Dienstag, 13. Januar 2015

2015.01.15: Newsletter Bildung

Die Presse – 14. Jänner 2015

 

 

Noten werden in Volksschulen immer seltener

Es gibt 1800 Schulversuche zur alternativen Beurteilung.

Wien. Immer mehr Volksschulen erproben in Schulversuchen alternative Formen der Leistungsbeurteilung und verzichten zumindest teilweise auf Noten. Das zeigt die Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage des Teams Stronach durch Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ). Mittlerweile gibt es mehr als 1800 derartige Versuche. Das sind um rund 300 mehr als im Schuljahr 2009/10.

Alternative Beurteilungen gibt es in zwei Formen: In der Volksschule, der Sonderschule sowie an der Neuen Mittelschule können Klassenforum oder Schulforum (also Eltern und Lehrer) beschließen, dass der Beurteilung durch Noten eine schriftliche Erläuterung hinzuzufügen ist. Dafür braucht es keinen Schulversuch. Sollen Noten komplett durch andere Beurteilungsformen ersetzt werden, muss ein Schulversuch genehmigt werden. In diesen ist aber vorzusehen, dass „auf Verlangen der Erziehungsberechtigten die Beurteilung im Jahreszeugnis jedenfalls durch Noten zu erfolgen hat“. Generell haben sich drei Varianten der alternativen Beurteilung durchgesetzt: verbale Beurteilung, Lernzielkataloge (Pensenbücher) sowie die Beurteilung direkter Leistungsvorlagen.

In Kärnten (noch) unüblich

Die meisten solcher Schulversuche gibt es relativ gesehen in Oberösterreich und Wien. Dort laufen jeweils mehr Versuche, als es Volksschulstandorte gibt (an einem Standort kann es unterschiedliche Versuche geben, auch klassenspezifische Unterschiede sind möglich): In Oberösterreich sind es 597 Versuche an 560 Volksschulen, in Wien 300 Versuche an 264 Schulen. Die Steiermark kommt auf 387Versuche (476Schulen), Vorarlberg auf 106 (164 Schulen), Niederösterreich auf 227 (627 Schulen), das Burgenland auf 53 (178 Schulen) und Salzburg auf 68 (183 Schulen). Am seltensten alternativ beurteilt wird in Kärnten (16 Versuche an 236 Schulen) und Tirol (72 Versuche an 378 Schulen).

 

 

Die Presse – 14. Jänner 2015

 

 

Politische Bildung gegen Extremismus

Integrationsminister Sebastian Kurz (ÖVP) fordert Politische Bildung als Pflichtfach zur Prävention. Der Bildungsministerin fehlt das Geld. Beratungsstellen sind immer gefragter.

Wien. Als Frankreich am vergangenen Donnerstag während einer nationalen Schweigeminute nahe zusammenrücken und der Terroropfer gedenken wollte, ging das nicht überall reibungslos über die Bühne (siehe Seite 3). Allein an den Schulen kam es zu siebzig Zwischenfällen, wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtete. Da gab es Schüler, die sich weigerten, an dem Gedenken teilzunehmen. Andere wiederum hielten die Hände in Form des Buchstaben V in die Höhe, um den „Sieg der Terroristen“ zu feiern.

Die französische Politik reagiert darauf: Es soll eine große Bildungsoffensive geben, um die Werte der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit zum Leben zu erwecken. Es soll schon in der Schule angesetzt werden. So will das auch Österreich machen. Man müsse das Problem der Radikalisierung angehen, „indem wir in den Schulen einen wesentlich größeren Schwerpunkt auf Grundwerte und das Zusammenleben legen“, sagt Integrationsminister Sebastian Kurz (ÖVP) am Dienstag im ORF-Radio. Denn die gemeinsamen Grundwerte seien die Basis dafür, „dass wir so miteinander umgehen, wie wir das in unserer Gesellschaft wollen“. Daher fordert der Minister die Einführung des Pflichtfachs Politische Bildung ab der fünften Schulstufe. Unterstützung erhielt er vom Wiener ÖVP-Chef Manfred Juraczka. Dieser hält ein verpflichtendes Fach für „ein Gebot der Stunde“.

„Heiße Kartoffel“?

Das Bildungsministerium zeigt sich aber zögerlich – und zwar aus finanziellen Gründen: Gebe es nicht mehr Geld, könne es das Fach Politische Bildung nicht flächendeckend eingeführt werden. „Zusätzliche Forderungen, die über das gemeinsam Beschlossene hinausgehen, brauchen zusätzliche, darüber hinausgehende Mittel“, gibt Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) zu bedenken.

Aus Sicht der Experten ist die Schaffung eines eigenen Faches nicht zwingend notwendig. Derzeit ist die politische Bildung als Unterrichtsfach und als Kombinationsfach (etwa mit Geschichte) verankert. An den Berufsschulen gibt es ein eigenständiges Fach.

„Ob politische Bildung ein eigenes Fach ist oder nicht, ist nicht alleine ausschlaggebend“, sagt Patricia Hladschik, Leiterin des Zentrum „Polis – Politik lernen in der Schule“ am Boltzmann-Institut für Menschenrechte in Wien. Sie habe nicht den Eindruck, dass politische Bildung – wie manche meinen –, durch die derzeitige Regelung „wie eine heiße Kartoffel herumgereicht wird“. Die jetzige Struktur ermögliche, auch wenn sie verbesserungsfähig sei, gute politische Bildung.

Lehrer müssten sich angesichts der aktuellen Ereignisse „ihrer Verantwortung bewusst sein“, so Hladschik. Die Geschehnisse nicht zu besprechen, sei keine Option. „Alles, was in der Gesellschaft passiert, findet Zutritt ins Klassenzimmer. Deshalb sollten Vorfälle wie in Paris auch in der Schule – egal, wie alt die Kinder sind – altersadäquat thematisiert werden.“ Dabei dürften die Lehrer nicht allein gelassen werden.

Das Ministerium verweist darauf, dass es mehrere Angebote zur Radikalismus-Prävention gibt. Etwa die Schulinfo-Hotline des Schulpsychologischen Dienstes. Außerdem gibt es seit 1.Dezember eine unter der Obhut des Familienministeriums agierende „Beratungsstelle Extremismus“, an die sich sowohl Betroffene als auch Angehörige und eben auch Lehrer wenden können, die befürchten, dass sich Personen in ihrem Umfeld radikalisieren.

Konvertierte Jugendliche

Nach den Terroranschlägen in Paris wurde die Beratungsstelle besonders oft kontaktiert. Insgesamt waren es seit der Gründung rund 100 Anrufe. Allein in den vergangenen zwei Tagen sind es mehr als 15 Anrufe gewesen, sagt Verena Fabris, die Leiterin der Beratungsstelle, auf Anfrage der „Presse“. Sie führt das einerseits darauf zurück, dass das Angebot bekannter wurde, andererseits auf die steigende Sensibilität in der Bevölkerung.

Anrufen würden vorwiegend besorgte Eltern. Sie berichten von ihren Kindern, die erst kürzlich zum Islam konvertiert seien oder plötzlich ein Kopftuch trügen. Das sei freilich nicht immer bedenklich. „Doch es ist besser, einmal zu oft anzurufen“, sagt Fabris. Insgesamt seien mehr als 20 Familien betreut worden. In bislang drei Fällen wurde tatsächlich der Verfassungsschutz eingeschaltet. Der Wiener Stadtschulrat hat, wie der „Presse“ bestätigt wurde, seit Herbst sogar schon 20 Fälle gemeldet.

AUF EINEN BLICK

Unterstützung. Wenn Lehrerinnen und Lehrer Probleme orten, die in Richtung Extremismus gehen, gibt es eine ganze Reihe von Möglichkeiten.

Hotlines. Die Beratungsstelle Extremismus richtet sich an das Umfeld potenziell Betroffener. Es gibt eine Telefonhotline (0800/202044). Das Bildungsressort hat eine eigene Infohotline eingerichtet, unter der Schulpsychologen Beratung anbieten: (0810/205220).

Online. Auf der Webseite der Beratungsstelle finden sich Antworten auf häufige Fragen (beratungsstelleextremismus.at). Die Stelle ist auch per Mail erreichbar: office@beratungsstelleextremismus.at.

 

 

Die Presse – 14. Jänner 2015

 

 

Modellregion Zillertal: Üben für die Gesamtschule

Die Gesamtschule ist im Zillertal an sich nichts Neues: Ohnehin besuchen (fast) alle Kinder eine Neue Mittelschule. Erprobt wird nun eigentlich, wie unterschiedliche Schüler in einer Klasse besser gefördert werden können.

Es ist beinahe unheimlich, wie still die 13-Jährigen plötzlich werden, als Johann Sebastian Bach erklingt. An die Tafel hat Deutschlehrer Michael Bachlechner eine Folie mit allerhand Fragen projiziert, anhand derer die Schüler der 3a ihr Protokollheft füllen. Daniel ist heute zufrieden, weil er seinen Plan eingehalten hat. Lorena ist stolz, weil sie endlich ihre Deutschaufgabe erledigt hat. Die Reflexion bei klassischer Musik ist ein regelmäßiges Element in der Neuen Mittelschule in Mayrhofen im Zillertal.

Eines, das sich so oder so ähnlich demnächst auch in anderen Schulen im Tal wiederfinden könnte. Denn hier soll sich in nächster Zeit einiges ändern: Hier, im hinteren Tal, umgeben von mehreren Dreitausendern, wird ein Projekt durchgeführt, das bundesweit für Wirbel gesorgt hat: die Gesamtschulmodellregion. Die man nach und nach mit Inhalt zu füllen sucht.

Keine leichte Aufgabe. Nicht zuletzt, weil vor Ort lange niemand so recht wusste, was es nun mit der Modellregion auf sich haben sollte, die der Tiroler Landeschef, Günther Platter, vor fast zweieinhalb Jahren angekündigt hatte. Ein Schelm, wer ihm unterstellte, sich damit vor allem gegenüber dem damaligen ÖVP-Chef, Michael Spindelegger, zu positionieren, dem das Gymnasium so heilig war wie den Tirolern ihr Bundesland. Platter kündigte einen eigenen Weg an. Er halte es für falsch, dass Zehnjährige entscheiden müssten, welchen schulischen Weg sie einschlagen wollen.

Das war nun im Zillertal allein aus topografischen Gründen ohnehin kaum der Fall: Das nächstgelegene Gymnasium befindet sich unbequem weit weg: in Schwaz, von Mayrhofen mehr als eine Stunde im Bus. So oder so gehen also 347 der 369 zehnjährigen Zillertaler in eine der sieben Neuen Mittelschulen. Weshalb Kritiker der Meinung sind, die Modellregion sei gar keine – sondern schlicht Normalität in einer ländlichen Gegend.

Fakt ist: Es ist kein Versuch in dem Sinn, dass nun plötzlich Schüler zusammen in einer Klasse sitzen, die das zuvor nicht taten. Sondern eigentlich der Versuch, besser mit der Unterschiedlichkeit der einzelnen Schüler umzugehen.

Bildungslandesrätin Beate Palfrader (ÖVP) drückt es so aus: „Wir brauchen die bestmögliche Ausbildung für alle Kinder. Ich sehe die größte Chance, wenn wir die Schüler später trennen. Die Möglichkeit einer gemeinsamen Schule scheint derzeit aber nicht in erreichbarer Nähe zu sein. Also probieren wir aus, was wir können. Entscheidend ist: Wir brauchen eine Schule, die sich auf die Begabungen der Kinder einstellt, die sich gerade von zehn bis 14 stark verändern.“

„Labor für Zukunft von Schule“

Dafür hat Palfrader eine ganze Runde an Mitstreitern aus Wissenschaft, Schulaufsicht und Schulen um sich geschart: Michael Schratz, Dekan des Instituts für Lehrerbildung und Schulforschung der Uni Innsbruck mit zwei Kollegen etwa. „Aus wissenschaftlicher Perspektive ist das so etwas wie ein Entwicklungslabor für die Zukunft von Schule“, meint er. Da ist die Rede von einer lernenden Region, vom einzelnen Schüler im Zentrum allen Tuns, von Fähigkeiten und Begabungen, von Stärken statt Defiziten.

Einen Teil dessen auf den Boden zu bringen, das ist die Aufgabe von Franz Niedertscheider. Er ist eigentlich NMS-Lehrer in Mayrhofen und freigestellt, um die sogenannte Kompetenzwerkstatt zu entwickeln. Ausgangspunkt für alles: die individuellen Begabungen und Stärken der Schüler. Was das heißt, ist besser vorstellbar, als der zehnjährige Gabriel seine Schatzkiste ausräumt. Darin: ein gehäkelter Lappen. Fotos von Gabriel auf dem Traktor. Ein Blatt, auf dem Verwandte und Nachbarn notiert haben, was er besonders gut kann. Dazwischen Referate, die Gabriel gehalten hat und immer wieder Blätter mit Reflexionen. „Da schreibe ich auf, wie es den anderen gefallen hat und wie es mir dabei ergangen ist“, erklärt er.

„Zunächst geht es darum, den Kindern klarzumachen, dass sie überhaupt Stärken haben“, sagt Niedertscheider – vom Häkeln bis zum Heumachen. Nach und nach fokussiere das sogenannte Stärkenportfolio dann auf Lehrinhalte. So, wie etwa in der geschilderten Reflexionsviertelstunde. „Letztlich mündet das in individuelle Lernverträge, die Schüler, Lehrer und Eltern erarbeiten.“ Und in der letzten Klasse geht es darum, wie jeder Schüler seine Ziele erreicht. „Von pädagogischer Seite ist das große Ziel der Modellregion, dass jedes Kind optimal gefordert und gefördert wird und dass es die beste Basis für die Berufs- und Schulwahl hat.“

Das würden inzwischen auch die meisten der knapp 200 Lehrer im Tal mittragen. Und das, obwohl der Start eigentlich nicht ganz optimal war. „Wir sind ja nicht gefragt worden, ob wir diese Modellregion wollen“, sagt Peter Lechner, Direktor der NMS Mayrhofen. „Aber wir sagen hier alle: Das kann nur eine Chance sein.“ Als Schulleiter müsse man stets anschieben, wenn es um die Schulentwicklung geht. „Jetzt schiebt jemand mit. Das ist auf jeden Fall ein Vorteil.“

Peter Lechner ist einer, den die anderen Beteiligten als „passionierten Schulentwickler“ bezeichnen. Nicht umsonst ist seine Schule einige Schritte voraus, wenn es eben um Portfolios, Stärken, Kompetenzen geht. Seit 20 Jahren wird hier mit offenem Unterricht gearbeitet. „Bei uns wird sich in diesem Punkt nicht so viel ändern“, sagt Lechner.

Alle sollen voneinander lernen

Die sieben Schulen im Tal sind in unterschiedlichen Punkten unterschiedlich weit. Auch wenn das etwas ist, was man lieber nicht betont. Man legt darauf Wert, dass ja keine Schule zu sehr herausgestrichen wird. Denn immerhin sollen sie sich alle als Teil eines gemeinsamen Projekts verstehen. Wie es Dekan Michael Schratz ausdrückt: „Es geht nur im Zusammenspiel mit allen Schulen – und mit den Behörden, Eltern, der Wirtschaft.“ Damit eben eine Region entsteht, in der alle irgendwie voneinander lernen – von der Schule über den Bürgermeister bis zum Hotelbetrieb.

Ein paar Kilometer talauswärts, in Zell am Ziller, sitzt Erwin Haid in seiner Schule, ebenfalls einer Neuen Mittelschule. Er sieht die Sache ganz ähnlich wie sein Kollege Peter Lechner. „Wir haben uns nicht für die Modellregion beworben, aber jetzt machen wir das Beste daraus. Wir haben alle Schüler, die guten und die anderen auch. Deshalb eignet sich auch die Region ganz gut.“

In seinem Ort soll die neue AHS-Oberstufe entstehen, die die Modellregion einst komplett machen soll. „Der Bürgermeister einer Berggemeinde hat da gesagt: Dann kann zum ersten Mal in der Geschichte seiner Gemeinde ein Kind eine AHS-Matura machen, ohne dass es ins Heim muss“, sagt Haid.

Das ist auch aus Sicht der Eltern der große Vorteil. Auch wenn der Eindruck entsteht, dass die Eltern jene seien, die am wenigsten darüber Bescheid wissen, was die Modellregion bringen wird. Demnächst soll sich das aber ändern: Im Februar startet die sogenannte Elternakademie, die die Pädagogische Hochschule Tirol ausarbeitet und mit der die Art der Elterneinbindung reformiert werden soll.

Ein entscheidender Moment wird die Einschreibung für das nächste Schuljahr: Da wird sich zeigen, ob mehr oder weniger Eltern ihre Kinder in einer der NMS anmelden und ob mehr oder weniger als die heuer 22 Schüler dann ins Gymnasium nach Schwaz pendeln.

Der „Schürzenjägereffekt“

Im Zillertal soll das Projekt jedenfalls nicht bleiben – es soll vielmehr ein Prototyp sein, auch für Regionen in ganz Österreich. Aber geht das eigentlich? „Die Hauptschule in Wien hat, wenn es um das einzelne Kind und dessen Lernprozess geht, mit genau denselben Problemen zu kämpfen“, sagt Christian Kraler von der Uni Innsbruck, der ebenfalls im Projektteam mitarbeitet. „Insofern ist das schon übertragbar.“

Und dann wird es fast ein bisschen komisch. „Das Zillertal hat ein ganz besonderes Potenzial, auszustrahlen“, sagt Kraler. „Nennen wir es den Schürzenjägereffekt. Da hat man aus dieser Region heraus ein ganz neues Genre begründet.“ Irgendwie ist da etwas dran. Ob man das Genre jetzt schätzt oder nicht.

 

 

Die Presse – 14. Jänner 2015

 

 

Salzburg und Vorarlberg warten noch ab

In Salzburg will man die NMS-Evaluierung abwarten, in Vorarlberg den zweiten Teil einer Studie.

Salzburg/Bregenz. In Salzburg soll die paktierte Gesamtschulmodellregion anders aussehen als in Tirol, so viel scheint klar zu sein: So gebe es zwar im Oberpinzgau kein Unterstufengymnasium, und „es wäre ein Leichtes, diese Region als Gesamtschulmodellregion auszuweisen“, heißt es gegenüber der „Presse“ aus dem Büro von Landeschef Wilfried Haslauer (ÖVP). „Dies würde aber zu kurz greifen.“ Einerseits, weil dafür keine Änderungen umgesetzt werden müssten – etwa die Umwandlung von Gymnasien in Neue Mittelschulen. Andererseits, weil das eigentliche Problem die Städte seien – in denen die NMS „Gefahr laufen, zu Restschulen zu werden“.

Mehr zum Thema:

Mit der Entscheidung, wo und wie die angekündigte Modellregion nun in Salzburg umgesetzt werden soll, will man noch warten, bis die Neue Mittelschule evaluiert ist. Was demnächst der Fall sein soll: Angekündigt sind Resultate für Jänner.

Entscheidung ab Mai

Bitte warten heißt es vorerst auch in Vorarlberg, wo die Grünen bereits kurz nach der Wahl mit dem Rheintal als Wunschregion vorgeprescht waren. Dort leben knapp drei Viertel aller Vorarlberger. Bildungslandesrätin Bernadette Mennel (ÖVP) betont, dass erst im Mai der zweite Teil der Gesamtschulstudie veröffentlicht wird, anhand dessen ein Vorschlag für einen Versuch ausgearbeitet wird. Dann wird auch über eine Region entschieden.

Mit der Idee, in Lustenau einen ersten Versuch zu starten – eine Art Schulverbund zwischen drei NMS und einem Gymnasium – ist man vor zwei Jahren gescheitert. (beba)

 

 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 10 vom 14.01.2015              Seite: 10

Ressort: Innenpolitik

 

Österreich

 

1800 Schulversuche erproben Schule ohne Noten

 

   Wien. Immer mehr Volksschulen verzichten auf Noten und erproben alternative Formen der Leistungsbeurteilung. Mehr als 1800 entsprechende Schulversuche laufen derzeit in Österreich. Drei Alternativen zu den klassischen Zeugnisnoten kristallisieren sich dabei heraus. Erstens gibt es die verbale Beurteilung. Der Lehrer beschreibt dabei in einem möglichst kindgerecht gehaltenen persönlichen Brief die Lernfortschritte des Kindes. Die zweite Möglichkeit sind Lernzielkataloge, in denen das Kind selbst das Erreichen der Lernziele festhält. Die dritte Möglichkeit sind Sammelmappen mit den bisherigen Leistungen der Kinder, die dann mit ihnen besprochen werden. , APA

 

 

"Kronen Zeitung" vom 14.01.2015                           Seite: 14

Ressort: Lokal

 

Bgld, Wi Mitte, Wi Nord, Wi Süd, Wi West, N.Ö., N.Ö., Vbg, Wi, Wi, Wi, Morgen

 

Bundeselternverband kritisiert das Zerhacken von Texten

 

"Schülerinnen und Schüler" durch Gender-Wahn verwirrt

 

MARTINA MÜNZER

 

Der Gender-Wahn macht, wie berichtet, auch vor den Schulbüchern unserer Kinder nicht halt. Elternvertreter appellieren nun erneut an Ministerien und Lehrer, an die Mädchen und Burschen zu denken und der Lesbarkeit von Unterrichtslektüre höhere Priorität einzuräumen.

 

   Lesen ist ein komplexer Vorgang, viele Kinder haben Probleme

 

   "Wir sehen uns mit einem immer weiter steigenden Anteil von Schülern mit nicht deutscher Muttersprache konfrontiert. Alle Testungen haben ergeben, dass es schon jetzt Probleme beim sinnerfassenden Lesen gibt", übt Elternvertreter Theodor Saverschel Kritik, "da sind gegenderte Lehrbücher vollkommen kontraproduktiv." Dabei können Eltern von Allgemeinbildenden und Berufsbildenden Höheren Schulen über den Schulgemeinschaftsausschuss in der Schule bei der Buchauswahl mitbestimmen. "Bestehen Sie auf diesem Recht!", weist die Vize-Präsidentin des Bundeselternverbandes, Susanne Schmid, Mütter und Väter auf die gesetzliche Möglichkeit hin.

 

 

Wiener Zeitung – 14. Jänner 2015

 

 

Immer mehr Schulversuche zu Notenverzicht

 

 

 

 

·         Alternative Leistungsbeurteilung an Volksschulen vor allem in Wien und Oberösterreich.

 

 

 

Wien. Immer mehr Volksschulen erproben in Schulversuchen alternative Formen der Leistungsbeurteilung und verzichten damit zumindest teilweise auf Noten. Das zeigt die Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage des Team Stronach durch Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ). Mittlerweile gibt es mehr als 1.800 entsprechende Versuche, das sind um 300 mehr als im Schuljahr 2009/10.

Alternative Leistungsbeurteilungen gibt es in zwei Formen: In der Volksschule, der Sonderschule sowie an der Neuen Mittelschule können Klassenforum oder Schulforum (also Eltern und Lehrer, Anm.) beschließen, dass der Beurteilung der Leistungen durch Noten eine schriftliche Erläuterung "hinzuzufügen" ist. Dafür braucht es keinen Schulversuch. Sollen hingegen an Volks- und Sonderschulen statt Noten andere Beurteilungsformen verwendet werden, muss ein Schulversuch genehmigt werden. In diesen ist aber vorzusehen, dass "auf Verlangen der Erziehungsberechtigten die Beurteilung im Jahreszeugnis jedenfalls durch Noten zu erfolgen hat".

Mehr Versuche als Standorte

Die meisten Schulversuche zur alternativen Leistungsbeurteilung gibt es relativ gesehen in Oberösterreich und Wien. Dort laufen jeweils mehr Versuche als es Volksschul-Standorte gibt (an einem Standort kann es mehrere unterschiedliche Versuche geben, auch Versuche nur in einzelnen Klassen sind möglich, Anm.): In Oberösterreich sind es 597 Versuche an 560 Volksschulen und in Wien 300 Versuche an 264 Volksschulen. Die Steiermark kommt auf 387 Versuche (bei 476 Schulen), Vorarlberg auf 106 (bei 164 Schulen), Niederösterreich auf 227 (bei 627 Schulen), das Burgenland auf 53 (bei 178 Schulen) und Salzburg auf 68 (bei 183 Schulen). Am seltensten alternativ beurteilt wird in Kärnten (16 Versuche an 236 Schulen) und Tirol (72 Versuche an 378 Schulen).

Verbale Beurteilung, Lernzielkataloge und Leistungsvorlagen

In der Praxis haben sich drei Formen der alternativen Leistungsbeurteilung durchgesetzt: Verbale Beurteilung, Lernzielkataloge (Pensenbücher) sowie die Beurteilung direkter Leistungsvorlagen - auch Mischformen sind möglich. Bei der verbalen Beurteilung werden meist in einem möglichst kindgerecht gehaltenen persönlichen Brief die Lernfortschritte des Kindes beschrieben. Lernzielkataloge stammen aus der Montessori-Pädagogik und setzen vor allem auf Selbstevaluierung. Dabei wird das Erreichen von Lernzielen in einem "Pensenbuch" festgehalten. Bei der direkten Leistungsvorlage werden meist Portfolios (Sammelmappen) mit den bisherigen Leistungen der Schüler angelegt. Diese werden dann möglichst häufig, mindestens aber zu Semesterende mit den Eltern bzw. Kindern besprochen.

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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