Mittwoch, 25. Februar 2015

2015.02.26: Newsletter Bildung

Die Presse – 26. Februar 2015

 

 

Nationalrat: Mehr Turnstunden an Ganztagsschulen beschlossen

Die Schulnovelle wurde mit den Stimmen der FPÖ beschlossen. Beworben wird die Maßnahme als "tägliche Bewegungseinheit" an Ganztagsschulen.

Die "tägliche Turnstunde" ist es zwar nicht, aber die Zahl der Bewegungseinheiten steigt, zumindest an Ganztageschulen. Das sieht eine Schulnovelle vor, die am Mittwochabend gegen die Stimmen der FPÖ vom Nationalrat beschlossen wurde.

Beworben wird die Maßnahme als "tägliche Bewegungseinheit" an Ganztagsschulen, wobei auch dieser Terminus nicht ganz der Realität entsprechen muss. Denn im Gesetz ist nur davon die Rede, dass die fünf vorgesehenen Turn-Einheiten "nach Möglichkeit gleichmäßig auf die Woche zu verteilen sind". Theoretisch können die Stunden damit auch an einzelnen Tagen geblockt angeboten werden.

FP-Bildungssprecher Walter Rosenkranz begründete die Ablehnung seiner Fraktion damit, dass die "tägliche Bewegungseinheit" nur in den Ganztagsschulen komme und damit in dem Bereich, wo es der SPÖ ideologisch passe. Auch Team Stronach-Bildungssprecher Robert Lugar ärgerte sich, dass es sich bei der eingeschränkten Form der Turnstunde nur um ein Placebo handle. Freilich gestand selbst NEOS-Chef Matthias Strolz ein, dass die tägliche Turnstunde aus praktischen Gründen wohl tatsächlich noch nicht an allen Schulen durchsetzbar sei.

Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) meinte, dass immerhin 20 Prozent der Schüler durch die heutige Novelle in den Genuss einer verpflichtenden Bewegungseinheit kämen. VP-Bildungssprecherin Brigitte Jank gestand zwar zu, dass es sich nur um ein "Mosaiksteinchen" der Bildungsreform, aber doch um einen Schritt in die richtige Richtung handle.

Die Grünen stimmten der Novelle zwar zu, sonst passt ihnen an der Bildungspolitik der Unterrichtsministerin aber wenig. Speziell die neuerlichen Probleme bei der Zentralmatura beim Hochladen der vorwissenschaftlichen Arbeiten ließ Bildungssprecher Harald Walser befinden, dass das Maß des Erträglichen überschritten sei. Das Projekt drohe tatsächlich zu scheitern. Die Grünen brachten daher einen Misstrauensantrag gegen die Ministerin ein, der aber zunächst zur weiteren Behandlung dem zuständigen Ausschuss zugewiesen und damit am Mittwoch nicht abgestimmt wurde.

Heinisch-Hosek war bemüht zu kalmieren und versicherte, dass sich für die Schüler die Probleme mit der vorwissenschaftlichen Arbeit schnell gelöst hätte. Die Ministerin appellierte daher, den Maturanten gemeinsam Sicherheit zu geben statt Verunsicherung zu schüren.

 

 

"Die Presse" vom 26.02.2015                                Seite: 4

Ressort: Inland

 

Österreich, Abend, Österreich, Morgen

 

Deutsch lernen: Mehr Geld und mehr Daten

 

   Künftig wird erhoben, was Sprachförderung bringt.

 

   Wien. Für die kommenden drei Jahre gibt es deutlich mehr Geld für die Sprachförderung im Kindergarten - und das, obwohl die Länder weniger Geld beisteuern müssen als bisher: Vom Bund gibt es nun 60 Millionen Euro. Die Länder - die zuletzt immer gleich viel in die Hand nehmen mussten - müssen sich mit 30 Millionen Euro beteiligen.

 

   Das Ziel der Aufstockung ist laut Integrationsminister Sebastian Kurz (ÖVP): die drei- bis sechsjährigen Kinder so zu fördern, dass sie zum Schulstart ausreichend Deutsch können.

 

   Neu ist neben dem zusätzlichen Geld - mit dem die Stadt Wien etwa künftig doppelt so viele Sprachförderassistenten in die Kindergärten schicken will -, dass genauer darauf geschaut wird, was die Sprachförderung bringt. So sollen die Kinder zukünftig zwei Mal getestet werden: einmal, um zu erheben, ob sie Extra-Förderung brauchen. Und dann noch einmal, um den Fortschritt zu beurteilen. Dabei ebenfalls erhoben wird die Muttersprache der Kinder.

 

   Im Intergrationsressort hofft man auch darauf, dass mit dem Geld bei allen Kindern die sogenannte Sprachstandsfeststellung durchgeführt wird. Bisher war das in 3700 der 4700 Kindergärten der Fall. (red.)

 

 

"Der Standard" vom 26.02.2015                                Seite: 8

Ressort: Inland

 

Bundesland, Bundesland Abend

 

90 Millionen Euro für Sprachförderung

 

   Bund und Länder haben eine neue Vereinbarung zur sprachlichen Frühförderung in Kindergärten beschlossen. Der Integrationsminister ist zufrieden, Experten sind es weniger – das Geld werde falsch eingesetzt.

 

   Wien – Seit Sommer des Vorjahres wurde verhandelt, jetzt steht die Vereinbarung: Bund und Länder haben sich auf einen neuen 15a-Vertrag zur sprachlichen Frühförderung in Kinderbetreuungseinrichtungen geeinigt.

 

   90 Millionen Euro werden für die kommenden drei Jahre bereitgestellt – das Gros kommt vom Bund. Ziel ist die sprachliche Frühförderung von Kindern zwischen drei und sechs Jahren, damit diese für den Schuleintritt gut vorbereitet sind. Finanziert werden Sprachstandsfeststellungen, Förderprogramme und die Ausbildung der Pädagoginnen.

 

   Anders als bei der bisherigen Vereinbarung müssen die Länder nicht nach dem Schlüssel 50:50 kofinanzieren. Für die Länder mache diese Einigung den Ausbau der Sprachförderung um einiges leichter, hieß es dazu im Büro des Wiener Stadtrats Christian Oxonitsch. Der Bund deckt die Mehrkosten (60 Millionen) durch eine Umschichtung ab. Die zusätzlichen Gelder kommen aus dem Topf für den Ausbau der Kinderbetreuung. Dafür waren ursprünglich 350 Millionen Euro angekündigt. Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP) gab 45 Millionen aber an ihren Regierungskollegen Kurz ab, der die Frühförderung ausverhandelt hatte. Der zeigt sich dementsprechend begeistert. „Jeder Euro, den wir in die frühe Förderung investieren, rechnet sich später vielfach", glaubt Kurz.

 

   Im Alltag lernen

 

   Experten sehen das anders. „Dieses Reduzieren auf die Sprachförderung ist uns ein Dorn im Auge", sagt Heidemarie Lex-Nalis von der Elementarpädagogikplattform Educare. Kinder in diesem Alter würden Sprache „im Alltag" erlernen – und nicht in Kursen. Skeptisch blickt Lex-Nalis auch auf den derzeitigen Personalstand in Kindergärten. „Das ist vielerorts schlecht bis gar nicht umsetzbar", sagt sie.

 

   Auch anderenorts hält sich die Begeisterung in Grenzen. „Natürlich ist es schön, wenn es mehr Mittel für die Kinderbetreuungseinrichtungen gibt. Die Frage ist nur, ob das Geld nicht anders eingesetzt werden könnte", sagt Marlene Erlacher von der St.-Nikolaus-Stiftung der Erzdiözese Wien, die an 82 Standorten rund 6000 Kinder betreut. Ihr Vorschlag: „Würde man die Gruppengröße reduzieren oder mehr Pädagoginnen bereitstellen, wäre es das beste Investment für die Qualität der Bildungseinrichtung Kindergarten." Der sprachliche Bereich sei auch nicht der einzige, „der eine bessere Förderung verdient. Nehmen Sie etwa die Motorik."

 

   Am Betreuungsschlüssel – derzeit stehen eine Pädagogin und eine Betreuerin bis zu 25 Kindern in einer „normalen" Gruppe gegenüber – will auch Sprachwissenschafter Rudolf de Cillia drehen. Denn hier könne „sprachliche Förderung nicht gut funktionieren. Daher sollte der Betreuungsschlüssel gesenkt werden." Entscheidend sei, wie diese Gelder eingesetzt werden: „Sinnvoll wäre es, mehr Mitarbeiter mit anderen Erstsprachen als Deutsch anzustellen. Oder auch Personen, die besonders in der integrativen sprachlichen Bildung qualifiziert sind." Was er sich auch wünschen würde, ist eine „gesamtösterreichische Regelung. Die Zuständigkeit der Länder in der Kindergartenpädagogik ist nicht günstig." Dann wären auch 15a-Vereinbarung obsolet. (APA, pm)

 

 

"Kleine Zeitung" vom 26.02.2015                              Seite: 4

Ressort: Politik

 

Steiermark

 

Die sechs Kommunikationsfehler der Schule

 

Zwischen sinnlosen Ideologiedebatten und plumpen Verallgemeinerungen: woran die Schulpolitik krankt. Der Politologe Filzmaier analysiert.

 

   Alle reden über Schule. Doch irgendetwas läuft schief. Sehr sogar. Momentan sind es Ängste und Hoppalas bei der Zentralmatura, die Zweifel am österreichischen Schulwesen schüren. In Wahrheit ist die Geschichte länger: PISA-Studie & Co als Endlosdebatte, was alles schlecht sei, lassen grüßen.

 

   Weil wir in einer Mediendemokratie Probleme personalisieren, wird in der Öffentlichkeit seit Jahrzehnten die jeweilige Unterrichtsministerin als Dolm dargestellt. Dieses ungerechte Schicksal erlitten gleichermaßen Elisabeth Gehrer, Claudia Schmied und Gabriele Heinisch-Hosek. Erstere wurde als „Strickliesl" verunglimpft, die Letztgenannte im Internet mit widerlichsten Beschimpfungen unter der Gürtellinie und Morddrohungen konfrontiert.

 

   Wer nicht die Erregung als solche erregend findet, sollte deshalb schulpolitische Themen besonders ruhig und sachlich diskutieren. Viel wäre erreicht, wenn alle Beteiligten banale Kommunikationsfehler und politisch-mediale Fallen vermeiden.

 

   1. Das Spiel mit Emotionen. Österreich hat 1.142.726 Schüler. Diese haben naturgemäß rund 2,3 Millionen Eltern. Hinzu kommt das Doppelte an Omas und Opas, die sich um die Zukunft der Enkelkinder sorgen. Wer kinderlos ist, war einmal in der Schule und weiß sowieso alles besser. Rund 70 Prozent der Österreicher bezeichneten Bildungs- und Schulpolitik als von ihnen diskutiertes Thema.

 

   Weil Millionen betroffen sind, geraten Parteien und Medien in Versuchung: Es ist verlockend, schulische Themen in Wählerstimmen und Reichweiten oder Quoten umzurechnen und sie entsprechend populistisch aufzubereiten.

 

   2. Schlechte statt guter Nachrichten. Am Ende eines Schuljahres wird daher meistens über jene gesprochen, die einen „Fünfer" haben. 95 bis 97 Prozent der Schüler, die erfolgreich waren, sind fast kein Thema. Wen wundert es, dass da das Wort „Nicht genügend" hängen bleibt?

 

   Gerade die (Zentral-)Matura ist Teil einer sensationellen Erfolgsgeschichte. 1980 hatte in einzelnen Bundesländern fast die Hälfte der Erwachsenen lediglich die Pflichtschule besucht.

 

   Heute maturieren bis zu zwei Drittel und mehr. Statt darauf hinzuweisen, wird lustvoll das misslungene Hochladen der Maturaarbeiten zelebriert und dass es zu viele Stunden, zu wenig Geld und immer mehr Belastungen gibt.

 

   3. Schuldzuweisungen als Volkssport. Am traurigen Höhepunkt der Bildungsstudie PISA über geringe Kenntnisse und Fähigkeiten der 15-Jährigen ging es allein darum, wer schuld ist. Je nach Standpunkt Schuld hatten SPÖ, ÖVP und FPÖ. Oder die Schüler, Lehrer beziehungsweise Eltern. Die Ewiggestrigen und die Jugend von heute auch.

 

   Alles und jeder bis hin zu Gameboy und ORF-Sportreportern waren schuldig. Vielleicht auch ÖAAB und ÖAMTC, FSG und FIFA, FPK und FKK, NSDAP und NGO oder USA und UNO. Am Niveau, jenseits von Lösungsideen vorzugsweise Schuldige zu finden, hat sich wenig geändert.

 

   So entsteht kein Gesprächsklima, in dem aus Fehlern gelernt und Veränderung in die Wege geleitet wird. Alle sind gezwungen, den populären Sport der Schuldzuweisung mitzumachen. Sowohl für Politiker als auch für Lehrer ist das Risiko groß, ansonsten in den Medien als für alles Verantwortlicher übrig zu bleiben.

 

   4. Ideologiestreit und verkrustete Strukturen. Nicht unterschätzen darf man zwei weitere Gründe, Standpunkte einzubetonieren. Einerseits geht es beim Schulunterricht um ideologische Grundsätze. Gesamtschule oder nicht, das ist für SPÖ und ÖVP eine Weltanschauung. Dasselbe gilt, ob die Beseitigung von ungleichen Bildungschancen (SPÖ) oder die Leistungsförderung und -motivation (ÖVP) im Mittelpunkt steht. Jedwedes Einlenken wird als Abkehr von der Gesinnungsgemeinschaft interpretiert. Folgerichtig sind die Kompromisschancen gering.

 

   Reformen lösen zudem Sorgen aus, danach schlechtergestellt zu sein als vorher. Das verfestigt bestehende Strukturen sowie vereint Lehrer und Eltern. Die einen wollen dienstrechtlich keine Nachteile, die anderen nicht Experimente auf dem Rücken der Sprösslinge. Für ängstliche Menschen ist es das kleinere Übel, wenn alles beim Alten bleibt. Ministerinnen können nur machen, was der kleinste gemeinsame Nenner ist. Der Strukturkonservativismus überlebt alle Politiker und Parteien im Unterrichtsressort.

 

   5. Negativität und Naivität. Lehrer – gemeint sind primär Lehrergewerkschafter – betonen außerdem zu sehr die Schattenseiten ihres Berufs. Sie leiden unter Zwischenrufen von allen Seiten, sich scheinbar von Gott und der Welt verkannt fühlend. Oft zu Recht.

 

   Trotzdem ist es falsch, umgekehrt mit Weltfremdheit zu reagieren – selbst wenn Interessenvertreter für die Anliegen der Berufsgruppe kämpfen, würde mehr Verständnis nicht schaden, was wie in der breiten Öffentlichkeit ankommt.

 

   Wer unterrichtet, leistet gute und wichtige Arbeit, ist ordentlich zu bezahlen und hat zumutbare Arbeitsbedingungen vorzufinden. Dennoch verstehen eine Verkäuferin oder ein Bauarbeiter manche Beschwerden der Lehrer nicht. Ja, es ist dumm, schul- und unterrichtsfreie Zeit oder Ferien und Urlaub gleichzusetzen. Gibt es solche Unterstellungen dennoch, schimpfen Lehrer auf „die bösen anderen". Ein Teil der Lehrerschaft sollte hier sein Kommunikationsverhalten überdenken.

 

   Die öffentliche Meinung rottet sich nicht zusammen, um Gemeinheiten gegen Lehrer auszuhecken. Man müsste einfach statt der Negativität das Schöne am Beruf und die tollen Leistungen schlauer erklären als bisher. Es ist naiv zu glauben, dass Zeitungsleser sich für die Zahl der Schreibtische im Lehrerzimmer, mühsame Verwaltungsaufgaben oder Details des Gehaltsschemas interessieren. Wehklagen darüber verhindert eine Positivkommunikation, was alles für die Schüler getan wird.

 

   6. Verallgemeinerung statt Differenzierung. Von den 125.011 Lehrern unterrichtet übrigens die mit Abstand größte Zahl in Volksschulen, wo das Lehrerimage am besten ist. Dahinter kommen Hauptschulen, und an berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) – Handelsakademien, HTLs und dergleichen – sind es knapp mehr als an „Gymnasien". Doch werden Medieninhalte und Image von allgemeinbildenden höheren Schulen (AHS) und AHS-Lehrern geprägt.

 

   Damit verzichten Schulen ungewollt auf Tausende Einzelgeschichten aus ihrem Alltag, die sehr speziell, total spannend und erfreulich wären. Die Kommunikationsempfehlungen für die Schule lassen sich simpel zusammenfassen: Erzählt jeden Tag, was Gutes gemacht wird. Es gibt mehr als genug davon.

 

   Peter Filzmaier ist Professor für Politikwissenschaft an den Universitäten Krems und Graz

 

 

"Kleine Zeitung" vom 26.02.2015                              Seite: 6

Ressort: Politik

 

Steiermark

 

Staat verdreifacht Mittel für Sprachförderung von Kindern

 

Bund und Länder wenden 90 Millionen Euro für den Ausbau der Sprachförderung von Kleinkindern auf.

 

   WIEN.Unter dem Eindruck der jüngsten Ereignisse rückt die Integrationspolitik immer stärker in den Fokus der Regierung. Bund und Länder haben sich jetzt auf eine substanzielle Ausweitung der Mittel für die sprachliche Frühförderung in Kinderbetreuungseinrichtungen verständigt, verlautet aus dem Büro von Integrationsminister Sebastian Kurz.

 

   2012 bis 2015 flossen zehn Millionen Euro im Jahr in die Sprachförderung von Kindern zwischen drei und sechs Jahren, in den kommenden drei Jahren sollen es je 30 Millionen sein, wobei der Bund zwei Drittel der Kosten übernimmt. Bisher haben sich Bund und Länder die Kosten zur Hälfte geteilt.

 

   Konkret sollen damit die Sprachstandfeststellungen, die Förderkurse und die Ausbildung der Lehrer finanziert werden – auf Basis einer genaueren Datenerhebung. Darüber hinaus sollen die Länder jährliche Sprachförderkonzepte vorlegen. Bisher wurden in 3700 (von 4700) Kindergärten Sprachstandfeststellungen durchgeführt. 2012 wurde bei 21.700 Kindern ein Förderbedarf festgestellt. Von den 60 Millionen an Bundesmitteln bekommt Kärnten 3,3 Millionen (bisher 800.000) und die Steiermark 6,5 Millionen (bisher 1,6).

 

 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 47 vom 26.02.2015               Seite: 2

Ressort: Innenpolitik

 

Österreich

 

Deutlich mehr Geld fürsprachliche Frühförderung

 

   Wien. Für die sprachliche Frühförderung im Kindergarten sollen in Zukunft deutlich mehr Mittel als bisher zur Verfügung stehen. Eine entsprechende Einigung zwischen Bund und Ländern gab Integrationsminister Sebastian Kurz am Mittwoch bekannt. Insgesamt sollen ab kommendem Jahr 90 Millionen statt der bisher 30 Millionen Euro jährlich fließen. 60 der Millionen kommen vom Bund, 30 von den Ländern. Diesen bleibt also die zunächst angepeilte 50:50-Finanzierung erspart.

 

   Ziel ist es, Kinder – insbesondere jene mit nicht deutscher Muttersprache – so weit zu fördern, dass sie beim Eintritt in die Volksschule Deutsch „möglichst gut beherrschen". Bisher gebe der Staat zwar viel Geld aus für Arbeitslosenverwaltung und Coachings. „Aber viel zu wenig für Frühförderung", sagte Kurz. Dabei würde sich jeder Euro, der hier investiert werde, später „vielfach rechnen".

 

   Die Zahl der Kinder mit Sprachförderbedarf ist im Steigen begriffen. 2012 wurde ein solcher Bedarf bei 21.700 Kindergartenkindern festgestellt, 2013 bereits bei 22.800. In den Kindergärten sollen zwei Tests pro Jahr durchgeführt werden.

 

   Der Bund machte die zusätzlichen Mittel locker, indem Gelder aus dem Topf für den Ausbau der Kinderbetreuung angezapft wurden. Familienministerin Sophie Karmasin gab 45 Millionen aus diesem Topf frei. Für das Bundesland Salzburg fließen in Zukunft 3,572 Millionen Euro statt, wie bisher, 899.900 Euro.a. k.

 

 

"Österreich" vom 26.02.2015                                   Seite 8

Ressort: Politik

 

Wien, Niederösterreich, Burgenland

 

Länder und Bund wollen damit die Integration verbessern

 

90 Millionen Euro für Sprachförderung

 

Bis 2018 wird mehr Geld für zusätzliche Deutschkurse in Schulen aufgebracht.

 

Wien. 90 Millionen Euro bekommen die Länder bis 2018, um die Sprachförderung auszubauen. Darauf haben sich die Länder und Integrationsminister Sebastian Kurz (ÖVP) geeinigt. Beide Seiten bringen die Hälfte des Betrages auf.

 

Das Ziel ist, durch mehr Kurse in Schulen und Kindergärten Schüler mit mangelnden Sprachkenntnissen die Möglichkeit zu geben, ihre Mängel auszubessern.

 

 

"Tiroler Tageszeitung" Nr. 57 vom 26.02.2015                Seite: 12

Ressort: Nachrichten4 + JP

 

 

Jedes vierte Kind braucht Förderung

 

Bund und Länder geben ab Herbst mehr für die Deutsch-Förderung im Kindergarten aus.

 

   Wien - Die Sprachstandsfeststellungen in den Kindergärten und Kindergruppen bestätigen den Bedarf der Deutsch-Förderung: In den vergangenen Jahren wurden jeweils mehr als 80.000 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren auf ihre Deutschkenntnisse getestet. Bei jedem vierten Kind ergab der Test den Bedarf nach Sprachförderung. Bund und Bundesländer haben nun vereinbart, ab dem kommenden Kindergartenjahr die Mittel für die sprachliche Frühförderung zu erhöhen, auf insgesamt 90 Millionen Euro für die Jahre bis 2018.

 

   Ziel der Sprachförderung ist, dass alle Kinder beim Schuleintritt ausreichend Deutsch können. In erster Linie sollen damit Kinder mit nicht deutscher Muttersprache erreicht werden, wie Bildungslandesrätin Beate Palfrader und Integrationsminister Sebastian Kurz (ÖVP) gestern bestätigten. Statistiken, wie viele der Kinder mit Förderbedarf tatsächlich Migrationshintergrund haben, seien bisher aber nicht geführt worden, wurde der TT gestern im Integrationsministerium beschieden.

 

   Insgesamt wurden nach Auskunft aus dem Integrationsministerium bisher in 3700 von österreichweit 4700 Kindergärten Sprachstandsfeststellungen und anschließende Förderungen durchgeführt. Dafür standen bisher zehn Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung, für die Bund und Länder je zur Hälfte aufgekommen sind. Künftig sind es 30 Mio. Euro pro Jahr, die zu zwei Drittel vom Bund kommen. Minister Kurz hat dieses Geld allerdings nicht zusätzlich aufgestellt, sondern konnte auf einen Topf von Familienministerin Sophie Karmasin zugreifen, in dem 350 Mio. Euro für den Ausbau der Kinderbetreuung reserviert sind.

 

   Tirol bekommt vom Bund für Sprachstandsfeststellungen und -förderungen fünf Mio. Euro, weitere 2,5 Mio. Euro steuert das Land selbst bei, berichtete Palfrader. Aktuell seien in 450 Tiroler Kindergärten speziell ausgebildete Sprachpädagoginnen im Einsatz. (sabl)

 

 

"Heute" vom 26.02.2015                                        Seite 4

Ressort: Politik

 

Heute Hauptausgabe, Heute Oberösterreich

 

Fortschritte werden genauer überprüft

 

90 Mio. Euro: Sprachliche Frühförderung verdreifacht

 

Bund und Länder haben sich auf eine neue 15a-Vereinbarung über die sprachliche Frühförderung geeinigt. Statt zuletzt 30 gibt es für die nächsten drei Jahre 90 Mio. Euro. Auch soll es eine bessere Datenerhebung und zwei Testungen pro Jahr geben.

 

 

ORF – 26. Februar 2015

 

NR: „Tägliche Bewegung" an Ganztagsschulen

Die „tägliche Turnstunde" ist es zwar nicht, aber die Zahl der Bewegungseinheiten steigt, zumindest an Ganztageschulen. Das sieht eine Schulnovelle vor, die gestern Abend gegen die Stimmen der FPÖ vom Nationalrat beschlossen wurde. Beworben wird die Maßnahme als „tägliche Bewegungseinheit" an Ganztagsschulen, wobei auch dieser Terminus nicht ganz der Realität entsprechen muss.

Denn im Gesetz ist nur davon die Rede, dass die fünf vorgesehenen Turneinheiten „nach Möglichkeit gleichmäßig auf die Woche zu verteilen sind". Theoretisch können die Stunden damit auch an einzelnen Tagen geblockt angeboten werden.

Kritik an „Placebo"

FPÖ-Bildungssprecher Walter Rosenkranz begründete die Ablehnung seiner Fraktion damit, dass die „tägliche Bewegungseinheit" nur in den Ganztagsschulen komme und damit in dem Bereich, wo es der SPÖ ideologisch passe.

Auch Team-Stronach-Bildungssprecher Robert Lugar ärgerte sich, dass es sich bei der eingeschränkten Form der Turnstunde nur um ein Placebo handle. Freilich gestand selbst NEOS-Chef Matthias Strolz ein, dass die tägliche Turnstunde aus praktischen Gründen wohl tatsächlich noch nicht an allen Schulen durchsetzbar sei.

„Mosaiksteinchen" der Bildungsreform

Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) sagte, dass immerhin 20 Prozent der Schüler durch die neue Novelle in den Genuss einer verpflichtenden Bewegungseinheit kämen. ÖVP-Bildungssprecherin Brigitte Jank gestand zwar zu, dass es sich nur um ein „Mosaiksteinchen" der Bildungsreform, aber doch um einen Schritt in die richtige Richtung handle.

Misstrauensantrag gegen Heinisch-Hosek

Die Grünen stimmten der Novelle zwar zu, sonst passt ihnen an der Bildungspolitik der Unterrichtsministerin aber wenig. Speziell die neuerlichen Probleme bei der Zentralmatura beim Hochladen der vorwissenschaftlichen Arbeiten ließ Bildungssprecher Harald Walser befinden, dass das Maß des Erträglichen überschritten sei. Das Projekt drohe tatsächlich zu scheitern.

Die Grünen brachten daher einen Misstrauensantrag gegen die Ministerin ein, der aber zunächst zur weiteren Behandlung dem zuständigen Ausschuss zugewiesen und damit nicht abgestimmt wurde. Heinisch-Hosek war bemüht zu beruhigen und versicherte, dass sich für die Schüler die Probleme mit der vorwissenschaftlichen Arbeit schnell gelöst hätten.

 

Morgenjournal, 26.2.2015

Zentralmatura bleibt Diskussionsstoff

Aus dem Parlament,

Monika Feldner-Zimmermann

Die Zentralmatura liegt vielen Eltern und Schülern, die heuer den Test bestehen müssen, schwer im Magen - vielen Lehrern auch: sie müssen die Pannen der Vorbereitung ausbaden. Unterrichtsministerin Heinisch-Hosek (SPÖ) hat gestern Abend im Parlament zur Zusammenarbeit aufgerufen. Zur Rede gestellt wurde sie, als auf der Tagesordnung der Nationalratssitzung die tägliche Turnstunde, die nun in den Ganztagesschulen eingeführt wird, gestanden ist.

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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