Freitag, 30. Januar 2015

Bildungs-Newsletter vom 30. Jänner 2015, 3.Teil


 

Ö1 Mittagsjournal 12:00 vom 30.01.2015 12.00 Uhr

 

Initiative "AusBildung bis 18"

 

Arnim-Ellissen Hubert (ORF)

   Pflichtschulausbildung reicht heutzutage kaum zur beruflichen Entwicklung.

   Wer nicht ständig von Arbeitslosigkeit bedroht sein will, muss sich

   weiterbilden. Diese Botschaft will die Regierung jungen Menschen klarmachen

   und hat deshalb heute gemeinsam mit den Sozialpartnern die Initiative

   "AusBildung bis 18" ins Leben gerufen - wobei das Binnen-B wichtig ist:

   Ausbildung und Bildung sind zwei Schuhe für ein Paar, mit dem man durchs

   Leben geht. Ellen Lemberger war für uns bei der Auftaktveranstaltung in

   einem Wiener Hotel dabei:

 

Lemberger Ellen (ORF)

   Arbeiterkammerpräsident Rudolf Kaske bringt das Problem von jungen Menschen

   auf den Punkt. Eine Ausbildung über die Pflichtschule hinaus sei notwendig:

 

Kaske Rudolf (Arbeiterkammer Wien)

   Weil die Arbeitslosenquote bei jenen, die maximal Pflichtabschluss haben,

   rund 23 Prozent ausmachen von der Gesamtarbeitsquote, währenddessen jene

   Jugendliche, die weiterführende Schulen besuchen beziehungsweise eine

   weiterführende Ausbildung haben, die Arbeitslosenquote maximal drei bis

   sieben Prozent ist.

 

Lemberger Ellen (ORF)

   Die Regierung und die Sozialpartner haben deshalb heute die Initiative

   "AusBildung bis 18" ins Leben gerufen. Sie will ein Bewusstsein bei

   Jugendlichen schaffen, wie wichtig eine weiterführende Ausbildung ist, sagt

   Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek. Für Familienministerin Sophie

   Karmasin geht es auch um so genannte Soft Skills:

 

Karmasin Sophie (parteilos)

   Motivation von jungen Menschen, die in der Jugendarbeit sehr vieles

   nonformales Lernen - wie Kreativität, aber ganz besonders wichtig auch die

   Eigeninitiative und die Wirksamkeit ihrer Handlungen und ihrer Aktivitäten.

   Das ist ein wichtiger Kompetenzfaktor im Laufe eines Ausbildungs- und

   Berufseinstiegs.

 

Lemberger Ellen (ORF)

   Sozialminister Rudolf Hundstorfer richtet sich direkt an die Jugendlichen:

 

Hundstorfer Rudolf (SPÖ)

   Nur mit Pflichtschule alleine ist es zu wenig in die Zukunft gerichtet und

   darum - wissend dass natürlich die Lebenswege dann wie immer gestaltet sein

   werden. Aber wenn der Startschuss mit einer Ausbildung versehen ist, ist es

   immer noch besser als ohne Ausbildung.

 

Lemberger Ellen (ORF)

   Vizekanzler und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner kündigt Schulungen

   und Modul-Ausbildungen an, die insbesondere für Niedrig-Qualifizierte und

   Schulabbrecher gedacht sind.

 

Mitterlehner Reinhold (ÖVP)

   Das sind diejenigen, die bis jetzt eher eine Hilfsarbeitertätigkeit oder gar

   keine Ausbildung gemacht haben. Da müssen wir entsprechende Angebote

   machen, die modulartig dann in der Lage sind, eine Weiterentwicklung zu

   gewährleisten.

 

Lemberger Ellen (ORF)

   Eine bessere Ausbildung komme nicht nur den Jugendlichen selbst zugute,

   sondern auch der Wirtschaft, sagt die Generalsekretärin der

   Wirtschaftskammer, Anna Maria Hochhauser.

 

Hochhauser Anna-Maria (WKO - Wirtschaftskammer Österreich)

   Unsere größte Herausforderung ist der Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit und

   die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit. Das heißt, unsere Ressourcen und

   unsere Initiativen müssen gehen hin in Richtung Produktivität und in

   Richtung Innovationskraft und damit ist die Kreativität und die

   Qualifikation unserer Menschen die größte Ressource, die wir haben.

 

Lemberger Ellen (ORF)

   Das Arbeitsmarktservice werde dabei behilflich sein, Ausbildungsmodule und

   Schulungen zu entwickeln und sie anbieten, sagt AMS-Chef Johannes Kopf.

 


 

OTS0159 II 30.01.2015 13:54:54

 

"AusBildung bis 18" - Heinisch-Hosek/Hundstorfer: Wer gut ausgebildet ist, hat die besseren Chancen

Utl.: Weiterführende Bildung nach der Pflichtschule für alle Jugendlichen

 

Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek und Sozialminister Rudolf Hundstorfer nahmen am Freitag an der Auftaktveranstaltung "AusBildung bis 18" im Austria Trend Hotel Park Royal Palace teil, um das neue Modell der Ausbildung bis 18 vorzustellen. "Wer gut ausgebildet ist, hat einfach bessere Chancen. Diese Chancen wollen wir allen jungen Menschen in Österreich ermöglichen", betonte Hundstorfer. Ab dem Schuljahr 2016/2017 soll jeder Jugendliche nach der Pflichtschule eine weiterführende Bildung oder Ausbildung, wie eine mittlere oder höhere Schule oder eine Lehrausbildung absolvieren. "93 Prozent der Jugendlichen wählen nach der Pflichtschule bereits den weiterführenden Weg. Um die sieben Prozent, die hier nicht erfasst sind, geht es heute", sagte Heinisch-Hosek. ****

Ein Pflichtschulabschluss alleine sei oft zu wenig, betonte der Sozialminister: "Von den Menschen, die lediglich einen Pflichtschulabschluss haben, war letztes Jahr jeder vierte arbeitslos." Beim Modell "AusBildung bis 18" gehe es nicht um Zwang und Sanktionen, sondern um "Angebot, Unterstützung, Beratung und Hilfestellung", so Hundstorfer. "Wir müssen den Menschen zuerst den Weg aufzeigen, erst ganz am Schluss kann man über Sanktionen reden." Weiters sei das Thema wichtig für die Integration: "Wenn wir junge Menschen, die zu uns gekommen sind, nicht der Perspektivlosigkeit überlassen, ist das ein wesentlicher Beitrag zur Integration", ist Hundstorfer überzeugt. Auch benachteiligten Jugendlichen stünden die bewährten Programme wie Produktionsschulen und die überbetriebliche Lehrausbildung zur Verfügung.

Heinisch-Hosek forderte den Ausbau von Berufsorientierungsangeboten. "Berufsorientierung muss so zeitig wie möglich stattfinden. In den neuen Mittelschulen ist sie schon verpflichtend. Wir müssen die Jugendlichen auf die Schnittstellen so gut vorbereiten, dass sie den für sie richtigen Weg finden." Man müsse hier mit den Sozialpartnern gute Programme hervorbringen und an die Schulen bringen. Heinisch-Hosek betonte außerdem, dass man bei der Ausbildung nach der Pflichtschule neue, kompetenzorientierte Modelle entwickeln müsse: "Ich möchte die Praxishandelsschule hervorheben, die als Schulversuch angefangen hat und jetzt im Regelschulwesen ist." Davor gab es in der normalen Handelsschule Abbruchquoten von über 50 Prozent, mit der Praxishandelsschule sind es nur noch ca. 17 Prozent. Wichtig sei auch die Initiative Erwachsenenbildung, im Rahmen derer auch viele unter 18-jährige ihren Pflichtschulabschluss nachholen und Basisbildung erwerben.

Die Bildungsministerin betonte auch die Wichtigkeit der Zusammenarbeit von Bund, Ländern und den verschiedenen Ressorts. Das Bildungsministerium werde sich in Zukunft vermehrt der Polytechnischen Schule, die eine gute Orientierung darstellt, und der Erwachsenenbildung widmen und außerdem gerade jungen Mädchen mit der demnächst online gehenden Internetplattform "Mädchen formen die Technik" die Auswahl an Ausbildungsmöglichkeiten aufzeigen. (Schluss) ve/eg

Rückfragehinweis: SPÖ-Bundesorganisation, Pressedienst, Löwelstraße 18, 1014 Wien  Tel.: 01/53427-275 http://www.spoe.at/impressum

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/195/aom

 


 

Ö1 Mittagsjournal 12:00 vom 30.01.2015 12.00 Uhr

 

Pflichtfach Politische Bildung an Schulen

 

Arnim-Ellissen Hubert (ORF)

   Wie umgehen mit Schülerinnen und Schülern, die sich nicht ausreichend in das

   österreichische Schulsystem integrieren wollen? Auch das ein Teilaspekt des

   Integrationsproblems in Österreich. Von Verwaltungsstrafen und mehr oder

   minder sanftem Druck ist in diesen Tagen da jetzt schon viel die Rede, aber

   auch von Unterstützung. Die Regierungsparteien erneuern ihr Bekenntnis zu

   mehr politischer Bildung an den Schulen. Im Regierungsprogramm aus dem Jahr

   2013 steht der Ausbau dieses Faches ja noch recht vorsichtig formuliert -

   aber immerhin - drinnen, jetzt soll der Ausbau, so zumindest die Aussagen

   der Regierung, beschleunigt werden. Wolfgang Werth berichtet:

 

Werth Wolfgang (ORF)

   Im Regierungsprogramm steht zu lesen, dass Poltische Bildung zumindest ein

   sogenanntes Pflichtmodul des Geschichte- und Sozialkundeunterrichts werden

   soll, und zwar ab der 6. Schulstufe, soll heißen, zweite Klasse Haupt-,

   beziehungsweise Mittelschule oder Gymnasium. Jetzt, ein gutes Jahr später,

   legen sowohl Rot als auch Schwarz nach: Erstens schon ab der 5. Schulstufe

   und zweitens als eigenes Pflichtfach. Integrationsminister Sebastian Kurz,

   ÖVP, hat das vor kurzem - unter anderem - im Ö1-Morgenjournal verlangt, und

   auch Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek, SPÖ, ist dafür. Sie

   kündigt auf Anfrage auch gleich Verhandlungen an.

 

Heinisch-Hosek Gabriele (SPÖ)

   Der nächste Schritt wäre natürlich, dass ich an den Herrn Finanzminister

   herantrete - das werde ich demnächst tun - und einmal abklopfe und

   sondiere, wie es mit einer Sonderdotierung ausschaut. Politische Bildung

   wird ja für das kommende Schuljahr als Pflichtmodul ohnehin vorbereitet,

   und wenn wir es noch erweitern könnten, dann wäre ich froh - also demnächst

  beginnen zu verhandeln.

 

Werth Wolfgang (ORF)

   Eine Stunde Politische Bildung für einen ganzen Schülerinnen- und

   Schülerjahrgang kostet 100 Millionen Euro, sagt Ministerin Heinisch-Hosek.

   Und wer soll unterrichten?

 

Heinisch-Hosek Gabriele (SPÖ)

   Die Pädagoginnen/Pädagogen sind in den Schulen, und dann müsste man

   natürlich nachdenken, das ist ja auch der Wunsch, von außen sich

   Expertinnen/Experten für politische Bildung einzuladen. Und diese Kosten

   müssten dann getragen werden. Aber ansonsten, das Personal ist da. Aber die

   Experten/Expertinnen von außen, die gibt es ja jetzt schon, und die könnte

   man dann dazu holen - keine Frage.

 

Werth Wolfgang (ORF)

   Zu besprechen sei auch noch, sagt die Unterrichtsministerin, ob die

   "Politische Bildung"-Stunden für die Schülerinnen und Schüler zusätzlich

   zum bisherigen Unterricht gehalten werden, oder ob, und welche anderen

   Unterrichtsfächer reduziert werden.

 


 

APA0321 II, WI, XI 30.01.2015 12:59:41

 

Regierung will reinen Pflichtschulabschluss zum Auslaufmodell machen

Utl.: Alle Unter-18-jährigen sollen über Pflichtschule hinausgehenden Abschluss machen - Reform des Ausbildungssystems bis 2016 - Auftaktveranstaltung in Wien

 

"Der Pflichtschulabschluss alleine ist zu wenig." Das sehe man daran, dass die Arbeitslosenquote unter Menschen ohne weitere Ausbildung deutlich erhöht ist, so Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) anlässlich der Auftaktveranstaltung der Regierungsinitiative "AusBildung bis 18" heute, Freitag, in Wien. Momentan absolvieren rund 5.300 Schüler pro Jahrgang nur die Pflichtschule.

Im kommenden Jahr soll es eine Reform des Ausbildungssystems geben. Dazu bekannten sich neben Hundstorfer auch Vizekanzler und Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP), Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) und Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP). Man wolle mit einem Bündel an Angeboten auf die Jugendlichen zugehen, die "drohen, aus dem System zu kippen oder bereits gekippt sind", hieß es.

Zwang sollte jedenfalls keiner hinter den Maßnahmen stehen. Man rede über Angebote, Unterstützung und Hilfeleistung und "erst ganz am Schluss" über mögliche Sanktionen, so Hundstorfer. Man dürfe "Jugendliche nicht in der Perspektivlosigkeit lassen". Dabei gehe es auch - aber bei weitem nicht nur - um Integration.

Laut Mitterlehner gilt es zwei Gruppen zu erreichen: Diejenigen, die aus körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen Ausbildungen nicht oder nur eingeschränkt bewältigen können und solche, die das zwar könnten, sich aber aus dem System herausnehmen oder herausgenommen werden. Hier brauche es "niederschwellige Angebote", die einen Ein- oder Wiedereinstieg ermöglichen, so der Vizekanzler.

An den Schulen gehe es darum, Schnittstellen besser vorzubereiten. Im Zentrum stehe jener Übergang um die 8. und 9. Schulstufe, erklärte Heinsch-Hosek. An den Neuen Mittelschulen (NMS) sei die Berufsorientierung bereits Pflicht, an AHS gebe es in dieser Richtung noch Verbesserungspotenzial. Die Bildungsministerin erhofft sich, durch die im kommenden Jahr starteten Initiativen die Drop-out-Quote von aktuell etwa sieben Prozent zu halbieren.

Um das zu erreichen, gelte es auch "die Jugendarbeit stärker mit den Schulen zu vernetzen", zeigte sich Karmasin überzeugt. Auch ein in Irland im Schulsystem integriertes sogenanntes "Transition-Year" oder "Zwischenjahr", in dem Schüler sich ohne Prüfungsstress der Berufsorientierung widmen, "könnte man diskutieren", sagte sie.

 


 

Mit freundschaftlichen Grüßen

 

Kurt Schober

Klubsekretär

SPÖ-Parlamentsklub

01/40110-3569

0664 / 44 45 005

kurt.schober@spoe.at

 

Bildungs-Newsletter vom 30. Jänner 2015 2.Teil


 

APA0207 II, XI 30.01.2015 11:21:27

 

Integration: Heinisch-Hosek offen für "Nachschärfungen"

Utl.: "Derzeit sehr emotionale Debatte sachlicher führen"

 

Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) kann sich bei einer Verweigerung der Mitwirkung von Eltern im Schulbereich "Nachschärfungen" vorstellen. Sie lasse sich konkret auch gerade die in den Bundesländern gesammelten Zahlen zum Schulschwänzen für das Jahr 2014 und vor allem die "Extremfälle" ausheben, hieß es aus dem Ministerium gegenüber der APA.

Seit dem Schuljahr 2013/14 gibt es ein neues Verfahren bei Schulpflichtverletzungen, das "im Fall des nicht regelmäßigen Schulbesuchs im Ausmaß von fünf Tagen, 30 Unterrichtsstunden in einem Semester oder drei aufeinander folgenden Tagen unentschuldigten Fernbleibens vom Unterricht" in Gang gesetzt wird. Ein fünfteiliger Stufenplan sieht dann zunächst verpflichtende Gespräche mit Eltern und Schülern sowie die Einschaltung von Direktor, Schulpsychologen, Schulaufsicht und eventuell Jugendwohlfahrt vor. Hilft das alles nicht, können Verwaltungsstrafen bis 440 Euro verhängt werden.

Ob es konkret im Bereich der Schulpflichtverletzungen zu Änderungen komme, will Heinisch-Hosek aber noch offenlassen. Schon jetzt sei die Mitwirkungspflicht von Eltern durchaus in den Schulgesetzen geregelt. Für weitere Gespräche sei sie bereit - mit Landesschulrats-Präsidenten und Schulpartnern habe sie solche auch bereits geführt. Wichtig sei es aber auch, "die derzeit sehr emotionale Debatte sachlicher zu führen".

In absoluten Zahlen wurden übrigens 2013 im schülerstärksten Bundesland Wien auch die meisten Strafen wegen Schulpflichtverletzungen ausgesprochen: Insgesamt gab es in der Bundeshauptstadt 880 Straferkenntnisse bzw- -verfügungen. Bereits auf Platz zwei folgte überraschend das wesentlich schülerärmere Bundesland Salzburg mit 449 Strafen, gefolgt von Oberösterreich (399) und dem ebenfalls eher kleinen Vorarlberg (182). Niederösterreich kam auf 150 Strafen, Kärnten auf 119, Tirol auf 112, die Steiermark auf 57 und das Burgenland auf lediglich fünf.

 


 

OTS0059 II, WI 30.01.2015 10:29:51

 

Auftaktveranstaltung: "AusBildung bis 18" - alle gemeinsam für die Zukunft unserer Jugend - BILD

Utl.: Gemeinsamer Reformprozess von Ressorts, Bundesländern und Sozialpartnern gestartet - Auftakt mit Hundstorfer, Mitterlehner, Heinisch-Hosek und Karmasin

 

Die österreichische Bundesregierung will jungen Menschen bessere berufliche Chancen eröffnen und setzt daher auf die Initiative "AusBildung bis 18". Einerseits wird dadurch die Jugendarbeitslosigkeit bekämpft, andererseits dem Wunsch der Unternehmen nach gut ausgebildeten jungen Menschen entsprochen. "Wer gut ausgebildet ist, hat einfach bessere Chancen; diese Chancen wollen wir allen jungen Menschen in Österreich ermöglichen. Eine Ausbildungspflicht für 15- bis 18-Jährige ist daher ein ganz entscheidender Punkt auch für die Zukunft unseres Landes", sagte Sozialminister Rudolf Hundstorfer bei der Auftaktveranstaltung "AusBildung bis 18". "Mit der Ausbildungspflicht für 15- bis 19-Jährige sichern wir Wachstum und Beschäftigung. Denn der Wirtschaftsstandort Österreich ist von gut ausgebildeten Fachkräften abhängig. Eine Lehre, mit der man zum Meister, oder über das Programm Lehre mit Matura zum Akademiker wird, schafft die Basis für eine gute Karriere ", sagt Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner. Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek setzt vor allem auf Information: "Wir haben ein vielseitiges Bildungs- und Ausbildungsangebot, das für alle etwas zu bieten hat. Die große Herausforderung ist aber Jugendlichen bei der Entscheidung über ihre weiterführende Bildungs- oder Berufslaufbahn bestmöglich zu unterstützen und zu informieren. Mein Ziel ist, dass alle, entsprechend ihrer individuellen Interessen und Stärken, den für sie besten Weg finden." Jugendministerin Karmasin strich die wichtige Rolle der Jugendarbeit bei diesem Reformprozess heraus: "In der Phase des Erwachsenwerdens spielt die Jugendarbeit eine zentrale Rolle. Sie kann insbesondere in den Bereichen der Persönlichkeitsentwicklung und der Aneignung von sozialen Kompetenzen qualitätsvolle Unterstützung leisten. Das Empowerment der jugendlichen Interessen wird durch nicht-formales und informelles Lernen in den familiären und jugendlichen Lebenswelten ermöglicht". ****

Beginnend mit dem Schuljahr 2016/2017 muss jede/r Jugendliche nach der Pflichtschule eine weiterführende Bildung oder Ausbildung absolvieren. Dies kann der Besuch einer mittleren oder höheren Schule oder eine Lehrausbildung sein. Benachteiligten Jugendlichen stehen die bewährten Programme wie Produktionsschulen und überbetriebliche Lehrausbildung zur Verfügung. Mit der Ausbildungspflicht geht es der Bundesregierung darum, vielfältige Angebote, notwendige Unterstützungen und die richtigen Anreize zu schaffen und die Verbindlichkeit der Wahrnehmung von Bildungs- und Ausbildungsangeboten zu erhöhen. Mit einer Schulpflicht von lediglich neun Jahren befindet sich Österreich derzeit international am unteren Ende der Skala; eine Verlängerung der Mindestausbildungsdauer junger Menschen ist vor dem Hintergrund steigender beruflicher und gesellschaftlicher Anforderungen erforderlich.

Während die meisten Jugendlichen nach dem Ende der neunjährigen Schulpflicht ohnehin den Schulbesuch fortsetzen oder eine Lehre absolvieren, trifft dies für eine kleine Gruppe nicht zu. Sie brechen die Schule oder die Ausbildung ab, nehmen Hilfstätigkeiten an oder ziehen sich phasenweise ganz aus den Systemen Bildung, Ausbildung und Arbeitsmarkt zurück. Ein solch schlechter Start in das Berufsleben zieht lebenslange schwerwiegende Folgen für den Betroffenen nach sich. Rund 7.000 der 15 bis 17-Jährigen finden derzeit auch nach mehreren Monaten nicht wieder den Anschluss. Insbesondere diese Jugendlichen, die bisher nicht den nachhaltigen Zugang zu weiterführender Bildung gefunden haben, sollen im Rahmen der "AusBildung bis 18" durch bedarfsgerechte Angebote darin unterstützt werden. Dies wird dadurch gewährleistet werden, dass einerseits die bereits vielfältige Angebotslandschaft besser koordiniert und effizienter genutzt wird und andererseits Angebotslücken geschlossen werden. Die dazu erforderlichen (Weiter-)Entwicklungen betreffen die Unterstützung bei der Ausbildungswahl, die Vermeidung von Bildungs- und Ausbildungsabbrüchen, die Vorbereitung auf weiterführende Ausbildungen für benachteiligte Jugendliche sowie die betriebliche und überbetriebliche Lehrausbildung.

Um das Vorhaben "Ausbildung bis 18" erfolgreich umzusetzen, gibt es daher einen Schulterschluss mehrerer Ressorts und Institutionen, die diese weitreichenden Reformen anstreben. Damit arbeitet die österreichische Bundesregierung schon jetzt an einer ressortübergreifenden Gesamtstrategie für eine zukunftsorientiere Ausbildung und Verbesserung der beruflichen Chancen unserer Jugend. Die heutige Auftaktveranstaltung ist für die federführenden Ressorts daher eher ein Etappenziel als ein Startschuss, da die Bundesministerien für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz, für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft, für Bildung und Frauen, sowie jenes für Familien und Jugend bereits seit dem Frühjahr 2014 an den Vorbereitungen dieser umfassenden Reform arbeiten. Durch die enge Zusammenarbeit der verantwortlichen Ressorts und Institutionen an der "AusBildung bis 18" werden insbesondere bildungs- und arbeitsmarktpolitische Initiativen so weiterentwickelt, dass sie sinnvoll ineinandergreifen. Die gemeinsamen Anstrengungen zielen auf ein System, in dem jeder Jugendliche das seinen Interessen und Bedürfnissen passende Bildungs- oder Ausbildungsangebot findet und die entsprechende Unterstützung, um dieses erfolgreich zu absolvieren. Die Bundesregierung ist überzeugt, mit dem Vorhaben der "AusBildung bis 18" einen Meilenstein in der Verbesserung des Ausbildungsniveaus und der Arbeitsmarktchancen junger Menschen ebenso wie für die Deckung des zukünftigen FacharbeiterInnenbedarfs der österreichischen Unternehmen zu setzen. (Schluss)

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalbild-Service sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at

Rückfragehinweis: Sozialministerium Abteilung Kommunikation und Service (AKS)
Tel.: 01-71100-2199 mailto:kommunikation@sozialministerium.at www.sozialministerium.at www.facebook.com/sozialministerium

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OTS0098 II, WI 30.01.2015 11:22:53

 

Kaske: "Ausbildung bis 18" muss Recht auf Ausbildung werden

Utl.: In der Wirtschaft sind ausreichend Lehrstellen, in den Schulen ausreichend Plätze nötig - SchulabbrecherInnen müssen weiter betreut werden

 

Der Plan der Bundesregierung, wonach alle Jugendlichen "Ausbildung bis 18" machen sollen, muss als Recht auf Ausbildung umgesetzt werden. Das verlangte AK Präsident Rudi Kaske heute in Wien auf der Auftaktveranstaltung des Sozialministeriums zum Thema. Die Wirtschaft müsse ausreichend Lehrstellen bieten, in den Schulen müsse für ausreichend Plätze gesorgt werden. Für Jugendliche, die weder in Ausbildung noch in Beschäftigung sind, seien spezielle Angebote nötig. Nicht zuletzt müssten die Schulen sich darum bemühen, dass SchulabbrecherInnen weiter betreut werden. Und, so Kaske, das bedeute, dass zusätzlich budgetäre Mittel eingesetzt werden müssen. Dafür sei der Finanzminister zuständig.

Fast die Hälfte der beim Arbeitsmarktservice vorgemerkten Arbeitslosen hat lediglich einen Pflichtschulabschluss, erinnerte Kaske. Die "Ausbildung bis 18" könne "ein wichtiger Hebel" sein, um die Chancen aller jungen Leute auf gute Arbeit zu verbessern. Dafür müssten "alle Akteurinnen und Akteure ihre Verantwortung übernehmen. Das sind vor allem die Schulen und die Betriebe, ergänzend auch die Arbeitsmarktpolitik."

Ein Schlüssel sei gute Berufsorientierung in den Schulen, sagte Kaske. Sie ist zwar in den Neuen Mittelschulen ein eigenes Pflichtfach, aber nicht im Gymnasium. Der zweite Schlüssel sei ein ausreichendes Lehrstellenangebot. Derzeit wird die Hälfte der beim Arbeitsmarktservice gemeldeten offenen Lehrstellen in nur drei Bereichen geboten - im Handel, im Tourismus und bei FrisörInnen. Kaske fordert ein breiter gefächertes Angebot. Überdies sei ein Qualitätssicherungssystem in der Lehrausbildung nötig, damit weniger Jugendliche eine Lehre abbrechen (derzeit 16 Prozent) und weniger Lehrlinge nicht bei der Lehrabschlussprüfung antreten oder beim ersten Antritt durchfallen (derzeit 25 Prozent).

Überdies müssen alle Jugendlichen, die in Gefahr sind, aus dem Ausbildungssystem herauszufallen, betreut werden. Kaske fordert an den Schulen Maßnahmen, um dem Bildungsabbruch vorzubeugen - von Früherkennung bis hin zum Jugendcoaching. Und wenn Jugendliche trotzdem eine Ausbildung abbrechen, soll dafür gesorgt werden, dass sie ein Anschlussangebot für weitere Ausbildung bekommen. Das gelte übrigens auch für Lehrbetriebe, deren Lehrlinge die Ausbildung abbrechen.

Schließlich sei die spezielle Lage zu berücksichtigen, in der sich Jugendliche ohne Ausbildung befinden können: Sie können in Warteposition auf einen Ausbildungsplatz sein, in ländlichen Regionen keinen Ausbildungsplatz in der Nähe finden oder psychisch erkrankt sein. Für sie müssen besondere Angebote entwickelt werden, ebenso für jene Jugendlichen, die weder in Ausbildung noch in Beschäftigung sind.

Rückfragehinweis: AK Wien Kommunikation Peter Mitterhuber
Tel.: (+43-1) 501 65-2347 mailto:peter.mitterhuber@akwien.at http://wien.arbeiterkammer.at

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/26/aom

 


 

OTS0026 II, CI 30.01.2015 09:17:37

Schulpartnerforum: Heinisch-Hosek und Schulpartner wollen an einem Strang ziehen

Utl.: Gemeinsam für politische Bildung und mehr Unterstützungspersonal

 

Bildungsministerin Heinisch-Hosek lud gestern die Vertreterinnen und Vertreter der Schulpartner zum ersten Treffen im neuen Jahr. "Mir ist ein wertschätzender und konstruktiver Dialog mit allen Beteiligten ein großes Anliegen", so die Ministerin, die sich für 2015 auf eine gute Zusammenarbeit freut und aktuelle Themen gemeinsam in Angriff nehmen möchte. Beim heutigen Treffen standen neben dem gestern im Unterrichtsausschuss beschlossenen Paket "Ganztägige Schulformen" und der neuen Reifeprüfung vor allem die aktuellen Maßnahmen zur De-Radikalisierung im Mittelpunkt.****

Heinisch-Hosek präsentierte die Vorhaben des Ministeriums im Kampf gegen Extremismus, wie etwa 300 Gratisworkshops im Bereich De-Radikalisierung für die Schulen, Präventionsbeamte in der LehrerInnenausbildung und Schwerpunkte bei Fortbildungsangeboten an den Pädagogischen Hochschulen. "Es freut mich, dass diese Maßnahmen auch von den Schulpartnern sehr positiv aufgenommen wurden", so die Ministerin, zeigte aber auch Verständnis für den Wunsch nach mehr: Es braucht mehr politische Bildung und mehr Unterstützungspersonal an Schulen, wie etwa SchulsozialarbeiterInnen und SchulpsychologInnen - Für die Zukunft der Jugendlichen muss es mehr Geld geben, sind sich Schulpartner und Ministerin einig.

Auch zum Thema Schulautonomie haben sich Ministerin und VertreterInnen von Eltern, SchülerInnen und LehrerInnen ausgetauscht. "Im Rahmen der Bildungsreformkommission werden wir uns ansehen, in welchen Bereichen der Schulautonomie Anpassungen und Verbesserungen möglich und gut sind und wo auch eine Stärkung sinnvoll ist", so Heinisch-Hosek. In der derzeitigen Debatte besteht häufig die Vorstellung, mit Schulautonomie könnten alle Probleme unseres Bildungssystems gelöst werden. "Ganz so einfach ist das aber nicht. Mehr Schulautonomie erfordert auch bestimmte Rahmenbedingungen", erklärt die Ministerin. "Die Erfahrungen und Ideen der Schulpartner sind dafür eine wertvolle Grundlage." (Schluss)

Rückfragehinweis:
Mag.a Veronika MARIA, Pressesprecherin Büro der Bundesministerin Gabriele Heinisch-Hosek

Tel.: +43 1 53120-5011, Mobil: +43 664 612 47 29 veronika.maria@bmbf.gv.at


Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/4920/aom

 


 

Mit freundschaftlichen Grüßen

 

Kurt Schober

Klubsekretär

SPÖ-Parlamentsklub

01/40110-3569

0664 / 44 45 005

kurt.schober@spoe.at

 

Bildungs-Newsletter vom 30. Jänner 2015

OTS0243 II, CI 29.01.2015 16:19:35

 

Heinisch-Hosek: Pädagogische Hochschulen leisten wichtige Arbeit

Utl.: Enger Kontakt mit Schulen ist Alleinstellungsmerkmal der PHs

 

Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek kann der Forderung der Industriellenvereinigung, die Pädagogischen Hochschulen in die Universitäten einzugliedern nichts abgewinnen. "Die PHs leisten einen wichtigen und unabdingbaren Beitrag, den Universitäten auf Grund ihrer Struktur in dieser Art nicht leisten können", so die Ministerin. "Für die Wissensgesellschaft brauchen wir spezialisierte Einrichtungen, die moderne Forschungsergebnisse der Pädagogik direkt mit der Praxis in den Schulen rückkoppeln können.****

Der unmittelbare Kontakt mit den Schulen ist ein Alleinstellungsmerkmal der Pädagogischen Hochschulen, wodurch ein reger Austausch zwischen Forschung und Praxis, zwischen Ausbildung und Fortbildung, ermöglicht wird. "Nur so ist es möglich, dass aktuelle Forschungsergebnisse genauso wie Erfahrungen aus der Praxis laufend in die Aus- und Weiterbildungsangebote einfließen können."

Über 100.000 LehrerInnen besuchen jährlich Fort- und Weiterbildungsangebote an Pädagogischen Hochschulen. Jedes Jahr schließen über 3.500 Personen ein Lehramtsstudium an einer PH ab. "Ohne Pädagogische Hochschulen könnten wir den Bedarf an LehrerInnen in Österreich nicht decken", so die Ministerin. Durch die PädagogInnenbildung Neu wird eine enge Kooperation zwischen den Universitäten und den Pädagogischen Hochschulen ermöglicht. "Die Stärken beider Institutionen können so bestmöglich zusammenwirken. Der dadurch gestartete Qualitätsschub beginnt bereits zu wirken." Aus Sicht der Ministerin besteht kein Anlass, während eines anlaufenden Reformprozesses, in die Organisationsstruktur eingreifen zu wollen: "Gerade bei der Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern muss die Qualität im Zentrum stehen." (Schluss)

Rückfragehinweis: Mag.a Veronika MARIA, Pressesprecherin Büro der Bundesministerin Gabriele Heinisch-Hosek
Tel.: +43 1 53120-5011, Mobil: +43 664 612 47 29 veronika.maria@bmbf.gv.at


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APA0519 II, XI 29.01.2015 16:34:01

 

IV-Hochschulkonzept: Heinisch-Hosek gegen PH-Auflösung

Utl.: Töchterle "Eigenwert wissenschaftlicher Erkenntnisse nicht übersehen" - ÖH-Vizechef: Hochschulpolitik darf sich nicht rein an den Interessen der Wirtschaft orientieren

 

Nichts abgewinnen kann Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) der Forderung der Industriellenvereinigung (IV) nach einer Eingliederung der Pädagogischen Hochschulen (PH) in die Universitäten. "Die PHs leisten einen wichtigen und unabdingbaren Beitrag, den Universitäten auf Grund ihrer Struktur in dieser Art nicht leisten können", so die Ministerin in einer Aussendung.

Alleinstellungsmerkmal der PH sei "der unmittelbare Kontakt mit den Schulen", betonte Heinisch-Hosek. Dadurch werde ein reger Austausch zwischen Forschung und Praxis bzw. zwischen Ausbildung und Fortbildung ermöglicht.

Die Industriellenvereinigung (IV) spreche in ihrem Hochschulkonzept "zentrale Anliegen im Hochschulsektor" an, meinte dagegen ÖVP-Wissenschaftssprecher Karlheinz Töchterle. Er mahnt aber auch ein, "den Eigenwert wissenschaftlicher Erkenntnisse nicht zu übersehen". Für Töchterle deckt sich vieles im Konzept mit im Regierungsprogramm formulierten Vorhaben und bereits in Angriff genommenen Maßnahmen. Wermutstropfen: Manches sei "zwar grundvernünftig, notwendig und international Usus, aber in der derzeitigen Regierungskonstellation leider nicht umsetzbar", bedauert er in einer Aussendung.

Für die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) ist die IV-Forderung nach Zugangsbeschränkungen und Studiengebühren der "falsche Weg". "Hochschulen verkommen immer mehr zu Institutionen, die junge Menschen für den Arbeitsmarkt zurecht biegen und keine kritische Auseinandersetzung mehr mit der Gesellschaft fördern. Ich finde nicht, dass Hochschulpolitik sich rein an den Interessen der Wirtschaft orientieren darf", so ÖH-Vizechef Bernhard Lahner (Fraktion Engagierter Studierender/FEST).

 


 

"Österreich" vom 30.01.2015                                   Seite 8

 

Industrielle auch für Studiengebühren und Zugangsregeln

IV will die Lehrer-Schulen abschaffen

Am Donnerstag präsentierte die Industriellenvereinigung ihr Hochschulkonzept.

 

Wien. Die Industriellenvereinigung (IV) will das Aus für pädagogische Hochschulen. Das kündigte IV-Präsident Georg Kapsch bei der Präsentation seines Hochschulkonzepts an: Demnach sollen sie künftig in Unis eingegliedert werden. Er sehe keinen Grund für separate pädagogische Hochschulen.

 

Zudem spricht sich die IV in ihrem Konzept für Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen aus.

IV-Präsident Georg Kapsch.

 

 


 

"Österreich" vom 30.01.2015                                  Seite 19

 

Ferienstart für 220.000 Schüler

Rund 13.000 Schüler haben 5er im Zeugnis

Tag der Wahrheit an 670 Schulen der Stadt: Heute gibt es das Zeugnis.

 

Schule. Heute starten für 220.000 Schüler die wohlverdienten Semesterferien. Des einen Freud, des anderen Leid, denn mit dem Semesterende kommt auch das Zeugnis. in den höheren Schulen wird ein Großteil der Schüler - nämlich 83 Prozent - aber keine negativen Noten bekommen.

 

Mädchen sind besser als Burschen

 

neun Prozent aller Wiener Schüler werden zwei oder mehr "nicht genügend" im Zeugnis stehen haben. Dabei schneiden Burschen schlechter ab als Mädchen. insgesamt werden heute 13.000 Schüler einen "Fleck" in der Schulnachricht stehen haben. Dabei stehen Mathematik, die zweite Fremdsprache und Deutsch ganz oben in der rangliste der am häufigsten negativ beurteilten Fächer.

 

Schülern mit negativem Zeugnis rät Wiens Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl: "Keep cool! noch ist das Schuljahr nicht gelaufen. jetzt sollten zunächst alle Kinder die Möglichkeit nutzen, sich einige tage zu erholen. Dann aber ist es höchst an der Zeit, dass die Kinder mit negativen noten individuelle Lernpläne erstellen." Bis zum juni können negative Beurteilungen dann im zweiten Semester doch noch aufgeholt und das Schuljahr positiv beendet werden.

 

Nachhilfeangebot: 5.200 Anmeldungen

 

an der Volkshochschule Wien (VHS) gibt es für Zehn-bis 14-jährige an den aHS-Unterstufen und den neuen Mittelschulen gratis-nachhilfe. ab 16. Februar starten 994 Kursen, um Lerndefizite in den Fächern Deutsch, englisch und Mathematik aufzuholen. 5.200 haben sich schon angemeldet. (fil)

 

Stadtschulrätin Brandsteidl.

Jetzt für Nachhilfe anmelden.

 


 

"Der Standard" vom 30.01.2015                                Seite: 7 David Krutzler, Karin Riss

 

Häupl: „Schulpflichtverstöße stärker sanktionieren“

 

   Bürgermeister Michael Häupl kann mit dem Wort „Integrationsverweigerer“ nichts anfangen. Strafen müssten für alle gelten. Seine Anregung, Schulpflichtverstöße stärker zu ahnden, gefällt Integrationsminister Kurz.

 

   Wien – Die wahlkämpfenden roten Landeschefs Hans Niessl (Burgenland) und Franz Voves (Steiermark) haben mit ihrer Forderung nach Verwaltungsstrafen für „Integrationsunwillige“ auch in der eigenen Partei eine breite Debatte vom Zaun gebrochen. Wiens Bürgermeister Michael Häupl, der sich mit seiner Landes-SPÖ ebenfalls für die kommende Wahl in diesem Jahr rüstet, stimmt dem Vorstoß der Genossen im Gespräch mit dem Standard vorerst aber nicht zu.

 

   „Jetzt reicht’s“

 

   Zunächst müsse geklärt werden, was Integrationsunwilligkeit überhaupt heißt. Das sei bisher nicht passiert. „Ich kann damit nichts anfangen“, sagt Häupl. Erst nach einer genauen Definition könne man über Verwaltungsstrafen nachdenken. „Diese müssen dann aber für alle gelten.“ Dem Ruf nach Sanktionen im Strafrechtsbereich erteilt er eine deutliche Absage. Häupl hält die Debatte für wichtig, warnt aber vor einer Zuspitzung. „Wenn die Forderung kommt, dass Zuwanderer in ihren Familien nur noch Deutsch sprechen sollen, sage ich ganz klar: ‚Jetzt reicht’s.‘“

 

   Nachbessern könne man aber bei der Kontrolle der Einhaltung der Schulpflicht sowie Schulordnung. „Man sollte darüber reden, Schulpflichtverstöße stärker als bisher zu sanktionieren“, sagt Häupl. Aktuell geltende Regelungen und Sanktionsmöglichkeiten seien zu schwach. „Aber auch hier gilt: Es geht um alle.“

 

   Das sieht Integrationsminister Sebastian Kurz (ÖVP) bekanntlich anders, an Häupls Idee einer Strafverschärfung bei Schulpflichtverletzungen findet er im Standard-Gespräch aber Gefallen: „Wir wollten immer schon eine Erhöhung der Strafen für Schulpflichtverweigerer. Für mich sind 1500 Euro vorstellbar, das entspricht in etwa der Familienbeihilfe.“ Damit erhofft man sich bei der ÖVP, auch verfassungsrechtliche Bedenken gegen ein Streichen dieser Sozialleistung zu umschiffen.

 

   Erst im Jahr 2013 hat der Bund die Höchststrafe für die Verletzung der Schulpflicht von 220 Euro auf das Doppelte erhöht. Für Kurz ist ein Effekt dieser Anhebung, dass das Problem „auch bei den Behörden“ viel bewusster und die Exekution der Verwaltungsstrafen „effizienter“ geworden sei. Bis es zu einem Strafverfahren kommt, muss freilich ein fünfstufiges Verfahren inklusive Gesprächen mit Pädagogen, Eltern, Schülern, Schulpsychologen sowie auch Kinder- und Jugendhilfe absolviert werden. Für Kurz nichts anderes als „bürokratische Hürden, die abgebaut gehören“. Auch Staatssekretär Harald Mahrer (ÖVP) kann sich höhere Verwaltungsstrafen bei Schulpflichtverletzungen vorstellen. Im Gespräch mit dem Standard fordert er trotzdem, die Debatte „feinfühliger“ zu führen, da Strafen ja „nichts an der Geisteshaltung der Menschen“ ändern würden.

 

   Für Bürgermeister Häupl ist es zudem „nicht akzeptierbar“, wenn ein Vater eine Lehrerin nicht als Autoritätsperson anerkennen könne. Dafür müssten Sanktionsmöglichkeiten geschaffen werden. „Welche, weiß ich aber nicht“, sagt Häupl. Zu drastischen Mitteln wollte er einst bei einem türkischen Vater greifen, der seine Tochter nicht in eine Wiener Schule schicken wollte. Häupl drohte ihm öffentlich, das „Ohrwaschl abzureißen“. Zu dieser Aussage „stehe ich weiter absolut“, sagt Wiens Bürgermeister. Weniger hält Häupl vom Kurz-Vorschlag, Eltern mit einer 1000-Euro-Geldstrafe zu belegen, wenn diese einer Schulvorladung nicht nachkommen. „Das ist ein bisschen fern der Realität.“

 

   In puncto Deradikalisierung müsse Wien weitere Akzente setzen. Vor allem Jugendzentren sollen stärker in den Fokus rücken. Häupl: „Wir schauen nicht weg, wir wollen uns dem stellen. Wenn Maßnahmen ausgearbeitet werden, wird auch Geld folgen.“

 

Bild: Bürgermeister Michael Häupls Aktion scharf bei

      Schulpflichtverletzung kommt bei Minister Kurz gut an. Bild: Foto: APA / Herbert Pfarrhofer

 


 

"Die Presse" vom 30.01.2015                                Seite: 6

 

Die Methode Hans Niessl

 

   Analyse. Die SPÖ Burgenland greift nach der Absoluten und könnte zum Vorbild in der Partei werden. Doch ihre Positionen sind umstritten.

 

   VON THOMAS PRIOR

 

   Eisenstadt/Wien. Es soll, sagt man, eher selten vorkommen, dass der Wiener gespannt ins Burgenland blickt, um eine Entwicklung abzuwarten, die auch für ihn bedeutsam sein könnte. In diesem Fall aber, in diesem politischen oder - genauer noch - sozialdemokratischen Fall ist es anders. Nicht nur, weil das Burgenland heuer noch vor Wien, nämlich am 31. Mai, einen neuen Landtag wählt.

 

   Dieses Mal sind die Umstände besonders. SPÖ-Chef Werner Faymann bangt um seine berufliche Zukunft. Wenn es schlecht für den Kanzler läuft und die Steuerreform ein Flop wird, könnte er seine Jobs verlieren. Und auch der Wiener Bürgermeister, Michael Häupl, hat allen Grund, besorgt zu sein. Die Wiener SPÖ könnte bei der Gemeinderatswahl unter 40 Prozent fallen, was wohl Häupls sofortigen Pensionsantritt bedeuten würde.

 

   Im Burgenland hingegen macht sich Landeshauptmann Hans Niessl - durchaus berechtigt, wenn man den Umfragen Glauben schenkt - Hoffnungen, die absolute Mehrheit zurückzugewinnen. Und deshalb schauen jetzt alle, die in der SPÖ etwas zu sagen oder zu verlieren haben, nach Eisenstadt. Und warten ab, was dort passiert.

 

   Häupl überlegt sogar, im Windschatten des Burgenlandes (und des Song-Contests, der am 23. Mai stattfindet) wählen zu lassen. Dem Vernehmen nach hat er den 14. Juni ins Auge gefasst. Und sollte Niessl tatsächlich das Gegenstück zum allgemeinen Abwärtstrend der SPÖ gelingen, könnte seine Methode Schule machen in der österreichischen Sozialdemokratie.

 

   All-inclusive-Bewegung

 

   Die anderen Parteien tun sich im Burgenland vor allem deshalb schwer, weil sich die SPÖ als All-inclusive-Bewegung begreift. Mit ihren fast 48 Prozent regiert sie selbstbewusst bis autoritär. Und vereinnahmt die Konkurrenz, indem sie deren Positionen vorwegnimmt oder, wenn es denn sein muss, sich recht ungeniert zu eigen macht.

 

   Am Beispiel Integrationspolitik ließ sich das diese Woche schön beobachten. Die Forderung, den Tatbestand Integrationsunwilligkeit - wie auch immer der gemessen werden soll - zu sanktionieren, könnte genauso gut von der FPÖ stammen. Niessl war hier schneller. In einem anderen Punkt stimmt der Landeshauptmann nicht nur mit den Freiheitlichen, sondern auch mit Integrationsminister Sebastian Kurz (ÖVP) überein: Österreichern, die im Jihad kämpfen, soll die Staatsbürgerschaft entzogen werden.

 

   Für unterstützenswert befand Niessl auch den Kurz-Vorschlag, Verwaltungsstrafen von etwa 1000 Euro für Eltern zu verhängen, die Sprechtage in der Schule mehrmals ignorieren. Der burgenländischen ÖVP blieb also gar nichts anderes übrig, als dem Maßnahmenpakt des Koalitionspartners zumindest punktuell ihren Sanktus zu erteilen.

 

   Niessl/Voves-Pakt in der Kritik

 

   Mit Ideologien oder der Bundesparteilinie halten sich Niessl und seine Partei für gewöhnlich nicht lange auf. Auch Berührungsängste mit der Stammtischmeinung hatte der Landeshauptmann noch nie, weshalb er sich von der SPÖ-Linken regelmäßig den Vorwurf einhandelt, dem Populismus anheimzufallen.

 

   Es ist noch nicht vergessen, dass Niessl vor der Landtagswahl 2010 gegen ein Asyl-Erstaufnahmezentrum im südburgenländischen Eberau mobilgemacht hat. Dass er im Vorjahr die Kasernen in Oberwart und Pinkafeld kaufen ließ, damit sie nicht als Asylquartiere Verwendung finden. Und dass er sich - ebenfalls im Wahlkampf 2010 - für eine Verlängerung des Bundesheer-Assistenzeinsatzes eingesetzt hat, obwohl das Burgenland längst nicht mehr Außengrenze der EU war.

 

   Mit seinen integrationspolitischen Vorschlägen steht Niessl jedoch nicht allein da. In seinem steirischen Amtskollegen Franz Voves, der im Herbst zur Wahl steht, hat er einen prominenten Mitstreiter gefunden. Am heutigen Freitag, wenn die SPÖ-Gremien - Präsidium und Vorstand - erstmals seit dem Parteitag im November zusammentreffen, wird der Niessl/Voves-Pakt das bestimmende Thema sein. Zumal er auch in der Bundespartei nicht mehrheitsfähig ist.

 

   "Populismus heißt, die Bedürfnisse der Leute zu kennen und die Politik danach auszurichten", hat Niessl einmal in einem "Falter"-Interview gemeint. "Man kann das Populismus nennen, ich nenne es pragmatische Politik."

 

   Seine Methode hat sich auch anderswo bewährt, nicht zuletzt im benachbarten Niederösterreich, dem mittlerweile einzigen Bundesland, in dem eine Partei - in diesem Fall aber die ÖVP - über die absolute Mehrheit verfügt. Dort firmiert sie allerdings unter einem anderen Namen. Unter Methode Pröll.

 


 

"Kleine Zeitung" vom 30.01.2015                              Seite: 4

„Strafe bei Fernbleiben vom Turnunterricht“

Landesschulratspräsidentin für Sanktionen gegen integrationsunwillige Eltern.

 

   WIEN. In der vom steirischen Landeschef Franz Voves angestoßenen und von der Bundespolitik aufgegriffenen Debatte über den Umgang mit „integrationsunwilligen“ Bürgern melden sich nun auch die Landesschulratspräsidenten zu Wort. Während in Wien der Verfassungsschutz an gewissen Schulen nur noch ein- und ausgeht, genießt das Thema in der Steiermark und in Kärnten beim Landesschulrat derzeit höchste Priorität.

 

   „Ich bin froh, dass die Politik das Thema aufgegriffen hat“, erklärt die steirische Landesschulratspräsidentin Elisabeth Meixner im Gespräch mit der Kleinen Zeitung. „Wenn es bei den Kleinen und den Jugendlichen nicht funktioniert, wie soll dann der Zusammenhalt in einer multikulturellen Gesellschaft funktionieren? Die Lehrer sollen und dürfen in dieser Frage nicht alleingelassen werden.“

 

   Meixner kann durchaus der Idee etwas abgewinnen, dass bei fortschreitender Integrationsunwilligkeit Sanktionen verhängt werden können – nicht gegen die Kinder, sondern die Eltern. „Die Schule muss die Möglichkeit haben, bei integrationsunwilligen Eltern Maßnahmen zu setzen“, so Meixner zur Kleinen Zeitung – etwa dann, wenn Mädchen nicht am Turn- oder am Schwimmunterricht teilnehmen.

 

   Ungleich größeres Kopfzerbrechen bereitet der Steirerin, dass viele Schüler mit Migrationshintergrund nach Ende der Schulpflicht mit 15 Jahren offenbar keine weitere Ausbildung absolvieren. „Sie sprechen steirischen Dialekt, leben bei uns, besuchen die Pflichtschule und verschwinden dann plötzlich aus den Statistiken. Ich frage mich oft: Wo sind sie alle nach dem neunten Schulpflichtjahr hin?“

 

   Einige besuchen Berufsschulen, andere wechseln in mittlere oder höhere Schulen. „Wohin verschwinden jene, die wir nicht erfassen?“ Meixner plädiert deshalb für die rasche Einführung einer Ausbildungspflicht.

 

   Gegen Strafen spricht sich der Kärntner Landesschulratspräsident Rudolf Altersberger aus, meint aber: „Wir müssen aus den Fehlern, die in Wien passiert sind, lernen. Wenn Probleme auftauchen, dürfen wir nicht wegschauen, sondern müssen ganz klar und deutlich hinschauen.“ MICHAEL JUNGWIRTH

 


 

"Kurier" vom 30.01.2015                                    Seite: 2

SP-Steidl: "Familienbeihilfe aussetzen, wenn Eltern integrationsunwillig sind"

SPÖ-gremien tagen

 

   Rote Linie gesucht. Sollen Migranten, die sich nicht integrieren wollen, bestraft werden? Sollen Eltern, die nicht mit den Schulen kooperieren, eine Verwaltungsstrafe aufgebrummt bekommen? Und soll es Konsequenzen für Burschen geben, die ihre Lehrerin nicht akzeptieren wollen, weil sie eine Frau ist?

 

   In der SPÖ gehen die Meinungen dazu auseinander. Während der steirische Landeshauptmann Franz Voves und sein burgenländischer Kollege Hans Niessl für Strafen plädieren, steht Parteichef Werner Faymann auf der Bremse. Heute, Freitag, haben die Roten Gelegenheit, eine einheitliche Linie zu suchen. Da tagen erstmals die Ende November neu gewählten Parteigremien (Präsidium und Vorstand). "Es werden die inhaltlichen Schwerpunkte für 2015 festgelegt", heißt es in der Parteizentrale.

 

   "Da bin ich bei Voves" Der Salzburger SP-Chef Walter Steidl, der im SPÖ-Präsidium sitzt, lässt schon vorab mit einem neuen Vorschlag zur Integrationsdebatte aufhorchen. Er ist zwar gegen Verwaltungsstrafen. "Man darf aber nicht gleich ins rechte Eck gestellt werden, wenn man die Probleme offen anspricht. Da bin ich bei Franz Voves." Sanktionen für integrationsunwillige Schüler lehnt Steidl ab. Wenn aber beispielsweise Eltern trotz mehrfacher Aufforderungen nicht bereit seien, in die Schule zu kommen, "könnte man die Familienbeihilfe eine Zeit lang aussetzen", sagt Steidl zum KURIER.

 

   Das geht dem Tiroler SP-Obmann Ingo Mayr zu weit: "Die derzeitigen Gesetze sind ausreichend." Voves und Niessl, die sich heuer der Wiederwahl stellen, richtet er via KURIER aus: "Ich halte nichts davon, wegen bevorstehender Wahlen populistische Forderungen zu stellen. Wir sollten nicht Randthemen zu Wahlkampfthemen machen", betont Mayr.

 

   Maria Kern

 


 

Mit freundschaftlichen Grüßen

 

Kurt Schober

Klubsekretär

SPÖ-Parlamentsklub

01/40110-3569

0664 / 44 45 005

kurt.schober@spoe.at

 

Donnerstag, 29. Januar 2015

2015.01.29: Newsletter Bildung

Die Presse – 29. Jänner 2015

 

 

Schulversuche: Zu viele und zu teuer

An der Hälfte der Schulen finden Schulversuche statt: Meist, um starre rechtliche Vorgaben zu umgehen. Das Ministerium habe den Überblick verloren, moniert der Rechnungshof.

Julia Neuhauser Und Karl Ettinger

Wien. Das, was der Rechnungshof gestern, Mittwoch, vorlegte, ist eine Abrechnung mit der österreichischen Schulpolitik, bei der einander SPÖ und ÖVP schon lange blockieren. Resultat der Blockade ist ein starres Schulsystem mit zu vielen rechtlichen Bestimmungen und dementsprechend wenig Flexibilität. Es gibt nur einen Ausweg: Schulversuche. Und derer gibt es viele. Zu viele.

An der Hälfte der 5800 Schulen fanden im Schuljahr 2012/13 Schulversuche statt. Nachdem eine einzelne Schule bzw. Klasse mehrere Versuche durchführen kann, gab es in Österreich insgesamt 5367 Schulversuche (siehe Grafik). Für den Rechnungshof gibt es keinen Zweifel daran, dass das vor allem an den „fehlenden beziehungsweise zu starren rechtlichen Bestimmungen" liegt. So mussten etwa Berufsschulen Schulversuche anmelden, um Freigegenstände einzurichten oder Tourismusschulen auf Versuche zur Verlegung der Schulzeit zurückgreifen, um Betriebspraktika in der Wintersaison zu ermöglichen.

Versuch läuft seit 50 Jahren

Am beliebtesten waren Schulversuche zur alternativen Leistungsbeurteilung – Verzicht auf Noten – sowie zu Lehrplänen. Viele Schulversuche gab es zur Matura. Da die Zentralmatura an Gymnasien im laufenden Schuljahr das erste Mal für alle verpflichtend stattfinden wird, sind viele dieser Versuche weggefallen.

Doch nicht viele Schulversuche schaffen es ins Regelschulwesen. Und so haben viele die Erprobungszeit weit überschritten und erfüllen damit ihren eigentlichen Zweck – die Erprobung von gewissen Maßnahmen – nicht mehr. Am drastischsten zeigt sich das bei der verbalen Beurteilung, dem wahrscheinlich ältesten noch laufenden Schulversuch: 2016 feiert er sein 50-Jahr-Jubiläum. Mitte der 1970er-Jahre kamen weitere Formen der alternativen Beurteilung dazu. Doch SPÖ und ÖVP sind sich bis heute nicht einig, ob die Einschränkung bzw. die Abschaffung von Noten gut ist.

Seit den 1990er-Jahren laufen außerdem Versuche zu bilingualen Volksschulen und Gymnasien. Seit 17 Jahren wird der Schulversuch zum Ethik-Unterricht für die Schüler, die keinen Religionsunterricht besuchen, erprobt, und seit zwölf Jahren gibt es E-Learning in Notebook-Klassen. Übrigens: Die meisten Schulversuche müssen jedes Jahr neu genehmigt werden. Der Verwaltungsaufwand ist dementsprechend groß, wie der Rechnungshof bemängelt: Würde der administrative Aufwand reduziert, dann könnten „freiwerdende Ressourcen für pädagogische Arbeit und zur Unterstützung bzw. Entlastung der Schulen verwendet werden", heißt es im Bericht. Das ist vor allem insofern pikant, als Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) um Geld ringt. Während ihr also Dutzende Millionen Euro fehlen, hätte Geld unmittelbar für den Schulunterricht durch mehr Sparsamkeit bei den Schulversuchen aufgebracht werden können.

Mehr Autonomie als Lösung

Der Rechnungshof übt noch mehr Kritik am Ministerium: Dieses habe weder „eine österreichweite Übersicht über Schulversuche" noch einen Überblick über die Ausgaben. Grundsätzlich sollten die Versuche kostenneutral geführt werden, aber nicht immer waren sie das auch.

Bildungsministerin Heinisch-Hosek selbst entgegnet der Rechnungshof-Kritik durchaus gelassen. Die Zahl der Schulversuche würde ohnehin schon bald sinken. Denn durch mehr Schulautonomie könne auf den Großteil der Schulversuche verzichtet werden. Und genau dem Thema Schulautonomie werde sich die Bildungsreformgruppe – die aus vier Landes- und vier Bundesvertretern besteht – annehmen. Diese soll entscheiden, wie Schulversuche künftig gestaltet werden und in welchem Umfang es sie überhaupt noch geben wird. Das nächste Mal wird sich die Reformgruppe aber erst wieder Anfang März treffen.

Die Kritik an der Unübersichtlichkeit der Kosten für Schulversuche weist man im Bildungsministerium außerdem zurück. Das Kostenargument treffe nicht zu, „da alle Schulversuche als Abweichungen von Regellehrplänen streng kostenneutral sein müssen und auch nur unter diesem Aspekt genehmigt werden".

 

 

Die Presse – 29. Jänner 2015

 

 

Dschungel an Schulversuchen wächst

In Österreich gibt es knapp 5400 Probeversuche im Unterricht – das ist an jedem zweiten Schulstandort. Der Rechnungshof kritisiert, dass so fehlende Vorgaben der Schulpolitik teils mit hohen Kosten umgangen werden.

Es ist eine Abrechnung mit der Schulpolitik, bei der sich SPÖ und ÖVP in den vergangenen Jahren oft gegenseitig blockiert haben. Deswegen wurde aus Ausweg häufig die Flucht in Schulversuche angetreten. Der Effekt: Mittlerweile gibt es 5367 Schulversuche im Bundesgebiet. Damit gibt es im Durchschnitt praktisch an jedem zweiten Schulstandort bereits einen Schulversuch, wie der Rechnungshof jetzt in einem neuen, der „Presse" vorliegenden Bericht für das Schuljahr 2012/13 festgestellt hat.

Erste Kritik des Rechnungshofes: Die Dauer der Schulversuche geht mitunter weiter über das Erprobungsstadium hinaus. So dauerte der Schulversuche über alternative Leistungsbeurteilung rund 50 Jahre. Hintergrund war, dass sich die Politik nicht über die Einschränkung beziehungsweise Abschaffung von Noten einig war. Der Schulversuch Ethik lief ebenfalls bereits 17 Jahre.

Als Grund für den Wildwuchs an Schulversuchen nennt der Prüfbericht, dass damit de facto „fehlende beziehungsweise zu starre rechtliche Bestimmungen" umgangen wurden. Wissenschaftliche wurden Schulversuche teils gar nicht überprüft und sogar ohne Evaluierung ins Regelschulwesen übernommen.

Ausgaben und Kosten spielten offenbar keine Rolle. Das Unterrichtsministerium hatte nicht einmal eine Übersicht über die Aufwendungen für die Schulversuche. Dabei hätte es nach Ansicht des Kontrollorgans durchaus Sparpotenzial gegeben. Gleichzeitig fehlen Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) ohnehin Dutzende Millionen Euro. Dabei hätte Geld für unmittelbar für den Schulunterricht durch mehr Sparsamkeit bei den Schulversuchen aufgebracht werden können, machen die Prüfer klar.

 

 

Die Presse – 29. Jänner 2015

 

 

Schulversuche: Von der Trachtenklasse bis zur Ballett-AHS

Die verbale Beurteilung ist der wahrscheinlich älteste noch laufende Schulversuch: 2016 feiert er sein 50-Jahr-Jubiläum.

An der Hälfte aller österreichischen Schulen finden in irgendeiner Form Schulversuche statt - überspitzt formuliert ist also eine Schule ohne Schulversuch fast schon ein eigener Schulversuch. Die Palette der bisher erprobten Versuche ist dabei breit und reicht von einer "Trachtenklasse" und einem Ballett-Realgymnasium bis zur Neuen Mittelschule und zur Zentralmatura.

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Der Grund für die ausufernden Versuche ist nicht zuletzt die jahrzehntelange Blockade von ÖVP und SPÖ in Sachen Schule: Schulgesetze konnten bis vor wenigen Jahren nur mit Zwei-Drittel-Mehrheit im Nationalrat geändert werden und sind zudem oft sehr eng gefasst. Die Einrichtung von Integrationsklassen, Änderungen bei der Anzahl oder Dauer von Schularbeiten oder einfach nur der Unterricht von Französisch statt Latein in der dritten Klasse Gymnasium war jahrelang nur als Schulversuch möglich.

Noch heute bedarf es eines Schulversuchs, wenn Kinder in der ersten Klasse Volksschule anders als mit Noten beurteilt werden sollen (etwa verbal, mit Pensenbüchern oder Portfolios). Die verbale Beurteilung ist auch der wahrscheinlich älteste noch laufende Schulversuch: 2016 feiert er sein 50-Jahr-Jubiläum. Mitte der 1970er Jahre kamen dann weitere Formen der alternativen Beurteilung dazu. Seit den 1990er Jahren laufen Versuche zu bilingualen Volksschulen und Gymnasien, seit 17 Jahren zum Ethik-Unterricht für jene Schüler, die keinen Religionsunterricht besuchen, seit zwölf Jahren gibt es eLearning in Notebook-Klassen.

Schularbeit mit Laptop als Schulversuch

Schulversuche gibt es aber auch, um "spezielle Bedürfnisse von bestimmten Zielgruppen" abzudecken, wie es der Rechnungshof nennt: Seit 1980 gibt es schon den Versuch "Realgymnasium für SchülerInnen der Ballettschule der Wiener Staatsoper", am Liese-Prokop-Oberstufenrealgymnasium für Hochleistungssportler dauert etwa die Oberstufe fünf statt vier Jahre. Außerdem werden Schulversuche eingerichtet, um etwa bestimmte Maßnahmen wie Biologie-Schularbeiten oder Schularbeiten mit dem Laptop rechtlich abzusichern bzw. wegen der Nichteinigung mit Standesvertretern fehlende Prüfungsordnungen und Lehrpläne zu ersetzen.

Es gibt aber auch Beispiele für Schulversuche, die ins Regelschulwesen übernommen wurden: Prominenteste Beispiele sind etwa die Neue Mittelschule, die Zentralmatura an AHS, die zweite lebende Fremdsprache ab der 3. Klasse Gymnasium (statt Latein) oder die Einführung von Integrationsklassen. Nach 48 Jahren im Versuchsstadium schaffte es schließlich auch die "Trachtenklasse" am Annahof in Salzburg: Der Lehrgang für Trachtenschneiderei wurde 1993 ins Regelschulwesen übernommen.

 

 

KLZ – 29. Jänner 2015

 

Rechnungshof empfiehlt Reduktion der Schulversuche

Der Rechnungshof (RH) empfiehlt eine Reduktion der Anzahl der zahlreichen Schulversuche in Österreich. Im Schuljahr 2012/13 fanden an praktisch genau der Hälfte der rund 5.800 Schulstandorte Versuche statt, heißt es in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht. Das Bildungsministerium verwies darauf, dass durch mehr Schulautonomie auf den Großteil der Schulversuche verzichtet werden könnte.

Der RH spricht von einer "ausgedehnten Schulversuchslandschaft": Insgesamt wurden 2012/13 5.367 Schulversuche an 2.900 Standorten durchgeführt (an einem Standort können auch mehrere Schulversuche durchgeführt werden, Anm.). Am beliebtesten waren dabei Versuche zur alternativen Leistungsbeurteilung (2.026, vor allem an Volksschulen), zur Matura (797, vor allem an AHS) sowie zu Lehrplänen (478) und Prüfungsordnungen (287) im berufsbildenden Bereich. Durch die Übernahme der Zentralmatura an AHS ins Regelschulwesen in diesem Schuljahr sind aber mittlerweile zahlreiche Versuche weggefallen.

Als Grund für die häufige Einrichtung von Schulversuchen macht der RH fehlende bzw. starre rechtliche Vorgaben aus. So mussten etwa Berufsschulen Schulversuche anmelden, um Freigegenstände einzurichten oder Tourismusschulen auf Versuche zur Verlegung der Schulzeit zurückgreifen, um Betriebspraktika in der Wintersaison zu ermöglichen. Der RH empfiehlt daher einen Ausbau der Schulautonomie.

Kritik übte der RH auch daran, dass zahlreiche Schulversuche ihre Erprobungszeit schon weit überschritten hatten und damit ihren eigentlichen Zweck - die Erprobung von bestimmten Maßnahmen - nicht mehr erfüllen. Die ersten Versuche zur alternativen Leistungsbeurteilung sind bereits 50 Jahre alt, jene zum Ethikunterricht immerhin schon 17 Jahre. Der RH rät daher entweder zur Übernahme ins Regelschulwesen oder zur Beendigung.

Gleichzeitig bemängeln die Prüfer, dass viele Schulversuche nicht wissenschaftlich evaluiert bzw. zum Teil - wie etwa beim Ethikunterricht - Alternativvarianten gar nicht erprobt würden. Umgekehrt wurden aber Versuche wie etwa jene zur neuen Mittelschule (NMS) oder zur Zentralmatura ohne vorherige Evaluation ins Regelschulwesen übernommen.

Der Grund dafür könnte in einer Art Zweiteilung der Schulversuchs-Varianten liegen: Einerseits gebe es vom Bildungsministerium initiierte und zu erprobende Schulmodelle mit eigener gesetzlicher Regelung ("Top-Down-Schulversuche") wie die Neue Mittelschule, die Modularisierung der Oberstufe oder die Zentralmatura, mit denen ohnehin schon beschlossene Maßnahmen erprobt werden und andererseits Schulversuche, die auf Initiative der Schule bzw. der Landesschulräte laufen (Bottom-Up-Schulversuche).

Als weiteres Problem ortete der RH, dass das Bildungsministerium auch aufgrund der "Komplexität und Vielschichtigkeit des österreichischen Schulwesens" keine österreichweite Übersicht über alle Schulversuche habe. Das führt auch dazu, dass die Regelungen über die gesetzlich vorgegebenen Höchstgrenzen für die Anzahl von Schulversuchen nicht kontrolliert werden konnten und etwa bei den Versuchen zur alternativen Beurteilung überschritten wurden.

Im Hinblick auf die Kritik des Rechnungshofs verwies das Bildungsministerium am Mittwoch darauf, dass durch mehr Schulautonomie auf den Großteil der Schulversuche verzichtet werden könnte. Das Thema Schulversuche werde in der Arbeitsgruppe zur Bildungsreform behandelt.

Die aus Gabriele Heinisch-Hosek sowie Kanzleramtsminister Josef Ostermayer, den Landeshauptleuten Hans Niessl und Peter Kaiser auf SPÖ-Seite sowie Innenministerin Johanna Mikl-Leitner, Wissenschafts-Staatssekretär Harald Mahrer und den Landeshauptleuten Erwin Pröll und Wilfried Haslauer (alle ÖVP) bestehende Arbeitsgruppe trat in der Vorwoche zum ersten Mal zusammen. Der nächste Termin findet Anfang März statt.

Kritik an der Unübersichtlichkeit der Kosten für Schulversuche weist man im Ministerium zurück. Das Kostenargument treffe nicht zu, "da alle Schulversuche als Abweichungen von Regellehrplänen streng kostenneutral sein müssen und auch nur unter diesem Aspekt genehmigt werden". Wie Schulversuche künftig gestaltet werden und in welchem Umfang es sie überhaupt noch geben wird, hänge davon ab, wie weit die Schulautonomie gehen werde.

Die Regierung müsse in Sachen Autonomie "jetzt endlich konkret Meter machen", so der Bildungssprecher der NEOS, Matthias Strolz. FPÖ-Bildungssprecher Walter Rosenkranz zeigt "allein die Zahl von 5.367 Schulversuchen an insgesamt 2.900 Schulstandorten auf, dass von einer durchdachten und konsequenten Schulpolitik in Österreich keine Rede sein kann".

 

 

KLZ – 29. Jänner 2015

 

 

Tägliche Bewegungseinheit im Unterrichtsausschuss

 

Das Gesetzespaket zur täglichen Bewegungseinheit an Ganztagsschulen ab dem Schuljahr 2015/16 hat am Mittwoch den parlamentarischen Unterrichtsausschuss passiert. Realisiert wird dies durch Turnstunden und Sport im Freizeitteil. Dafür können erstmals Trainer aus Vereinen an Schulen geholt werden und das Berufsbild des "Bewegungscoach" wird neu etabliert, teilte das Bildungsministerium mit.

Ganztagsschulen dürfen zwar weiterhin autonom festlegen, wie viel Zeit für Lernen und Freizeit vorgesehen ist, künftig sind dabei aber fünf Bewegungseinheiten pro Woche vorgesehen. Für Trainer wird die Anerkennung bestehender Qualifikationen an Pädagogischen Hochschulen (PH) erleichtert.

 

Zusätzlich werden auch die Aufgaben und Ziele von Lernzeit bzw. die Ausgestaltung von Freizeit über die Betreuungspläne als Teil der Lehrpläne aufgenommen und präzisiert. Die Qualitätssicherung wird auch in diesem Bereich die Schulaufsicht übernehmen.

 

Schließlich wird Gesundheitsbewusstsein und eine "sportlich aktive Lebensweise" noch im Gesetz als Aufgaben der Schule festgeschrieben, womit man laut Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) deren Notwendigkeit unterstreichen will.

 

 

"Kleine Zeitung" vom 29.01.2015                              Seite: 4

Ressort: Politik

 

Steiermark

 

Verwirrung um Zentralmatura

 

Wie lang muss die vorwissenschaftliche Arbeit sein?

 

   WIEN. Der grüne Bildungssprecher Harald Walser ortet Verwirrung um die Berechnung der Zeichenzahl bei der vorwissenschaftlichen Arbeit (VWA), einem Teil der neuen Reifeprüfung. Schüler seien davon ausgegangen, Fußnoten komplett mitzuzählen, tatsächlich gelte dies aber nur für Erklärungen und Ergänzungen in den Fußnoten. Das sei auch durchgehend so mitgeteilt worden, hieß es aus dem Bildungsministerium.

 

   Die vorwissenschaftliche Arbeit ist für alle Maturanten ab dem Schuljahr 2014/2015 an den AHS verpflichtend. Sie soll einen Umfang von 40.000 bis 60.000 Zeichen („inklusive Leerzeichen und Abstract, exklusive Vorwort, Zitierverweisen in Form von Fußnoten oder im Text, Inhalts-, Literatur-, Abkürzungs- und Bilderverzeichnis, Glossar und Anhang") aufweisen. Quellenangaben in den Fußnoten seien wie das Literaturverzeichnis zu behandeln, also nicht mitzuzählen, heißt es in den Antworten auf häufig gestellte Fragen auf der Informationswebsite www.ahs-vwa.at.

 

   Walser verweist auf eine Mail eines Maturanten, wonach Schülern zwei Wochen vor Abgabefrist ihrer Arbeit mitgeteilt worden sei, „dass sie nun weitere 8000 Zeichen einarbeiten müssen", weil Fußnoten plötzlich nicht mehr mitgezählt würden.

 

 

"Kleine Zeitung" vom 29.01.2015                             Seite: 20

Ressort: Bundesland

 

Kärnten

 

Trachtenklasse, Ethikstunden, Zentralmatura

 

Kritik an vielen Schulversuchen. Rechnungshof empfiehlt Reduzierung.

 

   KLAGENFURT, WIEN. Nicht nur die Vorgänge rund um den Verkauf von Schloss Reifnitz werden vom Bundesrechnungshof kritisiert, das Prüfungsorgan beanstandet auch die hohe Zahl von Schulversuchen. Im Schuljahr 2012/13 fanden an der Hälfte aller Schulen in Österreich in irgendeiner Form Schulversuche statt – von der Trachtenklasse, über das Ballett-BRG bis zur Zentralmatura. Der Rechnungshof (RH) bezweifelt in vielen Fällen die Sinnhaftigkeit und empfiehlt daher eine Reduzierung von Versuchen.

 

   „Hoher Aufwand"

 

   Fehlende bzw. starre rechtliche Vorgaben seien laut RH der Grund für die häufige Einrichtung von Schulversuchen. So mussten etwa Berufsschulen Schulversuche anmelden, um Freigegenstände zu ermöglichen und Tourismusschulen für Betriebspraktika in der Wintersaison sich mit dieser außerordentlichen Form der Planung behelfen. Rudi Altersberger, Präsident des Kärntner Landesschulrates, stimmt der RH-Kritik zu. „Echte Schulversuche gibt es nur wenige, es fehlt an klaren Zuständigkeiten."

 

   Beispielsweise gibt es im heurigen Schuljahr an den insgesamt 226 Kärntner Volksschulstandorten 48 Schulversuche. Am häufigsten werden noch immer „alternative Formen der Leistungsbeurteilung" getestet – mit einigen Jahrzehnten am Buckel einer der ältesten Versuche überhaupt. Die neue Form der Reifeprüfung (Zentralmatura) wird heuer an fünf der insgesamt 22 AHS-Standorten als Schulversuch erprobt. Rudi Altersberger spricht sich generell gegen den hohen Verwaltungsaufwand von Schulversuchen aus. DANILO REIMÜLLER

 

 

"Kleine Zeitung" vom 29.01.2015                             Seite: 16

Ressort: Bundesland

 

Steiermark

 

Schulversuche: Prüfer wollen Dickicht lichten

 

Rechnungshof verteilt schlechte Noten für Schulversuche: Allein in der Steiermark sind es mehr, als es Schulstandorte gibt. Selten wurde begutachtet – die Strukturprobleme sind offensichtlich.

 

   THOMAS ROSSACHER

 

   Wie lange dauert hierzulande ein Schulversuch? Ein Jahr? Fünf? Netter Versuch: 50 Jahre und mehr im Einzelfall. Aber den Bundesrechnungshof stört in seinem jüngsten Bericht nicht nur der ausgedehnte Versuchszeitraum, sondern der Überfluss an Schulversuchen: So gab es im Steirerland im Schuljahr 2012/2013 mehr Versuche (899) als Standorte (878). Obendrein hat man die Schulversuche zu wenig auf Erfolge oder Misserfolge „abgeklopft". Tenor der Prüfer: Im Ministerium sei „keine systematische Vorgehensweise" erkennbar, die Entscheidungsgrundlagen wären kaum nachvollziehbar. Die Beurteilung der Ganztagshandelsschule ist eine positive Ausnahme. Doch der Dauerstreit über Bildungsreformen sowie das Kompetenzendickicht geben dem Rechnungshof nicht bloß zwischen den Zeilen Anlass zu Kritik. Details:

 

   Überzahl. 60 Prozent der steirischen Schulstandorte betreiben Schulversuche, österreichweit sind es etwa die Hälfte aller Standorte. Nicht aus reiner Innovationswut, allein die „alternative Leistungsbeurteilung" (verbale Beurteilung etc.) befand sich rund 50 Jahre lang im Probebetrieb. Der Schulversuch Ethik wiederum „lief seit 17 Jahren", monieren die Prüfer. Und eine Trachtenklasse bei Salzburg befand sich von 1945 bis 1993 im permanenten Versuchsstadium.

 

   Unflexibel. Schulversuche sind eigentlich zur „Erprobung" und „Unterstützung von bildungspolitischen Maßnahmen" gedacht. In der Praxis dienten sie jedoch dazu, um „starre oder fehlende Bestimmungen" zu ersetzen. Siehe Berufsschulen, die 26 Versuche für Freigegenstände und unverbindliche Übungen (!) aufgezogen haben. Dadurch wird die „geringe Flexibilität des Schulwesens" deutlich.

 

   Planlos. „Gesetzlich nur grob umrissen": So stellte sich die Grundlage für Schulversuche aus Rechnungshofsicht dar. Konkrete und überprüfbare Ziele sind nicht die Regel gewesen. Stattdessen hat man viele Versuche wissenschaftlich nicht evaluiert.

 

   Kostenfrage? Dem Ministerium wirft der Rechnungshof vor, weder Übersicht noch Kostenaufstellung zu den Schulversuchen zu haben. Nicht zuletzt, da Aufgaben, Ausgaben etc. unterschiedlich auf Bund, Länder und Landesschulräte aufgeteilt sind. Einmal mehr orten die Prüfer „strukturelle Probleme im Schulwesen". Das Bildungsministerium entgegnete, die Versuche hätten „streng kostenneutral" zu sein.

 

   Der Rechnungshof drängt darauf, dass „Schulversuche zeitlich beschränkt erprobt werden". Im Anschluss sind sie „auf Basis vorgegebener Ziele und Bewertungskriterien zu evaluieren". Darüber hinaus seien die „schulautonomen Möglichkeiten" zu erweitern. Das würde die Schulversuchszahlen senken. Unterm Strich besteht „erhebliches Potenzial", um Aufwand zu reduzieren und die Effizienz zu erhöhen.

 

   Von der Opposition ins Visier genommen, erklärte Ministerin Gabriele Heinisch-Hosek, das Thema in der Arbeitsgruppe zur Bildungsreform zu behandeln. Mehr Schulautonomie? Denkbar. Vom Landesschulrat Steiermark gab es keinerlei Stellungnahme.

 

 

"Kleine Zeitung" vom 29.01.2015                             Seite: 16

Ressort: Bundesland

 

Steiermark

 

„Versuche sorgen für Innovation"

 

Grazer Schuldirektor Klaus Tasch „verteidigt" die Schulversuche.

 

   Ihr Gymnasium in der Grazer Klusemannstraße startete 1991 in der Steiermark als erstes mit dem Schulversuch einer Neuen Mittelschule. Nun kritisiert der Rechnungshof die Versuchswut an Österreichs Schulen. Wie sieht der Pionier diese Kritik?

 

   KLAUS TASCH: Schulversuche sind ein Zeichen dafür, dass Schulen innovativ sein und die Qualität heben wollen. Die bei uns eingeführte NMS ist heute ja Standard und Teil des Regelwerks.

 

   Die Prüfer kritisierten aber auch die Kosten der NMS und dass sie nun ohne Evaluierung Teil des Regelschulwesens ist.

 

   TASCH: Effizienzfragen und ökonomische Beurteilungen sind das eine, die pädagogische Bewertung ist aber sicher keine Kompetenz dieser Prüfer.

 

   Führen Sie derzeit auch Versuche durch? TASCH: Ja, wir unterrichten an der AHS drei lebende Fremdsprachen, verzichten auf Latein.

 

   Und?

 

   TASCH: Der Versuch ist uns nach den ersten vier Jahren verlängert worden. Er hat sich aus unserer Sicht bewährt.

 

  Sind Schulversuche auch ein Ventil, um die Bildungsreformblockaden der Politik zu umgehen?

 

   TASCH: Nein, weil viele Versuche ja nur an bestimmten Standorten funktionieren und sich nicht auf alle ausdehnen lassen. Für mich ist es die Möglichkeit, die bisher fehlende Schulautonomie zu gewähren. Dafür war der Landesschulrat in der Steiermark sehr offen. Die Autonomie soll ja nun endlich kommen. INTERVIEW: BERND HECKE

 

 

"Kleine Zeitung" vom 29.01.2015                             Seite: 14

Ressort: Bundesland

 

BERND HECKE

 

Steiermark

 

AUFWECKER

 

Dschungelcamp

 

   Mit der Machete wollen die Prüfer des Bundesrechnungshofes dem Dickicht rot-weiß-roter Schulversuche zu Leibe rücken. Denn der aktuelle Prüfbericht ist starker Tobak: Was als zeitlich begrenzter Versuch zur schulischen Innovation beginnt, kann schon einmal 50 Jahre lang laufen – ohne dass das Experiment je eingestellt oder wegen Erfolgs ins Regelschulwerk übernommen wird. Auch diese Zahlen lassen einen grübeln: In Österreich gibt es 5800 Schulstandorte und mit 5367 fast ebenso viele Schulversuche, die an 2900 Standorten laufen. Kein Wunder, dass da Evaluierungen oder gar das Einstellen von Experimenten einfach nicht mehr zu schaffen sind.

 

   Der Rechnungshof nimmt jetzt das starre System ins Visier und empfiehlt den Ausbau der Schulautonomie. Das könnte uns unfassbar viel Bürokratie für Versuchsanträge zwischen Direktoren, Landesschul- und Ministerialräten ersparen. Die Prüfer stellen der Politik ein mieses Zeugnis aus. Hätte sie in den letzten Jahrzehnten mehr Reformeifer gezeigt, wäre uns das Dschungelcamp der Schulversuche erspart geblieben.

 

   Sie erreichen den Autor unter

 

   bernd.hecke@kleinezeitung.at

 

 

SN – 29. Jänner 2015

 

 

Direktoren fordern Strafen für Eltern, die Lehrer ignorieren

Von Maria Zimmermann

Was tun, wenn Eltern von Schülern die Zusammenarbeit mit der Schule verweigern? Lehrern sind derzeit oft die Hände gebunden.

Es gibt Schulklassen, da sitzt der Lehrer ganz allein beim Elternabend. Der Klassenvorstand einer vierten Klasse an der Diesterwegschule in Linz, einer Neuen Mittelschule, etwa wartete zu Schulbeginn vergeblich auf interessierte Mütter und Väter. Der Kollegin einer anderen Klasse erging es nicht viel besser: Nur eine Mutter war gekommen, um sich über die Herausforderungen ihres Kindes im neuen Schuljahr, in dem oft schon die Weichen für den Berufsweg gestellt werden, zu informieren. "Natürlich gab es auch Elternabende von Klassen, die besser besucht waren", sagt Cornelia Polli, Direktorin der Schule. "Aber die Eltern zu erreichen ist oft sehr schwierig, und das ist bei uns schon ein zentrales Thema."

Bei anderer Gelegenheit finden die Eltern äußerst rasch den Weg in die Schule: Wenn ihr Sohn oder ihre Tochter zum zweiten Mal das Handy abgeben musste, weil er oder sie es während des Unterrichts eingeschaltet hatte. Dann darf es laut Schulvereinbarung nur von den Eltern persönlich abgeholt werden. Und das geht meist schnell. "Die Wertigkeit des Handys ist eben eine sehr große", sagt Polli.

Die Diesterwegschule ist kein einfaches Pflaster. Viele Schüler kommen aus Familien, in denen Geld, Zeit und Unterstützung für die Kinder knapp sind. 96 Prozent der 230 Schülerinnen und Schüler haben Migrationshintergrund. Das heißt, dass unter einem Dach mehr als 30 Nationen mit unterschiedlichstem kulturellen und religiösen Hintergrund sitzen. Tatsache ist, dass die Herausforderungen enorm sind und es ganz klare Regeln braucht, die für die Schüler nachvollziehbar sind, wie Polli sagt. "Die Kinder müssen das Gefühl haben, dass man sie mag, ihnen aber trotzdem klare Regeln vorgibt."

Tatsache ist aber auch, dass sich viele Lehrer mehr Handhabe und Unterstützung wünschen - auch an Pollis Schule. Der Stufenplan für Schulschwänzer ist ihrer Meinung nach "völlig zahnlos": Wenn die Eltern den Aufforderungen der Lehrer, in die Schule zu kommen, nicht und nicht nachkämen, "dann steht man als Lehrer die längste Zeit an." Die Amtswege dauerten viel zu lang, und in der Zwischenzeit würde man die Jugendlichen "oft verlieren", sagt sie.

Ähnlich sieht das Karl Kukutsch, Direktor der NMS im niederösterreichischen Gänserndorf. "Es wäre gut, wenn man da schneller reagieren könnte. Etwa dann, wenn Eltern drei Mal eine Aufforderung, zur Sprechstunde zu kommen, ignorieren", sagt er. Das würde er sich freilich nicht nur bei Schulschwänzern wünschen, sondern auch, wenn Kinder sehr verhaltensauffällig seien oder enorme Lernschwierigkeiten hätten - und von Elternseite null Reaktion komme. Bis man derzeit etwas unternehmen könne, werde monatelang Arbeitsstunde um Arbeitsstunde investiert, um einen dicken Akt anzulegen.

Mitunter reagieren Eltern auch auf eingeschriebene Briefe nicht oder richten den Lehrern aus, dass ihre Kinder daheim ganz anders seien und die Lehrer selbst mit den Problemen zurecht kommen sollten. Ob es eine Lösung wäre, höhere Geldstrafen für die Eltern zu verhängen, wie dies Integrationsminister Kurz fordert, will Kukutsch nicht beurteilen. Wobei, wie er hinzufügt, "manche Eltern wahrscheinlich nur diese Sprache verstehen".

Kukutsch und Polli betonen, dass es problematische Eltern und Schüler sowohl unter In- als auch unter Ausländern gebe. In den zwei aktuell schwierigsten Fällen an seiner Schule handle es sich etwa um heimische Familien ohne Migrationshintergrund, sagt Kukutsch. Was bei Schülern mit Migrationshintergrund allerdings dazukomme, seien oft Verständigungsschwierigkeiten. Allen voran mit Müttern, die kein Deutsch könnten, ja mitunter sogar Analphabetinnen seien. "Es gibt immer wieder Fälle, wo wir draufkommen, dass die Mutter etwas unterschrieben hat, das sie gar nicht lesen konnte", erzählt er.

Auch Fälle von Kindern muslimischen Glaubens, die nicht am Schwimmunterricht oder anderen Schulveranstaltungen teilnehmen dürfen, gebe es immer wieder. Und auch Fälle, in denen die Lehrerin - weil Frau - nicht akzeptiert werde. Kukutsch: "Wenn da nicht der Papa mit dem Direktor, also mit mir, einem Mann, redet, geht nichts weiter." In solchen und ähnlichen Fällen gehöre Integration vorangetrieben, "auch mit Zwang", sagt er.

Muslimische Mädchen, die von den Eltern aus nicht am Schwimmunterricht teilnehmen oder das Kopftuch im Turnunterricht nicht abnehmen dürfen (was aber den Sicherheitsvorschriften zuwiderläuft) - diese Fälle kennt auch Polli. Wie damit umgehen? Das sei großteils den Schulen selbst überlassen, kritisiert sie. "Da gibt es eine große Unsicherheit unter den Lehrern. Da würde ich mir wesentlich mehr Klarheit wünschen." Polli muss auch Schülern und Eltern immer wieder erklären, was Schulpflicht bedeutet: dass ein Schüler eben nicht früher von der Schule nach Hause gehen darf, weil er für Mama im Krankenhaus dolmetschen oder auf die kleinen Geschwister aufpassen muss. "Unsere Zeit wird teils mit Sozialarbeit so strapaziert, dass die Lernzeit auf der Strecke bleibt", sagt sie. Beide Direktoren sind sich einig: Es bräuchte wesentlich mehr Expertenunterstützung an den Schulen - von Schulsozialarbeitern bis zu Psychologen. Polli: "Wir sind auch keine pädagogischen Wunderwuzzis. Die Schule kann nicht alles leisten."

 

 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 23 vom 29.01.2015               Seite: 1

Ressort: Seite 1

 

Österreich

 

2900 Schulen versuchen alternative Unterrichtsformen

 

   Von der Trachtenklasse bis zur Neuen Mittelschule, ausprobiert wird vieles. Ob es den Unterricht besser macht, wird hingegen kaum überprüft.

 

   WIEN. Österreich ist das Land der Schulversuche. In 2900 Schulen wird derzeit eine Alternative zum gesetzlich festgelegten Unterricht erprobt. Die Palette reicht von einer Trachtenklasse und einem Ballett-Realgymnasium bis zur Neuen Mittelschule und zur Zentralmatura. So ist es in einem Bericht des Rechnungshofs nachzulesen.

 

    Die Bildungsexpertin Heidi Schrodt sagte, hier werde das ganze Elend der österreichischen Bildungspolitik sichtbar. Zum einen zeige es, dass es keine großen Reformen gebe, weil sich die politischen Parteien gegenseitig blockierten. Zum anderen werde die enorme Bürokratie und das Misstrauen Direktoren und Lehrern gegenüber deutlich. Der Rechnungshof bemängelt weiters, dass nur wenige Schulversuche wissenschaftlich evaluiert werden. Trotzdem werden die Schulversuche teilweise in das Regelschulwesen übernommen. Kritik üben die Prüfer auch an der mangelnden Kostentransparenz. Zwar gibt es grundsätzlich die Vorgabe, dass Schulversuche „kostenneutral" durchzuführen sind, ob das wirklich so ist, ist für den Rechnungshof aber nicht nachvollziehbar. Das Unterrichtsministerium kündigte an, dass durch mehr Schulautonomie auf den Großteil der Schulversuche verzichtet werden könnte. Das Thema Schulversuche werde in der Arbeitsgruppe zur Bildungsreform behandelt werden. Seite 2

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"Salzburger Nachrichten" Nr. 23 vom 29.01.2015               Seite: 2

Ressort: Innenpolitik

 

Österreich

 

Schulversuche dauern oft schon 50 Jahre

 

   Jede zweite Schule in Österreich ist ein Schulversuch. Nicht nur der Rechnungshof findet das seltsam.

 

   WIEN. Österreichs Schulsystem erinnert an ein Versuchslabor. Der Rechnungshof macht in einem aktuellen Bericht darauf aufmerksam, dass an der Hälfte aller österreichischen Schulen in irgendeiner Form Schulversuche stattfinden. Der Grund für die ausufernden Versuche ist nicht zuletzt die jahrzehntelange Blockade von ÖVP und SPÖ in Sachen Schule: Schulgesetze konnten bis vor wenigen Jahren nur mit Zwei-Drittel-Mehrheit im Nationalrat geändert werden und sind zudem oft sehr eng gefasst. Die Einrichtung von Integrationsklassen, Änderungen bei der Anzahl oder Dauer von Schularbeiten oder einfach nur der Unterricht von Französisch statt Latein in der dritten Klasse Gymnasium war jahrelang nur als Schulversuch möglich.

 

   Die Bildungsexpertin Heidi Schrodt ist überzeugt, dass die vielen Schulversuche auch ein Indiz des Misstrauens der Bildungsverwaltung gegenüber den Schulen ist. „Wenn es mehr Schulautonomie gäbe, könnte ein Großteil ohne große bürokratischen Aufwand stattfinden", sagt die ehemalige AHS-Direktorin. Aber in Österreich machten oft Juristen die Bildungspolitik und nicht Bildungsexperten. Dies sei System, das über Jahrzehnte entstanden sei.

 

   Noch heute bedarf es etwa eines Schulversuchs, wenn Kinder in der ersten Klasse Volksschule anders als mit Noten beurteilt werden sollen, etwa verbal, mit Pensenbüchern oder Portfolios. Die verbale Beurteilung ist auch der wahrscheinlich älteste noch laufende Schulversuch: 2016 feiert er sein 50-Jahr-Jubiläum. Seit den 1990er-Jahren laufen Versuche zu bilingualen Volksschulen und Gymnasien, seit 17 Jahren zum Ethikunterricht für jene Schüler, die keinen Religionsunterricht besuchen, seit zwölf Jahren gibt es E-Learning in Notebook-Klassen.

 

   Schulversuche gibt es aber auch, um „spezielle Bedürfnisse von bestimmten Zielgruppen" abzudecken, wie es der Rechnungshof nennt: Seit 1980 gibt es schon den Versuch „Realgymnasium für SchülerInnen der Ballettschule der Wiener Staatsoper", am Liese-Prokop-Oberstufenrealgymnasium für Hochleistungssportler dauert die Oberstufe fünf statt vier Jahre. Es gibt aber auch Beispiele für Schulversuche, die ins Regelschulwesen übernommen wurden: Prominenteste Beispiele sind die Neue Mittelschule, die Zentralmatura an AHS, die zweite lebende Fremdsprache ab der 3. Klasse Gymnasium (statt Latein) und die Einführung von Integrationsklassen. Nach 48 Jahren im Versuchsstadium schaffte es schließlich auch die „Trachtenklasse" am Annahof in Salzburg: Der Lehrgang für Trachtenschneiderei wurde 1993 ins Regelschulwesen übernommen. Der Rechnungshof stellte beträchtliche Verwaltungskosten für die Bearbeitung der Schulversuche fest, heißt es im Prüfbericht. Im Hinblick auf die Kritik des Rechnungshofs an der großen Anzahl an Schulversuchen verweist das Bildungsministerium darauf, dass das Thema Schulautonomie ein Thema in der Arbeitsgruppe zur Bildungsreform sei. Damit könnte das Problem gelöst werden. alf

 

 

Der Standard – 29. Jänner 2015

 

 

Rechnungshof: Massive Kritik an Schulversuchen

Bereits an jedem zweiten Schulstandort - Kosten und Nutzen allerdings unklar

Wien - Das heimische Bildungssystem geht vor Schulversuchen über. Im Schuljahr 2012/2013 gab es bereits 5367 Schulversuche an 2900 Standorten. Damit findet an jeder zweiten Schule ein Schulversuch statt. Wie hoch die Ausgaben dafür genau sind und welche Ziele damit verfolgt werden, ist aber unklar, kritisiert der Rechnungshof in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht.

Streng genommen ist schon die Bezeichnung Schulversuch in vielen Fällen verfehlt. Eine alternative Leistungsbeurteilung wird beispielsweise bereits seit 50 Jahren erprobt (aktuell an 2026 Standorten), Ethikunterricht gibt es seit 17 Jahren. Der Fantasie sind bei den Anträgen keine Grenzen gesetzt: Es gab und gibt nicht nur die bekannten Schulversuche zur Neuen Mittelschule oder zur Zentralmatura, sondern auch welche mit Philosophie-, Ballett- oder Trachtenschwerpunkt.

Evaluierung selten

Eine wissenschaftliche Evaluierung gibt es nur "vereinzelt", wie der Rechnungshof bemängelt. Trotzdem würden die Schulversuche teilweise in das Regelschulwesen übernommen. Das Bildungsministerium könne seine Steuerungsfunktion "nur mangelhaft wahrnehmen", weil es keinen "gesamthaften Überblick" über Schulversuche gebe, heißt es dazu.

Kritik gibt es auch an der mangelnden Kostentransparenz. Zwar gibt es grundsätzlich die Vorgabe, dass Schulversuche "kostenneutral" durchzuführen sind, ob das wirklich so ist, ist für den Rechnungshof aber nicht nachvollziehbar. Es gebe keine Übersicht, "wie hoch die Ausgaben für Schulversuche waren".

Beträchtlicher Ressourcenbedarf

Die Prüfer gehen jedenfalls davon aus, dass es sehr wohl "einen beträchtlichen Ressourcenbedarf" für Schulversuche gebe. Konkret untersucht wurden die Länder Niederösterreich und Wien, die genehmigte Stellenpläne der allgemein bildenden Pflichtschulen "beträchtlich überschritten". Mangels detaillierter Unterlage wisse man aber nicht, ob die Überschreitung tatsächlich durch Schulversuche verursacht wird.

Den hohen Ressourceneinsatz gibt es freilich nicht nur in den Schulen, sondern auch in den Landesschulräten. "Der Rechnungshof stellte beträchtliche Verwaltungskosten für die Bearbeitung der Schulversuche fest", heißt es im Prüfbericht. In Niederösterreich waren die Personalkosten je Schulversuch doppelt so hoch wie in Wien. Allerdings gilt auch hier: Für ein vollständiges Bild fehlt es an Daten.

Vertiefte Prüfung

Der Rechnungshof schlägt daher zahlreiche Maßnahmen vor. Zunächst brauche es eine "vertiefte Prüfung", um den "tatsächlichen Beitrag der einzelnen Schulversuche für die qualitative Weiterentwicklung des österreichischen Schulsystems" zu erforschen. Anzustreben sei auch eine Reduktion der Schulversuche.

Erreicht werden könnte das laut den Prüfern unter anderem durch mehr Schulautonomie. Vor allem den Berufsschulen würde das helfen. Mangels autonomer Gestaltungsspielräume seien nämlich allein 26 Schulversuche zu Freigegenständen und unverbindlichen Übungen beantragt worden, heißt es. Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) will den Vorschlag in der Arbeitsgruppe zur Bildungsreform behandeln.

Damit einzelne Versuche nicht über Jahrzehnte laufen, brauche es klar definierte Erprobungszeiträume sowie vorgegebene Ziele und Bewertungskriterien. Die Administration und Erfassung der Schulversuche müsse wiederum vereinheitlicht werden, um das "erhebliche Potenzial" zur Reduktion des Verwaltungsaufwands ausschöpfen zu können.

 

 

"Der Standard" vom 29.01.2015                                Seite: 8

Ressort: Inland

 

Karin Riss, David Krutzler

 

Bundesland, Bundesland Abend

 

Zwischen Unverständnis und Hoffnung

 

   Zwei rote Landeschefs brechen eine Debatte über „Integrationsverweigerer" vom Zaun, die auch manche Genossen erstaunt. Nicht nur an Wiener Schulen hofft man ein weiteres Mal auf viele zusätzliche Psychologen.

 

   Wien – Gefühlte 15-mal verwendete Hans Niessl (SPÖ) in der ORF-Sendung Report das Wort „Angebot". Ein solches will der burgenländische Landeshauptmann mit seiner Forderung nach Sanktionen für „Integrationsverweigerer" nämlich eigentlich unterbreitet haben. Im Niessl-Angebotspackage unter anderem vorgesehen: Ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr, flächendeckender Ethikunterricht, die Einführung des Fachs „politische Bildung", sowie verstärkte Angebote (!) vonseiten der Volkshochschulen. Wer solchen Offerten immer noch widersteht, den müsse man „aufmerksam machen". Heißt im Klartext: Sanktionen, die Niessl vor allem in Form von Verwaltungsstrafen andenkt.

 

   Dieses Ansinnen, das ihn mit Steiermarks Landeschef Franz Voves, sowie Oberösterreichs SP-Chef Reinhold Entholzer eint, stößt vor allem bei der Parteijugend auf scharfe Ablehnung, sie spricht von „rechten Rülpsern". Auch andere Genossen sind wenig begeistert, formulieren aber zurückhaltender. Der Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) drückt es im Gespräch mit dem Standard so aus: „Es kann nicht sein, dass man für einzelne Gruppen Sonderregelungen macht." Die bestehenden gesetzlichen Regelungen sind für ihn „ausreichend". Auch empfindet er die Debatte zwar grundsätzlich positiv (weil sich zeige, wie wichtig das Thema Integration ist), aber von hinten aufgezäumt: „Die Sanktionen sind ja mehr eine Folge, denn eine Hauptmaßnahme." Kaiser sieht jetzt „all jene bestätigt, die meinen, dass Integrationsmaßnahmen so früh als möglich anzusetzen sind", freilich brauche das „etwas mehr Geld" – genau beziffern kann er die benötigte Summe aktuell nicht.

 

   Wiens Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) bleibt ebenfalls vorsichtig und lässt nur so viel ausrichten: „Es gibt Rechte und Pflichten für alle. Und an dieselben Spielregeln müssen sich alle halten." Zu Niessls Forderung nach Verwaltungsstrafen bei Integrationsunwilligkeit wollte sich Häupl am Mittwoch nicht äußern.

 

   Neben den Niessl-Wünschen nach Ethikunterricht oder der Einführung des Fachs „politische Bildung" meldete sich zuvor auch schon Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) zu Wort: Sie kündigte an, mit dem Finanzminister über 100 zusätzliche Schulpsychologen verhandeln zu wollen. Geschätzte Kosten: Fünf bis sechs Millionen Euro pro Schuljahr. Im Wiener Stadtschulrat hofft man, dass den Ankündigungen auch Taten folgen.

 

   Gefragte Psychologen

 

   „Wir fordern seit Jahrzehnten eine Erhöhung", heißt es aus dem Büro von Präsidentin Susanne Brandsteidl (SPÖ). Konkret habe es seit mehr als 20 Jahren keine Erhöhung gegeben. Derzeit gibt es in Wien nur 25 Schulpsychologen – für rund 220.000 Schüler an 670 Schulen. Nach Adam Riese heißt das, dass sich rund 27 Schulen einen Psychologen teilen. Zum Vergleich: In der finnischen Stadt Helsinki steht laut Eigenangaben in jeder Gesamtschule ein Schulpsychologe zur Verfügung.

 

   Ähnlich trist wie in Wien sieht es in Niederösterreich aus: Dort gibt es für knapp 200.000 Schüler in 1158 Schulen nur 21 Dienstposten, sagt Andrea Richter, die Leiterin der Schulpsychologie im Landesschulrat, im Standard-Gespräch. „Wir haben errechnet, dass uns für eine sinnvolle Betreuung alleine in Niederösterreich mindestens 14 Planstellen für Schulpsychologen fehlen." Richter geht dabei davon aus, dass etwa drei Prozent der Volksschüler, zwei Prozent der Zehn- bis 14-jährigen sowie ein Prozent der älteren Schüler schulpsychologische Betreuung brauchen.

 

   Der Wiener Schulschwänzbeauftragte Horst Tschaikner möchte die Relevanz von Verwaltungsstrafen im Standard-Gespräch nicht bewerten, weiß aber: „Es geht immer um Support- und Stützsysteme, man muss an jedem einzelnen Fall dran sein." Am Mittwoch wurden die Kosten der #stolzdrauf-Kampagne von Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) bekannt: 326.028,70 Euro. Kurz will „Integrationsunwillige" übrigens auch länger Tafel wischen lassen. Kommentar Seite 32

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"Der Standard" vom 29.01.2015                               Seite: 32

Ressort: Kommentar

 

Karin Riss

 

Niederösterreich

 

Integrationspolitik

 

Tausendundeine Idee

 

   Am Mittwoch war Hans Niessl noch immer oberster roter Wahlkämpfer im schönen Burgenland, auch wenn ihm – und dem inhaltlich voll auf Linie befindlichen steirischen SP-Chef Franz Voves – die Parteijugend ob seiner „rechten Rülpser" bereits den Parteiwechsel nahegelegt hatte. Inhaltlich geht es bei der Auseinandersetzung um sogenannte „Integrationsunwillige", eine Wortneuschöpfung aus dem pannonisch-steirischen Landtagswahlkampf, ebenso unpräzise wie hilfreich.

 

   Wer die Heerscharen integrationsunwilliger Gefahrenpotenziale sind? Da fällt den beiden Volksvertretern immer wieder das Beispiel jenes Vaters ein, der das Gespräch mit der Lehrerin verweigert. Ein klassischer Fall von Sexismus, befindet SOS Mitmensch und fragt sich zu Recht, warum die roten Schulspezialisten ihre Ideen dann unter die Überschrift „Migrantenproblem" stellen.

 

   Weil Wahlkampf ist. Weil es leichter ist, den vermeintlichen Wählerwillen mittels populistischer Schnellschüsse als durch durchdachte, meist kostenintensive Konzepte zu befrieden. Wie Integration gelingen kann, wissen auch Niessl und Voves. An der Oberfläche beginnt sie mit Sprachkompetenz, im Kern geht es immer um Beziehungsarbeit. Und für die braucht es Personal. In den Schulen können das Sozialarbeiter und Psychologen sein. Das wird seit tausend Jahren gefordert und ebenso lange versprochen. Jetzt stehen sie wieder auf dem politischen Tagesmenü: Die Bildungsministerin will über zusätzliche Stellen verhandeln.

 

 

"Kronen Zeitung" vom 29.01.2015                           Seite: 11

Ressort: Lokal

 

Bgld, Ktn, Wi, N.Ö., O.Ö., Sbg, Stmk, Ti, Vbg, Wi, Wi, Morgen

 

Hoher Aufwand, aber nur wenig Effizienz Der Rechnungshof übt scharfe Kritik:

 

Wildwuchs an Schulversuchen

 

Während alle Schüler in Ostösterreich erst am Freitag ihre Halbjahres-Zeugnisse entgegennehmen dürfen, war für das Bildungsministerium und die Landesschulräte bereits am Mittwoch Notenverteilung. Und die schaut nicht sehr berauschend aus: Der Rechnungshof kritisiert den Wildwuchs an Schulversuchen scharf!

 

   Bereits an jedem zweiten Standort fanden im Schuljahr 2012/2013 (teure) Schulversuche statt

 

   Bei dieser Prüfung stiegen zum Teil sogar die Experten des Rechnungshofes (RH) aus: So liefen im Schuljahr 2012/2013 österreichweit fast 5400 (!) verschiedene Schulversuche an 2900 Standorten. Unterm Strich hat mittlerweile jede zweite Bildungsstätte in irgendeiner Form Schulversuche laufen. Besonders beliebt sind alternative Leistungsbeurteilung (etwa in Volksschulen), Versuche zur Matura sowie zu Lehrplänen.

 

   So weit, so gut. Allerdings wurden und werden nur die wenigsten einer wissenschaftlichen Analyse unterzogen. Wohl auch deshalb, weil das Ministerium und die zuständigen Landesschulräte den Überblick verloren haben. So tauchten in den Unterlagen Schulversuche auf, die bereits seit 50 Jahren laufen. Auch der Schulversuch "Ethik" wird an einigen Standorten schon seit 17 Jahren erprobt, ohne dass er jemals in s Regelschulwesen übernommen wurde. Auch bei den Kosten fehlt der Durchblick!

 

   Keine Aufzeichnung über die Kosten

 

   Wie hoch die Kosten für (oft unnötige) Schulversuche sind, konnten nicht einmal die Prüfer herausfinden - dem Ministerium fehlen entsprechende Aufzeichnungen. Dass sich der RH daher für weniger Schulversuche ausspricht, liegt auf der Hand: "Die frei werdenden Ressourcen könnten für die pädagogische Arbeit und zur Unterstützung bzw. Entlastung der Schulen verwendet werden", heißt es.

 

 

Kurier – 29. Jänner 2015

 

Integration: Heinz Fischer gegen Strafen.

An Schulen fehle es an Unterstützung durch Psychologen und Sozialarbeiter, warnen Betroffene.

Soll es für Schüler, die sich "integrationsunwillig" zeigen, mehr Sanktionsmöglichkeiten – etwa Geldstrafen – geben? Im Gespräch mit dem KURIER warnt Bundespräsident Heinz Fischer vor Schnellschüssen: "Beim Begriff ,Integrationsverweigerung' handelt es sich um einen absolut schwammigen Begriff, der als solcher nicht als Grundlage für eine Strafbestimmung taugt."

Österreichische Emigranten in Lateinamerika oder in der Türkei würden auch nicht Integrationsverweigerung betreiben, wenn sie an heimischen Bräuchen oder ihrer Religion festhalten, sagt Fischer.

Das Staatsoberhaupt teilt die Meinung des Justizministers, dass man das Strafrecht und das Verwaltungsstrafrecht "gerade in diesen Bereichen nicht überfordern" soll. "Natürlich gibt es Menschen mit ,Anpassungsstörungen', aber die gibt es nicht nur unter Ausländern sondern auch unter Inländern."

Ziel sei die bestmögliche Integration. Fischer ist dagegen, dass Menschen aus anderen Kulturkreisen ihre Verbindung zum Heimatland und zu ihren Traditionen abbrechen müssen. "Ich will aber sehr wohl, dass sie in ihrer neuen Heimat loyale Bürgerinnen und Bürger sind."

Mehr Sozialarbeiter

Lukas Faymann, Bundesschulsprecher, plädiert für mehr Prävention an den Schulen. Probleme sollten im Unterricht thematisiert werden, politische Bildung als Schwerpunkt verankert. "Und wir brauchen viel mehr Supportpersonal an den Schulen, etwa Sozialarbeiter und Psychologen."

Ähnlich argumentieren auch die Lehrervertreter: Deren Chef Paul Kimberger fordert ebenfalls (und schon lange) mehr Unterstützungspersonal. "Das könnten zum Teil aber auch Experten sein, die aus diesen Kulturkreisen stammen, damit die Kommunikation besser klappt."

Eckehart Quinn, AHS-Lehrervertreter, kritisiert zudem, dass "niederschwellige" Kontaktmöglichkeiten fehlen, damit Lehrer mit betroffenen Eltern sprechen können. "Es gibt dann nur mehr die Jugendwohlfahrt als letztes Möglichkeit zur Kontaktaufnahme, und das ist dann doch ein sehr harter Schritt."

 

 

Kurier – 29. Jänner 2015

 

Schulversuche als Dauer-Provisorium.

Der Rechnungshof kritisiert, dass auch das Ministerium den Überblick verloren hat.

Es ist eine schallende Ohrfeige für die heimischen Bildungspolitiker – das Urteil des Rechnungshofes zu den Schulversuchen: In jeder zweiten Schule wird irgend etwas ausprobiert – mitunter jahrzehntelang und ohne Überprüfung auf Sinnhaftigkeit. Das Bildungsministerium hat keinen Überblick über den Wildwuchs. Und all das verursacht hohe Kosten.

Die Kontrollore zeigen damit vor allem auf, was passiert, wenn dringend nötige Veränderungen im Bildungsbereich jahrelang verzögert werden.

Manche Schulversuche sind haarsträubend. So gibt es seit fast 50 Jahren (!) alternative Leistungsbeurteilungen an Schulen. Das heißt, die Kinder bekommen keine Noten, sondern werden z. B. verbal oder in Form von Zeichen beurteilt. Das geschieht in 2026 (also in der überwiegenden Mehrheit) aller Volksschulen. Bis heute war die Politik aber nicht in der Lage zu entscheiden, was die Regel werden soll: Alternative Beurteilung oder Noten?

17 Jahre Ethik-Versuch

Ebenso absurd ist, dass seit 17 Jahren (in mittlerweile jeder vierten höheren Schule) Ethik statt Religion als Pflichtfach unterrichtet wird – und bis heute darüber gestritten wird, ob ein solches Fach sinnvoll wäre oder nicht.

Auch die "Neue Mittelschule" sei nicht abschließend überprüft worden – und dennoch sei schon entschieden worden, sie flächendeckend einzuführen, moniert der Rechnungshof und weist zudem auf die hohen Kosten hin ("Mehrausgaben" von 114 Millionen Euro zwischen 2008 und 2012).

Ein Grund für Schulversuche sind aus Sicht der Prüfer auch "zu geringe schulautonome Möglichkeiten". Im Bericht hört sich das so an: "Aus der Vielfalt der Schulversuche war einerseits das Engagement zur Weiterentwicklung des Bildungswesens ersichtlich. Andererseits verdeutlichte vor allem der Umfang der Schulversuche die geringe Flexibilität des österreichischen Schulsystems."

Das heißt, Schulen nützen "Versuche" oft, um inhaltliche Schwerpunkte setzen zu können, nicht um zu überprüfen, ob etwas Sinn macht. Es sind unzählige Puzzleteile. Seit den 1990er-Jahren gibt es etwa bilinguale Volksschulen und Gymnasien. Das Problem: Eltern, die ihr Kind auf eine solche Schule schicken (wollen), wissen vorab nicht, wie lange der Schulversuch bestehen bleibt.

Zerfleddert wird von den Kontrolloren auch, wie Schulversuche genehmigt werden müssen: "Durch die zersplitterte Kompetenzverteilung" (Bund, Länder, Schulen) gebe es "acht unterschiedliche Verfahren". Die diversen Rechtsgrundlagen würden "hohen bürokratischen Aufwand" bedingen.

Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek befindet, es würde wesentlich weniger Schulversuche geben, wenn es mehr Schulautonomie gäbe. Damit hänge auch die Frage der Neuorganisation der Schulversuche zusammen. Die Bildungsreformkommission (von Bund und Ländern) würde sich bereits mit dem Thema Schulautonomie befassen. Die Länder treten bekanntlich dafür ein. Schon Anfang März, wenn die Gruppe wieder tagt, könnten die ersten Weichen für mehr Freiheiten an den Schulen gestellt werden.

 

 

Kurier – 29. Jänner 2015

 

Widersprüchli­che Angaben: Hilferuf vor Zentralmatura.

Länge der "Vorwissenschaftlichen Arbeit" sorgt für Turbulenzen.

In zwei Wochen müssen Österreichs Maturanten ihre "Vorwissenschaftliche Arbeit" (VWA) abgeben, für die sie ein Jahr Zeit hatten. Länge: Zwischen 40.000 und 60.000 Zeichen.

Nun ist ein politischer Streit entbrannt, ob die meist zahlreichen Fußnoten der Arbeit mitgezählt werden dürfen oder nicht. Tatsächlich finden sich auf der Webseite des Ministeriums dazu widersprüchliche Angaben. Konkret heißt es: "40.000–60.000 Zeichen (exkl. Vorwort, Zitierverweise in Form von Fußnoten oder im Text, ...)." Und nur eine Zeile später steht: "Erklärungen, Ergänzungen in den Fußnoten sind Teil des Textes und daher mitzuzählen."

Ein Gymnasiast hat einen panischen Brief an Grünen-Bildungssprecher Harald Walser geschrieben, und um Hilfe gebeten, weil sich niemand mehr auskenne. Walser hat dazu eine parlamentarische Anfrage gestellt.

Das Ministerium kalmiert: Die Regelung sei eindeutig. Erklärende und ergänzende Fußnoten sind mitzuzählen, alle anderen nicht.

Walser bleibt dabei: "Und wer bestimmt den Unterschied? Dieser Irrsinn ergibt doch keinen Sinn."

 

 

Wiener Zeitung – 29. Jänner 2015

 

Rechnungshofkritik

Heinisch-Hosek will weniger Schulversuche durch mehr Autonomie

 

 

 

 

 

 

 

Wien. Im Hinblick auf die Kritik des Rechnungshofs an der großen Anzahl an Schulversuchen verweist das Bildungsministerium am Mittwoch darauf, dass durch mehr Schulautonomie auf den Großteil der Schulversuche verzichtet werden könnte. Das Thema Schulversuche werde in der Arbeitsgruppe zur Bildungsreform behandelt.

Die aus Gabriele Heinisch-Hosek sowie Kanzleramtsminister Josef Ostermayer, den Landeshauptleuten Hans Niessl und Peter Kaiser auf SPÖ-Seite sowie Innenministerin Johanna Mikl-Leitner, Wissenschafts-Staatssekretär Harald Mahrer und den Landeshauptleuten Erwin Pröll und Wilfried Haslauer (alle ÖVP) bestehende Arbeitsgruppe trat in der Vorwoche zum ersten Mal zusammen. Der nächste Termin findet Anfang März statt.

Unübersichtlichkeit der Kosten
Kritik an der Unübersichtlichkeit der Kosten für Schulversuche weist man im Ministerium zurück. Das Kostenargument treffe nicht zu, "da alle Schulversuche als Abweichungen von Regellehrplänen streng kostenneutral sein müssen und auch nur unter diesem Aspekt genehmigt werden". Wie Schulversuche künftig gestaltet werden und in welchem Umfang es sie überhaupt noch geben wird, hänge davon ab, wie weit die Schulautonomie gehen werde.

Die Regierung müsse in Sachen Autonomie "jetzt endlich konkret Meter machen", so der Bildungssprecher der NEOS, Matthias Strolz. FPÖ-Bildungssprecher Walter Rosenkranz zeigt "allein die Zahl von 5.367 Schulversuchen an insgesamt 2.900 Schulstandorten auf, dass von einer durchdachten und konsequenten Schulpolitik in Österreich keine Rede sein kann".

 

Heute – 29. Jänner 2015

 

Land der Schulversuche! RH empfiehlt Reduktion

Der Rechnungshof (RH) empfiehlt eine Reduktion der Anzahl der zahlreichen Schulversuche in Österreich. Im Schuljahr 2012/13 fanden an praktisch genau der Hälfte der rund 5.800 Schulstandorte Versuche statt, heißt es in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht. Zum Teil laufen Schulversuche bereits rund 50 Jahre.


Der RH spricht von einer "ausgedehnten Schulversuchslandschaft": Insgesamt wurden 2012/13 5.367 Schulversuche an 2.900 Standorten durchgeführt (an einem Standort können auch mehrere Schulversuche durchgeführt werden, Anm.). Am beliebtesten waren dabei Versuche zur alternativen Leistungsbeurteilung (2.026, vor allem an Volksschulen), zur Matura (797, vor allem an AHS) sowie zu Lehrplänen (478) und Prüfungsordnungen (287) im berufsbildenden Bereich. Durch die Übernahme der Zentralmatura an AHS ins Regelschulwesen in diesem Schuljahr sind aber mittlerweile zahlreiche Versuche weggefallen.

Starre, rechtliche Vorgaben
Als Grund für die häufige Einrichtung von Schulversuchen macht der RH fehlende bzw. starre rechtliche Vorgaben aus. So mussten etwa Berufsschulen Schulversuche anmelden, um Freigegenstände einzurichten oder Tourismusschulen auf Versuche zur Verlegung der Schulzeit zurückgreifen, um Betriebspraktika in der Wintersaison zu ermöglichen. Der RH empfiehlt daher einen Ausbau der Schulautonomie.

Entweder einführen, oder beenden
Kritik übte der RH auch daran, dass zahlreiche Schulversuche ihre Erprobungszeit schon weit überschritten hatten und damit ihren eigentlichen Zweck - die Erprobung von bestimmten Maßnahmen - nicht mehr erfüllen. Die ersten Versuche zur alternativen Leistungsbeurteilung sind bereits 50 Jahre alt, jene zum Ethikunterricht immerhin schon 17 Jahre.

Der RH rät daher entweder zur Übernahme ins Regelschulwesen oder zur Beendigung.

Gleichzeitig bemängeln die Prüfer, dass viele Schulversuche nicht wissenschaftlich evaluiert bzw. zum Teil - wie etwa beim Ethikunterricht - Alternativvarianten gar nicht erprobt würden. Umgekehrt wurden aber Versuche wie etwa jene zur neuen Mittelschule (NMS) oder zur Zentralmatura ohne vorherige Evaluation ins Regelschulwesen übernommen.

Der Grund dafür könnte in einer Art Zweiteilung der Schulversuchs-Varianten liegen: Einerseits gebe es vom Bildungsministerium initiierte und zu erprobende Schulmodelle mit eigener gesetzlicher Regelung ("Top-Down-Schulversuche") wie die Neue Mittelschule, die Modularisierung der Oberstufe oder die Zentralmatura, mit denen ohnehin schon beschlossene Maßnahmen erprobt werden und andererseits Schulversuche, die auf Initiative der Schule bzw. der Landesschulräte laufen (Bottom-Up-Schulversuche).

Keine Übersicht!
Als weiteres Problem ortete der RH, dass das Bildungsministerium auch aufgrund der "Komplexität und Vielschichtigkeit des österreichischen Schulwesens" keine österreichweite Übersicht über alle Schulversuche habe. Das führt auch dazu, dass die Regelungen über die gesetzlich vorgegebenen Höchstgrenzen für die Anzahl von Schulversuchen nicht kontrolliert werden konnten und etwa bei den Versuchen zur alternativen Beurteilung überschritten wurden.

 

 

"Vorarlberger Nachrichten" vom 29.01.2015

Ressort: VN-A

 

 

Hohe Zahl an Schulversuchen

 

   Wien. Laut einem aktuellen Bericht des Rechnungshofs wird derzeit an der Hälfte aller österreichischen Schulen ein Schulversuch durchgeführt. Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) betonte, dass die Zahl durch die Einführung umfassenderer Schulautonomie sinken könnte. /A3

 

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"Vorarlberger Nachrichten" vom 29.01.2015

Ressort: VN-A

 

 

In der Hälfte der Schulen finden Schulversuche statt. Der Rechnungshof übt Kritik.

 

"Zu viele Schulversuche"

 

   Wien. (VN-ebi, apa) In der Hälfte aller österreichischen Schulen finden in irgendeiner Form Schulversuche statt. Das zeigt ein aktueller Bericht des Rechnungshofs. Die Palette der bisher erprobten Versuche ist dabei breit und reicht von einer „Trachtenklasse" und einem Ballett-Realgymnasium bis zur Neuen Mittelschule und zur Zentralmatura. Der Grund für die ausufernden Versuche ist nicht zuletzt die jahrzehntelange Blockade von ÖVP und SPÖ in Sachen Schule: Schulgesetze konnten bis vor wenigen Jahren nur mit Zwei-Drittel-Mehrheit geändert werden. Die  Änderungen bei der Anzahl oder Dauer von Schularbeiten oder einfach nur der Unterricht von Französisch statt Latein in der dritten Klasse Gymnasium war jahrelang nur als Schulversuch möglich. Die verbale Beurteilung ist der wahrscheinlich älteste noch laufende Schulversuch: 2016 feiert er sein 50-Jahr-Jubiläum. Bildungsministerium Gabriele Heinisch Hosek (SPÖ) verwies darauf, dass durch mehr Schulautonomie auf den Großteil der Schulversuche verzichtet werden könnte.

 

   Zeichen zählen

 

   Unterdessen berichtete der Vorarlberger Grüne-Mandatar Harald Walser den VN, dass es neue Unstimmigkeiten in Sachen Zentralmatura gibt. Bei der vorwissenschaftlichen Arbeit, die  Maturanten im Umfang von 40.000 Zeichen abliefern müssen, sei unklar, ob die Schüler die Fußnoten zur Zeichenzahl mitzählen dürfen oder nicht. „Ich habe eine Mail eines Maturanten bekommen. Demnach wurde den Schülern zwei Wochen vor Abgabefrist mitgeteilt, dass sie nun weitere 8000 Zeichen einarbeiten müssen, da die Fußnoten nicht mehr mitgezählt werden", sagt Walser. Auf der Webseite des Ministeriums werden unterschiedliche Informationen geliefert. Das sei so nicht wahr, hieß es vonseiten des Ressorts. Auf der einen Seite werde beschrieben, welche Teile zu den 40.000 Zeichen zählen. Diese umfassen auch Ergänzungen des Texts in Form von Fußnoten. Auf der anderen Seite werde erläutert, was nicht dazu zähle, also Fußnoten, die lediglich als Verweise gelten.

 

 

"Tiroler Tageszeitung" Nr. 29 vom 29.01.2015                Seite: 11

Ressort: Nachrichten1u2

 

 

Ministeriell gebilligter Versuchsdschungel Achtung! Das ist nur ein Mustertext

 

Jeder zweite Schulstandort versucht sich in Neuem, teils über Jahrzehnte. Dem Rechnungshof ist das zu viel. Er verlangt eine Reduktion der Versuche. Die Ministerin will Schulen freie Hand durch Autonomie geben.

 

   Wien - Es gibt Schulversuche, die laufen seit sage und schreibe 50 Jahren. Und jährlich kommen neue dazu. 5367 Schulversuche fanden im Unterrichtsjahr 2012/13 statt, fand der Rechnungshof heraus und befand in seinem gestern veröffentlichten Bericht: Das sind zu viele. Denn immerhin gibt es gerade mal 5800 Schulstandorte in Österreich. Die Hälfte dieser Standorte - und viele gleich mehrfach - versuchen sich - mit ministeriellem Segen - in Neuem.

 

   Am beliebtesten seien Versuche zur alternativen Leistungsbeurteilung (2026, vor allem an Volksschulen), zur Matura (797) sowie zu Lehrplänen (478) und Prüfungsordnungen (287) im berufsbildenden Bereich, zählt der RH auf, räumt aber ein: Durch die Zentralmatura im AHS-Regelschulwesen seien in diesem Schuljahr mittlerweile zahlreiche Versuche weggefallen.

 

   Als Grund für viele Schulversuche macht der RH fehlende bzw. starre rechtliche Vorgaben aus. So mussten etwa Berufsschulen Schulversuche anmelden, um Freigegenstände einzurichten oder Tourismusschulen auf Versuche zur Verlegung der Schulzeit zurückgreifen, um Betriebspraktika in der Wintersaison zu ermöglichen. Der RH empfiehlt daher einen Ausbau der Schulautonomie.

 

   Genau da versprach gestern Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) anzusetzen. Das Thema werde in der koalitionären Arbeitsgruppe zur Bildungsreform behandelt werden.

 

   Kritik übte der RH auch daran, dass zahlreiche Schulversuche ihre Erprobungszeit schon weit überschritten hatten und damit ihren eigentlichen Zweck - die Erprobung von bestimmten Maßnahmen - nicht mehr erfüllen. Die ersten Versuche zur alternativen Leistungsbeurteilung sind bereits 50 Jahre alt, jene zum Ethikunterricht immerhin schon 17 Jahre. Der RH rät daher entweder zur Übernahme ins Regelschulwesen oder zur Beendigung.

 

   Gleichzeitig bemängeln die Prüfer, dass viele Schulversuche nicht wissenschaftlich evaluiert bzw. zum Teil - wie etwa beim Ethikunterricht - Alternativvarianten gar nicht erprobt würden. Umgekehrt wurden aber Versuche wie etwa jene zur Neuen Mittelschule (NMS) oder zur Zentralmatura ohne vorherige Evaluation ins Regelschulwesen übernommen. (APA, sta)

 

 

ORF – 29. Jänner 2015

 

·         Rechnungshof kritisiert hohe Zahl an Schulversuchen

Durchgefallen sind beim Rechnungshof die vielen Schulversuche in Österreich. Die laufen an mittlerweile jeder zweiten Schule des Landes, oftmals jahrzehntelang - und sind in vielen Fällen zu teuer. Ausdruck des Reformstaus im Bildungsbereich sei das , meint der Rechnungshof. Die Bildungministerin wünscht sich mehr Schulautonomie - und verweist auf die Bildungsreformkommission.

http://tvthek.orf.at/program/ZIB-20/1218/ZIB-20/9166377/Rechnungshof-kritisiert-Schulversuche/9166565

 

 

 

ORF – 29. Jänner 2015

 

·         Rechnungshof kritisiert Schulversuche

Der Rechnungshof (RH) kritisiert die vielen Schulversuche in Österreich, die nach Meinung des RH Ausdruck des Reformstaus im Bildungsbereich seien.

http://tvthek.orf.at/program/ZIB-1/1203/ZIB-1/9166778/Rechnungshof-kritisiert-hohe-Zahl-an-Schulversuchen/9166785

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
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