Mittwoch, 4. Februar 2015

Bildungsnewsletter 4. Februar 2015


 

"Die Presse" vom 04.02.2015                               Seite: 12     Von Karl Ettinger und Julia Neuhauser

 

Kulissengespräche

Frauenministerin mit männlichen Sektionschefs

Fünf von sechs Sektionen im Bildungs- und Frauenministerium sind männlich geführt - selbst nach einer Rochade.

 

   Zu Beginn der Woche war Dienstantritt: Andreas Thaller ist seit Anfang Februar neuer Sektionschef für Personal- und Schulmanagement, Recht und Logistik im Bildungsministerium. Der Job wurde wegen der Pensionierung von Wolfgang Stelzmüller frei. Thaller war bisheriger Leiter der Präsidialsektion im Sozialministerium von Rudolf Hundstorfer (SPÖ). Er ist für Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) kein Unbekannter. Denn er war so wie sie zuvor im Beamtenministerium tätig.

 

   Thaller ist jener Mann, der hinter den Kulissen das Sonderpensionsgesetz maßgeblich mitausgearbeitet hat, mit dem die hohen Pensionen in staatlichen und staatsnahen Unternehmen wie der Nationalbank oder den Sozialversicherungen und Kammern gestutzt wurden.

 

   Thallers Avancement kommt überraschend, als er zwar als Fachmann für Personalangelegenheiten gilt, jedoch nicht in Bildungsfragen. Als bemerkenswert gilt die Entscheidung auch deshalb, weil bei Heinisch-Hosek weibliche Kandidaten für den Sektionschefposten nicht zum Zug gekommen sind. Dabei wird die SPÖ-Politikerin, die weiter Frauenministerin geblieben ist, sonst nicht müde, auf Quotenregelungen und die Besetzung von Führungspositionen in der Privatwirtschaft mit Frauen zu drängen. Beim Hearing am 7. Jänner gingen unter anderem Christa Vogel, karenzierte Abteilungsleiterin im Bildungsressort, und Elsa Brunner, Abteilungsleiterin im Bundeskanzleramt für das Bundesdenkmalamt, leer aus. Damit steht weiterhin nur an einer von sechs Sektionen im Bildungs- und Frauenministerium eine Frau an der Spitze: Ines Stilling als Leiterin der Frauensektion.

 

   Als ein Grund für die Bestellung Thallers wird übrigens genannt, dass sich Heinisch-Hosek gerade nach den Flops bei der Zentralmatura einen erfahrenen Mann für eine Schlüsselfunktion im Ressort holen wollte. Mittlerweile heißt es, dass es einen weiteren Karrieresprung für Thaller geben und er zum Generalsekretär des Bildungsministeriums aufsteigen könnte.

 

   E-Mails an: julia.neuhauser@diepresse.com

 


 

"Oberösterreichische Nachrichten" vom 04.02.2015             Seite: 2

 

Reger Wechsel in Heinisch-Hoseks Kabinett

 

   Eine ganze Reihe personeller Änderungen gibt es im Büro von Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SP). Ihre bisherige Kabinettschefin, Eva Schiessl-Foggensteiner, die Heinisch-Hosek aus dem Beamtenressort mitgenommen hatte, scheidet aus.

 

   Die Nachfolgerin deckt weniger den Bildungs- als den Frauenbereich im Ressort ab: Romana Rotschopf war bisher Frauenbeauftragte im Amt der Salzburger Landesregierung.

 

   Ihre Bestellung kann auch als Versuch der Ministerin, sich wieder stärker auch als Frauenministerin zu positionieren, gewertet werden. Für die Bildungsexpertise im Kabinett ist nun vor allem Sven Fisler zuständig, den Heinisch-Hosek von Vorgängerin Claudia Schmied übernommen hatte.

 

   Eine neue Pressesprecherin musste sich Heinisch-Hosek schon Ende des Vorjahres suchen: Julia Valsky, ebenfalls zuvor im Beamtenressort an der Seite der Ministerin, verabschiedete sich in Karenz und dürfte nicht mehr ins Kabinett zurückkehren. Übernommen hat Veronika Maria, sie war davor Sprecherin des burgenländischen SP-Landeshauptmanns Hans Niessl.

 

   Nach einem nur einjährigen Gastspiel nicht mehr im Presseteam ist auch Katharina Ebhart-Kubicek. Sie wird ersetzt durch Johanna Griesmayr, die von Infrastrukturminister Alois Stöger zu Heinisch-Hosek wechselt. Griesmayr war in der Hochschülerschaft und davor bei der Aktion kritischer Schüler aktiv.

 

   Seit dieser Woche im Amt ist der neue Personal-Sektionschef im Unterrichtsministerium, Andreas Thaller - zuvor im Sozialministerium Sektionschef.

 

Bild: Mehr Fokus auf Frauenthemen (apa)

 


 

"Die Presse" vom 04.02.2015                               Seite: 13

 

Lesekrise: Wie Schüler wieder zum Lesen finden

 

   Dissertation. Dass Jugendliche die Lust am Lesen verlieren ist durchaus normal, sagt die Germanistin und Lehrerin Eva Kaufmann. Lehrer sollen Schüler aus Themen wählen lassen. Buben lassen sich am Computer leichter begeistern.

 

   Graz. Über das Leseverhalten von Kindern gibt es durch Studien wie PISA schon einige Erkenntnisse. Allerdings nicht darüber, wie es sich mit dem Alter ändert. Diese Lücke hat nun die Germanistin und Lehrerin Eva Kaufmann mit ihrer Dissertation "Die Lesekrise zu Beginn der Pubertät" gefüllt. Diese Krise - dass Jugendliche die Lust am Lesen verlieren - sei eine durchaus normale Entwicklung (siehe Grafik).

 

   Denn in der Pubertät ändern sich die meisten Faktoren des Lebens abrupt. Pubertierende wollen nicht mehr das lesen, was ihnen bisher gefiel, die bewährten Schemata der Geschichten werden für sie langweilig. Sie lesen seltener, kürzer oder verlieren ganz die Freude daran. Das trifft besonders die Burschen. Und vor allem Kinder, die zu Hause keine Lesevorbilder haben und nicht mit Lesestoff versorgt werden. "Die Rolle des Elternhauses ist zentral", sagt Kaufmann: Je selbstverständlicher bereits in der Familie vorgelesen und erzählt wurde, desto eher greifen Jugendliche auch nach der Pubertät noch zu Büchern und Zeitschriften. Aber: "Auch die Rolle der Schule ist entscheidend."

 

   Tiere versus Comics und Sci-Fi

 

   Kaufmann hat daher auch untersucht, wie die Schule die Schüler zum Lesen zurückführen kann. Entscheidend: die Lust am Lesen. Wie man diese fördert? "Lehrer sollen ganz unterschiedliche Texte zur Verfügung stellen, aus denen Schüler wählen können." Sie hat erhoben, welche Themen und Textsorten für Buben und Mädchen je nach Alter besonders attraktiv sind. Zwischen acht und zwölf Jahren sprechen Mädchen demnach überwiegend klischeehafte "Mädchenthemen" an. Sie lesen gern Geschichten über Tiere oder die Probleme Gleichaltriger. Buben hingegen interessieren sich in diesem Alter mehr für Comics und spannende Geschichten. Ab etwa 13 Jahren greifen Buben eher zu Abenteuer-, Science-Fiction- und Fantasyromanen, während die Mädchen in diesem Alter Bücher über Liebesthemen, Stars oder das Leben und die Probleme von Jugendlichen bevorzugen. Burschen interessieren sich verstärkt für Onlinemedien und lassen sich am Computer leichter für das Lesen begeistern.

 

   Funktionieren könne auch eine tägliche Leseviertelstunde wie in der Neuen Mittelschule Voitsberg, in der Kaufmann unterrichtet. Bessere Leser unterstützen hier etwa die schwächeren. Die Schüler können zudem frei entscheiden, welcher Lesestoff ihnen zusagt. (rovi)

 


 

"Die Presse" vom 04.02.2015                               Seite: 13 Von Andre Anwar und Rosa Schmidt-Vierthaler

 

Weder gute noch schlechte Schüler profitieren von Noten

Studie. Für gute Schüler spielen Noten kaum eine Rolle, auf schlechte wirken sie sich negativ aus. In Österreich verzichten immer mehr Volksschulen auf Ziffernnoten.

 

   In den östlichen Bundesländern stürmten die Kinder schon vergangenen Freitag mit ihren Schulnachrichten aus den Klassen, in den übrigen wird es bald so weit sein. Wenn Großeltern in den Tagen danach ihre Geldbörsen zücken und die Volksschüler für ihre Einser belohnen wollen, wird es allerdings einige Überraschung geben. Denn auf den sogenannten Zeugnissen - offiziell ist die Rückmeldung zur Halbzeit nämlich kein Zeugnis - finden sich in vielen Fällen gar keine Noten.

 

   Stattdessen stehen dort Sätze wie: "Die Erziehungsberechtigten wurden in ausführlichen Gesprächen von den Lehrern über Lernstand und Lernfortschritt informiert." Viele Schüler bekommen auch eine ganze Mappe mit, in der alle Details des Leistungsstandes aufgelistet sind, von "Der Schüler schreibt die Wörter am Satzbeginn groß" bis zu "Der Schüler kann einen Nagel einschlagen".

 

   Der Grund, warum viele Schulen und Lehrer in der Volksschulzeit (und manche auch später noch) Noten ablehnen, ist einfach: Eine Ziffer von eins bis fünf könne nicht ausreichend über die Leistungen der Kinder informieren, sagen sie. Zu viele Informationen müssten hineingepackt werden. Und vor allem sei eine Ziffer nicht motivierend, denn der individuelle Fortschritt werde dabei nicht erfasst. Diese Annahme wird nun auch durch eine aktuelle Studie bestätigt: Eine groß angelegte staatliche und als neutral geltende Untersuchung aus Schweden kommt zu dem Ergebnis, dass Schulnoten für den Lernwillen der Schüler bestenfalls irrelevant sind.

 

   Der staatliche schwedische Wissenschaftsrat hat in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe von umfangreichen Forschungsprojekten zum Thema Schule durchgeführt. Bei der riesigen State-of-the-Art-Untersuchung zum Effekt von Schulnoten auf das Lernen von Schülern haben die schwedischen Wissenschaftler insgesamt 6000 Forschungsartikel analysiert. Genauer unter die Lupe genommen wurden 500 für das Thema besonders aussagekräftige Artikel.

 

   Die aktuelle Forschungsliteratur zum Thema Schulnoten und Lernen deutet demnach darauf hin, dass die Benotung für das Lernen nicht so wichtig ist, wie früher angenommen wurde. "Bessere Schüler können Noten zwar ein kleines bisschen anspornen, aber generell spielen sie keine große Rolle", sagt Christian Lundahl, Pädagogikprofessor an der schwedischen Universität Örebro.

 

   Der negative Effekt ist viel stärker

 

   Hingegen würde die Notenskala Schüler mit schlechten Leistungen nicht dazu motivieren, sich zu verbessern. Noten sollen gar einen direkt negativen Effekt auf die schwachen Schüler haben, denn ihr Selbstbild werde negativ beeinflusst, heißt es im Bericht. "Der negative Effekt von Schulnoten auf schlechte Schüler ist viel stärker als der positive Effekt auf gute Schüler", sagt Professor Lundahl. Generell hätten Schulnoten auf das Lernen keinen großen Effekt.

 

   "Wenn man Probleme in der Schule hat, braucht man Feedback mit einem optimistischen Blick auf die Möglichkeiten, die Schule zu meistern. Das ist, laut Forschung, einer der wichtigsten Faktoren, um schwachen Schülern zu helfen", so Lundahl gegenüber dem öffentlich-rechtlichen Radio Schweden SR. In Schweden erhalten Schüler seit einiger Zeit Noten erst ab der sechsten Klasse, derzeit wird die Einführung von Noten ab der vierten Klasse diskutiert.

 

   Schulversuch seit 50 Jahren

 

   In Österreich ist der Verzicht auf Noten derzeit noch ein Schulversuch - allerdings ein sehr beliebter: Mittlerweile gibt es bundesweit mehr als 1800 derartige Versuche. Das sind um rund 300 mehr als fünf Jahre zuvor. Besonders beliebt sind etwa Varianten, in denen Kinder (auch) selbst ihre Fortschritte dokumentieren, oder Mappen, in denen Arbeiten zu den entsprechenden Lernzielen gesammelt werden und direkt begutachtet werden können. Die verbale Beurteilung ist der wahrscheinlich älteste noch laufende Schulversuch: Im Jahr 2016 feiert er sein 50-Jahr-Jubiläum.

 

   In den einzelnen Bundesländern gehen die Schulen sehr unterschiedlich mit den alternativen Beurteilungen um. Am liebsten lässt man in Oberösterreich und Wien die Noten weg: In der Bundeshauptstadt laufen aktuell 300 Versuche an 264 Schulen. In Oberösterreich sind es 597 Versuche an 560 Schulen. Dass es hier mehr Schulversuche als Volksschulstandorte gibt, liegt daran, dass an einem Standort durchaus auch unterschiedliche Versuche möglich sind.

 

   Am seltensten wird übrigens in Kärnten alternativ beurteilt, hier gibt es nur 16 Schulversuche an 236 Schulen. Auch in Tirol sind lediglich 72 Versuche an 378 Volksschulen angemeldet. Hier können die Großeltern also noch darauf vertrauen, dass das Zeugnis der Enkel nicht viel anders aussieht als ihres damals.

 


 

"Die Presse" vom 04.02.2015                               Seite: 12 von Julia Neuhauser

 

"Volksschulen brauchen Fachlehrer"

Pädagogik. Erwin Rauscher, oberster Vertreter der pädagogischen Hochschulen, hält die neue Lehrerausbildung für "suboptimal". Die Zentralmatura breche mit "Lehrerbequemlichkeiten".

 

      Die Presse: Überrascht es Sie noch, wenn mit der Industriellenvereinigung wieder jemand die Abschaffung der pädagogischen Hochschulen (PH) fordert?

 

   Erwin Rauscher: Ich schätze es, wenn sich die IV zu schulpolitischen Fragen äußert. Mich irritiert aber, dass niemand von den PH dazu befragt wurde. Auch habe ich nicht gelesen, dass die pädagogischen Hochschulen abgeschafft, sondern dass sie in die Unis integriert werden sollen.

 

   Ziel der neuen Lehrerausbildung ist es, die Lehrer nicht mehr für einen Schultyp - also NMS oder Gymnasium - auszubilden, sondern für eine Altersgruppe. Warum braucht es dann zwei unterschiedliche Ausbildungsorte?

 

   Die gesetzliche Lösung - bei der PH und Uni weiter Lehrer ausbilden dürfen und verpflichtet sind zu kooperieren - ist suboptimal. Eine erste Thinktank-Gruppe, die sich mit der neuen Lehrerausbildung beschäftigte, hat sich für die Gründung von eigenen pädagogischen Unis ausgesprochen, wie etwa bei den Medizinern. Ich bin heute noch ein Fan davon.

 

   Woran ist die Idee gescheitert?

 

   Das ist eine politische Frage. Mir persönlich wäre es völlig egal, ob man mich Rektor, Dekan, Institutschef oder Abteilungsleiter nennt, solange die Qualität der gemeinsam geleisteten Arbeit stimmt.

 

   Es wollten also weder Unis und PH noch Wissenschafts- und Bildungsressort Macht abgeben?

 

   Jeder wollte sein eigenes Refugium behalten - auch Länder und Kirche. Nun wird das ermöglicht. Unsere Aufgabe ist es, das Beste aus den Rahmenbedingungen zu machen. Schade ist, dass in der Diskussion das Wo ein verhältnismäßig starkes Gewicht bekommt im Vergleich zur Frage, wie die Lehrerausbildung gestaltet werden soll.

 

  Was soll sich inhaltlich ändern?

 

   Meine Idee wäre, dass Lehramtsstudierende nicht nur ein Zeugnis für Primar- oder Sekundarstufe erhalten, sondern auch ein Diploma Supplement. Darin könnten Zusatzqualifikationen wie Schulentwicklung, Interkulturalität, Mehrsprachigkeit, Inklusion oder Medienerziehung ausgewiesen werden. Außerdem plädiere ich dafür, dass in Volksschulen wenigstens teilweise Fachlehrkräfte eingesetzt werden können, die bestimmte Fächer wie Musik, Englisch oder Sport unterrichten.

 

   Durch die neue Lehrerausbildung wird das Studium an den PH deutlich länger. Befürchten Sie einen Lehrermangel?

 

   Die Frage ist, wie man Lehrermangel definiert. In Niederösterreich sind 200 Studenten in AHS beschäftigt, und fast jeder zweite Hauptschul- bzw. NMS-Lehrer unterrichtet Fächer, die er nicht studiert hat.

 

   Da brauchen wir nicht über Ausbildungsreformen zu sprechen, wenn die Lehrer sowieso nicht in den Fächern eingesetzt werden.

 

   Ich sehe das nicht nur negativ.

 

   Glauben Sie, dass Wissen und Leidenschaft bei diesen Lehrern gleich ausgeprägt sind?

 

   Weder noch. Sonst brauchten wir kein Studium. Meist hängen Wissen und Leidenschaft bei jungen Lehrern enger zusammen als wir glauben. Die Frage ist, ob man Fächer nicht neu definieren soll. Unterricht könnte zusätzlich nach Themenschwerpunkten ausgerichtet werden, für die man den Stellenwert der Fächer neu definiert.

 

   Welchen Vorteil sehen Sie darin?

 

   Früher war alles geregelter: Lehrer haben sich bemüht, auf ihr Fach konzentriert pflichtbewusst ihre Aufgabe zu erfüllen. Heute ist das Verhältnis von Schule und Welt ein diffundierendes geworden. Und die Mitverantwortung für das Werden einer Persönlichkeit ist ungleich stärker beim Lehrer als früher.

 

   Vielfach wird gefordert, dass Lehrer extremistische Tendenzen erkennen sollen. Ist das legitim?

 

   Schule kann sich nicht aus der Gegenwart davonstehlen. Es kann jedoch nicht ihre Aufgabe sein, Familien zu beobachten und zu schauen, ob jemand extremismusgefährdet ist. Politische Bildung und interkulturelle Kompetenzen haben aber mehr Bedeutung denn je.

 

   Spricht das gegen die Aufstockung der Fortbildungen zum Thema Extremismus?

 

   Wo es gelingt, das Wissensspektrum zu erweitern, bin ich dafür. Schülern soll beigebracht werden, was Sunniten, Schiiten und Kurden unterscheidet. Wenn man glaubt, Lehrern eine Diagnosekompetenz für Extremismus vermitteln zu können, halte ich es eher für deplatziert. Da braucht es Fachleute.

 

   Sie haben immer wieder über die schlechten Deutschkenntnisse der Lehramtsbewerber geklagt. Erhoffen Sie sich durch die Zentralmatura Verbesserungen?

 

   Nein. Die Selektionsgenauigkeit wird damit nicht besser. Die Zentralmatura bricht zwar zweifellos mit Lehrerbequemlichkeiten, aber zugleich auch mit Spitzen. Lehrer, die hohe Qualität forderten, gehen derzeit leider resigniert damit um.

 

   Finden Sie es problematisch, wenn sich viele Lehramtsinteressenten bewerben, die die Fertigkeiten nicht mitbringen?

 

   Alle, die im weitesten Sinn Interesse am Lehrberuf haben, sollten zum Test kommen. Ich vergleiche es mit Andi Goldbergers Suche nach Skispringern. Er geht in Volksschulen und fragt nicht: Wollt ihr Skispringer werden? Sondern: Wollt ihr beim Skifahren hüpfen? Dann lässt er sie hüpfen. So erkennen Kinder, dass sie, obwohl sie nicht Skispringer werden wollten, Talent und Freude dabei haben. Bei Lehrern sollte es ähnlich sein.

 


 

"Die Presse" vom 04.02.2015                               Seite: 12

 

Erwin Rauscher (64) ist Gründungsrektor der Pädagogischen...

 

   Erwin Rauscher (64) ist Gründungsrektor der Pädagogischen Hochschule (PH) Niederösterreich. Seit 2013 ist er Vorsitzender der Rektorenkonferenz der pädagogischen Hochschulen. Rauscher habilitierte sich für Religionspädagogik und Schulpädagogik, studierte Philosophie und Theologie. Als Lehrbeauftragter an diversen Universitäten beschäftigte sich Rauscher mit Schulentwicklung und Schulinnovation.

 


 

"Die Presse" vom 04.02.2015                               Seite: 12

 

Innsbruck: Märk bleibt Rektor

In Linz steht die Wahl des neuen Uni-Chefs an.

 

   Innsbruck. Tilmann Märk bleibt bis 2020 Rektor der Universität Innsbruck. Nach dem Senat hat sich gestern, Dienstag, auch der Uni-Rat für eine Verlängerung im Schnellverfahren ausgesprochen. Der 70-Jährige hatte den Job im April 2011 - im ersten Jahr interimistisch - von Karlheinz Töchterle übernommen.

 

   An der Uni Linz fällt kommende Woche die Entscheidung über die Nachfolge von Rektor Richard Hagelauer, der keine weitere Amtszeit anstrebte. Als Favorit gilt der Linzer Jus-Dekan, Meinhard Lukas, der auch bei der Errichtung der Medizinfakultät mitgemischt hat.

 

   Noch unklar ist, ob sich Josef Smolle - der jüngst mit der verkürzten Wiederbestellung an der Med-Uni Graz abgeblitzt ist - nochmals bewirbt. Spannend wird es bald an der Med-Uni Wien: Bis 2. März können sich Kandidaten für den Job an der Spitze bewerben. Der langjährige Rektor, Wolfgang Schütz, tritt Ende September ab. (beba)

 


 

"Die Presse" vom 04.02.2015                               Seite: 12

 

ÖH wird Ende Mai gewählt

19. bis 21. Mai ist als Termin für die Wahl angepeilt.

 

   Wien. Die Studierenden dürfen dieses Jahr ihre Vertretung neu wählen - und zwar wohl in der Woche vor Pfingsten. Laut der Wahltageverordnung, die dieser Tage beschlossen werden soll, soll die Wahl zur Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) diesmal am 19., 20. und 21. Mai stattfinden.

 

   Bei den Wahlen selbst gibt es einige Neuerungen: Zum ersten Mal wird nun einheitlich an Unis, Privatunis, Fachhochschulen und pädagogischen Hochschulen gewählt. Zudem ist die Wahl per Brief möglich - so soll die Wahlbeteiligung gehoben werden. Vor zwei Jahren hatte lediglich gut ein Viertel der Studierenden mitgestimmt.

 

   Wahlberechtigt sind laut Verordnung alle ordentlichen Studierenden, die am 31. März inskribiert sind. Außerordentliche Studierende dürfen dann wählen, wenn ihre Studiengänge mindestens 30 ECTS-Punkte umfassen. (beba)

 


 

"Die Presse" vom 04.02.2015                               Seite: 13

 

1000 Schüler streiken wegen Zentralmatura

Salzburger protestieren gegen kürzere Vorbereitung.

 

   Salzburg. "Keine faulen Kompromisse - Wir streiken für unsere Bildung" oder "Gute Bildung, schönes Leben sollte es für alle geben" war auf den Transparenten zu lesen, mit denen rund 1000 Schülerinnen und Schüler gestern, Dienstag, durch Salzburg zogen. Der Grund für den "Schülerstreik", zu dem unter anderem die roten AKS-Schülervertreter aufgerufen hatten: die Kürzung der Vorbereitungsstunden für die mündliche Matura.

 

   Statt bis zu 16 Stunden sind nur noch vier Stunden pro Prüfung vorgesehen. Den jüngsten Kompromiss, den auch die Bundesschülervertretung mitgetragen hat - die Zeit zwischen Notenschluss und dem letzten Schultag zur Vorbereitung zu nutzen -, lehnen die Salzburger Schülerinnen und Schüler ab. "In dieser Zeit braucht man eigentlich jede Minute, um sich auf die schriftliche Prüfung vorzubereiten", sagt Mitorganisatorin Hannah Gehmacher von der AKS zur "Presse".

 

   Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) kündigte zuletzt an, das Ministerium werde die Neugestaltung der Vorbereitungsphase für die mündliche Matura nach dem ersten Zentralmaturadurchgang im Juni evaluieren.

 

   Abgabetermin naht

 

   Nach den Semesterferien wird es für die Maturanten übrigens erstmals ernst: Die Vorwissenschaftliche Arbeit - der erste Teil der Zentralmatura - muss bis Ende der ersten Schulwoche des zweiten Semesters abgegeben werden. Erstmals müssen alle Maturanten eine wissenschaftliche Arbeit zu einem selbst ausgewählten und offiziell genehmigten Thema abgeben. Die Arbeit soll 40.000 bis 60.000 Zeichen umfassen.

 

   Zuletzt gab es Verwirrungen um die Berechnung der Zeichenzahl. Offenbar dürfte, wie der grüne Bildungssprecher, Harald Walser, monierte, nicht allen Schülern klar gewesen sein, dass Fußnoten nicht zur Gänze zur Zeichenzahl zu zählen sind. Das gilt nämlich nur für Erklärungen und Ergänzungen in Fußnoten. Das Bildungsministerium wehrte sich: Diese Regelung sei auch von Beginn an so kommuniziert worden. (red.)

 


 

"Der Standard" vom 04.02.2015                                Seite: 8

 

1000 Schüler streiken in Salzburg gegen Bildungskürzungen

 

   Während in Wien und Niederösterreich die Schüler bereits ihre Ferien genießen, riefen die Salzburger Schüler am Dienstag zum Streik gegen Bildungskürzungen auf. Rund tausend Schüler gingen auf die Straße, um gegen die Kürzung der Vorbereitungsstunden für die Matura zu demonstrieren. Nur noch ein Viertel der bisherigen Vorbereitungszeit soll nach den Plänen von Bildungsministerin Heinisch-Hosek (SPÖ) künftig ausreichen. Für die ab 2015 an den AHS verpflichtende neue Reifeprüfung werden den Lehrern nur mehr vier statt bisher 16 Vorbereitungsstunden für Hauptfächer bezahlt. Das wollen die Schüler nicht akzeptieren und riefen unter Federführung der Aktion Kritischer Schüler (aks) und der Sozialistische Linkspartei (SLP) zum Streik auf. „Statt Geld für Aufrüstung und Banken fordern wir Geld für Bildung“, betont Stefan Reifberger, Schulsprecher am BRG Akademiestraße. Heinisch-Hoseks Vorschlag die Zeit zwischen Notenschluss und letztem Schultag als Vorbereitung zu verwenden lehnen sie ab.

 


 

"Die Presse" vom 04.02.2015                               Seite: 27 quergeschrieben VON SIBYLLE HAMANN

 

Arbeiterbewegung hat viele Kinder Einige liebt sie mehr als andere

Wenn die Sozialdemokratie von Integration spricht, klingt sie häufig defensiv und zwiespältig. Wohl, weil sie ihrer eigenen Klientel nicht traut.

 

   Die sozialistische Bewegung trat vor 120 Jahren an, um die Arbeiterkinder aus der Finsternis zu holen. Heraus aus den feuchten Zimmer-Küche-Wohnungen, hin zu Licht, Luft, Bildung, Kultur, Selbstbewusstsein, Würde. "Integration" würde man heute sagen. Ein Begriff, bei dem es damals wie heute weniger um kulturelle Gleichmacherei, sondern eher um gesellschaftliche Teilhabe und Mitbestimmung geht.

 

   Aus historischer Perspektive betrachtet kann man sagen: Die SPÖ war damit höchst erfolgreich. Die böhmischen Arbeiterkinder aus den Favoritner Ziegelwerken, die Kinder der vom Dorf zugewanderten Tagelöhner und Dienstmädchen gingen in die Schule, lernten schreiben, tankten Licht, Luft, Kultur, Selbstbewusstsein und ließen die feuchten Zimmer-Küche-Wohnungen hinter sich. Ihre Kinder und Enkelkinder - zumindest die meisten - schafften in den folgenden Jahrzehnten den gesellschaftlichen Aufstieg, zogen in die neu gebauten kommunalen Siedlungen, mit fließendem Wasser, Zentralheizung, Grünflächen, Konsum-Supermarkt und Bibliothek.

 

   Die Sozialdemokratie begleitete sie auf diesem Weg hinaus aus den Zinskasernen, hinein in den Gemeindebau. Sie blieb bei ihnen, vertrat weiterhin ihre (sich verändernden) Interessen, zählte auf ihre Dankbarkeit und auf ihre Wählerstimmen, und bekam sie auch. Man war und ist bis heute stolz auf diese historische Leistung. Bei jeder Gelegenheit, die sich bietet, posaunt die SPÖ sie in die Welt hinaus. Zu Recht.

 

   Doch die feuchten Zimmer-Küche-Wohnungen in den Zinskasernen gab es weiterhin. Sie blieben nicht leer. Es zogen dort neue Kinder ein: In den 1970er- und 1980er-Jahren die Kinder von Bauarbeitern, Fabriksarbeiterinnen und Marktstandlern aus Jugoslawien und der Türkei, in den 1990er-Jahren die Kinder von Zeitungsausträgern, Paketzustellern, Näherinnen, Taxifahrern und Putzfrauen aus aller Herren Länder.

 

   Grundsätzlich war die Sozialdemokratie auch für diese neuen Arbeiterkinder da. Fühlte sich dafür zuständig, auch ihnen Licht, Luft, Bildung, Kultur und gesellschaftliche Teilhabe zu bringen. "Integration", wie man sagt.

 

   Aber es gab einen Unterschied zu früher: Die SPÖ redete nicht so laut darüber, posaunte das, was sie tat, diesmal nicht in die Welt hinaus. Denn sie war nicht ganz sicher, was ihre alte Klientel in den Gemeinde- und Genossenschaftswohnungen dazu sagen würde. Ob die vielleicht eifersüchtig werden? Macht es sie eventuell nervös, wenn sie merken, dass neue Aufsteiger einen ähnlichen Weg gehen wie einst ihre eigenen Eltern und Großeltern, und ihnen dabei von der SPÖ geholfen wird? Jeder Aufstieg neuer Gruppen bedeutet schließlich: neue Konkurrenz.

 

   In diesem Gedankengang könnte der eigenartige Zwiespalt begründet liegen, den man oft spürt, wenn die heutigen SPÖ-Politiker über Integration reden. Zwar machen sie für die Arbeiterkinder von früher und die Arbeiterkinder von heute Politik - aber man merkt ihnen an, das ihnen Erstere mehr ans Herz gewachsen sind als Letztere. Das schlägt sich in der konkreten Politik nieder.

 

   Es gibt öffentliche Schulen für alle - aber gleichzeitig große Unterschiede zwischen guten und weniger guten öffentlichen Schulen. Es gibt Horte, Ferienbetreuung, Gratisnachhilfe, Jugendarbeit und Kulturangebote - aber dort, wo all das am dringendsten gebraucht wird, wird es mit dem wenigsten Nachdruck beworben. Es gibt Ganztagsschulen - aber jene, denen sie am meisten bringen würden (den Kindern von Arbeitslosen, Asylwerbern) kriegen dort keinen Platz. Ausländer dürfen seit acht Jahren zwar im Gemeindebau wohnen - aber für diese Öffnung hat die SPÖ eine EU-Richtlinie gebraucht, und an die große Glocke gehängt wurde sie nicht.

 

   Kann man sich vorstellen, ein sozialistischer Politiker der Jahrhundertwende hätte "nicht integrationswilligen" Arbeitern mit Strafen gedroht? Nein, das kann man nicht.

 

   E-Mails an: debatte@diepresse.com

 


 

"Der Standard" vom 04.02.2015                                Seite: 7

 

Pflichtkindergarten unzureichend umgesetzt

Bevor ein weiteresPflichtkindergartenjahr eingeführt wird, müsste die Qualität in den Kindergärten bundesweit sichergestellt werden, fordert die Kleinkindforscherin Birgit Hartel.

 

   Wien – Im Zuge der Debatte zur „Integrationsfähigkeit“ hatten unter anderem Bundeskanzler Werner Faymann, Burgenlands Landeshauptmann Hans Niessl und Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek einmal mehr – entsprechend dem Regierungsprogramm – die Einführung eines zweiten verpflichtenden Kindergartenjahres gefordert. Dieser soll die Bildungschancen für alle verbessern. Bildungsexpertinnen bemängeln allerdings die Umsetzung des bereits existierenden Pflichtkindergartenjahres.

 

   Birgit Hartel, wissenschaftliche Leiterin des Charlotte-Bühler-Instituts für praxisorientierte Kleinkindforschung, kritisiert im Gespräch mit dem Standard, dass der seit fünf Jahren für alle Kindergärten in Österreich geltende Bildungsrahmenplan mitunter nur unzureichend umgesetzt wird. „Der Plan wurde nicht in allen Bundesländern im gleichen Ausmaß eingeführt“, sagt Hartel.

 

   Evaluierung ausgeblieben

 

   Die Mitautorin des Bildungsrahmenplanes moniert, dass es etwa keine Vorgaben gibt, in welchem Umfang Kindergartenpädagoginnen sich zum Zwecke der Umsetzung des Rahmenplanes fortbilden müssen. Jedes Bundesland und zum Teil jede Einrichtung könne das nach eigenem Ermessen regeln. Eine fundierte Evaluierung seitens der Politik sei bisher ausgeblieben. In einzelnen Bundesländern würden Pädagoginnen unterschiedliche Rahmenbedingungen vorfinden, beispielsweise was die Vorbereitungszeit betrifft. Aber auch innerhalb einzelner Bundesländer ortet Hartel krasse Unterschiede was die pädagogische Qualität betrifft. Vor allem in Wien sei angesichts des „Wildwuchses“ an Kindergruppen, deren Personal mitunter nicht ausreichend ausgebildet sei, fraglich, ob die Bildungsqualität durchgehend gewährleistet werden kann.

 

   „Ein zweites Kindergartenjahr einzuführen, ohne ausreichende pädagogische Qualität für alle Kindergartenkinder sicherzustellen, wäre grob fahrlässig“, sagt Hartel. Denn ein verpflichtendes Kindergartenjahr könne nur dann Outcomes bilden, wenn dafür gesorgt wird, dass dort hohe Qualität geboten wird.

 

   Einer Qualitätsverbesserung wäre es dienlich, wenn sämtliche Kindergartenagenden von Länderkompetenz in Bundeskompetenz, und zwar ins Bildungsministerium wandern, sagt Heidemarie Lex-Nalis von der Elementarpädagogikplattform Educare, im Gespräch mit dem Standard. „Derzeit bleibt es letztendlich dem Bürgermeister zu beurteilen, ob pädagogische Kriterien eingehalten werden“, sagt Lex-Nalis.

 

   Aus dem Büro von Familienministerin Sophie Karmasin heißt es, man halte am aktuellen Modell fest, Kindergärten sollen weiterhin Länderkompetenz bleiben. Für Ende des Jahres 2016 stellen sowohl Karmasin als auch Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek einen „bundesweiten Rahmenplan für Qualität in der Kinderpädagogik“ in Aussicht. Bei der Forderung nach einem zweiten Pflichtjahr gilt es zu beachten, dass bereits jetzt die Betreuungsquote der Vierjährigen österreichweit relativ hoch ist.

 

   Schlusslicht Wien

 

   So besuchten im Jahr 2013/2014 95,8 Prozent der Fünfjährigen und 94,2 Prozent der Vierjährigen den Kindergarten. Wien bildete mit 88,3 Prozent bei den Vierjährigen das Schlusslicht. In Oberösterreich liegt die Betreuungsquote der Vierjährigen aktuell bei 98 Prozent. Bildungslandesrätin Doris Hummer (ÖVP) hält von der Einführung eines zweiten Pflichtjahres mit Verweis auf die ohnehin hohen Besuchsquoten nichts. Mit der Ausweitung der Pflicht würde für die Eltern zudem der Freiraum eingeschränkt. In Salzburg wäre schon das erste verpflichtende Kindergartenjahr nicht notwendig gewesen, denn schon vorher gingen fast alle Fünfjährigen in den Kindergarten, heißt es aus dem Büro der zuständigen Landesrätin Martina Berthold (Grüne). In Tirol werden 98 Prozent der Vierjährigen im Kindergarten betreut. In Vorarlberg gehen 97 Prozent der Vierjährigen in den Kindergarten. Ein zweites verpflichtendes Jahr brauche man nicht, sagt Landesrätin Bernadette Mennel (VP).

 

   Übertroffen wird Betreuungsquote nur im Burgenland: „Praktisch 100 Prozent“ aller Burgenländer und Burgenländerinnen zwischen drei und sechs Jahren gehen in einen Kindergarten, heißt es im Büro der zuständigen Landesrätin Verena Dunst (SPÖ). (burg, jub, ruep, skh, mika, wei)

 


 

"Der Standard" vom 04.02.2015                                Seite: 1

 

VP: Neisser, Riegler für Kopftuchverbot in den Schulen

Ehemaliger Nationalratspräsident und Ex-Parteichef heizen Integrationsdebatte an

 

   Wien – Josef Riegler, ehemaliger ÖVP-Chef und Vizekanzler, und Heinrich Neisser, ehemaliger Nationalratspräsident, unterstützen die Forderungen nach Sanktionen für sogenannte Integrationsunwillige und gehen noch einen Schritt weiter: Die beiden ehemaligen ÖVP-Politiker fordern ein generelles Kopftuchverbot an Schulen und ein Vollverschleierungsverbot in der Öffentlichkeit.

 

   Die Debatte über Sanktionen, wie sie von Außenminister Sebastian Kurz und den Landeshauptleuten Franz Voves und Hans Niessl – beide SPÖ – angestoßen wurde, sei längst überfällig. In der ÖVP steht man einem Kopftuchverbot allerdings skeptisch gegenüber, Schnellschüsse seien in der aufgeheizten Stimmung nicht hilfreich, heißt es. „Punktuelle Einzelvorschläge bringen uns in der Integrationsdebatte nicht weiter, sondern heizen nur die Stimmung auf.“

 

   Neisser und Riegler sind Präsidenten von Nova Europa, einer Organisation, die sich für eine kerneuropäische Föderation einsetzt.

 


 

"Der Standard" vom 04.02.2015                                Seite: 8

 

Neisser und Riegler für Kopftuchverbot an den Schulen

 

   Ehemalige ÖVP-Politiker unterstützen Kurz, Voves und Niessl in der Integrationsdebatte und gehen noch einen Schritt: Das Kopftuch sei als Ausdruck der Ideologie der Ungleichheit von Mann und Frau nicht akzeptabel, eine Debatte über Sanktionen längst überfällig.

 

   Wien – Zwei prominente ehemalige ÖVP-Politiker, die dem liberalen Lager zugerechnet werden, unterstützen die Vorschläge für strengere Sanktionen gegen sogenannte Integrationsunwillige. Josef Rieger, ehemals ÖVP-Chef und Vizekanzler, sowie Heinrich Neisser, ehemals Nationalratspräsident, sprechen sich für ein Kopftuchverbot an Schulen und ein Vollverschleierungsverbot in der Öffentlichkeit aus. Integrationsunwilligkeit sollte mit 1000 Euro Verwaltungsstrafe oder dem Entzug der Familienbeihilfe geahndet werden.

 

   Die Kopftuchideologie sei reaktionär, argumentieren die beiden Ex-Politiker. Riegler: „Wir brauchen einen verpflichtenden Ethikunterricht an den Schulen, in welchem die europäischen Werte vermittelt und die Kinder und Jugendlichen in diesem Wertesystem sozialisiert werden. Da hat das Kopftuch als Ausdruck der Ideologie der Ungleichheit von Mann und Frau keinen Platz. Und natürlich kann nicht akzeptiert werden, wenn Schülerinnen nicht am Schwimmunterricht teilnehmen.“

 

   Wichtigstes Kriterium für die Verleihung der Staatsbürgerschaft müsse das vorbehaltlose Bekenntnis zum Wertekanon Europas sein, insbesondere zu einem modernen Frauenbild, zur Gleichberechtigung der Geschlechter und zur Trennung von Religion und Staat. „Die durch Minister Sebastian Kurz und die Landeshauptleute Franz Voves und Hans Niessl angestoßene Debatte war längst überfällig“, sagt Riegler.

 

   Neisser betont die europäische Dimension des Problems und verlangt, dass „die Sache grundsätzlicher angegangen werden muss. Es muss bei der ideologischen Wurzel angesetzt werden – der Auffassung, dass die Frau dem Mann untergeordnet ist. Für diese Haltungen, die hinter der Kopftuchideologie stehen, kann es in Europa keine Toleranz geben – weil sie mit Menschenrechten und Gleichberechtigung der Geschlechter unvereinbar sind.“

 

   Neisser und Riegler sind die Präsidenten von „Nova Europa“, einer Organisation, die für die Gründung einer kerneuropäischen Föderation, einer sogenannten „Europäischen Republik“ eintritt. Gesellschaftspolitisch steht Nova Europa für einen laizistischen Staat.

 

   In der ÖVP steht man der Forderung nach einem Kopftuchverbot skeptisch gegenüber, wie eine Nachfrage des Standard ergab. In dieser aufgeheizten Stimmung seien Schnellschüsse nicht angebracht. (völ)

 


 

Mit freundschaftlichen Grüßen

 

Kurt Schober

Klubsekretär

SPÖ-Parlamentsklub

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