Donnerstag, 19. März 2015

2015.03.19: Newsletter Bildung

"Die Presse" vom 19.03.2015                                Seite: 6

Ressort: Inland

 

Österreich, Abend, Österreich, Morgen

 

Lehrer können Literatur abwählen

 

   Deutsch. Autoren sorgen sich um den Stellenwert von Literatur. Diese ist für Lehramtsstudenten im Master an der Uni Wien nicht Pflicht. Dafür müssen alle Deutsch als Fremdsprache belegen.

 

   von Rosa Schmidt-Vierthaler

 

   Wien. Deutschlehrer, die keine Ahnung von Literatur haben, sind ein Schreckensbild. Eines, vor dem die Schriftsteller-Vereinigung IG Autorinnen und Autoren am Mittwoch besonders warnte: Die Universität Wien sei drauf und dran, im neuen Deutschlehramt auf verpflichtende Literatur zu verzichten, beklagte Sprecher Gerhard Ruiss. Für ihn ist das "völlig inakzeptabel".

 

   Tatsächlich können Lehramtsstudenten an der Uni Wien künftig im Masterstudium die Literatur abwählen. Der Leiter des Zentrums für LehrerInnenbildung, Lutz-Helmut Schön, verteidigt das: In den letzten vier Semestern des Studiums sollen sich die angehenden Lehrerinnen und Lehrer in einem Bereich vertiefen - das könne, müsse aber nicht Literatur sein.

 

   Das bedeute aber längst nicht, dass die Uni Wien komplett auf Literatur als Pflichtfach verzichte: Im achtsemestrigen Bachelorstudium, das dem Master vorausgeht, bilden die ältere und die neuere Literatur einen großen Teil: "Literatur macht deutlich mehr als ein Drittel, wenn nicht die Hälfte aus", sagt Schön im Gespräch mit der "Presse". Und dadurch, dass im Bachelorstudium auch die Literaturdidaktik eine große Rolle spiele, seien die künftigen Lehrer "hervorragend vorbereitet".

 

   Wenig Literatur bei Matura

 

   Das Bachelorstudium für das Lehramt Deutsch ist an der Universität Wien - der größten Lehrerbildungsinstitution des Landes - bereits im Herbst angelaufen. Das Masterstudium soll mit Beginn des kommenden Wintersemesters starten. Bis zum Sommer soll das Curriculum beschlossen werden. Dass es wegen des Anteils an Literatur noch größere Änderungen geben wird, glaubt Schön nicht.

 

   Dabei sind die Autoren mit ihren Sorgen nicht allein: Auch an der Uni selbst gibt es Kritik. Am Institut für Germanistik ist man "in großer Sorge", was die Bedeutung der Literatur im Lehramtsstudium für Deutsch angeht. Offiziell will man sich dort dazu aber nicht näher äußern.

 

   Es ist nicht das erste Mal, dass über den Stellenwert der Literatur diskutiert wird. In den vergangenen Monaten gab es immer wieder die Klage, dass die Literatur in den allgemeinbildenden Schulen einen Bedeutungsverlust erleide - vor allem auch im Zusammenhang mit der Zentralmatura: Denn die neue Reifeprüfung, die heuer erstmals für alle Maturanten an Gymnasien verpflichtend ist, ist kompetenzorientiert und lässt der Beschäftigung mit Literatur relativ wenig Raum.

 

   Nur noch eine von sechs Maturaufgaben in Deutsch kommt aus dem Bereich Literatur, und bei dieser Aufgabe ist kein literaturgeschichtliches Wissen notwendig. Experten am Bundesinstitut für Bildungsforschung (BIFIE) prüfen nun, ob das Auswirkungen auf den Literaturunterricht hat - also ob die Lehrer diesen Bereich in der Folge teilweise aufgeben.

 

   Sollte das tatsächlich der Fall sein und künftige Deutschlehrer schon in ihrer Schulzeit mit weniger Goethe, Kleist und Bernhard in Berührung kommen, stellt sich die Frage, wie viel Raum sie der Literatur im Master widmen wollen.

 

   An der Uni Wien gibt es im Masterstudium ein neues Fach, das von den angehenden Lehrern verpflichtend gewählt werden muss: Deutsch als Zweitsprache. Angesichts der steigenden Anzahl an Schülern mit anderen Muttersprachen als Deutsch, gebe es dafür sehr gute Argumente, sagt Lehrerbildner Schön. Jüngsten Zahlen zufolge hat inzwischen jeder fünfte Schüler eine andere Umgangssprache als Deutsch.

 

   Pädagogen überfordert

 

   Und tatsächlich sind viele Pädagogen überfordert, wenn es um Kinder mit anderer Muttersprache geht. Acht von zehn Lehrern fühlen sich laut einer steirischen Studie durch ihre Ausbildung unzureichend auf den Umgang mit diesen Kindern vorbereitet.

 

 

"Österreich" vom 19.03.2015                                   Seite 6

Ressort: Politik

 

Isabelle Daniel

 

Wien

 

Politik-Insider

 

Kommt zweites verpflichtendes Kindergartenjahr für Integration?

 

Pläne. In der SPÖ hätten einige gerne ein zweites verpf lichtendes Kindergartenjahr -dieses könnte auch Sprach-und Integrationsproblemen entgegenwirken. Die Grünen unterstützen diese Forderung jedenfalls.

 

SPÖ-Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek würde dann freilich ein höheres Budget dafür brauchen. Ob VP-Finanzminister Hans Jörg Schelling das genau jetzt frei macht, bezweifeln freilich viele in der Koalition.

 

 

Der Standard – 19. März 2015

 

 

Autoren sorgen sich um Literatur in Lehrerausbildung

Der neue Lehrplan für zukünftige Pädagogen sehe nur Minimum an literaturwissenschaftlichen Kenntnissen vor, kritisiert die IG Autoren - Die Uni Wien widerspricht

Wien - Die IG Autorinnen und Autoren sorgt sich wieder um die Literaturvermittlung an den Schulen. Der geplante neue Studienplan für den Master im Lehramtsstudium Deutsch an der Universität Wien sehe nur ein "Minimum an literaturwissenschaftlichen Kenntnissen" vor, heißt in einer Aussendung. Die Uni Wien widerspricht.

Im Zuge der Umsetzung der neuen Lehrerausbildung an Universitäten und Pädagogischen Hochschulen werden die Lehramtsstudien auf die Bologna-Architektur mit Bachelor- und Masterstudium umgestellt. Für die Sekundarstufe ist die Umstellung ab dem Studienjahr 2016/17 verpflichtend. Vielerorts werden daher gerade neue Curricula erarbeitet.

An der Uni Wien lief im aktuellen Studienjahr das Bachelor-Studium zum Lehramt Deutsch an. Darin enthalten ist ein deutlicher Schwerpunkt auf Literatur, der in etwa ein Drittel des Studiums ausmacht, wie der Leiter des Zentrums für LehrerInnenbildung an der Uni Wien, Lutz-Helmut Schön, sagt.

Entwurf für Curriculum

Das Master-Studium startet dann mit Beginn des nächsten Wintersemesters. Momentan liegt ein Entwurf des Curriculums vor, zu dem bis 8. April Stellung genommen werden kann. Die Diskussion dazu sei im Laufen, bis Sommer wird es einen Beschluss geben, hieß es seitens der Uni.

Die Autorenvertreter kritisieren, dass im Master-Studium "der Fachdidaktik der Vorrang vor der Literaturwissenschaft zukommen soll". Während etwa "Deutsch als Zweitsprache" als Pflichtfach vorgesehen sei, solle Literaturwissenschaft abgewählt werden können.

Schön widerspricht

Dem Vorwurf der Marginalisierung der Literaturwissenschaften - die auch die stärkste Hochschullehrer-Gruppe in dem Bereich stellen - könne man auch im Hinblick auf den großen Anteil im Bachelor-Studium nur "vehement widersprechen", so Schön. Absolventen würden im neuen Curriculum auch im Bereich der Literatur-Didaktik "hervorragend vorbereitet".

Im verpflichtenden Master-Studium gehe es dann um sinnvolle Vertiefung in einem oder zwei Bereichen. Dass sich Studenten auch an anderen Stellen als in der Literaturwissenschaft spezialisieren können, sei legitim. Für das Pflichtmodul "Deutsch als Zweitsprache" gebe es angesichts steigender Schülerzahlen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, sehr gute Argumente, erklärte Schön.

 

 

"Der Standard" vom 19.03.2015                               Seite: 11

Ressort: InlandChronik

 

INTERVIEW: Rosa Winkler-Hermaden: DANIEL LANDAU (50) ist AHS-Lehrer und kandidiert auf Platz 14 der Grünen-Liste für die Wien-Wahl. Foto: Grüne Wien

 

Niederösterreich

 

„Stadtschulrat ist fast angsteinflößend“

 

   Die Etablierung von Grätzelschulen und mehr Autonomie am Schulstandort fordert Bildungsaktivist Daniel Landau, der für die Wiener Grünen kandidiert. Der Stadtschulrat verhindere anstatt zu ermöglichen.

 

   Standard: Haben Sie sich schon an den Wechsel vom Bildungsaktivisten zum Politiker gewöhnt?

 

   Landau: Ich bin ein politischer Mensch, insofern entspricht mir das politische Handeln gut. Ich habe das ganze letzte Jahr Zeit gehabt, eine wohlüberlegte Entscheidung zu treffen.

 

   Standard: Bildung wird auch Ihr Schwerpunkt bei den Grünen bleiben. Hier kann man auf Bundesebene deutlich mehr erreichen. Warum kandidieren Sie auf kommunaler Ebene?

 

   Landau: Ich bin Wiener, mit Herz und Seele. Es gibt außerdem viele Bildungsbereiche, die auf kommunaler Ebene entschieden werden. Gutes, erfolgreiches Handeln kann auf den Bund ausstrahlen. Mein Ziel ist es, Druck auf die Bundesebene auszuüben.

 

   Standard: Die Grünen sind bisher mit der Forderung nach einer einer Kinderbetreuungsgarantie ab dem zweiten Lebensjahr aufgefallen.

 

   Landau: Kinder sollen ein Recht auf einen Kindergarten- und einen Ganztagsschulplatz haben, unabhängig davon, ob die Eltern arbeiten gehen. Wir wollen eine Garantie abgeben, dass jedes Kind nach der Schule Lesen, Rechnen und Schreiben kann. Jetzt delegiert die Schule viel an die Eltern, da hat sie ihr Ziel verfehlt. Schule muss auch exklusiv genau dort stattfinden können. Sonst wird der Erfolg der Kinder immer vom sozialen Status abhängen.

 

   Standard: Welche weiteren Maßnahmen wollen Sie setzen?

 

   Landau: Nach meinem Verständnis geht es bei Politik um ein Ändern der Vorrangregeln. Politiker geben Geld für einen Kilometer Autobahn aus. Die Alternative wäre, an jeder Schule einen Schulsozialarbeiter zu haben. Das ist eine Frage der Priorität. Der Kilometer ist mit 20 Millionen Euro relativ günstig angesetzt. Entweder ich baue eine Straße; oder ich schaue drauf, dass in jeder Schule in Wien – das sind im Pflichtschulbereich knapp 400 – professionelle Hilfe zur Stelle ist. Wir haben Kinder, die Bedarf an zusätzlicher Unterstützung haben. Und wir haben Pädagoginnen und Pädagogen, die im derzeitigen Setting nicht erfolgreich unterrichten können.

 

   Standard: Kritik der Grünen gibt es immer wieder am Stadtschulrat. Was läuft falsch?

 

   Landau: Von den Pädagogen wird der Stadtschulrat oft als überreguliert wahrgenommen, als Einrichtung, die eher verhindert als ermöglicht. Autonomie heißt in meinen Augen, Mittel und Möglichkeiten freizugeben und sie nicht in einem besonderen Kontrollzwang im Stadtschulrat verwalten zu müssen. Der Stadtschulrat ist manchmal fast angsteinflößend.

 

   Standard: Sie fordern Grätzelschulen. Was verstehen Sie darunter?

 

   Landau: Wir brauchen Schulen, die sich nach außen öffnen: wo Kinder zum Beispiel einmal in der Woche soziale Verantwortung übernehmen. Sie könne in einer Bibliothek, in einem Altersheim helfen. Das macht etwas mit Kindern, wenn sie mit Verantwortung betraut werden. Sie erleben es, gebraucht zu werden. Am Land ist der ganze Ort in die Schule involviert und es gibt Nachbarschaftshilfe. Das erhoffe ich mir von der Grätzelschule.

 

   Standard: Wie bewertet Ihr Bruder, Caritas-Präsident Michael Landau, Ihr politisches Engagement?

 

   Landau: Uns beiden sind Mitmenschen besonders wichtig. Wir lernten schon zu Hause, bei Unrecht nie einfach wegzusehen. Ich meine, dass ich mich genau dafür einsetzen will, freut ihn.

 

   „

 

   Nach meinem Verständnis geht es bei Politik um ein Ändern der Vorrangregeln.

 

   “

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

 

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