Freitag, 9. Januar 2015

2015.01.09: Bildung

APA0273 II, XI 09.01.2015 12:36:21

 

Schulautonomie: Bildungssprecher wollen mehr Eigenständigkeit

Utl.: Erneut durchwegs Bekenntnis zu mehr Autonomie

Schule/Niederlande

Die Bildungssprecher der im Nationalrat vertretenen Parteien sprechen sich angesichts des niederländischen Bildungssystems mit seinem starken Akzent auf Schulautonomie erneut für mehr Eigenständigkeit der Schulen in Österreich aus. Direkt übertragen ließe sich das Modell aufgrund der grundlegenden Unterschiede der Systeme aber nicht.

SPÖ-Bildungssprecherin Elisabeth Grossmann ortete in Rahmen einer vom Bildungsministerium organisierten Studienreise in die Niederlande großes Potenzial zur Steigerung der Motivation von Schülern und Lehrern. Es sei dort aber "nicht alles Gold, was glänzt", so Grossmann vor Journalisten. Bei der Umsetzung von Schulautonomie in Österreich müsse man darauf achten, dass die soziale Durchmischung der Schüler nicht abnehme. Es zeige sich in Holland auch, dass die Eigenständigkeit den Verwaltungsaufwand an den Schulstandorten erhöht.

Auf der anderen Seite reduziere sich aber der Aufwand aufseiten der öffentlichen Hand entsprechend, strich die Bildungssprecherin der ÖVP, Brigitte Jank, hervor. Sie habe den Eindruck gewonnen, dass in den Niederlanden den "Experten" an den Schulen sehr viel Vertrauen entgegengebracht wird. Das sei "bemerkenswert". Interessant sei auch die andere Auslegung der Rolle der Schulinspektion.

Auch FPÖ-Vertreter Walter Asperl, der den kurzfristig erkrankten Bildungssprecher Walter Rosenkranz vertrat, strich die Rolle der starken und schlanken Schulaufsicht hervor. Im niederländischen System führe die Selektion mittels verpflichtend abgehaltener Testungen zu viel Leistungsorientierung. Positiv sei, dass es sich insgesamt um ein Modell mit wenig Einfluss der Politik handle.

Für den Bildungssprecher der Grünen, Harald Walser, brachte die Bildungsreise die Erkenntnis, dass "Schulverwaltung auch anders geht". Auch er identifizierte das Inspektionssystem als ein zentrales Element. An so einem Modell sollte in Österreich gearbeitet werden, da der weit größere heimische Apparat "nichts zusammenbringt".

Für Robert Lugar (Team Stronach) existiert weitgehende Autonomie in Österreich bereits im Bereich der Privatschulen. Vor allem die nicht-konfessionellen Privatschulen sollten stärker gefördert werden, um Druck auf das bestehende, schwer aufzubrechende System auszuüben.

Der Bildungssprecher der NEOS, Matthias Strolz, kann sich "autonome Pionierregionen" vorstellen, denen sich in weiterer Folge andere Schulstandorte anschließen können. Autonomie biete Chancen auf "Erneuerung von unten" und könne konstruktive Kräfte freisetzten, die laut dem NEOS-Chef bisher niedergehalten werden.

(schluss) nt;aku;mk

APA0266 II, XI 09.01.2015 12:33:38

 

Niederländische Schulautonomie eröffnet pädagogische Freiräume

Utl.: Vorzeigeschule setzt seit zehn Jahren auf Eigenverantwortung beim Lernen - "Domänensystem" verlangt Umorientierung von Lehrern und Schülern, hilft bei Aufrechterhaltung der Motivation

Schule/Regierungspolitik/Niederlande/Hintergrund

Die in einem Vorort von Den Haag gelegene Vorzeigeschule "Wateringse Veld College" hat sich vor zehn Jahren ein neuartiges pädagogisches Konzept mit Schwerpunkt auf selbstgesteuertem Lernen verordnet. Das niederländische Bildungssystem mit seiner weitgehenden Autonomie erlaubt es ganz selbstverständlich, dass dort etwa der Anteil an klassischem Frontalunterricht verschwindend gering ist.

"Wir sind als Schule speziell, aber nicht einzigartig", erklärte Schuldirektor Koos van den IJssel anlässlich eines vom Bildungsministerium im Rahmen einer Studienreise in die Niederlande organisierten Besuches. Insgesamt elf Schulen landesweit haben sich dem sogenannten "Domänensystem" verschrieben.

In diesem Konzept wird in jedem Fach nur eine klassische Unterrichtsstunde pro Woche abgehalten. Dort erhalten die Schüler im Alter von zwölf bis 18 Jahren lediglich Instruktionen zu Aufgaben die sie dann innerhalb eines bestimmten Zeitraums selbstorganisiert bearbeiten. Wie sie zu Antworten auf die gestellten Fragen kommen, bleibt ihnen selbst überlassen. Als zentrale Lernräume fungieren überdimensionale Klassenzimmer, genannt Domänen. Dort finden bis zu vier Klassen oder 80 bis 100 Schüler Platz. In einer speziell geregelten Abfolge von stillen Einheiten und solchen, wo Kommunikation erwünscht ist, nähern sich die Schüler den Fragen an.

Unterstützt werden sie dabei von bis zu vier Lehrern, die mehrere Fächer und auch die Anforderungen der verschiedenen in der Schule simultan angebotenen Schulformen abdecken. Die Pädagogen verstehen sich hier vor allem als "Begleiter und Begeisterer" und sind nahezu immer ansprechbar, erklärte der Direktor. Unterrichtet wird teilweise zweisprachig - niederländisch und englisch.

Die Arbeit als Lehrer sei zwar herausfordernder und anstrengender, aber auch weit motivierender als in anderen Schulen, so der Tenor im Kollegium, erzählte ein Pädagoge. Das System verlange logischerweise viel Teamarbeit unter den etwa 80 Lehrern und ungefähr 20 Unterstützungspersonen, die für fast 1.100 Schüler zuständig sind. Das sei sehr positiv. Neben flexibler Hilfestellung gehört es auch zu den Aufgaben der Lehrer, zu überprüfen, ob die gestellten Aufgaben erfüllt wurden. Aufschluss darüber, wie sich der Schüler den Fragen angenähert hat, gibt die Dokumentation in den Notebooks der Jugendlichen.

Ausgangspunkt für die Überlegungen zu dem Konzept war der Eindruck, dass viele Schüler sehr motiviert in die Sekundarstufe kommen, dann aber innerhalb von etwa drei Monaten der Enthusiasmus rapide absinkt. Als Hauptgrund habe man den klassischen Frontalunterricht identifiziert, meinte einer der Lehrer-Teamleiter. Nun gelinge es weit besser, die Begeisterung auch über sechs Jahre hinweg aufrecht zu halten.

Die Förderung der Selbstorganisation tue den Schülern auch in tertiären Bildungseinrichtungen gut. Man erhalte beispielsweise gutes Feedback von den Universitäten. Die Schüler aus dem Wateringse Veld College wechseln selten das Studium und übernehmen dort oft die Führung in Gruppen, wenn im Uni-Betrieb eigenständiges Arbeiten gefragt sei.

Schüler, die mit dieser Art des Lernens nicht zurechtkommen seien eher selten. Es gebe aber junge Menschen, deren Lernstil nicht mit dem angebotenen System zusammenpasst. Manche brauchen tatsächlich mehr Struktur, und vor allem Schüler mit ADHS finden sich schwerer zurecht, so die Beobachtungen.

"Aufgrund der Autonomie können wir unsere Lehrer selbst rekrutieren", so der Direktor. Die Schule bietet ein eigenes Weiterbildungsprogramm für alle Lehrer an. Wie bei so vielem entscheidet das College auch über die Ausgestaltung dieses Entwicklungsangebots autonom.

(schluss) nt;aku;has

APA0262 II, XI 09.01.2015 12:30:17

 

Schulautonomie: Heinisch-Hosek kann sich Testregionen vorstellen

Utl.: Ministerin: Für gelungene umfassende Selbstbestimmung im Schulbereich braucht es Kulturwandel - Niederlande geben Schulen weitreichende Autonomie

Schule/Niederlande

Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) kann sich Testregionen für Modellversuche zur Ausweitung der Schulautonomie in Österreich vorstellen. Dabei könne man viel vom niederländischen Modell lernen, so die Ministerin im Rahmen einer Reise mit den Bildungssprechern der Parlamentsparteien nach Den Haag und Utrecht vor Journalisten.

Die weitgehende Übertragung von Entscheidungsbefugnissen bei der Verwendung des Schulbudgets, der Ausgestaltung der pädagogischen Arbeit oder der Auswahl der Lehrer an die einzelnen Schulen könne aber nur erfolgreich sein, wenn es gelingt, eine "Vertrauenskultur" zu entwickeln. Das und die durchgängig gelebte Eigenverantwortung sei in den Niederlanden, dessen Bildungssystem völlig anders organisiert sei, spürbar. Im Gegensatz dazu gebe es im heimischen Bildungssystem noch starke, historisch gewachsene hierarchische Strukturen. "Das Vertrauen ist daher noch nicht so da", erklärte Heinisch-Hosek.

Tatsächlich steht es in den Niederlanden per Grundgesetz jedem offen, Bildung zu vermitteln und eine Schule zu gründen. Der Staat, respektive das Bildungsministerium, ist dazu verpflichtet, das Geld für eine solche Initiative bereitzustellen. Vonseiten des Ministeriums gibt es neben dem Geld lediglich sehr allgemein formulierte Kernziele und einen gesetzlichen Rahmen, innerhalb dessen ein Schulbetreiber, genannt "Schulrat", agieren darf. Die Umsetzung der Lehrinhalte liegt aber komplett in der Verantwortung der Schulbetrieber. Ein direktes Eingreifen von Behörden in Schulbelange ist nahezu unmöglich, trotzdem schneiden die Niederlande in internationalen Vergleichsstudien meist gut ab.

Um zu verhindern, dass diese äußerst autonomen Schulen ihre Bildungsaufgaben nicht ausreichend erfüllen, werden einerseits am Ende der wahlweise ab vier oder fünf Jahren beginnenden und mit zwölf Jahren endenden Primarstufe (vergleichbar mit der Volksschule in Österreich) und in der in sieben verschiedene Schultypen stark aufgefächerten Sekundarstufe alle Schüler zentral getestet. Anhand der Testdaten und weiterer Informationen, die die Schulen dem Unterrichtsinspektorat bereitstellen, lässt sich ablesen, welches Bildungsniveau jede Schule des Landes erreicht. So können schwache und sehr schwache Schulen identifiziert werden. Die Ergebnisse der Tests und Inspektionen werden den Schulen rückgemeldet und sind öffentlich einsehbar.

Heinisch-Hosek zeigte sich von der stark entwickelten Testkultur und dem damit einhergehenden Bekenntnis zur evidenzbasierten Schulentwicklung angetan. Die Ministerin würde sich auch mehr Spielraum für heimische Schulen bei der Auswahl der Lehrer wünschen, mahnt aber zur Vorsicht: Ein relativ ungeregelter Arbeitsmarkt für Pädagogen bringe auch Nachteile mit sich, wenn etwa Druck auf ältere und damit teurere Lehrer steige oder die Fluktuation im Lehrerzimmer sehr groß wird. Man müsse darauf achten, dass durch mehr Autonomie möglichst keine Gruppe benachteiligt wird. Auch das habe der Besuch in den Niederlanden gezeigt.

Erproben könne man Modelle zur stärkeren Selbstbestimmung in Österreich etwa im Rahmen regionaler Versuche, meinte Heinisch-Hosek. Angelehnt an das niederländische System der Schulfinanzierung kann sie sich dort die Staffelung von Schulbudgets anhand mehrerer Indikatoren zum sozioökonomischen Hintergrund der Schüler vorstellen. In solche Projekte könnte für zwei bis drei Jahre auch mehr Geld fließen.

Auffallend seien die durchwegs erstaunten Reaktionen in den Niederlanden auf die frühe Auffächerung im heimischen Schulsystem bereits mit zehn Jahren gewesen. Ein Übergang mit zwölf Jahren wie in Holland wäre für Heinisch-Hosek zwar "ein Fortschritt", sie strebe aber weiter ein gemeinsame Schule bis 14 Jahre an, erklärte die Ministerin.

(schluss) nt;aku;has

OTS0087 II, CI 09.01.2015 12:22:41

 

Stronach/Lugar fordert "Privatschule für Alle!" nach niederländischem Vorbild

Team Stronach/Lugar/Bildung/Heinisch-Hosek/Schulautonomie

"Nachdem sich Bildungsministerin Heinisch-Hosek gemeinsam mit den Bildungssprechern das Schulsystem in den Niederlanden genau erklären hat lassen, sollte sie nun auch die Lehren aus dieser Reise ziehen", erklärt Team Stronach Bildungssprecher Robert Lugar und verlangt: "Privatschule für Alle!" Die jetzt schon vorhandenen Privatschulen, die weitgehend autonom geführt werden und sehr gute Bildungsergebnisse liefern, sollten die gleichen Förderungen erhalten, wie öffentliche Schulen, erläutert der Team Stronach Bildungssprecher. "Uns muss jedes Kind gleich viel wert sein", mahnt Lugar. Somit dürfe auch der Besuch einer Privatschule nicht mit Kosten für die Eltern verbunden sein.

Rückfragehinweis:
Team Stronach Parlamentsklub/Presse
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Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
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Tel.: 01/40110-3945

 

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