Mittwoch, 4. März 2015

Bildungs-Newsletter 4. März 2015 2. Teil


 

OTS0186 II 04.03.2015 15:19:51

 

Heinisch-Hosek: Ergebnisse der NMS: Pädagogisches Konzept bringt teils deutliche Verbesserungen, Umsetzung zum Teil noch unvollständig

Utl.: "Ein Schlüsselfaktor auf dem Weg zu dieser neuen Lernkultur ist das Engagement der Lehrkräfte."

 

"Die Neue Mittelschule ist ein starkes und ein gutes Projekt. Die Evaluierung zeigt, wo noch nachzubessern ist, doch die deutliche Verbesserung des Schulklimas und der Schulkultur zeigen den richtigen Weg", so BMIn Heinisch-Hosek zur Evaluation der NMS.

Die Implementierung der 2008 als Schulversuch gestarteten und 2012 gesetzlich verankerten Neuen Mittelschule (NMS) wurde in den vergangenen Jahren durch eine wissenschaftliche Evaluation begleitet. Es wurden Generation 1 + 2 untersucht. Mittlerweile startet im Herbst bereits die 8. Generation mit 1.118 Standorten ins erste Schuljahr.

Die Ergebnisse dieser Untersuchung wurden gestern bei der Sitzung der Bildungsreformkommission präsentiert. Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

- Bei der Umsetzung des pädagogischen Konzepts der Neuen Mittelschule bestehen große Unterschiede zwischen den Standorten. - Je vollständiger das pädagogische Konzept der NMS umgesetzt wird, desto stärker fallen die Leistungssteigerungen aus. - Schulklima und Lernkultur verbessern sich durch die Einführung der NMS deutlich. - das Problem der sozialen Selektion von Schülerinnen und Schülern nach der vierten Schulstufe bleibt aber weiterhin bestehen. - Bildungsministerin Heinisch-Hosek setzt sich für eine Weiterführung und noch bessere Umsetzung des bewährten pädagogischen Anspruches der NMS ein.

Maßnahmen der Bildungsreformkommission vorgeschlagen

Als erste Maßnahme hat Bundesministerin Heinisch-Hosek den zielgerichteten und bedürfnisgerechten Mitteleinsatz vorgeschlagen. "Es wäre ohne weiteres möglich, die zweckgewidmeten Mittel (6 Stunden des Bundes) die bisher auf die Fächer D/M/E begrenzt waren für weitere standortspezifische Schwerpunktfächer zu öffnen", so der Vorschlag der Bundesministerin. Ein weiterer Schritt wäre die Entscheidung den Schulen bzw. Ländern darüber freizustellen, ob mit den Ressourcen für diese Bundesstunden LandeslehrerInnen oder BundeslehrerInnen beschäftigt werden. "Dieser uneingeschränkte Einsatz der Bundes und LandeslehrerInnen ist natürlich nur für pädagogische Lernsettings vorgesehen - nicht für verwaltungstechnische Aufgaben. Auch die Option Schülercoaching statt Teamteaching anzubieten wäre möglich. Die Einhaltung darüber müsste natürlich die Schulaufsicht beaufsichtigen", manifestiert Heinisch-Hosek. Die dafür vorgesehen Gesetzesänderung wäre aus Sicht der Bundesministerin schnell und einfach schon ab Herbst umsetzbar. Bei der gestrigen Bildungsreformkommission wurden sowohl die Ergebnisse der Studie präsentiert als auch die Maßnahmen vorgeschlagen. "Die Mitglieder der Reformkommission haben die Vorschläge wohlwollend zur Kenntnis genommen."

NMS-Konzept unterschiedlich stark umgesetzt

Insgesamt wurden 169 NMS-Standorten (65 der ersten und 104 der zweiten Generation) von anerkannten Fachleuten aus dem In- und Ausland analysiert. An den untersuchten Standorten zeigten sich dabei große Unterschiede hinsichtlich der Umsetzung des pädagogischen Konzepts der NMS.

In rund 20,4 Prozent der Klassen ("Modellklassen") wurden die NMS-Komponenten relativ umfassend und in weiteren 26,0 Prozent der Klassen weitgehend, aber weniger intensiv umgesetzt. In 31,6 Prozent der Klassen ("Normalklassen") waren die zentralen NMS-Merkmale durchschnittlich ausgeprägt und in 22,0 Prozent der Klassen ("Traditionsklassen") wurde eher die bisherige Art der pädagogischen Arbeit beibehalten. Insgesamt war der Anteil der "Modell- und Plusklassen" in der ersten NMS-Generation mit 61,2 Prozent deutlich höher als in der zweiten NMS-Generation mit 37,3 Prozent der Klassen.

"Die Ergebnisse machen deutlich, dass das Konzept der NMS sehr positive Effekte mit sich bringen kann - Voraussetzung dafür ist aber eine vollständige Umsetzung, die vor allem in der zweiten Generation nicht ausreichend gegeben war.

Teils signifikante Leistungssteigerungen

Der Umsetzungsgrad des pädagogischen NMS-Konzepts wirkte sich auch auf die Leistungen der Schülerinnen und Schüler aus. So konnten in der ersten Generation der getesteten NMS in allen drei Testbereichen (Deutsch, English und Mathematik) Verbesserungen beobachtet werden. Nach dem Wechsel zur NMS verzeichneten diese Standorte vor allem in Mathematik eine merkliche Leistungssteigerung ihrer Schülerinnen und Schüler (+31 Punkte) - gefolgt von Deutsch (+19) und Englisch (+13). In der zweiten NMS-Generation, mit ihrem deutlich geringeren Anteil an "Modell- und Plusklassen", fielen diese Effekte entsprechend schwächer aus.

Deutliche Verbesserung bei Schulklima und Schulkultur

Eine Reihe bedeutsamer Effekte offenbarte die Evaluation vor allem im Bereich der pädagogischen Prozesse und des schulischen Zusammenlebens. So lassen sich durch die Einführung der NMS Verbesserungen in der Gestaltung des Unterrichts, ein Rückgang von normabweichenden Verhalten und Gewalt sowie eine positive Entwicklung des Schulklimas feststellen. SchülerInnen fühlen sich in der NMS wohler, empfinden weniger Leistungsdruck und engagieren sich in Folge mehr ihren Lernerfolg. Auch hier zeigt sich, dass diese Effekte in jenen Schulen stärker ausgeprägt sind, die das NMS-Konzept vollständig oder zumindest weitgehend umgesetzt haben.

"Es ist nicht eine einzelne, sondern die Gesamtheit aller Maßnahmen, die positive Effekte bringt - vor allem für die Schul- und die Lernkultur", fasst die Ministerin die Ergebnisse des Forschungsteams zusammen. Ein Schlüsselfaktor auf dem Weg zu dieser neuen Lernkultur sei es, das Engagement der Lehrkräfte für die Schülerinnen und Schüler sicht- und erfahrbar zu machen, so Heinisch-Hosek.

Grundproblem der sozialen Selektion bleibt bestehen In punkto soziale Gerechtigkeit kann auf einige positive Aspekte der Neuen Mittelschule verwiesen werden. So bringt der Besuch der NMS insbesondere für Schülerinnen und Schüler mit nichtdeutscher Erstsprache einen Vorteil mit sich. Auch die Zahl der Übertritte in eine weiterführende höhere Schule ist bei den Neuen Mittelschulen angestiegen. Im Vergleich zum Schuljahr 2007/8 - also vor Einführung der NMS - stieg die Übertrittsrate in die AHS-Oberstufe oder BHS in der ersten NMS-Generation um etwa 5 Prozent, während sie im gleichen Zeitraum in einer Gruppe von Vergleichshauptschulen lediglich um 1,7 Prozent stieg.

Ein wesentliches Problem wird durch die Neue Mittelschule allerdings nicht gelöst: Da der Zustrom zur AHS-Unterstufe auch an NMS-Standorten unverändert geblieben ist, bleibt die soziale Spaltung des österreichischen Schulwesens ab der 5. Schulstufe bestehen. Bei den getesteten NMS-Standorten handelt es sich mehrheitlich um frühere Hauptschulen, die soziale Zusammensetzung der Schülerinnen und Schüler hat sich noch nicht maßgeblich verändert. "Solange es sich bei der NMS um ein Parallel-Angebot handelt, zieht die AHS-Unterstufe jene ,Zugpferde' ab, von denen sich schwächere Schülerinnen und Schüler etwas abschauen können," fasst Heinisch-Hosek ein zentrales Problem dieser Spaltung zusammen. Von einem gemeinsamen Unterricht würden aber alle profitieren: "Das Teamteaching ermöglicht die zielgerichtete Förderung aller Schülerinnen und Schüler. Sowohl auf Stärken als auch auf Schwächen kann besser eingegangen werden."

Heute präsentierte Bildungsministerin Heinisch-Hosek den PräsidentInnen und VizepräsidentInnen der LSR, Schulaufsicht und die BildungslandesrätInnen die Ergebnisse, die sich über den Vorschlag über die 6-Bundesstunden schulautonom verfügen zu können, begeistert zeigten und weiterhin am NMS-Modell festhalten wollen.

Web-Tipp:

Sowohl die Kurzfassung als auch die Vollversion des NMS-Evaluationsberichts stehen ab sofort auf den Webseiten des Ministeriums www.bmbf.gv.at und des BIFIE www.bifie.at kostenlos zum Download zur Verfügung.

Rückfragehinweis: Mag.a Veronika MARIA Büro der Bundesministerin Gabriele Heinisch-Hosek Pressesprecherin Bundesministerium für Bildung und Frauen  Minoritenplatz 5 1014 Wien Tel.: +43 1 53120-5011 Mobil: +43 664 612 47 29 veronika.maria@bmbf.gv.at  www.bmbf.gv.at


Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/4920/aom

 


 

Ö1 Mittagsjournal 12:00 vom 04.03.2015 12.00 Uhr

 

Reaktionen zu NMS-Evaluierung

 

Jonach Alexander (ORF)

   Die jüngste Bewertung der Neuen Mittelschule fällt ernüchternd aus. Experten

   kommen zum Schluss, dass es in den ersten Jahrgängen Verbesserungen des

   Unterrichts gegeben habe, beim Unterrichtsklima hätten sich die erwarteten

   positiven Effekte nicht eingestellt. Bisher habe man keinen Rückgang bei

   Gewaltaktionen an diesen Schulen verzeichnet. Der Unterricht an der Neuen

   Mittelschule habe das Bildungsniveau der Schülerinnen und Schüler nicht

   wesentlich erhöht. Wissenschaftsstaatssekretär Harald Mahrer von der ÖVP

   betrachtet die Ergebnisse zur Neuen Mittelschule differenziert. Mahrer

   fordert mehr Autonomie für diese Schulen. Damit könnten sie auf Probleme

   beim Unterricht besser eingehen. Die Opposition kritisiert die schlechte

   Bilanz über die Neue Mittelschule. Die Rede ist von einem ""Waterloo" für

   die österreichische Bildungspolitik.

 


 

Ö1 Mittagsjournal 12:00 vom 04.03.2015 12.00 Uhr

 

NMS-Evaluierung: SPÖ zu Expertenbericht

 

Arnim-Ellissen Hubert (ORF)

   Die neue Mittelschule wurde als Kompromiss ins Leben gerufen. Die SPÖ hat

   aufgehört von der Gesamtschule zu reden - ein No-Go für den

   Koalitionspartner und die ÖVP hat dafür zugestimmt, dass die Unterstufe des

   Gymnasiums, Konkurrenz bekommt durch die neue Mittelschule, die dann in ein

   paar Jahren die Hauptschule überhaupt abschaffen sollte und siehe da: Der

   Kompromiss geht gründlich daneben. Jetzt stehen SPÖ und ÖVP wieder am

   Anfang. Die Überprüfung durch das Bildungsministerium zeigt, dass oft nicht

   einmal das Niveau der Hauptschule erreicht wird, in der neuen Mittelschule.

   Was nun? Eva Haslinger und Katja Arthofer haben bei den Regierungsparteien

   nachgefragt.

 

OFF Sprecherin (ORF)

   Das Ergebnis des Evaluierungsberichts habe sie nicht überrascht, sagt

   Bildungssprecherin Elisabeth Grossmann.

 

Grossmann Elisabeth (SPÖ)

   Es war klar, dass sich die Effekte, durch diese Systemänderung nicht im

   vollen Maße realisieren konnten, die wir uns erwünscht haben, weil ja das

   Problem der frühen Selektion der Kinder im Alter von 10 Jahren nicht gelöst

   worden ist.

 

OFF Sprecherin (ORF)

   Nach wie vor gebe es in weiten Bereichen ein Nebeneinander und somit auch

   eine Konkurrenz zwischen neuer Mittelschule und AHS-Unterstufe. Laut

   Grossmann ist das Urteil, das der Bericht über die neue Mittelschule fällt,

   keineswegs vernichtend.

 

Grossmann Elisabeth (SPÖ)

   Es hat sehr wohl Erfolge gegeben, wo es gut umgesetzt worden ist, bei den

   Modellklassen. Dort wo keine Sogwirkung durch die AHS-Unterstufe besteht

   und das muss man sich anschauen. Also wirklich Stärken verstärken.

 

OFF Sprecherin (ORF)

   Keinesfalls dürfe man jetzt den Ausbau der neuen Mittelschule stoppen, sagt

   Grossmann.

 

Grossmann Elisabeth (SPÖ)

   Wir haben hier sehr viele Weichen schon gestellt in Richtung gemeinsamer

   Schule und da müssen wir weitergehen einfach und wirklich keinen Schritt

   zurück. Das wäre fatal.

 

OFF Sprecherin (ORF)

   An der neuen Mittelschule festhalten, das will auch Burgenlands

   Landeshauptmann Hans Niessl, der für die SPÖ in der

   Bildungsreform-Arbeitsgruppe der Regierung sitzt.

 

Niessl Hans (SPÖ)

   Dort wo die neue Mittelschule sehr gut umgesetzt wurde, wo auch die

   Pädagoginnen und Pädagogen entsprechend ausgebildet wurden. Wo die

   Organisationsform verändert wurde, wo die Pädagogik verändert wurde, wo das

   Team-Teaching in den Vordergrund gestellt wurde, gibt es zum Beispiel

   deutlich mehr Schüler, die weiterführende, maturaführende Schulen besuchen.

   Also insofern gibt es schon aus meiner Sicht gute Ansätze. Es stimmt, es

   ist auch aus meiner Sicht zu wenig aber da muss die Pädagogik, die

   Schulaufsicht eben hart daran arbeiten, dass die Qualität der neuen

   Mittelschule weiter angehoben wird.

 

OFF Sprecherin (ORF)

   Zurückhaltender als bisher sind heute die Wortmeldungen aus der ÖVP. Vor

   etwa einem halben Jahr hat man in der Volkspartei noch laut über einen

   Ausstieg aus dem Projekt "Neue Mittelschule" nachgedacht - für den Fall,

   dass der Evaluierungsbericht schlecht ausfällt.

   Wissenschafts-Staatssekretär Harald Mahrer verlangt heute lediglich

   Verbesserungen.

 

Mahrer Harald (ÖVP)

   Es zeigt sich eindeutig, dass die Lehrerinnen und Lehrer, aber auch die

   Schulleitungen mehr Möglichkeiten haben müssen, um auf spezifische Probleme

   der Schülerinnen und Schüler eingehen zu können und die zweite Geschichte

   ist tatsächlich eine Stärkung der Elementarpädagogik, sonst werden wir in

   Summe das Schulsystem nicht flott kriegen.

 

OFF Sprecherin (ORF)

   Einen Stopp des Ausbaus der neuen Mittelschule fordert Mahrer nicht.

 

Mahrer Harald (ÖVP)

   In dem Moment, wo sozusagen ein Schulsystem die Hauptschule in die neue

   Mittelschule umgewandelt wird, kann man - das ist wie bei einer offenen

   Operation am Herzen, ja nicht einfach stoppen, sondern ich glaube wir

   müssen ganz entscheidend gemeinsam daran arbeiten, in der Regierung - dass

   wir die Qualität in der Schule erhöhen.

 

OFF Sprecherin (ORF)

   Bildungsministerin Gabriele Heinisch Hosek schweigt vorerst, sie war am

   Vormittag zu keiner Stellungnahme erreichbar.

 


 

Ö1 Mittagsjournal 12:00 vom 04.03.2015 12.00 Uhr

 

NMS-Evaluierung: Opposition sieht Schulprojekt gescheitert

 

Arnim-Ellissen Hubert (ORF)

   Und die Opposition ist sich einer Meinung nach Lektüre der Studie. Das

   Konzept der Neuen Mittelschule ist gescheitert. Unterschiedlicher Meinung

   sind die Parteien allerdings bei den Konsequenzen. Während die Grünen die

   gemeinsame Schule fordern wollen die Freiheitlichen zurück zu den

   Hauptschulen und das Team Stronach und die Neos sehen überhaupt andere

   Schwerpunkte in der Bildungspolitik. Monika Feldner-Zimmermann berichtet.

 

Feldner-Zimmermann Monika (ORF)

   Unmissverständlich legt der Freiheitliche Bildungssprecher Walter Rosenkranz

   der Unterrichtsministerin den Rücktritt nahe.

 

Rosenkranz Walter (FPÖ)

   Es ist das Waterloo der sozialistischen Bildungspolitik der letzten Jahre.

   Da muss man einfach sagen, ja, wir haben etwas versucht, es ist mit Bomben

   und Granaten schiefgegangen. Daher ziehe ich mich zurück.

 

Feldner-Zimmermann Monika (ORF)

   Die Schülerinnen und Schüler dürften nicht länger Versuchskaninchen sein.

   Daher fordert der Freiheitliche, weg vom Konzept der Neuen Mittelschule -

   die ganze Klasse wird in den Hauptfächern von zwei Lehrern unterrichtet -

   zurück zum Konzept der Hauptschule - die Schüler werden in den Hauptfächern

   auf Leistungsgruppen aufgeteilt. Die Forderung von Walter Rosenkranz:

 

Rosenkranz Walter (FPÖ)

   So eine Art nationaler Schulterschluss, dass man sagt, das muss jetzt

   zurückgefahren werden zum Konzept der Hauptschule. Was haben wir nicht

   alles gehört von Team Teaching und die besseren Schüler unterrichten dann

   quasi die schwächeren Schüler und das fördert beim einen das Wissen, beim

   anderen die soziale Kompetenz. Alle diese ganzen sozialromantischen

   Floskeln und Lehrformen, die da uns gepredigt worden sind, alles hat nicht

   gegriffen.

 

Feldner-Zimmermann Monika (ORF)

   Einen nationalen Schulterschluss fordert auch der grüne Bildungssprecher

   Harald Walser, allerdings in die völlig andere Richtung, nämlich in

   Richtung gemeinsame Schule, in der alle zehn- bis 14-Jährigen gemeinsam

   unterrichtet werden, die AHS-Unterstufe abgeschafft wird.

 

Walser Harald (Die Grünen)

   Man hat einen zusätzlichen Schultyp in Konkurrenz zu den alten gesetzt und

   das kann so nicht funktionieren. Das war eigentlich allen Fachleuten klar.

   Die Neue Mittelschule ist so, wie sie aufgesetzt wurde, eine

   Geldvernichtung. Was wir jetzt brauchen ist wirklich ein nationaler

   Schulterschluss, das Bekenntnis zu einer gemeinsamen Schule. Da gibt es aus

   der ÖVP schon reihenweise Bekenntnisse. Ich hoffe, dass da auch in der SPÖ

   endlich der Mut wächst.

 

Feldner-Zimmermann Monika (ORF)

   Als ernüchternd bezeichnet Neos-Chef und Bildungssprecher Matthias Strolz

   die Ergebnisse zur Neuen Mittelschule. Nun gelte es, sich auf mehr

   Selbständigkeit der Schulen zu konzentrieren.

 

Strolz Matthias (NEOS - Das Neue Österreich)

   Die Neue Mittelschule ist bildungspolitisch tot mit dieser Evaluierung. Das

   Gute ist, dass wir jetzt weitergehen können und ich glaube, der Weg ist nun

   frei für eine umfassende Schulautonomie. Die Ministerin ist angehalten,

   jetzt entschlossene Schritte in Richtung Schulautonomie zu setzen. Es gibt

   hier einen breiten Konsens. Wir brauchen die mündige Schule.

 

Feldner-Zimmermann Monika (ORF)

   Einen anderen Schwerpunkt will das Team Stronach setzen. Bildungssprecher

   Robert Lugar fordert den Ausbau der Ganztagesschulen.

 

Lugar Robert (Team Stronach für Österreich)

   Die Neue Mittelschule ist gescheitert. Das Geld ist dort absolut

   fehlinvestiert. Wir müssen das Geld jetzt sofort woanders investieren,

   nämlich in den Ausbau der Ganztagesschule mit verschränktem Unterricht. Das

   ist jetzt notwendig.

 

Feldner-Zimmermann Monika (ORF)

   Wie die Freiheitlichen fordert auch das Team Stronach den Rücktritt von

   Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek.

 


 

Ö1 Mittagsjournal 12:00 vom 04.03.2015 12.00 Uhr

 

Bildungsreform: Interview mit Ilse Schrittesser

 

Arnim-Ellissen Hubert (ORF)

   Ich hoffe, wir kommen jetzt weg von den Schlagworten und machen es konkret.

   Für die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern verantwortlich ist die

   Pädagogin Ilse Schrittesser vom Institut für Bildungswissenschaft,

   Willkommen im Mittagsjournal!

 

Schrittesser Ilse (Universität Wien)

   Guten <unverständlich>, guten Tag!

 

Arnim-Ellissen Hubert (ORF)

   Frau Schrittesser, Sie haben sich schon für das Bildungsvolksbegehren stark

   engagiert und haben Reformen eingefordert, die, wie Sie damals gesagt

   haben, schon seit vielen Jahren fällig seien - jetzt scheitert vor unseren

   Augen ein Reformprojekt als Schritt zur gemeinsamen Schule. Soll die Neue

   Mittelschule zusperren?

 

Schrittesser Ilse (Universität Wien)

   Das würde ich auf keinen Fall empfehlen, das wäre sehr problematisch. Man

   muss das Schulsystem jetzt auch einmal zur Ruhe kommen lassen. Gerade so

   groß eingreifende Entwicklungen dauern ja auch, die brauchen Zeit, aber

   natürlich ist die Neue Mittelschule - und das wissen wir und mich erstaunen

   auch die Ergebnisse dieser Evaluation nicht - das wissen wir schon seit

   einiger Zeit aus unserer Begleitung von Schulen, doch auch ein gewisses, in

   gewisser Weise ein halbherziges Unternehmen gewesen. Das heißt, irgendwo,

   wenn man es jetzt pointiert formuliert, ist es an vielen Standorten einfach

   zur Umbenennung von Hauptschule in Neue Mittelschule gekommen und das, was

   die eigentliche Idee dahinter war aus den unterschiedlichsten Gründen ist

   nicht umgesetzt worden.

 

Arnim-Ellissen Hubert (ORF)

   Also schon die Reform war eigentlich nicht mehr als ein Schlagwort, sagen

   Sie.

 

Schrittesser Ilse (Universität Wien)

   Na ja, es war ein starker Beginn irgendwo auch mit viel, viel Elan, aber

   dann ist es also stark abgefallen, das war der Eindruck.

 

Arnim-Ellissen Hubert (ORF)

   Ja, die Zentralmatura zum Beispiel, die wird den Schülern übergestülpt, die

   in den ersten Gymnasiumsjahren ja gar nicht darauf vorbereitet worden sind.

   Die Reform beginnt am Gipfel, anstatt dort, wo die Wanderung beginnt - was

   wäre dann wohl der Kindergarten und alle Parteien hätten dann auch genügend

   Zeit, sich auf den Schock einer Bildungsreform einzustellen. Frau

   Schrittesser, scheitert jede Bildungsreform nicht an der Weigerung

   strategisch und strukturiert an die Arbeit zu gehen?

 

Schrittesser Ilse (Universität Wien)

   Ja, klar. So könnte man das durchaus formulieren. Es braucht jedenfalls eine

   klare Entscheidung der Regierung für das eine oder für das andere und nicht

   halbherzig das eine ein bisschen, das andere aber dann doch auch - eine

   klare Entscheidung, wohin die Ressourcen ganz fokussiert gehen müssen, also

   früher kompensieren, Elementarpädagogik, Volksschule, das sind schon, das

   sind wesentliche Orte, wo auch sehr viele Ressourcen und auch sehr viele

   Kompensationsinitivativen hingehen müssen und das Gleich gilt dann

   natürlich letztendendes auch für die sogenannte gemeinsame Schule; für die

   NMS sicher wäre besser, auch für die NMS, wenn es eine stärkere

   Durchmischung der Schülerpopulation gäbe, denn wir wissen ja, dass da doch

   eine gewisse Bildungsvererbungstendenz in Österreich vorherrscht.

 

Arnim-Ellissen Hubert (ORF)

   Aber müssen wir nicht schon bei den Lehrern anfangen mit der Reform? In der

   Neuen Mittelschule sollen ja Lehrer im Teamteaching zusammenarbeiten und

   der Test zeigt, die Überprüfung zeigt, dass das gar nicht funktioniert hat.

   Ausgebildet wurden diese Lehrer doch alle als Einzelkämpfer, die allein

   gegen die Klasse im geschlossenen Raum überleben müssen - da kann man doch

   dann eigentlich von Anfang an wissen, dass das Projekt scheitert, oder

   sehen Sie das als Ausbildnerin anders?

 

Schrittesser Ilse (Universität Wien)

   Nein, da bin ich ganz bei Ihnen. Natürlich gilt es dann in der Ausbildung

   natürlich auch in der Fort- und Weiterbildung, denn es sind ja sehr viele

   Lehrkräfte in den Schulen, die eben eine andere Ausbildung erlebt haben,

   Schwerpunkte zu setzen, und da auch flankierende Maßnahmen zu

   durchzuführen, damit eben tatsächlich Teamteaching so durchgeführt wird,

   dass die Schülerlinnen und Schüler den besten Gewinn davon haben und da

   gibt es ja auch ganz großartige Beispiele. Es gibt ja ganz tolle Neue

   Mittelschulen, die sich da auch sehr erfolgreich gezeigt haben.

 

Arnim-Ellissen Hubert (ORF)

   Jetzt haben Sie schon einige Male den Begriff der Elementarpädagogik

   genannt. Wo beginnt der? Wo beginnt die? Bei sechs Jahren in der

   Volksschule oder schon vorher?

 

Schrittesser Ilse (Universität Wien)

   Natürlich schon vorher und da gilt es natürlich - da sind wir wieder bei der

   Ausbildung - es gilt auch, Elementarpädagoginnen und Elementarpädagogen

   flächendeckend akademisch auszubilden, so wie das eigentlich international

   üblich ist.

 

Arnim-Ellissen Hubert (ORF)

   Jetzt träumen wir einmal, Frau Schrittesser: Sie haben freie Hand, Sie

   können den Bildungsweg vom Kindergarten bis zur Matura neu gestalten.

   Angenommen Sie sind Bildungsministerin auf Lebenszeit und können von keiner

   Koalitionsregierung aus dem Amt geschubst werden, wie schaut der

   Bildungsweg dann am Ende Ihres Werks aus?

 

Schrittesser Ilse (Universität Wien)

   Also jedenfalls früh, früh und sehr individuell fördern, also wirklich auch

   in der Elementarpädagogik starten, mit den Grundschulen da auch stark

   weiterarbeiten. Eine bessere Mischung der Schülerpopulation - habe ich

   schon gesagt, heterogene Gruppen sind von Vorteil, da lernen die

   Schülerinnen und Schüler voneinander. Spätere Selektion in unterschiedliche

   Bildungsrichtungen, wobei die duale Ausbildung in Österreich einen guten

   Ruf hat und die soll auch weiterhin gefördert werden, aber eben wirklich

   eine spätere Entscheidungsmöglichkeit einbauen und dann meines Erachtens

   das Gymnasium auch mehr fördern, als das derzeit der Fall ist, denn es wird

   ja nicht nur auf der einen Seite halbherzig vorgegangen sondern eben auch

   gerade bei den Allgemein Bildenden Höheren Schulen, also da auch mehr und

   klarere Unterstützung hinein - also in alle Bereiche gute Infrastruktur

   einfließen lassen, die Ausbildung auch darauf abstellen und, weil Sie die

   Zentralmatura genannt haben: Also die Zentralmatura an sich ist, ist

   durchaus wünschenswert, nur die Durchführung muss man sich halt da auch gut

   überlegen.

 

Arnim-Ellissen Hubert (ORF)

   Glauben Sie, dass die soziale Durchmischung der Schüler tatsächlich erreicht

   werden kann durch die gemeinsame Schule für die dann Drei- bis

   Fünfzehnjährigen, oder ist da nicht die Gefahr, dass die soziale Kluft erst

   recht dort entsteht, wo dann Kinder eben nur in bestimmte Schulen geschickt

   werden - halt in einen Schultyp, aber in unterschiedliche Schulen?

 

Schrittesser Ilse (Universität Wien)

   Na ja, da muss man eben tatsächlich gute Angebote machen. Also wir haben

   gesehen, in Neuen Mittelschulen, die wir begleitet haben, dass wenn diese

   Neuen Mittelschulen innovative Lernangebote machen, sich tatsächlich auf

   das Lernen der unterschiedlichen Schülerinnen und Schüler konzentrieren und

   das in den Mittelpunkt stellen, dass da dann plötzlich eine ganz heterogene

   Schülerschaft zustande kommt, weil dann die Eltern auch in diese Schulen

   mit dem guten Ruf ihre Kinder, ihre Kinder schicken, schicken wollen und

   natürlich gilt es da auch - und das ist ja im, im vorigen Beitrag auch

   schon gefallen - den Schulen auch mehr Autonomie zuzugestehen, denn Schulen

   wissen am lokalen Standort meistens am Besten, was zu tun ist, damit eben

   für ihren Standort, für ihre Region das beste Angebot entwickelt werden

   kann.

 

Arnim-Ellissen Hubert (ORF)

   Aber droht mit der Autonomie nicht auch die Willkür?

 

Schrittesser Ilse (Universität Wien)

   Na ja, da gilt es natürlich, Rahmenbedingungen zu schaffen, die eben der

   Willkür Einhalt gebieten - da haben wir ja auch ganz gute Erfahrung mit

   eben einerseits Rahmenbedingungen, die dann, die dann aufzeigen: was ist

   tatsächlich erreicht worden, zu schaffen und andererseits aber eben doch

   auch die Leine locker zu lassen, dass Schulen eben ihre Kreativität

   einbringen können.

 

Arnim-Ellissen Hubert (ORF)

   Ilse Schrittesser also, der Traum vom Minister auf Lebenszeit, da wachen wir

   jetzt wieder auf. Ich schnippe dreimal für Sie. Aber ich danke Ihnen

   herzlich für Ihre Einschätzung und Ihre engagierte Schilderung, wie die

   Schule von morgen aussehen könnte, alles Gute!

 

Schrittesser Ilse (Universität Wien)

   Sehr gerne!

 


 

Ö3 Mittagsjournal 12:00 vom 04.03.2015 12.00 Uhr

 

Schlechtes Zeugnis für die Neue Mittelschule

 

Pieh Inka (ORF)

   Die Neue Mittelschule ist teurer als die Hauptschule aber nicht besser. Zu

   diesem doch vernichtenden Urteil kommen Experten, die im Auftrag des

   Unterrichtsministeriums die Neue Mittelschule evaluiert haben. Die

   zuständige Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek von der SPÖ will

   das Ergebnis des Berichtes heute nicht kommentieren, auch Bundeskanzler

   Werner Faymann will dazu nichts sagen. Stellvertretend für die SPÖ spricht

   aber der burgenländische Landeshauptmann Hans Niessl, der auch Mitglied der

   Bildungsreform-Kommission ist und er sagt am Konzept der neuen Mittelschule

   werde festgehalten.

 

Niessl Hans (SPÖ)

   Dort wo die Neue Mittelschule sehr gut umgesetzt wurde, wo auch die

   Pädagoginnen und Pädagogen entsprechend ausgebildet wurden, wo die

   Organisationsform verändert wurde und die Pädagogik verändert wurde, wo das

   Team-Teaching in den Vordergrund gestellt wurde, gibt es zum Beispiel

   deutlich mehr Schüler, die weiterführende, maturaführende Schulen besuchen.

   Also insofern gibt es schon aus meiner Sicht gute Ansätze, es stimmt, es

   ist auch aus meiner Sicht zu wenig. Aber da muss die Pädagogik, die

   Schulaufsicht eben hart daran arbeiten, dass die Qualität der Neuen

   Mittelschule weiter angehoben wird.

 

Pieh Inka (ORF)

   Zurückhaltender als bisher zeigt sich heute die ÖVP. Von einem Stopp der

   Neuen Mittelschule will ÖVP-Wissenschaftsstaatssekretär Harald Mahrer trotz

   der schlechten Evaulierung nichts wissen. Aber er fordert im Ö3-Interview

   mit Katja Arthofer Verbesserungen.

 

Mahrer Harald (ÖVP)

   Wir glauben, dass wir wesentlich mehr im Bereich der Schulautonomie machen

   müssen. Das Korestt für die Schulen ist zu eng. Es zeigt sich eindeutig,

   dass die Lehrerinnen und Lehrer aber auch die Schulleitungen mehr

   Möglichkeiten haben müssen, um auf spezifische Probleme der Schülerinnen

   und Schüler eingehen zu können.

 

Arthofer Katja (ORF)

   Aus der ÖVP hat es schon im Vorjahr geheißen, wenn der Expertenbericht

   schlecht ausfällt, dann müsse der Ausbau der Neuen Mittelschule gestoppt

   werden. Ist es jetzt so weit?

 

Mahrer Harald (ÖVP)

   In Wirklichkeit geht ja die Neue Mittelschule in das Regelschulsystem über.

   Ich glaube etwas, dass in das Regelschulsystem umgewandelt wird, also in

   Wirklichkeit statt Hauptschulen Neue Mittelschule heißt, das zeigt ja der

   Bericht. Es ist ja in bestimmen Hauptschulen sichtlich nichts anderes

   passiert, außer das Türschild umgewandelt worden. Also kann man sich auch

   nicht die Frage stellen, ob in Wirklichkeit die Neue Mittelschule irgendwie

   gescheitert. Man muss sich die Frage stellen, wie wird Schule besser? Das

   interessiert die Schüler und das interessiert die Eltern und sonst nichts.

 

Pieh Inka (ORF)

   Sagt Harald Mahrer zur Neuen Mittelschule.

 


 

APA0368 II, XI 04.03.2015 13:31:49

 

Neue Mittelschule - Mahrer für mehr Autonomie

Utl.: Und stärkere Elementarpädagogik - SPÖ-Bildungssprecherin Grossmann will "Nachschärfung" - "NMS auf halbem Weg steckengeblieben"

 

Für ein größeres Ausmaß an Schulautonomie sowie eine Stärkung der Elementarpädagogik plädiert Wissenschafts-Staatssekretär Harald Mahrer (ÖVP) als Konsequenz des Evaluierungsberichts zur Neuen Mittelschule (NMS). Er gehe zwar davon aus, dass die Umwandlung der Hauptschulen in NMS abgeschlossen werde, so Mahrer zur APA. Die Rahmenbedingungen müssten aber passen.

Er ziehe zwei Schlussfolgerungen aus dem Evaluierungsbericht, so Mahrer. Kurz- und mittelfristig brauche es mehr Autonomie: Es müsse viel stärker schul- bzw. klassenspezifisch entschieden werden können, wie die Ressourcen bzw. pädagogischen Konzepte eingesetzt werden. "Man kann keine Schule mit einer anderen vergleichen." Das gelte sowohl bei einem Vergleich von Stadt und Land als auch schon von zwei Bezirken in Wien mit unterschiedlichen Migrantenanteilen.

"Es hat früher sehr gute Hauptschulen gegeben, die tolle Ergebnisse geliefert haben. Die gibt es jetzt auch, nur heißen sie halt Neue Mittelschulen", meinte Mahrer. "Und es gab welche mit Problemen unterschiedlicher Art. Die heißen jetzt eben auch Neue Mittelschulen."

Langfristig müsse die Elementarpädagogik gestärkt werden, was die letzten 20 bis 25 Jahre vergessen worden sei. "Wenn wir schauen, dass Kinder schon gut gefördert und mit guten Sprachkenntnissen in die Volksschule kommen, hebe ich damit allein schon das Gesamtniveau", so Mahrer. Es sei illusorisch, darauf zu hoffen, dass die Sekundarstufe ausbessern könne, was schon die Volksschule nicht geschafft habe.

Keinesfalls dürfe man jetzt zur Tagesordnung übergehen, meinte Mahrer. Gleichzeitig gelte es, die richtigen Schritte zu setzen. "Eine Schulreform ist wie eine Operation am offenen Herzen. Man muss aufpassen, dass der Patient nicht verstirbt."

SPÖ-Bildungssprecherin Elisabeth Grossmann sah in einer Aussendung den NMS-Evaluierungsbericht als "Handlungsauftrag, bei der Umsetzung des an sich richtigen Konzepts 'nachzuschärfen' und die Ressourcen effizienter und zielgerichteter einzusetzen". "Fatal" wäre es, den Schulen die notwendigen Ressourcen wieder wegzunehmen - vielmehr sollten diese auch nach den jeweiligen Herausforderungen am Schulstandort verteilt werden.

"Keinesfalls dürfen wir zurück an den Start, sondern müssen die Stärken des Modells ausbauen und in Sachen Teamteaching und Individualisierung konsequent weitergehen", meinte Grossmann. Als Vorbilder sollten jene Standorte dienen, die besser abgeschnitten haben - "hier müssen wir uns genau ansehen, was gut gelaufen ist, etwa bei einer pädagogisch ausgereiften Umsetzung des Teamteachings."

Verbesserungsmöglichkeiten sieht Grossmann bei der Schulaufsicht. "An manchen Standorten ist das NMS-Konzept wirklich unzureichend umgesetzt worden, hier müssen wir zu einer effizienteren Schulaufsicht im Sinne eines begleitenden Qualitätsmanagements kommen." Ein seriöser Leistungsvergleich zwischen Standorten sei "jedenfalls nur dort möglich, wo es nicht die Sogwirkung einer AHS-Unterstufe gibt": "Das Problem der frühen Selektion der Kinder haben wir leider immer noch nicht gelöst - insofern musste die NMS auf halbem Weg stehen bleiben."

 


 

OTS0139 II 04.03.2015 12:54:17

 

NEOS Meinl-Reisinger: Neue Mittelschule gescheitert, Wien braucht Bildungswende

Utl.: Reaktion auf Expertenbericht: NMS ist typischer Kompromiss, der nicht funktioniert

 

Der Expertenbericht über die Neue Mittelschule lasse nur einen Schluss zu, erklärt Beate Meinl-Reisinger, Landessprecherin NEOS Wien: "Die Neue Mittelschule ist eindeutig gescheitert. Sie war von Vornherein eine Kompromisslösung, die zum Scheitern verurteilt war. Es herrscht dringender Handlungsbedarf: Wir fordern eine Bildungswende von unten."

"Für die beste Bildung für unsere Kinder braucht es weder die Verländerung der Lehrer noch Minimalautonomie, wie sie derzeit diskutiert werden. Was es braucht, ist eine echte Schulautonomie, also eine volle pädagogische, finanzielle und personelle Autonomie anstatt diesen rasenden Stillstand durch weitere halbherzige Schulversuche zu verlängern", betont Meinl-Reisinger. Die Schulautonomie könne den Bildungsstreit beenden und den Fokus auf Inhalte statt auf Etiketten lenken: "Wir wollen eine mündige Schule, deren Qualität durch einen Bildungsabschluss für alle Schüler gesichert ist."

In Wien werden die Baustellen im österreichischen Schulsystem besonders offensichtlich, kritisiert Meinl-Reisinger: "Die Parteibuchwirtschaft im Stadtschulrat trägt sicher nichts dazu bei, unseren Kindern die besten Chancen zu ermöglichen. Gerade in der Bundeshauptstadt bleiben viele Kinder - besonders jene mit nicht-deutscher Muttersprache - auf der Strecke. Wir können uns keine verlorene Generation leisten und brauchen daher dringend entschlossene Schritte in Richtung mehr Autonomie und Selbständigkeit für die Schulen", so Meinl-Reisinger.

Rückfragehinweis: Kornelia Kopf NEOS Wien  Zollergasse 13/5, 1070 Wien kornelia.kopf@neos.eu  0664/8878 2412

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/14795/aom

 


 

OTS0170 II, CI 04.03.2015 14:04:29

 

Juraczka: Neue Mittelschule Richtung Wiener Mittelschule weiterentwickeln

Utl.: ÖVP Wien fordert größtmögliche Schulautonomie und Entpolitisierung bei Direktorenbestellungen - Gymnasium darf nicht marginalisiert werden

 

"Ziel eines effektiven und erfolgreichen Unterrichts muss es sein, die leistungsstärkeren Schüler zu fordern und die leistungsschwächeren zu fördern", erklärte heute der Landesparteiobmann Stadtrat Manfred Juraczka angesichts des heute in zahlreichen Medien veröffentlichten Evaluierungsberichtes zur Neuen Mittelschule. Ganz offensichtlich sei dieses Ziel mit der Neuen Mittelschule nicht erreicht worden. Der Bericht stelle sogar fest, dass sich die Lernsituation für leistungsschwächere Schüler verschlechtert habe. "Das kann man nicht einfach so stehen lassen", so Juraczka in Richtung Bildungsministerin Heinisch-Hosek. Immerhin habe man 300 Millionen Euro an Input in die Neue Mittelschule investiert. "Es kann also nicht sein, dass der Output gleich null ist und man für 'Bildungsgerechtigkeit' eine Nivellierung nach unten in Kauf nimmt", so Juraczka.

Deshalb gelte es auch das Projekt Neue Mittelschule schleunigst weiter zu entwickeln - und zwar in Richtung Wiener Mittelschule (WMS). Deren Konzeption wurde 2008 von der ÖVP Wien mitgestaltet und sei eine NMS "mit innerer Differenzierung und mehr PS", so Juraczka. "Dort findet kein Einheitsbrei statt, sondern es gibt in den Hauptfächern ein Kurssystem, in dem die Schwächeren gefördert und die Stärkeren gefordert werden." Darüber hinaus gebe es ein verstärktes Supportsystem an Sozialarbeiter/innen und Psychagog/innen, die vor allem im urbanen Raum eine wesentliche Erfolgskomponente im Bildungssystem darstellen würden. Auch brauche es größtmögliche Schulautonomie bei den Ressourcen an den Standorten selbst sowie endlich eine Entpolitisierung bei der Direktorenbestellung.

Juraczka weist auch darauf hin, dass sich Rot-Grün in Wien in ihrem Koalitionspakt zum Ziel gesetzt hat, dass "alle AHS-Unterstufen und Hauptschulstandorte in Wien als Neue Mittelschule geführt werden sollen". Dies sei angesichts des Evaluierungsberichtes als "gefährliche Drohung" zu sehen. Allerdings mache die Stadtregierung faktisch genau das. Bereits seit 13 Jahren ist in Wien keine öffentliche AHS-Unterstufe mehr eröffnet worden. Wann immer eine AHS in Wien errichtet wird, gibt es nur eine AHS-Oberstufe. Die Unterstufe wird als Neue Mittelschule geführt. Damit wird über die Hintertür das Gymnasium in der Langform abgeschafft und die Gesamtschule eingeführt. "Solange es aber keinen erfolgreicheren Schultyp als das Gymnasium gibt, darf dieses nicht marginalisiert werden", so Juraczka.

Dies auch vor dem Hintergrund, dass - laut Evaluierungsbericht - in der Sekundarstufe die wesentlichen Weichenstellungen für die Bildungskarriere bereits längst getroffen sind. Somit wäre es sinnvoller gewesen, das Geld in den Volksschulen zu investieren und den wesentlichen Fokus auf die Elementarpädagogik zu legen, um hier die Kinder besser und effektiver vorzubereiten und zu fördern, so Juraczka. Stattdessen werden jedoch in den Wiener Volksschulen Stützlehrer vom Vormittag abgezogen, um mit der Gratisnachhilfe einen weiteren roten bildungspolitischen "Schmäh" am Nachmittag zu organisieren.

Rückfragehinweis: ÖVP-Klub der Bundeshauptstadt Wien  Tel.: Tel.: (+43-1) 4000 /81 913 mailto:presse.klub@oevp-wien.at

 


 

APA0391 II, XI 04.03.2015 14:01:10

 

Neue Mittelschule: In Hälfte der Klassen unzureichend umgesetzt

Utl.: Evaluations-Bericht: Nur 46,4 Prozent aller untersuchten Klassen mit "breitem" oder "umfassendem" Umsetzungsgrad - GRAFIK

 

In mehr der Hälfte der untersuchten Schulklassen in den Neuen Mittelschulen (NMS) sind die Merkmale dieser Schulform nur "durchschnittlich" oder kaum ausgeprägt. Diese Zahl findet sich im NMS-Evaluationsbericht zur Neuen Mittelschule (NMS).

Der Bericht teilt die Klassen in vier Kategorien: In 53,6 Prozent der Schulklassen waren demnach die NMS-Merkmale nur durchschnittlich oder kaum ausgeprägt. "Relativ umfassend" umgesetzt wurden die Ideen in 20,4 Prozent der untersuchten Klassen. "Breite, aber weniger intensive" Umsetzung weist der Bericht für 26 Prozent der Klassen aus.

Unter den Kernelementen des NMS-Konzepts verstehen die Studien-Autoren allgemein die Öffnung des Unterrichts. Im Speziellen ist damit etwa die Umsetzung neuer Unterrichtsmethoden wie beispielsweise Projektunterricht, ein hohes Ausmaß an Selbstständigkeit der Schüler im Unterricht, das Vorhandensein von Wahlmöglichkeiten, die Umsetzung von individueller Förderung und das Bestehen einer Sozialkultur gemeint.

Wurden diese Aspekte relativ umfassend umgesetzt, sprechen die Autoren von sogenannten "Modellklassen". Von "Plusklassen" ist die Rede, wenn das Konzept breit, aber weniger intensiv umgesetzt wurde. In "Normalklassen" sind die zentralen NMS-Merkmale eher durchschnittlich ausgeprägt. Mit insgesamt 31,6 Prozent aller 446 untersuchten Klassen fallen die meisten in diese Kategorie. In "Traditionsklassen" wurde die bisherige Art der pädagogischen Arbeit beibehalten. Dieser Kategorie gehören 22 Prozent aller Klassen an. In den Analysen finden sich Hinweise, dass in Modell- und Plusklassen insgesamt bessere Ergebnisse erzielt werden, heißt es in dem Bericht.

Die Einteilung der Klassen in die Kategorien erfolgte anhand von Befragungen der Schulleiter und Klassenvorstände, wie es in dem Bericht heißt, in dem Klassen untersucht wurden, wo die NMS im ersten und zweiten Jahr nach dem Start des damaligen Schulversuchs (2008) eingeführt wurde.

 


 

APA0321 II, XI 04.03.2015 12:53:28

 

Neue Mittelschule: Glaube an schnellen Erfolg für Experten "naiv"

Utl.: Evaluations-Ergebnisse für Bildungsforscher Hopmann nicht überraschend - Hätte sogar größere "Anfangsdelle" geben können - Kritik an zu hoher Erwartungshaltung gegenüber neuem System

 

Als "furchtbar naive Annahme" bezeichnete der Bildungsforscher Stefan Hopmann die Idee, dass sich mit der Einführung der Neuen Mittelschule (NMS) schnelle Verbesserungen im Bildungssystem erzielen lassen. Die durchwachsenen Ergebnisse der Evaluierung seien für ihn nicht überraschend, es sei sogar verwunderlich, dass die "Anfangsdelle" in den Leistungen nicht größer ausfiel, erklärte er der APA.

"Ich wäre böse überrascht gewesen, wenn es da wirklich einen massiven Erdrutsch oder eine massive Steigerung gegeben hätte", so der Forscher vom Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien. Ähnliches habe sich auch bereits in Längsschnittuntersuchungen abgezeichnet, die Hopmann und sein Team durchführen.

Wer glaube, dass sich mit der NMS-Einführung Schülerströme verändern oder kurzfristige Leistungszuwächse erzielen lassen, "ist auf dem falschen Dampfer und versteht nichts von Schule", so Hopmann. Ein Problem der seines Erachtens nach "voreiligen" Fixierung der NMS als Regelschule 2012 ist die Konzentration der bereitgestellten Zusatzressourcen auf das Teamteaching. Das könne in manchen Situationen zwar sinnvoll sein, manchmal mache es aber auch mehr Sinn "mit flexiblen Gruppen und Zusammensetzungen zu arbeiten, anstatt zwei Lehrer in die Klasse zu stellen".

Durch das "blödsinnige NMS-Gesetz sind da einfach Sachen eingefroren und vorgeschrieben worden, die überhaupt nicht notwendig waren und die Schulen direkt daran gehindert haben, zum Teil zu tun, was für den jeweiligen Standort richtig gewesen werde". Viel an Engagement an den Schulen sei vernichtet worden, indem man "mitten im Prozess die Leute mit dem Gesetz überfallen" habe, erklärte der Forscher. Ob an einzelnen Standorten die Umsetzung des Konzeptes mit den erwünschten positiven Effekten gelingt, sei von sehr vielen Faktoren abhängig und liege bei weitem nicht nur am Umgang der einzelnen Schulen damit, wie in dem Evaluierungs-Bericht anklinge.

Die Konsequenz aus all dem Wissen über die NMS sei, dass man den Schulen den nötigen Spielraum und die Zeit lassen müsse, "für die jeweilige Schule die richtige Lösung zu schneidern. Die sieht nunmal in Simmering anders aus als in Hermagor und dort wieder anders als in Feldkirch".

 


 

APA0278 II, XI 04.03.2015 12:22:32

 

Neue Mittelschule: Ergebnisse für Lehrer "erwartbar"

Utl.: NMS aber nicht "abdrehen"

 

Die Ergebnisse der Evaluierung der Neuen Mittelschule (NMS) waren für den Vorsitzenden der ARGE Lehrer in der GÖD, Paul Kimberger, "durchaus erwartbar", sagte er zur APA. Es zeige sich, dass die Konzentration auf Teamteaching nicht das "Allheilmittel" für die Lösung von Problemen an den Schulen sei. Die NMS sollte aber nicht "abgedreht" werden, da sich gute Ansätze in der Lernkultur entwickeln.

Die bisher bekannt gewordenen Ergebnisse könnten nur "Schreibtischattentäter und manche Theoretiker in den Schulbehörden" überraschen, so Kimberger. Er kenne den Bericht zwar noch nicht im Detail bzw. nur aus den Medien. Die Schulen und Lehrer würden grundsätzlich gute Arbeit leisten. Es gebe aber einige Punkte in Bezug auf die NMS, die nicht optimal funktionieren.

Die Bildungsstandard-Untersuchungen würden zeigen, dass die NMS bei Spitzenleistungen durchaus mithalten könnten, problematisch sei die "Inhomogenität der Gruppen". Ein stark NMS-spezifisches Thema sei zudem die Migration und Integration. Dem ohne "Differenzierungsmöglichkeiten" an den Schulen zu begegnen, sei schwierig. Ohne Differenzierung werde man "nicht auskommen", zeigte sich der Vorsitzende der Pflichtschullehrer-Gewerkschaft (Fraktion Christlicher Gewerkschafter) überzeugt. "Möglicherweise sind beim Teamteaching die Guten etwas unter- und die schwachen Schüler etwas überfordert."

Ein weiteres Problem ist für Kimberger die Art der Benotung in den NMS: "Diese siebenteilige Notenskala, die keiner versteht, keiner erklären kann und die völlig intransparent ist". Warum diese "untaugliche" Leistungsbeurteilung vom Bildungsministerium so stark verteidigt wird, versteht er nicht.

Außerdem würde an Schulen das Unterstützungspersonal fehlen: "Wir haben kein Unterstützungs- und Supportpersonal, und das wirkt sich natürlich auch in den Schulen aus, wenn sich Lehrer um alles kümmern müssen und sich nicht auf ihre Kernaufgaben konzentrieren können", so Kimberger.

Im Hinblick auf die "überfallsartige flächendeckende Einführung" der NMS weist der Gewerkschafter darauf hin, dass sich Veränderungen im Bildungssystem nur langsam einstellen. Von vielen Seiten würde ihm allerdings bestätigt, dass sich hier in Bezug auf eine neue Lernkultur vieles entwickle, "aber das braucht noch Zeit". Es gelte das Modell "positiv und zukunftsorientiert weiter zu entwickeln", etwa indem Teamteaching nicht nur in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch eingesetzt werden kann, betonte Kimberger.

 


 

APA0140 II, XI 04.03.2015 10:09:33

 

Neue Mittelschule: Fragen und Antworten

Utl.: Von Kosten und Organisation bis zu Lehrern

 

Im Anschluss einige Fragen und Antworten zur Neuen Mittelschule (NMS):

Worin unterscheidet sich die Neue Mittelschule von einer Hauptschule?

Hauptunterschied sind die vom Bund finanzierten sechs Zusatzstunden für "pädagogische Fördermaßnahmen" in den Gegenständen Mathematik, Deutsch und Englisch. Diese können für die Besetzung dieser Fächer mit je zwei Lehrern (Teamteaching) eingesetzt werden oder für Individualisierung, differenzierten Unterricht in der Klasse, Begabungs- und Begabtenförderung, inklusive Pädagogik, Förderung in temporären Schülergruppen sowie Förder- und Leistungskurse. Außerdem wird in der dritten und vierten Klasse in Deutsch, Mathe und Englisch im Zeugnis ausgewiesen, ob der Schüler sich nur Basiswissen ("grundlegende Allgemeinbildung") oder komplexeres Wissen ("vertiefte Allgemeinbildung") aneignen konnte - je nachdem sind die Übertrittsmöglichkeiten in weiterführende Schulen gestaltet.

Was ist eigentlich die Neue Mittelschule organisatorisch? Eine Gesamtschule?

Von der Schulorganisation her ist die NMS keine Gesamtschule - ganz im Gegenteil: Gesamtschule bedeutet, dass es für die betreffende Altersstufe nur einen Schultyp gibt. Durch die NMS ist für eine Übergangsphase neben die bisherigen Schultypen Hauptschule und AHS-Unterstufe ein dritter getreten. Ab 2018 werden dann alle verbliebenen Hauptschulen endgültig in NMS umgewandelt sei - dann gibt es also wieder ein zweigliedriges System. Von ihrer Programmatik her ähneln die in den NMS angestrebten Ziele wie die Abkehr von der Vorstellung einer homogenen Schulklasse aber durchaus Ideen von Gesamtschulsystemen.

Wessen Idee war die Neue Mittelschule eigentlich?

Die ehemalige Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) wollte mit der NMS der ÖVP ursprünglich die Gesamtschule schmackhaft machen. Die ÖVP bestand aber auf der parallelen Führung der unterschiedlichen Schultypen. Die NMS startete nach einem politischen Kompromiss zwischen Schmied und Ex-Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP) 2008 als Sonderform eines Schulversuchs, 2012 wurde sie ebenfalls auf Initiative der Regierungsparteien zur Regelschule.

Wann sind alle Hauptschulen in NMS umgewandelt?

2012 beschloss der Nationalrat, die NMS vom Modellversuch zur Regelschule zu machen. Alle Hauptschulen werden schrittweise in NMS umgewandelt - 2015/16 werden an den verbliebenen Hauptschulstandorten die ersten Klassen nur mehr als NMS geführt, im Jahr darauf die ersten und zweiten usw. 2018/19 ist die Umstellung dann vollendet.

Warum ist die Neue Mittelschule teurer als Hauptschulen und AHS-Unterstufen?

Der Rechnungshof (RH) hielt 2013 in einem Bericht fest, dass die Lehrerpersonalkosten pro Schüler an den NMS 7.200 Euro betrugen, während die Hauptschulen auf 6.600 und die AHS-Unterstufen auf 4.700 Euro kamen. Grund: Gegenüber den Hauptschulen sind die NMS schon per Definition teurer, da sie sechs Zusatzstunden pro Klasse in Deutsch, Mathe und Englisch erhalten und diese zum Teil von AHS-Lehrern unterrichtet werden. Gegenüber den AHS kommt darüber hinaus noch dazu, dass die Klassen an AHS (Höchstzahl: 30 Schüler, NMS, Hauptschulen: 25) größer sind und es im NMS-Bereich im ländlichen Bereich viele kleine Schulen gibt.

Müssen an der Neuen Mittelschule auch AHS-Lehrer unterrichten?

Nein. In der Schulversuchs-Phase war zwar vorgesehen, dass Bundeslehrer (AHS oder BMHS) an den Neuen Mittelschulen unterrichten. Mit der Überführung ins Regelschulwesen 2013 entfiel dieses Kriterium aber. Eingehalten wurde es ohnehin weitgehend nicht: 2014 waren nur an 55 Prozent der NMS Bundeslehrer im Einsatz.

Welche Konsequenzen hat die Neue Mittelschule für die Lehrer-Beschäftigung?

Eine durchwegs positive: Durch die zusätzliche Finanzierung von sechs Wochenstunden pro Klasse konnten im AHS-Bereich zahlreiche Stellen geschaffen bzw. im Landeslehrerbereich (Hauptschulen) Jobs erhalten werden. So sank die Zahl der Hauptschüler zwischen 2008/09 (Jahr der NMS-Einführung als Schulversuch) und 2013/14 um rund 13 Prozent, jene der Hauptschullehrer (ohne Karenzen) um lediglich vier Prozent.

Schaffen NMS-Absolventen höhere Bildungsabschlüsse als Hauptschüler?

Das kann man noch nicht sagen. Zwar erreichten mehr NMS-Absolventen die Berechtigung für den Besuch einer höheren Schule als zuvor die Hauptschüler an den jeweiligen Standorten. Da die ersten Schüler aber erst 2012 die NMS verließen, können sie noch keine Matura erworben haben.

 


 

OTS0111 II 04.03.2015 12:07:30

 

GPA-djp-Katzian: Wir brauchen eine langfristige innovative arbeitsmarktpolitische Strategie

Utl.: BetriebsrätInnen im Bereich Erwachsenbildung machen gegen massive Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen mobil

 

"Die derzeitige Mittelaufteilung im Arbeitsmarktservice läuft auf eine reale Kürzung der Mittel für die aktive Arbeitsmarktpolitik hinaus. In Zeiten des erhöhten Bedarfs im Zuge der steigenden Arbeitslosigkeit, kann das nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Wir brauchen einen zielgerichteten Einsatz von Ressourcen, welche die Chancen der von Arbeitslosigkeit betroffenen Menschen am Arbeitsmarkt erhöhen. Die Anbieter von Schulungen und Kursen brauchen eine budgetäre Planungssicherheit, um eine entsprechende Qualität an Weiterbildungsmaßnahmen sicher zu stellen", betont der Vorsitzende der Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp), Wolfgang Katzian.++++

"Die derzeitige Schwerpunktsetzung im Rahmen des AMS zu Lasten der Beratungs- und Qualifizierungsmaßnahmen muss noch einmal überdacht werden. Bei Förderungen an die Arbeitgeber, ist nicht sicher gestellt, ob die Mittel ihren Zweck erfüllen. Die Förderung der Beschäftigung älterer Arbeitnehmer muss durch einen Beitrag jener Arbeitgeber, die zu wenig ältere beschäftigen, erfolgen und darf nicht zu Lasten des AMS-Budgets erfolgen. Auch darf die Finanzierung der Kurzarbeit nicht aus dem AMS-Regelbudget erfolgen. Unsere Erfahrungen haben auch gezeigt, dass das Instrument der Altersteilzeit in der geblockten Variante ein wirksames und sinnvolles Instrument der Beschäftigungssicherung war und wieder verstärkt genutzt werden soll", so Katzian.

Katzian sagte auch den BetriebsrätInnen im Bereich der Erwachsenenbildung die volle Solidarität von Seiten der GPA-djp zu. Die BetriebsrätInnen befürchten massive Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen und beklagen erste Kündigungswellen bei einzelnen Trägern.

Auf einer bundesweiten Konferenz am 4. März in Wien fordern sie in einer Resolution, die sich an die zuständigen Regierungsmitglieder richtet, insbesondere:

- Innovative Maßnahmen zur nachhaltigen Eingliederung von Arbeitssuchenden in den Arbeitsmarkt - Keine Finanzierung der Kurzarbeit durch Mittel, die der aktiven Arbeitsmarktpolitik fehlen - Längerfristige Budgetsicherheit für die Träger der AMS-externen Beratungs- und Qualifizierungsmaßnahmen - Größere Beschäftigungssicherheit für die ArbeitnehmerInnen im (Erwachsenen)-AusBildungsbereich - Weniger Leistungsdruck und mehr Gesundheit am Arbeitsplatz sowie Vermeidung von psychischer Belastung und Krankenständen in den Trägerunternehmen

Die BetriebsrätInnen der privaten Bildungseinrichtungen und der Sozialökonomischen Betriebe fordern gemeinsam mit der GPA-djp rasche Gespräche mit allen zuständigen MinisterInnen und planen in nächster Zeit weitere Aktivitäten zur Unterstützung der Anliegen der AMS-KundInnen und der Beschäftigten in den Trägereinrichtungen.

Rückfragehinweis: GPA-djp-Öffentlichkeitsarbeit   Mag. Martin Panholzer  Tel.: 05 0301-21511  Mobil: 05 0301-61511  E-Mail: martin.panholzer@gpa-djp.at

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/143/aom

 


 

OTS0103 II 04.03.2015 11:57:54

 

Bures: Demokratie lebt von der Beteiligung junger Menschen

Utl.: Lehrlingsparlament hat Premiere im Hohen Haus

 

Vor knapp 100 Lehrlingen aus ganz Österreich eröffnete Nationalratspräsidentin Doris Bures heute im Sitzungssaal des Nationalrats das Lehrlingsparlament. "Demokratie lebt von jungen Menschen, die mitgestalten wollen", so Bures. Daher sei es wichtig, neben SchülerInnen auch Lehrlingen, "die mit beiden Beinen im Berufsleben stehen", die Möglichkeit zu geben, in direkten Kontakt mit der Politik zu treten. "Politik hat mit dem Leben von uns allen zu tun", betonte die Präsidentin. In den kommenden zwei Tagen werden die TeilnehmerInnen am Lehrlingsparlament die Gelegenheit haben, hinter die Kulissen der Gesetzgebung zu blicken, mit 'echten' Abgeordneten zu diskutieren und sich eigene Meinungen zu bilden. Wichtig in einer modernen und lebendigen Demokratie sei allerdings, auch andere Haltungen zuzulassen, um letztendlich einen guten Kompromiss zu finden - das würden die Jugendlichen bei ihrer parlamentarischen Arbeit ebenfalls erkennen, war Bures überzeugt.

Im Lehrlingsparlament von 4. bis 5. März haben Lehrlinge erstmals die Gelegenheit, den Gesetzgebungsprozess aus dem Blickwinkel von Abgeordneten zu betrachten. Eigenständig finden sich die TeilnehmerInnen in vier Klubs zusammen, in denen sie Positionen zu einer fiktiven Gesetzesvorlage ausarbeiten. "Regelungen für die Lehrlingsausbildung im Betrieb" ist das Thema der Klub- und Ausschussdebatten am morgigen Sitzungstag des Lehrlingsparlaments. Die Lehrlinge werden dabei ihre Standpunkte argumentieren, Sichtweisen austauschen und an Kompromissen feilen. In der Plenarsitzung am Ende des Parlamentstages zeigt sich dann, ob die Jugendlichen eine beschlussfähige Mehrheit für ihr Gesetz ausverhandeln konnten. Die Plenardebatte wird auf der Parlamentswebsite im Livestream, http://www.parlament.gv.at/PAKT/PLENAR/VIDEO/index.shtml, übertragen. Meldungen auf Facebook www.facebook.com/ParlamentWien und Twitter https://twitter.com/oeparl begleiten den Sitzungstag außerdem.

Zur Vorbereitung auf ihre Diskussionen erhalten die Lehrlinge heute noch eine Themeneinführung von Günther Zauner, Lehrlingsexperte der Arbeiterkammer, und Peter Zeitler, der in der Wirtschaftskammer mit Fragen der Berufsausbildung befasst ist. Über die formalen Abläufe im Gesetzgebungsprozess informieren MitarbeiterInnen der Parlamentsdirektion. Bei der Bearbeitung der Gesetzesvorlage unterstützen zudem Abgeordnete aller Parlamentsparteien morgen die JungparlamentarierInnen. Von den Fraktionen als HelferInnen im Lehrlingsparlament nominiert wurden Cornelia Ecker, SPÖ; Asdin El Habbassi, ÖVP; Petra Steger, FPÖ; Julian Schmid, Grüne; Rouven Ertlschweiger, Team Stronach und Josef Schellhorn, NEOS.

Die TeilnehmerInnen am aktuellen Lehrlingsparlament decken vom Maurer bis zur Elektrotechnikerin eine breite Palette an Lehrberufen ab und kommen aus zehn Betrieben mit sehr unterschiedlichen Geschäftsfeldern: A1, dm, Kapsch, ÖBB, REWE, Siemens, Spar, STRABAG AG, voestalpine, Wiener Linien.

Neben dem Lehrlingsparlament ist ab Herbst in der Demokratiewerkstatt des Parlaments mit einem eigenen Modul für Lehrlinge ein weiteres maßgeschneidertes Angebot an politischer Bildung geplant. Für die Konzeption der Lehrlingsoffensive zur politischen Bildung hat das Parlament auch die Bundesjugendvertretung und die Gewerkschaftsjugend an Bord geholt. (Schluss) rei

Rückfragehinweis: Pressedienst der Parlamentsdirektion  Parlamentskorrespondenz Tel. +43 1 40110/2272 mailto:pk@parlament.gv.at


http://www.parlament.gv.at www.facebook.com/ParlamentWien  www.twitter.com/oeparl

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/172/aom

 


 

APA0461 II, XI 04.03.2015 15:35:52

 

Matura: Auch alte Aufgaben bei Probelauf

Utl.: Lehrer sollten "missverständlich interpretierbare" Angabe vorab ergänzen - "Stärkt nicht rasend das Vertrauen"

 

Nicht ganz reibungslos ist heute, Mittwoch, der Probelauf für die Englisch-Zentralmatura abgelaufen. So sind unter anderem auch bereits zuvor veröffentlichte Aufgaben verwendet worden. Im Vorfeld musste außerdem eine "missverständlich interpretierbare" Angabe ergänzt werden, geht aus einem Schreiben des Bundesinstituts für Bildungsforschung (Bifie) an die Schulen hervor.

Für den Probelauf stellt das Bifie Aufgabensammlungen zur Verfügung. Diese stehen nicht nur als Gesamt-Paket, sondern auch als Einzelaufgaben bereit. Außerdem gibt es Vorschläge für Aufgabenkombinationen, die auch als dreistündige Schularbeit verwendet werden können. Die Lehrer können selbst entscheiden, ob und welche Aufgaben sie mit den Schülern entweder informell üben oder auch als "echte" Schularbeit geben wollen.

Die zur Verfügung gestellten Dateien konnten ab Montag entschlüsselt werden. Wenige Stunden später ging außerdem ein der APA vorliegendes Mail vom Bifie an die Schul-Direktionen mit dem Hinweis, dass "der grafische Input" in einer Aufgabe "missverständlich interpretiert werden kann". Gleichzeitig wird darum gebeten, "ergänzende Informationen" zur betreffenden Aufgabe zur Verfügung zu stellen.

"Das stärkt nicht unbedingt rasend das Vertrauen", meinte der Vorsitzende der AHS-Lehrergewerkschaft, Eckehard Quin, zur APA. Viele Lehrer hätten nach der Entschlüsselung der Aufgaben-Dateien festgestellt, dass manche der nunmehrigen Beispiele bereits als Übungsaufgaben auf der Bifie-Homepage vorhanden gewesen seien. "Der Schüler, der die vielleicht mit seinem Nachhilfe-Lehrer gemacht, wird sich natürlich freuen, wenn er sie dann zufällig zur Schularbeit kriegt. Das ist aber nicht ganz Sinn der Sache", so Quin.

 


 

Ö1 Morgenjournal 08:00 vom 04.03.2015 08.00 Uhr

 

Englisch-Zentralmatura im Test

 

Arnim-Ellissen Hubert (ORF)

   Auch Team-Teaching muss erst gelernt sein bevor es gelingt. Eine weitere

   Testphase für das österreichische Bildungssystem kommt mit der

   Zentralmatura auf die Kandidaten zu. Heute wird an vielen Schulen getestet,

   ob Schüler, Lehrer und das Organisationstalent BIFIE fit sind für die

   Englisch-Zentralmatura. Die Generalprobe läuft, Denise Roithmair.

 

Roithmair Denise (ORF)

   Ob und wie an dem Testlauf teilgenommen wird ist Sache der Schulen. Die

   Aufgabensammlungen vom Bildungsinstitut BIFIE standen seit Freitag zum

   Herunterladen bereit. Die Lehrer konnten dann selbst entscheiden ob die

   Aufgaben als Probematura in voller Länge, als drei- beziehungsweise

   vier-stündige Schularbeit oder nur zur Übung eingesetzt werden. Der Vorteil

   für die Lehrer, so BIFIE-Direktor Jürgen Horschinegg:

 

Horschinegg Jürgen (BIFIE - Bundesinstitut für Bildungsforschung)

   Die können ja ermessen, wie ihre - oder an welchem Punkt ihre Schüler und

   Schülerinnen stehen und was sozusagen pädagogisch inhaltlich sinnvoll ist

   mit den Schülern und Schülerinnen zu machen.

 

Roithmair Denise (ORF)

   Die Probe-Matura in Mathematik im Dezember hat ja mit 30 Prozent Fünfern für

   Unsicherheit unter Lehrern und Schülern gesorgt. Wie die

   Englisch-Probe-Matura ausfällt wird man in diesem Fall aber wegen der

   variablen Aufgaben nicht sagen können, so Horschinegg.

 

Horschinegg Jürgen (BIFIE - Bundesinstitut für Bildungsforschung)

   Und das erlaubt so viel Unterschiedlichkeit, dass eine einheitliche

   Information oder eine aussagekräftige Information darüber auf die Schule

   überschreitender Ebene eigentlich nicht sinnvoll ist.

 

Roithmair Denise (ORF)

   Die Ergebnisse der Probe-Klausur sollen vor allem Richtwert für Schüler und

   Lehrer sein. Das dem BIFIE keine Ergebnisse zur Englisch-Probe-Matura

   vorliegen werden, sei kein Problem, die Aufgaben seien bereits getestet.

 

Horschinegg Jürgen (BIFIE - Bundesinstitut für Bildungsforschung)

   Das sind valide gute Aufgaben, die sozusagen als Aufgaben funktionieren. Es

   geht hier nicht um eine Feststellung von der Qualität von Aufgaben, sondern

   es geht ausschließlich darum, dass Schüler und Schülerinnen üben können.

 

Roithmair Denise (ORF)

   So BIFIE-Direktor Jürgen Horschinegg. Am elften März folgt dann die

   Probe-Matura in Deutsch.

 


 

Mit freundschaftlichen Grüßen

 

Kurt Schober
Klubsekretär

SPÖ-Parlamentsklub
01/40110-3569

0664 / 44 45 005
kurt.schober@spoe.at

 

SPÖ-Parlamentsklub

www.klub.spoe.at

 

 

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