Dienstag, 17. März 2015

2015.03.17: Newsletter Bildung

Die Presse – 17. März 2015

 

 

Gehälter: Lehrer stehen vor Kampfmaßnahmen

Der Gehaltskonflikt um Vordienstzeiten im öffentlichen Dienst spitzt sich zu. Regierung und Gewerkschaft suchten vergeblich eine Lösung. EU-Urteil betrifft auch 30.000 Eisenbahner.

 

Wien. Es geht um eine drohende Verschlechterung bei den Gehältern – und deswegen sind zigtausende Beamte und Vertragsbedienstete seit Wochen höchst alarmiert. Konkret dreht sich alles um die Anrechnung von Vordienstzeiten bei den Gehältern. Mittlerweile steht sogar ein Arbeitskampf mit dem Dienstgeber Bund bevor.

Die Regierungsparteien SPÖ und ÖVP haben im Jänner im Eilzugstempo und ohne vorherige Begutachtung eine Gesetzesreparatur im Parlament durchgeboxt. Zuvor hatte der Europäische Gerichtshof (EuGH) die Lösung im vergangenen Jahr gekippt. Zeitgleich mit dem Nationalratsbeschluss wurde auf Betreiben der ÖVP in einem Entschließungsantrag die Regierung zu Nachverhandlungen aufgefordert. Von der für die Beamten zuständigen Kanzleramtsstaatssekretärin Sonja Steßl (SPÖ) wurden prompt Gespräche zugesagt, um Einbußen zu vermeiden.

Nach rund einem Dutzend Verhandlungen auf Expertenebene gibt es allerdings keine Lösung. Jetzt verlieren die Beamtenvertreter die Geduld, weil sie das Gefühl haben, mit den Verhandlungen hingehalten zu werden. Nachdem der Vorsitzende der Beamtengewerkschaft, Fritz Neugebauer (ÖVP), schon den Druck auf die Staatssekretärin erhöht und mit Protestaktionen gedroht hat, sind Lehrervertreter einen Schritt weiter.

Frist läuft bis Ostern

Die Gewerkschaft der Lehrer an berufsbildenden mittleren und höheren Schulen mit Vorsitzendem Jürgen Rainer hat einen Vorstandsbeschluss gewerkschaftlicher Kampfmaßnahmen gefasst. Entsprechende Informationen gab es in der Vorwoche an Lehrervertreter in den einzelnen Schulen. Dazu wird es nach Ostern, also ab der zweiten Aprilwoche, kommen, wenn die Verhandlungen bis dahin ergebnislos bleiben. Vorerst geht es nicht um Streik, sondern um Dienststellenversammlungen an Schulen, um die rund 22.000 Lehrer an den berufsbildenden mittleren und höheren Schulen zu informieren. Vereinfacht geht es darum, dass Beamte und Vertragsbedienstete um eine Gehaltsvorrückung umfallen, was sich in der Folge auf die Lebensverdienstsumme auswirkt. Vertreter der Richter und Staatsanwälte haben schon rund um den Nationalratsbeschluss im Jänner ihrem Unmut lautstark Luft gemacht.

SPÖ und ÖVP haben dennoch ohne die sonst übliche Einigung zwischen Beamtengewerkschaft und Staatssekretärin Steßl über eine Neuregelung zur Anrechnung der Vordienstzeiten den Eilbeschluss gefasst. Die Begründung: Es sollte Klarheit vor einer Flut an Anträgen von Bediensteten geschaffen werden, gleichzeitig sollten Belastungen allein für den Bund in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro abgewendet werden. Diese hätten sonst das Budget jedenfalls zusätzlich stark belastet und gesprengt.

Im Staatssekretariat wurde der „Presse“ am Montag bestätigt, dass die Verhandlungen bereits laufen. Steßl hatte zuvor mehrfach versichert, dass sie an einer Lösung interessiert sei, durch die Einbußen für die Mitarbeiter vermieden werden. Die ÖVP-dominierten Lehrervertreter setzen ihre Hoffnungen auch darauf, dass die Beamten bei den ÖBB betroffen sind.

Schützenhilfe auf SPÖ-Seite

Der Europäische Gerichtshof hat in einem Erkenntnis im Jänner auch die Anrechnung der Vordienstzeiten bei den Eisenbahnerbeamten als diskriminierend aufgehoben. Bei den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) dürften insgesamt rund 30.000 Beamte betroffen sein.

Der Hintergrund: Die Eisenbahner sind traditionell eine tiefrote Klientel. Lehrer- und Beamtengewerkschafter rechnen daher mit mehr Aufmerksamkeit und Rückhalt in der SPÖ bis hinein ins Bundeskanzleramt, wenn die Eisenbahnergewerkschafter Druck machen.

 

 

Die Presse – 17. März 2015

 

 

Deutschpflicht: Schulträger pfeift Direktorin zurück

Das Verbot aller anderen Sprachen außer Deutsch an einer Mödlinger Schule sorgte für Wirbel.

Nachdem eine Mödlinger Schulleiterin mit ihrem Deutschpflichterlass für Wirbel sorgte, distanziert sich nun der Schulträger: Die Wiener Kaufmannschaft – sie ist Erhalter der Vienna Business Schools, um dessen Mödlinger Ableger es sich handelt – rückte am späten Montagnachmittag aus: In besagtem Schreiben sei es zu „missverständlichen Formulierungen“ gekommen.

Laut dem Schreiben dürfen Schüler der privaten Handelsakademie außer im Fremdsprachenunterricht nur noch Deutsch sprechen. Das gelte auch in den Pausen und bei Telefonaten. Sollten Schüler mit ihren Eltern nur in einer anderen Sprache als Deutsch kommunizieren können, dürften diese Gespräche nur in einem Bereich der Schule geführt werden, „wo sich keine anderen Personen aufhalten, die sich auf irgendeine Art beleidigt fühlen könnten“.

„Stolz auf Miteinander“

Die Kaufmannschaft spricht jetzt von einem Missverständnis: Es gehe darum, dass bei Konflikten die deutsche Sprache gewählt werden solle. Anlassfall sei gewesen, dass eine türkische Schülerin in einen Streit zwischen einem albanischen Schüler und einer mazedonischen Reinigungskraft hineingezogen worden sei.

Zu den Telefonaten mit den Eltern äußerte man sich nicht. Nur so viel: „Die Freiheit, sich auch in anderen Sprachen auszutauschen, ist natürlich an jeder der Vienna Business Schools gegeben.“ Und weiter: „Wir sind stolz darauf, dass das kulturelle Miteinander an unseren Schulen hervorragend funktioniert und von Schülerinnen und Schülern ebenso wie vom Lehrkörper gelebt und hochgehalten wird.“

Zweifel an Legalität

Das Schreiben hatte in den sozialen Medien, wo es kursierte, die Wellen hochgehen lassen. Auch der grüne Bildungssprecher Harald Walser zeigte sich empört: „Das ist absolut kontraproduktiv und einer Schule mit internationaler Ausrichtung unwürdig“, so Walser. Der Verfassungsrechtler Bernd-Christian Funk zweifelte überhaupt, ob ein solches Verbot aller Sprachen außer Deutsch legal sei.

 

Die Presse – 17. März 2015

 

 

Wirbel um Deutschpflicht an Mödlinger Schule

Die Vienna Business School in Mödling will mit der Maßnahme Konflikte vermeiden. Anlass sei ein "interkultureller Konflikt" mit dem Reinigungspersonal gewesen.

„Amtssprache Deutsch“ ist der Titel des Schreibens einer Mödlinger Direktorin, das über die Grenzen Niederösterreichs hinaus für Wirbel sorgt. Demnach dürfen die Schüler der dortigen privaten Handelsakademie – sie ist ein Ablegers der Vienna Business School – außer im Fremdsprachenunterricht ausschließlich Deutsch sprechen. Das gilt auch in Pausen und bei Telefonaten.

Sollten Schüler mit ihren Eltern nur in einer anderen Sprache als Deutsch kommunizieren können, dürften diese Gespräche nur in einem Bereich der Schule geführt werden, „wo sich keine anderen Personen aufhalten, die sich auf irgendeine Art beleidigt fühlen könnten“, heißt es in dem Schreiben, das in sozialen Medien kursierte.

„Interkultureller Konflikt“

Die Maßnahme ziele auf „Konfliktvermeidung“ ab, wie Direktorin Marina Röhrenbacher gegenüber dem „Kurier“ erläutert: Anlass soll ein „interkultureller Konflikt“ mit dem Reinigungspersonal gewesen sein. Ein albanischer Schüler und eine mazedonische Reinigungskraft hätten sich in ihrer jeweiligen Muttersprache beschimpft. Der Streit habe auf eine türkische Schülerin „übergegriffen“.

In den sozialen Medien sorgte das Verbot für Empörung. Auch der grüne Bildungssprecher Harald Walser ist aufgebracht. „Das ist absolut kontraproduktiv und es ist einer Schule mit internationaler Ausrichtung unwürdig“, sagt Walser gegenüber der „Presse“. Ein Verbot, die jeweilige Muttersprache zu verwenden, sei ein Eingriff in die Privatsphäre und würde den Schülern vermitteln, dass ihre Muttersprache nichts wert sei.

Rechtlich nicht zulässig?

Der Jurist Bernd-Christian Funk bezweifelt, ob ein Verbot überhaupt rechtens ist: Grundsätzlich könne eine (Privat-)Schule zwar hausrechtliche Regelung erlassen – auch solche, die die Kommunikation betreffen. In der Schule generell andere Sprachen zu verbieten, finde er aber problematisch.

„Es ist sicher zulässig zu verlangen, dass im Schulunterricht die deutsche Sprache verwendet wird“, sagt Funk im Gespräch mit der „Presse“. „Ein darüber hinausgehendes Verbot anderer Sprachen scheint mir ein Eingriff, der vom Schulrecht nicht gedeckt ist. Das greift in die Privatsphäre der Schüler ein.“

Aus dem niederösterreichischen Landesschulrat heißt es: Man werde prüfen, auf welcher Rechtsgrundlage das Verbot erlassen wurde.

 

 

KLZ – 17. März 2015

 

Mödlinger Schule verbot Fremdsprache abseits des Unterrichts

An der Vienna Business School-HAK/HAS Mödling (VBS) soll laut einer in sozialen Medien kursierenden Benachrichtigung der Direktion im gesamten Schulhaus lediglich Deutsch gesprochen werden. Als Anlassfall wird in dem Aushang ein interkultureller Konflikt mit dem Reinigungspersonal angegeben. Der Schulbetreiber bestätigte dieses "missverständliche" Schreiben heute, Montag, gegenüber der APA.

Die Weisung sei seitens der Schulleitung "nicht sehr glücklich formuliert", so Martin Göbel, Geschäftsführer des Fonds der Wiener Kaufmannschaft, der die insgesamt sechs VBS in Wien und Niederösterreich betreibt. Man sei dabei "etwas über das Ziel hinaus geschossen".

Laut Göbel bildet ein Konflikt zwischen einem Schüler albanischer Herkunft und einer mazedonischen Reinigungskraft den Anlass für die Maßnahme. Die beiden gerieten in einen Streit, im Zuge dessen sich auch eine türkischsprachige Schülerin beleidigt gefühlt habe. Sie meldete den Vorfall dann der Direktion. "Das hat die Frau Direktor zum Anlass genommen, darauf hinzuweisen, was die offizielle Unterrichtssprache ist", so Göbel. Bei der Weisung gehe es nicht um ein Verbot, sondern in erster Linie um Sensibilisierung dahin gehend, dass es im "Sprachgewirr" zu Missverständnissen kommen könne. Schüler könnten selbstverständlich weiter untereinander sprechen, wie sie wollen, das kulturelle Miteinander an den Schulen funktioniere hervorragend, so der Schulbetreiber.

In dem Schreiben heißt es, dass in Unterhaltungen im Schulgebäude lediglich die "Amtssprache Deutsch" gesprochen werden darf. Das gelte auch für die Pausen. Ausgenommen ist demnach lediglich der Einsatz der in der Schule angebotenen lebenden Fremdsprachen Englisch, Spanisch, Italienisch und Französisch im Unterricht.

Kann ein Schüler beispielsweise mit seinen Eltern nur in einer anderen Sprache kommunizieren, "können diese Telefongespräche nur in einem Bereich der Schule geführt werden, wo sich keine anderen Personen aufhalten, die sich auf irgendeine Art beleidigt fühlen könnten", so die Benachrichtigung der Schulleitung, die am Montag-Nachmittag für die APA nicht erreichbar war.

 

 

Österreich – 17. März 2015

 

Schule verbietet Türkisch

Fremdsprachen nur mehr als Unterrichtsfächer erlaubt.

Die Direktion der Vienna Business School in Mödling (NÖ) sorgt für helle Aufregung.

Mit dem Kommentar „Ooohaa“ stellte ein Facebook-Nutzer eine am Montag veröffentlichte Aussendung der Vienna Business School Mödling online. Deren einleitende Überschrift lautete: „Amtssprache Deutsch.“ So weit, so gut.

Doch was dann folgt, empört: „Auf Grund eines interkulturellen Konflikts mit dem Reinigungspersonal wird darauf hingewiesen, dass im gesamten Schulhaus (auch in den Pausen) nur die Amtssprache Deutsch eingesetzt werden darf“ (siehe Faksimile). Gezeichnet wurde das Schreiben von der Direktorin Marina Röhrenbacher.

Auch Telefongespräche nur mehr auf Deutsch
Ausgangspunkt für dieses Schreiben sei ein Streit zwischen einer mazedonischen Reinigungskraft und einem albanischen Schüler gewesen, die sich gegenseitig in der jeweiligen Sprache beschimpft hatten. Dann habe der Streit auf eine türkischstämmige Schülerin übergegriffen. „Wenn jeder deutsch redet, kann es auch jeder ­verstehen, und es kommt zu keinen Missverständnissen“, so Röhrenbacher.

Doch die Direktorin geht noch einen Schritt weiter: „Sollte ein Schüler eine Schülerin mit den Eltern nur in einer anderen Sprache (außer Deutsch, Anm. d. Red.) kommunizieren können, können diese Telefongespräche nur in einem Bereich der Schule geführt werden, wo sich keine anderen Personen aufhalten, die sich auf irgendeine Art beleidigt fühlen könnten.“

Der niederösterreichische Landesschulratspräsident Hermann Helm auf ÖSTERREICH-Nachfrage: „Ich werde diesen Vorfall rechtlich prüfen lassen.“

Röhrenbacher selbst war Montagnachmittag für ÖSTERREICH nicht mehr erreichbar. (hre, kov)

 

 

Kurier – 17. März 2015

 

Schwierige Schulreform-Verhandlungen.

Reformkommission: Neues Dienstrecht als größte Hürde, Budgetlücke von 300 Millionen Euro.

Nach der Steuerreform will die Regierung nun den nächsten großen Brocken angehen: die Schulreform. Geplant ist deutlich mehr Autonomie (Personal, Pädagogik, Öffnungszeiten) für Schulen, die Verwaltung nur mehr bei den Ländern, der Bund gibt die Ziele vor. "Heuer wird sich das ausgehen", sagten Kanzler Faymann und Vizekanzler Mitterlehner im KURIER am Sonntag.

Im Bildungsministerium laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Drei Maßnahmen sollen noch vor dem Sommer umgesetzt werden: Erstens wird jetzt nachgerechnet, ob sich tatsächlich 30 bis 50 Millionen Euro an Verwaltungskosten einsparen lassen, wie das die Bund/Länder-Reformgruppe vermerkt hat.

Zweitens sollen mit der Opposition Verhandlungen aufgenommen werden, denn Reformen der Schulgesetze benötigen eine Zweidrittelmehrheit im Parlament, da ein Großteil der Schulgesetze im Verfassungsrang steht – etwa die Schulorganisation.

Größte Hürde dürften aber die Verhandlungen mit der Gewerkschaft werden, denn die Regierung will das Lehrerdienstrecht neu gestalten. Strittig ist etwa, ob das System wie bei den Pflichtschullehrern auf ein Jahresarbeitszeitmodell abgeändert wird. Offen sind auch Maßnahmen zur Lockerung des Kündigungs- und Versetzungsschutzes der Lehrer.

Budgetlücke

Aktuell hat Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek noch ein anderes Problem zu bewältigen: Sie kann die Sparvorgaben des Finanzministeriums in Höhe von rund 300 Millionen Euro in ihrem Ressort nicht bewältigen. Finanzminister Schelling will das nicht akzeptieren. Jetzt soll verhandelt werden.

 

 

 

ORF – 17. März 2015

 

Aufregung um Fremdsprachenverbot

Für Aufregung sorgt eine Benachrichtigung der Direktion der Vienna Business School-HAK/HAS Mödling (VBS), wonach im gesamten Schulhaus lediglich Deutsch gesprochen werden soll. Anlassfall war ein interkultureller Konflikt.

Der Schulbetreiber bestätigte dieses „missverständliche“ Schreiben am Montag gegenüber der APA. Die Weisung sei seitens der Schulleitung „nicht sehr glücklich formuliert“, so Martin Göbel, Geschäftsführer des Fonds der Wiener Kaufmannschaft, der die insgesamt sechs VBS in Wien und Niederösterreich betreibt. Man sei dabei „etwas über das Ziel hinaus geschossen“.

Fremdsprachenunterricht ausgenommen

In dem Schreiben heißt es, dass in Unterhaltungen im Schulgebäude lediglich die „Amtssprache Deutsch“ gesprochen werden darf. Das gelte auch für die Pausen. Ausgenommen ist demnach lediglich der Einsatz der in der Schule angebotenen lebenden Fremdsprachen Englisch, Spanisch, Italienisch und Französisch im Unterricht.

Kann ein Schüler beispielsweise mit seinen Eltern nur in einer anderen Sprache kommunizieren, „können diese Telefongespräche nur in einem Bereich der Schule geführt werden, wo sich keine anderen Personen aufhalten, die sich auf irgendeine Art beleidigt fühlen könnten“, so die Benachrichtigung der Schulleitung, die am Montagnachmittag nicht erreichbar war.

Schülerin fühlte sich beleidigt

Laut Göbel bildet ein Konflikt zwischen einem Schüler albanischer Herkunft und einer mazedonischen Reinigungskraft den Anlass für die Maßnahme. Die beiden gerieten in einen Streit, im Zuge dessen sich auch eine türkischsprachige Schülerin beleidigt gefühlt habe. Sie meldete den Vorfall dann der Direktion. „Das hat die Frau Direktor zum Anlass genommen, darauf hinzuweisen, was die offizielle Unterrichtssprache ist“, so Göbel.

Bei der Weisung gehe es nicht um ein Verbot, sondern in erster Linie um Sensibilisierung dahin gehend, dass es im „Sprachgewirr“ zu Missverständnissen kommen könne. Schüler könnten selbstverständlich weiter untereinander sprechen, wie sie wollen, das kulturelle Miteinander an den Schulen funktioniere hervorragend, so der Schulbetreiber.

 

 

SN – 17. März 2015

 

Nachhilfe-Plattform verbindet gute mit schwachen Schülern

Mit einer Online-Plattform will ein junges Sozialunternehmen Bildungschancen schwächerer Schüler verbessern, indem diese dort günstig Lernhilfe von älteren, stärkeren Schülern erhalten können. Auf talentify.me dürfen Schüler für eine Nachhilfe-Stunde höchstens zehn Euro verlangen. Bis Ende 2016 sollen sich etwa 40.000 Interessenten auf der ab Dienstag frei zugänglichen Website anmelden.

Bild: SN/SN

Die Idee hatte Unternehmensgründer Bernhard Hofer bereits in seiner Schulzeit. Dem damaligen HTL-Schüler sei vor fast 15 Jahren bewusst geworden, dass "ab der zweiten, dritten Klasse HTL eigentlich nur mehr Kinder aus bildungsaffinen Schichten saßen", erklärte er des APA. Viele Schüler, die aus Hauptschulen kamen, schafften zwar den Sprung in die HTL, kamen dann aber nur schwer weiter. Als Antwort darauf habe man dann ein "Social-Buddy"-System entwickelt, wo ältere Schüler vor allem gefährdeten Jüngeren als Lern- und Ansprechpartner zur Verfügung standen. Das Konzept habe sich als "sehr mächtiges Werkzeug" erwiesen. So gelang es laut Hofer etwa, Drop-out-Raten zu reduzieren.

Nachdem ihm klar wurde, dass sich seither hinsichtlich sozialer Durchmischung an den Schulen nicht allzu viel getan hat, griff er die Idee 2014 dann erneut auf. Die Tatsache, dass immer noch sehr viele Schüler Nachhilfe brauchen und diese in der Regel teuer sei, trage zusätzlich dazu bei, dass viel eher Kinder aus sozial benachteiligten und bildungsfernen Schichten mit im Schnitt niedrigerem Familieneinkommen die Anforderungen der Schule öfter nicht erfüllen können.

Vom gemeinsamen Lernen profitieren im besten Fall beide Seiten: Die privilegierteren, älteren Schüler kommen auf diese Weise mit Menschen zusammen, "die sie in ihrem Umfeld vielleicht nie kennengelernt hätten", was ihnen dabei helfen könnte, etwa ihre Sozialkompetenz und Kommunikationsfähigkeit zu verbessern, zeigte sich Hofer überzeugt. Weitere Vorteile des Konzepts seien, dass einander Menschen ähnlichen Alters auf Augenhöhe in der Lernsituation begegnen.

Mit Beginn des vergangenen Jahres ging ein Prototyp der Plattform online. Man habe dann verstärkt das Gespräch mit einzelnen Schulen gesucht, um herauszufinden, ob des Ansatz so Sinn mache. Aufgrund dieser Erfahrungen startete am Beginn dieses Schuljahres ein erstes System, bei dem sich Lern-Paare nicht mehr manuell, sondern automatisch finden konnten. Ab morgen, Dienstag, ist talentify.me für alle Schüler und Eltern in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland offen zugänglich.

Fließt Geld zwischen den Schülern, schneidet das für den "SozialMarie"-Preis der Unruhe Privatstiftung nominierte Unternehmen nicht mit. Finanzieren will sich die aktuell aus Start-up-Förderungen finanzierte Firma in weiterer Folge durch Kooperationen mit Unternehmen, die beispielsweise auf der Suche nach qualifizierten Lehrlingen sind. An dieser Schnittstelle möchte man zukünftig als Bindeglied fungieren, erklärte Hofer.

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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