Donnerstag, 8. Januar 2015

2015.01.09: Newsletter Bildung

Die Presse – 9. Jänner 2015

 

 

Zentralmatura: Fünfer bei Mädchen häufigste Note

In der jüngsten Mathe-Probeschularbeit wird die Kluft zwischen den Geschlechtern und Schultypen sichtbar. Experten, Eltern und Ministerium sehen nun die Lehrer gefordert.

Wien. Und wieder sorgt die Zentralmatura für Wirbel: Schüler, Eltern und Lehrer schlagen Alarm – und zwar diesmal vor allem wegen der Mädchen. Es stehe zu befürchten, dass die neue Reifeprüfung den Schülerinnen gegenüber unfair sei, klagte Schülervertreter Lukas Faymann im ORF-Radio.

Wie die „Presse" berichtete, kassierte jede dritte Schülerin bei der jüngsten Mathe-Probeschularbeit einen Fünfer. Es wird allerdings noch krasser: Laut einer Detailauswertung, die der „Presse" vorliegt, ist der Fünfer bei den Mädchen die häufigste Note (siehe Grafik). Anders bei den Burschen: Jeder vierte Schüler hat ein Nicht genügend. Häufigste Note: der Dreier.

„Sehr gut" gibt es bei der Schularbeit, die zur Vorbereitung der ersten flächendeckenden Zentralmatura im Mai dienen sollte, wie berichtet nur wenige. 30 Prozent aller Arbeiten sind negativ.

Von der Kluft zwischen den Geschlechtern bei dem Mathematiktest ist die Wiener Bildungspsychologin Christiane Spiel jedenfalls nicht wirklich überrascht. „Das war im Prinzip immer schon so", sagt sie im Gespräch mit der „Presse". „Es wird bei einer solchen standardisierten Leistungskontrolle wie der Zentralmatura eben sichtbar."

Ursache sei also nicht die neue Matura – sondern die Sozialisation der Mädchen, von der Familie aufwärts. Insofern sieht Spiel die Ergebnisse auch als Chance. „Denn damit wird stärker bewusst, welche Rolle Geschlechterstereotype spielen, und wie wichtig geschlechtssensibler Unterricht ist."

Viele Fünfer an ORG

Das Bildungsministerium hat aber auch noch eine andere Erklärung für das schlechte Abschneiden der Mädchen – eine statistische: Mädchen seien an den Oberstufenrealgymnasien (ORG) überrepräsentiert. Und an diesen seien die Ergebnisse generell schlechter ausgefallen.
Tatsächlich ist das auch das nächste Problem: Die Schülerinnen und Schüler an den vierjährigen ORG haben deutlich schlechter abgeschnitten als jene an den achtjährigen Gymnasien. Mehr als 40 Prozent wurden an den ORG mit Nicht genügend bewertet, bei den Mädchen fast die Hälfte. An den AHS und Realgymnasien haben dagegen je mehr als 70 Prozent eine positive Note bekommen.

Erklären lasse sich das zum Teil durch die andere Schülerzusammensetzung, meint AHS-Direktorensprecher Wilhelm Zillner: Die reinen Oberstufenschulen würden vor allem von Schülern besucht, die aus der Hauptschule bzw. der Neuen Mittelschule kommen.
Der oberste AHS-Lehrervertreter, Eckehard Quin, forderte daher im ORF-Radio im Vorfeld der neuen Matura spezielle Förderkurse für die Schüler an den Oberstufengymnasien. Mittelfristig verlangt Quin für die ORG zusätzliche Wochenstunden in Mathematik, Deutsch und Englisch. Im Bildungsressort will man auf diese Forderung vorerst nicht konkret eingehen.

Generell versucht man, zu beschwichtigen. Von jenen Schülern, die besagte Probeschularbeit absolviert haben, seien 70 Prozent maturareif, heißt es aus dem Büro der Ministerin. Bei den übrigen 30 Prozent hätten die Lehrer vier Monate Zeit, genau dort nachzujustieren, wo es Schwächen gebe. Aus dem Rückmeldesystem gehe ganz klar hervor, wo es hapere. Also: Die Lehrer sind gefordert. So sehen das übrigens auch die Eltern. Die Lehrer sollten sich auf die neue Art des Unterrichts einstellen.

Benotung ist strittig

Was die Benotung angeht, könnte sich womöglich etwas ändern. Derzeit gibt es nur eine positive Note, wenn die Schüler im grundlegenden Prüfungsteil genügend Punkte haben. Sonst hilft auch ein gutes Abschneiden beim vertiefenden Teil nichts. 0,5 Prozent der Schüler scheiterten deshalb. Dazu das verantwortliche BIFIE: „Je nach Standpunkt wird man dies als ,zu viele' oder ,ist gerade noch annehmbar' empfinden." (beba/APA)

Auf einen Blick

Matura. Zur Vorbereitung stellte das Bundesinstitut für Bildungsforschung (BIFIE) Mitte Dezember eine Modellschularbeit im Fach Mathematik zur Verfügung. Knapp 4000 Schüler haben die Arbeit österreichweit absolviert. Bereits vor Weihnachten wurde bekannt, dass 30 Prozent der Probeschularbeiten negativ ausfielen.

 

 

KLZ – 9. Jänner 2015

 

"Das sind nicht irgendwelche Schmarotzer"

Erwin Pröll übernimmt heute von Kärnten den Vorsitz in der Landeshauptkonferenz. Niederösterreichs Landeschefs macht sich Sorgen um das Ausländerthema und überrascht mit Aussagen zum Gymnasium.

Bald entscheidet sich, ob alle Länder die Asylquote erfüllen und Traiskirchen entlasten. Nun ist davon auszugehen, dass der Ansturm nach Europa anhält. Ist nicht zu befürchten, dass angesichts des Attentats in Paris sowie der Pegida die Bereitschaft, mehr Menschen aufzunehmen, sinkt?

ERWIN PRÖLL: Das Attentat ist ein schwerer Angriff auf die Sicherheitsarchitektur Europas. Das sind Perspektiven, die die Grundstimmung schwer erschüttern.

Was heißt es für die Aufteilung der Asylwerber?

PRÖLL: Niederösterreich hat mit Traiskirchen eine schwere Last zu tragen. Es ist eine humanitäre Zumutung, wenn in das Lager 1700 Leute hineingepfercht werden. Ich hoffe, dass die Länder ihre Quoten erfüllen.

Was ist, wenn nicht? Sollte es nicht Sanktionen geben?

PRÖLL: Ich glaube, dass die von der Innenministerin entwickelte Systematik, in den Ländern Verteilungszentren aufzubauen, die Situation entschärfen wird. Dann erübrigen sich Sanktionen.

Voves sieht die „Gefahr der religiös motivierten Unterwanderung unseres Wertesystems". Sehen Sie das auch so?

PRÖLL: Man muss schon sehen, was sich da im Untergrund entwickelt. Das weist schon in diese Richtung. Wir sollten eine noch intensivere Integrationspolitik entwickeln.

Sollte man bei den Gesetzen nachschärfen?

PRÖLL: Das ist nicht nur eine Frage der Gesetze, sondern des alltäglichen Umgangs mit Menschen mit Migrationshintergrund. Wir in Niederösterreich versuchen, diese in Vereine zu integrieren. Auf der einen Seite lernen sie unsere Gesellschaft kennen, auf der anderen Seite merken die Niederösterreicher, dass das nicht irgendwelche Schmarotzer mit religiösen Hintergrundgedanken sind, sondern Menschen, die einen positiven Beitrag für die Gesellschaft leisten wollen.

Was halten Sie von der Arbeitsmarktöffnung für Asylwerber?

PRÖLL: Das ist angesichts der Lage am Arbeitsmarkt ein sensibles Thema. Ich plädiere dafür, dass man im Einvernehmen mit Gewerkschaft und Wirtschaft maßvoll versucht, Flüchtlingen, die arbeitswillig sind, eine Chance zu geben.

Also eine vorsichtige Öffnung?

PRÖLL: Absolut. Man sollte das eng mit der Lage am Arbeitsmarkt verknüpfen.

Befürchten Sie ein Überschwappen der Pegida nach Österreich?

PRÖLL: Vieles, was sich in Deutschland bewegt, erreicht in abgeschwächter Form Österreich. Ich hoffe, dass das Klima in Österreich nicht vergiftet wird. Was wir nicht brauchen, ist eine Spaltung der Gesellschaft.

Und wenn die Pegida auch in Österreich auf die Straße geht?

PRÖLL: Mir wäre es lieber, gesellschaftspolitische Differenzen werden am Verhandlungstisch gelöst, nicht auf der Straße.

Einer der Schwerpunkte als Vorsitzender ist die Bildung. Was wollen Sie erreichen?

PRÖLL: Wir waren schon einmal weiter. Die Landeshauptleute haben sich über Parteigrenzen hinweg dafür ausgesprochen, dass der Bund die Bildungsziele vorgibt, während sich die Länder mehr in der Bildungsverwaltung einbringen. Hätte Schmied 2010 die Debatte nicht beendet, hätten wir bereits eine dreistellige Millionensumme eingespart. Pro Jahr wären 35 Millionen an Einsparungen möglich.

Und was ist mit der Schulform? Das Gymnasium bleibt?

PRÖLL: Es gibt Vertreter, die das Gymnasium unangetastet haben wollen. Die Auswertung der Zentralmatura hat ergeben, dass die Langform die besten Ergebnisse erbracht hat. Das Gymnasium als Bildungseinrichtung ist eine gute Grundlage. Es gibt andererseits in der SPÖ Leute, die das Gymnasium nicht mehr sehen wollen. Ich will vor Beginn der Gespräche keine Festlegungen treffen, die dazu führen, dass es zu keiner Lösung kommt.

Ist eine gemeinsame Schule für Sie vorstellbar?

PRÖLL: Ich rate allen Verhandlern, sich zunächst einmal alles vorstellen zu können, ohne etwas auszuschließen oder sich auf etwas festzulegen.

Das gilt auch für die Zukunft des Gymnasiums?

PRÖLL: Ich rate, dass man ergebnisoffen die Frage diskutiert.

Muss die Steuerreform kommen, koste es, was es wolle?

PRÖLL: Koste es, was es wolle, kann es nicht sein. Wir haben ohnehin eine sehr hohe Steuerlast und einen hohen Schuldenstand. Wir sollten nach dem alten Grundsatz, den mir meine Eltern mitgegeben haben, handeln: „Ein Lump, der mehr gibt, als er hat." Was mich schwer irritiert, ist die ständige Diskussion über Vermögenssteuern. Das ist eine Verunsicherung des Wirtschaftsstandortes. Wie ich erfahren habe, ist der Abfluss von Kapital schon voll im Gange.

Geht sich eine Steuerreform finanziell aus – ohne neue Steuern?

PRÖLL: Bund, Länder und Gemeinden werden sich mäßigen müssen. Man muss aber die nötige Sensibilität aufbringen, dass man nicht mehr kaputt macht, als man gutmacht. Zu Details sage ich nichts. Jede Festlegung macht einen Konsens unmöglich.

Und wenn es nicht klappt, kommen Neuwahlen?

PRÖLL: Das wäre eine Bankrotterklärung der Politik.

Was halten Sie davon, dass es bald ein totales Rauchverbot gibt?

PRÖLL: Ich bin da mit Sicherheit keine Messlatte, weil ich ein überzeugter Nichtraucher bin. Das Ziel ist für mich absolut vorstellbar. Man sollte einen pragmatischen Weg gehen und schauen, dass man nicht die Gastronomie in eine ausweglose Lage treibt.

Sind die Reformen in der Steiermark ein Vorbild für andere Bundesländer?

PRÖLL: Die Steirer haben aufgrund der budgetären Zwänge konsequent gehandelt hat. Das war nicht einfach, deshalb Respekt. Was die Steirer machen, haben wir Niederösterreicher in den Siebzigerjahren gemacht.

Die Leute fordern Reformen ein, belohnen die Politik dafür nicht in der Wahlzelle.

PRÖLL: Das Floriani-Prinzip ist so alt wie der heilige Florian. So gesehen ist das nicht verwunderlich. Die Rechnung wird erst am Wahlabend gemacht.

Zur Hofburg: Wäre Frau Griss eine gute Kandidatin?

PRÖLL: Jeder Bürger, der die verfassungsrechtlichen Voraussetzungen erfüllt, ist ein möglicher Kandidat.

Und dass ÖVP und SPÖ Frau Griss gemeinsam aufstellen?

PRÖLL: Dazu kann ich nichts sagen. Die Wahlen finden in schwachen eineinhalb Jahren statt. Ich kann lediglich sagen, dass in der ÖVP die Wahlen noch kein Thema sind.

Sie haben gesagt, die Hofburg ist nicht Teil Ihrer Lebensplanung. Kann sich das noch ändern?

PRÖLL: Warum soll sich das ändern?

Wenn man gerufen wird?

PRÖLL: Diese Frage stellt sich absolut nicht. Ich sage Ihnen noch einmal, dass diesbezügliche Überlegungen in der ÖVP nicht angestellt wurden.

Wenn der Semmering-Tunnel 2024 eröffnet wird, nehmen Sie daran teil als Landeshauptmann oder als Bundespräsident?

PRÖLL: Ob ich daran teilnehmen kann, entscheidet der liebe Gott. Sollte es der liebe Gott gut mit mir meinen und ich dazu eingeladen werde, komme ich gern. Der Semmering-Tunnel hat mir über viele Jahre Kopfzerbrechen bereitet.

Sie würden als Politiker kommen oder als Pensionist?

PRÖLL: Sowohl als auch.

INTERVIEW: MICHAEL JUNGWIRTH

 

 

SN – 9. Jänner 2015

 

Matura: Probe-Schularbeit mit 28 Prozent Fünfern

Bei den Mathematik-Probeschularbeiten ein halbes Jahr vor dem verpflichtenden Start der Zentralmatura an den AHS haben laut APA-Informationen rund 28 Prozent der Schüler einen Fünfer bekommen. Die Ergebnisse schwanken dabei von Schule zu Schule sehr stark. AHS-Direktorensprecher Wilhelm Zillner sieht die Resultate trotzdem "eher unaufgeregt".

Laut Ö1-"Morgenjournal" haben Mädchen insgesamt schlechter als Burschen abgeschnitten. Während etwa ein Viertel der Burschen einen Fünfer bekam, war es bei den Mädchen ein Drittel. AHS-Langformen erzielten bessere Resultate als die reinen Oberstufenformen. Bundesschulsprecher Lukas Faymann verlangte aufgrund des Geschlechterunterschieds eine ausgeglichene Notengebung, der Vorsitzende der AHS-Lehrergewerkschaft, Eckehard Quin, will zusätzliche Förderkurse bzw. mehr Wochenstunden in den Hauptfächern an den Oberstufen-Realgymnasien. Die Elternvertreter wiederum sehen die Lehrer in der Pflicht.

"Eher unaufgeregt" interpretiert der Sprecher der AHS-Direktoren, Wilhelm Zillner, die Resultate: "Schlechte Schularbeits-Ergebnisse in der achten Klasse sind nichts Außergewöhnliches", so Zillner zur APA. "18-Jährige sind manchmal schon sehr cool. Bevor sie anfangen, Stress zu kriegen, vergeht oft viel Zeit. Deshalb fallen dann die Matura-Ergebnisse immer viel besser aus, weil die Schüler doch irgendwann den Ernst der Lage erkennen." Wenn man die Zahl der Fünfer bis zur Reifeprüfung auf etwa die Hälfte reduzieren könne, habe man ganz normale Ergebnisse.

"Ich rege mich nur sehr bedingt auf", meinte Zillner. "Es hat umgekehrt auch sehr viele gute Ergebnisse gegeben." Außerdem laufe die Auswertung "extrem professionell". Die Schulen würden die genauen Detail-Auswertungen jeder einzelnen Aufgabe erhalten. "Wenn ich ein seriöser Lehrer bin, schaue ich mir an, ob ein schlechtes Resultat einen Grund hat. Habe ich etwa die bei diesem Beispiel gefragten Dinge schon vor längerer Zeit durchgenommen etc. Je nachdem können dann bestimmte Gebiete nochmals durchgegangen werden."

Die unterschiedlichen Ergebnisse von Burschen und Mädchen hält Zillner für noch im Rahmen: "Dafür sind die Mädchen etwa in Englisch besser - so lange das nicht besorgniserregende Ausmaße annimmt, ist es OK."

Die Unterschiede zwischen AHS-Langform und reinen Oberstufenschulen könne man zum Teil durch die andere Schüler-Zusammensetzung erklären: Letztere würden vor allem von ehemaligen Haupt- bzw. Schülern der Neuen Mittelschule besucht. In den Langformen seien die Klassenverbände dagegen schon gewachsen und homogener. "Außerdem ist Oberstufenform nicht gleich Oberstufenform - jene mit der Mathematik oder Naturwissenschaften eher fernen Schwerpunkten haben wahrscheinlich nicht so gut abgeschnitten." An seiner eigenen Schule (BRG/BORG Kirchdorf, OÖ) liefen Lang- und Oberstufenform parallel, so Zillner. "Bei uns sind die Ergebnisse gleich. Wenn ein Lehrer einmal in die A- und dann in die B-Klasse geht, unterrichtet er ja auch nicht anders."

Zur Matura-Vorbereitung stellte das Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) Mitte Dezember eine Modellschularbeit zur Verfügung. Diese konnte von den Lehrern entweder als reale Schularbeit abgehalten oder auch nur zur Übung verwendet werden. Die Resultate wurden an das Bildungsministerium übermittelt.

 

 

Österreich – 9. Jänner 2015

 

Probe-Matura: 28 Prozent haben Fünfer

Die Probematura im Dezember fiel eher durchwachsen aus – fast 30% fielen durch.

Nach den Pannen im Jahr 2014 soll bei der nächsten Zentralmatura alles gut gehen. Rund 25% der Schüler nahmen deshalb an einer Probematura teil. Laut Ö1-Radio haben die Schülerinnen und Schüler aber noch einiges nachzuholen.

Mädchen schnitten schlechter ab als Burschen

28 Prozent der teilnehmenden Jugendlichen haben ein Nicht Genügend.

Buben besser: Die Mädchen haben schlechter als die Burschen abgeschnitten. Während ein Viertel der Buben (25%) einen Fünfer bekam, war es bei den Mädchen sogar ein Drittel (knapp 33%).

■ Schulen unterschiedlich: Auch bei den Schulen gab es große Unterschiede: In der (8-jährigen) Langform der Gymnasien waren die Jugendlichen besser: Mehr als 70% der Arbeiten sind positiv. An vierjährigen Gymnasien waren nur 60% positiv.

Bei Schülern und Lehrern – auf die die Ergebnisse ja zurückfallen – macht sich Panik breit. AHS-Gewerkschafter Eckehard Quin fordert mehr Förderstunden und mehr Matheunterricht.

Noch fünf Monate, um Defizite auszugleichen

Wien. Bundesschulsprecher Lukas Faymann schlägt in dieselbe Kerbe: „Wir brauchen jetzt Förderung für sehr schlechte Klassen." Im Ministerium von Gabriele Heinsich-Hosek gab man sich gelassen: Es blieben noch fünf Monate, um die Defizite auszugleichen und nachzulernen.

 

 

Der Standard – 9. Jänner 2015

 

 

Zentralmatura: Probe-Schularbeit mit 28 Prozent Fünfern

Testarbeit zeigt starke Differenzen je nach Schule. Burschen schnitten besser ab als Mädchen, die Lehrerschaft ruft jetzt nach Zusatzstunden

Bei den Mathematik-Probeschularbeiten ein halbes Jahr vor dem verpflichtenden Start der Zentralmatura an den AHS haben rund 28 Prozent der Schüler einen Fünfer bekommen. Die Ergebnisse schwanken dabei von Schule zu Schule sehr stark. AHS-Direktorensprecher Wilhelm Zillner sieht die Resultate trotzdem "eher unaufgeregt".

Laut Ö1-"Morgenjournal" vom Donnerstag schnitten Mädchen insgesamt schlechter ab als Burschen. Während etwa ein Viertel der Burschen einen Fünfer bekamen, waren es bei den Mädchen ein Drittel – schon bei den Pisa-Tests hatten Mädchen schlechtere Mathematikergebnisse erzielt. AHS-Langformen erzielten bessere Resultate als die reinen Oberstufenformen.

Bundesschulsprecher Lukas Faymann verlangte, dass man die Ursachen für diesen Geschlechterunterschied sucht, der Vorsitzende der AHS-Lehrergewerkschaft, Eckehard Quin, will zusätzliche Förderkurse beziehungsweise mehr Wochenstunden in den Hauptfächern an den Oberstufen-Realgymnasien. Die Elternvertreter wiederum sehen die Lehrer in der Pflicht.

Unaufgeregte Direktoren

"Eher unaufgeregt" interpretierte der AHS-Direktorensprecher Zillner die Resultate: "Schlechte Schularbeitsergebnisse in der achten Klasse sind nichts Außergewöhnliches", sagte er am Donnerstag. "18-Jährige sind manchmal schon sehr cool. Bevor sie anfangen, Stress zu kriegen, vergeht oft viel Zeit. Deshalb fallen dann die Maturaergebnisse immer viel besser aus, weil die Schüler doch irgendwann den Ernst der Lage erkennen." Wenn man die Zahl der Fünfer bis zur Reifeprüfung auf etwa die Hälfte reduzieren könne, habe man ganz normale Ergebnisse.

"Ich rege mich nur sehr bedingt auf", meinte Zillner. "Es hat umgekehrt auch sehr viele gute Ergebnisse gegeben." Außerdem verlaufe die Auswertung "extrem professionell". Die Schulen würden die Detailauswertungen jeder einzelnen Aufgabe erhalten. "Wenn ich ein seriöser Lehrer bin, schaue ich mir an, ob ein schlechtes Resultat einen Grund hat. Habe ich etwa die bei diesem Beispiel gefragten Dinge schon vor längerer Zeit durchgenommen et cetera? Je nachdem können dann bestimmte Gebiete nochmals durchgegangen werden."

Mädchen in Englisch besser

Die unterschiedlichen Ergebnisse von Burschen und Mädchen hält Zillner für noch im Rahmen: "Dafür sind die Mädchen etwa in Englisch besser. Solange das nicht besorgniserregende Ausmaße annimmt, ist es okay."

Die Unterschiede zwischen AHS-Langform und reinen Oberstufenschulen könne man zum Teil durch die andere Schülerzusammensetzung erklären: Letztere würden vor allem von ehemaligen Haupt- beziehungsweise Schülern der Neuen Mittelschule besucht. In den Langformen seien die Klassenverbände dagegen schon gewachsen und homogener. "Außerdem ist Oberstufenform nicht gleich Oberstufenform. Jene mit der Mathematik oder Naturwissenschaften eher fernen Schwerpunkten haben wahrscheinlich nicht so gut abgeschnitten." An seiner eigenen Schule, dem BRG/BORG Kirchdorf in Oberösterreich, liefen Lang- und Oberstufenform parallel, so Zillner. "Bei uns sind die Ergebnisse gleich. Wenn ein Lehrer einmal in die A- und dann in die B-Klasse geht, unterrichtet er ja auch nicht anders."

Zur Maturavorbereitung stellte das Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) Mitte Dezember eine Modellschularbeit zur Verfügung. Diese konnte von den Lehrern entweder als reale Schularbeit abgehalten oder auch nur zur Übung verwendet werden. Die Resultate wurden an das Bildungsministerium übermittelt.

Heinisch-Hosek: Nicht repräsentativ

Von dort heißt es von einer Sprecherin von Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek im Gespräch zu derStandard.at, dass die Ergebnisse der Probematura nicht repräsentativ sind. Von über 20.000 Maturanten haben 5.300 Schüler teilgenommen. "Von diesen sind bereits jetzt 70 Prozent Maturareif", sagt die Sprecherin. Die Schüler und Lehrer hätten jetzt fünf Monate Zeit, um ihre Probleme anzugehen.

 

"Kronen Zeitung" vom 09.01.2015                           Seite: 12

Ressort: Politik

 

Bgld, Ktn, Wi Mitte, Wi Nord, Wi Süd, Wi West, N.Ö., O.Ö., Sbg, Stmk, Ti, Vbg, Wi, Morgen

 

Probedurchlauf in Mathematik heizt Diskussion wieder an

 

Zentralmatura sorgt weiter für Ärger bei Eltern und Schülern

 

Wien. - Während Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) auf einer Exkursionsreise das funktionierende niederländische Schulsystem erkundet, sorgt die heimische Zentralmatura weiter für großen Ärger bei Eltern und Schülern. Aber auch Lehrervertreter sagen, dass es so einfach nicht mehr weitergehen könne.

 

   Auch in der "Krone"-Redaktion melden sich immer mehr Eltern, die über die schlechte Vorbereitung auf die Zentralmatura - sie soll in fünf Monaten starten - klagen. Die Kinder würden unter enormem Stress leiden, die BIFIE-Formulare seien ein bürokratischer Wahnsinn, es sei kaum möglich, den Kindern zu helfen.

 

   Anlass der neuesten Aufregung ist eine Probe-Schularbeit in Mathematik, auf die fast dreißig Prozent der Schüler ein Nicht genügend bekommen haben. Allerdings sind die Ergebnisse dieses Testlaufs zur neuen Matura je nach Schultyp und Geschlecht unterschiedlich ausgefallen. Laut Ö1 haben Mädchen schlechter abgeschnitten als Buben, in den AHS kam es zu besseren Ergebnissen als in den Oberstufen-Realgymnasien.

 

   Der - mit dem Kanzler nicht verwandte - Bundesschulsprecher Lukas Faymann gibt zu bedenken, dass die Zentralmatura unfair sein könnte. AHS-Lehrervertreter verlangen in der Oberstufenform zusätzliche Wochenstunden in Mathematik, Englisch und Deutsch. Elternvertreter fordern von den Lehrern, sich auf die neue Art des Unterrichts einzustellen.

 

 

"Kronen Zeitung" vom 09.01.2015                           Seite: 29

Ressort: Lokal

 

Sbg, Morgen

 

Verwirrung bei Probelauf

 

JENNIFER AUINGER

 

- Schlechte Ergebnisse bei Zentralmatura in Mathematik

 

   Schüler gingen - wie hier in Graz - auf die Straße. Sie demonstrierten gegen die Zentralmatura und forderten: "BIFIE auflösen", "Nicht Genügend, setzen" und "Her mit mehr Vorbereitungsstunden!" Jetzt gab es in Salzburg katastrophale Ergebnisse.

 

   Monatelang bereiteten sich die Schüler der Gymnasien und Realgymnasien auf die Probe-Zentralmatura in Mathematik vor. "Wir hielten uns an den BIFIE-Fragenkatalog im Internet, lösten viele Rechenbeispiele in den Mathestunden", erklärt Claudia Dörrich, Direktorin des Christian Doppler Gymnasiums. Am 14. Dezember war es dann soweit: "Natürlich waren die meisten Schüler sehr nervös, schließlich möchten sie ja alle die richtige Matura im Juni bestehen", betont Dörrich, die schon kurz danach von ihrer Klasse entnahm, dass die Beispiele teilweise verwirrend waren.

 

   Das bestätigte sich auch bei den Ergebnissen der Probe-Matura in Salzburg: Fast jede dritte Schularbeit wurde mit "Nicht Genügend" beurteilt, ein Fünftel mit "Genügend".

 

   Doch woran lag es? "Einige Schulen beurteilten den Probelauf als richtige Schularbeit, für andere hingegen diente es wirklich nur als Probe. Zudem gab es Probleme bei der Fragestellung", weiß Heidrun Eibl-Göschl vom Landesverband der Elternvereinigung, für die es nur eine Lösung gibt: "Wir müssen die Schüler bis Juni perfekt auf die Matura vorbereiten. Natürlich hoffe ich auch, dass dann die Fragestellung vereinfacht wird".

 

   Von Seiten des Landesschulrates heißt es: "Es gibt zwei Grundprobleme: Die Textaufgaben waren zu kompliziert und die Zeit zu knapp", berichtet Markus Leitner: "Wir haben jetzt die Stellungnahmen der Schulen bekommen, schicken diese nach Wien und hoffen auf eine Lösung für alle - sowohl für Schüler, als auch für Eltern und Lehrer."

 

 

Wiener Zeitung – 9. Jänner 2015

 

 

Zentralmatura

Neuer Testlauf zur neuen Matura

 

 

 

 

 

 

 

 

·         In Mathe 29 Prozent durchgefallen.

 

 

Österreich-weit. Bei den Mathematik-Probeschularbeiten ein halbes Jahr vor dem verpflichtenden Start der Zentralmatura an den AHS haben laut APA-Informationen rund 28 Prozent der Schüler einen Fünfer bekommen. Die Ergebnisse schwanken dabei von Schule zu Schule sehr stark. AHS-Direktorensprecher Wilhelm Zillner sieht die Resultate trotzdem "eher unaufgeregt".

Buben besser

Laut Ö1-"Morgenjournal" haben Mädchen insgesamt schlechter als Burschen abgeschnitten. Während etwa ein Viertel der Burschen einen Fünfer bekam, war es bei den Mädchen ein Drittel. AHS-Langformen erzielten bessere Resultate als die reinen Oberstufenformen. Bundesschulsprecher Lukas Faymann verlangte aufgrund des Geschlechterunterschieds eine ausgeglichene Notengebung, der Vorsitzende der AHS-Lehrergewerkschaft, Eckehard Quin, will zusätzliche Förderkurse bzw. mehr Wochenstunden in den Hauptfächern an den Oberstufen-Realgymnasien. Die Elternvertreter wiederum sehen die Lehrer in der Pflicht.

"Ergebnisse normal"

"Eher unaufgeregt" interpretiert der Sprecher der AHS-Direktoren, Wilhelm Zillner, die Resultate: "Schlechte Schularbeits-Ergebnisse in der achten Klasse sind nichts Außergewöhnliches", so Zillner zur APA. "18-Jährige sind manchmal schon sehr cool. Bevor sie anfangen, Stress zu kriegen, vergeht oft viel Zeit. Deshalb fallen dann die Matura-Ergebnisse immer viel besser aus, weil die Schüler doch irgendwann den Ernst der Lage erkennen." Wenn man die Zahl der Fünfer bis zur Reifeprüfung auf etwa die Hälfte reduzieren könne, habe man ganz normale Ergebnisse.

"Ich rege mich nur sehr bedingt auf", meinte Zillner. "Es hat umgekehrt auch sehr viele gute Ergebnisse gegeben." Außerdem laufe die Auswertung "extrem professionell". Die Schulen würden die genauen Detail-Auswertungen jeder einzelnen Aufgabe erhalten. "Wenn ich ein seriöser Lehrer bin, schaue ich mir an, ob ein schlechtes Resultat einen Grund hat. Habe ich etwa die bei diesem Beispiel gefragten Dinge schon vor längerer Zeit durchgenommen etc. Je nachdem können dann bestimmte Gebiete nochmals durchgegangen werden."

Die unterschiedlichen Ergebnisse von Burschen und Mädchen hält Zillner für noch im Rahmen: "Dafür sind die Mädchen etwa in Englisch besser - so lange das nicht besorgniserregende Ausmaße annimmt, ist es OK."

Oberstufe nicht gleich Oberstufe

Die Unterschiede zwischen AHS-Langform und reinen Oberstufenschulen könne man zum Teil durch die andere Schüler-Zusammensetzung erklären: Letztere würden vor allem von ehemaligen Haupt- bzw. Schülern der Neuen Mittelschule besucht. In den Langformen seien die Klassenverbände dagegen schon gewachsen und homogener. "Außerdem ist Oberstufenform nicht gleich Oberstufenform - jene mit der Mathematik oder Naturwissenschaften eher fernen Schwerpunkten haben wahrscheinlich nicht so gut abgeschnitten." An seiner eigenen Schule (BRG/BORG Kirchdorf, OÖ) liefen Lang- und Oberstufenform parallel, so Zillner. "Bei uns sind die Ergebnisse gleich. Wenn ein Lehrer einmal in die A- und dann in die B-Klasse geht, unterrichtet er ja auch nicht anders."

Zur Matura-Vorbereitung stellte das Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) Mitte Dezember eine Modellschularbeit zur Verfügung. Diese konnte von den Lehrern entweder als reale Schularbeit abgehalten oder auch nur zur Übung verwendet werden. Die Resultate wurden an das Bildungsministerium übermittelt.

 

Heute – 9. Jänner 2015

 

 

Zentralmatura: Probe-Schularbeit mit 28 Prozent Fünfern

Bei den Mathematik-Probeschularbeiten ein halbes Jahr vor dem verpflichtenden Start der Zentralmatura an den AHS haben laut APA-Informationen rund 28 Prozent der Schüler einen Fünfer bekommen. Die Ergebnisse schwanken dabei von Schule zu Schule sehr stark. AHS-Direktorensprecher Wilhelm Zillner sieht die Resultate trotzdem "eher unaufgeregt".


Laut Ö1-"Morgenjournal" haben Mädchen insgesamt schlechter als Burschen abgeschnitten. Während etwa ein Viertel der Burschen einen Fünfer bekam, war es bei den Mädchen ein Drittel. AHS-Langformen erzielten bessere Resultate als die reinen Oberstufenformen.

Bundesschulsprecher Lukas Faymann verlangte aufgrund des Geschlechterunterschieds eine ausgeglichene Notengebung, der Vorsitzende der AHS-Lehrergewerkschaft, Eckehard Quin, will zusätzliche Förderkurse bzw. mehr Wochenstunden in den Hauptfächern an den Oberstufen-Realgymnasien. Die Elternvertreter wiederum sehen die Lehrer in der Pflicht.

Heinisch-Hosek im Ö1-Journal

Fehler bei Zentralmatura nicht auszuschließen

"Schlechte Ergebnisse nichts Außergewöhnliches"
"Eher unaufgeregt" interpretiert der Sprecher der AHS-Direktoren, Wilhelm Zillner, die Resultate: "Schlechte Schularbeits-Ergebnisse in der achten Klasse sind nichts Außergewöhnliches", so Zillner zur APA. "18-Jährige sind manchmal schon sehr cool. Bevor sie anfangen, Stress zu kriegen, vergeht oft viel Zeit.

Deshalb fallen dann die Matura-Ergebnisse immer viel besser aus, weil die Schüler doch irgendwann den Ernst der Lage erkennen." Wenn man die Zahl der Fünfer bis zur Reifeprüfung auf etwa die Hälfte reduzieren könne, habe man ganz normale Ergebnisse.

"Ich rege mich nur sehr bedingt auf", meinte Zillner. "Es hat umgekehrt auch sehr viele gute Ergebnisse gegeben." Außerdem laufe die Auswertung "extrem professionell". Die Schulen würden die genauen Detail-Auswertungen jeder einzelnen Aufgabe erhalten. "Wenn ich ein seriöser Lehrer bin, schaue ich mir an, ob ein schlechtes Resultat einen Grund hat. Habe ich etwa die bei diesem Beispiel gefragten Dinge schon vor längerer Zeit durchgenommen etc. Je nachdem können dann bestimmte Gebiete nochmals durchgegangen werden."    

Nach Fünfer-Orgie

Zentralmatura: Streit bei Krisensitzung beigelegt

Oberstufe nicht gleich Oberstufe
Die unterschiedlichen Ergebnisse von Burschen und Mädchen hält Zillner für noch im Rahmen: "Dafür sind die Mädchen etwa in Englisch besser - so lange das nicht besorgniserregende Ausmaße annimmt, ist es OK."

Die Unterschiede zwischen AHS-Langform und reinen Oberstufenschulen könne man zum Teil durch die andere Schüler-Zusammensetzung erklären: Letztere würden vor allem von ehemaligen Haupt- bzw. Schülern der Neuen Mittelschule besucht. In den Langformen seien die Klassenverbände dagegen schon gewachsen und homogener.

"Außerdem ist Oberstufenform nicht gleich Oberstufenform - jene mit der Mathematik oder Naturwissenschaften eher fernen Schwerpunkten haben wahrscheinlich nicht so gut abgeschnitten." An seiner eigenen Schule (BRG/BORG Kirchdorf, OÖ) liefen Lang- und Oberstufenform parallel, so Zillner. "Bei uns sind die Ergebnisse gleich. Wenn ein Lehrer einmal in die A- und dann in die B-Klasse geht, unterrichtet er ja auch nicht anders."
 

Zur Matura-Vorbereitung stellte das Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) Mitte Dezember eine Modellschularbeit zur Verfügung. Diese konnte von den Lehrern entweder als reale Schularbeit abgehalten oder auch nur zur Übung verwendet werden. Die Resultate wurden an das Bildungsministerium übermittelt.

 

 

Heute – 9. Jänner 2015

 

"Herr Faymann, was tun Sie 2015?"

Belohnungen für das Einstellen älterer Arbeitsloser, Merkels Griechenland-Politik, Stillstand in der Bildungspolitik, Kompromissmöglichkeiten bei der Steuerreform und das Rauchverbot in Lokalen erörtert Werner Faymann (SP) im "Heute"-Gespräch mit Erich Nuler.


"Heute": Eurostat weist Österreich mit 4,9 % die niedrigste Arbeitslosigkeit in der EU aus. In Wahrheit sind 456.000 arbeitslos, also jeder Zehnte im erwerbsfähigen Alter. Was tun Sie?
Werner Faymann: Die Schwierigkeit ist, dass wir ein geringes Wirtschaftswachstum in der Eurozone von weniger als 1 % haben. Wir können das Problem nicht in Österreich alleine lösen, sondern brauchen europäische Lösungen.

"Heute": Was können Sie national tun?
Faymann: Die Steuerreform umsetzen und damit die Kaufkraft stärken. Wird mehr eingekauft, können Jobs entstehen. Man kann Investitionen stärken, zum Beispiel beim Wohnbau.

"Heute": Über die Wohnbauförderung kann der Bund einwirken, aber es gibt noch immer keine Zweckbindung dieser Mittel. Die Folge: Das Geld fließt nicht zu 100% in den Wohnbau.
Faymann: Genau das wird jetzt mit den Ländern verhandelt. Die Zweckbindung wäre gut. Andere Modelle sehen eine Ankurbelung des Wohnbaus mit Garantien und Haftungen vor. Aber der Wille muss vorhanden sein, solche Investitionen zu stärken.

"Heute": 100.000 der 466.000 Arbeitslosen in Österreich sind über 50. Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi, ein Sozialdemokrat, hat den Kündigungsschutz gelockert um Arbeitgeber Anreize zu geben, auch ältere Arbeitnehmer einzustellen. Ein Modell für Sie?
Faymann: Unser Kündigungsschutz war nie so streng wie in Italien.

"Heute": Also kein Modell für Sie. Was tun Sie gegen Altersarbeitslosigkeit? Bitte konkret.
Faymann: Ich will das Bonus-Malus-System (Betriebe, die Arbeitslose über 50 Jahre einstellen, erhalten ein Bonuszahlung, Anm.). In der Regierung haben wir uns schon darauf geeinigt. Es fehlt nur noch die Zustimmung der Wirtschaftskammer. Zweitens braucht es öffentliche Investitionen um auch wieder mehr Arbeitsplätze zu schaffen.

"Heute": Für die Investitionen fehlt aber das Geld.
Faymann: Allein die Betrugsbekämpfung in Europa würde eine Billion Euro bringen. Da rede ich noch gar nicht davon, schärfere Gesetze zu beschließen sondern nur davon, die bestehenden Gesetze zu exekutieren. Wenn wir eine Billion Euro hätten, um eine EU-Arbeitsmarktpolitik zu bezahlen, wäre viel getan. Wenn wir uns darauf einigen, vermögensbezogene Steuern einzuführen, bekommen wir auch mehr Spielraum.

"Heute": Was tut die EU gegen die Arbeitslosigkeit?
Faymann: In manchen Regionen haben wir sogar eine Massenarbeitslosigkeit. Das heißt für die Betroffenen in diesen Ländern nichts Gutes, es ist eine Katastrophe für Europa, das heißt aber auch für unsere Exporte nichts Gutes. Über 80 Prozent unserer Exporte gehen nach Europa. Und eine Million österreichische Jobs hängen vom Export ab. Für einen Rückgang der Arbeitslosigkeit brauchen wir also mehr Europa.

"Heute": Wie realistisch ist eine EU-weite Steuerharmonisierung, zumindest ein Basissatz für Unternehmensbesteuerung? Wie stehen die Zeichen im EU-Rat?
Faymann: Schlecht, weil der Ernst der Lage nicht erkannt wird. Bei Ausbruch der Krise 2008 waren die damals 27 Staaten schnell und stark genug, den Kartenhauseffekt zu stoppen. Wir haben Massenelend wie in den 1930er-Jahren verhindert. Jetzt ist die Situation eine andere. Jeder Regierungschefs hat im Kopf und auch im Herzen, was in seinem Land passiert. Es fehlt die europäische Betroffenheit, wieder Entschlossenheit an den Tag zu legen. Jeder rechnet Kosten-Nutzen für sich selbst durch und man kommt nicht zusammen. Es fehlt der gemeinsame Wille in Europa. Und jetzt kommen ein paar auch noch auf die Idee, sich vor einer Wahl einzumischen – das ist völlig unverständlich.

"Heute": Sie kritisieren damit Kanzlerin Angela Merkel.
Faymann: Ja, denn was soll ein Austritt der Griechen aus der Eurozone schon bringen? Eine Katastrophe. Wenn Athen die Drachme wieder einführt, die nichts wert ist, können die Griechen nicht nur ihre Schulden nicht bezahlen, sondern die Spitäler und die Schulen.

"Heute": Wien und Berlin driften auseinander…
Faymann: Wir haben unterschiedliche Meinungen. Nichts gefährdet den europäischen Gedanken so sehr wie Arbeitslosigkeit.

"Heute": Wenn Griechenland austritt könnte Italien folgen.
Faymann: Ich möchte mir nicht vorstellen, welche Wahlergebnisse nach einem Austritt aus der Eurozone und den verheerenden Folgen für das Land, dort stattfinden. Demokratie lebt von Akzeptanz und nicht von Hass auf die Politik. Hass nützt immer jenen, die Feindbilder suchen.

"Heute": Zur Steuerreform nur Eines: Kaufe ich ein Stück Brot, zahle ich 10 Prozent Steuern, kaufe ich eine Aktie, zahle ich keine Steuern. Warum?
Faymann: Bei der KESt (Kapitalertragssteuer), Wertpapierdepots und Immobilienzuwächsen haben wir Steuern. Wo wir überhaupt keine Steuern haben, ist beim Vererben und beim Verschenken. Ich kann Ihnen eine Aktie schenken und sie zahlen keine Steuer obwohl sie nichts dazu beigetragen haben außer die Schenkung entgegenzunehmen. Dasselbe gilt fürs Sparbuch und fürs Haus. Ich versuche in unserem Steuersystem nicht nur die Arbeit zu besteuern sondern Vermögensvermehrung, damit Arbeit entlastet werden kann.

Theoretisch könnte ein Betrieb, der nur mit Robotern funktioniert, eines Tages für die Arbeit selbst keine Steuern mehr zahlen. Wenn er in seiner Gewinn- und Verlustrechnung ideenreich ist und Geld in Steueroasen parkt, zahlt er nichts. Da die Entwicklung, etwa mit Google und Amazon, in diese Richtung geht, ist Alfred Dallingers Gedanke der Wertschöpfung richtig. Nachdem man nie radikale Umbrüche schafft, von heute auf morgen Steuersysteme völlig umstellt muss man doch in Österreich zumindest das machen, was es schon in Deutschland gibt: die Erbschafts- und Schenkungssteuer.

"Heute": Bundespräsident Heinz Fischer skizzierte einen möglichen Kompromiss. Vermögenszuwachs besteuern, aber die Substanz nicht antasten. Denkbar nur bei KESt und Erbschaft anzusetzen?
Faymann: In der letzten Legislaturperiode haben wir Immobilienzuwachs höher besteuert. Unterm Strich geht's darum, 5 bis 6 Milliarden zu entlasten. Ich bin jetzt das siebente Jahr Bundeskanzler und habe noch nie ein Budget gemacht, wo zu viel Geld da war.

"Heute": Ist die ASVG-Höchstbeitragsgrenze sakrosankt?
Faymann: Wenn wir uns in neun Wochen einig sein müssen, darf grundsätzlich nicht zu viel ausgeschlossen werden. Sonst kommt keine Einigung zustande.

"Heute": Das ist kein "Nein".
Faymann: Ich habe sie nicht eingebracht. Mein Fokus liegt auf der Besteuerung von Vermögen.

"Heute": Caritas-Präsident Michael Landau hat sie eingeladen, in der Gruft zu verhandeln.
Faymann: Die unterschiedlichen Positionen sind nicht entstanden, weil die Umgebung uns nicht sozial genug motiviert, sondern wir sind verschiedene Parteien. Der Wille Millionäre davor zu schützen, ja nichts zahlen zu müssen, ist in der SPÖ nicht sehr ausgeprägt. Das Bedürfnis der ÖVP in diesem Bereich schützend aufzutreten, ist viel größer.

Wenn wir uns in einer Sozialeinrichtung treffen, ist das nicht viel anders. Sonst würde ich alle Regierungssitzungen in Sozialeinrichtungen abhalten. Es ist aber nicht der Fehler der Demokratie, unterschiedlicher Meinung zu sein. Unsere Wähler werfen uns nicht vor, die falschen Inhalte zu haben, sondern dass wir mehr durchbringen sollen.

"Heute": Auch in der Bildungspolitik liegen SPÖ und ÖVP weit auseinander. Sie haben im Wahlkampf aber "Bildung" plakatiert. Eine vor drei Monaten eingesetzte Arbeitsgruppe hat noch kein einziges Mal getagt. Hat Ihre Regierung die Bildungspolitik ad acta gelegt?
Faymann: Ich bin für eine gemeinsame Schule mit ganztägigem Angebot. Die Frage ist, was ich mit dem Koalitionspartner umsetzen kann. Da orte ich in vielen Bundesländern das Bedürfnis, ganztägige Schulformen auszubauen, auch in der ÖVP, die stets dagegen war. Wir haben das Angebot ausgebaut und ich bin fest davon überzeugt, dass es mir gelingt, dass diese weißen Flecken auf der Landkarte, wo es nicht einmal ein Angebot für ganztägige Schulformen gib, verschwinden. Auch bei der Schulautonomie traue ich mir Lösungen mit der ÖVP zu. Bei der gemeinsamen Schule gibt es aber so viel ideologischen Balast, dass ich sie nicht versprechen kann.

"Heute": Wohnen ist in kurzer Zeit extrem teurer geworden. Im Regierungsprogramm finden sich einige Maßnahmen. Die Zweckbindung der Wohnbauförderung ist noch nicht umgesetzt, aber auch einfache Maßnahmen wie, dass Unter-35-Jährige keine Vergebührung zahlen sollen, fehlen. Kommt da noch etwas?
Faymann: Ja, die Verhandler verhandeln mit Hochdruck. Vergebührung, Mietrecht und Konsumentenschutz werden wir schaffen. Hauptpunkt ist: Wenn wir mehr bauen, sinkt der Preis.

"Heute": Kommt das generelle Rauchverbot in Lokalen noch heuer?
Faymann: Ja, die Chancen stehen gut. Wirte, die investiert haben, werden eine Abschreibungsmöglichkeit erhalten.

 

 

"Tiroler Tageszeitung" Nr. 9 vom 09.01.2015                 Seite: 12

Ressort: Nachrichten1u2

 

 

Matura-Test brachte fast ein Drittel Fünfer

 

Ein halbes Jahr vor der Reifeprüfung scheiterten 28 Prozent der Schüler an einer Zentral-Schularbeit. Der Sprecher der Direktoren ist aber nicht aufgeregt.

 

   Wien - Bei den Mathematik-Probeschularbeiten ein halbes Jahr vor dem Start der Zentralmatura an den Gymnasien haben rund 28 Prozent der Schüler einen Fünfer bekommen. Die Ergebnisse schwanken dabei von Schule zu Schule sehr stark.

 

   Laut Ö1-?Morgenjournal" haben Mädchen insgesamt schlechter als Burschen abgeschnitten. Während etwa ein Viertel der Burschen einen Fünfer bekam, war es bei den Mädchen ein Drittel. AHS-Langformen erzielten bessere Resultate als die reinen Oberstufenformen.

 

   Bundesschulsprecher Lukas Faymann verlangte aufgrund des Geschlechterunterschieds eine ausgeglichene Notengebung, der Vorsitzende der AHS-Lehrergewerkschaft, Eckehard Quin, will zusätzliche Förderkurse bzw. mehr Wochenstunden in den Hauptfächern an den Oberstufen-Realgymnasien. Die Elternvertreter wiederum sehen die Lehrer in der Pflicht.

 

   ?Eher unaufgeregt" interpretiert der Sprecher der AHS-Direktoren, Wilhelm Zillner, die Resultate: ?Schlechte Schularbeitsergebnisse in der achten Klasse sind nichts Außergewöhnliches", berichtete er. ?18-Jährige sind manchmal schon sehr cool. Bevor sie anfangen, Stress zu kriegen, vergeht oft viel Zeit. Deshalb fallen dann die Matura-Ergebnisse immer viel besser aus, weil die Schüler doch irgendwann den Ernst der Lage erkennen." Wenn man die Zahl der Fünfer bis zur Reifeprüfung auf die Hälfte reduzieren könne, habe man ganz normale Ergebnisse.

 

   Zur Matura-Vorbereitung stellte das Bildungsinstitut Mitte Dezember eine Modellschularbeit zur Verfügung. Diese konnte als reale Schularbeit abgehalten oder nur zur Übung verwendet werden. Die Resultate wurden an das Bildungsministerium übermittelt.

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen