Mittwoch, 14. Januar 2015

2015.01.15: Newsletter Bildung

"Der Standard" vom 15.01.2015                                Seite: 1

Ressort: SEITE 1

 

Bundesland, Bundesland Abend, Niederösterreich

 

„Kleinschulen schließen“

 

Heinisch-Hosek will Mindestgrößen

 

   Wien – Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) schlägt im Standard-Gespräch Mindestschülerzahlen für Schulen vor. „Natürlich muss man die Mindestgrößen den regionalen Gegebenheiten anpassen“, sagt sie. Für die Schulen im sekundären Bereich regt die Ministerin eine Mindestgröße von 300 Schülern an, für Volksschulen will sie noch keine Zahl nennen. Erst müsse das Thema mit den Ländern und dem Koalitionspartner koordiniert werden.

 

   Laut einer Auswertung der Statistik Austria gab es im Schuljahr 2013/14 insgesamt 241 Volksschulen mit nur einer Klasse, das sind acht Prozent aller Volksschulen. Es dürften noch mehr werden, da die Schülerzahlen sinken: In den vergangenen zehn Jahren gab es bei Volksschülern einen Rückgang um zwölf Prozent. (red) Seite 6, Kommentar Seite 28

 

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Der Standard – 15. Jänner 2015

 

 

Heinisch-Hosek will weniger Kleinschulen

Lisa Kogelnik

Die Schüler in ländlichen Regionen werden weniger, acht Prozent aller österreichischen Volksschulen haben nur eine Klasse. Die Unterrichtsministerin schlägt nun eine Mindestgröße für Schulen vor

Elf Schüler sitzen in der Klasse. Manche haben gerade mit der Schule begonnen, andere sind kurz davor, in die Neue Mittelschule oder ins Gymnasium zu wechseln. Sie alle haben eine gemeinsame Lehrerin. In Österreich ist dieses Bild nicht selten. Vor allem wegen Landflucht und kleiner Bergtäler gibt es viele Kleinschulen in ländlichen Regionen. Deren Erhaltung ist teuer. Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) hätte deshalb gerne weniger davon.

Weniger Schüler

Laut einer Auswertung der Statistik Austria gab es im Schuljahr 2013/14 insgesamt 242 Volksschulen mit nur einer Klasse (siehe Grafik). Das sind acht Prozent aller Volksschulen in Österreich. Immerhin 16 Prozent haben nur zwei Klassen. Zudem werden die Schüler aufgrund sinkender Geburtenzahlen immer weniger. In den vergangenen zehn Jahren gab es bei der Zahl der Volksschüler einen Rückgang um zwölf Prozent. Die Statistik Austria prophezeit zudem, dass die Schülerzahlen noch mindestens in den nächsten drei Jahren zurückgehen werden.

Für die Mindestgröße von Schulen sind die Länder zuständig, der Bund gibt lediglich für die Klassengröße Richtwerte vor. Für Volksschulen liegt dieser bei 25 Schülern pro Klasse, eine Klasse sollten nicht weniger als zehn Schüler besuchen. Laut dem Pflichtschulerhaltungs-Grundsatzgesetz sind zudem die Länder dafür verantwortlich, dass die Kinder einen "zumutbaren" Schulweg haben. Wie lange "zumutbar" ist, wird in jedem Bundesland anders gesehen.

Mindestgrößen für Schulen

Heinisch-Hosek regt im Gespräch mit derStandard.at deshalb an, österreichweite Mindestgrößen für Schulen anzustreben. Für Schulen im sekundären Bereich schlägt sie mindestens 300 Schüler vor. Für den Volksschulbereich will sich die Ministerin noch auf keine Zahl festlegen, erst müsse der Vorschlag mit den Ländern und dem Koalitionspartner koordiniert werden. "Natürlich muss man diese Mindestgrößen den regionalen Gegebenheiten anpassen", sagt sie. Die Schließung von Kleinschulen hat für die Unterrichtsministerin nicht nur finanzielle, sondern auch pädagogische Vorteile. "Umso größer die Schule, umso besser sind die Angebote."

Tatsächlich dürften hinter dem Vorschlag aber vor allem finanzielle Gründe stecken. Der Rechnungshof hat im Vorjahr in einem Bericht zu Schulstandortkonzepten in der Steiermark und Oberösterreich die hohen Kosten von Kleinschulen kritisiert und weitere Schließungen gefordert. Kleinschulen haben einen hohen Lehrerbedarf. Sie verbrauchen laut Rechnungshof mehr Ressourcen, als ihnen laut der Stellenplanrichtlinie, der Vereinbarung zwischen Bund und Ländern, zur Verfügung stünde.

Alle sind zuständig

Für die Schließung einer Schule sind im föderalen Österreich alle Gebietskörperschaften zuständig: die Gemeinden, der Landesschulrat als Behörde des Bundes und die Landesregierung. Der Rechnungshof sieht aufgrund dieser "zersplitterten Kompetenzlage im Schulwesen" dringenden Reformbedarf. Doch nicht nur deshalb ist die Auflassung von Schulen ein heikles Thema.

SPÖ-Bildungssprecherin Elisabeth Grossmann hat im Jahr 2012 als steirische Landesrätin 36 Kleinschulen schließen lassen. "Wir mussten auf die Bevölkerungsströme reagieren", sagt Grossmann im Gespräch mit derStandard.at. Im Großraum Graz benötigten die Schulen aufgrund steigender Schülerzahlen und der gesenkten Klassenschülerhöchstzahl mehr Lehrer. In der Steiermark mussten die Schüler nach der Reform maximal 30 Minuten Schulweg auf sich nehmen, ein Prüfverfahren für die Schließung einer Schule wurde ab 20 Schülern eingeleitet. "Einige Schulen in entlegenen Tälern haben wir trotz geringer Schülerzahlen erhalten", sagt Grossmann.

Bürgermeister wehren sich

Karl Brandner, Bürgermeister von Kleinsölk, wehrte sich damals gegen die Schließung seiner Schule, die elf Schüler hatte. Gemeinsam mit rund 25 anderen Bürgermeistern gründete er eine Protestplattform. "Mit der Schule verliert die Gemeinde einen Teil ihrer Identität", erklärt er im Gespräch mit derStandard.at die Gründe für seinen damaligen Protest.

Eine Kleinschule bringt dem Ort Identität, ist aber auch teuer.

Die Volksschulkinder waren ins Dorfleben integriert. "Es gab einen Schulgottesdienst, sie waren beim Erntedankfest dabei, bei der Erstkommunion. Das verliert der Ort."

Gebracht hat der Protest nichts. Heute fahren die Schüler seines Ortes ins sieben Kilometer entfernte Stein an der Enns. Das Schulgebäude in Kleinsölk steht noch immer leer. "Die Erhaltung kostet etwas, man muss heizen", sagt Brandner. "Wir wissen nicht, was wir damit tun sollen."

Leerstand auf dem Land

Genau darüber diskutiert die "Leerstandskonferenz" ab Donnerstag zwei Tage lang. Experten tauschen sich darüber aus, wie Leerstände in ländlichen Regionen, die von Stadtflucht betroffen sind, verhindert werden können. Einer der Organisatoren, Architekt Michael Zinner von der Kunstuniversität Linz, ist grundsätzlich gegen die Schließung von Kleinschulen. "Das ist ein öffentliches Sterben von Gemeinschaft", sagt er.

Die Auflassung von Schulen verursache mehr Verkehr in größere Ortschaften und sorge für die Entwurzelung der Kinder. Er schlägt vor, halb leer stehende Schulen mit anderen Einrichtungen zu kombinieren. Je nach den Gegebenheiten im Ort könne man etwa die Bibliothek oder auch eine Bäckerei in die Schule einziehen lassen.

Bürgermeister Brandner ist heute, nach der Schließung der Schule, positiv gestimmt. "Es funktioniert sehr gut", sagt er. Die Schüler des Ortes fahren gemeinsam im Bus in die Schule, ein Taxi holt sie zu Mittag ab. Entgegen seinen Befürchtungen habe das Leben im Ort dank des Engagements der Eltern nicht gelitten. "Sie organisieren einen Jugendchor, gerade hat es ein Adventsingen mit den Kindern gegeben." Traurig wird Brandner allerdings, wenn er hört, wie der gemeinsame Unterricht für Schüler unterschiedlichen Alters von Experten gelobt wird. "Wir hatten das und haben es abgeschafft."

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"Der Standard" vom 15.01.2015                               Seite: 28

Ressort: Kommentar

 

Lisa Kogelnik

 

Bundesland, Bundesland Abend

 

Schliessung von Kleinschulen

 

Absurder Schulföderalismus

 

   Der Föderalismus blockiert die Anpassung des Schulsystems an die Gegenwart. Das zeigt sich auch bei den Kleinschulen, von denen Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) gerne weniger hätte. Durch teils absurde Regelungen unterrichten in Regionen, wo es kaum noch Schüler gibt, Lehrer, die dringend in Ballungszentren gebraucht würden.

 

   Eine dieser Regelungen: Der Bund zahlt in Österreich die Lehrer, kann aber kaum kontrollieren, wo sie eingesetzt werden. Wie viele Lehrer gebraucht werden, wird vorab zwischen Ländern und Unterrichtsministerium festgelegt. Wenn die Länder mehr Lehrer brauchen, streckt der Bund das Geld vor. Allerdings zahlen die Länder dann nicht die volle Summe zurück.

 

   Auch durch die vielen Kleinschulen brauchen die Länder oft mehr Ressourcen, als zunächst berechnet wurden. Weil ja der Bund zahlt, sehen sich die Länder nicht gezwungen, die Kleinschulen zu schließen.

 

   Natürlich kann es gute Gründe geben, Kleinschulen zu erhalten. Manche Gemeinden sind so abgelegen, dass den Schülern, vor allem wenn sie noch im Volksschulalter sind, der weite Weg nicht zugemutet werden kann. Es ist aber unverständlich, dass die Länge dieses zumutbaren Schulwegs in jedem Bundesland unterschiedlich ist. Die Kriterien für die Erhaltung von Kleinschulen sollten transparent und österreichweit gleich sein.

 

 

 

"Kurier" vom 15.01.2015                                    Seite: 4

Ressort: Innenpolitik

 

Länder, Morgen

 

   Mindestens 300 Schüler pro Schule

 

Heinisch-Forderung

 

Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) plädiert für Mindestgrößen für Schulen - und somit für die Schließung von Kleinschulen. Im sekundären Bereich (AHS, Hauptschulen, NMS) kann sie sich laut Standard eine Mindestgröße von 300 Schülern vorstellen. Für Volksschulen wollte sie sich nicht festlegen. Der Vorschlag muss mit Ländern und ÖVP koordiniert werden. Die Ministerin sieht in der Schließung von Kleinschulen nicht nur finanzielle, sondern auch pädagogische Vorteile: "Je größer die Schule, umso besser die Angebote."

 

 

ORF – 15. Jänner 2015

 

Heinisch-Hosek will Mindestgrößen für Schulen

Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) hält österreichweit geltende Mindestgrößen für Schulen - und somit die Schließung von Kleinschulen - für sinnvoll.

Im sekundären Bereich kann sie sich eine Mindestgröße von 300 Schülern vorstellen, sagte sie im „Standard“ (Donnerstag-Ausgabe). Für Volksschulen wollte sie sich nicht festlegen, der Vorschlag müsse erst mit Ländern und ÖVP koordiniert werden.

Kleinschulen verursachten hohe Kosten, hatte der Rechnungshof im Vorjahr kritisiert. Sie würden mehr Ressourcen verbrauchen, als Bund und Länder in ihrer Stellenplanrichtlinie festgelegt haben.

Schülerzahlen gehen kontinuierlich zurück

Laut Statistik Austria gab es im Schuljahr 2013/14 242 Volksschulen mit nur einer Klasse. Das sind acht Prozent aller Volksschulen. Außerdem geht die Zahl der Schüler - aufgrund sinkender Geburtenzahlen - kontinuierlich zurück. In den vergangenen zehn Jahren nahm sie um zwölf Prozent ab.

Heinisch-Hosek sieht in der Schließung von Kleinschulen nicht nur finanzielle, sondern auch pädagogische Vorteile: „Je größer die Schule, umso besser sind die Angebote.“ Außerdem sagte sie, dass die Mindestgrößen den regionalen Gegebenheiten angepasst werden müssten.

 

Morgenjournal, 15.1.2015

Dschihadisten: Lehrer nicht vorbereitet

Veronika Mauler

Wenn Jugendliche beginnen, sich für den Dschihad begeistern, ist das auch für die Schulen eine große Herausforderung. Bildungsministerin Heinisch-Hosek gesagt, Fortbildungsangebote zu Radikalisierungsprävention gibt es schon, sie müssten aber besser beworben und genutzt werden. Ein Blick in die Fortbildungsangebote mehrerer pädagogischer Hochschulen zeigt, dass es konkret zum Thema "Umgang mit islamistischer Radikalisierung" nur vereinzelt Angebote gibt. Das kritisieren auch der Lehrergewerkschafter Kimberger und der Politikwissenschaftler Schmidinger.

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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