Montag, 12. Januar 2015

2015.01.13: Newsletter Bildung

Die Presse – 13. Jänner 2015

 

 

Ministerium ist für Gendern in Schulbüchern

Elternvertreter sind über ein „kontraproduktives Zerhacken durch Schrägstriche“ in Schulbüchern empört.

Wien. Kaum ein anderes Thema lässt die Wogen so hochgehen wie das Thema Gendern. Das wurde durch die ungewöhnlich hitzige Debatte am Montag bei der Pressekonferenz der Elternvertreter, die sich über den „Genderwahnsinn“ in Schulbüchern beschwerten, einmal mehr unter Beweis gestellt. Da schimpfte Schauspieler Albert Fortell als Vater über das „völlig absurde Gendern“ und wurde sogleich von Genderbefürwortern heftig kritisiert: Sprache Wirklichkeit.

Der Bundesverband der Elternvereine an mittleren und höheren Schulen sorgt sich um die Lesbarkeit gegenderter Texte und führte als Beispiel eine Passage aus einem Buch an: „Arbeitet nun zu zweit. Eine/r ist Zuhörer/in, der/die andere ist Vorleser/in. Eine/r liest den Abschnitt vor, der/die Zuhörer/in fasst das Gehörte zusammen.“ „Die Presse“ berichtete exklusiv in der Montagsausgabe.

Hier handle es sich um ein „kontraproduktives Zerhacken durch Schrägstriche“ und um „Regelungen, die zwar von, aber nicht für Menschen gemacht“ worden seien, sagt Elternvertreter Theodor Saverschel. Noch etwas angriffiger formuliert: „Political correctness wird oft als Feigenblatt verwendet, um Aktionen umzusetzen, die bar jedes Hausverstandes sind. Das schadet dem Bildungsstandort und erweist der Frauenförderung einen Bärendienst.“

Einfluss auf Note möglich

Im Bildungs- und Frauenministerium sieht man das völlig anders. Es würden nur jene Schulbücher genehmigt, „die die Genderaspekte ausreichend beachten“. Das beinhalte auch eine geschlechtergerechte Sprache, da sich Mädchen wie Buben angesprochen fühlen sollen. Außerdem würden gendergerechte Sprache und Lesbarkeit einander nicht ausschließen.

Die gendergerechte Formulierung könnte Einfluss auf die Notengebung haben. Bei der vorwissenschaftlichen Arbeit, die Teil der neuen Zentralmatura ist, liege es laut Bildungsministerium im Ermessen der einzelnen Lehrkraft, ob bei der Notengebung darauf Rücksicht genommen wird. (j. n.)

 

 

Die Presse – 13. Jänner 2015

 

 

Bildungsreform: Arbeitsgruppe trifft sich erstmals

Die Arbeitsgruppe wurde schon im Oktober angekündigt, am 22. Jänner treffen SPÖ und ÖVP nun tatsächlich aufeinander.

Die Bildungsreform-Arbeitsgruppe der Regierung wird sich am 22. Jänner erstmals treffen, hieß es aus dem Büro von Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ). Der Termin hätte ursprünglich am 16. Jänner stattfinden sollen, wurde wegen Terminkollisionen aber verschoben. Dies nährte die Kritik, dass die Arbeitsgruppe lediglich politische Handlungskompetenz unter Beweis stellen soll - und keine tatsächlichen Ergebnisse angestrebt werden.

Die Arbeitsgruppe war von der Regierung bereits im Oktober angekündigt worden. In ihr sind Heinisch-Hosek und Kanzleramtsminister Josef Ostermayer sowie die Landeshauptleute Hans Niessl (Burgenland) und Peter Kaiser (Kärnten) auf SPÖ-Seite sowie Innenministerin und ÖAAB-Chefin Johanna Mikl-Leitner, Wissenschafts-Staatssekretär Harald Mahrer und die Landeshauptleute Erwin Pröll (Niederösterreich) und Wilfried Haslauer (Salzburg) für die ÖVP vertreten.

Ministerin will "über alles sprechen"

Was in der Gruppe thematisch verhandelt werden soll, ist weitgehend offen: Heinisch-Hosek will im Rahmen der Arbeitsgruppe "über alles sprechen". Die Fronten verlaufen dabei nicht nur klassisch entlang der Parteilinien (SPÖ pro, ÖVP kontra Gesamtschule), sondern teils auch zwischen Bund und Ländern. So sitzen mit Niessl und Pröll Befürworter einer weitgehenden Verländerung der Schulverwaltung am Tisch.

Niessl möchte darüber hinaus seine schon lange gehegten Pläne vorantreiben, auch den Schulbau bei den Bundesschulen (AHS, BMHS) zur Ländersache und damit weniger behäbig zu machen. Im Bildungsministerium weist man dieses Ansinnen angesichts der geringen Zahl von Neubauten allerdings als nicht dringende Frage zurück.

Extremismus-Prävention in der Schule

Am 23. Jänner sollen sich im Bildungsministerium aus Anlass der Terroranschläge und Geiselnahmen in Paris außerdem erneut Experten zu Thema Extremismus und Prävention an Schulen treffen. Heinisch-Hosek setzt dabei vor allem auf Informationen bei Elternabenden und Workshops für Schüler. Die bereits bestehenden Fortbildungs-Angebote für Lehrer sollen stärker beworben werden, so die Ministerin im Ö1-"Mittagsjournal".

 

 

SN – 13. Jänner 2015

 

Binnen-I im Schulbuch: Eltern wehren sich

Mit Schrägstrichen zerhackte Wörter oder Binnen-I: Elternvertreter kritisieren Gender-gerechte Schulbücher. Sie seien nicht lesbar.

Der Bundesverband der Elternvereine an mittleren und höheren Schulen spricht sich gegen Gender-gerechte Schulbücher aus. "Ein Schulbuch ist dazu da, um von Schülern verstanden und gebraucht zu werden sowie Lehrinhalte zu vermitteln", so der Verbands-Vorsitzende Theodor Saverschel bei einer Pressekonferenz am Montag. Das Gendern führe dagegen zu zunehmender Unleserlichkeit der Texte.

"Arbeitet nun zu zweit. Lest den rechts stehenden Text (S.7) folgendermaßen: Eine/r ist Zuhörer/in, der /die andere ist Vorleser/in. Eine/r liest den Abschnitt vor, der/die Zuhörer/in fasst das Gehörte zusammen. Der/die Vorleser/in muss angeben, ob die Zusammenfassung richtig war. Wechselt euch nach jedem Textabschnitt in der Rolle ab". Solche Passagen wie in diesem Deutsch-Lehrbuch sind für die Elternvertreter wenig hilfreich. Seit 2012 werden auch nur mehr Schulbücher approbiert, deren Inhalt geschlechtsneutral verfasst ist.

"Lesen ist ein sehr komplexer Vorgang", argumentierte Saverschel. "Beim Lernen und Üben ist es wichtig, dass die Worte rasch erfasst werden. Durch das Zerhacken mit Schrägstrichen wird das so gut wie unmöglich gemacht." Gerade für Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache müsse man darauf Bedacht nehmen, dass sowohl Form als auch Inhalt der Texte gut verständlich seien, so seine Stellvertreterin Susanne Schmid.

Seit 2012 gibt es einen Leitfaden des Bildungsministeriums, wie Schulbücher verfasst sein sollen. Darin heißt es, dass in Sprachlehrbüchern grundsätzlich die "vollständigen Paarformen" gelehrt werden sollen (männliche und weibliche Form - entweder durch "und" oder durch Schrägstrich verbunden z.B.: Schüler und Schülerinnen bzw. Schüler/Schülerinnen), ab der Oberstufe sollen dann auch die "Sparschreibungen" thematisiert werden (Schrägstrich innerhalb eines Wortes: "Schüler/innen" oder etwa Binnen-I: "SchülerInnen"). In anderen Schulbüchern "können die in der Öffentlichkeit üblichen Formen der geschlechtergerechten Schreibweise verwendet werden, wobei auf Verständlichkeit, Lesbarkeit und Sprachrichtigkeit zu achten ist".

"Was hier unter Verständlichkeit verstanden wird, verstehe ich ehrlich gesagt nicht", meinte Saverschel. Diese Vorgangsweise habe auch kein anderes deutschsprachiges Land gewählt. "Das ist ein österreichisches Schulbuchproblem", meinte Schmid. Sie appellierte an die Elternvertreter an den Schulen, bei der Beschlussfassung im Schulgemeinschaftsausschuss über die zu verwendenden Schulbücher auf die Lesbarkeit zu achten. Derzeit gebe es noch durchaus ungegenderte Schulbücher - erst Neuauflagen würden gegendert.

Die Elternvertreter sind aber nicht grundsätzlich gegen geschlechterneutrales Formulieren: "In öffentlichen Papieren, im rechtlichen Bereich - etwa bei Ausschreibungen - ist das durchaus notwendig. Aber Schulbücher sollten von der Vernunft getragen sein", so Schmid. "Zeitungen oder Theaterstücke werden ja auch nicht gegendert."

"Entscheidend ist immer die Lesbarkeit", meinte Saverschel: "Wenn man allgemeine Formen findet wie etwa 'Studierende' - von mir aus, dann ist das auch in Ordnung." Problem für ihn: "Political Correctness wird oft als Feigenblatt verwendet, um Aktionen umzusetzen, die bar jedes Hausverstandes sind. Das schadet dem Bildungsstandort und erweist der Frauenförderung einen Bärendienst."

Frauenförderung besteht für Schmid vielmehr in der Schaffung gleicher Chancen. So müsse man sich etwa fragen, warum Mädchen sich oft weniger für naturwissenschaftliche Fächer interessieren oder bei Mathe-Schularbeiten wie zuletzt bei der Modell-Schularbeit für die Zentralmatura schlechtere Ergebnisse erzielen. Hier müsse stärker gefördert werden: "Da reicht ein Tag der offenen Tür mit 15 nicht."

Weitere Befürchtung der Elternvertreter: "Es ist ja schon abzusehen, dass sich das Gendern auf Aufgabenstellungen bei Schularbeiten oder Matura ausweiten wird", so Schmid. So stelle sich die Frage, ob künftig Schüler schlechter benotet werden, die nicht gendern - etwa bei der vorwissenschaftlichen Arbeit bei der Matura oder der schriftlichen Matura selbst.

Im Bildungsministerium verteidigte sich. "Es werden jene Schulbücher genehmigt, die die Genderaspekte ausreichend beachten", hieß es gegenüber der APA. "Das beinhaltet auch eine geschlechtergerechte Sprache, da sowohl Mädchen als auch Buben sich angesprochen fühlen sollen. Gendergerechte Sprache und Lesbarkeit schließen einander nicht aus."

 

 

Österreich – 13. Jänner 2015

Streit um gegenderte Schulbücher

Elternvertreter: Lesbarkeit leide unter "Zerhackung durch Schrägstriche".

Der Bundesverband der Elternvereine an mittleren und höheren Schulen spricht sich gegen gegenderte Schulbücher aus. "Ein Schulbuch ist dazu da, um von Schülern verstanden und gebraucht zu werden sowie Lehrinhalte zu vermitteln", so der Verbands-Vorsitzende Theodor Saverschel bei einer Pressekonferenz am Montag. Das Gendern führe dagegen zu zunehmender Unleserlichkeit der Texte.

Schrägstriche
"Arbeitet nun zu zweit. Lest den rechts stehenden Text (S.7) folgendermaßen: Eine/r ist Zuhörer/in, der /die andere ist Vorleser/in. Eine/r liest den Abschnitt vor, der/die Zuhörer/in fasst das Gehörte zusammen. Der/die Vorleser/in muss angeben, ob die Zusammenfassung richtig war. Wechselt euch nach jedem Textabschnitt in der Rolle ab". Solche Passagen wie in diesem Deutsch-Lehrbuch sind für die Elternvertreter wenig hilfreich. Seit 2012 werden auch nur mehr Schulbücher approbiert, deren Inhalt geschlechtsneutral verfasst ist.

"Lesen ist ein sehr komplexer Vorgang", argumentierte Saverschel. "Beim Lernen und Üben ist es wichtig, dass die Worte rasch erfasst werden. Durch das Zerhacken mit Schrägstrichen wird das so gut wie unmöglich gemacht." Gerade für Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache müsse man darauf Bedacht nehmen, dass sowohl Form als auch Inhalt der Texte gut verständlich seien, so seine Stellvertreterin Susanne Schmid.

Leitfaden
Seit 2012 gibt es einen Leitfaden des Bildungsministeriums, wie Schulbücher verfasst sein sollen. Darin heißt es, dass in Sprachlehrbüchern grundsätzlich die "vollständigen Paarformen" gelehrt werden sollen (männliche und weibliche Form - entweder durch "und" oder durch Schrägstrich verbunden z.B.: Schüler und Schülerinnen bzw. Schüler/Schülerinnen), ab der Oberstufe sollen dann auch die "Sparschreibungen" thematisiert werden (Schrägstrich innerhalb eines Wortes: "Schüler/innen" oder etwa Binnen-I: "SchülerInnen"). In anderen Schulbüchern "können die in der Öffentlichkeit üblichen Formen der geschlechtergerechten Schreibweise verwendet werden, wobei auf Verständlichkeit, Lesbarkeit und Sprachrichtigkeit zu achten ist".

"Was hier unter Verständlichkeit verstanden wird, verstehe ich ehrlich gesagt nicht", meinte Saverschel. Diese Vorgangsweise habe auch kein anderes deutschsprachiges Land gewählt. "Das ist ein österreichisches Schulbuchproblem", meinte Schmid. Sie appellierte an die Elternvertreter an den Schulen, bei der Beschlussfassung im Schulgemeinschaftsausschuss über die zu verwendenden Schulbücher auf die Lesbarkeit zu achten. Derzeit gebe es noch durchaus ungegenderte Schulbücher - erst Neuauflagen würden gegendert.

Die Elternvertreter sind aber nicht grundsätzlich gegen geschlechterneutrales Formulieren: "In öffentlichen Papieren, im rechtlichen Bereich - etwa bei Ausschreibungen - ist das durchaus notwendig. Aber Schulbücher sollten von der Vernunft getragen sein", so Schmid. "Zeitungen oder Theaterstücke werden ja auch nicht gegendert."

"Lesbarkeit"
"Entscheidend ist immer die Lesbarkeit", meinte Saverschel: "Wenn man allgemeine Formen findet wie etwa 'Studierende' - von mir aus, dann ist das auch in Ordnung." Problem für ihn: "Political Correctness wird oft als Feigenblatt verwendet, um Aktionen umzusetzen, die bar jedes Hausverstandes sind. Das schadet dem Bildungsstandort und erweist der Frauenförderung einen Bärendienst."

Frauenförderung besteht für Schmid vielmehr in der Schaffung gleicher Chancen. So müsse man sich etwa fragen, warum Mädchen sich oft weniger für naturwissenschaftliche Fächer interessieren oder bei Mathe-Schularbeiten wie zuletzt bei der Modell-Schularbeit für die Zentralmatura schlechtere Ergebnisse erzielen. Hier müsse stärker gefördert werden: "Da reicht ein Tag der offenen Tür mit 15 nicht."

Weitere Befürchtung der Elternvertreter: "Es ist ja schon abzusehen, dass sich das Gendern auf Aufgabenstellungen bei Schularbeiten oder Matura ausweiten wird", so Schmid. So stelle sich die Frage, ob künftig Schüler schlechter benotet werden, die nicht gendern - etwa bei der vorwissenschaftlichen Arbeit bei der Matura oder der schriftlichen Matura selbst.

 

 

Kurier – 13. Jänner 2015

 

 

Verländerung der Lehrer: VP nimmt neuen Anlauf. Die Gesetzgebung soll vom Bund, die Schulorganisation von den Ländern durchgeführt werden.

 

 

 

 

Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll ist seit Jahresbeginn Vorsitzender der Landeshauptleute-Konferenz. Als er das letzte Mal diesen Job ausübte, wollte er bereits eine große Bildungs-Organisationsreform beschließen. Das Vorhaben scheiterte, weil die SPÖ (Kanzler Faymann, Ex-Ministerin Schmied) absprangen.

"Wir hätten schon einen dreistelligen Millionenbetrag gespart, wenn wir die Reform damals gemacht hätten", sagte Pröll gestern bei der Pressekonferenz nach dem ÖVP-Bundesparteivorstand. Nun, viereinhalb Jahre später, nimmt Pröll einen neuen Anlauf. Im Schulbereich sollen die Zuständigkeiten entflochten werden. Die Gesetzgebung soll beim Bund, die Organisation bei den Ländern liegen. Dazu gehört, dass die 40.000 Bundeslehrer so wie derzeit schon die Pflichtschullehrer von den Ländern verwaltet werden. Pröll: "Mit der Zuständigkeit des Bundes für die Gesetze und die Bildungsinhalte muss niemand fürchten, dass in Österreich neun Schulsysteme entstehen. Derartige Befürchtungen haben keine Grundlage."

ÖVP bietet App an

Pröll erklärt an einem Beispiel, warum er die Schulorganisation durch die Länder für zielführender hält als durch den Bund: "Wenn der Bund ein Bildungsziel vorgibt, weiß ein Vorarlberger Landesbeamter besser als ein Bundesbeamter in Wien, was man in Schruns tun muss, um dieses Ziel zu erreichen." Pröll sagt, er habe "Signale" aus der SPÖ, dass sich diesmal bei der Schulorganisation doch noch etwas bewegen könnte.

Unter dem Motto "Wir sorgen für Bewegung" berichtete Vizekanzler Reinhold Mitterlehner von der Steuerreform. In den nächsten Tagen würden die neuen Steuertarife verhandelt, die eine "echte und ehrliche Entlastung bringen sollen".

Die ÖVP startet optimistisch ins neue Jahr. Symbolträchtig wählte sie als ersten Veranstaltungsort 2015 die "Wolke 19" im Ares Tower auf der Donauplatte. Seit gestern gibt es auch eine ÖVP-App für Smartphones. Als Download wird der Django-Jingle als Rufton angeboten.

 

 

Kurier – 13. Jänner 2015

 

 

Eltern-Protest gegen gegenderte Schulbücher. "Zerhacken durch Schrägstriche": Elternvertreter üben Kritik an geschlechtsneutralen Formulierungen.

 

 

 

 

Ein Schulbuch ist dazu da, um von Schülern verstanden und gebraucht zu werden sowie Lehrinhalte zu vermitteln", so er Bundesverband der Elternvereine an mittleren und höheren Schulen – derzeit würden geschlechterneutrale Formulierungen aber eher für Verwirrung sorgen: Verbands-Vorsitzender Theodor Saverschel wehrt sich  gegen gegenderte Schulbücher.

Komplexität

"Lesen ist ein sehr komplexer Vorgang", argumentierte Saverschel. "Beim Lernen und Üben ist es wichtig, dass die Worte rasch erfasst werden. Durch das Zerhacken mit Schrägstrichen wird das so gut wie unmöglich gemacht." Gerade für Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache müsse man darauf Bedacht nehmen, dass sowohl Form als auch Inhalt der Texte gut verständlich seien, so seine Stellvertreterin Susanne Schmid.

Das Bildungsministerium kontert: "Es werden jene Schulbücher genehmigt, die die Genderaspekte ausreichend beachten. Das beinhaltet auch eine geschlechtergerechte Sprache, da sowohl Mädchen als auch Buben sich angesprochen fühlen sollen. Gendergerechte Sprache und Lesbarkeit schließen einander nicht aus."

Seit 2012 gibt es einen Leitfaden des Bildungsministeriums, wie Schulbücher verfasst sein sollen. Darin heißt es, dass in Sprachlehrbüchern grundsätzlich die "vollständigen Paarformen" gelehrt werden sollen (männliche und weibliche Form - entweder durch "und" oder durch Schrägstrich verbunden z.B.: Schüler und Schülerinnen bzw. Schüler/Schülerinnen), ab der Oberstufe sollen dann auch die "Sparschreibungen" thematisiert werden (Schrägstrich innerhalb eines Wortes: "Schüler/innen" oder etwa Binnen-I: "SchülerInnen"). In anderen Schulbüchern "können die in der Öffentlichkeit üblichen Formen der geschlechtergerechten Schreibweise verwendet werden, wobei auf Verständlichkeit, Lesbarkeit und Sprachrichtigkeit zu achten ist".

Österreichisches Schulbuchproblem

Das Ministerium für Bildung und Frauen argumentiert hingegen, dass sie den "SchülerInnen von Beginn an die Potenziale einer geschlechtergerechten und diskriminierungsfreien Gesellschaft näher gebracht werden und sie Vielfalt als Chance begreifen".

Die Elternvertreter sind aber nicht grundsätzlich gegen geschlechterneutrales Formulieren: "In öffentlichen Papieren, im rechtlichen Bereich – etwa bei Ausschreibungen – ist das durchaus notwendig. Aber Schulbücher sollten von der Vernunft getragen sein", so Schmid. "Zeitungen oder Theaterstücke werden ja auch nicht gegendert."

Pro allgemeine Formen

"Entscheidend ist immer die Lesbarkeit", meinte Saverschel: "Wenn man allgemeine Formen findet wie etwa 'Studierende' – von mir aus, dann ist das auch in Ordnung." Problem für ihn: "Political Correctness wird oft als Feigenblatt verwendet, um Aktionen umzusetzen, die bar jedes Hausverstandes sind. Das schadet dem Bildungsstandort und erweist der Frauenförderung einen Bärendienst."

Frauenförderung besteht für Schmid vielmehr in der Schaffung gleicher Chancen. So müsse man sich etwa fragen, warum Mädchen sich oft weniger für naturwissenschaftliche Fächer interessieren oder bei Mathe-Schularbeiten wie zuletzt bei der Modell-Schularbeit für die Zentralmatura schlechtere Ergebnisse erzielen. Hier müsse stärker gefördert werden: "Da reicht ein Tag der offenen Tür mit 15 nicht."

Weitere Befürchtung der Elternvertreter: "Es ist ja schon abzusehen, dass sich das Gendern auf Aufgabenstellungen bei Schularbeiten oder Matura ausweiten wird", so Schmid. So stelle sich die Frage, ob künftig Schüler schlechter benotet werden, die nicht gendern – etwa bei der vorwissenschaftlichen Arbeit bei der Matura oder der schriftlichen Matura selbst.

 

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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