Mittwoch, 28. Januar 2015

2015.01.28: Bildung

APA0256 II, XI 28.01.2015 12:15:54

 

Schulversuche: Trachtenklasse, Ethik und Ballett-Realgymnasium

Utl.: Schulversuche zur verbalen Beurteilung seit 1966

Schule/Rechnungshof/Österreich/Hintergrund

An der Hälfte aller österreichischen Schulen finden in irgendeiner Form Schulversuche statt - überspitzt formuliert ist also eine Schule ohne Schulversuch fast schon ein eigener Schulversuch. Die Palette der bisher erprobten Versuche ist dabei breit und reicht von einer "Trachtenklasse" und einem Ballett-Realgymnasium bis zur Neuen Mittelschule und zur Zentralmatura.

Der Grund für die ausufernden Versuche ist nicht zuletzt die jahrzehntelange Blockade von ÖVP und SPÖ in Sachen Schule: Schulgesetze konnten bis vor wenigen Jahren nur mit Zwei-Drittel-Mehrheit im Nationalrat geändert werden und sind zudem oft sehr eng gefasst. Die Einrichtung von Integrationsklassen, Änderungen bei der Anzahl oder Dauer von Schularbeiten oder einfach nur der Unterricht von Französisch statt Latein in der dritten Klasse Gymnasium war jahrelang nur als Schulversuch möglich.

Noch heute bedarf es eines Schulversuchs, wenn Kinder in der ersten Klasse Volksschule anders als mit Noten beurteilt werden sollen (etwa verbal, mit Pensenbüchern oder Portfolios). Die verbale Beurteilung ist auch der wahrscheinlich älteste noch laufende Schulversuch: 2016 feiert er sein 50-Jahr-Jubiläum. Mitte der 1970er Jahre kamen dann weitere Formen der alternativen Beurteilung dazu. Seit den 1990er Jahren laufen Versuche zu bilingualen Volksschulen und Gymnasien, seit 17 Jahren zum Ethik-Unterricht für jene Schüler, die keinen Religionsunterricht besuchen, seit zwölf Jahren gibt es eLearning in Notebook-Klassen.

Schulversuche gibt es aber auch, um "spezielle Bedürfnisse von bestimmten Zielgruppen" abzudecken, wie es der Rechnungshof nennt: Seit 1980 gibt es schon den Versuch "Realgymnasium für SchülerInnen der Ballettschule der Wiener Staatsoper", am Liese-Prokop-Oberstufenrealgymnasium für Hochleistungssportler dauert etwa die Oberstufe fünf statt vier Jahre. Außerdem werden Schulversuche eingerichtet, um etwa bestimmte Maßnahmen wie Biologie-Schularbeiten oder Schularbeiten mit dem Laptop rechtlich abzusichern bzw. wegen der Nichteinigung mit Standesvertretern fehlende Prüfungsordnungen und Lehrpläne zu ersetzen.

Es gibt aber auch Beispiele für Schulversuche, die ins Regelschulwesen übernommen wurden: Prominenteste Beispiele sind etwa die Neue Mittelschule, die Zentralmatura an AHS, die zweite lebende Fremdsprache ab der 3. Klasse Gymnasium (statt Latein) oder die Einführung von Integrationsklassen. Nach 48 Jahren im Versuchsstadium schaffte es schließlich auch die "Trachtenklasse" am Annahof in Salzburg: Der Lehrgang für Trachtenschneiderei wurde 1993 ins Regelschulwesen übernommen.

(schluss) aku;nt;ham

OTS0115 II 28.01.2015 12:15:10

 

NEOS: Heutiger Rechnungshofbericht untermauert NEOS-Anträge im heutigen Unterrichtsausschuss

Utl.: Strolz: Regierung muss in Sachen Schulautonomie jetzt endlich Meter machen

Innenpolitik/NEOS/Bildung/Unterrichtsausschuss/Schulautonomie

"Die Regierung muss in Sachen Schulautonomie jetzt endlich konkret Meter machen. Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Die Ministerin, die SPÖ, die ÖVP - alle reden sie drüber. Heute haben sie die Möglichkeit, für nächste Schritte ihre konkrete Zusage zu geben", fordert NEOS-Bildungssprecher Matthias Strolz die Regierungsfraktionen auf, ihre Lippenbekenntnisse endlich in konkrete Verbesserungen für die Schülerinnen und Schüler zu wandeln. Der Unterrichtsausschuss wird heute drei NEOS-Anträge behandeln, die mehr Schulautonomie fordern. Der heute erschienene Rechnungshofbericht zum Thema Schulversuche untermauert die Gestaltungsvorschläge der NEOS. Der Rechnungshof kritisiert den Wildwuchs an Schulversuchen als Ersatz für fehlende oder zu starre rechtliche Bestimmungen und reklamiert mehr Gestaltungsfreiraum und -verantwortung für die Schulen vor Ort.

NEOS präsentiert dem Unterrichtsausschuss im Nationalrat heute folgende drei Initiativen für eine "Mündige Schule":

Die sechs Stunden Co-Teaching an den Neuen Mittelschulen sollen in ein frei verfügbares Qualitätsbudget umgewandelt werden, über das die Schulleitungen in Rücksprache mit dem Schulgemeinschaftsausschuss autonom entscheiden können. Der punktuelle Einsatz von Co-Teaching wir von NEOS weiter empfohlen. Die Schulen sollen jedoch eigenständig entscheiden, ob sie einen Teil des Budgets beispielsweise in Sprachförderung, Bewegungsprogramme, Lerncoaching oder andere Maßnahmen investieren wollen. "Die Schulen kennen den Bedarf vor Ort selbst am besten. Ich habe mit der Frau Bundesministerin diesen Vorschlag auch schon persönlich besprochen. Auch die ÖVP-Landesschulratspräsidenten sind dafür. Gehen wir es konkret an", so Matthias Strolz.

Die Bestellung der Schulleitungen soll professionalisiert und entpolitisiert werden. Schulleiter_innen bekleiden eine zentrale Führungsfunktion. Für gelebte Schulautonomie ist es erfolgskritisch, die Schulleitung als Führungsfunktion zu denken und zu leben. Dies bedingt für NEOS ein neues Professionsverständnis für die Funktion und Rolle der Schulleitung. Die Ausbildung der Schulleiter_innen soll umfassend neu gestaltet werden, um den Anforderungen dieser verantwortungsvollen Funktion gerecht zu werden. Strolz: "Auch diese Vorschlag habe ich mit den Bildungssprechern der anderen Fraktionen und mit der Ministerin mehrfach diskutiert. Es gibt immer Kopfnicken. Es wäre also unverständlich, wenn diese Initiative heute keine Mehrheit findet. Diese Art von Blockadepolitik wäre inakzeptabel, da sie eindeutig zu Lasten der Schülerinnen und Schüler, der Eltern und der Pädagoginnen und Pädagogen ginge."

Einführung der Mittleren Reife mit 15 Jahren: NEOS arbeiten an einem Schulsystem, das sich nach den Potenzialen, Bedürfnissen und Talenten der Schülerinnen und Schüler ausrichtet. Die Aufgabe der Politik ist es dabei, Qualitätsziele vorzugeben, welche die Schulen erreichen müssen. Mit der Mittleren Reife soll definiert werden, bei welchen Lernzielen Jugendliche mit 15 Jahren ankommen sollen. "Das ist ein konsequentes Weitergehen auf jenem Weg, den wir mit der Umsetzung von Bildungsstandards bereits beschritten haben. Und es ist für uns NEOS eine wichtige Vorleistung, um den Schulen zukünftig weitere pädagogische, finanzielle und personelle Autonomie zugestehen zu können. Mein Wunsch ist, dass die Bildungswende von unten wächst, von den Schulen ausgehend. Damit aktivieren wir die dynamischen, innovativen, positiven Kräfte im Schulsystem. Und das haben wir dringend notwendig. Die werden derzeit durch Bürokratie, Parteipolitik und eine Misstrauenskultur ganz systematisch zurückgedrängt und frustriert. Damit muss Schluss sein", so Strolz abschließend.

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