Montag, 26. Januar 2015

2015.01.26: Newsletter Bildung

Morgenjournal, 26.1.2015

Anti-Extremismus-Plan an den Schulen

Regina Pöll

Experten betonen: An den Schulen muss sich etwas ändern im Kampf gegen Terror und Dschihadismus. Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) lädt diese heute zu einer Arbeitsgruppe zum Thema Extremismus ins Ministerium - für ein neues Maßnahmenpaket. Eckpfeiler wie etwa Präventions-Workshops und eine bessere Lehrerausbildung sind schon bekannt. Teilnehmer der Arbeitsgruppe sagen aber: Das kann nur der Anfang sein.

Was tun mit Jugendlichen, die sich für den Terrorismus begeistern? An den Schulen braucht es da auch Härte, meint Sebastian Kurz, als Minister für Integration zuständig. Lehrerinnen und Lehrer sollten mehr Rechte bekommen, Schüler zu bestrafen, sie etwa zu einem Dienst am Schulstandort verpflichten, so hat's Kurz am Wochenende formuliert. Und man sollte Lehrerinnen und Lehrer besser ausbilden. In dem Punkt ist er einig mit Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek. Sie startet heute eine Arbeitsgruppe zum Thema Extremismus. Bessere Ausbildung, Prävention, alles schön und gut, meinen Teilnehmer an der Gruppe: Ein paar Dinge sollte man aber sofort in Angriff nehmen.

Fehler in den Schulen

Noch passieren zu viele Fehler an den Schulen, wenn es darum geht, Schüler vor Dschihadismus zu schützen, das sagt Islamforscher Thomas Schmidinger von der Universität Wien. Wenn auffällige Schülerinnen nicht stärker betreut, sondern von der Schule gewiesen werden, dann leiste man den Dschihadisten Vorschub.

Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek von der SPÖ plant deshalb Pflicht-Lehrveranstaltungen zu Konflikt-Prävention oder Interreligiosität für alle künftigen Lehrer. Und freiwillige Fortbildungen für aktive Lehrer, so hieß es auch im "Kurier". Das reicht aber nicht, sagt dazu Schmidinger: Auch alle aktiven Lehrer und Direktoren sollten verpflichtend Kurse machen.

Mehr Sensibilität und Prävention fordert auch Dudu Kücükgöl vom Vorstand der Muslimischen Jugend Österreich, ebenfalls eine Teilnehmerin beim Expertentreffen - sie sieht noch viel Nachholbedarf. Eine Mutter hat erzählt, eine Lehrerin habe in der Klasse gefragt, wie viele Moslems es in der Klasse gebe, da haben zwei Burschen aufgezeigt. Die Lehrerin habe daraufhin gesagt: also zwei Islamisten haben wir also.

Aber nicht nur Lehrer seien gefordert, sagt Kücükgol. Hilfreich wären auch Workshops mit externen Experten, zu denen die Schüler leichter einen Dialog finden.

300 Workshops an Schulen soll es laut Unterrichtsministerium demnächst geben - zu Demokratie, Antidiskriminierung oder Interkulturalität. Abgehalten werden die Workshops von NGOs, die Kosten von 150.000 Euro will das Ministerium tragen. Auch ein neues Schulfach könnte einer Radikalisierung vorbeugen helfen, sagt Islamforscher Schmidinger: ein interkonfessioneller Religionsunterricht.

Ethikunterricht, wie zuletzt auch von der SPÖ wieder gefordert, sieht Schmidinger skeptisch: Das Grundwissen über die verschiedenen Religionen könnte zu kurz kommen.

 

"Kurier" vom 24.01.2015                                    Seite: 3

Ressort: Innenpolitik

 

Wi, Abend, Länder, Morgen

 

Präventions-Programm

 

Schulen sagen Extremismus den Kampf an

 

Initiative. SPÖ-Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek stellt Sofort-Programm vor

 

   An Österreichs Schulen soll dem Extremismus, egal welcher Art, stärker vorgebeugt werden: Das ist die Botschaft von Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ). Sie wird am Montag ein Programm dazu vorstellen, das dem KURIER schon vorliegt.

 

   Die Eckpunkte daraus:

 

   300 Workshops: Sie richten sich an Schülerinnen und Schüler und werden von NGOs veranstaltet, die das Know-how dafür haben. Normalerweise bezahlen die Schulen solche Workshops. Diese 300 Veranstaltungen bezahlt das Ministerium und verrechnet direkt mit den NGOs. Dafür werden 150.000 Euro aus dem Bildungsbudget umgeschichtet.

 

   Leitfaden: Was im Fall des Verdachtes von Radikalisierung zu tun ist, bekommen Schulleiter in einer Anleitung schriftlich. Zusätzlich gibt es für alle Leiter Schulungen.

 

   Schwerpunkt an Pädagogischen Hochschulen: Dort wird es verpflichtende Lehrveranstaltungen zum Thema geben (Konflikt-Prävention, Interkulturalität, Persönlichkeitsbildung, etc). Dazu kommt eine Kooperation mit dem Innenministerium: Rund 50 Präventionsbeamte werden den angehenden Lehrern De-Radikalisierungsschulungen anbieten.

 

   Maßnahmen, die schon seit Oktober 2014 laufen, werden gemeinsam mit dem Innen- und dem Familienministerium fortgesetzt. Dazu zählt eine Expertengruppe zu Extremismus-Deradikalisierung-Dschihadismus, laufende Informationen an Verantwortliche des Bildungssystems oder die gezielte Fortbildung für Pädagogen. Das Interesse der Lehrer daran ist laut Bildungsministerium sehr hoch: 2013 - das ist die jüngste verfügbare Erhebung - haben rund 13.230 Pädagogen an 685 Veranstaltungen zu Gewaltprävention und Umgang mit Konflikten teilgenommen.

 

   Dass das Ministerium die Kosten für die Schüler-Workshops übernimmt, dürfte den Schulen entgegenkommen. "Viele Schulen wollen etwas machen. Aber es fehlt ihnen dafür das Geld", sagt Bianca Schönberger von ZARA, einer NGO, die sich auf Prävention spezialisiert hat.

 

   Patricia Haller

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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