Freitag, 13. März 2015

2015.03.13: Newsletter Bildung

Die Presse – 13. März 2015

 

 

Länder ködern Lehrer: "Besser aufgehoben"

ÖVP-Landeschef Josef Pühringer legt sich mit Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek an.

Linz. „Fürchtet euch nicht! Ihr seid bei mir mindestens so gut aufgehoben wie bei der derzeitigen Unterrichtsministerin.“ Mit einem Seitenhieb auf Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ), ohne diese allerdings namentlich zu nennen, rührte Oberösterreichs Landeshauptmann Josef (ÖVP) vor mehreren hundert Lehrern an höheren Schulen (AHS, BHS, HTL) die Werbetrommel für die Übernahme der Schulverwaltung: Auch für diese Bundeslehrer sollen möglichst bald wie für die Pflichtschullehrer (Landeslehrer) die Länder zuständig sein.

Anlass war der Bundeslehrertag der schwarzen Lehrervertreter (FCG) am Donnerstag in Linz. Damit würden auch „massive Unsinnigkeiten“ beseitigt, etwa, dass bei Direktorenernennungen der Akt über so viele Schreibtische wandere: „Man kann uns das zutrauen.“ Zuletzt war in der SPÖ-ÖVP-Schulreformkommission auf Bundesebene die Frage der „Verländerung“ der Bundeslehrer erneut zurückgestellt worden.

Einen zweiten Seitenhieb auf die Ministerin gab es von Pühringer wegen der Aushöhlung der Gymnasien: „Ich war nie ein Freund der Neuen Mittelschule.“ Und: „Ich glaube, dass dort die Ressourcen nicht optimal genutzt sind.“ Es dürften daher nicht weitere Mittel von den AHS für die Neue Mittelschule abgezogen werden.

SPÖ warnt vor Regionalliga

Ganz in der Nähe warnte der Linzer Vizebürgermeister Christian Forsterleitner (SPÖ) beim Bundeslehrertag der Sozialdemokratischen Akademiker (BSA) vor rund 500 Zuhörern davor, dass eine Verländerung der Schulverwaltung diese noch teurer mache. „Wer bei der Bildung in der Champions League spielen will, darf nicht mit neun Mannschaften der Regionalliga auf das Spielfeld laufen.“ (ett)

 

 

Der Standard – 13. März 2015

 

 

Haslauer fordert "weitaus stärkere Autonomie der Schulen"

Der Salzburger Landeschef und ÖVP-Bildungsverhandler will die Lehrer zu den Ländern ziehen

Salzburg - Der Salzburger Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) hat sich im Ö1-"Morgenjournal" am Donnerstag für mehr Autonomie der einzelnen Schulstandorte ausgesprochen. Haslauer, der für die ÖVP in der Arbeitsgruppe zur Bildungsreform sitzt, nutzte dabei das schlechte Evaluierungsergebnis der Neuen Mittelschule (NMS) für folgenden Befund: "Es hat sich als Fehler herausgestellt, die NMS flächendeckend einzuführen." Da man jetzt aber "wahrscheinlich auch nicht mehr zurück" könne, liegt die Antwort für ihn in einer "weitaus stärkeren Autonomie der Schulen".

Große Politik, kleiner Vollzug

Das Papier, das die Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur organisatorischen Neuaufstellung des Schulsystems vorgelegt hat, hält Haslauer für "sehr qualifiziert". Er spricht von einem "absolut richtigen Schritt", einerseits "eine österreichweite Bildungspolitik, die vom Bund, vom Ministerium vorgegeben wird", zu haben. Aber: "Der Vollzug, die Lehrerverwaltung, die Stellenplatzverwaltung und die Sprengelverwaltung - alles, was dazugehört -, soll in den Ländern durch die Bildungsdirektionen durchgeführt werden."

 

Wiener Zeitung – 13. März 2015

 

 

Mentoring-Programme spiegeln sich im schulischen Erfolg wider

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die bekannteste Studie zum System des Mentorings ist laut Experten die 1995 publizierte "Making a Difference - An Impact Study of Big Brothers Big Sisters"-Erhebung aus den USA.© APAweb/Till Lammer, RAUM3

 

Wien. Bildung ist bekanntermaßen ein wichtiger, stabilisierender Schlüssel, um weg vom demoralisierenden sozialen Rand der Gesellschaft zu kommen. Darauf verweisen die Initiatoren und Verantwortlichen des international agierenden Mentoring-Programms "Big Brothers Big Sisters Österreich" (BBBS), die das Programm nach einer erfolgreichen Pilotphase in Wien ausweiten wollen. Unterstützt werden sie dabei vom Amt für Kinder, Jugend und Familie der Stadt Wien (MAG ELF).

In vielen europäischen Großstädten werden Mentoring-Programme, die sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche beim meist harten Weg ins Erwachsenenleben unterstützen, flächendeckend angeboten. Wien muss diesbezüglich noch aufholen, obwohl Mentoring-Systeme, besonders was den Bildungsfortschritt anbelangt, gute Erfolge vorzuweisen haben, wie Erhebungen der BBBS-Organisation bereits gezeigt haben.

Bessere Noten

Das Akzeptanzproblem derartiger "weicher" Initiativen liegt Experten zufolge in der kaum vorhandenen Messbarkeit in "harten" Zahlen und Fakten. Das stimmt laut Oliver Wenninger, Leiter des Projekts in Österreich, aber nur bedingt. So hat der BBBS "Youth Outcomes Report" aus dem Jahr 2013 gezeigt, dass Kinder aus Tandems - Kinder/Jugendliche bilden nach einem ausführlichen Auswahlverfahren für eine vereinbarte Zeit mit passenden Erwachsenen eine Partnerschaft (Mentee/Mentor)- schulisch besser abschneiden. Demnach erhielten sie um bis zu drei Grade bessere Noten als vergleichbare Schüler ohne Mentoren. Das stärkt laut den BBBS-Verantwortlichen natürlich das Selbstvertrauen, was besonders bei Mädchen erkennbar war.

Das spiegelt sich auch in der Meinung anderer Jugendlicher. In einer Erhebung von BBBS Kanada (2013) meinten rund 88 Prozent der befragten Schüler, dass Klassenkameraden mit Mentoren schulisch besser abschneiden.

"Harte" Fakten lieferte auch eine Erhebung des internationalen Marktforschungsunternehmens Harris Interactive aus dem Jahr 2009. Demnach wiesen 77 Prozent der jugendlichen Teilnehmer des BBBS-Programms einen besseren schulischen Erfolg auf als vergleichbare Kinder ohne Mentoren. Einen höheren Schulabschluss als ursprünglich möglich erreichten laut den Angaben 65 Prozent. 52 Prozent der BBBS-Mentees äußerten, ihre Mentoren hätten ihnen geholfen, die Schule nicht abzubrechen. Ebenso erreichten sie weit häufiger einen Hochschulabschluss (28 Prozent versus 16 Prozent).

Praktiker bestätigen Statistik

Diese Statistikwerte sehen auch Wiener Lehrer in der Praxis bestätigt. So auch Elisabetha Suminoski, Lehrerin an der Offenen Neuen Mittelschule (ONMS) Max-Winterplatz im 2. Wiener Gemeindebezirk, die schon einige Schülerinnen in ihren Klassen hatte, die von BBBS-Mentorinnen begleitet wurden.

"Einige davon wären sicher an den Herausforderungen der Schule gescheitert. Es war während des Programms ganz deutlich zu beobachten, wie das Selbstvertrauen der Mädchen stieg und ihnen der Wert von Bildung bewusst wurde", erklärte sie im Gespräch mit der APA. Ebenso wurden sie laut der Lehrerin bestärkt, eigene Entscheidungen zu treffen. Die Partnerschaft mit der "großen Schwester" habe ihnen auch den Blick in eine andere Welt gezeigt neben der, in die sie hineingeboren wurden. "Das ist besonders bei Kindern aus bildungsfernen Familien ganz wichtig", so Suminoski, die das Programm partnerschaftlich unterstützt: "Das BBBS-Team macht hervorragende Arbeit, die ganz wichtig ist und unterstützt gehört. Das muss einmal gesagt werden."

Ähnlich sehen das die Mentoren selbst. So etwa Christian Roch und seine Frau, die derzeit zwei der knapp über 50 Tandems in Wien bilden. "Das können wir bestätigen. Besonders bei dem Mädchen hat es merkbare schulische Verbesserungen gegeben", so Roch. Das lasse sich nicht nur mit der klassischen Nachhilfe erklären. Bei seinem afghanischen Mentee wiederum hat die deutsche Sprache als Basis für künftige Bildungsweg-Entscheidungen - Studium oder Jobsuche - entscheidende Fortschritte gemacht.

Die Grundidee von "Big Brothers Big Sisters"

Die Grundidee: Erwachsene schenken ihren kleinen "Schwestern" oder "Brüdern" gemeinsame Zeit. Am Beginn steht ein ausführliches Auswahlverfahren, um für die Jugendlichen den idealen großen Bruder oder die ideale große Schwester zu finden. Diese bilden dann Tandems. Buben bekommen einen Mentor, Mädchen eine Mentorin. Insgesamt sollten für die Dauer von mindestens einem Jahr etwa acht Stunden im Monat miteinander verbracht werden.

Dabei werden die Tandems von einem professionellen Team aus Psychologen begleitet. "Von dieser Form des Mentorings profitieren nicht nur die Kinder und Mentoren. Es ergeben sich auch positive Folgewirkungen für die Gesellschaft und für die Familien der Kinder", erklärt BBBS-Österreich-Leiter Oliver Wenninger.

Übrigens werden derzeit laut Wenninger vor allem männliche Mentoren gesucht, da es bei den Jugendlichen mehr Anmeldungen von Buben gibt. Auch Spenden gegenüber ist man nicht abgeneigt, denn bei allem Idealismus geht es ohne Geld einfach nicht. Letztlich sind finanzielle Zuwendungen für derartige Programme ganz essenziell und überlebenswichtig.

"Making a Difference"

Die bekannteste Studie zum System des Mentorings ist laut Experten die 1995 publizierte "Making a Difference - An Impact Study of Big Brothers Big Sisters"-Erhebung aus den USA. Dabei wurden 1.138 Jugendliche im Alter von 10 bis 16 Jahren befragt. Danach wurden nach dem Zufallsprinzip eine Hälfte an Mentoren vermittelt, die andere war auf einer Warteliste. Nach 18 Monaten wurden die verbliebenen 959 Probanden nochmals interviewt. Dabei zeigte sich bei den Mentees verglichen mit den Jugendlichen von der Warteliste signifikante Unterschiede: deutlich geringerer Drogenmissbrauch, weniger psychische Probleme und ein markant positivere Einstellung zu Familie und Schule.

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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