Montag, 9. Februar 2015

2015.02.10: Newsletter Bildung

Die Presse – 10. Februar 2015

 

 

Schüler fürchten "kleinliche" Benotung der Matura-Arbeit

Wenn die Vorwissenschaftliche Arbeit negativ benotet wird, kann die Präsentation daran auch nichts mehr ändern.

Bundesschulsprecher Lukas Faymann warnt vor einer "kleinlichen" Benotung der vorwissenschaftlichen Arbeiten (VWA) bei der neuen Matura. Die VWA ist eine 40.000 bis 60.000 Zeichen lange verpflichtende Hausarbeit und muss in der ersten Woche des zweiten Semesters der Maturaklasse abgegeben und später präsentiert und diskutiert werden.

Die Benotung setzt sich dabei aus der schriftlichen Arbeit selbst sowie deren Präsentation und Diskussion zusammen. Scheitert der Maturant aber schon beim schriftlichen Teil, kommt er gar nicht zum Präsentieren und Diskutieren. "Ich glaube, man darf da einfach nicht zu kleinlich sein", so Faymann im Ö1-"Morgenjournal".

Der Vorsitzende der AHS-Lehrergewerkschaft, Eckehard Quin, spricht sich für eine Lockerung des Benotungsrasters aus. Formal dürfe vor der Präsentation keine endgültige Note feststehen.

Laut der Informationsseite des Bildungsministeriums sind zwei Fälle zu unterscheiden: Sollte der Schüler fristgerecht gar keine VWA abgeben, kann er diese auch nicht präsentieren - und damit die Matura nicht an dem Termin absolvieren. Festgehalten wird aber auch, dass selbst Schüler, deren Arbeit negativ zu beurteilen wäre, jedenfalls zur Präsentation und Diskussion zugelassen werden müssen. "Ob KandidatInnen ihren Präsentationstermin auch bei erwarteter negativer Beurteilung wahrnehmen, bleibt ihre Entscheidung."

Zu lange Vorbereitungs-Schularbeiten

Von den Lehrern verlangt Faymann eine Einengung der oft zu umfangreichen Themenkomplexe bei der mündlichen Matura. Dabei wurden etwa in Geschichte von manchen Schulen Themen wie "Das Mittelalter" oder "Die Antike" vorgegeben - bei solchen großflächigen Bereichen sei eine Vorbereitung aber kaum möglich. Quin wiederum will vom Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) kürzere Aufgabenstellungen für die für Anfang März angesetzten Vorbereitungs-Klausuren für die Matura. Diese seien derzeit zu lang, um sie als Schularbeit zu geben - würden die Lehrer selbstständig etwas wegkürzen, könnten für die Matura wichtige Teile herausfallen.

 

 

Die Presse – 10. Februar 2015

 

 

Politik als Schwarzer-Peter-Spiel: Die Schule wird's schon richten

Integration, Pflege, Gesundheit: Wie man immer mehr gesellschaftliche Probleme in die Hände der Lehrerinnen und Lehrer schwindeln will.

 

Vergangene Woche wurde eine Studie des Sozialministeriums vorgestellt. Sie zeigt auf, wie viele Erwachsene von Kindern gepflegt werden. Nun ist schon die Tatsache, dass Zehn- oder Zwölfjährige regelmäßig für einen Elternteil sorgen müssen, traurig genug. Schockierend aber sind die Zahlen: Etwa 40.000 Kinder springen bei der Pflege von Angehörigen ein. Dem soll jetzt abgeholfen werden. Die Frage ist: Wo beginnen?

Als Erstes werde man, so ein Regierungsmitglied, Plakate an die Schulen verteilen. Ich halte diesen Schritt für gut. Denn an den Schulen gibt es, im Gegensatz zur Schwarzmalerei sogenannter Experten, Lehrerinnen und Lehrer, die nicht blind für die sozialen Probleme der Kinder sind. Sie werden für Informationen, wer Kindern helfen kann, dankbar sein.

Vielleicht hätten sich die Lehrerinnen und Lehrer aber gefreut, wenn sie schon früher mehr Wertschätzung erfahren hätten, und nicht erst dann, wenn gesellschaftliche Probleme aufbrechen. Jetzt also werden die Schulen nicht nur Skikurse und Theaterbesuche organisieren, Sexualaufklärung betreiben und Kindertränen trocknen, sondern auch Hinweise auf Pflegemöglichkeiten geben.

Schön wäre freilich, wenn sie dafür ein „Bitte“ und „Danke“ hörten und nicht das leise mitschwingende „Endlich“. Sie sollen politische Bildung für Jugendliche mit Migrationshintergrund verpflichtend machen – endlich, Integrationsbereitschaft bewirken – endlich, demokratische Werte vermitteln – endlich, Pflegestellen empfehlen – endlich. Als ob sie vorher die Daumen gedreht und nichts getan hätten.

In einem Interview hat der Leiter der Studie auf die positive Rolle der britischen Schulen beim Thema „Kinder und Pflege“ hingewiesen. Vielleicht hat er dabei einen Unterschied übersehen. Britische Eltern verlangen von den Schulen viel, aber sie respektieren deren Arbeit. Die britische Gesellschaft schätzt ihre Lehrerschaft. Ein Film wie „Frau Müller muss weg“, in dem empörte Eltern ultimativ die Entlassung einer Lehrerin verlangen, kommt aus Deutschland, nicht aus England. Er könnte auch aus Österreich sein – schließlich ist die Schilderung des Negativen das gefeierte Hauptthema des neuen österreichischen Kinos.

Um dieses Negative geht es: Seit Jahren kreist die österreichische Schuldiskussion um Systemfehler und pädagogische Versager. Ob diese in den Schulen häufiger als in anderen Berufszweigen anzutreffen sind, sei dahingestellt. Es gibt auch ärztliche Kunstfehler, schlechte Journalisten, Winkeladvokaten und übergriffige Polizisten. Dennoch wäre es närrisch, unsere Spitäler, Medien, den Rechtsstaat und die Sicherheitsbeamten zu verteufeln. Nur bei der Schule hoffen wir, durch negative Stereotype den Boden für Reformen aufzubereiten.

Nennen wir nur Lehrerinnen und Lehrer Pauker, Minderleister und Freizeitkönige, und schon wird die Schule besser. International weiß man, dass Dauervorwürfe der falsche Weg sind. „We've tried to kick the teachers in the ass to make the schools better“, hat das neulich eine amerikanische Erziehungswissenschaftlerin kritisiert. Wertschätzung – nein danke.

Nur dann, wenn die Verantwortlichen für Integration, Sicherheit und die Pflege ratlos sind, entsinnt man sich der Lehrerinnen und Lehrer. Dann schickt man ihnen Plakate.

Als Kinder haben wir vielleicht die Erzählung von den Schildbürgern und dem Pferd gelesen. Eines Tages bekommen die Schildbürger ein Pferd. Das Tier ist brav, arbeitsam und hübsch anzusehen. Nur eines stört an ihm: Es frisst Hafer. Die Schildbürger beschließen, ihm das abzugewöhnen. Sie geben dem Pferd jeden Tag einen Halm Hafer weniger, bis ihr Ziel erreicht ist: Das Pferd schaut zwar nicht mehr gesund aus und arbeitet nur mehr mit Mühe. Aber: Es ist des Fressens entwöhnt! Die Schildbürger feiern ein Freudenfest. Wie endet die Geschichte? Am nächsten Tag verschied das tückische Tier.

Wertschätzung ist das Nahrungsmittel der Schule. Sie benötigt mehr davon. Nur Schildbürger und Narren verweigern sie ihr.

Zum Autor:

Kurt Scholz war von 1992 bis 2001 Wiener Stadtschulratspräsident, danach bis 2008 Restitutionsbeauftragter der Stadt Wien. Seit Anfang 2011 ist er Vorsitzender des Österreichischen Zukunftsfonds.

 

 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 33 vom 10.02.2015               Seite: 1

Ressort: Seite 1

 

Österreich

 

Schüler und Lehrer zittern vor der Zentralmatura

 

   Elternvertreter ortet noch etliche „Unklarheiten“ und fordert die Lehrer auf, „jede Unterrichtsstunde“ zum Förderunterricht zu verwenden statt für neue Inhalte.

 

   wien. Für Tausende Schülerinnen und Schüler wird es in diesen Tagen ernst mit der Zentralmatura. Unmittelbar nach den Semesterferien müssen die angehenden Maturanten die aus bis zu 60.000 Zeichen bestehende vorwissenschaftliche Arbeit abgeben, die ein Teil der Zentralmatura ist. Die Maturaprüfungen beginnen Anfang Mai. Aber nur für jene, deren vorwissenschaftliche Arbeit positiv beurteilt wurde. Wer einen Fünfer erhielt, der kann erst frühestens im Oktober zur „Mündlichen“ antreten.

 

   Die Zentralmatura strapaziert nicht nur die Nerven der Schüler und Eltern, sondern auch der Pädagogen. AHS-Lehrergewerkschaftschef Eckehard Quin plädiert dafür, die vorwissenschaftliche Arbeit mit einem „lockeren Benotungsraster“ zu bewerten. Theodor Saverschel, der Vorsitzende des Bundesverbands der Elternvereine, appelliert an die Lehrer, „jede Unterrichtsstunde zum Förderunterricht zu verwenden“, statt neuen Stoff durchzunehmen. Er sprach hinsichtlich der Zentralmatura von einem „Machtspiel“ von Bildungsministerium und Lehrern, ausgetragen „auf dem Rücken der Schüler“. Der Elternvertreter ortet noch etliche Unklarheiten, etwa rund um die Benotung der vorwissenschaftlichen Arbeit. Der Mathematiker Werner Peschek von der Universität Klagenfurt will eine Höchstgrenze von 25 Prozent Fünfern in Mathematik. Seite 3

 

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"Salzburger Nachrichten" Nr. 33 vom 10.02.2015               Seite: 3

Ressort: Hintergrund/Seite 3

 

Österreich

 

Zentralmatura und alle zittern

 

   Für die rund 20.000 Maturanten an den Gymnasien wird es ernst. Sie müssen als ersten Teil der neuen Zentralmatura schon jetzt ihre vorwissenschaftlichen Arbeiten abgeben. Dabei haben Schüler, Lehrer und Eltern noch viele Fragen.

 

   ALexandra Parragh Wien. Die Nervosität steigt. In dreieinhalb Monaten beginnt die Zentralmatura. Schon bis Ende dieser Woche müssen die 8300 AHS-Maturanten in Wien und Niederösterreich ihre vorwissenschaftliche Arbeit (VWA) abgeben. Ihre Kollegen aus Salzburg, Tirol, Vorarlberg, dem Burgenland und Kärnten, deren Semesterferien erst begonnen haben, haben eine Woche länger Zeit. Für die Maturanten aus Oberösterreich und der Steiermark endet die Abgabefrist erst in knapp drei Wochen.

 

   Bundesschulsprecher Lukas Faymann hat seine Arbeit zum Thema „Meine Heimatgemeinde Horitschon im Zweiten Weltkrieg“ schon eingereicht. Der 17-jährige Maturant des Bundesrealgymnasiums Oberpullendorf ist zuversichtlich, dass die meisten Schüler so wie er „zeitgerecht fertig werden“. „Ich hoffe auch, dass die Lehrer bei der Benotung der vorwissenschaftlichen Arbeit nicht kleinlich sein werden“, sagt er.

 

   Diese Benotung bereitet Schülern, Lehrern und Eltern im Moment noch Sorgen. Jeder Teilbereich – die schriftliche Arbeit sowie die Präsentation vor und ihre Diskussion mit der Prüfungskommission – muss positiv absolviert werden. Wird die Arbeit mit einem Fünfer benotet, muss der Schüler sie jedenfalls neu schreiben. Ob er sie trotz negativer Note vor der Prüfungskommission präsentiert, bleibt jedem Kandidaten selbst überlassen, wie es dazu auf der Informationsseite www.ahs-vwa.at des Bildungsministeriums heißt.

 

    AHS-Lehrergewerkschaftschef Eckehard Quin verlangte deshalb im Radio am Montag einen lockeren Benotungsraster für die VWA. Bereits erfüllt wird seine Forderung nach kürzeren Aufgaben für die Probeklausuren im Rahmen der Zentralmatura. Nach der Mathematik-Probearbeit im Dezember finden Anfang März die letzten Probeschularbeiten in Englisch und Deutsch statt. Die Schüler haben genau 150 Minuten statt bis zu 300 Minuten Zeit dafür.

 

   Fragt man die Eltern, liegt ihnen nur eines am Herzen: dass die Lehrer die Schüler gut auf die neue Form der Matura vorbereiten. „Ich appelliere an die Lehrer, anstatt Stoff durchzunehmen, jede Unterrichtsstunde zum Förderunterricht zu verwenden“, sagt Theodor Saverschel, der Vorsitzende des Bundesverbands der Elternvereine. Er habe den Eindruck, dass nicht die Schüler, sondern die Lehrer besonders vor der Zentralmatura zitterten. „Ich glaube, dass hier ein Machtspiel zwischen dem Bildungsministerium als Arbeitgeber und den Lehrern als Arbeitnehmern ausgetragen wird, und zwar auf dem Rücken der Schüler“, sagt er. Er wisse von Lehrern, die sich bis zuletzt geweigert hätten, ihren Unterricht auf die Aufgabenstellungen der Zentralmatura umzustellen, sagt Elternvertreter Saverschel.

 

   Freilich ortet auch er einige Unklarheiten, etwa rund um die Benotung der vorwissenschaftlichen Arbeit. Oder hinsichtlich der Vorbereitungszeit für die mündliche Zentralmatura. Saverschel fragt sich, wie Schulen binnen zwei Tagen die Wiederholungsprüfungen organisieren sollen, falls viele Kandidaten bei der schriftlichen Matura durchfallen. Das Bildungsministerium hat dafür den 1. und 2. Juni als Kompensationstermine vorgesehen. „Ich hoffe, zwei Tage reichen, damit alle Betroffenen ihre Matura ausbessern können“, sagt Saverschel. Bei der Mathematik-Probematura im Dezember rasselten 28 Prozent der Schüler durch.

 

   Der Mathematiker Werner Peschek von der Uni Klagenfurt rechnet mit noch mehr Fünfern bei der Mathe-Zentralmatura am 11. Mai. „Die wirklich schlechten Schulen haben bei den Probeläufen nicht mitgemacht. Sie waren freiwillig“, betont Peschek, dessen Institut die Mathe-Zentralmatura entwickelt hat. Er plädiert dafür, eine befristete Höchstgrenze von 25 Prozent Fünfern in Mathematik einzuführen. Er fordert darüber hinaus einen einheitlichen, transparenten Beurteilungskatalog für Lehrer. Peschek: „Schulen mit schlechten Maturaergebnissen werden alles daransetzen, sie zu kaschieren. Sie werden die Schüler also milder beurteilen.“

 

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"Salzburger Nachrichten" Nr. 33 vom 10.02.2015               Seite: 3

Ressort: Hintergrund/Seite 3

 

Österreich

 

Daten & Fakten

Am 4. Mai startet die schriftliche Zentralmatura

 

   Bis eine Woche nach den Semesterferien muss die aus 40.000 bis 60.000 Zeichen bestehende vorwissenschaftliche Arbeit (VWA) abgegeben werden. Die Maturanten präsentieren sie vor Start der schriftlichen Zentralmatura vor einer Kommission. Wird sie negativ beurteilt, muss der Schüler sie noch einmal schreiben. Er kann erst zum Wiederholungstermin Mitte September bzw. im Jänner antreten.

 

   Die schriftliche Zentralmatura geht am 4. Mai mit Russisch und am 5. Mai mit Deutsch los. Tags darauf, am 6. Mai, ist Englisch dran, dann Spanisch (7.) und Französisch (8.). Am 11. Mai findet die gefürchtete Zentralmatura in Mathematik statt. Am 12. Mai ist schriftliche Zentralmatura in Italienisch und am 13. Mai in Latein und Griechisch. Das Neue daran: Alle Maturanten schreiben am selben Tag dieselbe Klausur. Die Aufgaben werden zentral vom Bundesinstitut für Bildungsforschung gestellt. Am 1. und 2. Juni sind Kompensationstermine. Wer schriftlich in einem Maturafach durchfällt, hat da die Chance, sich den Fünfer auszubessern. Das ist nicht mehr so wie früher im Rahmen der mündlichen Matura möglich. Schriftlich und mündlich wird getrennt maturiert. Ab dem 3. Juni startet die mündliche, teilzentrale Matura. Die Termine werden vom jeweiligen Landesschulrat festgesetzt. Im Gegensatz zu früher ist es nicht mehr der Klassenlehrer, der die Fragen stellt, sondern alle Fachlehrer an einer Schule gemeinsam. Es gibt einen „Themenpool“ aus mindestens drei, maximal 24 Themen. Der Maturant zieht zwei davon und entscheidet sich für eines, das er beantwortet.

 

 

Wiener Zeitung – 10. Februar 2015

 

Zentralmatura

Schüler sorgen sich um neue Maturaform

 

 

 

 

 

 

 

 

·         Warnung vor "zu kleinlicher Beurteilung".

 

unter Schülern und Lehrern sorgt eine Empfehlung aus dem Bildungsministerium zur Benotung der vorwissenschaftlichen Arbeiten (VWA) im Rahmen der neuen Matura. Die VWA ist eine 40.000 bis 60.000 Zeichen lange Arbeit, die zu Beginn des letzten Semesters abgegeben und später präsentiert und diskutiert werden muss, wobei auch dieser mündliche Teil in die Benotung einfließt.

Laut Empfehlung aus dem Ministerium soll aber eine negative Benotung auch dann erfolgen, wenn nur einer der drei Teile - Arbeit, Präsentation, Diskussion - negativ ist. "Ich glaube, man darf da nicht zu kleinlich sein", sagt Bundesschulsprecher Lukas Faymann im Ö1-"Morgenjournal".

Auch der Vorsitzende der AHS-Lehrergewerkschaft, Eckehard Quin, spricht sich für eine Lockerung des Benotungsrasters aus. Formal dürfe vor der Präsentation keine endgültige Note feststehen. Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek verweist darauf, dass Lehrer freie Hand bei der Beurteilung hätten.

 

 

Wiener Zeitung – 10. Februar 2015

 

 

Lehrerausbildung neu

"Ich hätte mir mehr Mut gewünscht"

 

 

 

 

 

 

 

Von Bettina Figl

 

·         Bei der Lehrerausbildung sollen PHs und Unis kooperieren. Die unterschiedlichen Kulturen der Institutionen erschweren es.

 

 

Damit die "Lehrerausbildung neu" flächendeckend und wortident an den Pädagogischen Hochschule (PH) und den Universitäten angeboten werden kann, müssen die Lehrpläne adaptiert werden. Agnieszka Czejkowska, Professorin an der Uni Graz, war Teil jener Arbeitsgruppe, die vergangene Woche ihre Arbeit an dem neuen Curriculum beendet hat. In der Steiermark, Kärnten und dem Burgenland soll die gemeinsame Ausbildung für alle Lehrer 2015/2016 starten.

"Wiener Zeitung": Im Vorjahr haben Sie den neuen Lehrplan für angehende Lehrer im Süd-Ost-Verbund (Steiermark, Kärnten, Burgenland) mitentwickelt, der sich nun in Begutachtung befindet. Wie sieht das neue Curriculum aus?

Agnieszka Czejkowska: Wir haben ein Curriculum entwickelt, das wir an den PHs und Unis gemeinsam anbieten werden. Studierende können sich dann aussuchen, welche Inhalte sie beispielsweise an der Uni Graz, der PH Burgenland, der PH Kärnten oder der Uni Klagenfurt studieren. Natürlich wird das von der Realität eingeholt werden, aus rein praktischen Gründen. Wenn ich in der Region nur eine Ausbildungsstätte habe, werde ich wahrscheinlich eher an jenen Ort ziehen, an dem das Angebot an Universitäten und PHs größer ist.

Was waren die Schwierigkeiten bei der Einigung auf ein Curriculum?

Problematisch war, dass die Unis und PHs dazu angehalten sind zu kooperieren, aber kaum jemand hat sich vorher überlegt, wie das organisatorisch zu schaffen ist. Viele Gesetze mussten geändert werden, oft haben Hochschulgesetze dem Universitätsgesetz widersprochen und umgekehrt. Politische Entscheidungen wurden auf die Institutionen abgewälzt. Dass der Süd-Ost-Verbund als Paradebeispiel gilt, hat mit dem Engagement der involvierten Personen, vor allem den Rektorinnen und Rektoren zu tun. Das war bemerkenswert.

Sind Unis und PHs wirklich zwei so verschiedene Welten?

Das hängt vom Standort ab, die Uni Graz, die PH Steiermark und die KPH (kirchliche Pädagogischen Hochschule der Diözese Graz-Seckau) haben immer schon sehr gut kooperiert. In Wien sind das so verschiedene Kulturen, da war Zusammenarbeit bisher kaum möglich. Aber auch im Süd-Ost-Verbund mussten wir Kompromisse eingehen. Die Auffassungen darüber, wie Fächer aussehen und was Lehrerausbildung können soll, sind sehr unterschiedlich.

Es heißt, die Lehrerausbildung an der Uni sei theoretisch und jene an den PHs praktisch. Warum verwehren Sie sich dieser Diskussion?

Ich würde mir wünschen, dass diese Diskussion endlich beendet wird. Die PHs bieten nachweislich mehr Praxis, besonders zu Beginn des Studiums. Die universitäre Ausbildung sieht das eher am Schluss vor und beträgt ein Jahr. Unterschiede gibt es sicherlich im institutionellen Selbstverständnis. Die PHs sind dem ministeriellen Einfluss sicher viel stärker ausgesetzt. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Autonomie den Unis bei aller Kritik daran auch viele Freiheiten gebracht hat. Da tun wir uns leichter.

Was muss bis Ende des Jahres noch geklärt werden?

Das neue Lehramtsstudium hat viele neue Inhalte und Schwerpunkte, etwa inklusive Pädagogik oder Diversitätsmanagement in den Klassen. Die Frage ist, wer diese Inhalte unterrichten und wer die neuen Ausbildner ausbilden wird? Nach wie vor sind organisatorische Fragen offen. Die Idee der Zusammenarbeit von Institutionen, die völlig unterschiedlich organisiert sind und eine andere Tradition haben, ohne die Rahmenbedingungen zu klären, ist eine Zumutung. Es hieß nur: PHs und Unis sollen zusammenarbeiten. Ich hätte mir mehr Mut gewünscht. Man kann darüber streiten, ob die PHs in die Unis eingegliedert hätten werden sollen. Aber was bringt es, wenn man auf schulischer Ebene eine Angleichung sucht, aber beide Institutionen bestehen bleiben und verschiedenen Ministerien unterstellt sind?

Wie lange können sich Studierenden zwischen neuem und altem Studienplan entscheiden?

Die Übergangsfristen stehen noch nicht fest. Aber es wird Übergangsphasen geben. Noch zu klären ist, wie das Inskriptionsprozedere verwaltet wird. Und das meine ich: Auf dem Papier ist alles eine nette Idee, aber wir bemerken in der Umsetzung, dass die Administration die Vorherrschaft übernimmt. Inhalte werden immer mehr daran ausgerichtet, was organisatorisch möglich ist. Durch die Kooperation mit den PHs wird das mehr, denn diese sind sehr bürokratisch aufgestellt.

Ist aus der Diskussion um die Curricula auch etwas Positives entstanden?

Wir haben viel über Bestehendes gesprochen, die unterschiedlichen Zugangsweisen kennengelernt, wir waren angehalten, einander in unseren institutionellen Zugängen zu verstehen. Daraus sind mitunter neue Kooperationen entstanden, aber sicherlich auch Distanzierungen.

Werden Unis und PHs in Hinblick auf Studierende künftig voneinander lernen?

Schwierig zu sagen. PHs servicieren die Studierenden stark. Ich beobachte das mit Erstaunen und Sorge. Studierende sollten eine Wahl- und Entscheidungsmöglichkeit haben. Wir können und sollen ihnen nicht alles vorgeben. Es sind Erwachsene, die bereits sehr früh Verantwortung für Kinder übernehmen. Ich habe schon den Eindruck, dass an den Unis Studierende eher zur Autonomie angehalten werden und weniger hierarchiehörig sind. Manchmal werden sie freilich auch allein gelassen, das hat aber mitunter etwas mit der Unterfinanzierung und dem Massenbetrieb der Unis zu tun. So betrachtet werden auch Lehrende in Stich gelassen.

Und wie ist es um die Autonomie an den Schulen selbst bestellt?

Schule ist immer noch sehr hierarchisch strukturiert. Viel Entscheidung und Verantwortung liegt bei einer Person. Dennoch sehe ich durchaus positive Entwicklungen, denn es ist eine feudale Vorstellung, dass eine Person in einem so komplexen Umfeld alles überblickt und entscheidet. Allerdings fehlt mir hier auch völlig das Verständnis für die katastrophale Budgetlage: Will man Strukturen ändern, kann man nicht ständig Mittel kürzen.

Information

Agnieszka Czejkowska ist Professorin für LehrerInnenbildung und Schulforschung an der Uni Graz und Hochschulrätin an der PH Burgenland.


Sie hat 2012 das Institut für Pädagogische Professionalisierung begründet. Sie entwickelt Lehrkonzepte für die universitäre Ausbildung
und Evaluationsforschungsangebote für Schulen.

 

 

Österreich – 10. Februar 2015

 

Schulmieten: Heinisch kriegt Zinsen geschenkt

Um Lehrergehälter zahlen zu können, bat Ministerin um Aufschiebung von Mietzahlungen.

Jetzt ist es fix: Um mit den Zahlungen der Lehrergehälter nicht in Rückstand zu kommen, bat Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek die Bundesimmobiliengesellschaft um eine Stundung der Mieten. Knapp 100 Millionen Euro – die eigentlich im Dezember fällig gewesen wären – verschieben sich dadurch in das neue Budgetjahr.

Keine Zinsen
Die gute Nachricht für Heinisch-Hosek: Zinsen werden für die aufgeschobenen Mietzahlungen keine fällig – das gab das Bildungsministerium jetzt in einer parlamentarischen Anfragebeantwortung bekannt.

Woher die im März 2016 fälligen 100 Mio. letztlich kommen sollen, soll nun im Zuge der Bildungsreformgruppe geklärt werden.

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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