Montag, 9. Februar 2015

Bildungs-Newsletter 9. Februar 2015

OTS0023 II 07.02.2015 13:30:32

 

ÖSTERREICH: Heinisch-Hosek fordert Schelling zu Verhandlungen über Bildungs-Budget auf

Utl.: Bildungsministerin in ÖSTERREICH am SONNTAG: "Millionen für Bildung sind ein Klacks gegen die 290 Millionen im Sicherheitsbereich"

 

Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) fordert im großen ÖSTERREICH am SONNTAG-Interview mehr Geld für ihr Ressort und ruft Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) zu Verhandlungen auf. Erster Punkt: Zusätzliches "Unterstützungspersonal" an den Schulen. "Hier geht es um 100 Personen mehr. Das ist wohl das Mindeste. Das sind fünf bis sechs Millionen Euro mehr. Diese Millionen für Bildung sind ein Klacks gegen die 290 Millionen im Sicherheitsbereich. Das muss drinnen sein!", so Heinisch-Hosek. Weiteres Thema: Politische Bildung als Pflichtfach. "Wir wollen doch alle mehr politische Bildung. Mein Ressort ist aber nicht ausreichend dotiert, um die zusätzlichen 100 Millionen aufzubringen. Ich denke doch, dass dem Finanzminister Bildung ein Herzensanliegen ist. Noch haben wir keinen gemeinsamen Termin finden können, aber ich hoffe, darüber mit dem Finanzminister bald reden zu können."

 

Und drittens will Heinisch-Hosek das zweite verpflichtende Gratis-Kindergartenjahr durch nicht abgeholte Steuererleichterungen fixieren. "Daraus kann man das leicht finanzieren. Es ist hoch an der Zeit, das endlich zu verhandeln", erklärt die Bildungsministerin.

 

Rückfragehinweis: ÖSTERREICH, Chefredaktion Tel.: (01) 588 11 / 1010  mailto:redaktion@oe24.at

 

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"Kurier" vom 09.02.2015                                   Seite: 20

 

Düstere Stimmung am Arbeitsmarkt

Laut Prognose soll Österreichs Wirtschaft 2015 um 0,8 Prozent wachsen. Eine Entspannung am Arbeitsmarkt ist nicht in Sicht.

 

   Investitionsunlust Auch wenn sich Herr Mitterlehner und Herr Hundstorfer auf den Kopf stellen: Kein Unternehmer, der halbwegs bei Sinnen ist, nimmt einen Kredit zur Investition in neue Maschinen oder Anlagen auf, nur weil gerade die Zinsen im Keller sind. Unternehmer investieren, wenn sie Umsatzpotenziale und Marktchancen sehen und die sind derzeit in Europa nicht in Sicht. Robert Pescha per eMail

 

   Statistik Die Statistik, die uns präsentiert wird entspricht bei Weitem nicht der ganzen Wahrheit, sind doch Menschen, deren AMS-Bezug gesperrt wurde und jene, die sich im Krankenstand befinden, nicht berücksichtigt. Ergo dessen vertuschen Herr Hundstorfer und Dr. Kopf (AMS) die richtige Zahl der Arbeitsuchenden. Brigitte Eichinger1170 Wien

 

   Zwei Kennzahlen Wenn sich unsere Regierung mit den Themen Arbeitslosigkeit (Arbeitsmarktöffnung wie ein Scheunentor) und unkontrollierte Massenzuwanderung (Grenzöffnungen wie ein Scheunentor) weiterhin so schnell bewegt, wie sie es in der Vergangenheit getan hat, und noch immer tut, dürfen wir Österreicher uns noch im heurigen Jahr 2015 auf ein freudiges Doppel-Jubiläum von 500.000 Arbeitslosen und einer Asylquote von 200 Prozent einstellen.

 

   Für die in Schulung befindlichen Arbeitslosen und illegalen Zuwanderern wird es sicher ein eigenes Fest am Rathausplatz geben. Hermann Sulzbacher4880 St. Georgen im Attergau

 

   Ungleichbehandlung AMS-Chef Johannes Kopf behauptete im Ö1-"Mittagsjournal" vom 2. Februar, das AMS sei bestrebt, Fördergelder gleichmäßig zu verteilen. Verschwiegen hat er allerdings die Bevorzugung von Frauen bei der Vergabe der AMS-Mittel für "aktive Arbeitsmarktpolitik", zum Beispiel Lohnzuzahlungen an Arbeitgeber. Die Forderung von Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek, die Hälfte dieser Mittel für die zahlenmäßig weit weniger betroffenen Frauen zu reservieren, wird beispielsweise in der Steiermark mit 51,3 Prozent übererfüllt. So nimmt es kein Wunder, dass die Arbeitslosigkeit bei Männern beständig weit über der von Frauen liegt. Laut Schreiben der Volksanwaltschaft vom 15. Jänner wird die Ungleichbehandlung damit begründet, dass Männer im Schnitt ein höheres Arbeitslosengeld erhalten. Dies hilft ihnen aber in keiner Weise, sich wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Übrigens soll das Gesamtbudget für aktive Arbeitsmarktpolitik von 1,14 Milliarden Euro im Jahr 2015 auf 879 Millionen Euro im Jahr 2017 gekürzt werden, womit ein weiteres Steigen der Arbeitslosenrate vorprogrammiert ist. Viktor Pölzl8010 Graz

 

   Diskussion um Abdullah-Zentrum Wo bleibt der Dialog? Die Haltung der Regierungspartei ÖVP zu diesem bedauerlichen Fall ist zu verstehen.

 

   Schließlich wurde der rote Teppich zur Errichtung des Abdullah-Zentrums in November 2012 vom Ex-ÖVP Außenminister Michael Spindelegger ausgelegt. Ein Widerruf wäre gegen die Parteilinie.

 

   Ein Dialogzentrum, das seine Funktion nicht erfüllt bzw. nicht erfüllen will, ist zwecklos. Man könnte es auch als Vertragsbruch betrachten und aus diesem Grund sollte man das Zentrum kündigen und nach Saudi-Arabien verlegen. Doch Saudi-Arabien bleibt unbeirrt erzkonservativ, ein Land wo Menschenrechte, Religionsfreiheit, Meinungsfreiheit und Frauen verachtet werden. Nur die Schwachen drohen mit Erpressungen, anstelle mit Fakten zu agieren.

 

   Es ist ebenso sehr bedauerlich, dass sogar in Österreich andersdenkenden Menschen gleich als "ausländerfeindlich" abgestempelt werden. Eine Ohrfeige für die demokratische Meinungsfreiheit in diesem Land. Ilona Priceper eMail


 

OTS0020 II, CI 08.02.2015 12:05:00

 

Yilmaz/Grossmann: 2. verpflichtendes Kindergartenjahr ist wichtig für Verbesserung der Sprachkenntnisse

Utl.: Mehr Politische Bildung würde viel zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beitragen

 

SPÖ-Integrationssprecherin Nurten Yilmaz und SPÖ-Bildungssprecherin Elisabeth Grossmann unterstützen die Initiative von Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek, das zweite verpflichtende Kindergartenjahr umzusetzen und Politische Bildung als Pflichtfach einzuführen. "Die Frühförderung und das spielerische Erlernen der deutschen Sprache bereits im Kindergarten sind wichtige Voraussetzungen für einen erfolgreichen Schulstart und Integration", sagte Grossmann am Sonntag gegenüber dem SPÖ-Pressedienst. Yilmaz betonte, dass ein Pflichtfach Politische Bildung viel dazu beitragen würde, Grundprinzipien einer demokratischen, freien Gesellschaft noch besser in den Schulen zu vermitteln.****

 

Die Einführung eines zweiten verpflichtenden Kindergartenjahres würde die sprachliche und kulturelle Vielfalt stärken, sagte Yilmaz: "Mehrsprachigkeit trägt nicht nur zu schulischem und beruflichem Erfolg bei. Es geht hier neben dem Wirtschaftsstandort Österreich auch um einen kulturellen Schatz, der die Vielfältigkeit unsere Gesellschaft ausdrückt." Die SPÖ-Integrationssprecherin regt daher "gemeinsame Anstrengungen auf allen pädagogischen Ebenen" an, um die Sozial- und Kommunikationskompetenzen zu stärken. Neben dem zweiten verpflichtenden Kindegartenjahr auch bessere Rahmenbedingungen in Kindergärten und Schulen und zusätzliche mehrsprachige PädagogInnen.

 

Ein Pflichtfach Politische Bildung ist für Yilmaz auch eine "hervorragende Möglichkeit, brisante Themen wie Terror, Gewalt, Vorurteile, Hass und Herabwürdigungen zu behandeln. In einer demokratischen, freien Gesellschaft darf es dafür keinen Platz geben". Das sieht auch Grossmann so, die in dem Zusammenhang das Maßnahmenpaket der Bildungsministerin gegen Extremismus begrüßt. "Die Workshops, Fort- und Weiterbildungen für LehrerInnen in Sachen Prävention, Integration und Anti-Rassismus sind rückhaltlos begrüßenswert", sagte Grossmann.(Schluss) up

 

Rückfragehinweis:  SPÖ-Bundesorganisation, Pressedienst, Löwelstraße 18, 1014 Wien,    Tel.: 01/53427-275  http://www.spoe.at/online/page.php?P=100493

 

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OTS0038 II 08.02.2015 16:41:18

 

LH Niessl: "Zweites verpflichtendes Kindergartenjahr muss umgesetzt werden"

Utl.: Investitionen in den Bildungsbereich sind jetzt erforderlich

 

Burgenlands Landeshauptmann Hans Niessl unterstützt Bildungsministerin Heinisch-Hosek in ihrer Forderung nach mehr Geld für den österreichischen Bildungssektor. "Ein gut funktionierender Bildungsbereich ist das Fundament für eine erfolgreiche Entwicklung Österreichs. Hierfür müssen ausreichend budgetäre Mittel zur Verfügung gestellt werden. Ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr, die Einführung eines neuen Unterrichtsfaches Demokratiebildung (Politische Bildung, Ethik und Demokratiekunde) und die Ausbildungspflicht bis 18 sind umgehend umzusetzen", betont Niessl. ****

 

Der ÖVP-Finanzminister Schelling sei nun gefordert die unbedingt notwendigen zusätzlichen finanziellen Mittel für den Bildungsbereich bereitzustellen. Zudem betont LH Hans Niessl, dass ein gut funktionierender Bildungsbereich essentiell für eine gute Integrationspolitik in Österreich sei. "Ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr und die Einführung des Unterrichtsfaches Demokratiebildung werden sich sehr positiv für die Zukunft Österreichs auswirken. Um Integrationspolitik in Österreich noch effizienter gestalten zu können, ist der zuständige ÖVP-Minister Kurz gefordert den österreichischen Integrationsfonds unbürokratischer und zielgerichteter aufzustellen", so der burgenländische Landeshauptmann. (Schluss) mo

 

Rückfragehinweis:  SPÖ-Bundesorganisation, Pressedienst, Löwelstraße 18, 1014 Wien    01/53427-275   http://www.spoe.at/impressum

 

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OTS0026 II 07.02.2015 16:05:02

 

LH Kaiser ja zu: Politischer Bildung, 2. Kindergartenjahr und täglicher Turnstunde

Utl.: Finanzminister Schelling muss Steuergelder nach Prioritäten verteilen. Bildungssystem braucht mehr finanzielle Mittel.

 

Österreich braucht einen Bildungsturbo. "Es ist genug der Worte, jetzt müssen Taten gesetzt werden", unterstützt Kärntens Landeshauptmann und Bildungsreferent Peter Kaiser Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek in ihrer Forderung nach mehr Geld für den österreichischen Bildungssektor. Heinisch-Hoschek wie Kaiser setzen sich nachdrücklich für die Einführung eines verpflichtenden Unterrichtsfaches Politische Bildung ein.

 

"Jugendliche sind mit 16 Jahren wahlberechtigt, da ist es nicht nur sinnvoll, sondern auch die Pflicht, sie im Rahmen des Schulunterrichtes über Politik und ihre Abläufe zu informieren", so Kaiser, der darauf verweist, dass das Interesse der Jugendlichen an der Politik groß ist. "Bereits im Jahr 2013 haben sich in Kärnten 34 Organisatoren, dem ‚Bündnis für mehr Politische Bildung‘, für den Ausbau der Politischen Bildung in Schulen, bei Lehrerinnen- und Lehrerausbildung und in der Jugendarbeit ausgesprochen" ruft der Landeshauptmann in Erinnerung.

 

Neben dem Unterrichtsfach Politische Bildung heißt es schon im Vorschulalter anzusetzen. Dafür untermauert Kaiser einmal mehr die Forderung nach einem verpflichtenden zweiten Kindergartenjahr. Auch die rasche Umsetzung der täglichen Turnstunde, im Sinne der Gesundheit der Schülerinnen und Schüler ist Kaiser ein Anliegen. "Wer tägliche Bewegung in der Schule nicht vermittelt bekommt, wird zum Sportmuffel erzogen. Bewegungsarmut in der Kindheit schlägt sich nachweislich negativ auf die Gesundheit aus", warnt Kaiser vor den Folgen. Er fordert daher Finanzminister Hans Jörg Schelling auf: "Prioritäten in der Verteilung der Steuergelder zu setzen und einen erheblichen Anteil in die Bildung zu investieren."

 

Rückfragehinweis:  SPÖ Kärnten, Klagenfurt  

 

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"Kronen Zeitung" vom 09.02.2015                           Seite: 18

 

Kindergarten-Debatte Für ein zweites verpflichtendes...

 

   Kindergarten-Debatte Für ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr spricht sich die SP Burgenland aus. Er sei gegen "staatlich verordneten Zwang" verkündet indes VP-Klubobmann Rudolf Strommer.

 

   Achtung, Wildwechsel! Nach schweren Unfällen mit Wildtieren mahnt der ÖAMTC zur Vorsicht. Vor allem morgens und abends ist die Wahrscheinlichkeit, dass Rehe & Co. die Fahrbahn queren, hoch. Von Ausweichmanövern wird abgeraten.

 

   Rückkehr in Jobwelt Neue Perspektiven werden Arbeitslosen mit dem Projekt "Cora" im BFI Jennersdorf aufgezeigt. "Mehr als 50 Prozent der Teilnehmer haben dadurch bislang einen Job gefunden", so AMS-Regionalleiter Harald Braun.

 

   A 3: Drei Unfallopfer Drei Verletzte gab es nach einem Unfall auf der A 3. Auch ein Streufahrzeug war in die Massenkarambolage verwickelt.

 


 

OTS0035 II 08.02.2015 14:33:11

 

AKS: Mehr Geld für Bildung - JETZT!

Utl.: Projekte wie Politische Bildung und Schulpsycholog_innen müssen dringend umgesetzt werden!

 

Bildungsministerin Heinisch-Hosek fordert das Finanzministerium auf, mehr Geld zur Verfügung zu stellen, um dringend notwendige Projekte umzusetzen. "Das Pflichtfach Politische Bildung ist ein längst überfälliger Schritt, genauso wie mehr Unterstützungspersonal, besonders in Form von Schulpsycholog_innen!", unterstützt Christina Götschhofer, Vorsitzende der Aktion Kritischer Schüler_innen (AKS), die Forderung nach einem größeren Budget für Bildung.

 

Die AKS pocht bereits seit Jahren auf ausreichende psychologische Betreuung von Schüler_innen, die in der Schule einem enormen Leistungsdruck ausgesetzt sind. Zuletzt wurde im Rahmen der Kampagne "gegenDruck" dazu ein offener Brief mit über 700 Unterschriften der Bildungsministerin übergeben. Auch die Umsetzung des Pflichtfachs Politische Bildung gehört zu den essentiellen Forderungen der Schüler_innenorganisation. "Schüler_innen müssen ermutigt werden, an demokratischen Prozessen teilzunehmen und gesellschaftliche Vorgänge zu verstehen und kritisch zu hinterfragen! Um einen Rechtsruck innerhalb der Gesellschaft und eine sinkende Wahlbeteiligung zu vermeiden, müssen wir in der Schule ansetzen und Aufklärung und Mündigkeit der Schüler_innen ermöglichen.", fordert Götschhofer.

 

Rückfragehinweis:  Christina Götschhofer  Bundesvorsitzende AKS  0699/11408142  christina.goetschhofer@aks.at

 

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/5430/aom

 


 

"Kurier" vom 09.02.2015                                   Seite: 16 Julia Schrenk

 

Hauslehrer

Wenn das System an Grenzen stößt

Betreuung. Autistische Kinder haben es im niederösterreichischen Schulsystem schwer

 

   Florian Winterleitner (10) aus Neulengbach, NÖ, ist Autist. Er leidet am Asperger-Syndrom - ist durchschnittlich intelligent, aber tut sich im sozialen Umfeld schwer.

 

   Florian hat ein Faible für Technik. Ohne Anleitung baut er aus Holzbrettern ein Vogelhaus oder aus Plastikmüll Laternen. Dafür hat Florian momentan auch viel Zeit. Denn seit Dezember geht der 10-Jährige nicht mehr zur Schule. Wieder ist es dort zu einem Eklat gekommen, Rettung und Polizei mussten einschreiten. "Es geht nicht mehr", sagen seine Eltern. "Die Betreuungssituation passt nicht." Auch die zuständige Bildungsmanagerin sagt: "Es war kein Unterricht mehr möglich." Florian sei oft aggressiv gewesen.

 

   Nicht zum ersten Mal funktioniert Florians Betreuung in der Schule nicht. Lange wurde zwischen den zuständigen Gemeinden gestritten, wer eine Stützkraft für den Buben bezahlt. Schlussendlich übernahm die Schulwartin diese Aufgabe. Statt vier Stunden war der 10-Jährige nur zwei Stunden pro Tag in der Schule. Die Eltern fürchten, dass er nicht einmal das Notwendigste lernt. Sie hoffen jetzt auf einen Hauslehrer. Doch das geht laut Andrea Richter, Leiterin der Schulpsychologie im nö. Landesschulrat, nur durch eine Krankmeldung des Buben.

 

   Das wollen die Eltern aber nicht - sie haben Angst, dass die Krankmeldung irgendwann auf ihren Sohn zurückfallen könnte. Laut der zuständigen Bildungsmanagerin Renate Rosskopf wäre die Krankmeldung nur vorübergehend bis Ostern.

 

   Das Problem in NÖ: Es gibt Beratung, aber keine spezielle Betreuung - im Gegensatz zu Wien. In Florians Fall bleibt den Eltern nur, sich mit der Schule zu verständigen. "Es ist ein schwieriger Balanceakt, aber man muss ihn bewältigen", sagt Richter.

 


 

"Kurier" vom 09.02.2015                                   Seite: 18 Von julia schrenk

 

Wenn das System versagt

Betreuung. Autistische Kinder haben es im niederösterreichischen Schulsystem schwer

Florian Winterleitner (10) aus Neulengbach, NÖ, ist Autist. Er leidet am Asperger-Syndrom - ist durchschnittlich intelligent, aber tut sich im sozialen Umfeld schwer.

 

   Florian hat ein Faible für Technik. Ohne Anleitung baut er aus Holzbrettern ein Vogelhaus oder aus Plastikmüll Laternen. Dafür hat Florian momentan auch viel Zeit. Denn seit Dezember geht der 10-Jährige nicht mehr zur Schule. Wieder ist es dort zu einem Eklat gekommen, Rettung und Polizei mussten einschreiten. "Es geht nicht mehr", sagen seine Eltern. "Die Betreuungssituation passt nicht." Auch die zuständige Bildungsmanagerin sagt: "Es war kein Unterricht mehr möglich." Florian sei oft aggressiv gewesen.

 

   Nicht zum ersten Mal funktioniert Florians Betreuung in der Schule nicht. Lange wurde zwischen den zuständigen Gemeinden gestritten, wer eine Stützkraft für den Buben bezahlt (der KURIER berichtete). Schlussendlich übernahm die Schulwartin diese Aufgabe. Statt vier Stunden war der 10-Jährige nur zwei Stunden pro Tag in der Schule. "Wenn er Pech hatte, waren das Zeichnen und Musik und keine Hauptfächer", sagt Florians Vater Ernst. Die Eltern fürchten, dass er nicht einmal das Notwendigste lernt. "Und wenn er keine Schulbildung hat, wird er nur schwer einen Beruf erlernen können." Die Eltern hoffen jetzt auf einen Hauslehrer für Florian. Doch das geht laut Andrea Richter, Leiterin der Schulpsychologie im nö. Landesschulrat, nur durch eine Krankmeldung des Buben.

 

   Keine Spezialbetreuung Das wollen die Eltern aber nicht - sie haben Angst, dass die Krankmeldung irgendwann auf ihren Sohn zurückfallen könnte. Laut der zuständigen Bildungsmanagerin Renate Rosskopf wäre die Krankmeldung nur vorübergehend: "Bis Ostern, dann könnte man Florian in die Schule reintegrieren."

 

   Die Situation von Florian Winterleitner zeigt, wie schwierig die Betreuung autistischer Schüler in Niederösterreich ist. Es gibt Beratung, aber keine spezielle Betreuung. "Das System hat seine Grenzen", sagt auch Schulpsychologin Andrea Richter: "Es können keine zusätzlichen Lehrer abgestellt werden, weil es zu wenige Lehrer gibt. Kleinere Schulen und kleinere Klassen gehen auf Kosten anderer Dinge."

 

   Autistische Kinder besuchen also die örtliche Schule oder die Sonderschule. Sammelklassen mit Spezialbetreuung gibt es - im Gegensatz zu Wien - nicht. Der Weg in die Autistenschule nach Wien wäre für viele Eltern zu lang, für die Kinder unzumutbar.

 

   Im Falle des 10-jährigen Florian bleibt den Eltern also nur, sich mit der Schule zu verständigen. "Es ist ein schwieriger Balanceakt, aber man muss ihn gemeinsam bewältigen", sagt Richter.

 


 

"Kurier" vom 09.02.2015                                   Seite: 16 KOLUMNE niki.glattauer

 

Flotte Sager

Schule und der Rest des Lebens

 

   Zwar ist es jetzt zu spät, aber dieses Hausaufgaben-"Sehr gut" für seinen "flotten und originellen Text" hat meine Kollegin ihrem Lukas seinerzeit offenbar zu Unrecht gegeben. Das Thema der Deutsch-HÜ hatte gelautet: "Mein Lieblingstier" und Lukas seine Ausführungen so begonnen: "Mein Lieblingstier heißt Schnitzel. Es lebt in Wien. Das ist in Österreich." Usw. Wie gesagt, damals glatter Einser. Leider entdeckte ich den Sager jetzt wortident auf einer dieser Wien-Ansichtskarten, die abwechselnd lustige Sprüche, Riesenrad, Schönbrunn und traurige Sisis zeigen. Da ich nicht davon ausgehe, dass die Wien-Ansichtskarten-Macherinnen jemals Lukas' HÜ-Heft gelesen haben, fühle ich mich stellvertretend für meine Kollegin jetzt schon ein bisschen ausgetrickst. Lukas, du linke Socke, schäm dich, wenn du das liest! Posthum Nicht genügend fürs Abschreiben!Flotte Sager gibt es es natürlich nicht nur in Schulheften. Gut war z. B. im Radio: "Trotz eindringlicher Warnungen durch die US-Behörden zog der Blizzard eine Spur der Verwüstung" durch soundso. Dass jetzt nicht einmal mehr so ein dahergeblasener Blizzard auf die US-Behörden hört …!Eher flott formuliert auch folgendes online-Inserat: "Zimmer mit Blick aufs Meer Arbeitsplatz geboten". Kein Wunder, dass es eng für uns wird mit den Arbeitsplätzen, wenn die jetzt schon ausländischen (griechischen?) Luxuszimmern angeboten werden...Bis heute lustig finde ich einen Sager meines Bundeskanzlers, der seinerzeit von der Halbgratiszeitung zum Ableben von Udo Jürgens befragt wurde. Faymann damals flott: "Ich habe es, knapp bevor es öffentlich geworden ist, erfahren. Minister Ostermayer hat mich verständigt." Da staunt man doch. Gehört denn so ein Minister nicht zur Öffentlichkeit? Und wer aller erfährt vom Ableben eines Schlagersängers sonst noch "vor der Öffentlichkeit"? Häupl? Pröll? Schröcksnadel? Meine Direktorin? Interessant auch, wie diese vor-öffentliche Information erfolgt ist. Durch den Arzt per Red Handy aus dem Schweizer Krankenhaus? "Wir müssen jetzt die Familie von Herrn Jürgens informieren. Und natürlich Minister Ostermayer in Wien." Hm!

 


 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 32 vom 09.02.2015              Seite: 18 Thomas hödlmoser

 

Österreich

Wenn das Gehirn zur Baustelle wird

Eltern werden plötzlich peinlich, Freunde und Handy werden wichtiger: Die Pubertät ist in vielen Familien eine Zeit der Konflikte. Für Eltern, die Rat suchen, gibt es eigene Verhaltenskurse.

 

   Was tun, wenn pubertierende Kinder rebellieren, provozieren, stundenlang mit dem Handy spielen? Die SN sprachen darüber mit Susanne Hölzl und Gerald Brandtner. Sie leiten bei akzente Salzburg Kurse für Eltern pubertierender Kinder.

 

    Mit welchen Sorgen kommen die Eltern in Ihre Kurse? Brandtner: Viele Eltern kommen mit der Sorge, dass die Kinder zu lang ausgehen, Alkohol trinken und rauchen. Die Ausgehzeiten sind immer wieder Thema – und langes Computerspielen.Hölzl: Ein Thema ist auch, dass die Eltern das Gefühl haben, den Kontakt zu den Kindern zu verlieren.

 

    Und was geben Sie den Eltern zur Antwort? Brandtner: Wir fragen sie: „Wie war es bei Ihnen während der Pubertät? Wie reagierten Ihre Eltern?“ Eltern sollten vor allem die Stärken von Kindern sehen und nicht nur nörgeln. Wenn Jugendliche nur „negative Anerkennung“ bekommen, fallen sie nur noch negativer auf. Hölzl: Die Eltern sollten das eigene Jungsein nicht vergessen, die Zeit, da man Sachen ausprobiert, Dinge heimlich tut, über die Grenzen geht.Brandtner: Beim Ausgehen gibt es einen Rahmen, das Jugendschutzgesetz. Zwischen 14 und 16 Jahren darf man an Wochentagen bis 23 Uhr ausgehen, am Wochenende bis 24 Uhr. Beim Computerspielen sollte man unterscheiden: Bei einem neuen Spiel ist es normal, dass die Kinder mehr Zeit damit verbringen. Wenn aber die Leistungen in der Schule einbrechen, das Kind nur daheim am Computer sitzt und die Freunde nicht mehr trifft, sollte man eventuell zur Erziehungs-, Familien-oder Suchtberatung gehen. Wie merkt man eigentlich, dass beim Sohn oder der Tochter die Pubertät begonnen hat? Hölzl: An den schnell wechselnden Stimmungen – vom Ganz-nah-Sein bis zum Ausfahren der Kaktusstacheln. Alle Werte, Haltungen, Regeln werden auf einmal hinterfragt.Brandtner: Ein Zeichen ist, dass die Eltern uncool werden und die Freunde total wichtig sind. Die Kinder lassen sich nicht mehr so gern in ihre Karten schauen. Die Baustelle im Hirn zeigt sich auch als Baustelle im Kinderzimmer. Es wird eher das Chaos gelebt und die Ordnung abgelehnt. Und die Jugendlichen suchen in der Pubertät sehr starke Reize, um sich selbst zu spüren. Streit mit den Eltern ist ein starker Reiz. Das Hirn ist da im Umbau. Die Eltern sollten das nicht persönlich nehmen. Wann geht es los mit der Pubertät? Brandtner: Generell beginnt die Pubertät bei Mädchen mit zirka elf Jahren, bei Buben mit zwölf. Aber das Alter verlagert sich nach vorn. Es gibt immer mehr Mädchen, die schon mit zehn Jahren pubertieren. Das hängt mit dem Wohlstand zusammen, auch mit den Medien. Die meisten sind mit 16, 17 Jahren dann durch.Hölzl: Dann sind sie auf einmal wieder ganz normal.

 

    Man nennt die Pubertät auch die „zweite Trotzphase“. Lassen sich Konflikte mit den Eltern vermeiden? Oder sind diese programmiert – wegen der hormonellen Veränderungen bei den Kindern? Hölzl: Auseinandersetzungen lassen sich kaum vermeiden. Wir Erwachsene sind da gefordert, die Kommunikation aufrecht zu halten, Konflikte anzusprechen und auszutragen.Brandtner: Wir formulieren es so: Die Pubertät ist die soziale Geburt des Menschen. Die Orientierung geht aus dem geschützten Familienverband hinaus in die Gesellschaft. Bei manchen geht das leichter, bei manchen schwerer. Kann Erziehung in dieser Phase noch funktionieren – oder ist da aus Sicht der Eltern schon alles zu spät? Brandtner: Als Erwachsene sollten wir nicht aufhören, Werte zu vermitteln. Allerdings wird der Umgang mit den Kindern demokratischer.

 

    Was können Eltern tun, wenn die Kinder stundenlang mit dem Smartphone spielen und sich weigern aufzuhören? Oder wenn man feststellt, dass sie heimlich rauchen und trinken? Brandtner: Letztendlich kann ich dem Kind das Handy nicht auf Dauer wegnehmen. Ich kann es aber zum Thema machen und sagen, dass ich mir Sorgen mache. Man kann ein Bewusstsein schaffen. Rauchen und Trinken soll man jedenfalls zum Thema machen – und auf die gesundheitlichen Aspekte hinweisen. Es ist ganz wichtig, da klare Botschaften zu vermitteln. Und immer wieder versuchen, das Gespräch zu suchen, gemeinsam ins Kino oder essen zu gehen. Wenn man etwas Außeralltägliches macht, ist die Chance größer, ins Gespräch zu kommen. Aber man sollte nicht gekränkt sein, wenn Kinder dieses Angebot einmal nicht annehmen. Brandtner und Hölzl leiten bei akzente Salzburg den Kurs „Hilfe, mein Kind pubertiert!“ Die nächste Kursreihe beginnt am 23. Februar. Infos: www.akzente.net

 


 

"Kronen Zeitung" vom 09.02.2015                           Seite: 12

 

Die Wirtschaftskammer investiert zwei Millionen Euro in die Zukunft der Jugend

Eine neue Talente-Schmiede!

 

Zwei Millionen Euro, das muss man auch einmal "stemmen", oder, wie's auf gut Steirisch heißt: Da muss eine alte Frau lang dafür stricken. Die steirische Wirtschaftskammer investiert dieses Geld in die Zukunft. Bis Herbst entsteht auf dem Areal einer ehemaligen Grazer Schule ein Talente-Center. Dort werden Jugendliche unterstützt, den für sie richtigen Job zu finden.

 

   WK-Präsident Josef Herk präsentiert das Talente-Center

 

   Warum benötigt die Steiermark ein solches Center? Nun, die Fähigkeiten vieler Jugendlicher werden nicht richtig erkannt und es fehlt an Förderung. Dazu kommt, dass sich der demografische Wandel auch hier bemerkbar macht: Die Zahl der 15-Jährigen sank in den letzten 15 Jahren um 20 Prozent. Eine "Verschwendung" der steirischen Jugend sei nicht länger leistbar, wie Präsident Josef Herk, Direktor Karl-Heinz Dernoscheg und WIFI-Chef Peter Hochegger betonen. Sie sind sich einig: "Die Jugend ist unser wertvollster Rohstoff und das gehört gefördert!"

 

   Geplant ist, Fähigkeiten aufzuspüren, zu fördern. Mit individuellen Talent-Checks und Potenzialanalysen soll der Jugend eine Entscheidungsgrundlage für die Berufswahl geboten werden. Zusätzlich werden auch Trainings und Maturanten-Workshops angeboten.

 

   In der Steiermark bereiten sich derzeit knapp 16.700 auf den Lehrabschluss vor. Besonders beliebt ist das PATRICIA SAILER UND  JULIA LICHTENEGGER duale Ausbildungsmodell (Stichwort: "Lehre mit Matura"). Fast 2000 entschieden sich dafür. Auch immer mehr Maturanten wählen einen Lehrberuf, heuer 485!

 

   Beliebtester Lehrberuf ist übrigens Metalltechnik, mehr als 2300 erlernen derzeit diesen Beruf. Bei den weiblichen Lehrlingen sind nach wie vor die Klassiker wie Einzelhandelskauffrau und Friseurin beliebt. Bemerkenswert ist, dass auch 243 junge Damen auf den Beruf der Metalltechnikerin setzen. Bei den männlichen Lehrlingen stehen Metall-, Elektro-, Kraftfahrzeugtechnik und Installation hoch im Kurs.

 


 

"Kronen Zeitung" vom 09.02.2015                            Seite: 4

 

Kopftuch-Debatte Grünen-Chefin Glawischnig spricht sich vehement...

 

   Kopftuch-Debatte Grünen-Chefin Glawischnig spricht sich vehement gegen ein Kopftuch-Verbot für junge Mädchen aus, wie es derzeit diskutiert wird. Ihre Begündung in der "Presse": Dann würden Mädchen vielleicht gar nicht mehr in die Schule kommen und bald auch Österreich verlassen.

 

   Zuwanderung stoppen Bei der Zuwanderung nach Österreich sei man "an der Kippe, was unsere Gesellschaft noch verträgt", sagte Oberösterreichs FPÖ-Chef Haimbuchner im "Standard". Probleme bringe die Zunahme von Muslimen, die in den letzten 10 Jahren um 70% gestiegen sei.

 


 

"Die Presse" vom 09.02.2015                                Seite: 5 von Iris Bonavida

 

"Strafen sollen abschreckende Wirkung haben"

 

   Interview. Harald Mahrer, Staatssekretär und ÖVP-Chefverhandler in Sachen Bildung, über das "heiße Eisen" Integrationsunwilligkeit und das Erwachen der SPÖ. ÖBB-Chef Christian Kern hält er - wie alle erfolgreichen Manager - für politikfähig.

 

   Die Presse: Die SPÖ-Landeschefs Franz Voves und Hans Niessl haben Strafen für "Integrationsunwillige" gefordert. Vor allem im Schulbereich wird nun darüber debattiert. Wie definiert man aber Integrationsunwilligkeit?

 

   Harald Mahrer: Das kann man nicht in einen Satz fassen. Viele glauben, es ist das Nichtakzeptieren unseres Regelsystems. Das greift aber zu kurz. Man muss eine differenzierte Debatte darüber führen. Was ist unser Regelsystem? Was sind unsere Werte?

 

   Was sind österreichische Werte?

 

   Ich würde eher von Werten aus unserem Kulturraum sprechen. Wir sind humanistisch geprägt, leben in einem säkularisierten Rechtsstaat. Diese Grundsätze muss man akzeptieren. Das gilt übrigens für alle, ob zugewandert oder nicht.

 

   Warum wird diese Debatte ausgerechnet jetzt geführt?

 

   Ich bin grundsätzlich froh, dass die Probleme endlich angesprochen werden. In den vergangenen Jahren hat man besonders in der Schule weggeschaut. Die heißen Eisen wurden nicht angefasst - aus politischer Feigheit oder Träumerei.

 

   Welche heiße Eisen meinen Sie?

 

   Die Entwicklung von Parallelgesellschaften. In Wien haben 50 Prozent der Volksschulkinder nicht Deutsch als Muttersprache. Und viele davon sprechen Deutsch nicht ausreichend. Wie sollen diese Kinder unsere Kultur erfahren? Da soll noch jemand sagen, dass es keine Probleme gibt.

 

   Aber das Thema Integration war mit dem Ex-Staatssekretär und jetzigen Minister Sebastian Kurz von der ÖVP besetzt.

 

   Erst seit vier Jahren. Dank Sebastian Kurz wird das Thema endlich vernünftig bearbeitet. Dass es im Schulbereich Probleme gibt, hat Kurz auch immer schon gesagt. Nur hat es nicht alle - siehe SPÖ - interessiert. Das Neue ist jetzt, dass das Thema im medialen Rampenlicht steht.

 

   Vorher haben Sie gesagt, es wurde nicht angesprochen.

 

   In der medialen Debatte ist es zumindest nicht vorgekommen.

 

   Also hat es die Medien nicht interessiert?

 

   Das nicht. Aber die heißen Eisen waren zumindest nicht im Fokus. Jetzt gibt es mediales Interesse, weil die Mauer des Schweigens in der SPÖ eingebrochen ist.

 

   Kurz ist nicht gerade ein Politiker, der wenig mediale Aufmerksamkeit bekommt. Man hätte das Thema ja forcieren können.

 

   Das hat er auch getan. Die Probleme in Wien hat er immer wieder angesprochen, nur nicht mit einem konfrontativen Ansatz. Hat es Reaktionen von der Stadt gegeben? Ich kenne keine.

 

   Also hat es die SPÖ verabsäumt, über die Probleme zu sprechen?

 

   Man hat einen Wegschau-Ansatz verfolgt, der zu falschen Entwicklungen geführt hat. Und auf Bundesebene können Kurz und ich im Bildungsbereich nicht allein Sachen fordern und umsetzen. Wir sind in einer Koalition.

 

   Apropos Forderungen: Sie fordern zusammen mit Kurz Verwaltungsstrafen von 1000 Euro für unkooperative Eltern.

 

   Ja, in Summe eines Maßnahmenpakets am Ende der Kette ist ein Bußgeld vollkommen in Ordnung.

 

   In welchen konkreten Fällen soll es diese Strafe geben?

 

   In der Bildungsarbeitsgruppe werden wir das Thema in Ruhe besprechen. Ich will der Debatte nicht vorgreifen.

 

   Kurz ist wie Sie auch für einen Sozialdienst für unkooperative Schüler. Als Strafe könnten sie zum Beispiel die Tafel putzen.

 

   Die soziale Integration sollte grundsätzlich erhöht werden. Wenn jemand ein soziales Integrationsdefizit hat, dann soll daran gearbeitet werden. Wieso muss man das als Strafe sehen? Wir haben damals solche Aufgaben im Klassenverband automatisch übernommen.

 

   Das wird der betroffene Schüler wahrscheinlich anders sehen.

 

   Es ist eine Frage der Pädagogik, wie man das umsetzt.

 

   Trägt es wirklich zur Integration bei, wenn man die Schüler bzw. Eltern zu etwas zwingt?

 

   Daher braucht es ein umfangreiches Maßnahmenpaket. Strafen sollen aber auch immer abschreckende Wirkung haben.

   Experten wie Heinz Fassmann lehnen neue Strafen ab.

 

   Bei bestimmten Handlungen kann es kontraproduktiv sein. Aber es wird auch Tatbestände geben, bei denen Sanktionen sinnvoll sind. In einem säkularen Rechtsstaat braucht es auch Sanktionen. Dazu bekenne ich mich.

 

   Welche Maßnahmen soll es noch geben? Fritz Enzenhofer, Oberösterreichs Landesschulratspräsident (ÖVP), fordert etwa einen verpflichtenden Ethikunterricht.

 

   Ich kann mir das durchaus vorstellen, aber das werden wir in Ruhe diskutieren. Für das Zusammenleben ist es wichtig, über gewisse moralische Prinzipien zu sprechen - politische Bildung ist da auch relevant.

 

   Soll politische Bildung als Pflichtfach angeboten werden?

 

   Wir arbeiten an politischer Bildung als Modul weiter. Ich bin aber gegen ein Maschinengewehrfeuer neuer Ideen. Jetzt muss man sich die Vorschläge sachlich anschauen.

 

   Eine Frage, weil Sie ÖBB-Chef Christian Kern gut kennen: Ist er politikfähig?

 

   Jeder erfolgreiche Unternehmer und Spitzenmanager ist es - sofern er es auch möchte. Ich kann das aber nicht auf Kern ummünzen, da ich nicht weiß, ob er das will. Kern ist aber ein erfolgreicher Manager - warum sollte er also nicht politikfähig sein?

 


 

"Der Standard" vom 09.02.2015                                Seite: 8 Nina Weißensteiner

 

Grün-schwarzer Schlagabtausch zur Integration

 

   Peter Pilz fordert von der Sicherheitspartei ÖVP ein spezielles Programm für die Integration von Tschetschenen, doch der schwarze General erklärt nun die grüne Fremdenpolitik für gescheitert.

 

   Wien – Angesichts des bis zu 290 Millionen schweren Sicherheitspakets für die Exekutive im Kampf gegen den Terror verlangt der Grüne Peter Pilz, mehr Geld in die Integration einer bestimmten Volksgruppe zu investieren. „Es braucht ein spezielles Programm für die Tschetschenen“, sagt der Sicherheitssprecher der Oppositionspartei zum Standard, denn: Viele junge Männer aus der bis 2010 kriegsgebeutelten Kaukasusrepublik seien für islamistische Hassprediger allzu leicht ansprechbar. Pilz, der einige Mitglieder aus der rund 30.000 Menschen zählenden tschetschenischen Community kennt: „Die Buben stammen aus keinen einfachen Familien.“ Sie selbst und ihre Angehörigen seien meist traumatisiert, dazu herrschten dort oft „despotische Väter und ein altes Ehrgefühl“.

 

   Damit nicht genug, seien die jungen Männer, die meisten Asylwerber, zum „Herumsitzen“ verdammt, weil für sie quasi der Arbeitsmarkt gesperrt ist. Und genau diese Gemengelage führe dazu, dass sich von hierzulande aus überproportional viele in den Jihad nach Syrien oder den Irak aufgemacht haben, also in die Kampfgebiete der Terrororganisation „Islamischer Staat“, auch wenn 99,8 Prozent der Tschetschenen hier einfach nur friedlich leben wollen.

 

   Die Zahlen aus dem Innenministerium geben dem Grünen recht: Von den 170 Personen, die bisher in Österreich für den „Heiligen Krieg“ rekrutiert wurden, sind etwa die Hälfte Tschetschenen, die größte Gruppe bilden sie auch unter den etwa 60 Rückkehrern mit rund 30 Personen, die der Verfassungsschutz oberserviert – und gegen die allesamt ein Strafverfahren wegen „Mitgliedschaft an einer terroristischen Vereinigung“ läuft. Parallel dazu wurde gegen die Beschuldigten auch ein Asylaberkennungsverfahren eingeleitet.

 

   Anlaufstellen statt Abwehr

 

   Damit Tschetschenen erst gar nicht in den Islamismus abgleiten, fordert Pilz nicht nur Initiativen zur Stärkung der Frauen, sondern auch die Einrichtung von Vereinslokalen, die den Heranwachsenden auch Hilfsangebote für eine bessere Ausbildung machen sollen: „Es braucht Anlaufstellen.“

 

   Im Integrationsressort von Minister Sebastian Kurz (ÖVP), wo man bis zur Regierungsklausur im März ein Integrationspaket schnüren will, verweist man darauf, dass geplante Maßnahmen wie ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr für Kinder mit Sprachdefiziten auch den Tschetschenen zuGutekommen. Dazu gäbe es längst Projekte wie „Frauen, Gewalt, Ehre“ oder Betreuungseinrichtungen für Folter- und Kriegsüberlebende, die von dieser Gruppe von Asylwerbern in Anspruch genommen werden.

 

   In der ÖVP stößt der grüne Vorstoß jedenfalls auf wenig Begeisterung. Generalsekretär Gernot Blümel hält dazu fest: „Die Aussagen von Pilz sind eine Totalabsage an die Grünen-Politik der letzten Jahrzehnte. Denn im Asyl- und Fremdenwesen war diese bisher ausschließlich geprägt von Blockieren, Demonstrieren und Kritisieren – bei Verschärfungen der Fremdengesetze, bei Abschiebungen, bei Asylverfahren.“ Und Blümel fordert: „Wir erwarten nun endlich eine hundertprozentige Unterstützung der Innenministerin bei allen notwendigen Maßnahmen, bei den Gesetzesvorhaben genauso wie bei Abschiebungen oder der Aberkennung von Asylberechtigungen.“

 

   Obwohl in Tschetschenien der Krieg beendet ist, stehen dort Menschenrechtsverletzungen nach wie vor auf der Tagesordnung: In den letzten beiden Jahren wurden von Staatsangehörigen der Russischen Föderation 2841 bzw. 1996 Asylanträge gestellt, die meisten von Tschetschenen. Die Anerkennungsquote lag 2013 noch immer bei rund 25 Prozent, für 2014 liegt sie noch nicht vor. Wohl aber die Statistik zu den „Außerlandesbringungen“: Im Vorjahr gab es 224 Abschiebungen und 455 freiwillige Heimkehrer.

 

 

Bild: Kundgebung von Tschetschenen auf dem Wiener Heldenplatz im Jahr 2009: „Die meisten stammen aus keinen einfachen Familien“, sagt der Grüne Peter Pilz – und verlangt

Bild: mehr Sorgfalt im Umgang mit diesen Asylwerbern.

Bild: Foto: Heribert Corn

 


 

"profil" Nr. 07/2015 vom 09.02.2015                       Seite: 96 Peter Michael Lingens

 

Nachbarn gegen Islamismus

 

   Eine private Initiative als Vorbild für nachhaltige Terror-Prophylaxe.

 

   Wie alle Regierungen Europas will auch die österreichische als Konsequenz der Attentate von Paris die Polizei verstärken. Mehr Bewachung gefährdeter Einrichtungen ist sicher kein Fehler. Darüber hinaus aber sehe ich einen sehr viel zielsichereren Einsatz für die kolportierten 300 Millionen des "Sicherheitspakets“. Ein kleiner Teil dieses Geldes sollte dazu dienen, "Personen mit Migrationshintergrund“ und vor allem den zugehörigen Sprachkenntnissen als Vertrauensleute der Staatspolizei anzuheuern: Indem sie sich in der islamistischen Szene Österreichs umhören, bestünde eine erhöhte Chance, rechtzeitig Kenntnis zumindest größerer geplanter Terror-Aktionen zu erhalten.

 

   Den sehr viel größeren Teil des Geldes sollte man jedoch verwenden, Frauen und Männer dieses Hintergrundes als Sozialarbeiter anzustellen und darin zu schulen, innerhalb der muslimischen Gemeinden für einen aufgeklärten, gewaltfernen Islam zu werben. Langfristig wird uns das weit eher als Bewaffnete vor Attentaten schützen.

 

   Ich empfehle das in Kenntnis einer Organisation, die noch Schwierigeres unternimmt: "Nachbarinnen“ ist eine private Wiener Initiative, innerhalb derer derzeit 16 muslimische Frauen türkischer, arabischer, tschetschenischer und somalischer Muttersprache Kontakt zu muslimischen Familien suchen und finden, die sich aus den verschiedensten Gründen - Glaube, Brauchtum, Sprachlosigkeit, Armut - von der österreichischen Gesellschaft weitestgehend abgekapselt haben. So sehr, dass sie die Einrichtungen, die gerade Wien durchaus zur Erleichterung der Integration zur Verfügung stellt - Sprachkurse, Berufsberatung, Amtshilfe, Lernhilfe, usw. - weder kennen noch gar in Anspruch nehmen.

 

   Aber wenn sie auf dem Markt, am Spielplatz oder in der Moschee von einer Frau angesprochen werden, die wie sie gekleidet ist, ihre Sprache spricht und ihre Probleme aus eigenem Erleben kennt, dann fassen sie Vertrauen. Dann ist Gespräch, Beratung und letztlich Zugang zur gesamten Familie möglich.

 

   Obwohl oder gerade weil es auf dem Einsatz von Amateurinnen basiert, ist das Nachbarinnen-Projekt denkbar professionell organisiert:

 

   Alle Frauen erwarben an der Alpe Adria Universität fünf Monate hindurch Kompetenzen in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Soziales und Kommunikation.

 

   Die Initiatorinnen, Christine Scholten und Renate Schnee, arbeiten ehrenamtlich, die "Nachbarinnen“ sind angestellt: Sie erleben, meist erstmals im Leben, "Berufstätigkeit“ und leben sie muslimischen Frauen und deren Männern vor.

 

   Sie haben gelernt, ihre Arbeit schriftlich zu dokumentieren.

 

   Alle zwei Wochen wird sie gemeinsam mit einer Projektleiterin evaluiert.

 

   Es wird höchster Wert auf ein "Give and Take“-Verhalten der Betreuten gelegt: Kinder erhalten kostenfreie Lernhilfe, wenn ihre Mütter sich gleichzeitig verpflichten, einen Deutschkurs zu besuchen; Familien erhalten Hilfe beim Umgang mit Ämtern, wenn sie ihre Kinder konsequent in die Schule schicken; usw.

 

   Jede "Nachbarin“ betreut auf diese Weise rund 16 Familien im Jahr, wobei oft auch deren benachbarte Familien mit profitieren. Wichtigstes Ziel ist es, voran Kindern, die sonst kaum Chancen hätten, solche zu schaffen.

 

   Das Projekt kostet gerade nur 235.000 Euro im Jahr. Die Ausbildung der Frauen wurde von der öffentlichen Hand mit 113.000 Euro finanziert, der Rest wurde durch Spenden aufgebracht, die schon jetzt auch die Finanzierung des nächsten Jahres absichern. Nicht zufällig ist ein erfolgreicher Unternehmer wie Hans Schmid neben Banken und Versicherungen größter privater Sponsor: Das Preis-Leistung-Verhältnis überzeugt.

 

   Prompt will die öffentliche Hand nicht mehr mitfinanzieren, statt dass das einzig Richtige geschieht: das Projekt auszuweiten. (In Oberösterreich werden derzeit bereits "Nachbarinnen“ ausgebildet.)

 

   Was könnte erst Innenministerin Johanna Mikl-Leitner mit 200 ihrer 300 Millionen leisten, wenn sie sie auf ähnliche Weise einsetzte: Zur Ausbildung und Anstellung von mehreren Hundert Sozialarbeitern und Sozialarbeiterinnen, die mit Österreichs Zuwanderern Sprache, Religion, Kultur und Tradition teilen und ihnen helfen, in diesem Land heimisch zu werden.

 

   Wenn man wie ich in den letzen Wochen im profil, im "Spiegel“ oder in diversen französischen Zeitungen die Lebensgeschichte der beiden "Charlie Hebdo“-Attentäter eingehend gelesen hat, hat man keinen Zweifel, dass der Grundstein zu ihrer Entgleisung in ihrer Kindheit gelegt wurde. Lange bevor sie in die Fänge fanatischer Islamisten gerieten, waren sie zwei verlorene Buben in einer diskriminierten algerischen Zuwandererfamilie und mussten mit dem frühen Tod ihres Vaters und dem Selbstmord der Mutter fertigwerden. Aus dieser Phase ist bei mir das Statement einer französischen Sozialarbeiterin hängen geblieben: "Hätte ich mich ihrer doch angenommen.“

 

   Nicht dass ich sicher wäre, dass "Nachbarn“ sie vor einer Zukunft als Selbstmordattentäter bewahrt hätten - aber die hätten dazu die relativ größte Chance gehabt.

 

   peter.lingens@profil.at

 


 

"Der Standard" vom 09.02.2015                                Seite: 9 Wolfgang Weisgram

 

Die Verösterreicherung des Islam

 

   Ednan Aslan, islamischer Religionsprofessor aus Wien, war unlängst in Mattersburg, der burgenländischen Stadt mit der größten muslimischen Gemeinde. Eindringlich plädierte er dort dafür, den Islam als etwas Heimisches endlich auch in die Pflicht zu nehmen.

 

   Mattersburg – Während allerorts und allenthalben die Islamisierung des Abendlandes herbeigefürchtet wird, hat man sich in Mattersburg unlängst übers Gegenteil unterhalten: die längst überfällige Abendlandisierung des Islam.

 

   Der umtriebige – sozusagen ganz Mattersburg bespielende – Stadtpfarrer Günther Kroiss hatte dazu Ednan Aslan eingeladen, den einschlägig predigenden Wiener Professor für islamische Religionspädagogik. Unter dem Titel „Den Islam europäisch prägen“ diskutierte der Mitgestalter des neuen Islamgesetzes mit dem Eisenstädter Religionspädagogen Harald Mandl.

 

   Mehr als hundert Interessierte waren gekommen, um mitzudiskutieren oder jedenfalls zu lauschen. Niemand freilich, wie Bürgermeisterin Ingrid Salamon ein wenig konsterniert konstatierte, niemand aus der hauptsächlich türkischstämmigen islamischen Gemeinde.

 

   Die zählt ungefähr 500 Menschen. Und ist damit genauso groß wie einst das jüdische Ghetto. Ein Umstand, der niemandem entgangen ist, am wenigsten dem Pfarrer, dessen Jugendbeschäftigungs-Café „Savio“ im einzig unversehrten jüdischen Gebäude, dem des Talmud-Vereins, untergebracht ist.

 

   Islamische Geldgeber

 

   Ednan Aslan plädierte eindringlich dafür, dem Islam – den es in dieser pauschalierenden Form genauso wenig gebe wie „das Christentum“ – endlich ein europäisches Gesicht zu geben. Seit den Nullerjahren sei er quasi von Pontius zu Pilatus gelaufen, um sich diesbezüglich den Mund trocken zu reden. „2007 hat man mir im Ministerium gesagt, wegen eines islamischen Lehrstuhls an der Uni sollte ich mich doch um islamische Geldgeber bemühen.“ Etwas, das mit dem neuen Islamgesetz ausgeschlossen werden soll. Nicht, dass etwa in der Türkei ausgebildete Imame schlechter wären. „Aber das sind eben für türkische Verhältnisse ausgebildete Lehrer. Wir brauchen aber welche für die hiesigen Verhältnisse.“

 

   Bis jetzt hat man in Europa den Islam als eine ausländische Angelegenheit betrachtet, um die man sich nicht zu kümmern habe. Erst in den vergangenen Jahren sei begonnen worden, ihn auch als hiesiges Phänomen wahrzunehmen. Durch eine Europäisierung der Lehre erwartet sich Aslan aber auch Rückwirkungen auf die arabische und vor allem türkische Theologie.

 

   Eine solche Autochthonisierung des Islam wäre auch in einer anderen Hinsicht wünschenswert. Hätte man früher die Menschen ethnisch wahrgenommen – als Türken in der Mehrzahl –, sehe man sie nunmehr hauptsächlich als Muslime. „Dauernd nur als Moslem wahrgenommen zu werden“, sagt der geborene Türke Ednan Aslan, immerhin Religionspädagoge, „tut weh. Die Menschen sind ja nicht von Beruf Muslime.“

 

   Eine Autochthonisierung der Religionspädagogik könnte eine Möglichkeit sein, der Entfremdung zu entgegnen. „Denn wir müssen aufpassen, dass die Jungen nicht die Freude an der Gesellschaft verlieren.“ Etwas, soweit ist man sich im Mattersburger Publikum schnell einig, das nicht nur für muslimische Jugendliche gilt.

 


 

"profil" Nr. 07/2015 vom 09.02.2015              Seite: 58,59,60,61 Von Johannes Dieterich, Nigeria (Text und Fotos)

 

Das mysteriöse Kalifat

 

   Meint es Nigeria tatsächlich ernst mit dem Kampf gegen Boko Haram? Und wer steckt wirklich hinter der Terrorsekte? Ein Besuch in der kürzlich von Islamisten überrannten und wenig später wieder befreiten Stadt Mubi wirft eine Vielzahl von Fragen auf.

 

   An der Straße: Immer mehr Checkpoints der nigerianischen Armee. Am Straßenrand: Ein ausgebranntes Autowrack nach dem anderen. Im Straßengraben schließlich: verstreut herumliegende Kleidungsstücke, aus denen Knochen und verwesende Körperteile ragen.

 

   Kein Zweifel: Es ist nicht mehr weit bis zur Stadt Mubi im Nordosten Nigerias, die im vergangenen Herbst einige Wochen lang von der Terrorsekte Boko Haram besetzt war. Die Überreste getöteter Islamisten, denen niemand die letzte Ruhe in der Erde gönnen will, zeugen noch heute von den Kämpfen bei der Rückeroberung.

 

   Am Horizont hinter dem Leichenfeld sind bereits die Minarette von Mubi zu sehen, mit 200.000 Einwohnern die zweitgrößte Kommune des Bundesstaates Adamawa an der Grenze zu Kamerun.

 

   In einem Blitzkrieg, den niemand für möglich gehalten hätte, hatte Boko Haram im Oktober ein Territorium von der Größe Belgiens eingenommen und ein Kalifat ausgerufen, in dem nach mittelalterlichem Vorbild die Gesetze einer auf das Schärfste ausgelegten Scharia gelten sollten. Mubi benannten sie kurzerhand in "Madinatul Islam“ ("Stadt des Islams“) um.

 

   Und niemand schien die höchstens 9000 Kämpfer zählende Extremistentruppe aufhalten zu können - auch nicht Nigerias mächtige, gut ausgerüstete Armee. Warum, das ist eine Frage, die den bevölkerungsreichsten Staat Afrikas kurz vor den mit beispielloser Spannung erwarteten Wahlen am 14. Februar umtreibt wie keine andere.

 

   Vielleicht ließe sich hier in Mubi eine Antwort darauf finden. Aber das verhindert zunächst der Kommandant der letzten Straßensperre vor der Stadt, der die Weiterfahrt strikt untersagt. Dafür sei eine Genehmigung des Bataillonskommandanten nötig, beharrt der Offizier: Aber der residiert mehr als 100 Kilometer weit entfernt.

 

   Aliya Garga, ein pensionierter Schuldirektor, der vor den Toren der Stadt unterwegs ist, hat eine andere Erklärung: "Die wollen nicht, dass ihr seht, wie trostlos es bei uns aussieht“, sagt er. Tatsächlich weigert sich Nigerias Regierung seit Wochen, ausländischen Journalisten Visa zu erteilen: Wer trotzdem als Tourist einreist, riskiert eine Gefängnisstrafe.

 

   Mubi sei mehr oder weniger verwaist, berichtet Garga. Kirchen und Banken sind zerstört, die Märkte völlig niedergebrannt. Während ihrer vierwöchigen Herrschaft im November vergangenen Jahres hätten die Boko-Haram-Kämpfer die Stadt entkernt wie Termiten einen Baumstumpf: "Sie haben alles gestohlen, was nicht aus Stein oder angewachsen war.“

 

   Er selbst überstand die Schreckenszeit unbeschadet. Als übergewichtiger 55-Jähriger schien er den Islamisten keine Gefahr darzustellen. Während der Großteil seiner über 20-köpfigen Familie das Weite suchte, verschanzte sich Garga mit seiner schwerkranken Mutter und zwei seiner Schwestern im Haus.

 

   Von dort aus beobachtete er zunächst, wie kaum mehr als 50 Boko-Haram-Kämpfer auf knatternden Motorrädern die Stadt binnen weniger Stunden einnahmen - ohne Gegenwehr des in Mubi stationierten Armeebataillons mit seinen 4000 Mann. "Das ist schon sehr, sehr merkwürdig“, murmelt der Schuldirektor kopfschüttelnd.

 

   Zumal der Angriff alles andere als überraschend erfolgt sei, fügt Gargas Neffe, der 26-jährige Politologiestudent Kabiru Hassan, hinzu. Vier Wochen davor hatten die Milizionäre die rund 100 Kilometer entfernt gelegene Stadt Michika in ihre Gewalt gebracht. Seit diesem Zeitpunkt seien Gerüchte kursiert, das als nächstes Mubi dran sei. Die Soldaten hätten sich also in aller Ruhe auf den Angriff vorbereiten können.

 

   Als die Islamisten dann am 29. Oktober frühmorgens tatsächlich auftauchten, attackierten sie als Erstes die Kaserne, die Polizeistation und das Gefängnis. "Die Soldaten, die uns beschützen sollten, sind einfach davongerannt“, sagt Kabiru Hassan.

 

   Die anschließende Okkupation sei "schrecklich“ gewesen, berichtet Schuldirektor Garga. Die Besatzer hätten die Bevölkerung zur Einhaltung strikter islamischer Regeln angehalten, sämtliche Wahlplakate mit schwarzer Farbe übermalt und vor allem: geklaut, was nicht niet- und nagelfest war. Doch von den üblichen Horror-Berichten aus den Hochburgen militanter Islamisten - Zwangsheiraten, Exekutionen, Auspeitschungen und abgehackten Gliedmaßen - habe er nichts mitbekommen.

 

   Unter den Boko-Haram-Mitgliedern gebe es drei Kategorien, sagt Garga: Die religiösen Fanatiker, erkennbar an langen Bärten und nur bis zu den Fußknöcheln reichenden Hosen; die gemeinen Kriminellen, die sich mehr für leichte Beute interessieren als für Religion; und die mit Zwang Rekrutierten, die hauptsächlich tun, was ihnen befohlen wird, um selbst zu überleben.

 

   Gezeichnet für ihr Leben sind sie alle. Jedem Sektenmitglied wird ein Brandzeichen am Rücken verpasst, das es zugleich zum Auserwählten und zum Ausgestoßenen macht.

 

   Die wenigsten hier im vom Ausnahmezustand beherrschten Nordosten Nigerias wollen einen Boko-Haram-Kämpfer persönlich kennen. Abbas Sani, ein junger Mann aus dem eine Autostunde von Mubi entfernten Gombi, ist eine Ausnahme: Sein älterer Bruder Abubakar hat sich vor neun Jahren für die Familie völlig überraschend den Extremisten angeschlossen.

 

   Der inzwischen 32-jährige gelernte Tischler sei ein stiller Mensch gewesen, der es mit der Religion wohl etwas ernster genommen habe. Dass Abubakar schließlich in den Fängen der Sekte landete, sei nur durch den Einfluss von falschen Freunden zu erklären, meint Abbas.

 

   Als Boko-Haram-Kämpfer Ende vergangenen Jahres auch Gombi überrannten, stand Abubakar plötzlich schwer bewaffnet vor dem Elternhaus: Die Familie habe nichts zu befürchten, beruhigte er den fünf Jahre jüngeren Abbas. Er hielt zwar sein Wort, aber dennoch: "Heute würde ich ihn erschießen. Abubakar hat sein Recht auf Leben verspielt“, sagt Abbas.

 

   Die Wurzeln von Boko Haram ("Westliche Bildung ist verboten“) reichen bis zur Jahrtausendwende zurück. Damals wetterte ihr Gründer Mohammed Yusuf nicht nur gegen den Verfall der religiösen Sitten, sondern auch gegen die zum Himmel schreiende Armut im Norden Nigerias, gegen die obszöne Bereicherung einer kleinen Elite und die schamlose Korruption. "Ohne all diese Missstände und die miserable Regierungsführung hätte es die Sekte nie gegeben“, meint der nigerianische Menschenrechtler Kemi Okenyodo.

 

   Schon bald wurde Boko Haram politisch missbraucht. In landestypischer Manier machte sich ein Anwärter auf das Gouverneursamt die Dienste der meist jugendlichen Sektenmitglieder zunutze und versprach ihnen im Falle seines Wahlsiegs Jobs und Einfluss auf die Politik. Als er die Versprechen nach seinem Sieg nicht einhielt, zogen die erzürnten Fanatiker auf die Straße. Ihr Protest wurde von den Sicherheitskräften mit äußerster Brutalität niedergeschlagen, Sektengründer Yusuf verhaftet und im Gefängnis ermordet.

 

   Das Massaker markierte aber nicht das Ende, sondern vielmehr den Beginn des Aufstiegs von Boko Haram. Unter Yusufs Nachfolger Abubakar Shekau erlebte die Sekte einen gravierenden Wandel: Für den Hitzkopf spielen politische oder soziale Probleme gar keine Rolle mehr. Er propagiert vielmehr den reinen Terror.

 

   Vor gut einem Jahr nahm dieser Terror neue Dimensionen an. Die Sekte richtete Blutbäder unter Internatsschülern an und entführte Hunderte von Maturantinnen, um sie als Sexsklavinnen zu halten. Kleine Mädchen wurden mit Sprengstoffgürteln auf überfüllte Marktplätze geschickt, um sich in die Luft zu jagen. Währenddessen metzelten die Milizionäre ein Dorf nach dem anderen nieder - egal, ob dort Christen oder Muslime lebten. Alleine in den vergangenen zwölf Monaten sollen im Nordosten Nigerias mehr als 5000 Menschen umgekommen sein: Mit durchschnittlich 27 Toten pro Tag ist der Konflikt gegenwärtig der blutigste in Afrika.

 

   Doch erst, als die Sekte schließlich ankündigte, im Zentrum des Kontinents einen islamischen Staat zu errichten, schreckte auch das westliche Ausland auf: Irgendetwas musste getan werden. Aber was?

 

   Als größtes Problem bei der Boko-Haram-Bekämpfung erwies sich ausgerechnet Nigerias Militär. Lange schon wird den Generälen vorgeworfen, den Konflikt sogar noch zu schüren: Nur so fließen die Extra-Gelder, die sie dann absahnen können.

 

   Die Soldaten an der Front sind Insidern zufolge hingegen in jeder Hinsicht ausgehungert: Nicht selten würden sie lediglich mit einer Handvoll Munition in den Kampf geschickt, Uniformen und Stiefel müssten sie oft selber kaufen. "Nigerias Streitkräfte sind ein Schatten ihrer selbst“, klagt Ex-General Muhammadu Buhari, der Herausforderer des amtierenden Präsidenten Goodluck Jonathan bei den bevorstehenden Wahlen: Und das sei so gewollt.

 

   Bei einer Wahlkundgebung im Stadion von Yola, der Hauptstadt des Bundesstaats Adamawa, sieht sich der Präsident gezwungen, fast seine gesamte Redezeit dem Vorwurf zu widmen, dass auch er und seine Partei von den Umtrieben der Boko-Haram-Sekte profitiere. Immerhin werden wegen der unsicheren Lage im Nordosten des Landes zahllose Vertriebene nicht zu den Urnen gehen können - und die Region ist nicht nur eine Hochburg der Islamisten, sondern auch der Opposition.

 

   Allah möge all jenen vergeben, die derartig böswillige Unterstellungen verbreiteten, gibt sich der Christ Jonathan empört: "Wie kann ein Präsident sein eigenes Land mit Terror überziehen?“ Um seiner in der Öffentlichkeit vermissten Betroffenheit über die Spirale der Gewalt Ausdruck zu verleihen, bittet der Präsident um eine Schweigeminute: Sie fällt dann allerdings kaum zehn Sekunden lang aus.

 

   Schließlich verspricht Jonathan den Bewohnern Yolas, deren Zahl sich angesichts der über 300.000 Vertriebenen aus dem Umland verdoppelt hat, dass der Boko-Haram-Terror bald ein Ende haben werde: Zumindest damit, sagen Beobachter, werde der Präsident vermutlich Recht behalten.

 

  Besuch bei der Bürgerwehr in Yola Nord. In einer Baracke haben sich acht vom Leben gezeichnete Männer in selbst genähten Uniformen eingefunden. Stolz präsentieren sie ihr Waffenarsenal: Pfeil und Bogen, die im Ernstfall mit Gift angereichert werden, sowie selbst gebastelte Gewehre aus Lenkradsäulen von Landrover-Jeeps. Statt Schrot verwenden die Schützen zerstoßenes Blei aus Autobatterien, und um die Brust haben sie mit Zaubermitteln gefüllte Täschchen hängen.

 

   Ein ordentlicher "Vigilant“ werde nicht einmal von einer aus nächster Nähe abgefeuerten Kugel getötet, versichert Kommandant Abdullahi Ajiya: Das Projektil fliege vielmehr zurück, um den Schützen zu töten. Kein einziger seiner Männer sei im Kampf jemals ernsthaft zu Schaden gekommen.

 

   Es wäre aber falsch, die wackeren Leute von der Bürgerwehr zu belächeln. Immerhin spielten sie eine entscheidende Rolle dabei, Mubi schlussendlich zu befreien.

 

   Nach vier Wochen hatten sie die Besetzung durch Boko Haram und die Untätigkeit der Armee satt. Am 29. November machte sich Kommandant Ajiya mit 13 Mann und anderen Gruppen von "Vigilantes“ aus verschiedenen Teilen des Bundesstaats Richtung Mubi auf. Die einzige Unterstützung, zu der sich die Provinzregierung bereiterklärte, war ein Pickup-Truck.

 

   Kurz vor Mubi ließen sie sich von Soldaten die Lage erklären und marschierten in der Nacht mit ihren Vorderladern auf die Hauptstadt des Kalifats zu, während sich die Armee vornehm im Hintergrund hielt.

 

   Eine selbstmörderische Aktion? Mitnichten. Statt Widerstand zu leisten, seien es nun die Boko-Haram-Angehörigen gewesen, die in heller Panik flüchteten, berichtet Ajiya. Acht der Fanatiker seien getötet und zwei gefangen genommen worden. Nur einer seiner Kämpfer sei während der Operation verletzt worden, fügt der Kommandant hinzu - ihm hatte einer der in sicherer Entfernung folgenden Soldaten ins Bein geschossen. Vor eigenen Kugeln schützen die Zaubermittel offenbar nicht.

 

   Am nächsten Morgen wurde die Bürgerwehr von den verbliebenen Bewohnern der Stadt jubelnd in Empfang genommen.

 

   Schuldirektor Garga war einer der Ersten, der die betagten Befreier begrüßte. Inzwischen habe sich auch die Moral und die Ausrüstung des Militärs verbessert.

 

   Er gehe jede Wette ein, dass in ein paar Wochen niemand mehr über Boko Haram reden werde, prophezeit ein Ex-Soldat der US-Marines, der für die Sicherheit einer privaten Universität in Yola sorgt: Dann seien schließlich auch die Wahlen vorbei und keiner brauche die Aufwiegler mehr.

 

   Und sollte Goodluck Jonathan dann noch im Amt sein, könnte er darauf verweisen, sein Versprechen, dem Spuk ein Ende zu setzen, eingehalten zu haben.

 

Bild: Polizeieinsatz bei einer Wahlkundgebung Ohne Behördenwillkür,Korruption und Armut würde es Boko Haram vielleicht gar nicht geben, vermuten Politologen.

 

Bild: Autowracks in der Nähe von Mubi. Im Oktober 2014 wurde die Stadt von Boko Haram besetzt.

 

Bild: Bürgerwehr-Kämpfer. Vier Wochen später wurden die Islamisten mit Pfeil und Bogen vertrieben.

 


 

Mit freundschaftlichen Grüßen

 

Kurt Schober

Klubsekretär

SPÖ-Parlamentsklub

01/40110-3569

0664 / 44 45 005

kurt.schober@spoe.at

 

 

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