Sonntag, 11. Januar 2015

2015.01.10-12.: Newsletter Bildung

Die Presse – 12. Jänner 2015

 

 

Ministerin will Schulautonomie testen

Ministerin Heinisch-Hosek überlegt Testregionen. Vorstellbar sei etwa eine Staffelung der Schulbudgets. Dafür könnte es nun doch mehr Geld geben.

Den Haag/Wien. Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) ist von ihrer Bildungsreise in die Niederlande gemeinsam mit allen Bildungssprechern mit einigen Ideen für das heimische Schulsystem zurückgekehrt – vor allem, was die Schulautonomie angeht. So kann sie sich vorstellen, dass hierzulande Testregionen geschaffen werden, in denen die Ausweitung der Schulautonomie erprobt wird.

Worüber Schulen in solchen Testregionen tatsächlich selbst bestimmen könnten, will man aber noch nicht konkret sagen. Vorstellbar sei, dass es dort eine Staffelung der Schulbudgets nach sozioökonomischem Hintergrund gibt – also mehr Geld für Brennpunktschulen. Das ist ein Modell, das in den Niederlanden bereits seit Jahrzehnten praktiziert wird und an dem auch in Österreich seit Herbst bereits eine eigene Arbeitsgruppe feilt.

Der Unterschied: Während die Ministerin bis dato stets betont hat, dass solche Modelle ohne zusätzliches Geld auskommen müssten – die Rede war vielmehr von einer Umverteilung oder Neuverteilung der Mittel –, heißt es jetzt: In solche Projekte könne für zwei bis drei Jahre auch mehr Geld fließen. Wie viel – und, im finanziell klammen Bildungsressort nicht ganz unwichtig: woher – ist offen.

Thema für die Reformgruppe

Man darf annehmen, dass beides – die Schulautonomie wie eine neue Finanzierung – in der Bildungsreformgruppe diskutiert werden, die mit Verspätung Ende Jänner erstmals tagen soll. Denn Autonomie für die Schulen steht in der Regierung ohnehin auf dem Plan. Sie ist einer der sechs Punkte, die bei der Regierungsklausur im Vorjahr in Schladming vereinbart wurden.

Außerdem pocht auch Staatssekretär Harald Mahrer, der die Bildungsreformgruppe ÖVP-seitig anführt, immer wieder auf mehr Eigenverantwortung. Zu den aktuellen Vorschlägen der Ministerin sagt er nur so viel: Jede Maßnahme, die es Schulen ermögliche, zu einer Verbesserung des Unterrichts, zu einem gesunden Wettbewerb sowie dem Eingehen auf Bedürfnisse vor Ort beizutragen, sei positiv.

Es sei aber wichtig, im Vorfeld klare Bildungsziele zu definieren, die die Schulen zu erfüllen hätten und diese zu überprüfen, so Mahrer. Etwas, das in den Niederlanden ebenfalls gang und gäbe ist und auch den Beifall von Ministerin Heinisch-Hosek findet.

Tatsächlich steht es in den Niederlanden jedem offen, eine Schule zu gründen. Der Staat ist dazu verpflichtet, das Geld bereitzustellen. Um zu verhindern, dass die autonomen Schulen ihre Bildungsaufgaben nicht ausreichend erfüllen, werden alle Schüler in ihrer Schullaufbahn mehrfach zentral getestet. Die Ergebnisse werden den Schulen rückgemeldet und sind öffentlich einsehbar.

Einschränkung bei Lehrern

Heinisch-Hosek wünscht sich auch mehr Spielraum für die Schulen bei der Auswahl der Lehrer – schränkt aber gleichzeitig ein: Ein ungeregelter Arbeitsmarkt für Lehrer bringe auch Nachteile. So könnte der Druck auf ältere und damit teurere Lehrkräfte steigen.

Insgesamt hält sie einen Kulturwandel für eine Voraussetzung. Erfolgreich könne Autonomie nur sein, wenn es gelinge, eine „Vertrauenskultur“ zu entwickeln, wie sie in den Niederlanden spürbar sei. In Österreich mit seinen historisch gewachsenen hierarchischen Strukturen sei das Vertrauen „noch nicht so da“.

 

 

"Die Presse" vom 12.01.2015                                Seite: 5

Ressort: Ausland

 

Österreich, Abend, Österreich, Morgen

 

"Genderwahnsinn" in Schulbüchern

 

   Proteste. Elternvertreter laufen Sturm gegen geschlechtergerechte Formulierungen in österreichischen Schulbüchern. Die Lesbarkeit müsse an erster Stelle stehen.

 

   Von Bernadette Bayrhammer

 

   Wien. "Arbeitet zu zweit", heißt es in einem Deutschbuch: "Eine/r ist Zuhörer/in, der/die andere ist Vorleser/in. Eine/r liest den Abschnitt vor, der/die Zuhörer/in fasst das Gehörte zusammen." In den (neueren) österreichischen Schulbüchern wird auf geschlechtergerechte Sprache Wert gelegt - und zwar zu viel Wert, wie Elternvertreter finden. Sie laufen nun Sturm gegen den "Genderwahnsinn", den sie in den Unterrichtsmaterialien orten.

 

   Gendern oder nicht gendern? Diese Frage polarisiert, so viel ist seit der jüngsten Binnen-I-Debatte klar, bei der eine Reihe prominenter und weniger prominenter Persönlichkeiten gegen die geschlechtergerechten Formulierungen zu Felde gezogen ist. Die Verständlichkeit von Texten solle "wieder den Vorrang vor dem Transport feministischer Anliegen eingeräumt bekommen", hieß es damals.

 

   Ähnlich argumentieren auch die Eltern: In den Schulbüchern fehle durch das Gendern bisweilen die Lesbarkeit, kritisiert Theodor Saverschel, der die Eltern der Schülerinnen und Schüler an den mittleren und höheren Schulen vertritt, im Gespräch mit der "Presse": "Hauptsache, es ist gendergerecht." Das sei nicht akzeptabel.

 

   Vor allem vor dem Hintergrund, dass sich Schüler beim sinnerfassenden Lesen bisweilen ohnehin schwertun, sieht er Schreibweisen wie "Zuschauer/-innen, Spezialist/ -innen - meist Ärzte/-innen im weißen Kittel" (aus einem Psychologiebuch) als Problem. "Es gibt schon so genügend Leseschwierigkeiten", so Saverschel. "Diese werden so noch verschärft."

 

   Lesbarkeit berücksichtigen

 

   Der Elternvertreter ortet einen Widerspruch zu den Kriterien, nach denen Schulbücher abgesegnet werden. Damit neue Bücher freigegeben werden, müssen sie zwar die "Gleichbehandlung von Frauen und Männern" und die "Erziehung zur partnerschaftlichen Gestaltung der gesellschaftlichen Entwicklungen" ausreichend berücksichtigen. Ebenso aber müssen die "sprachliche Gestaltung" und die "gute Lesbarkeit" berücksichtigt werden.

 

   Kein Binnen-I in Volksschule

 

   Das Bildungsressort empfiehlt in seinem Leitfaden für geschlechtergerechtes Formulieren, bis in die Unterstufe Binnen-I und Schrägstrich (wie Schüler/in) zu vermeiden. In Sprachlehrbüchern sollten die vollständigen männlichen und weiblichen Formen gelehrt werden. In anderen Schulbüchern könnten die "üblichen Formen" der geschlechtergerechten Schreibweise verwendet werden, heißt es. Allerdings: Auch hier ist "auf Verständlichkeit, Lesbarkeit und Sprachrichtigkeit zu achten".

 

   Die Eltern fordern vom Bildungsressort, die geschlechtergerechte Schreibung mittels Schrägstrichs genauso wie das umstrittene Binnen-I aus allen Schulbüchern zu verbannen. "Stattdessen können geschlechtsneutrale Formen verwendet werden", sagt Saverschel. "Man kann auch die weibliche und die männliche Form abwechselnd verwenden oder nur die weibliche Form", sagt Saverschel. "Lesbarkeit muss Priorität haben."

 

   Bis dahin appelliert er an die Elternvertreter an den einzelnen Schulen, an die Lehrenden sowie die Schülerinnen und Schüler: Nachdem sie es sind, die im Schulgemeinschaftsausschuss über die Auswahl der Schulbücher mitentscheiden, sollten sie in Zukunft nur noch solche Unterrichtsmaterialien bestellen, bei denen die Lesbarkeit gegeben sei, so Saverschel.

 

   Schlechte Noten?

 

   Die Eltern haben noch weitere Befürchtungen, was das Gendern in der Schule angeht: dass künftig womöglich auch bei Schularbeiten und Maturaangaben geschlechtergerechte Formulierungen verwendet werden (müssen) - und diese dann zum Nachteil der Schüler noch komplizierter werden. "Und wie wird das in Zukunft bei der Bewertung aussehen?", fragt Saverschel. "Gilt es dann als Fehler, wenn in einer Schularbeit nicht durchgehend gendergerecht formuliert wird?"

 

 

"Kronen Zeitung" vom 10.01.2015                           Seite: 13

Ressort: Ausland

 

Bgld, Ktn, Wi, N.Ö., O.Ö., Sbg, Stmk, Ti, Vbg, Wi, Morgen

 

Ministerin überlegt Modellregionen

 

Mehr Autonomie für Österreichs Schulen

 

Den Haag/Wien. - In den Niederlanden darf eine Schule so gut wie alles: Lehrer anstellen und entlassen sowie eigenständig über das Budget und die Art des Unterrichts entscheiden. Der Erfolg gibt den Holländern recht - beim PISA-Test liegen sie regelmäßig im Spitzenfeld. Nach einem Bildungsbesuch im Autonomie-Vorzeigeland will sich Ministerin Gabriele Heinisch-Hosek nun an diesem Modell orientieren und überlegt die Einführung von Testregionen in Österreich.

 

   Am Wateringse Veld College in Den Haag haben die Schüler pro Fach nur eine normale Unterrichtsstunde, genannt Instruktion. Den Rest des Stoffs erarbeiten sie sich selbst, teils allein, teils in Gruppen. Auch die Gegenstände, mit denen sie sich gerade beschäftigen, können die Jugendlichen selbst wählen.

 

   Generell kann in den Niederlanden jeder, der möchte, eine Schule gründen - das Geld dafür kommt vom Staat. Die Auswahl der Lehrer obliegt dem Direktor, mit dem bereitgestellten Budget kann die Schule frei schalten und walten. Dafür wird sie aber auch streng kontrolliert und laufend getestet - alle Ergebnisse werden im Internet veröffentlicht. Schwache Schulen mit großem Aufholbedarf sind so sofort erkennbar.

 

   Nach ihrem zweitägigen Bildungsbesuch in Holland kann Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek der weitreichenden Autonomie einiges abgewinnen. Sie kann sich Testregionen im Rahmen regionaler Versuche vorstellen. Die Schulen könnten etwa für zwei oder drei Jahre Geld bekommen, um ihre Projekte zu verwirklichen. Geht es nach Heinisch-Hosek, könnte das Vorhaben schon rasch verwirklicht werden.

 

   Dieser Plan hat tatsächlich eine reelle Chance auf Umsetzung, denn auch die Bildungssprecher der anderen Parteien, die bei der Reise ebenfalls dabei waren, sind sich einig, dass Österreichs Schulen mehr Autonomie brauchen.

 

   Sonst jedoch herrscht nach wie vor wenig Konsens. Grüne und NEOS drängen auf radikale Veränderungen, und auch im Gesamtschul-Streit ist keine Einigung in Sicht. Für Heinisch-Hosek wäre ein gemeinsamer Unterricht bis 12 Jahre - wie in Holland - ein möglicher Kompromiss.

 

   Doris Vettermann

 

 

Der Standard – 11. Jänner 2015

 

 

Wo jeder eine Schule gründen kann

Reportage | Lisa Kogelnik

Niederländische Schulen stellen selbst Lehrer an und entscheiden, wie sie ihre Schüler unterrichten. Unterrichtsministerin Heinisch-Hosek holt sich Anregungen

Stifte kratzen auf Papier, Finger tippen auf Tastaturen, hin und wieder räuspert sich einer der etwa achtzig 15-jährigen Schüler im Raum. Es ist Ruhezeit am Wateringse Veld College. Innerhalb dieser zwanzig Minuten sprechen die Schüler nicht miteinander, sondern konzentrieren sich auf die Aufgaben, die sie für diese Woche zu erledigen haben.

In den Niederlanden gibt es 600 Schulen im Sekundarbereich. Schüler besuchen sie ab dem Alter von zwölf Jahren. Das Wateringse Veld College in einem Vorort von Den Haag ist eine dieser Schulen. Hier lernen die Schüler selbstständig. In jedem Fach treffen sie den Lehrer regulär meist nur eine Stunde pro Woche, dann werden Lernziele festgelegt. Ansonsten sitzen sie in "Domänen" - das sind Räume für jedes Fach - und lernen unter Beobachtung ihrer Lehrer.

Auf genau diese Art werden Schüler in den Niederlanden nur an drei Schulstandorten unterrichtet. Denn hier kann jeder eine Schule gründen und selbst entscheiden, mit welcher Methode gelehrt wird. "Jeder hat die Freiheit, Bildung anzubieten", heißt es dazu in der niederländischen Verfassung. Im OECD-Vergleich ist das Land Spitzenreiter bei der Schulautonomie: 86 Prozent der Entscheidungen fällt die Schule. In Österreich sind es lediglich 31 Prozent. Der Erfolg gibt dem System recht: Bei der Bildungsstudie Pisa schneiden die Niederlande regelmäßig sehr gut ab.

Konsens bei Autonomie

Deshalb ist Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) vergangenen Mittwoch mit einer Delegation von Ministeriumsmitarbeitern und den Bildungssprechern oder parlamentarischen Mitarbeitern aller sechs Parlamentsparteien in die Niederlande gereist, um sich das System anzuschauen. Autonomie ist eines der wenigen Themen in der österreichischen Bildungspolitik, in dem es einen Konsens gibt: Alle wollen mehr. Unklar ist, wie sie umgesetzt werden soll.

Im Wettbewerb verloren

Die Reise hat vor allem eines gezeigt: Das niederländische System unterscheidet sich nicht nur organisatorisch vom österreichischen (siehe Wissen), sondern auch kulturell. "Wir können sie nicht retten, sie hat im Wettbewerb um Schüler verloren", sagt etwa Arnold Jonk, ein Leiter des Unterrichtsinspektorats, zur Frage, warum eine Schule in Den Haag schließen musste.

Die Schulen stehen in Konkurrenz zueinander. Wer mehr Schüler hat, bekommt mehr Geld: Jeder Schule - egal ob sie von öffentlichen oder privaten Einrichtungen geführt wird - zahlt das Unterrichtsministerium ein Pro-Kopf-Budget. Wie die Schule das Geld ausgibt, ist ihr überlassen. Zusätzliche Gebühren sind nicht erlaubt. Trotzdem zahlen Eltern an Privatschulen freiwillig. Diese Beiträge dürfen aber nicht für die Lehre der Bildungsziele, die das Ministerium vorgibt, verwendet werden, sondern etwa für Weihnachtsfeiern oder Geigenunterricht. Um Eliteschulen zu verhindern, gibt es zusätzliches Geld für Kinder, deren Eltern einen niedrigen Bildungsabschluss haben.

Alle Ergebnisse öffentlich

Inspektoren kontrollieren die Schulen mindestens alle vier Jahre. Sie überprüfen, ob die Schulen die Lernziele, die vom Unterrichtsministerium vorgegeben werden, einhalten und wie die Schüler bei den standardisierten Tests abschneiden, die an allen Schulen durchgeführt werden müssen. Die Ergebnisse der Überprüfung werden auf der Webseite des Inspektorats veröffentlicht. Schließen kann die Behörde eine Schule nicht, allerdings wird sie nur mehr wenige Schüler haben, wenn sie regelmäßig als "sehr schwach" eingestuft wird. Derzeit sind das zwei Prozent.

Bis vor kurzem hatte auch das Wateringse Veld College Probleme. Die Schüler schnitten in den Standardtests schlechter ab. Die Schulerhalter waren mit dem Direktor unzufrieden. Deshalb wurde er kurzerhand ausgetauscht und Koos van den IJssel als Troubleshooter für ein Jahr geholt. Er verbessert die Zusammenarbeit mit den Lehrern und hat sie dazu verpflichtet, Weiterbildungskurse zu absolvieren. Van den IJssel gehört einer externen Agentur an, die sich auf die "Rettung" von Schulen spezialisiert hat.

Nicht nur Direktoren können die Schulbetreiber austauschen, auch die Lehrer bewerben sich und bekommen meist nur befristete Verträge mit den Schulbetreibern. Angestellt werden die Lehrer von den Schulen, nicht vom Ministerium.

Sozialindex für Östereich

Das kann sich Heinisch-Hosek für Österreich nicht vorstellen. Sie will, dass Lehrer im öffentlichen Dienst bleiben, sagt sie bei einem Besuch bei der niederländischen Lehrergewerkschaft. "Ich sehe eine Verpflichtung des Staates für die Lehrer." Gefallen findet die Unterrichtsministerin daran, dass es hier zusätzliches Geld für benachteiligte Schüler gibt. "Ich hätte nichts dagegen, dass man Regionen ermächtigt, das Geld anders zu verteilen", sagt Heinisch-Hosek. Um mehr Schulautonomie zuzulassen, fehle in Österreich derzeit noch eine "Vertrauenskultur", wie sie es in den Niederlanden gebe. "Unser System ist sehr hierarchisch organisiert. Ich bin aber durchaus bereit, etwas abzugeben", sagt sie.

In der kommenden Woche will Gabriele Heinisch-Hosek ihre Erkenntnisse mit den Bildungssprechern diskutieren. ÖVP-Bildungssprecherin Brigitte Jank kann sich etwa vorstellen, die niederschwellige Verwaltung in den Niederlanden zu übernehmen. "Wenn man loslässt, funktioniert der Ansatz." Als ersten Schritt würde sie den Ländern die Verantwortung für die Schulen überlassen.

Die Niederlande arbeiten derzeit an einer Veränderung ihres Systems. Haben sich die Inspektoren bisher auf schlechte Schulen konzentriert, sollen künftig besonders gute extra ausgewiesen werden, damit andere von ihnen lernen können.

Wissen: Das niederländische Schulsystem

In den Niederlanden beginnt die Schulpflicht bereits mit fünf Jahren. Eltern können ihre Kinder aber schon mit vier Jahren in die Schule schicken, in fast allen Fällen passiert das auch. Die Primarstufe dauert bis zum Alter von zwölf Jahren. Ein Test sowie die Empfehlung des Direktors entscheiden über den weiteren Bildungsweg der Schüler. In der Sekundarstufe gibt es sieben verschiedene Schultypen. Einen Zweig besuchen Kinder mit einen IQ unter 70. Ein anderer Schultyp, der mit der Hauptschule bzw. Neuen Mittelschule vergleichbar ist, dauert vier Jahre und ist wiederum in vier Typen untergliedert, die sich je nach Zweig mehr auf Theorie oder die Berufsvorbereitung konzentrieren.

Die Berufsbildenden Höheren Schulen bereiten auf die Berufsausbildung im tertiären Sektor vor und dauern fünf Jahre, der Abschluss des Gymnasiums ermöglicht den Besuch der Universität nach sechs Jahren. Die dortige Reifeprüfung setzt sich aus einem standardisierten Test und einer Prüfung der Schule zusammen.

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Diese Reise erfolgte auf Einladung des Bundesministeriums für Bildung und Frauen.

 

 

"Kurier" vom 10.01.2015                                    Seite: 7

Ressort: Außenpolitik

 

Wi, Abend, Länder, Morgen

 

Bildungsreise

 

Unterrichtsministerin möchte mehr Autonomie für die Schulen testen

 

   Modellversuch.Einen Schulausflug hat SPÖ-Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek diese Woche gemacht. In den Niederlanden hat sie das dortige Bildungssystem begutachtet, begleitet von den Bildungssprechern der heimischen Parlamentsparteien.

 

   Welche Erkenntnisse hat sie nach Österreich mitgebracht? "Dass man viel vom niederländischen Schulautonomie-Modell lernen kann." Und so möchte Heinisch-Hosek hierzulande Testregionen für Modellversuche zur Ausweitung der Schulautonomie.

 

   Die weitgehende Übertragung von Entscheidungsbefugnissen bei der Verwendung des Schulbudgets, der Ausgestaltung der pädagogischen Arbeit oder der Auswahl der Lehrer an die Schulen könne aber nur erfolgreich sein, wenn es gelinge, eine "Vertrauenskultur" zu entwickeln, befindet die rote Ressortchefin. Das und Eigenverantwortung seien in den Niederlanden, dessen Bildungssystem anders organisiert sei, spürbar. Im Gegensatz dazu gebe es in Österreich noch starke, historisch gewachsene hierarchische Strukturen. "Das Vertrauen ist daher noch nicht so da", sagt Heinisch-Hosek.

 

   Tatsächlich steht es in den Niederlanden per Grundgesetz jedem offen, Bildung zu vermitteln und eine Schule zu gründen. Der Staat, respektive das Bildungsministerium, ist dazu verpflichtet, das Geld für eine solche Initiative bereitzustellen. Vom Ministerium gibt es neben dem Geld lediglich allgemein formulierte Kernziele - und einen gesetzlichen Rahmen, innerhalb dessen ein Schulbetreiber, genannt "Schulrat", agieren darf.

 

   Die Umsetzung der Lehrinhalte liegt in der Verantwortung der Schulbetreiber. Dass Behörden in Schulbelange direkt eingreifen, ist nahezu unmöglich. Die Niederlande schneiden dennoch in internationalen Vergleichsstudien meist gut ab.

 

 

"Oberösterreichische Nachrichten" vom 10.01.2015             Seite: 6

Ressort: Politik

 

 

Schulautonomie: Heinisch-Hosek für Testregionen

 

   WIEN. Vorbildcharakter haben für Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SP) die Niederlande bei der Schulautonomie. Nach einer zweitägigen Informationsreise kündigte die Ministerin an, eine Erweiterung der Schulautonomie in Testregionen zu erproben.

 

   Eine direkte Übernahme des niederländischen Systems, in dem Schulen bei der Verwendung ihrer Budgets, der pädagogischen Arbeit und der Auswahl ihrer Lehrer weitgehend freie Hand haben, sei aber in Österreich nicht möglich, so Heinisch-Hosek. Dazu müsse erst eine "Vertrauenskultur" entstehen.

 

   In Holland gibt der Staat Kernziele und einen gesetzlichen Rahmen für das Bildungssystem vor, Schulen gründen kann jeder, die Schüler müssen sich aber regelmäßig zentralen Tests unterziehen. Die Holländer liegen etwa beim PISA-Test stets auf den vorderen Rängen.

 

   Regionale Versuche kann sich Heinisch-Hosek etwa bei der Schulfinanzierung vorstellen. So könnten Schulbudgets gestaffelt und gekoppelt an Indikatoren zum sozioökonomischen Hintergrund von Schülern vergeben werden. Solche Testregionen könnten zwei bis drei Jahre auch mehr Geld bekommen.

 

 

Wiener Zeitung – 10. Jänner 2015

 

 

Parteien für mehr Schulautonomie

 

 

 

 

 

 

 

 

·         Bildungsministerin Heinisch-Hosek und Abgeordnete begutachteten zwei Tage lang das holländische Modell.

 

Wien. Die Niederlande waren das Ziel einer Bildungs-Bildungsreise österreichischer Mandatare sowie der Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek. Zweck war eine Inspektion des holländischen Systems, vor allem der dort gelebten Schulautonomie, die so etwas wie der kleinste gemeinsame Nenner aller im Nationalrat vertretenen Fraktionen in Sachen Bildung ist.

Einfach kopieren lässt sich das Autonomiemodell aus Holland allerdings nicht, da die Bildungssysteme zu verschieden sind, unter anderem gibt es in den Niederlanden eine Gesamtschule vom 5. bis zum 12. Lebensjahr.

Nach der zweitägigen Dienstreise sprachen sich jedenfalls alle Parteivertreter für mehr Eigenständigkeit aus, auch das Modell der viel schlankeren Schulinspektion sagte den Mandataren zu. Die weitgehende Übertragung von Entscheidungsbefugnissen bei der Verwendung des Schulbudgets, der Ausgestaltung der pädagogischen Arbeit oder der Auswahl der Lehrer an den einzelnen Schulen könne aber nur erfolgreich sein, wenn es gelingt, eine "Vertrauenskultur" zu entwickeln, erklärte Heinisch-Hosek. Im heimischen Bildungssystem gebe es noch starke, historisch gewachsene hierarchische Strukturen. "Das Vertrauen ist daher noch nicht so da."

Um zu verhindern, dass Schulautonomie missbraucht wird, gibt es in Holland zentrale Testungen, die durch Erkenntnisse von Inspektionen ergänzt werden. Die Ergebnisse sind öffentlich einsehbar. "Schulverwaltung geht auch anders", sagt Harald Walser, der grüne Bildungssprecher.

"Nicht alles Gold, was glänzt"
"Schulautonomie führt zu guten Lernergebnissen, sie stärkt die engagierten, gestalterischen Kräfte im Schulsystem", sagt Neos-Chef Matthias Strolz. Auch die Ministerin würde sich mehr Spielraum für heimische Schulen bei der Auswahl der Lehrer wünschen, mahnt aber zur Vorsicht: Ein relativ ungeregelter Arbeitsmarkt für Pädagogen bringe auch Nachteile mit sich, wenn etwa Druck auf ältere und damit teurere Lehrer steige oder die Fluktuation im Lehrerzimmer groß wird. "Es ist dort auch nicht alles Gold, was glänzt", sagt SPÖ-Bildungssprecherin Elisabeth Grossmann. Man müsse bei einem Mehr an Schulautonomie darauf achten, dass die soziale Durchmischung nicht abnehme.

 

 

SN – 10. Jänner 2015

 

Ministerin überlegt Schulautonomie-Testregionen

Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek kann sich Testregionen für Modellversuche zur Ausweitung der Schulautonomie in Österreich vorstellen. Dabei könne man viel vom niederländischen Modell lernen, so die Ministerin im Rahmen einer Reise mit den Bildungssprechern der Parlamentsparteien nach Den Haag und Utrecht vor Journalisten.

Die weitgehende Übertragung von Entscheidungsbefugnissen bei der Verwendung des Schulbudgets, der Ausgestaltung der pädagogischen Arbeit oder der Auswahl der Lehrer an die einzelnen Schulen könne aber nur erfolgreich sein, wenn es gelingt, eine "Vertrauenskultur" zu entwickeln. Das und die durchgängig gelebte Eigenverantwortung sei in den Niederlanden, dessen Bildungssystem völlig anders organisiert sei, spürbar. Im Gegensatz dazu gebe es im heimischen Bildungssystem noch starke, historisch gewachsene hierarchische Strukturen. "Das Vertrauen ist daher noch nicht so da", erklärte Heinisch-Hosek.

Tatsächlich steht es in den Niederlanden per Grundgesetz jedem offen, Bildung zu vermitteln und eine Schule zu gründen. Der Staat, respektive das Bildungsministerium, ist dazu verpflichtet, das Geld für eine solche Initiative bereitzustellen. Vonseiten des Ministeriums gibt es neben dem Geld lediglich sehr allgemein formulierte Kernziele und einen gesetzlichen Rahmen, innerhalb dessen ein Schulbetreiber, genannt "Schulrat", agieren darf. Die Umsetzung der Lehrinhalte liegt aber komplett in der Verantwortung der Schulbetrieber. Ein direktes Eingreifen von Behörden in Schulbelange ist nahezu unmöglich, trotzdem schneiden die Niederlande in internationalen Vergleichsstudien meist gut ab.

Um zu verhindern, dass diese äußerst autonomen Schulen ihre Bildungsaufgaben nicht ausreichend erfüllen, werden einerseits am Ende der wahlweise ab vier oder fünf Jahren beginnenden und mit zwölf Jahren endenden Primarstufe (vergleichbar mit der Volksschule in Österreich) und in der in sieben verschiedene Schultypen stark aufgefächerten Sekundarstufe alle Schüler zentral getestet. Anhand der Testdaten und weiterer Informationen, die die Schulen dem Unterrichtsinspektorat bereitstellen, lässt sich ablesen, welches Bildungsniveau jede Schule des Landes erreicht. So können schwache und sehr schwache Schulen identifiziert werden. Die Ergebnisse der Tests und Inspektionen werden den Schulen rückgemeldet und sind öffentlich einsehbar.

Die Bildungssprecher der im Nationalrat vertretenen Parteien sprechen sich vor dem niederländischen Hintergrund erneut für mehr Eigenständigkeit der Schulen in Österreich aus. Direkt übertragen ließe sich das Modell aufgrund der grundlegenden Unterschiede der Systeme aber nicht.

 

 

"Tiroler Tageszeitung" Nr. 10 vom 10.01.2015                Seite: 12

Ressort: Nachrichten2u3

 

 

Ministerin will mehr Spielraum für Schulen

 

   Wien - Wie kann man die Schulautonomie ausweiten? Um diese Frage zu beantworten, machte Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) mit den Bildungssprechern der Parlamentsparteien eine Studienreise in die Niederlande. Dort herrscht im Bildungssystem Autonomie. So hat sich eine in einem Vorort von Den Haag gelegene Vorzeigeschule schon vor zehn Jahren ein neuartiges pädagogisches Konzept verordnet: Statt Frontalunterricht wird auf Eigenverantwortung beim Lernen gesetzt.

 

   Heinisch-Hosek kann sich Testregionen für Modellversuche zur Ausweitung der Schulautonomie in Österreich vorstellen, sagte sie nach der Reise. Die weitgehende Übertragung von Entscheidungsbefugnissen bei der Verwendung des Schulbudgets, der Ausgestaltung der pädagogischen Arbeit oder der Auswahl der Lehrer an die einzelnen Schulen könne aber nur erfolgreich sein, wenn es gelingt, eine ?Vertrauenskultur" zu entwickeln. Diese sei in den Niederlanden vorhanden.

 

   Um zu verhindern, dass diese autonomen Schulen ihre Bildungsaufgaben nicht ausreichend erfüllen, werden alle Schüler zentral getestet. Anhand der Testdaten und weiterer Informationen lässt sich dann ablesen, welches Bildungsniveau jede Schule des Landes erreicht. Heinisch-Hosek zeigte sich von der stark entwickelten Testkultur angetan. Die Ministerin würde sich auch mehr Spielraum für Schulen bei der Auswahl der Lehrer wünschen, mahnte aber davor, dass der Druck auf ältere und damit teurere Lehrer steigen könnte. Auch die Bildungssprecher sind von der Schulautonomie angetan. Direkt übertragen lasse sich das Modell aufgrund der grundlegenden Unterschiede der Systeme aber nicht. (APA)

 

 

"Tiroler Tageszeitung" Nr. 10 vom 10.01.2015                Seite: 12

Ressort: Nachrichten2u3

 

 

Pröll will alle Lehrer für die Länder

 

Bildung, Steuerpolitik und Asyl sind Prölls Schwerpunkte als Vorsitzender der Landeshauptleute-Konferenz. Den Föderalismus will er nicht infrage stellen.

 

   Von Cornelia Ritzer

 

   Wien - Einen Taktstock überreichte Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) gestern seinem niederösterreichischen Amtskollegen Erwin Pröll (ÖVP). Er sei neugierig, sagte Kaiser, welchen Marsch der neue Vorsitzende der Landeshauptleute-Konferenz im nächsten halben Jahr spielen werde. Doch der ÖVP-Politiker hat mehr vor. Nicht einen Marsch, einen ?Galopp" wolle er dirigieren, kündigte der seit 1992 amtierende Landeschef an.

 

   Pröll, in dessen Bundesland am 25. Jänner Gemeinderatswahlen stattfinden, nutzte die Rede, um die Rolle des Föderalismus zu betonen. Dieser sei ?wichtig und notwendig", die Entwicklung der Bundesländer ?wichtig für die Republik". Der Föderalismus werde aber auch immer wieder auf die Probe gestellt, etwa durch Rufe nach einer Reform. Doch für Pröll ?gibt es keine Alternative zum gemeinsamen Weg", er will Bund und Länder nicht gegenseitig ausspielen lassen.

 

   Beim Thema Bildung - einem Schwerpunkt des niederösterreichischen Vorsitzes - könnte der Förderalismus noch stärker werden, schlug Pröll dann vor. So solle der Bund ?Inhalte und Ziele" vorgeben, sich die Länder dafür mehr in die Verwaltung einbringen. Das bringe Bürgernähe und Effizienz, warb er für die Idee. Pröll will bekanntlich, dass die Länder auch für die Bundeslehrer zuständig sind. Diesen Vorschlag lehnt die Bildungsminsterin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) ab.

 

   Neben der Bildungsreform sind Steuerpolitik und Asyl weitere Schwerpunkte. Pröll blieb bei seinem Nein zu Vermögenssteuern (man dürfte ?nicht die Republik und den Standort Österreich irritieren") und hofft auf eine Weiterentwicklung des Finanzausgleichs, über dessen Reform man sich noch 2015 einigen muss. Auch hier pochte Pröll auf das föderalistische Prinzip, sich ?auf Augenhöhe" zu begegnen. Und beim Thema Asyl fordert Pröll eine europäische Lösung.

 

 

ORF – 12. Jänner 2015

 

Lehrer kritisieren Gratisnachhilfe

Gemischte Reaktionen gibt es auf die Gratisnachhilfe an Wiener Schulen. Die AHS-Lehrergewerkschaft sieht darin nicht die beste Lösung, der Elternverband ist aber zufrieden. Heute beginnt die Anmeldefrist für die Gratisnachhilfe für Zehn- bis 14-Jährige.

Das von der Stadt initiierte Projekt für die AHS-Unterstufe und die neue Mittelschule läuft unter dem Titel „Förderung 2.0“. Gegeben wird die Gratis-Nachhilfe von Lernbetreuern, die die Wiener Volkshochschulen (VHS) organisiert haben - mehr dazu in Bald Gratisnachhilfe für Jugendliche. Das stört AHS-Lehrergewerkschafter Eckehard Quin. Die Lehrer, die täglich mit den Kindern reden, wüssten besser, wo es Förderbedarf gebe, sagt Quinn gegenüber Radio Wien. „Aufgrund dieser Kommunikation kann dort natürlich eine wesentlich zielgerichtetere Förderung passieren“, so Quin. Die jetzige Lösung sei nur die zweitbeste.

Anders sieht das Elisabeth Rosenberger vom Elternverband. Sie begrüßt die VHS-Lehrer. „Für manche Kinder kann es extrem positiv sein, wenn ich mich mit dem Lehrer nicht verstehe. Es nützt mir nichts, wenn mir der Lehrer den Stoff am Nachmittag mit denselben Worten noch einmal erklärt“, sagt Rosenberger.

VHS rechnen mit rund 900 Kursen

Nach den Volksschulen gibt es den Förderunterricht, den die Stadt zahlt, ab kommenden Monat auch für die AHS-Unterstufe und die Neue Mittelschule. Eltern können ihre Kinder für zwei Stunden Nachhilfe pro Woche in Deutsch, Englisch und Mathematik anmelden. Wie groß das Interesse an der "Förderung 2.0“ sein wird, ist noch nicht bekannt. Die Volkshochschulen rechnen mit rund 900 Kursen.

Bereits seit Herbst wird die „Gratis-Nachhilfe“ für Wiener Volksschulkinder angeboten. Hier kommen die Nachhilfelehrer in der Regel aus den eigenen Reihen, die Volksschullehrer arbeiten auf Mehr- beziehungsweise Überstundenbasis. Insgesamt finden in 2.462 Volksschulklassen Förderkurse statt. Rund 8.600 Volkschülerinnen und Volksschüler nehmen das Angebot in Anspruch - mehr dazu in 8.600 Volksschüler in Gratisnachhilfe.

 

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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