Donnerstag, 15. Januar 2015

2015.01.15: Newsletter Bildung

Die Presse – 16. Jänner 2015

 

 

Ministerin will Kleinschulen schließen

Die Länder wollen das „mit Sicherheit nicht akzeptieren".

Wien. Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) verärgert die Bundesländer mit ihrem Wunsch, Kleinschulen zu schließen, einmal mehr. Sie sprach sich im „Standard" für eine fixe Mindestgröße von Schulen aus. Haupt- bzw. Neue Mittelschulen sollten mindestens 300 Schüler zählen. Für Volksschulen wollte Heinisch-Hosek keine konkrete Mindestschülerzahl nennen.

Von den Schließungen der Schulen erwartet sich die Ministerin Einsparungen. Immerhin gibt es hierzulande – trotz Schulschließungen in den Vorjahren – noch immer viele Kleinschulen. So gibt es unter den mehr als 3000 Volksschulen 202 Schulen (6,6Prozent), die von nicht mehr als 20 Kindern besucht werden. In 48 davon werden höchstens zehn Schüler unterrichtet. Zudem gibt es 726 Volksschulen mit 21 bis 50 Schülern.

Bei den Haupt- und Neuen Mittelschulen ist das Bild ein etwas anderes. Wie viele Schulen die von der Ministerin genannte Marke von 300 Schülern unterschreiten, ist zwar nicht bekannt, klar ist aber, dass der Löwenanteil der 1110 Haupt- bzw. Neuen Mittelschulen 50 Schüler oder mehr verzeichnet. Nur je eine Hauptschule und NMS hat nicht mehr als 20 Schüler. Zwölf NMS und zwei Hauptschulen liegen im Bereich zwischen 21 und 50 Schülern. In allen anderen Schulformen (außer Sonderschulen und den einjährigen polytechnischen Schulen) gibt es kaum Schulen mit weniger als 50 Kindern bzw. Jugendliche.

Widerstand aus SPÖ

Für die Länder, die derzeit über die Mindestgröße der Schulen entscheiden, ist der Vorstoß jedenfalls indiskutabel. Aus Oberösterreich heißt es: Eine Mindestgröße von 300 Schülern bedeute, dass 90Prozent der Hauptschulen und NMS betroffen wären. Auch Parteikollegen widersprechen der Ministerin. Burgenlands Landeschef Hans Niessl (SPÖ) rechnet vor, dass im Burgenland von 41 NMS nur fünf bestehen bleiben würden. Und das werde er „mit Sicherheit nicht akzeptieren".

 

 

Die Presse – 16. Jänner 2015

 

 

Debatte über Lehrplan: "Keine Ahnung von Steuern"

Der Tweet einer deutschen Schülerin löste eine Debatte aus. Auch österreichische Schüler fordern eine Adaption des Lehrplans.

 „Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann 'ne Gedichtsanalyse schreiben. In 4 Sprachen", twitterte die 17-Jährige Naina. Und löste damit eine Debatte über das deutsche Schulsystem aus. Die Schülerin aus Köln schaffte es sogar, dass sich am Mittwoch die deutsche Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) zu Wort meldete.

„Ich finde es sehr positiv, dass Naina diese Debatte angestoßen hat", ließ Wanka über ihren Sprecher ausrichten. „Ich bin dafür, in der Schule stärker Alltagsfähigkeiten zu vermitteln. Es bleibt aber wichtig, Gedichte zu lernen und zu interpretieren."

„Schule muss aufs Leben vorbereiten"

Inzwischen ist die Debatte in Österreich angekommen. „Der Tweet drückt aus, was sich viele Schülerinnen und Schüler denken: Sie haben das Gefühl, nicht gut genug auf das spätere Leben vorbereitet zu werden", so Schülerunionschef Felix Wagner. Nach einer AHS-Matura habe man „praktisch keine Ahnung von Buchhaltung, Finanzwesen und Ähnlichem".

Die Schülerunion fordert daher eine Adaption des Lehrplans. „Schule muss auf das Leben vorbereiten", so die Schüler. Vor allem die „praxisorientierte Vermittlung von Wirtschaftskompetenz und rechtlichen Grundkompetenzen" solle dabei im Vordergrund stehen. Auch politische Bildung komme derzeit zu kurz. 

 

 

"Kleine Zeitung" vom 16.01.2015                             Seite: 16

Ressort: International

 

Steiermark

 

Display statt Schönschreibheft

 

Mit einer umstrittenen Schulreform schockiert PISA-Sieger Finnland die Schreibschriftwelt.

 

   Ab Herbst 2016 gehört die Schreibschrift in Finnland der Vergangenheit an. Die Musterzeile ist Geschichte, Hausaufgaben werden nicht mehr händisch, sondern mittels Tastatur abgeschrieben. Die Vermittlung der Schreibschrift wird sogar gänzlich aus dem Lehrplan der Grundschulen gestrichen.

 

   Viele Experten schütteln angesichts des gewagten Schrittes den Kopf. Doch es ist nicht irgendein Land, das den Heiligen Gral der ersten Schuljahre abschafft: Die Finnen haben durch ihr beneidenswertes Bildungssystem bewiesen, dass sie es durchaus verstehen, mit gewagten Schritten unglaubliche Erfolge zu erzielen. Die stolze Rolle als unangefochtener PISA-Seriensieger spricht eine klare Sprache – und verleiht den Argumenten der Bildungsreformer in Helsinki Nachdruck.

 

   „Flüssiges Tippen auf der Tastatur ist eine wichtige Fähigkeit", erklärt Minna Harmanen gegenüber der „Helsinki Times". Harmanen ist im finnischen Bildungsministerium für die Reform der Richtlinien zum Schreibenlernen zuständig. Sie räumt

 

   zwar ein, dass die Umstellung auch für Finnland eine große kulturelle Neuerung sei, aber für die im täglichen Leben benötigten Fähigkeiten werde der Umgang mit der Tastatur eben immer wichtiger. Anfang 2016 sollen die ersten Tablet-PCs an ausgewählte Schulen geliefert werden.

 

   Finnland reagiert damit auf einen Trend, der auch im deutschen Sprachraum unaufhaltsam fortschreitet: Ein Großteil der Taferlklassler kann heute laut einer Bildungsforscherin nicht mehr richtig mit der Hand schreiben. Etwa 70 Prozent der Erstklassler brächten nach dem Kindergarten nicht mehr die nötigen motorischen Voraussetzungen für das sogenannte Kritzelalphabet mit, so die Nürnberger Wissenschaftlerin Stephanie Müller.

 

   Als Gründe für den Fähigkeitenschwund nannte Müller Bewegungsmangel, fehlende Fingerfertigkeit und nicht zuletzt Smartphones und Tablet-Computer. Doch Trend hin oder her: Selbst Vorreiter Finnland will auch in Zukunft zumindest an der Blockschrift festhalten.

 

   Denkzettel Seite 10

 

--------------------------------------

 

"Kleine Zeitung" vom 16.01.2015                             Seite: 10

Ressort: Tribüne

 

Steiermark

 

DENKZETTEL

 

Spinnen die Finnen?

 

NIKOLAUS HERMANN

 

   Dunkle Wolken ziehen über der finnischen Schreibschrift auf: Ab Herbst 2016 will der Finne nicht mehr mit der Hand schreiben, oder besser gesagt, seine Grundschüler sollen die Schreibschrift nicht mehr erlernen. Eigenhändig und mit angestrengtem Blick ins Übungsheft gekrakelte R und H werden von Rovaniemi bis Helsinki der Vergangenheit angehören.

 

   Knapp zwei Jahre sind es noch, bis der finnische Discipulus sein Schönschreibheft feierlich verbrennt, mit frecher Miene im Unterricht ungeniert ins Display starrt. Unangekaut lugt die Füllfeder traurig aus dem Federpennal, kein Tropfen Tinte ziert das gelangweilt tippende Schülergesicht.

 

   Was bleibt, ist das Flackern von großen und kleinen Bildschirmen in müden finnischen Kinderaugen – ist das eine Welt, in der wir leben wollen? Ja, denn es ist alles nicht so schlimm, wie uns manch kreidebleicher Tafelfreund und Experte glauben machen will: Zumindest an der Blockschrift will er ja festhalten, der schreibensmüde Finne. Ob das Experiment geglückt ist, klären wir, wenn uns allen eines Tages der Strom ausgeht und aus dem iPad wieder iPapier wird – egal wie verzweifelt man darauf eintippt.

 

 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 12 vom 16.01.2015               Seite: 2

Ressort: Innenpolitik

 

Österreich

 

Neuer Vorschlag: Nur noch große Schulen

 

   Salzburg müsste in diesem Fall viele Schulen zusammenlegen.

 

   Wien. Der Vorschlag von Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ), eine Mindestgröße für Schulen einzuführen, stößt auf wenig Gegenliebe. Für Salzburgs LH Wilfried Haslauer (ÖVP) kommt es nicht infrage, höhere Schulen mit weniger als 300 Schülern zusammenzulegen, wie das Heinisch-Hosek forderte. Einen ähnlichen Vorschlag hatte zuvor die Industriellenvereinigung geäußert. „Wir halten das sowohl aus pädagogischer Sicht als auch aus Sicht der Kinder für nicht sinnvoll. In Salzburg wäre das auch gar nicht durchführbar. Man sollte nicht alles durch die Wiener Brille sehen", sagte Haslauers Sprecher dazu.

 

   In Salzburg wären 47 der insgesamt 55 Hauptschulen und Neuen Mittelschulen sowie vier der sieben Gymnasien in der Unterstufe betroffen. Sie alle hatten im Schuljahr 2013/14 weniger als 300 Schüler und müssten also zusammengelegt werden. Bildungsforscher Günter Haider hält das für „völlig absurd" und für pädagogisch fragwürdig. „Kleine Schulen können auch von Vorteil sein, wenn der Lehrer mehr Zeit für den einzelnen Schüler hat", sagt er. par

 

 

Der Standard – 16. Jänner 2015

 

 

Gemeindebund lehnt Mindestgrößen für Schulen ab

Helmut Mödlhammer hält vom Vorschlag Heinisch-Hoseks "überhaupt nichts" und verlangt mehr Autonomie für Gemeinden

Gemeindebundchef Helmut Mödlhammer (ÖVP) hält "überhaupt nichts" von dem Vorschlag, Mindestschülerzahlen für Schulen einzuführen. Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) hatte gegenüber derStandard.at angeregt, österreichweit festzulegen, wie viele Schüler eine Schule mindestens haben soll. "Es kann nicht im fernen Wien entschieden werden, was im Kleinen Walsertal oder in Osttirol passiert", begründet Mödlhammer seine Ablehnung im Gespräch mit derStandard.at. Auch bei den zuständigen Landesrätin stößt der Vorschlag auf breite Ablehnung.

Eine Auswertung des Bildungsministeriums weist für 202 oder 6,6 Prozent aller Volksschulen Schülerzahlen bis 20 Kindern aus. In 48 davon werden höchstens zehn Schüler unterrichtet. Auch in zwei privaten Haupt- bzw. Neuen Mittelschulen (NMS) saßen 2013/14 nicht mehr als 10 Schüler. Die Schülerzahlen sinken, und der Rechnungshof hat im Vorjahr aufgrund hoher Kosten weitere Schließungen von Kleinschulen gefordert.

Derzeit regelt der Bund nur die Klassenschülerzahlen. Für Volksschulen sind mindestens zehn Schüler pro Klasse vorgeschrieben. Über die Schulgröße entscheiden die Länder, laut Gesetz müssen sie dabei einen "zumutbaren Schulweg" beachten. Die Mindestgrößen variieren in den Bundesländern zwischen drei (Tirol) und 100 Schülern (Oberösterreich) für eine Volksschule.

Heinisch-Hosek schlägt nun Mindestgrößen für Schulen vor. Für den sekundären Bereich kann sie sich einen Mindestzahl von 300 Schülern vorstellen. Den Vorschlag will sie mit den Ländern und der ÖVP koordinieren.

"Ministerin hat damit nichts zu tun"

Mödlhammer ist über die Idee verärgert. "Die Schulerhalter sind die Gemeinden, deshalb hat die Ministerin damit eigentlich überhaupt nichts zu tun. Sie sollte sich mehr um die Bundesschulen kümmern." Kleinschulen seien nicht die Kostentreiber. "Sie wirtschaften sehr kostengünstig und gut." In der Reduktion der Schulverwaltung sei viel mehr Geld drinnen als bei "den paar Lehrern, die man so einsparen könnte und die sehr gute Arbeit in Kleinschulen leisten". Der Chef des Gemeindebundes spricht sich stattdessen dafür aus, dass der Bund alle Schulfragen den Ländern überlässt und ihnen auch die Kompetenz für die Lehrer übergibt.

Entscheidungen vor Ort treffen

"Wenn das Land das Budget hat, dann kann es in Abstimmung mit den Gemeinden die notwendigen Bedingungen schaffen", sagt Mödlhammer. Man müsse vor Ort entscheiden, welche Schule geschlossen werden solle und welche nicht. "Die unterschiedlichen Bedingungen sind zu respektieren."

Für Mödlhammer haben Kleinschulen auch pädagogische Vorteile gegenüber größeren. "Es ist absolut nicht richtig, dass die Qualität in großen Schulen steigt, im Gegenteil. In der Masse werden Talente nicht erkannt und Schwächen nicht entdeckt." Heinisch-Hosek hatte gesagt, dass die Angebote an größeren Schulen zahlreicher seien als an kleineren.

Ausdünnung im ländlichen Raum

Mödhammer lehnt die Schließung von Kleinschulen auch deshalb ab, weil sie "eine Ausdünnung des ländlichen Raumes zulasten der Schüler und auch der Eltern" bedeute. "Die Schüler müssten wesentlich früher aufstehen und längere Wege in Kauf nehmen, man zerschlägt eine funktionierende Struktur."

Der Gemeindebundchef gibt aber zu, dass es auch bei Kleinschulen Sparmöglichkeiten gibt. "Gewisse Verwaltungsausgaben könnte man durchaus zusammenfassen. Es muss nicht jede Schule einen eigenen Direktor haben." Zwei Gemeinden könnten auch entscheiden, dass nicht beide eine Volks- und eine Hauptschule brauchen. "Man sollte hier den Gemeinden, also den Schulerhalten, mehr Autonomie geben. Das kann man auf Landesebene viel leichter machen als im fernen Wien."

Auch Niessl dagegen

Auch der burgenländische Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ) ist gegen Mindestgrößen für Schulen. Eine Mindestzahl von 300 Schülern im sekundären Bereich sei "überhaupt kein Thema", sagte er zur APA. Im Burgenland würden von 41 Neuen Mittelschulen nur fünf diese Voraussetzung erfüllen. "Das werde ich mit Sicherheit nicht akzeptieren." Im Burgenland gibt es die meisten Volksschulen mit nur einer Klasse (22 Prozent).

Er werde sich massiv dafür einsetzen, dass solche Vorschläge sicher nicht umgesetzt werden, betonte Niessl, der auch Mitglied der Bildungsreform-Arbeitsgruppe der Regierung bzw. der Länder ist. Diese zeigten, dass die Länder mehr Verantwortung in der Bildung bekommen sollten - dann würden solche Ideen gar nicht erst auf den Tisch kommen.

Der ländliche Raum müsse anders bewertet werden als der städtische. Das Burgenland nehme seine Verantwortung wahr und zahle jährlich circa 70 Lehrer, um die kleineren Schulen aufrechterhalten zu können. "Das kostet uns jedes Jahr in etwa 2,5 Millionen Euro, die wir sehr gerne investieren, um den ländlichen Raum zu stärken", sagt Niessl. Dafür habe man in der Verwaltung gespart und 20 Prozent der Posten im Landesschulrat abgebaut.

Tiroler Landesrätin: "Das ist Landessache"

Auch die Tiroler Bildungslandesrätin Beate Palfrader (ÖVP) sprach sich vehement gegen die Pläne der Bildungsministerin aus. "Pflichtschulen sind Landessache. Tirol wird sich nicht die Zahl der Schüler vorschreiben lassen", sagte die Landesrätin der APA. Man könne Wiener Verhältnisse nicht auf die topografische Situation des Bundeslandes übertragen. Dies gelte auch für die angedachte Mindestanzahl von rund 300 Schülern pro Schule in der Sekundarstufe. Diese würden derzeit nur drei NMS in Tirol erfüllen.

Die niederösterreichische Bildungslandesrätin Barbara Schwarz kritisiert den Vorschlag in einer Aussendung. "Diese wiennahe Bildungspolitik entspringt dem Zentralismus am Reißbrett, ohne Rücksicht auf die regionalen Gegebenheiten in Österreich und vergisst die Wichtigkeit von Kindern und SchülerInnen in kleinen Gemeinden", sagt sie. Die Aussagen der Unterrichtsministerin würden einmal mehr beweisen, dass Schulverwaltung in die Hände der Länder gehöre.

Die Bildungslandesrätin aus Oberösterreich, Doris Hummer (ÖVP) sprach sich erneut dafür aus, dass Wien alle Bildungsinhalte und -standards festlege und die Länder Fragen der Organisation, des Personals und des Schulbaues regeln sollten.

Unterstützung von Industriellenvereinigung

Unterstützung für die Festlegung einer österreichweiten Schul-Mindestgröße kommt unterdessen von der Industriellenvereinigung (IV). "Schule soll ein lebendiger Ort sein, an dem Bildung mit hoher Qualität stattfindet und es genügend pädagogisches Angebot gibt. Dafür bedarf es aus unserer Sicht auch einer kritischen Größe. Diese ist vor allem auch notwendig, um eine echte, moderne Schulautonomie in Österreich umzusetzen", sagt Generalsekretär Christoph Neumayer in einer Aussendung.

 

 

"Kronen Zeitung" vom 16.01.2015                            Seite: 6

Ressort: Politik

 

Bgld, Ktn, Wi Mitte, Wi Nord, Wi Süd, Wi West, N.Ö., O.Ö., Sbg, Stmk, Ti, Vbg, Wi, Morgen

 

Tests in Mathematik und Deutsch Bisher viele Pannen und noch mehr Fünfer

 

Neue Prüfung für Zentralmatura

 

Wien. - Rund 6600 Schüler in ganz Österreich absolvieren derzeit wieder Tests für die umstrittene Zentralmatura in den Fächern Mathematik und Deutsch. Die bisherigen Probeläufe verliefen nicht gerade erfolgreich - die jüngste Überprüfung endete mit 28 Prozent "Nicht genügend".

 

   Die bevorstehende Zentralmatura und deren bisherige Pannenserie bereiten vielen Schülern Kopfzerbrechen.

 

   Die Zentralmatura sorgt für große Unruhe in den heimischen Schulen. Beim jüngsten Mathematik-Test fielen vier von zehn Schülern durch, bei den MädchenDORIS VETTERMANN war der Fünfer sogar die häufigste Note. Die Angaben für die Schularbeit waren ganze 21 (!) Seiten lang.

 

   Lehrer-Vertreter rufen nun nach Förderkursen sowie nach zusätzlichen Wochenstunden in den Hauptgegenständen. Die Elternvertreter wiederum sehen die Pädagogen in der Pflicht, für ein besseres Abschneiden der Jugendlichen zu sorgen.

 

   Der vergangene Probelauf brachte auch sehr unterschiedliche Ergebnisse je nach Schultyp zutage. Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) ist nach wie vor von der Zentralmatura überzeugt. Getestet werde nun nicht der Leistungsstand der Schüler, sondern ob die Aufgaben gut funktionieren. Sollten die Auswertungen hinsichtlich Schwierigkeitsgrad oder Verständlichkeit ergeben, dass die Aufgaben überarbeitet werden müssen, so werden diese adaptiert, heißt es aus dem Ministerium.

 

   Noch bleibt etwas Zeit die Pannen bei der neuen, standardisierten Matura auszumerzen, in einem halben Jahr erfolgt der verpflichtende Start an den AHS.

 

 

"Kurier" vom 16.01.2015                                    Seite: 2

Ressort: Innenpolitik

 

Wi, Abend, Länder, Morgen

 

SPÖ gegen SPÖ

 

Niessl zu Heinisch: "Mit Sicherheit nicht"

 

Schule.Rote und schwarze Länder gegen Vorschlag der Ministerin, kleine Schulen zu schließen

 

   Das ist kein guter Start für die Gespräche zur Bildungsreform: Noch ehe es losgeht, gibt es einen SPÖ-internen Streit. Hintergrund ist, dass die rote Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek vorschlägt, Kleinschulen zu schließen. Diese würden unverhältnismäßig mehr Geld kosten, habe auch der Rechnungshof kritisiert; zudem gehe die Anzahl der Schüler aufgrund der demografischen Gegebenheiten kontinuierlich zurück. Konkrete Idee: Mittelschulen und AHS sollten zumindest 300 Schüler aufweisen. Wie ein Blick in die Statistik zeigt, gibt es derzeit in Österreich 1324 Schulen mit maximal 50 Schülern. Rund 320 Schulen davon haben sogar weniger als 20 Schüler. 48 Volksschulen haben sogar weniger als 10 Schüler.

 

   Ausgerechnet Heinischs Parteikollege Hans Niessel, Landeshauptmann des Burgenlands, ist sauer: Das Schließen kleiner Schulen sei "überhaupt kein Thema", er werde das "mit Sicherheit nicht akzeptieren", so Niessl. Er werde sich massiv dafür einsetzen, dass solche Vorschläge sicher nicht umgesetzt werden. Problematisch dabei ist, dass Niessl gemeinsam mit Heinisch-Hosek ab 22. Jänner für die SPÖ in der Arbeitsgruppe der Regierung zur Bildungsreform sitzt.

 

   Auch aus Tirol kam sofort eine Abfuhr: "Sie kennt die Schulstrukturen in den Ländern nicht. Wenn sie eine Schulgröße von mindestens 300 Schülern für die Neuen Mittelschulen vorschlägt, blieben in Tirol gerade noch drei Schulen übrig", gibt Landesrätin Beate Palfrader zu bedenken.

 

   Nur die Industriellenvereinigung lobte: Das sei ein "positiver Vorstoß in der Schulverwaltungsdiskussion", so IV-General Neumayer.

 

 

Wiener Zeitung – 16. Jänner 2015

 

Deradikalisierung

Wir müssen reden

 

 

 

 

 

 

 

Von Bettina Figl

 

·         Wissen, Anerkennung, Wertschätzung. Wie in der Schule der Fanatisierung von Jugendlichen vorgebeugt werden kann.

 

 

Wien. Junge Männer und Frauen, die in den "Heiligen Krieg" ziehen und bereit sind, als Märtyrer zu sterben. Jugendliche, die sich Pegida anschließen, um der "Islamisierung des Abendlandes" etwas entgegenzusetzen. Fußballfans, die unter dem Slogan "Hooligans gegen Salafisten" islamfeindliche Stimmung verbreiten und vor gewaltsamen Übergriffen nicht zurückschrecken. Und nicht zuletzt junge Muslime, die mit Morden und Geiselnahmen Paris in Angst und Schrecken versetzen.

Information

Schulinfo-Hotline: 08 10/20 52 20

www.schulpsychologie.at/kontakt

Der Verein www.erinnern.at bietet Lernmaterialien, eine e-Bibliothek, Zeitzeug/innen, Gedenktagen,...

Schulamt der islamischen Glaubensgemeinschaft: 01/523 36 45-23, baghajati@derislam.at

Das Netzwerk sozialer Zusammenhalt bietet Betreuung von Betroffenen und Familienmitgliedern, Workshops für Schulklassen, Fortbildung für Erwachsene etc.

ZARA bietet Gratis-Beratung zu Rassismus & Zivilcourage-Workshops: www.zara.or.at

Das "Politiklexikon für junge Leute" enthält Begriffsklärungen zu Antisemitismus, Ausländerfeindlichkeit, Fundamentalismus, Islamismus, Rassismus und Rechtsextremismus.

Unter www.politik-lernen.at/extremismus finden sich aktuelle Webtipps, Materialien, Literatur, Beratungsstellen, Veranstaltungen und Fortbildungsangebote.

Das Portal Politische Bildung stellt u. a. Informationen zu Rassismus und Vorurteilen, Terrorismus und Menschenrechten bereit:

"Dschihadistischer Extremismus": www.schulpsychologie.at/extremismus

Antisemitismus und Rassismus: www.erinnern.at

Das Projektteam "Team meX. Mit Zivilcourage gegen Extremismus" informiert junge Menschen umfassend über Rechtsextremismus.

Die Friedrich Ebert Stiftung bietet vielfältige Informationen zu Publikationen, Filmbeiträgen usw.

Die europaweite Kampagne "No Hate Speech Movement" richtet sich gegen alle Formen von Hassreden und Cybermobbing.

Das Österreichische Studienzentrum für Frieden und Konfliktlösung (ÖSFK) fördert  Friedenserziehung & Formen der Konfliktlösung.
www.aspr.ac.at & www.friedenswochen.at

Die Initiative "Globales Lernen" reflektiert nachhaltig globale Themen und Entwicklungsfragen.

Wenn Medien versuchen, diese unfassbaren Ereignisse zu erklären, stellen sie Heranwachsende mitunter als tickende Zeitbomben dar. Doch der Eindruck der zunehmenden Radikalisierung Jugendlicher sei falsch, sagt Andreas Peham vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands (DÖW): "Es ist empirisch gesichert, dass Jugendliche deutlich weniger rassistisch, antisemitisch und autoritär sind als Ältere." Peham arbeitet seit 20 Jahren im Rahmen der politischen Bildung präventiv an Schulen. Dort trifft er auf Jugendliche in der Adoleszenz. In dieser extrem verunsichernden Lebensphase erleben sie Entfremdung in vielerlei Hinsicht: Entfremdung vom Elternhaus, von der Kindheit, von sich selbst - und sie bekommen den gesamtgesellschaftlichen Diskurs zu Asyl und Fremdheit mit.

Mit diesen Widersprüchen werden sie oft allein gelassen, und es entstehen Wissenslücken, die durch Verschwörungstheorien gestopft werden. "Verschwörungstheorien sind das Einfallstor für alle Formen der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit, und die gibt es in allen Teilen der Gesellschaft", sagt Peham.

Wissenslücken an Schulen
Wie können also Fanatisierungstendenzen von Jugendlichen aufgehalten werden? Zu allererst müssen sie erkannt werden, doch an den Schulen gibt es große Wissenslücken. Zuletzt hat die Lehrergewerkschaft im Ö1-Radio kritisiert, dass es für Lehrer zu wenig Angebote der Fortbildung gibt. Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek hat entgegnet, dass es Angebote gibt, diese aber besser genutzt werden müssten.

Seit etwa einem Jahr verzeichnen die Fortbildungen des DÖW verstärkte Nachfrage von Lehrern und Jugendarbeitern. Lehrer sind vom Wiener Stadtschulrat angehalten, Verdachtsfälle von Dschihadismus zu melden. Peham warnt aber davor, Jugendliche unter Pauschalverdacht zu stellen ("Nur weil sich jemand einen Bart wachsen lässt oder plötzlich ein Kopftuch trägt, muss man nicht den Verfassungsschutz rufen"). Provokationen könne man auch einmal ins Leere laufen lassen. Wissenslücken seitens der Lehrerschaft führen zu Verunsicherung und dazu, dass die Jugendlichen sich nicht wertgeschätzt fühlen: Merkt ein muslimischer Jugendlicher, dass sein Gegenüber keine Ahnung vom Islam hat, fühlt er sich nicht anerkannt.

"Oft fällen Jugendliche unfassbare Entscheidungen, da es ihrem Empfinden nach keine Gerechtigkeit und Anerkennung zu geben scheint", sagt auch Agnieszka Czejkowska von der Karl-Franzens-Universität in Graz. Die Bildungswissenschafterin betont, Schule habe einen Erziehungsauftrag. Doch während Lehrern immer mehr abverlangt wird, wird dafür kein zusätzliches Geld in die Hand genommen: "Das Schlagwort der Stunde lautet ,Kostenneutralität'. Jeder in dem System weiß: Das kann sich nicht ausgehen."

Die Politik ist also gefragt. "Wir müssen mit allen Jugendlichen gemeinsam diskutieren, was eine Gesellschaft ausmacht, was verbindliche Werte sind und wo es auseinander gehen kann", sagt Harald Walser, Bildungssprecher der Grünen. "Die Radikalisierung ist ein Beleg dafür, dass wir in der Schule mit Jugendlichen dringend über Werte reden müssen."

Ewiger Schulversuch Ethik
Walser sieht sich nach den jüngsten Geschehnissen im Ruf nach einem Ethikunterricht für alle Schüler bestärkt. Derzeit wird dieser lediglich an rund 200 Schulen angeboten, alternativ für jene, die sich vom Religionsunterricht abmelden. An den meisten Schulen gibt es ihn nicht: Während ihre Kollegen Religionsunterricht haben, haben Schüler "o.B." (ohne Bekenntnis) eine Freistunde.

"Ethikunterricht schwächt fremdenfeindliche Stereotype ab, begünstigt Toleranz und reduziert Vorurteile", sagt Anton A. Bucher, Professor für Religionspädagogik an der Universität Salzburg. Ethik wird seit 1997 als Schulversuch geführt und wurde von Bucher evaluiert: "Man kann vom Ethikunterricht erwarten, entsprechende Tendenzen abzuschwächen."

Bei einer parlamentarischen Enquete vor bald vier Jahren waren sich Politiker und Experten aller Couleur darüber einig, dass es Ethik als Unterrichtsfach braucht, dennoch gibt es bis heute keine Einigung dazu. Die damalige Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ) hat Ethikunterricht für alle gefordert. Angesichts der derzeitigen Budgetlage dürfte dieses Ziel in weite Ferne gerückt sein, die häufig geforderte Aufstockung von Schulpsychologen oder Investitionen in die Lehrerausbildung werden nicht so bald erfüllt werden. So heißt es aus dem Bildungsministerium: "Wir setzen das Regierungsprogramm, das eine stärkere Betonung der politischen Bildung vorsieht, um. Dafür sind entsprechende Mittel reserviert. Zusätzliche Forderungen, die darüber hinausgehen, brauchen zusätzliche, darüber hinausgehende Mittel."

Die ÖVP hingegen will den Ethikunterricht als Ersatzfach für alle, die sich vom Religionsunterricht abmelden (was dem derzeitigen Schulversuchs-Modell entspricht). Der Theologe Bucher wiederum plädiert für einen gemeinsamen Ethik- und Religionsunterricht für alle: Modelle in der Schweiz hätten gezeigt, diese Begegnung mit anderen würde die eigene religiöse Identität stärken. Er sieht die Kirche als Verhindererin dieses Modells. Doch auch die ÖVP ist dagegen: Religion soll als eigenständiges Fach beibehalten werden, alles andere wäre "nicht klug", so ÖVP-Bildungssprecherin Brigitte Jank.

Dass Ethik seit 18 Jahren als Schulversuch geführt wird, bezeichnet Walser als "illegal" - doch Schulversuche haben hierzulande kein gesetzliches Ablaufdatum. "In Österreich ist nichts beständiger als ein Provisorium", sagt Karl Heinz Auer, der 14 Jahre lang den Ethiklehrgang am Pädagogischen Institut in Innsbruck geleitet hat.

"Man würde der Sache nichts Gutes tun, indem man sagt, Ethik- sei besser als Religionsunterricht. Er ist einfach anders, die Zielgruppe ist eine andere." Das Lehrziel sei Toleranz und Demokratie, egal welche Konfession gelehrt wird. Dennoch ist wohl nicht jeder Lehrer liberal eingestellt - es ist zu hören, manche würden im Unterricht Propaganda betreiben. Auer selbst wurde "auf den Boden der Realität geholt", als er an der Islamischen Schule in Wien unterrichtet hat und von einer Studentin gefragt, wurde ob in Österreich die Blutrache verboten sei.

Das Wiener Gymnasium Anton-Baumgartner-Straße im 23. Bezirk setzt seit 18 Jahren auf Ethik. "Das hat dem Religionsunterricht gut getan", sagt Direktor Dieter Braunstein. Das Verhältnis zwischen Religion und Ethik betrage 40 zu 60; welches Fach die Oberhand hat, ist im Schwanken begriffen. Dieses Gymnasium ist eine der wenigen Schulen, in der Ethik auch in der Unterstufe auf dem Stundenplan steht: Die 10- bis 12-Jährigen haben wöchentlich eine Doppelstunde "praktisches Philosophieren".

Hier wird über Familie, Freundschaft und Konfliktlösung gesprochen. "Was mich überrascht: Sehr viele muslimische Eltern melden ihre Kinder vom islamischen Religionsunterricht ab und für Philosophie an. Es ist zu beobachten, dass Muslime ihre Kinder verstärkt einem weltlichen Werteunterricht zuführen", so Braunstein. "Die Jugendlichen haben großes Interesse, andere Konfessionen kennenzulernen und Sozialtechniken aufzusaugen. Es geht um unverrückbare Prinzipien wie Menschenrechte, das ist die Basis des menschlichen Zusammenlebens."

Neben gut geschulten Lehrern sind aber auch Berater von außen gefragt, denn viele erleben Schule als autoritäre, Angst machende Institution, die nicht dazu geeignet ist, sensible Themen zu besprechen. Peham erklärt, wie man Jugendliche erreicht: indem man sich für sie und ihre Lebenswelt interessiert. Auf diesem Wege könne man selbst Neonazis das braune Gedankengut austreiben. Peham: "Ich weiß, wie sie ticken, ich kenne ihre Lieder. Dieses Wissen ist wichtig."

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen