Mittwoch, 7. Januar 2015

2015.01.08: Newsletter Bildung

Die Presse – 8. Jänner 2015

 

 

Vom Mythos Matura und von Maturamythen

Erfahrungen aus der Praxis zur Versachlichung einer aus dem Ruder laufenden Diskussion.

„Matura mocht ma net, die hot ma!“ Dieser saloppe Ausspruch von frisch Graduierten denen gegenüber, die das noch vor sich haben, bringt ungewollt zwei wesentliche Punkte dieser abschließenden Prüfung der sekundären Schulausbildung auf den Punkt: Warum macht man diese überhaupt, wenn man ohnehin zwölf oder dreizehn Jahre positiv hinter sich gebracht hat, und was hat man dann davon?

Der Mythos der Matura liegt wohl auch darin begründet, dass sie eine Prüfungsform darstellt, wie sie in den vorangehenden Schuljahren nicht annähernd vorkommt: eine Stoffmenge von vier oder fünf Jahren, ein externer Prüfungsvorsitzender, und jetzt auch noch „zentral“ – dazu später.

Man kann die Bedeutung der Matura in mehreren Stoßrichtungen sehen. Sie ist ein Initiationsritus, eine auch psychologische Hürde, die man für eine, seine weitere Laufbahn auf akademischer Ebene quasi als Gehorsamssprung überwinden muss. Denn sie verleiht Berechtigungen, vor allem die zu einem Studium im tertiären Bereich. Und sie sollte für diese abnehmenden Institutionen Rückschlüsse auf das Wissen, die Fertigkeiten und Fähigkeiten der Absolventen zulassen.

Vor allem in Hinsicht auf Fairness in den Prüfungsansprüchen und eine Vergleichbarkeit der Abschlüsse, national und international, ist diese neue Reifeprüfung standardisiert und kompetenzorientiert. Womit wir bei den drei größten Mythen angelangt sind, welche die neue Matura fälschlicherweise und nicht im Sinne einer sachlichen Information – gewollt oder ungewollt – begleiten.

Zentralmatura sähe anders aus

Die standardisierte kompetenzorientierte Reife- und Diplomprüfung (SKRDP) ist gegen die zum Beispiel auch in der „Presse“ übliche Bezeichnung keine Zentralmatura. Diese würde eine umfassende zentrale Vorgabe aller Prüfungsaufgaben und -beurteilungen mit sich bringen. Tatsächlich liegen aber zwei der drei Säulen, nämlich die vorwissenschaftliche Arbeit und die mündlichen Prüfungen, ausschließlich in der Zuständigkeit der Schulen und der Lehrer, es gibt auch keine festgelegten Gegenstandsgruppen für die mündlichen Prüfungen mehr, aus denen bis jetzt maturiert werden musste.

Auch innerhalb der dritten Säule, bei den schriftlichen Klausuren, werden nur die Aufgabenstellungen in der Unterrichtssprache (zumeist Deutsch), in Mathematik, in vier modernen und den beiden klassischen Sprachen zentral vorgegeben, jene aus darstellender Geometrie, aus Russisch, aus Sportkunde, den naturwissenschaftlichen und kreativen Fächern werden von den Lehrern zusammengestellt. Die Beurteilung aller drei Säulen obliegt zudem, im Gegensatz zur Situation in manchen deutschen Bundesländern, ausschließlich der jeweiligen Lehrkraft und der wesentlich verkleinerten Prüfungskommission – wer also von Zentralmatura spricht, tut dies entweder aus Unwissenheit, gegen besseres Wissen oder im verzeihlichsten Fall wegen der Kürze des Begriffs (neue Matura wäre auch nicht länger).

Kompetenzorientierung – wer hat's erfunden?

Dem viel und oft zu Unrecht gescholtenen BIFIE ist manches zuzutrauen, aber nicht die Erfindung des Begriffs Kompetenzorientierung, wie vor einigen Tagen an dieser Stelle behauptet. Von ausgewiesenen Bildungsexperten wird dieser Neuansatz im Sinne eines Paradigmenwechsels hin zur Outcome-Orientierung schon lange und durchaus kontrovers debattiert, ein simpler (Google-)Blick in die Aussendungen der deutschen Kultusministerkonferenz hätte genügt.

Auch im österreichischen Lehrplan, und zwar im leider viel zu wenig gelesenen und beachteten allgemeinen Teil aus dem Jahr 2000 (da war ein BIFIE oder eine neue Reifeprüfung noch nicht einmal in den Köpfen), ist gleich zu Beginn im Hinblick auf den gesetzlichen Auftrag von Unterricht von der „Entwicklung von Kompetenzen“ neben der „Vermittlung von Werten“ die Rede. Leider wird in den Diskussionen um das K-Wort immer wieder die verkürzende Behauptung aufgestellt, Kompetenzen ersetzten das Wissen.

Nun, das Gegenteil ist der Fall: Wissen ist Grundvoraussetzung für jede Kompetenz, der angestrebte Weg in allen Fächern geht vom Wissen über das Verstehen hin zum Können. Damit sollten die neuen Anforderungen bei der abschließenden Prüfung auch Rückkoppelungen (Washback-Effekte) auf den Unterricht in Gang setzen und haben dies auch schon in vielen Fächern bewirkt. „Kompetenzorientierung im Lateinunterricht“ (© Peter Kuhlmann, Universität Göttingen) hat zum Beispiel maßgeblich zum Boom der klassischen Sprachen in Deutschland und Österreich in den letzten Jahren beigetragen, ohne dass man deswegen auf die großen Texte verzichten musste.

Kein Ende der Literatur

Damit sind wir bei einem dritten unhaltbaren Maturamythos angelangt, dem angeblichen Verschwinden der Literatur aus dem Unterricht. Auch in dieser leidenschaftlichen Diskussion wird die Matura in unzulässiger Weise auf die schriftlichen Klausuren reduziert. Dort mögen der Anteil und die Qualität der literarischen Themen umstritten sein – dies war aber auch bisher der Fall, das kann der Autor dieses Beitrags nach fast 40 Maturavorsitzen nachweislich behaupten.

In den Lehrplänen der einschlägigen Fächer (nicht nur in Deutsch, aber dort als „Literarische Bildung“ von der fünften bis achten Klasse gefordert) ist die Beschäftigung mit literarischen Themen und Texten weiterhin im Unterricht umzusetzender Schwerpunkt, und ein erster Einblick in die gängige Praxis möge die aufgebrachten Gemüter beruhigen – die Literatur lebt! In den von mir im April 2014 genehmigten Themen von vorwissenschaftlichen Arbeiten in rund 30 niederösterreichischen Gymnasien spannt sich der Bogen vom „Heldenmythos im Nibelungenlied“ und „Wilhelm Tell“ über „Maria Stuart“, von „Goethe und seinen Liebesgedichten“ über „Arthur Millers Hexenjagd“, vom „Österreichischen Anti-Heimatroman bei Franz Innerhofer und Gernot Wolfsgruber“ bis hin zu zahlreichen Themen aus dem Bereich der Jugendliteratur.

Und nach einer an einigen Schulen erfolgten stichprobenartigen Durchsicht der konkreten Themenbereiche für die mündliche Prüfung, die ja lehrplanbezogen sein müssen und schon bis Ende November 2014 festzulegen waren, ist auch hier Entwarnung angesagt: Die literarischen Themenbereiche überwiegen im Fach Deutsch bei Weitem.

Pannen und Panik prägen nur scheinbar das Bild der neuen Matura. Allzu oft wird vergessen oder verschwiegen, dass bereits zehntausende Absolventen an Schulversuchsschulen in den letzten Jahren in diesem neuen Format maturiert haben, dass sehr viele engagierte und hoch kompetente Lehrkräfte sie auf dem Weg dorthin begleitet haben. Aber es bleibt noch was zu tun. In den verbleibenden Monaten sollte in konstruktiver Kooperation von Politik, Schulverwaltung, Schulpartnern und Medien fern von Panikmache jede Anstrengung unternommen werden, um alle Kandidaten aus der AHS ihre Matura bestmöglich machen zu lassen – denn nur um sie geht es!

E-Mails an: debatte@diepresse.com

DER AUTOR

Univ.-Doz. Dr. Fritz Lošek (geboren 1957), Landesschulinspektor für AHS in Niederösterreich, war mehr als 20 Jahre lang Lehrer, dann Direktor am Piaristengymnasium Krems. Er ist Lehrbeauftragter für Mittellatein, Fachdidaktik und Schulentwicklung an der Universität Wien sowie Schulbuchherausgeber („Stowasser“, „Stowasser primus“).

 

 

Die Presse – 8. Jänner 2015

 

 

Südkorea: Wo Lehrer Millionäre sind

Südkorea liegt bei Bildungsrankings weltweit regelmäßig im Spitzenfeld. Nachhilfelehrer werden mithin als Superstars gehandelt.

von Andreas Danzer  

Seoul. Die Südkoreanerin „Clara“ ist in ihrem Land eine gefeierte TV- und Musik-Berühmtheit. Wenn jemand die seltene Ehre bekommt, ein Duett mit ihr zu singen, so muss das wohl ein anderer gefeierter Popkünstler oder Schauspieler sein. Irrtum! Jüngst nahm Clara ein Musikvideo im Stil des K-Pop auf, jener koreanischen Musikrichtung mit sagenhaften Umsatzzahlen in Asien, und zwar just mit einem Mathematiklehrer – dem jungen Cha Kil-Yong aus Seoul. Der ist freilich selbst ein Star. In Südkorea hat Bildung nämlich einen so hohen Stellenwert, dass auch Lehrer zu Superstars mutieren können.

Cha ist Inhaber einer Online-Nachhilfeplattform für Mathematik. Im Vorjahr habe er mit dieser acht Millionen US-Dollar (etwa 6,6 Millionen Euro) verdient, sagte er der „Washington Post“. Cha betreibt ein „Hagwon“ namens „SevenEdu“ im Internet. Hagwons sind Video-Nachhilfeplattformen, die südkoreanische Schüler nach dem regulären Unterricht nutzen, um dem Leistungsdruck standzuhalten. In einer regulären Schule war er noch nie angestellt. Hagwons spielen eine enorm wichtige Rolle in der Vorbereitung für die Aufnahmeprüfung für das College.

Lehrer von 300.000 Schülern

Die klassischen „cram schools“, also der Unterricht nach dem Unterricht, werden vermehrt von Hagwons abgelöst. Ein 20-Stunden-Kurs in einem Online-Hagwon kostet 39 US-Dollar, in cram schools kostet das bis zu 600 Dollar. Das Hagwon-Business hat sich bereits zu einer 20-Milliarden-Dollar-Industrie entwickelt.

In seinen Online-Tutorials will Cha nicht nur unterrichten, sondern auch unterhalten. Er hat ein buntes Repertoire an Kostümen und verkleidet sich etwa als Batman, Nilpferd oder Zirkusdirektor. Gesichtsmasken, Fitnesstraining und eigener Stylist gehören zum Leben eines südkoreanischen Online-Tutors genauso dazu wie das Beherrschen des Lehrfachs. Rund 300.000 Schüler sind bei Chas Mathematik-Unterricht eingetragen.

„Ich liebe die Mathematik, und obwohl es immer nur Mathematik auf Südkoreanisch bleibt, können verschiedene Lehrmethoden verschieden gute Lernerfolge bei Schülern erzielen“, sagt der Multimillionär über seinen unterhaltsamen Unterrichtsstil. Cha startete sein Hagwon nur, um sein PhD-Programm, das Pendant zum Doktoratsstudium, zu finanzieren.

Stellenwert Ausbildung

Eine gute Ausbildung fängt für Südkoreaner im Kindergarten an. Ein Kind muss in den „richtigen“ Kindergarten geschickt werden, um in die „richtige“ Volksschule gehen zu können, um später an der „richtigen“ Universität angenommen zu werden, und sogar, um den „richtigen“ Ehepartner zu finden. Viele Familien teilen sich wegen der Ausbildung der Kinder auf verschiedene Kontinente auf. Meist zieht die Mutter mit den Kindern in ein Land, in dem eine bessere Bildung garantiert ist. Der Vater arbeitet weiter in Südkorea, um die Ausbildungskosten finanzieren zu können. Eines der beliebtesten Ziele für Südkoreaner ist die Elite-Universität Harvard in Boston, an der Ostküste der USA.

Bei der PISA-Studie der OECD zählen Südkoreas Schüler immer zu den besten der Welt. Die jüngsten Erhebungen der OECD zeigen aber auch, dass Südkoreas Schüler weltweit am unglücklichsten sind.

Kritik von politischer Seite

Der ehemalige südkoreanische Bildungsminister Lee Ju-ho übt Kritik an dem System des ganztägigen Lernens und des extremen Leistungsdrucks. Entwicklungen in Bereichen wie kritisches Denken, Kreativität und soziale Kompetenz blieben auf der Strecke. Er sieht das Problem darin, dass Unis nur auf Noten, nicht auf außerschulische Aktivitäten achteten. „Wir brauchen dringend eine Veränderung in unserem System“, sagt Lee.

 

 

SN – 8. Jänner 2015

 

Zu wenige Gebärdensprach-Dolmetscher an Schulen

Eine Bedarfserhebung des Instituts für Höhere Studien (IHS) zeigt einen deutlichen Mangel an Dolmetschern für Gebärdensprache (ÖGS) und beim Einsatz von ÖGS an Schulen. Ob gehörlose Kinder und Jugendliche eine höhere Bildung erreichen, hängt derzeit in erster Linie vom Engagement der Betroffenen, ihrer Eltern sowie von einzelnen Lehrern oder dem Zufall ab.

Wie viele Personen in Österreich insgesamt gehörlos oder schwerhörig sind und ÖGS als Erstsprache nutzen, ist mangels Daten nicht klar. Schätzungen gehen von 8.000 bis 12.000 Betroffenen aus - dem gegenüber stehen allerdings nur rund 100 ÖGS-Dolmetscher. Dieser Mangel an Dolmetschern vor allem mit Kenntnissen des spezifischeren Vokabulars im mittleren und höheren Bildungsbereich wird in Interviews von den Betroffenen in der Studie als massives Problem genannt.

Allein um gehörlosen Schülern dieselben Chancen auf den Besuch der AHS-Oberstufe oder einer berufsbildenden mittleren oder höheren Schule (BMHS) zu geben wie Schülern ohne Behinderung, bräuchte es laut der IHS-Untersuchung (je nach Intensität der Betreuung) zwischen 27 und 86 zusätzliche Dolmetscher. Über alle Altersgruppen hinweg hätten 5.000 bis 6.500 zusätzliche Personen potenziellen Bedarf nach ÖGS-Dolmetschleistungen. Die Politik sei daher gefordert, deren Ausbildung zu fördern und auch entsprechende Stellen zu schaffen, so das Institut in seinen Empfehlungen.

Im Pflichtschulbereich werden nach den unterschiedlichen Definitionen der Landesschulräte rund 1.400 Kinder und Jugendliche (ca. zwei Promille) als gehörlos oder hörbehindert eingestuft. Ob Schülern wegen schlechtem oder fehlendem Hörvermögen sonderpädagogischer Förderbedarf zuerkannt wird und ob sie an einer Sonderschule bzw. eigenen Schulen für Hörbeeinträchtigte (mit manchmal langem Anfahrtsweg oder Internat) oder integrativ unterrichtet werden, ist je nach Bundesland unterschiedlich. Insgesamt wird je die Hälfte an einer Sonderschule bzw. unterstützt von Gebärdensprachpädagogen in einer Klasse mit Kindern ohne Einschränkung beschult.

Internationalen Schätzungen zufolge beherrscht jeder zehnte Gehörlose die Gebärdensprache. An Österreichs Pflichtschulen werden hingegen nur sieben Prozent der Betroffenen gebärdensprachlich orientiert unterrichtet, dabei gibt es eine Bandbreite zwischen drei Prozent in Vorarlberg und Tirol und 29 Prozent im Burgenland.

Der insgesamt gesehen geringe Einsatz von ÖGS an Schulen könnte laut der Studie neben technischen Neuerungen (Cochlea Implantat etc.) auch daran liegen, dass nicht alle gebärdensprachlich orientierten Kinder entsprechend unterrichtet werden, wie zuletzt auch ein Fall aus Kärnten zeigte. Dort wollten Eltern einer gehörlosen HAK-Schülerin erwirken, dass für diese die Gebärdensprache als Unterrichtssprache gilt und sie damit etwa das Recht erhält, Prüfungen per Dolmetsch in ÖGS abzuhalten. Obwohl die ÖGS seit 2005 als eigenständige Sprache anerkannt ist, wurde der Schülerin dies allerdings verwehrt. Landesschulratspräsident Rudolf Altersberger (SPÖ) begründete die Ablehnung in einem Bericht des "Standard" mit dem "gesetzlichen Korsett", das ÖGS nicht als Muttersprache anerkenne und damit einen Sprachentausch nicht ermögliche. Die Schule könne daher nur mit Stützlehrern aushelfen.

Bildung Gehörloser und Schwerhöriger wird der IHS-Untersuchung zufolge außerdem nicht ausreichend gefördert: Der Fonds Soziales Wien etwa gewährt Dolmetschleistungen für Bildungszwecke nur für Unter-35-Jährige und für Weiterbildung gar nicht, die zusätzlichen Kosten bei Höherqualifikation oder beruflicher Umorientierung müssen Gehörlose selbst finanzieren. Insgesamt werden derzeit nur ein Drittel der ÖGS-Dolmetschleistungen für Bildung und Beruf genutzt.

Mangels ausreichender Unterstützung ist der Bildungserfolg gehörloser Menschen der Studie zufolge derzeit stark von Eigeninitiative abhängig: So berichtet im Interview ein Betroffener, dass er nur dank eines zufällig stattfindenden Pilotprojekts einen Lehrplatz in einem "normalen" Betrieb erhalten hat. Ein anderer verließ extra sein Heimatbundesland, um in Wien eine weiterführende Schule mit speziellem Angebot für gehörlose Schüler zu besuchen. Bis an die Hochschulen schaffen es unter den derzeitigen Bedingungen nur wenige: So gibt es derzeit an den Unis rund 30 Studenten, die ÖGS verwenden - zumindest in Wien werden sie über die Initiative "GESTU. gehörlos erfolgreich studieren" seit 2010 durch (Schrift-)Dolmetscher und Tutoren unterstützt, allerdings gibt es auch hier laut der Erhebung zu wenig Unterstützungspersonal.

Die ÖGS sei insgesamt, wie in der Studie kritisiert wird, "in einem Defizitdiskurs gefangen, der an die 'Ausländerpädagogik' der 1960er bis frühen 1980er Jahre erinnert": Da ihr Einsatz im Gegensatz zu Minderheitensprachen nicht gefördert werde, könne sie nicht jene Universalität (z.B. mit für mittlere und höhere Bildung notwendigen Fachausdrücken etc.) entwickeln, dass sie als tatsächliche Erstsprache genutzt werden kann. Außerdem werde, wie bei Migrantensprachen auch, der Einsatz vom ÖGS teils mit dem Argument abgelehnt, dass er "desintegrativ" wirke.

 

 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 5 vom 08.01.2015                Seite: 2

Ressort: Innenpolitik

 

Österreich

 

Empörung über Absage der Bildungsgespräche

 

   wien. „Das ist eine Frechheit und eine Provokation.“ Mit derart harschen Worten bedenkt der Initiator des Bildungsvolksbegehrens, Hannes Androsch, den Umstand, dass die koalitionäre Arbeitsgruppe zur Bildungsreform ihre lang geplante erste Arbeitssitzung kurzfristig abgesagt hat. Die Arbeitsgruppe war bereits am 15. Oktober des Vorjahres von der Bundesregierung eingesetzt worden. Am 16. Jänner hätte die erste Arbeitssitzung stattfinden sollen. Doch Anfang des Monats wurde bekannt, dass die Sitzung wegen Terminschwierigkeiten verschoben werden muss.

 

   Androsch im SN-Gespräch: „Da brauchen die Herrschaften ganze drei Monate, um endlich einen Termin zu finden – und dann lassen sie ihn platzen. Das ist absolut unverantwortlich gegenüber der Jugend, den Eltern und der Zukunft.“

 

    In der Arbeitsgruppe zur Bildungsreform sitzen Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek und Kanzleramtsminister Josef Ostermayer sowie die Landeshauptleute Hans Niessl und Peter Kaiser für die SPÖ. Für die ÖVP verhandeln Innenministerin und ÖAAB-Chefin Johanna Mikl-Leitner, Staatssekretär Harald Mahrer und die LHs Erwin Pröll und Wilfried Haslauer. Die Fronten verlaufen nicht nur zwischen SPÖ und ÖVP, sondern auch zwischen Bund und Ländern.a. k.

 

 

Österreich – 8. Jänner 2015

Heinisch: Gesamtschul-Besuch in Niederlanden

Heinisch-Hosek will sich das Schulsystem der Niederlande genau ansehen.

Für zwei Tage reist Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) mit den Bildungssprechern der Parlamentsparteien in die Niederlande auf Fact-Finding-Mission. Die Niederlande haben eine Gesamtschule, Heinisch-Hosek will die von ihr genannte gemeinsame Schule aller bis 14 Jahren einführen.

Um auch die skeptischen Parlamentarier zu überzeugen, gab es ein Expertengespräch im Bildungsministerium. Danach traf die Ministerin ihre Amtskollegin für ein Arbeitsgespräch.

Heute steht ein Treffen mit Gewerkschaftern an.

 

Morgenjournal, 8.1.2015

Tests zur Zentralmatura

Regina Pöll

Fünf Monate noch, dann startet die Zentralmatura an allen Gymnasien. So kann es mit der Vorbereitung aber nicht weitergehen, sagen jetzt Eltern-, Lehrer- und Schülervertreter. Denn inzwischen liegen dem Ö1-Morgenjournal die endgültigen Ergebnisse der Mathematik-Probeschularbeit vom Dezember vor, und die zeigen: Je nach Schultyp und Geschlecht ist der Testlauf zur neuen Matura sehr unterschiedlich ausgefallen.

 

 

"Kronen Zeitung" vom 08.01.2015                            Seite: 6

Ressort: Politik

 

Bgld, Ktn, Wi, N.Ö., O.Ö., Sbg, Stmk, Ti, Vbg, Wi, Wi, Morgen

 

Eine Chance Österreich auf Bildungs-Mission in den Niederlanden....

 

   Eine Chance Österreich auf Bildungs-Mission in den Niederlanden. Das ist sicher keine schlechte Idee, denn Holland schließt beim - bei uns so gefürchteten - PISA-Test regelmäßig unter den Besten ab. Und was liegt näher, als sich im Spitzenfeld nicht nur um-, sondern sich von dort auch einiges abzuschauen.

 

   Das ewige PISA-Vorzeigeland Finnland veranstaltet seit dem ersten Triumph im Jahr 2000 regelmäßig Konferenzen und Workshops nach dem Motto "Wie machen das die Finnen?". Österreichs Bildungs-Verantwortliche interessierte das in den vergangenen Jahren jedoch wenig bis gar nicht.

 

   Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek will nun einiges von den Holländern lernen. Und da gibt es viel Luft nach oben, denn galt Heinisch-Hosek nach dem Rückzug ihrer Vorgängerin Claudia Schmied noch als Hoffnung, folgten recht rasch Pannen auf Pannen. Datenleck, PISA-Absage und Rücknahme der Absage, heftig kritisierte Kürzungen - größere Schülergruppen und weniger Zusatzlehrer -, gefolgt vom Zurückrudern und nicht zuletzt die vielen Fehler bei der Zentralmatura.

 

   Aber nun könnte Heinisch-Hosek zeigen, dass sie die Bildungsreform, von der schon so lange geredet wird, von der aber nach wie vor wenig zu sehen ist, ernst nimmt. Dazu darf es allerdings nicht bei einem reinen Lokalaugenschein in Holland bleiben, den Erkenntnissen müssen dann auch endlich Taten folgen. Eine Chance ist diese Bildungs-Mission auf jeden Fall - sie muss nur genutzt werden.

 

   Auf Bildungsreise in den Niederlanden ist derzeit Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek gemeinsam mit den Bildungssprechern aller Parlamentsparteien. "Wir können viel von den Holländern lernen", sagt Heinisch-Hosek, die nach zahlreichen Pannen nun einen neuen Anlauf zur Verbesserung des heimischen Schulsystems unternimmt. Sie besucht dabei eine Gesamtschule, die ganz besonders auf individuelles Lernen setzt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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