es Zeit, die Notbremse zu ziehen?

 

   GANDE: Nein, prinzipiell hat sich ja auch gezeigt, dass die Schularbeit schon machbar war. Ich bin schon für die standardisierte Reifeprüfung, aber man wird bei den Beispielen und der Strukturierung der Angaben nachjustieren müssen. Das Niveau sollte man dabei nicht senken. Das hat schon gepasst.

 

 

"Kleine Zeitung" vom 18.12.2014                             Seite: 12

Ressort: Bundesland

 

BERND HECKE

 

Steiermark

 

AUFWECKER

 

Faire Chance

 

   Den Eltern der angehenden Maturanten bricht es das Herz. Sie sehen, wie der Druck auf ihre Kinder wächst. Ist die Reifeprüfung seit jeher ein Härtetest für junge Menschen, so trifft es den Jahrgang 2014/15 mit doppelter Härte. Nach der Fünfer-Orgie bei der Mathe-Modellschularbeit brechen alle Dämme. Mütter und Väter meldeten sich gestern entsetzt, weil ihre Vorzugsschüler daheim zu verzweifelten Nachhilfefällen geworden sind.

 

   Diese Jugendlichen sind Opfer einer Expertenreform, die im Bereich der Gymnasien alle über einen Kamm schert. Selbst wenn es bei Schulen Unterschiede gibt, zwischen naturwissenschaftlichen oder sprachlich orientierten Häusern, zwischen Bundesgymnasien und Oberstufenrealgymnasien. Ziel ist es, der Reifeprüfung einen einheitlichen Bildungsstandard zugrunde zu legen.

 

   Ein einheitliches, gutes Bildungsniveau ist als Ziel weiterzuverfolgen. Aber jetzt müssen die Experten die betroffenen Menschen im Fokus haben, die sich längst als Versuchskaninchen missbraucht fühlen. Nein, man soll den „Zentralmaturanten“ nichts schenken. Aber ihnen eine faire Chance geben.

 

   Sie erreichen den Autor unter

 

   bernd.hecke@kleinezeitung.at

 

 

Der Standard – 18. Dezember 2014

 

 

Bankenwerbung an Schulen: Raiffeisen muss Werbepraktiken ändern

In "Sponsoringvereinbarungen" waren auch Werbeauftritte im Umfang von bis zu zehn Unterrichtsstunden inkludiert

Wien - Die Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien muss bestimmte Werbepraktiken an Schulen einstellen. Dazu hat sich das Institut in einem Unterlassungsvergleich verpflichtet. Unter anderem wurden Schüler direkt in der Unterrichtsstunde aufgefordert, ein Konto zu eröffnen und sich gegen die Überlassung ihrer Daten ein Geschenk abzuholen.

Marketingauftritt

Laut dem Verein für Konsumteneninformation (VKI), der im Auftrag des Sozialministeriums die Bank klagte, ermöglichten "Sponsoringvereinbarungen" mit den Schulen im Wert von 2.000 Euro pro Jahr einen umfassenden Marketingauftritt. Neben dem Anbringen von Plakaten im Schulgebäude und bei Veranstaltungen waren dabei auch Werbeauftritte im Umfang von bis zu zehn Unterrichtsstunden inkludiert. Dabei wurde direkt in den Schulstunden in Unterstufenklassen für das Juniorkonto der Bank geworben.

Unter anderem wurden die Zehn- bis 14-Jährigen aufgefordert, mit ihren Eltern die nächste Filiale aufzusuchen, um sich dort kostenlos einen Rucksack beziehungsweise eine "Junior-Card" zu holen. Gleichzeitig wurden Bögen verteilt, auf denen die Schüler ihre Daten bekanntgeben beziehungsweise deren Verwendung für Marketingzwecke zustimmen sollten. Untermalt wurden die Schulbesuche zum Teil durch Auftritte eines komplett mit den versprochenen Rucksäcken zugepflasterten Mitarbeiters.

Taschengeldkonto eröffnen

In dem der APA vorliegenden Vergleich verpflichtet sich die Bank, es zu unterlassen, "Schüler der Unterstufe der Mittelschule direkt, insbesondere im direkten Gespräch in Schulstunden oder durch Verteilung von Werbematerial an die Schüler in den Schulen, aufzufordern, bei Raiffeisenbanken ein Konto, insbesondere ein Taschengeldkonto, zu eröffnen". Gleiches gilt für das Versprechen eines für die Schüler attraktiven Geschenks, wenn die Kinder dieses nur erhalten, wenn sie der Bank ihre persönlichen Daten für Marketingzwecke zur Verfügung stellen beziehungsweise ihre Freunde dazu veranlassen.

Werbung an Schulen grundsätzlich erlaubt

Schulsponsoring beziehungsweise Werbung an Schulen ist grundsätzlich erlaubt. Das Schulunterrichtsgesetz macht dazu nur sehr allgemeine Vorgaben: "In der Schule, bei Schulveranstaltungen und bei schulbezogenen Veranstaltungen darf für schulfremde Zwecke nur dann geworben werden, wenn die Erfüllung der Aufgaben der österreichischen Schule (Paragraf 2 des Schulorganisationsgesetzes) dadurch nicht beeinträchtigt wird." Letztlich müssen die Direktoren entscheiden, welche Werbemaßnahmen sie zulassen. Im konkreten Fall ortete der VKI einen Verstoß gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb.

VKI: "Aggressive Geschäftspraktik"

"Wenn die für Bildung vorgesehene Unterrichtszeit für Werbezwecke missbraucht wird, ist ganz klar eine Grenze überschritten", sagte VKI-Juristin Ulrike Docekal. "Im konkreten Fall handelt es sich nicht nur um eine klar aggressive Geschäftspraktik, die in dieser Form europaweit einzigartig sein dürfte." Sie hält weitere Maßnahmen gegen überbordende Schulwerbung und Kontrollen für "dringend geboten".

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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