Donnerstag, 5. März 2015

Bildungs-Newsletter 5. März 2015


 

APA0168 II, XI 05.03.2015 10:32:01

 

Schulautonomie: Was Schulen derzeit dürfen

Utl.: Mitsprache bei Benotung in der Volksschule, Festlegung der schulautonomen Tage, Werbung und Sponsoring

 

Die Reaktionen auf die Evaluierung der Neuen Mittelschule (NMS) waren zwar durchaus geteilt - in einem Punkt war man sich aber weitgehend einig: Die Autonomie der Schulen soll unbedingt ausgebaut werden. Schon jetzt haben aber die Schulen durchaus einige Möglichkeiten.

Bestimmungen zur Schulautonomie finden sich in diversen Schulgesetzen. Direkt an den Schulen entschieden werden können etwa manche Lehrplanfragen, die Eröffnung und Teilung von Klassen, Fragen der Vermietung von Schulräumen bzw. Werbung und Sponsoring, die Einführung der Fünf-Tage-Woche und als weithin bekannteste Bestimmung die Vergabe der schulautonomen Tage. Außerdem haben die Schulpartner (Schüler, Eltern, Lehrer) durch den Schulgemeinschaftsausschuss bzw. das Schulforum ein Recht zur Stellungnahme bei der Besetzung von Leitungsfunktionen.

Die Schulpartner können innerhalb eines bestimmten Rahmens etwa die Stundenzahl von Pflichtgegenständen verändern, zusätzliche Pflichtgegenstände einführen, bestehende Freigegenstände in Pflichtgegenstände umwandeln oder Freigegenstände bzw. unverbindliche Übungen schaffen. Außerdem können - allerdings nur bei Wahrung der Kostenneutralität - Klassen- und Gruppengrößen verändert werden.

An Bundesschulen können im Rahmen der Teilrechtsfähigkeit Einrichtungen mit eigener Rechtspersönlichkeit geschaffen werden. Das bedeutet, dass die Schulen etwa am Standort eigenverantwortlich Verträge abschließen und Veranstaltungen durchführen können bzw. das damit erwirtschaftete Geld für eigene Zwecke verwenden können. Ebenfalls behalten werden dürfen Einnahmen aus Werbung und Sponsoring.

In der Öffentlichkeit am bekanntesten sind die Bestimmungen über die schulautonomen Tage: Hier dürfen die Schulpartner jedes Unterrichtsjahr fünf Tage "aus Anlässen des schulischen oder sonstigen öffentlichen Lebens" schulfrei erklären - wobei mittlerweile zwei dieser Tage aber bundesländerweise doch wieder zentral festgelegt werden.

Außerdem dürfen die Schulpartner bestimmen, dass in der ersten und zweiten Klasse Volksschule den Noten eine Leistungsbeschreibung hinzugefügt wird (das komplette Ersetzen der Noten durch eine alternative Leistungsbeurteilung bedarf allerdings eines Schulversuchs, Anm.). Außerdem können sie (bei Schulen, für die kein Sprengel besteht) zusätzliche Reihungskriterien für die Aufnahme von Schülern festlegen. Wenig Mitsprache haben sie dagegen bei der Direktorenbestellung - in diesem Bereich ist derzeit nur ein Recht auf Stellungnahme vorgesehen. Gar keine Kompetenzen haben sie dagegen bei der Auswahl von Lehrern.

 


 

APA0173 II, XI 05.03.2015 10:35:31

 

Schulautonomie: Laut OECD-Vergleich in Österreich eher gering

Utl.: Niederlande und England Spitzenreiter - OECD-weit geht der Trend in Richtung Zentralisierung - GRAFIK

 

Die Autonomie der Schulen ist in Österreich im internationalen Vergleich verhältnismäßig gering ausgeprägt. Das zeigt die OECD-Studie "Bildung auf einen Blick" (2012). Demnach werden hierzulande 31 Prozent der Entscheidungen im Schulwesen auf Schulebene getroffen - im OECD-Vergleich sind es 41 Prozent und in der EU 46 Prozent.

Die OECD teilt die Entscheidungsebenen in zentralstaatlich (entspricht in Österreich der Bundeskompetenz), bundesstaatlich (Österreich: Landeskompetenz), regional und subregional (keine Entsprechung in Österreich), lokal (Österreich: Gemeindeebene) und Schulebene.

55 Prozent der Entscheidungen in Österreich fallen demnach auf zentral- bzw. bundesstaatlicher Ebene (OECD- und EU-Schnitt je 36 Prozent). 14 Prozent der Fragen werden auf lokaler (OECD: 17, EU: 13 Prozent) und keine auf regionaler Ebene (OECD: fünf, EU: vier Prozent) entschieden.

Spitzenreiter in Sachen Schulautonomie sind die Niederlande (86 Prozent der Entscheidungen auf Schulebene), gefolgt von England (81 Prozent), Estland (76 Prozent), dem flämischen Teil Belgiens (71 Prozent) und Tschechien (68 Prozent). Besonders zentralisiert ist das Schulwesen neben Luxemburg (87 Prozent der Entscheidungen auf zentral- bzw. bundesstaatlicher Ebene) in Mexiko (83 Prozent), Griechenland (78 Prozent), Portugal (78 Prozent) und dem französischsprachigen Teil Belgiens (72 Prozent).

Im Vergleich mit dem Jahr 2003 hat sich am Ausmaß der Schulautonomie in Österreich praktisch nichts geändert. OECD-weit geht der Trend seither interessanterweise eher in Richtung Zentralisierung: In zehn von 21 Ländern werden nun weniger Entscheidungen auf Schulebene gefällt als 2003, besonders ausgeprägt ist diese Entwicklung in Luxemburg und Portugal. In vier Staaten war eine gegenläufige Entwicklung zu beobachten, dezentralisiert wurde vor allem in Australien und Island.

Besonders stark auf Entscheidungen auf lokaler Ebene setzen Finnland (100 Prozent) - wobei laut OECD aber in der Praxis viele Entscheidungen auf Schulebene delegiert werden -, Norwegen (65 Prozent), die USA (53 Prozent) und Kanada (49 Prozent).

 

 


 

"Die Presse" vom 05.03.2015                                Seite: 1

 

Ist die Gesamtschule nun tot?

 

   Neue Mittelschule. Die schlechten Ergebnisse in der Evaluierung der NMS brachten einen kräftigen Dämpfer für das Prestigeprojekt der SPÖ. Platzt damit auch deren Traum von der Einführung der Gesamtschule?

 

   von Julia Neuhauser

 

   Wien. Der Neuen Mittelschule (NMS) wurde ein ernüchterndes Zeugnis ausgestellt: Obwohl viel Geld in den neuen Schultyp gesteckt wurde, ist er nicht besser als die Hauptschule. Für schwache Schüler brachte die Neue Mittelschule sogar Verschlechterungen: Sie sind häufiger überfordert und frustriert. Ein kräftiger Dämpfer für das rote Prestigeprojekt. Und womöglich gar ein schwerer Rückschlag für die SPÖ und ihren jahrzehntelangen Kampf um die Einführung einer Gesamtschule. "Die Presse" hat sich angesehen, ob dieser bildungspolitische Traum nun geplatzt ist.

 

   1Haben die Ergebnisse überhaupt Aussagekraft für die Sinnhaftigkeit einer Gesamtschule?

 

   Nein. Prinzipiell nicht. Die Neue Mittelschule ist keine Gesamtschule. Dafür müssten nämlich alle Zehn- bis 14-Jährigen diesen Schultyp besuchen. Das ist nicht der Fall. Durch die Beibehaltung des Gymnasiums blieb der größte Konkurrent bestehen. Es drängen immer mehr Kinder in die AHS. Daran änderten auch die Bemühungen, die Neue Mittelschule attraktiver als die Hauptschule zu gestalten, nichts. "Solange es sich bei der NMS um ein Parallelangebot handelt, zieht die AHS-Unterstufe jene ,Zugpferde' ab, von denen schwächere Schülerinnen und Schüler sich etwas abschauen können", sagte Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) in einer ersten Reaktion. Sie bleibt weiter auf Gesamtschulkurs und meint: "Von gemeinsamem Unterricht würden alle profitieren."

 

   2Lassen sich also gar keine Rückschlüsse auf eine mögliche Gesamtschule ziehen?

 

   Doch. Die durchwachsenen Ergebnisse werden die Diskussion mit Sicherheit beeinflussen. Gesamtschulgegnern werden sie als Munition dienen. Und das nicht ganz zu Unrecht. Denn obwohl die NMS keine Gesamtschule ist, ähnelt sie dieser in einigen Punkten. In der Neuen Mittelschule wurden Unterrichtsprinzipien ausgetestet, die es so auch in einer Gesamtschule geben könnte: zuerst die sogenannte innere Differenzierung. Dafür wurden die Leistungsgruppen aufgelöst und alle Kinder einer Klasse gemeinsam unterrichtet. Sie sollen voneinander lernen. Immer wieder kehrte außerdem das Schlagwort Individualisierung. Der Unterricht sollte sich auf die Stärken und Schwächen des Einzelnen konzentrieren. Das hieß weg vom Frontalunterricht; dazu wurden neue Unterrichtsmethoden wie Projektunterricht forciert. Auch das Teamteaching, der gemeinsame Unterricht von zwei Lehrern in einer Unterrichtsstunde, zählt zu den Elementen, die in der NMS ausgetestet wurden und in einer potenziellen Gesamtschule eingesetzt werden sollten. Die SPÖ wird weiter um die Gesamtschule kämpfen. Angesichts der Ergebnisse wird sie sich aber schwerer tun.

 

   3Haben all diese Konzepte - wie Individualisierung und Teamteaching - versagt?

 

   Das lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Zwar konnten die Experten, die die NMS evaluierten, keine positiven Auswirkungen einzelner Maßnahmen feststellen. Das allein sagt aber wenig. Denn eines der größten Probleme der NMS ist, dass sie nicht überall wie gewünscht umgesetzt wurde. In mehr als der Hälfte der untersuchten Schulklassen ist das NMS-Konzept nicht wirklich angekommen. In fast jeder dritten der 446 untersuchten Klassen erfolgte nur eine "durchschnittliche" Umstellung. Und fast jede vierte Klasse arbeitete ohnehin einfach mit dem bisherigen pädagogischen Konzept weiter.

 

   4Weshalb haben sich so viele Lehrer nicht auf das neue Konzept eingelassen?

 

   Den Unterricht adaptierten laut Studie vor allem die Schulen, an denen es zuvor viele Probleme gegeben hatte. Sie hatten Reformdruck. Und dann gab es noch die innovativen Schulen, deren Lehrer vom Konzept überzeugt waren und schon zuvor versucht hatten, den Unterricht zu verändern. Die meisten anderen blieben beim Gewohnten. Große Umstellungen in Bereichen wie dem Bildungssystem dauern außerdem einfach ihre Zeit: Es sei "eine furchtbar naive Annahme", dass sich mit der Einführung eines neuen Schultyps schnell Verbesserungen im Bildungssystem erzielen lassen, sagt etwa Bildungsforscher Stefan Hopmann von der Uni Wien. Das weiß mittlerweile auch die Politik: "Eine Schulreform ist wie eine Operation am offenen Herzen. Man muss aufpassen, dass der Patient nicht stirbt", sagt Wissenschaftsstaatssekretär Harald Mahrer (ÖVP).

 

   5Welche Schlüsse werden aus den Ergebnissen für die Neue Mittelschule gezogen?

 

   Laut Ministerin Heinisch-Hosek wird an der NMS definitiv nicht gerüttelt. Diese müsse nur besser umgesetzt werden. Die NMS sollen die gewährten sechs Zusatzstunden nicht nur für Deutsch, Mathematik oder Englisch verwenden dürfen, sondern auch für Schwerpunktfächer. Zudem sollen Länder oder Schulen entscheiden können, ob sie mit dem zusätzlichen Geld Pflichtschul- oder AHS-Lehrer anstellen möchten. Anstelle des Teamteachings soll es künftig zumindest teilweise ein Schülercoaching geben.

 


 

"Die Presse" vom 05.03.2015                                Seite: 2 LEITARTIKEL   von Oliver Pink

 

Another Brick in the Wall

 

Wenn die missglückte Umsetzung der Neuen Mittelschule das Menetekel für die Gesamtschule ist, dann sollte man sich tatsächlich zu fürchten beginnen.

 

   Die Idee hinter der Neuen Mittelschule war es, ein Hybridmodell aus Hauptschule und Gymnasium zu schaffen. Also eine bessere Hauptschule, mit Betonung auf besser. Eingetreten ist, was zu befürchten war: Die Neue Mittelschule ist um nichts besser als die Hauptschule. Sie ist de facto die Hauptschule - ambitioniertere Lehrpläne hin, mehr und besser ausgebildete Lehrer her.

 

   Was uns zur nächsten Frage führt: Wenn die bildungspolitisch Verantwortlichen nicht einmal die Neue Mittelschule halbwegs passabel zusammengebracht haben, wie wollen sie dann jemals eine Gesamtschule schaffen? Denn dies ist noch wesentlich heikler: Wird ein Gesamtschulmodell eingeführt, das nicht funktioniert, dann geht ein ganzes Schul- und Bildungssystem den Bach hinunter.

 

   Wobei man der Versuchung widerstehen sollte, ein weiteres Mal ausschließlich auf die glücklose Gabriele Heinisch-Hosek verbal einzuprügeln: In diesem Fall trifft sie nur eine Teilschuld. Sie hat das Projekt Neue Mittelschule geerbt - und danach in der Umsetzung halt auch nicht mehr die Kurve gekriegt. Die Neue Mittelschule war eine Erfindung von Claudia Schmied, die sie auch zu ihrem Prestigeprojekt hochstilisiert hat. Der Befund seit 2008 ist ernüchternd: Viel Geld, wenig Prestige. Ein weiterer Ziegelstein in der Mauer. Mehr nicht.

 

   Ideologisch wird in dieser Frage zwischen die aktuelle Bildungsministerin und ihre Vorgängerin freilich kein Blatt passen. Nach Jahrzehnten hat die Neue Mittelschule der Sozialdemokratie endlich die Möglichkeit geboten, das Bildungssystem, das sie als Klassenbildungssystem interpretiert hat, aufzubrechen. Mit der Neuen Mittelschule hat man den Fuß in der Tür zu einer Gesamtschule - seit jeher der Wunschtraum sozialdemokratischer Bildungspolitiker. Und nicht nur dieser.

 

   In der Bildungspolitik blieben die Unterschiede zwischen den Bürgerlichen und den Sozialdemokraten, zwischen der ÖVP und der SPÖ, über die Zeitläufte hinweg ausgeprägt. Die SPÖ wollte eine Schule für alle, um die Klassenunterschiede zu begradigen. Die ÖVP hielt am differenzierten, leistungsorientierten Schulsystem fest - als Verteidigerin des Gymnasiums.

 

   In den vergangenen Jahren ist allerdings auch diese Front zusehends aufgeweicht worden. Die der ÖVP nicht gänzlich fern stehende Industriellenvereinigung propagiert eine gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen. Auch diverse ÖVP-Landesparteiobleute - von der Steiermark bis in den Westen - haben sich damit angefreundet.

 

   Nun kann man bei aller Skepsis gegenüber einem grundlegenden Systemwandel in Richtung Gesamtschule einen wesentlichen Aspekt nur schwer ignorieren: die den Schülern, Eltern und Lehrern abverlangte Entscheidung, bereits im Alter von zehn Jahren zu wissen, in welche Richtung die Bildungskarriere gehen soll. Das ist möglicherweise zu früh. Denn wer mit zehn Jahren nicht ins Gymnasium kommt, sondern in die Hauptschule - oder in die Neue Mittelschule, was, wie wir nun wissen, ohnehin dasselbe ist -, der wird es sehr schwer haben, zu einem höheren Bildungsabschluss zu kommen.

 

   Wenn sich allerdings dieselben Personen - oder andere mit derselben Mentalität und demselben Geschick - der Gesamtschule annehmen, die sich der Neuen Mittelschule angenommen haben, dann gute Nacht!

 

   Dann wird aus der gemeinsamen Schule erst recht ein Zweiklassenschulsystem. Und zwar eines, das kaum im Interesse der SPÖ sein kann: Dann werden jene, die es sich leisten können, ihre Kinder eben in die exklusiveren Gesamtschulen schicken. Schon jetzt ist der Trend in Richtung Privatschulen groß; er würde sich dann noch verstärken.

 

   Zumal sich am Beispiel Deutschland ablesen lässt: Jene Bundesländer mit einem differenzierten Schulsystem weisen die besseren Bildungswerte als jene mit einem Gesamtschulsystem aus.

 

   Sollte es je eine Gesamtschule geben, dann müsste diese exzellent vorbereitet sein: um die Guten zu fordern und die Schlechten zu fördern. Sonst kommt es tatsächlich zur befürchteten Nivellierung nach unten. Wie das geht, wurde soeben mit der Neuen Mittelschule vorexerziert.

 

   E-Mails an: oliver.pink@diepresse.com

 


 

"Die Presse" vom 05.03.2015                                Seite: 2 Von Bernadette Bayrhammer

 

Alle Macht den Schulen? Weg mit Regeln, her mit Konsequenzen

Autonomie. Das jüngste Papier schlägt viel Freiheit für die Schulen vor. Was sich ändern könnte, und wo Risken sind.

 

   Wien. Eine Revolution - zumindest eine kleine: Anders kann man das jüngste Expertenpapier zur Schulverwaltung kaum bezeichnen. Auch wenn die Frage nach einer Verländerung darin dezent umschifft wird, an den Schulen könnte sich einiges ändern, sofern umgesetzt wird, was Landesschulräte und Experten erarbeitet haben. Die Schulen könnten selbst über Lehrplan, Gruppen und sogar Prämien entscheiden - und bei schlechten Leistungen könnte es Konsequenzen geben. Die wichtigsten Punkte auf dem Prüfstand.

 

   * Autonomie. Mehr Autonomie allein ist kein Garant für bessere Leistungen. Aber: Unter den Besten finden sich bei PISA tendenziell Länder mit viel Freiheit. Zentral ist aber, dass Direktoren auch zu Schulmanagern werden - damit die neue Freiheit nicht zur Bürde und die Autonomie nicht zum Chaos wird.

 

   * Lehrplan. Dass Schulen nicht nur Schwerpunkte setzen, sondern sogar bis zu einem Viertel vom üblichen Lehrplan abweichen dürfen, klingt drastisch. Die Gefahr, dass dann etwa Mathematik gestrichen wird, besteht aber kaum, jedenfalls nicht, wenn Mathematik in den Bundesbildungszielen steht.

 

   * Konsequenzen. Klingt paradox, ist aber zentral: Je mehr Freiheit Schulen haben, desto klarer müssen die Ziele sein, die der Bund vorgibt. Das sieht auch das Konzept vor. Inklusive Konsequenzen: Werden die Ziele, die mit Instrumenten wie den Bildungsstandards getestet werden, nicht erreicht, droht Direktoren oder Lehrern sogar die Kündigung.

 

   * Papierkram. Was die Organisation angeht - von Gruppengröße über Tagesablauf bis Noten -, könnte sogar die Hälfte der heutigen Regelungen gestrichen werden. Schulen könnten dann frei entscheiden, ob sie etwa jahrgangsübergreifend unterrichten, alternativ benoten oder den Unterricht blocken. Weniger Papierkram und mehr Flexibilität also. Auch für Familien: Statt der schulautonomen Tage hätten Schüler pro Jahr fünf freie Tage.

 

   * Budget. Auf den ersten Blick etwas ernüchternd: Der Teil des Schulbudgets, über den die Schulen laut dem aktuellen Konzept verfügen dürften, ist nach wie vor (sehr) klein. Allerdings: Wichtiger als finanzielle Autonomie ist Experten zufolge die beim Lehrplan.

 

   * Prämien. Dass Schulen ein eigenes Budget für Prämien haben sollen, ist spannend - und nicht ganz risikofrei. Einer US-Studie zufolge ist es jedenfalls schwierig, mit Prämien für Lehrer die Leistungen der Schüler nach oben zu treiben. Andererseits könnte so besonderes Engagement belohnt werden - was im derzeitigen starren System nicht möglich ist. Bleibt die Frage, wie transparent dieses Extrageld wirklich vergeben wird.

 

   * Lehrerauswahl. Wirklich aussuchen dürfen die Schulen ihre Lehrer nicht, wenn es nach dem Konzept geht. Die Lehrerauswahl soll im Einvernehmen mit der Schule getroffen werden. Das dürfte vielen zu wenig weit gehen. Manches spricht auch dafür, dass Lehrer sich nicht komplett frei bei Schulen bewerben und eingestellt werden: Gerade schwierige Schulen würden womöglich doppelt benachteiligt, weil sie für Lehrer nicht sonderlich attraktiv sind.

 

   * Geduld. Schnelle Effekte bringt dieses Konzept keine, bis zur vollständigen Umsetzung würde es zehn Jahre dauern. Auch dann wird sich bei einem solchen Kulturwandel manches erst einspielen müssen. Es gilt also: Laufend evaluieren, aber nicht gleich kippen, wenn die Erwartungen sich nicht binnen weniger Jahre erfüllen.

 


 

"Die Presse" vom 05.03.2015                                Seite: 2

 

"Romantiker, Schreibtischtäter"

Interview. Pflichtschullehrer-Gewerkschaftschef Paul Kimberger spricht von "Bevormundung" durch das Unterrichtsministerium.

 

   Die Presse: Die NMS ist nicht besser als die Hauptschule. Waren die Hauptschulen so gut - oder sind die NMS so schlecht?

 

   Paul Kimberger: Die Hauptschulen waren gut, auch die NMS sind es. Wir Praktiker wissen, dass es Schwächen bei der NMS gibt. Die sogenannten Schreibtischtäter und Theoretiker wollen das nicht sehen.

 

   Welche Schwächen sehen Sie?

 

   Teamteaching ist kein Allheilmittel. Es gibt Bereiche, in denen es gut funktioniert.

 

   Zurück zu Leistungsgruppen?

 

   Das muss man nicht Leistungsgruppen nennen - man könnte auch temporär differenzieren. Das mag Sozialromantikern nicht passen, die dauernd mit einer rosaroten Brille herumlaufen und das Motto "die Schwachen lernen von den Guten und umgekehrt" hochhalten. Es müsste jedes Kind individuell gefördert werden. Wir brauchen mehr Differenzierung, Förderung und kleinere Gruppen, in denen wir uns um Talente und Defizite kümmern. Das wird von gewissen Superpädagogen nicht zugelassen. Es muss Schluss sein mit dieser Dauerbevormundung vonseiten des Minoritenplatzes (Sitz des Unterrichtsministeriums, Anm.) und der Schulbehörden. Wir müssen den Schulen die Freiheit geben, am Standort zu entscheiden, was das Beste ist.

 

   Wird die NMS nicht immer eine Art Restschule bleiben, solange es Gymnasien gibt?

 

   Wir haben im ländlichen Bereich Schulen, die ganz starke NMS sind. Aber wir haben in den Zentralräumen die Tendenz, dass wir in der AHS-Unterstufe eine undifferenzierte Gesamtschule haben.

 

   Soll es bei den NMS zu einem Ausbaustopp oder Rückbau kommen, wie das ÖVP-Klubchef Reinhold Lopatka gefordert hat?

 

   Lopatka ist kein Bildungsexperte. Ich kann der Meinung nichts abgewinnen. Wir müssen die Dinge weiterentwickeln. (j. n.)

 


 

"Die Presse" vom 05.03.2015                               Seite: 30 Ressort: Meinung

 

Vernichtendes Urteil für Neue Mittelschule

 

   "Die Neue Mittelschule enttäuscht", von Julia Neuhauser, 4. 3. Was der gemeine Volksmund schon lange vermutet hat, ist jetzt Gewissheit: Die schon seit über acht Jahren fällige Evaluierung der Neuen Mittelschulen führt für diese zu einem vernichtenden Urteil.

 

   Nicht nur, dass man den noch bestehenden Hauptschulen im Bildungstest für Mathematik um 19 Punkte unterliegt, nein, das viel gepriesene Teamteaching, die Freiarbeit und der differenzierte Unterricht ernten herbe Kritik. Und das, obwohl ein neuer Mittelschüler pro Ausbildungsjahr sagenhafte 2000 Euro mehr kostet als ein altgedienter Hauptschüler (5600/7600 Euro: Stand 2012). Aber wenn ich auf einen Ponyreitstall groß "Lipizzaner" draufschreibe, darf ich mich nicht wundern, keine Pferde in selbigem vorzufinden.

 

   Zum Glück bietet sich jedoch wie immer eine typisch österreichische Lösung für dieses elende Herumgemurkse an: Wir wandeln umgehend alle noch bestehenden Hauptschulen und Gymnasien in Neue Mittelschulen um und ersparen uns jeglichen weiteren vernichtenden Vergleich!

 

   Jim Auer, 6176 Völs

 

   Primat der Politik? Geradezu eine Drohung

 

   "Syriza: Wut und das Prinzip Hoffnung", GK von Peter Huemer, 27. 2. Wer Peter Huemer aus seiner ORF-Zeit kennt, wird sich nicht allzu sehr wundern, dass er eher in Syriza eine Hoffnung für die wirtschaftliche Genesung Europas sieht als in den Tugenden einer schwäbischen Hausfrau.

 

   Da scheint es rückblickend betrachtet wohl in die falsche Richtung gegangen zu sein, als die DDR der Bundesrepublik Deutschland beigetreten ist - und nicht umgekehrt. Diese Sichtweise provoziert ja hoffentlich weitere Kommentare, wobei ich andere kritische Bemerkungen, wie z. B. die Hinterfragung der "europäischen Werte", durchaus unterschreiben kann.

 

   Aber wenn schon alte deutsche Lebensweisheiten zitiert werden, dann drängt sich auch das Sprichwort auf: "Spare in der Zeit, so hast du in der Not!" Leider scheint es von unseren Politikern und jenen vieler europäischer Länder eher in der leicht abgewandelten Form praktiziert worden zu sein: "Spare in der Not, da hast du Zeit dazu!" (Oder: "Zeit dazu zu haben!")

 

   Die Forderung, der Politik wieder das Primat über die Ökonomie zu geben, ist geradezu eine Drohung. Sie hat es sich ja ohnehin genommen und gerade auch in Österreich bewiesen, was sie mit diesem Primat punkto Zwangsbeglückung der Bürger aus wahltaktischen Gründen und der daraus resultierenden ständig ansteigenden Staatsverschuldung zustande bringt. "Entmündigt die Regierenden", wie ein anderer Artikel in der "Presse" vor einigen Wochen überschrieben war, wäre da möglicherweise doch die aussichtsreichere Alternative.

 

   Und noch etwas: Ohne Unterstützung einer spezifischen schwäbischen Hausfrau würden Syriza, und wie sie noch alle heißen mögen, letztlich auch das Hoffen verlernen.

 

   Friedrich Wiesinger, 4822 Bad Goisern

 

   Zweifel an politischer Legitimation steigen

 

   "Kammerwahl: Ergebnis umstritten", 2. 3. Die Wirtschaftskammerwahlen sind geschlagen und unabhängig von den Stimmanteilen zeigt sich ein wesentliches Ergebnis: Die Wahlbeteiligung ist weiter gesunken und nähert sich in großen Schritten der mageren Beteiligung bei den Wahlen für die Studentenvertretung. Bundesweit durchgerechnet haben weniger als 40 Prozent der wahlberechtigten Unternehmer teilgenommen, obwohl die Wahllokale vier Tage offenstanden und die Briefwahl angeboten wurde. Das Resultat ist ein Desaster für die früher mächtige Organisation. Die Zweifel an ihrer politischen Legitimation steigen weiter. Wie kann man glaubwürdig die Wirtschaft politisch vertreten, wenn fast zwei Drittel der Mitglieder den ohnedies nur alle fünf Jahre angesetzten Urnengang verweigern?

 

   Ändern wird sich wohl nichts - warum auch: Die Zwangsmitgliedschaft bei der Kammer (auch bei den anderen) ist in Österreich im Verfassungsrang abgesichert. Die Beiträge der Mitglieder fließen kontinuierlich, und durch die Umsatztangente steigen sie mit deren Erfolg mit. Das ist fürwahr ein perfektes Geschäftsmodell, das wohl jeder Unternehmer gern als Grundlage seines Wirkens hätte:

 

   Statt sich jeden Tag am Markt abstrampeln zu müssen, fließen genauso bequem wie kontinuierlich per Gesetz dekretierte Einnahmen. Und wenn den Kunden die Leistung nicht passt, ist es auch egal, schließlich wird ihnen nur alle fünf Jahre die Möglichkeit zur Reklamation eingeräumt.

 

   Karl Fischer, 4063 Hörsching

 

   Jeden Tag platzt mir fast der Kragen

 

   "Wir verteilen nur um und belügen die Bürger", LB von M. Heugl, 25. 2. Der Leserbrief von Michael Heugl ist mir aus dem Herzen geschrieben. Jeden Tag platzt mir fast der Kragen, wenn ich "Die Presse" aufschlage oder Nachrichten höre.

 

   Tage- und seitenlang geht es nur um neue Steuerbelastungen, aber kaum um eine echte Verwaltungsreform und echte Ausgabenkürzungen. Ich finde die Beiträge in der "Presse" großartig und informativ und staune über die Recherchen. Gratulation an alle!

 

   Da steht so viel, was sich unsere Politiker zu Herzen nehmen könnten. Man erfährt, wie gut die Nationalbank zu sich selbst ist (sicher nicht die einzige Bank!), dass Insolvenzsicherungsbeiträge locker gekürzt werden könnten, um die Wirtschaft zu entlasten etc., etc. Mir ist auch das ausufernde Förderunwesen ein Dorn im Auge.

 

   Hannelore Pichler, 3462 Absdorf

 

   Es bleibt ein gewisses Unbehagen

 

   "Auch wenn du paranoid bist . . .", "Quergeschrieben" von Sibylle Hamann, 4. 3. "Gleichzeitig sterben 400.000 pakistanische Kinder unter fünf Jahren heute an Krankheiten, die durch Impfungen vermeidbar wären." Ganz losgelöst vom Kontext der Impfdebatte, früher einmal hätten sich die honorablen Mittelschullehrer der Mathematik auf solche Aussagen gestürzt: Heute sterben 400.000 Kinder, aha. Wie viele sind dann gestern gestorben? Auch 400.000? Wie viele morgen?

 

   Mittlerweile interessiert das niemanden mehr. 400.000 ist viel, sehr viel, zu viel jedenfalls. Das ist die Botschaft, die sicherlich durch "Fakten" belegbar ist, und trotzdem auch so schön emotional wirkt. In welchem Zeitraum, bezogen auf welche Grundgesamtheit, das ist dann schon egal.

 

   Wenn ich dann so interessante und informative Artikel wie "Viele statistische Analphabeten in der Medizin" ("Die Presse", 28. 2.) lese, dann bleibt ein gewisses Unbehagen, ob sich denn dieser Analphabetismus wirklich nur auf das letzte Glied der Informationsvermittlung und Informationsvereinfachung beschränkt.

 

   Martin Gerhart, 1230 Wien

 


 

"Der Standard" vom 05.03.2015                                Seite: 1

 

Schulen sollen ein Viertel des Lehrplans selbst bestimmen

Experten von Bund und Ländern legen konkrete Pläne für Schulautonomie vor

 

   Wien – Während Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) am Mittwoch damit beschäftigt war, die nicht gerade positive Zwischenbilanz der Neuen Mittelschule zu erklären, zeigte ihr eine Expertengruppe bereits einen Weg aus der Krise. Deren Vorschlag für mehr Schulautonomie sieht etwa vor, dass Schulleiter künftig ihr Lehrpersonal selbst auswählen, auch die finanziellen Ressourcen sollen frei verfügbar sein. Die angestrebte Autonomie reicht bis in die Klassen selbst: Dort sollen „Abweichungen vom Lehrplan im Ausmaß von bis zu 25 Prozent“ möglich sein.

 

   Die Neue Mittelschule hält die Ministerin nach wie vor für ein „starkes und gutes Projekt“. Die Evaluierung zeige, „wo noch nachzubessern ist“. Für ÖVP-Staatssekretär Harald Mahrer ist ein Mehr an Schulautonomie wichtig, „ein, zwei, drei Einzelmaßnahmen“ könnten keine Lösung sein. Studien-Koautor Soziologe Johann Bacher spricht sich im Standard für eine gerechtere Mittelverteilung aus. (red)

 


 

"Der Standard" vom 05.03.2015                                Seite: 2   Karin Riss

 

Schlechter Befund, schöner Plan

Die Neue Mittelschule hält nicht, was sie versprach. Auf das Evaluierungsergebnis folgte die Suche nach Lösungen. Autonomie scheint ein Schlüssel. Für die Ministerin bleibt jedenfalls ein Problem: die soziale Spaltung.

 

   Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek wurde von der Veröffentlichung des – wenig schmeichelhaften – Evaluierungsberichts zur Neuen Mittelschule offenbar überrascht und ließ sich dementsprechend Zeit, ehe sie auf die Kritik reagierte. Am Dienstagnachmittag hielt sie schließlich fest: „Die Neue Mittelschule ist ein starkes und ein gutes Projekt. Die Evaluierung zeigt, wo noch nachzubessern ist, doch die deutliche Verbesserung des Schulklimas und der Schulkultur zeigen den richtigen Weg.“

 

   Enttäuschte Erwartungen

 

   Der Befund der Experten, knapp zusammengefasst: Im Vergleich zur alten Hauptschule ist die Neue Mittelschule nicht besser – was die Schülerleistungen anlangt, besteht für die Wissenschafter sogar Zweifel, ob das Hauptschulniveau „an allen Standorten tatsächlich erreicht wird“. Zwar fallen einzelne Standorte bei der Untersuchung des ersten NMS-Jahrgangs positiv auf. Diesen „Modellklassen“ stehen aber 53,6 Prozent der Klassen gegenüber, die wesentliche Komponenten erfolgreicher Neuer Mittelschulen nicht umgesetzt haben – etwa Teamteaching, offenen Unterricht, flexible Lerngruppen. Auch wer sich erwartet hatte, die NMS würde einen Beitrag zu mehr Chancengerechtigkeit leisten, wurde enttäuscht: Lediglich für Schüler mit Migrationshintergrund könnte es „ein kleiner Vorteil sein“, diesen Schultyp zu besuchen. Heinisch-Hosek fasst die Ergebnisse so zusammen: „Es ist nicht eine einzelne, sondern die Gesamtheit aller Maßnahmen, die positive Effekte bringt – vor allem für die Schul- und die Lernkultur.“ Ein Schlüsselfaktor auf dem Weg zu dieser neuen Lernkultur sei es, das Engagement der Lehrkräfte für die Schülerinnen und Schüler sicht- und erfahrbar zu machen, erklärte die Unterrichtsministerin.

 

   ÖVP-Staatssekretär Harald Mahrer warnte im Gespräch mit dem Standard präventiv vor übereilten Reaktionen: „Ein, zwei, drei Einzelmaßnahmen werden keine Lösung sein.“ Er sieht sich mit dem Evaluierungsergebnis in seinen zentralen Forderungen bestätigt, nämlich dass es eine „Stärkung der Elementarpädagogik“ und mehr „Autonomie“ für den einzelnen Schulstandort brauche. Und genau hier sei man in der Bildungsarbeitsgruppe gerade auf gutem Weg.

 

   Der von Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) als Bildungsberater bestellte Andreas Salcher hält die 2012 von Rot und Schwarz paktierte flächendeckende Einführung der NMS für einen „Vertrag zulasten Dritter“. Die Ergebnisse selbst kommen für ihn nicht überraschend. Weder habe der Plan, Teamteaching mit zwei Lehrern pro Hauptfach in der Klasse umzusetzen, funktioniert, noch sei es zur erwünschten sozialen Durchmischung gekommen.

 

   Salcher: „Das war von Anfang an eine unrealisierbare Erwartungshaltung.“ Auch er kommt zu dem Befund: Es braucht mehr Schulautonomie.

 

   Die Expertengruppe aus Bund- und Ländervertretern hat genau dafür bereits einige weitreichende Neuerungen vorgelegt. Das Kapitel „Schulautonomie neu gedacht“ umfasst demzufolge mehrere Ebenen. Im Bereich der Pädagogik: „Schulautonome Schwerpunksetzungen, Abweichungen vom Lehrplan im Ausmaß von bis zu 25 Prozent und die Wahl von alternativen Leistungsbeurteilungen.“

 

   Schulorganisation neu gedacht umfasst beispielsweise die „autonome Gestaltung des Tagesablaufs oder die Unterscheidung zwischen Öffnungszeiten und Unterrichtszeiten“.

 

   Das Personal soll sich laut Konzept die Direktion künftig frei wählen, auch die zugeteilten finanziellen Mittel (inkl. Leistungsprämienbudget für besondere pädagogische Leistungen) sind frei verfügbar. Im Abtausch mit so viel Autonomie soll die Schul-und Unterrichtsqualität regelmäßig gemessen und veröffentlicht werden. Beschlossen ist das alles freilich noch nicht.

 

   Für Heinisch-Hosek bleibt jedenfalls ein „zentrales Problem“ bestehen: die soziale Spaltung des Schulwesens ab der 5. Schulstufe.

 

    Kommentar Seite 36

 

Bild: Ernüchterung für Gabriele Heinisch-Hosek: Die Neue Mittelschule erfüllt nicht die in sie gesetzten Erwartungen.Dennoch bleibt die Unterrichtsministerin dabei: Das sei ein      „starkes und ein gutes Projekt“. Nachbesserungen seien allerdings notwendig.

 


 

"Der Standard" vom 05.03.2015                                Seite: 2

 

Gruppenbildung und Teamteaching

 

   Die Neue Mittelschule (NMS) ist keine Gesamtschule, parallel dazu bleiben die AHS-Unterstufen erhalten. Die NMS ist ein eigener Schultyp für die Zehn- bis 14-Jährigen und soll bis 2018 sukzessive an die Stelle der Hauptschule. Im laufenden Schuljahr gibt es in Österreich 1073 Neue Mittelschulen, darunter sind nur elf AHS-Unterstufen. Damit sind derzeit rund 96 Prozent der Hauptschulen zumindest teilweise in NMS umgewandelt. 2015/16 werden dann alle Hauptschulen zumindest in der ersten Klasse auf NMS umgestellt sein.

 

   Für temporäre Gruppenbildung, Förder- und Leistungsmaßnahmen oder Teamteaching mit zwei Lehrern in der Klasse gibt es Zusatzmittel, im Gegensatz zur Hauptschule sind keine fixen Leistungsgruppen vorgesehen.

 

   Wie schon in Hauptschulen werden an NMS Schüler mit und ohne AHS-Reife unterrichtet. Inhaltlich ähnelt der Lehrplan jenem des Realgymnasiums. Zusätzlich zu den Ziffernnoten werden im NMS-Zeugnis die individuellen Lern- und Leistungsstärken festgehalten.

   


 

"Der Standard" vom 05.03.2015                                Seite: 2

 

Johann Bacher (55) ist Professor für Soziologie und empirische Sozialforschung an der Johannes-Kepler-Universität Linz. Foto: Altreiter

„Das Ziel muss sein: Mehr Autonomie“

 

   Der Soziologe Johann Bacher, einer der Autoren des Evaluierungsberichts zur Neuen Mittelschule, beklagt unzureichende wissenschaftliche und praktische Umsetzungsstrategien. INTERVIEW: Karin Riss

 

   Standard: Sie stellen der Neuen Mittelschule kein gutes Zeugnis aus. War die Erwartung zu groß?

 

   Bacher: Man hat gehofft, dass die NMS auch für diejenigen, die ihr Kind an ein Gymnasium bringen wollen, attraktiv genug ist. Das ist nicht so. Die Idee einer stärkeren sozialen Durchmischung kann auch nicht funktionieren, wenn die Neue Mittelschule in Konkurrenz zu anderen Schulformen eingeführt wird. Hier wird nach wie vor sozial selektiv gewählt.

 

   Standard: Das ist aber nicht der einzige Grund für das durchwachsene Ergebnis. Warum kommt es nur an ausgewählten Standorten zu Leistungsverbesserungen der Schüler?

 

   Bacher: Wir haben nach vier Typen unterschieden. Am unteren Ende liegen die „Normal- und Traditionsklassen“, hier muss man noch einmal genau untersuchen, warum sie die grundsätzlichen Konzeptmerkmale der NMS (wie Teamteaching, Phasen offenen Unterrichts, flexible Lerngruppen, Anm.) nicht ausreichend umgesetzt haben. Was sich jetzt schon sagen lässt: Nur eines dieser Elemente umzusetzen reicht nicht.

 

   Standard: Was tun mit jenen über 50 Prozent der Klassen, die das NMS-Konzept nur unzureichend umgesetzt und folglich die schlechtesten Ergebnisse erzielt haben?

 

   Bacher: Hier braucht es dringend ganzheitliche Entwicklungspläne für die einzelnen Schulstandorte vor Ort. Nach dem Pioniereffekt jener Schulen, die sich besonders gut vorbereitet an die Umwandlung zur NMS gemacht haben, gab es danach nur unzureichende wissenschaftliche und praktische Umsetzungsstrategien.

 

   Standard: Bis 2018 soll die NMS die Hauptschule ablösen. Was muss geschehen, damit die nächste Evaluierung besser ausfällt ?

 

   Bacher: Bislang wurden die finanziellen Mittel sehr breit eingesetzt. Dabei brauchen Schulen mit hoher sozialer Belastung natürlich auch mehr Unterstützung. Das Ziel muss sein: Ein Mehr an Autonomie – personell wie finanziell. Die Mittelverteilung auf Basis eines Sozialindex hätte man eigentlich vor der flächendeckenden Einführung der NMS angehen müssen.

 

   Standard: Die Unterrichtsministerin befürwortet das, Sie sitzen selbst in einer Arbeitsgruppe zum Thema. Wie weit ist man mit der Umsetzung?

 

   Bacher: Die Überlegungen hierfür sind fertig und werden jetzt im Rahmen des Gesamtpakets zur Schulreform verhandelt. Will man die soziale Mittelverteilung, wird man auch über größere organisatorische Einheiten für die Schulorganisation reden müssen, damit es auch wirklich mehr Unterstützungspersonal am einzelnen Schulstandort geben kann.

 


 

"Der Standard" vom 05.03.2015                               Seite: 36 Kommentar Karin Riss

 

Hoffnungsträgerin Schulautonomie

Der Bericht zur Neuen Mittelschule ist wie eine Warnung – aber es gibt auch Gutes

 

   Jetzt ruhen die Hoffnungen aller wieder auf ihr, der Schulautonomie. Dass diese von manchen neuerdings als Synonym dafür verstanden wird, alle Lehrer organisatorisch den Ländern zu unterstellen, ist nur ein kurioses Detail am Rande.

 

   Die Vorgeschichte: Die Evaluierung der Neuen Mittelschule hat nicht das erwünschte Ergebnis für das rote Prestigeprojekt gebracht. Und das ist nicht nur ein Problem der SPÖ und ihrer ungeschickt kommunizierenden Unterrichtsministerin. Es macht sich auch nicht gut für die ÖVP, die das Schulmodell zwar nie wirklich mitgetragen, der flächendeckenden Einführung noch vor Abschluss der wissenschaftlichen Bewertung aber zugestimmt hatte. Das Gymnasium musste schließlich gerettet werden! Das ist den Schwarzen gelungen. Allerdings auf Kosten tausender Schülerinnen und Schüler, für die sich an mehr als der Hälfte der untersuchten Schulen nicht viel mehr geändert hat als der Name ihrer Bildungsinstitution.

 

   Für Eltern liest sich der Bericht, der durchaus auch einige positive Entwicklungen aufzeigt, fast wie eine Warnung: Da wird angezweifelt, ob die Leistungen mancherorts nicht gar unter dem Niveau der alten Hauptschule liegen. Da ist von einer Verbesserung der sozialen Chancengerechtigkeit keine Rede mehr. Und, besonders hart: Für jene Schüler, die als Risikoschüler gelten, habe sich die Lernsituation „tendenziell verschlechtert“, konstatieren die Wissenschafter.

 

   Trotzdem besteht für die Neue Mittelschule Hoffnung – aus mehreren Gründen: erstens, weil die an sie gestellten Erwartungen völlig übertrieben waren und nie auch nur die Chance auf Realisierung hatten. Ein von der SPÖ als Gesamtschul-Wegbereiter verkauftes Konzept kann als einer von (bisher noch) drei alternativen Schultypen nie zu mehr sozialer Vermischung beitragen. Bildungsaffine Eltern wählen im Zweifel die AHS. Dort, wo es keine übersteigerten Erwartungen gibt, kann die NMS punkten – etwa mit weniger Gewalt und einem besseren Schulklima.

 

   Zweitens: Es ist ein Irrtum, zu glauben, es reiche, Maßnahmen wie Teamteaching oder offenen Unterricht rechtlich zu verankern – und damit fänden sie statt. Wer plötzlich zu zweit in der Klasse steht, wer neuen Unterricht wagt, braucht dafür das notwendige Handwerkszeug. Einige Pilotschulen haben die fehlende wissenschaftliche Begleitung mittels großer Motivation wettgemacht. Die anderen gehen im Strudel des Alltags unter und finden sich jetzt in der Beschreibung als „Traditionsschulen“ wieder, die nur wenig von dem umgesetzt haben, was die ideale NMS ausmacht.

 

   Jetzt soll die Schulautonomie helfen. Nicht nur bei der fairen Verteilung und dem sinnvollen Einsatz der finanziellen Mittel (etwa Lernen in Kleingruppen statt zwei Lehrer pro Hauptfach für alle), auch bei der Personalauswahl und einer großzügigeren Auslegung des Lehrplans. Ein Viertel davon soll laut Expertenvorschlag künftig frei gestaltbar sein.

 

   Klingt gut, vor allem im Abtausch mit einer für jeden Schulstandort öffentlichen Qualitätskontrolle. Im Unterschied zur leidigen Debatte darüber, ob Bund oder Länder für die Lehrer zuständig sein sollen, ist das auch etwas, was vor Ort spürbar wäre. Politisch hat das Vorhaben sogar Chancen auf Realisierung. Ob das zum Erfolg führt, hängt wieder ganz stark davon ab, ob es bei einer legistischen Maßnahme bleibt oder ob diese gut vorbereitet und professionell begleitet wird.

 


 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 53 vom 05.03.2015               Seite: 1

 

Schulpflicht so lang, bis man lesen kann

 

   Junge Menschen sollen erst dann das Schulsystem verlassen, wenn sie die Kulturtechniken beherrschen. Auch wenn das Jahre dauert.

 

   Wien. Während sich die Politik in Kompetenzstreitigkeiten zwischen Bundes- und Landeslehrern verzettelt, machte die von der Bildungsministerin eingesetzte Expertengruppe einen wesentlich weiter reichenden Vorschlag. Demzufolge solle die starre neunjährige Schulpflicht aufgegeben werden. Stattdessen solle eine „Bildungsgarantie“ eingeführt werden, die erst mit dem 18. Lebensjahr erlischt. Das bedeutet: Junge Menschen sollen erst dann das Schulsystem verlassen, wenn sie „die entsprechenden Kompetenzen erworben“ haben. Der „pädagogische Fokus“ solle also „nicht mehr auf den zu absolvierenden Schuljahren“ liegen, sondern „auf dem Wissens-und Kompetenzerwerb“, empfehlen die Experten. Diese Empfehlung wird durch internationale Studien untermauert. Wie das „Programme for the International Assessment of Adult Competencies“ erhoben hat, muss hierzulande 17 Prozent der 16- bis 65-Jährigen eine nur „geringe Lesekompetenz“ bescheinigt werden.

 

   Wie weit die Vorschläge der Experten umgesetzt werden, steht in den Sternen. Der Bericht wurde bereits an die koalitionäre Arbeitsgruppe für die Bildungsreform übergeben. Diese will ihn nun in aller Ruhe durcharbeiten. Trotz des schlechten Zeugnisses, das die Neue Mittelschule bei einer Evaluierung erhalten hat, halten SPÖ und ÖVP an dem Schulmodell fest: Jetzt alles rückgängig zu machen wäre, als würde man eine „Operation am offenen Herzen stoppen“, sagte ÖVP-Staatssekretär Harald Mahrer.

 


 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 53 vom 05.03.2015               Seite: 1

 

Eine Pleite, die sich abgezeichnet hat

Die Überprüfung der Neuen Mittelschule zeigt eines: Wie falsch Schulpolitik in Österreich läuft. Doch wer trägt die Konsequenzen?

 

   Bei jedem Schulversuch, der bei der Überprüfung durchfällt, wäre klar: Er wird nicht ins Regelschulwesen übernommen, sondern gestoppt, um Geld und Ressourcen nicht zu verschwenden.

 

   Die Neue Mittelschule ist bei der Evaluierung durchgefallen. Weder bringt die teure Umwandlung aller Hauptschulen in NMS bessere Schüler hervor noch mehr Chancen für Kinder, die von ihren Eltern nicht gefördert werden. Teils liefert die NMS sogar schlechtere Ergebnisse als die alte Hauptschule.

 

   Doch die Neue Mittelschule ist längst kein Schulversuch mehr. Vor drei Jahren begann der Umbau aller Hauptschulen, bald ist er abgeschlossen. Der damaligen roten Unterrichtsministerin Claudia Schmied konnte es nicht schnell genug gehen: Statt abzuwarten, ob die neue Schulform überhaupt bringt, was die Ministerin versprach („Mit der NMS ist Österreich unterwegs zum Spitzenfeld in Sachen Schulbildung“), kam eine Propagandamaschinerie ins Laufen, die alle Kritiker als vorgestrig abstempelte. Und die ÖVP machte mit. Fazit: Das Ziel wurde unter Einsatz von rund 300 Millionen Euro Steuergeld verfehlt.

 

    Ein absehbarer Super-GAU, für den niemand die Verantwortung übernehmen wird. Denn von Anfang an war klar, dass die Vorzeichen für das rote Prestigeprojekt verkehrt waren: Die NMS war nie eine Gesamtschule, konnte keine sein. Sie ersetzt nicht alle Mittelschulen, sondern steht in Konkurrenz zum Gymnasium. Folglich wurden zwar die Türschilder an den Hauptschulen ausgewechselt, aber an der Zusammensetzung der Schüler änderte sich nichts. Und zugleich passiert schleichend das, was die SPÖ unbedingt verhindern will: Die öffentliche Schule wurde diskreditiert, Privatschulen boomen.

 

   Die Schulpolitik läuft seit Langem in die falsche Richtung. Wir führen eine ideologische Debatte darüber, ob alle Zehn- bis 14-Jährigen in einer gemeinsamen Schule sitzen sollen, statt den Fokus auf die beste Förderung in Kindergarten und Volksschule zu richten – dorthin, wo am ehesten die Weichen gestellt werden. Jeder Euro, der da fließt, kommt doppelt und dreifach zurück. Das sorgt für mehr Chancengleichheit, das fördert Bildungsgerechtigkeit – egal welche Schule ein Kind später besucht.

 


 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 53 vom 05.03.2015               Seite: 3

 

Neue Mittelschule braucht mehr Zeit

Viele Schulen fühlen sich zwangsverpflichtet, daher gibt es auch große Widerstände bei Lehrern. Die Unterrichtsministerin will nichts ändern.

 

   Wien. Das Image der Neuen Mittelschulen (NMS) ist nicht das beste. Das schlechte Abschneiden bei der jüngsten Evaluierung, die am Dienstag publik wurde, bedeutet einen weiteren Rückschlag. „Für uns ist das eine Ohrfeige“, sagt Direktor Christian Leitner von der Neuen Mittelschule Henndorf.

 

   Wie es dazu kam, steht für den erfahrenen Pädagogen fest. Die Politik habe die NMS voreilig als Regelschule eingeführt. „Es braucht aber mindestens zehn bis 15 Jahre, um dieses komplexe Konzept umzusetzen.“ Hätte man die Schulen über den Schulversuch länger arbeiten lassen, „wäre das anders ausgegangen“.

 

   Leitner, dessen Schule als eine der ersten am Schulversuch Neue Mittelschule teilnahm, ist als beratender Experte an vielen Neuen Mittelschulen unterwegs. Sein Resümee: „Viele Schulen fühlen sich zwangsverpflichtet. In vielen Schulen sind die Widerstände in der Lehrerschaft extrem hoch.“ Dort fehle dann oft die Bereitschaft, sich für die Sache ins Zeug zu legen. Das beginne schon bei der Unterrichtsplanung. „Das machen viele Lehrer noch nicht in der nötigen Qualität.“ Auch bei der Weiterbildung sei man im Rückstand. „Die Lehrenden an den Pädagogischen Hochschulen sitzen erst auf der Schulbank und lernen, was sie den Studierenden für die NMS beibringen müssen. Die sind komplett im Verzug.“

 

   Wie berichtet, sind die Leistungen der Schüler in der Neuen Mittelschule nicht besser als in der Hauptschule, teils lagen sie sogar darunter. Grundsätzlich bestätigte der Evaluierungsbericht einmal mehr: Wo Lehrer engagiert sind, erbrachten die Schüler bessere Leistungen. Wenig Auswirkungen hatte die neue Schulform auch auf die Chancengleichheit für Kinder, deren Eltern sie nicht fördern oder fördern können – dabei war Bildungsgerechtigkeit ein erklärtes Ziel der Reform. Einzig bei der Atmosphäre in der Schule stellen die Studienautoren wahrnehmbare Verbesserungen fest.

 

    Am Mittwoch meldete sich Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) zu Wort und verteidigte das rote Prestigeprojekt: „Die Mittelschule ist ein starkes und gutes Projekt. Die deutliche Verbesserung des Schulklimas und der Schulkultur zeigen den richtigen Weg.“ Von Konsequenzen war keine Rede. Ähnlich SPÖ-Bildungssprecherin Elisabeth Grossmann: „In Wahrheit sind wir auf dem halben Weg stehen geblieben“, sagte sie. Das Grundproblem der frühen Selektion – also die Trennung der Zehnjährigen nach der Volksschule in Gymnasiasten und Hauptschüler – „wurde nicht gelöst“. Für Grossmann ist der Bericht jedenfalls „ein Auftrag, konsequent weiterzuarbeiten“.

 

   Dass das Gymnasium neben der NMS bestehen bleiben wird, war freilich von Anfang an klar. Die Neue Mittelschule wurde 2008 als Schulversuch eingeführt. Die damalige Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) wollte so der ÖVP eine gemeinsame Schule für alle Zehn- bis 14-Jährigen schmackhaft machen. Schon fünf Jahre später wurde die NMS neben dem Gymnasium ins Regelschulwesen übernommen – ohne, wie der Rechnungshof kritisiert, je auf ihre Wirksamkeit überprüft zu werden. Heute ist ein Großteil der Hauptschulen in NMS umgewandelt, bis 2018 ist der Umbau abgeschlossen. Kosten bisher: rund 300 Mill. Euro.

 

   Der für Bildung zuständige ÖVP-Staatssekretär Harald Mahrer betonte, dass man nach der verheerenden Evaluierung „nicht zur Tagesordnung übergehen kann“. Er zieht zwei Schlüsse aus der Studie: Die Schulen bräuchten mehr Autonomie. Und: „Die frühkindliche Förderung muss gestärkt werden.“ Es sei falsch zu glauben, dass alles anders würde, wenn man eine Gesamtschule für die Zehn- bis 14-Jährigen hätte. „Eine Grundvoraussetzung ist, dass die Kleinen gefördert werden, vor allem von drei bis sechs.“ Auch im Evaluierungsbericht wird festgehalten, dass die NMS auch insofern nicht mehr Chancengerechtigkeit bringe, weil prägende Einflüsse auf Vorwissen und Lernverhalten bereits stattgefunden hätten. Wichtig sei, dass man nun rasch handle. „Für die Schüler ist es schade um die verlorenen Jahre. Es tut mir leid um die vielen Zukunftsperspektiven, die sich anders hätten entwickeln können“, sagte er.

 

   Auch der Salzburger LH Wilfried Haslauer, der für die ÖVP die Bildungsreform verhandelt, fordert, dass die Schulen endlich mehr Autonomie bekommen. Dies sei der Schlüssel zu einem besseren Unterricht. „Die Qualität und das Engagement der Lehrer ist der Weg zum Erfolg“, sagt er. Die Schulen müssten die Möglichkeit bekommen, eigene Schwerpunkte zu setzen, die Direktoren müssten die Möglichkeit bekommen, ihre Mitarbeiter auszusuchen. Und man müsse endlich begreifen, dass die Schulen nicht alle über einen Kamm geschoren werden könnten. In Ballungszentren gebe es ganz andere Probleme als in den Schulen, die sich in kleineren Gemeinden befänden.

 

   Dass die Neue Mittelschule trotz des allgemeinen Imageverlusts bei den Eltern ankommen kann, zeigt Leitners Schule in Henndorf. In den Musik-Schwerpunktklassen gibt es jedes Jahr weitaus mehr Anmeldungen, als Schüler aufgenommen werden können. Leitners Appell an die Politik: „Lasst uns endlich Zeit, damit die internen Widerstände an den Schulen überwunden werden und wir den neuen Schultyp entwickeln können.“zim, höd

 


 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 53 vom 05.03.2015               Seite: 3

 

SN exklusiv: Der Bericht der BildungsexpertenAus für Kleinschulen, Bildungsgarantie, fünf „Urlaubstage“ für Schüler

 

   Bundeslehrer? Landeslehrer? Das heimische Bildungswesen hat ganz andere Probleme. Das machten die acht Expertinnen und Experten deutlich, die in den vergangenen Monaten im Auftrag der Unterrichtsministerin einen Bericht namens „Freiraum für Österreichs Schulen“ erarbeitet haben. Der Bericht wurde am Dienstag der koalitionären Bildungsverhandlungsgruppe vorgelegt, die Politik will bis Jahresmitte ihre Schlüsse ziehen. Auch den SN liegt das umfangreiche Schriftstück vor. Die Expertengruppe schrak nicht vor heißen Eisen zurück, etwa der Abschaffung von Kleinschulen. In Österreich gebe es 242 Volksschulen mit nur einer Klasse, sagen die Experten, die nichts von dieser kleinteiligen Struktur halten. Als „Mindestgröße einer autonomen Schule“ im Volksschul- und Unterstufenbereich sei eine „Schüler/innenanzahl von 200 anzustreben“, heißt es in dem Bericht. Für die Oberstufe „sollte die idealtypische Mindestgröße bei einer Schüler/innenzahl von zumindest 400 liegen“, schreiben die Experten weiter. Das bedeutet aber nicht, dass einzelne Schulstandorte aufgegeben werden müssen. Denn: Es sei vorstellbar, „mehrere Standorte (auch schulartenübergreifend) gemeinsam zu leiten“.

 

   Das heißt: Eine gemeinsame Direktion verwaltet mehrere Schulorte. – Einen ganz ähnlichen Vorschlag hat übrigens vor wenigen Wochen Ministerin Gabriele Heinisch-Hosek gemacht, wofür sie heftigst kritisiert wurde.Den Experten ging es nicht nur um organisatorische Fragen. Einer ihrer Vorschläge lautet, von der starren Schulpflicht bis zum 15. Lebensjahr abzugehen und stattdessen eine „Bildungsgarantie bis zu 18 Jahren“ zu gewährleisten. Das würde bedeuten, „dass jede Schülerin und jeder Schüler das System erst verlässt, wenn er oder sie die entsprechenden Kompetenzen erworben hat“. Der pädagogische Fokus solle also „nicht mehr auf den zu absolvierenden Schuljahren“ liegen, sondern „auf dem Wissens- und Kompetenzerwerb“, empfehlen die Experten.Wie ein roter Faden zieht sich die Forderung nach mehr Autonomie durch den Bericht. Österreich brauche „eine vollständige Neuorganisation des Schulwesens“, heißt es, und weiter: „Die Expert/innengruppe empfiehlt, den neuen autonomen Schulen Gestaltungsspielräume in den Bereichen Pädagogik, Organisation, Personal und Finanzen auf Basis transparenter Ressourcenzuweisungen“ zu geben. Konkret schlagen die Experten vor, den Schulen die Teilrechtsfähigkeit zu geben, auf dass sie selbstständig Geschäfte und sonstige Aktivitäten durchführen können. Und: „Die Personalauswahl soll zukünftig im Einvernehmen mit der Schulleitung erfolgen.“ Dies entspricht der alten Forderung, dass sich die Direktoren ihre Lehrer selbstständig aussuchen dürfen.Heftig kritisieren die Autoren des Berichts die „verfassungsrechtlich komplexe Kompetenzverteilung und die fehlende Übereinstimmung von Ausgaben-, Aufgaben- und Finanzierungsverantwortung“ zwischen Bund und Ländern.

 

   Auch der im Bildungsbereich notorische „Parteienproporz ist heute nicht mehr zeitgemäß und wie Einzelfälle immer wieder zeigen, ist er auch ein Hemmnis im täglichen Vollzug“.Und noch einen Vorschlag machen die Experten: Die schulautonomen Tage sollen gestrichen werden. Stattdessen sollen die Schülerinnen und Schüler „Anspruch auf maximal fünf Tage individuelle Freistellung auf Elternantrag bei der Schulleitung erhalten“. alf, a. k.

 


 

"Oberösterreichische Nachrichten" vom 05.03.2015             Seite: 4   Leitartikel

 

Neue Mittelschule zeigt politisches Scheitern

 

   Die Neue Mittelschule ist im Wesentlichen nicht besser als die Hauptschule, obwohl seit 2008 mehr als 250 Millionen Euro in die Umstellung geflossen sind. Ist das Urteil des NMS-Evaluierungsberichts ein Beleg des Scheiterns? Ja und nein.

 

   Die Neue Mittelschule ist dort gescheitert, wo die Umstellung nicht mehr war als ein Türschild-Tausch. Es gibt Schulen, wo sich das neue Konzept darin erschöpft, dass in den Hauptfächern zwei Lehrer in der Klasse stehen - sich aber an den Unterrichtsmethoden nichts geändert hat. Und es gibt Schulen, wo zwei Lehrer viel tun, um ihre Schüler zu besseren Leistungen zu bringen - mit individueller Förderung, mit Projektarbeit.

 

   Gescheitert ist die Bildungspolitik der vergangenen Jahre. Die NMS gilt als das mit viel Aufwand verfolgte Herzstück der SP-Ministerinnen Claudia Schmied und Gabriele Heinisch-Hosek. Die Ausgestaltung der NMS ist aber keine Bildungsrevolution, sondern ein schwacher Kompromiss zwischen SPÖ und ÖVP beim Versuch, die gemeinsame Schule aller Zehn- bis 14-Jährigen und den Erhalt der AHS-Unterstufe unter einen Hut zu bringen.

 

   Der Bericht zeigt auch: Aus guten Hauptschulen sind gute NMS geworden, Hauptschulen mit vielen leistungsschwachen Schülern konnten nicht aufschließen. Ein bisschen neue Schule reicht nicht, um den Herausforderungen eines hohen Migrantenanteils und vieler Schüler aus bildungsfernen Schichten zu begegnen. Die Experten kritisieren deutlich die Entstehung von "Restschulen" aufgrund "selektiver Abschöpfung leistungsstarker Schüler durch die AHS-Unterstufe".

 

   Es braucht eine umfassende Bildungsreform. Von der Frühförderung, nicht nur im Sprachbereich, bis zur Frage, ob die Trennung mit zehn Jahren richtig ist und wie Unterricht verschiedenen Bedürfnissen von Schülern gerecht wird. Mehr Freiheit für Schulen bei der Unterrichtsgestaltung kann ein Schlüssel sein, aber nicht der einzige.

 

   Letztlich zeigt sich auch das Scheitern Heinisch-Hoseks. Sie präsentierte die NMS-Ergebnisse in den vergangenen zwei Tagen in diversen kleinen Kreisen, bis zum gestrigen Abend aber nicht der Öffentlichkeit. Eltern, Lehrer und Schüler sollten von der zuständigen Ministerin mehr erwarten dürfen als eine Aussendung. Das Krisenmanagement in Heinisch-Hoseks pannenreichem ersten Jahr war schon miserabel. Eine Ministerin, die die Öffentlichkeit scheut, ist fehl am Platz.

 

   Nicht die Neue Mittelschule ist gescheitert, sondern die Bildungspolitik

 


 

"Oberösterreichische Nachrichten" vom 05.03.2015             Seite: 2   Von Jasmin Bürger

 

Die Regierung hält am Ausbau

Bildungsministerin Heinisch-Hosek (SP) kündigt aber Änderungen beim Konzept an

 

  WIEN. Ferdinand Eder war bestens vorbereitet: Der Leiter der Expertengruppe, die die Neue Mittelschule evaluiert hat, war gestern ins Ministerium geladen, um seine Ergebnisse zu präsentieren. Ab Mittag sollte er zunächst den Landesschulratspräsidenten, dann Eltern- und Lehrervertretern und schließlich gemeinsam mit Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SP) auch Journalisten Rede und Antwort stehen.

 

   Doch aus der letzten Runde wurde nichts. Heinisch-Hosek entschied sich für eine Presseaussendung als Reaktion auf den Bericht, der zum Schluss kommt, dass die Schülerleistungen an den NMS bisher nicht besser seien als an vergleichbaren Hauptschulen (die OÖNachrichten berichteten).

 

   Um 15.20 Uhr schickte Heinisch-Hoseks Sprecherin die zweieinhalbseitige Erklärung der Ministerin aus. Die NMS sei ein "gutes und starkes Projekt, die Evaluierung zeigt, wo noch nachzubessern ist, doch die deutliche Verbesserung des Schulklimas und der Schulkultur zeigt den richtigen Weg", heißt es da. Heinisch-Hosek verwies auch darauf, dass "das Konzept der NMS sehr positive Effekte mit sich bringen kann".

 

   Der Vergleich der Abschlussklassen jener NMS, die 2008 noch als Schulversuch begonnen hatten, mit den letzten Hauptschul-Absolventen ihrer Schule zeigt eine Leistungssteigerung in Deutsch, Englisch und Mathematik - in Letzterem sogar um 31 Punkte. Bei den Schulen, die im zweiten Jahr umgestiegen sind, haben sich die Matheleistungen aber verschlechtert.

 

   Für die Studie wurden die ersten beiden Altersdurchgänge der NMS untersucht. Tendenziell besser seien die Ergebnisse an Schulen, die nicht nur Teamteaching, sondern eine neue Lernkultur umgesetzt hätten, so die Experten.

 

   Ruf nach mehr Schulautonomie

 

   Von einem Scheitern der NMS will man beim Koalitionspartner ÖVP nicht sprechen. "Wenn wir den Ausbau jetzt stoppen, stirbt vielleicht der Patient", sagte Staatssekretär Harald Mahrer, schwarzer Bildungsreformverhandler. Verbesserungen seien aber notwendig. Mahrer sieht den Ausbau der Schulautonomie als Ausweg: "Es muss standortnäher entschieden werden, welche Maßnahmen es im Unterricht braucht."

 

   Erste Änderungsvorschläge kamen auch von Heinisch-Hosek: Die derzeit auf Deutsch, Mathematik und Englisch beschränkten zusätzlichen Lehrerstunden könnten auf "standortspezifische Schwerpunktfächer" ausgedehnt werden. Auch "Schülercoaching statt Teamteaching" zu finanzieren, sei eine Option. Freistellen will Heinisch-Hosek den NMS auch, ob sie Bundes- oder Landeslehrer beschäftigen.

 

   Mehr "Raum für pädagogische Entwicklung an den Schulen" fordert Grünen-Bildungssprecher Harald Walser. Er kritisiert das Nebeneinander von AHS und NMS. Sein FP-Kollege Walter Rosenkranz sieht das "Vorzeigeprojekt sozialistischer Bildungsreformwut gescheitert".

 

   Den Evaluierungsbericht finden Sie auf nachrichten.at

 

   "Solange es sich bei der Neuen Mittelschule um ein Parallel-Angebot handelt, zieht die AHS-Unterstufe jene Zugpferde ab, von denen sich schwächere Schüler etwas abschauen können."

 

   Gabriele Heinisch-Hosek, Unterrichtsministerin (SP)

 

   "Wir operieren mit der Umstellung am offenen Herzen. Wenn wir den Ausbau jetzt stoppen, stirbt vielleicht der Patient."

 

   Harald Mahrer, VP-Staatssekretär

 

Heinisch-Hosek reagierte via Aussendung auf den Prüfbericht.

  


 

"Kurier" vom 05.03.2015                                    Seite: 4 Leitartikel helmut.brandstaetter@HBrandstaetter

 

Nicht genügend - neu anfangen!

Ein Name macht noch keine neue Schule. Jetzt muss endlich das Schulsystem vernünftig reformiert werden

 

   Die Neue Mittelschule ist kein Erfolg? Aber geh, wer hätte das gedacht? Ein neuer Name, ein bisschen Geld, eine Portion Ideologie und viel Hoffnung. Aber was haben die Schüler davon?

 

   Seit den 1960er-Jahren ist die Schule ein Spielplatz für Politiker, sie übten in Versuchsanordnungen aller Art, vor allem, wie sie mehr Einfluss bekommen. Die Lehrer haben es dabei geschafft, über ihre Gewerkschaft ein mächtiger Mitspieler zu werden. Nur die Schülerinnen und Schüler kommen aus ihrer Rolle als Opfer des Systems nicht heraus. Mit dramatischen Folgen: Immer mehr junge Leute können nicht lesen und schreiben, immer mehr jugendliche Arbeitslose haben keine Chance auf einen Job, während immer mehr Geld ins Schulsystem fließt (siehe Seite 9).

 

   Dabei muss eine sinnvolle Schulreform mit dem Lehrerdienstrecht beginnen. Wie in allen anderen Berufen auch, müssen die Schuldirektoren die Möglichkeit haben, ihre Mitarbeiter auszusuchen und sich, wenn nötig, von ihnen zu trennen. Das soll durch die Schulautonomie erreicht werden. Wer trotz Studiums nicht in der Lage ist, den sehr, sehr schwierigen Lehrerberuf auszuüben, muss vom Dienstgeber die Möglichkeit für eine Umschulung bekommen.

 

   Die Lehrer brauchen die nötige Ausstattung und Unterstützung, dann aber sind sie für den Erfolg ihrer Klassen verantwortlich, wie das für leitende Mitarbeiter in allen anderen Berufen selbstverständlich ist. Und das Image des Lehrberufs wird sich ganz schnell verbessern, wenn sie nicht nach mehr Geld, sondern nach mehr Verantwortung rufen. Dann hätten wir nach den verlorenen Jahrzehnten endlich eine sinnvolle Schulreform.

 


 

"Kurier" vom 05.03.2015                                    Seite: 4 Von U. Brühl, B. Gaul und A. Unsinn

 

Neue Mittelschule durchgefallen: Ministerin gibt Lehrern Mitschuld

 

   Bewertungsstudie.Was läuft schief in der reformierten Haupt- schule? Experten & Politik fordern mehr Autonomie. Der Unterricht ist etwa besser geworden, es gibt weniger Gewalt unter den Schülern - aber eine bessere Leistung haben die Schüler nicht erbracht: So lautete das Fazit der großen, vom Bildungsministerium in Auftrag gegeben Bewertungsstudie über die Neue Mittelschule (siehe Fragen und Antworten unten).

 

   Politisch ist die Evaluation für die Ministerin unerfreulich, war es doch das Projekt der SPÖ-Bildungsreform. Für FPÖ-Bildungssprecher Walter Rosenkranz ist "das Vorzeigeprojekt sozialistischer Bildungsreformwut (...) durchgefallen", Ministerin Heinisch-Hosek "rücktrittsreif".

 

   Weniger scharf zieht Harald Mahrer, ÖVP-Staatssekretär im Wissenschaftsministerium, Resümee: Kurz- und mittelfristig brauche es mehr Autonomie an den Schulstandorten; Langfristig bessere Volksschulen. Und auch über Sparpotenzial werde man reden müssen.

 

   Die Bildungsministerin argumentiert, dass es sehr wohl "deutliche Verbesserungen durch das pädagogische Konzept" gebe, allerdings sei die Umsetzung "noch unvollständig". Je vollständiger das Konzept umgesetzt wird, "desto stärker fallen die Leistungssteigerungen aus". Sie verspricht auch gesetzliche Verbesserungen. Jedoch: "Ein Schlüsselfaktor auf dem Weg zu dieser neuen Lernkultur ist das Engagement der Lehrkräfte." Die Lehrer hätten aber hervorragende Arbeit geleistet, betonte sie am Abend.

 

   Bildungsexperte Stefan Hopmann reagiert wütend: "Ich hätte gerne einmal eine Ministerin, die das Wort Verantwortung buchstabieren kann", sagt er gegenüber dem KURIER. Ärgerlich sei, dass jetzt wieder den Lehrern die Verantwortung für das Scheitern gegeben werde. "Schuld am Versagen ist die Politik, nicht die Lehrer!"

 

   Lehrergewerkschafter Kimberger kritisiert wie Hopmann die "pädagogische Bevormundung durch den Minoritenplatz", statt mehr Autonomie zu ermöglichen.

 

   Die größten Herausforderungen an den Schulen seien "Migration und Integration". Am Konzept NMS will Kimberger festhalten: "Und ich wehre mich vehement, Geld aus dem Schultyp wieder heraus zu ziehen." Besser wäre, wenn autonom über die Mittel verfügt werden kann - etwa auch für Sozialarbeiter oder Psychologen.

 


 

"Kurier" vom 05.03.2015                                    Seite: 4

 

Warum Schule neu eine halbherzige Sache blieb

Expertenzeugnis.Was besser wurde, wo es hakt

Welche Ziele wollte man mit der Neuen Mittelschule (NMS) erreichen?

 

   Pädagogisches Ziel ist, dass jedes Kind nach seinem Tempo lernen kann und am Ende das Bildungsniveau aller steigt. Ermöglicht soll das durch neue Lernformen - z. B. offener Unterricht - werden. Soziales Ziel der NMS ist es, eine neue Form des Miteinanders zu finden. Auch mehr Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit soll die NMS bringen, indem die Entscheidung für die AHS nicht wie bisher mit 10 Jahren, sondern erst mit 14 erfolgt (gesellschaftliches Ziel).

 

   Was unterscheidet die NMS von Hauptschulen?

 

   Die Leistungsgruppen gibt es in der NMS nicht mehr. Für die Differenzierung im Unterricht wurde das Team-Teaching installiert: In den Hauptfächern stehen zwei Pädagogen in der Klasse. Anders ist auch die Benotung ab der 3. Klasse. Es wird zwischen grundlegender (entspricht etwa Hauptschulniveau) und vertiefter Allgemeinbildung (entspricht dem AHS-Niveau) unterschieden. Wer nur die Basisausbildung hat, darf nach der 4. Klasse nicht in eine höhere Schule.

 

   Wurde das Konzept so umgesetzt wie geplant?

 

   Jein. In nur einem Viertel der Schulen wurde das Konzept der NMS tatsächlich so umgesetzt, wie es gedacht war. Ein weiteres Viertel hat es überwiegend umgesetzt. In 50 Prozent der Standorte sind die NMS-Merkmale nur wenig ausgeprägt. Sprich: Dort gibt es zwar auch zwei Lehrer in Deutsch, Englisch und Mathematik. Doch der Unterricht sieht kaum anders aus als in einer Hauptschule.

 

   Welche der gesteckten Ziele wurden erreicht?

 

   In den Neuen Mittelschulen, die das Konzept umgesetzt haben, sind laut Studie die Leistungen der Schüler besser. Auch das Miteinander ist in der NMS im Vergleich zur Hauptschule besser geworden - die Gewalt wurde weniger. Besonders profitieren würden von den NMS die Migranten, die das Schulklima positiver bewerten.

 

   Welche Ziele wurden verfehlt ?

 

   Die NMS bietet nicht mehr Chancengleichheit als die Hauptschule. Nach der 8. Schulstufe wechseln kaum mehr NMS-Schüler in eine AHS oder berufsbildende höhere Schule. Die Leistungen der Schüler sind in den NMS im Schnitt um nichts besser als in Hauptschulen.

 

   Wie teuer ist die Neue Mittelschule?

 

   7200 Euro betragen die Personalkosten pro NMS-Schüler, in der Hauptschule sind es 6600 Euro und in der AHS 4700 Euro.

 

   Wäre mehr Schulautonomie die Lösung?Davon gehen die Studienautoren aus. Das flächendeckende Team-Teaching habe nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Es müsse deshalb neue Wege geben, die zusätzlichen Ressourcen effizient einzusetzen. Besonders für lernschwache Kinder müsse es Unterstützung geben. Bildungswissenschaftler Stefan Hopmann sieht in der fehlenden Autonomie eine der Hauptursachen für das Scheitern der NMS: "Man kann nicht eine Form der Neuen Mittelschule allen Standorten überstülpen. Die NMS in einem sozial schwierigen Gebiet muss ganz anders arbeiten können als eine NMS im Zillertal. Doch das ist in dem derzeitigen System kaum möglich."

 


 

"Kurier" vom 05.03.2015                                    Seite: 4 kommentar

 

Eine halbe Sache

 

   In der NMS läuft also fast nichts wie geplant. Kaum etwas ist besser als in den Hauptschulen (HS). Aber was hat man erwartet? Die Leistungsgruppen, die in den HS gut funktioniert haben, wurden abgeschafft. Jetzt sitzen jene Kinder, die sich schwerer tun, mit den Besten in einer Klasse - und gehen dort oft unter. Die Lehrer können nicht so gut auf die Schüler eingehen, weil sie sich ja um alle kümmern müssen. Dass die "soziale Durchmischung" in der NMS nicht besser wurde, ist auch nicht überraschend - es gibt ja daneben immer noch die AHS. Die Chancen, in eine höhere Schule aufzusteigen, sind daher natürlich auch nicht gestiegen.

 

   All das kann man nur mit einer Schule für alle 10- bis 14-Jährigen erreichen. Die NMS ist eine halbe Sache.

 

   Jennifer Tobner, 17 Jahre, HAK Baden

 


 

"Heute" vom 05.03.2015                                      Seite 4,5

 

Schlechte Bilanz für NMS: Ministerin hält aber an "starkem Projekt" fest

 

Der Evaluierungsbericht zur Neuen Mittelschule (NMS) war ernüchternd ausgefallen: Nur wo es besonders engagierte Lehrer gibt, schneiden NMS-Schüler besser ab als die Hauptschüler zuvor. Im roten Prestigeprojekt, das viel Geld kostet, ist von Leistungsverbesserungen fast nichts zu sehen.

 

Nach dem Urteil der Experten zog sich Bildungsministerin Heinisch-Hosek (SP) für eine ausgedehnte Schrecksekunde zurück. Erst gestern Nachmittag trat sie öffentlich auf und relativierte: "Ein starkes Projekt" sei die NMS dennoch, verwies sie auf positive Einflüsse auf das Schulklima. Tatsächlich weist der Bericht einen Rückgang schulischer Gewalt aus. Jetzt müsse man nachschärfen. Das größte Problem sei, dass es nach wie vor die AHS-Unterstufe gebe, und die "Zugpferde" besuchen eben diese.

 

Die ÖVP reagierte sanft, will die NMS nicht einstellen ("man kann eine Operation am offenen Herzen nicht stoppen"). Oberösterreichs Landesrätin Hummer (VP) zu "Heute":"Die NMS funktioniert an manchen Standorten gut, an manchen nicht. Aber in Relation zu den Kosten bringt sie nicht den erwarteten Nutzen." Sie vermisse "konkrete Maßnahmen" der Ministerin.

 

 

Evaluierung der Neuen Mittelschule: kaum Verbesserungen im Vergleich zu Hauptschule Zugpferde fehlen: Heinisch-Hosek

 


 

"Österreich" vom 05.03.2015                                   Seite 7 Isabelle Daniel

 

Politik-Insider

Will Heinisch aufgeben?

Bildungsministerin wegen Neuer Schule angezählt

 

Im kleinen Kreis soll Heinisch-Hosek ihrem Ärger freien Lauf gelassen haben.

 

Wien. Dienstagabend, nach einer müheseligen Sitzung mit den Landeshauptleuten, zeigte gabriele Heinisch-Hosek im kleinen Kreis offenbar nerven. Sie habe es "satt, immer bloßgestellt zu werden", und wolle "nicht immer den Kopf für die Fehler der anderen hinhalten", soll sich die rote Bildungsministerin beschwert haben. Und ein SPÖ-Mann behauptet, dass sie dabei "auch davon geredet hat, hinschmeißen zu wollen".

 

Ärger wegen ÖVP und Indiskretionen

 

Der grund des ärgers: Die neue Mittelschule wurde von ihrem eigenen Evaluierungsbericht arg zersaust. Die rote Ministerin sieht hier aber die ÖVP in der Verantwortung: Man habe sie "jahrelang blockiert" und würde ihr nicht "genug Budget für eine echte Schulreform" geben, soll sie intern moniert haben.

 

SPÖ-Bundeskanzler Werner Faymann hatte seine Ministerin bereits vor einigen Monaten - auch damals hatte sie wegen "ÖVP-Querschüssen und Indiskretionen" mit Rücktritt gedroht - von einem Politabschied abgehalten.

 

Dieses Mal habe sie ihm zwar kein adieu angekündigt, Vertraute glauben aber, dass sie "bald aufgeben könnte", wenn man sie weiter im Regen stehen lasse. In den vergangenen Monaten begleitete die niederösterreicherin freilich - von der zentralmatura bis zum Machtkampf mit der Lehrergewerkschaft - eine Pleiten-, Pech-und Pannenserie. Wenn diese Serie nicht abreißt, könnte sie bald den Hut draufhauen.

 


 

"Österreich" vom 05.03.2015                                   Seite 6

 

25 % von Lehrplan autonom -»Urlaub für Schüler«

Schulen bald selbstständiger

die Koalition plant jetzt eine weitgehende Autonomie für alle Schulen.

 

Wien. ÖSTERREICH liegt das geheime Papier vor, das die Verhandler von SPÖ und ÖVP derzeit beraten:

 

lehrplan: Lehrer können vom Lehrplan abweichen - und zwar bis zu 25 %.

 

Unterrichtszeit: Das strenge 50-Minuten-Schema kann aufgebrochen, Stunden können geblockt werden. Es soll auch "Klausurtage" geben, an denen sich also Klassen einem Thema widmen, usw.

 

Personal: Direktoren könne sich Lehrer aussuchen, entscheiden auch über Arbeitsund Fortbildungszeiten.

 

"Schülerurlaub": Die schulautonomen Tage werden abgeschafft -stattdessen sollen sich Schüler individuell fünf Tage "Urlaub" nehmen können. Dieser muss vorher angemeldet werden.

 

Koalitionspapier sieht Autonomie vor.

 


 

"Österreich" vom 05.03.2015                                   Seite 6 Günther Schröder

 

Heinisch-Hosek unter Beschuss

 

Rettungs-Plan für Neue Mittelschule

 

Ministerin bessert nach ++ Sie übt Kritik an den Lehrern ++ Opposition fordert Rücktritt

 

nach schlechtem Zeugnis für die neue Mittelschule (nMS) plant Heinisch-Reformen.

 

Wien. Neuer Tiefschlag für Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek. Wie berichtet, bekommt das SPÖ-Prestigeprojekt Neue Mittelschule in einem Prüf bericht schlechte Noten: So ist die NMS nicht besser als die 2018 auslaufende Hauptschule. Im Gegenteil, erreichen doch manche Standorte nicht einmal Hauptschulniveau. Schon fordert die Opposition den Rücktritt Heinischs.

 

Die SPÖ-Ministerin hält aber - wie auch ihr ÖVP-Gegenüber Staatssekretär Harald Mahrer - an der NMS fest: "Die Neue Mittelschule ist ein starkes und gutes Projekt." Die Ergebnisse seien dort besser, wo die NMS-Grundsätze (vor allem Teamteaching) vollständig umgesetzt worden sei. Indirekt kritisiert Heinisch die Lehrer: "Ein Schlüsselfaktor auf dem Weg zu dieser neuen Lernkultur ist das Engagement der Lehrkräfte." Trotzdem wird nachgebessert:

 

Schule soll selbst über Geldmitte entscheiden

 

So könnten die zusätzlichen Geldmittel (für sechs Stunden Teamteaching pro Klasse in Deutsch/Mathematik/Englisch) für andere Schwerpunkte verwendet werden - etwa für vermehrte Sprachförderung.

 

Mehr Gymnasiallehrer sollen in den nMS unterrichten

 

Für dieses zusätzliche Geld könnten aber auch Gymnasiallehrer angestellt werden. Kurz: Die Schule entscheidet, wie sie ihr Budget einsetzt - es gibt mehr Autonomie.

 

Die fordert auch Schulexperte Andreas Salcher in ÖSTERREICH: Die Schulleiter wüssten am besten, wie die Kinder zu unterrichten seien. In diese Richtung laufen aber auch die Verhandlungen zur Bildungsreform (siehe unten).

 

Heinisch: Schlechtes Zeugnis für die nMS.

 


 

"Österreich" vom 05.03.2015                                   Seite 6

 

Salcher: Mehr Freiheit für Schulen

ÖSTERREICH: Woran krankt die Neue Mittelschule?

 

AndREAS SAlCHER: Der Plan, dass auch AHS-Lehrer unterrichten, ist nicht aufgegangen. Auch Teamteaching funktioniert wenn, dann nur unter optimalen Bedingungen. Drittens: Die Durchmischung mit besseren Schülern klappt nicht, weil deren Eltern immer stärker in die AHS drängen.

 

ÖSTERREICH: Was kann die Lösung sein?

 

SAlCHER: Völlige Autonomie der Standorte: Schulen in sozialen Brennpunkten benötigen mehr Geld -sollen dann aber über den Mitteleinsatz entscheiden. Bei der NMS wurde von oben bestimmt, dass etwa Teamteaching in Mathe stattzufinden hat -obgleich manche Schulen mehr Sprachförderung gebraucht hätten. Das wäre aber ein Kulturschock -denn es bedeutet auch mehr Verantwortung für den Schulleiter. Und auch Vergleichbarkeit der Leistungen. (gü)

 

Schulexperte Andreas Salcher.

 


 

"Heute" vom 05.03.2015                                    Seite 14,15 Von Peter Reidinger

 

"Revolutionäres" Experten-Papier zur Schule Neu

 

Er ist gut 30 Seiten dick und hat es in sich: der Experten-Bericht zur neuen Schulverwaltung. Am Mittwoch wurde das Papier im Rahmen einer Sitzung im Bildungsministerium in Wien vorgestellt. Die genauen Details sind noch geheim, im Gespräch mit "Heute" kündigt Bildungslandesrätin Doris Hummer (ÖVP) aber an: "Das Papier ist hervorragend und revolutionär".

 

Im Prinzip geht es darin darum, wie die Schulverwaltung neu gestaltet und verschlankt werden kann. "Es geht auch um die Stärkung der einzelnen Standorte", so Hummer zum viel zitierten Thema "Schulautonomie". Neu geregelt werden soll beispielsweise auch der Ein- und Ausstieg von Lehrern aus dem Schulsystem.

 

Bis zum Sommer rechnen Experten das Modell jetzt durch, dann könnte es bereits zur Umsetzung kommen.

 

Bildungslandesrätin Doris Hummer

 


 

"Kronen Zeitung" vom 05.03.2015                              Seite: 2,3

 

Prestigeprojekt fällt durch  Es fließt viel Geld, aber Leistungen

Nicht genügend: Protestflut gegen diese Schulpolitik

 

Wien (d.v.). – Die Neue Mittelschule, die bisher rund 250 Millionen Euro verschlungen hat, ist durchgefallen. Das Vorzeigeprojekt hält nicht, was es versprochen hat, denn die Leistungen der Schüler sind nicht besser als in der Hauptschule. Jetzt bricht eine Protestflut über Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek herein, die immer mehr unter Druck gerät.

 

   Ein Volltreffer? Von wegen. Das Lieblingsprojekt von Ministerin Heinisch-Hosek (re.) und ihrer Vorgängerin Schmied (li.) ist gescheitert.

 

   Der Bericht der Experten rund um Ferdinand Eder, Erziehungswissenschafter an der Uni Salzburg, könnte der Neuen Mittelschule den Todesstoß versetzen. Denn das Zeugnis ist ein glatter Fünfer: Es gebe keine Hinweise, dass das Niveau in der Neuen Mittelschule über dem der Hauptschulen liege. Vielmehr bestehen Zweifel, ob dieses an allen Standorten tatsächlich erreicht werde.

 

   Ausnahmen sind die Modellklassen der ersten Generation, wo das Konzept der Schulform mit dem gemeinsamen Unterricht der 10- bis 14-Jährigen auch so umgesetzt wird, wie es gehört. Das treffe, so die Autoren des Berichts, aber nur auf ein Fünftel aller Klassen zu. Weiters wollte die Neue Mittelschule eine größere soziale Durchmischung erreichen – auch dieses Vorhaben ist gescheitert.

 

   Nach dem neuerlichen Bildungs-Desaster ist nun eine regelrechte Protest-Flut gegen die Schulpolitik ausgebrochen. Die FPÖ spricht von „Game over“ und fordert einmal mehr den Rücktritt von Ministerin Heinisch-Hosek. Die Grünen orten einen „bildungspolitischen Blindflug“, die NEOS verlangen mehr Autonomie für die Schulen. Und ÖVP-Klubobmann Reinhold Lopatka stellt im Gespräch mit der „Krone“ die Neue Mittelschule in Frage: „Warum soll man krampfhaft etwas weiterführen, wenn die Ziele nicht erreicht werden?“

 

  Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) verteidigt die Neue Mittelschule, diese sei „ein starkes und gutes Projekt“, nur die Umsetzung sei „zum Teil noch unvollständig“.

 


 

"Kronen Zeitung" vom 05.03.2015                             Seite: 24

 

Schulverwaltung steht vor Durchbruch

Geplante Verschlankung bringt mehr Geld für Unterricht

 

   Enttäuschend ist für Bildungslandesrätin Doris Hummer der Expertenbericht (siehe auch S. 2/3) über die Neuen Mittelschulen. „Wir dürfen jetzt nicht einfach so weitermachen, sondern müssen ehrlich hinschauen: Was gelingt und was nicht“, sagt sie.

 

   Begeistert ist sie hingegen vom Bericht der Expertenkommission zur neuen Steuerung der Schulverwaltung: „Am liebsten würde ich alles sofort umsetzen. Es geht nicht darum, wer die Macht über die Lehrer hat, sondern darum, was die einzelnen Schulstandorte brauchen. Von mehr Freiraum bis zur Vermeidung von Doppelgleisigkeiten.“

 

   Die Pläne gehen weit über Stärkung der Autonomie, die sie immer anstrebte, hinaus. „Das Geld, das durch die Verschlankung bleibt, können wir zu den Schülern transportieren.“

 


 

"Kleine Zeitung" vom 05.03.2015                              Seite: 2 MICHAEL JUNGWIRTH

 

Nicht genügend

Der 470-seitige Evaluierungsbericht stellt der Neuen Mittelschule ein vernichtendes Zeugnis aus. Die Kernziele wurden klar verfehlt, nur vereinzelt schneidet die teure NMS besser ab als die billigere Hauptschule.

 

   Es war ein Prestigeprojekt der roten Unterrichtsministerin Claudia Schmied, das 2008 aus der Taufe gehoben wurde, um die schweren Defizite unseres Bildungssystems auszugleichen: dass in kaum einem anderen europäischen Land Bildung so vererbt wird wie in Österreich, also vom Bildungs- und Sozialniveau der Eltern abhängig ist, dass sich die Hauptschule im urbanen Bereich als Sackgasse entpuppt und der Übertritt in die Oberschule Seltenheitswert hat, dass Schwache nicht gezielt gefördert, sondern nur im Klassenverband mitgeschleppt werden.

 

   Mit Hängen und Würgen – ob des Widerstands der ÖVP – wurde das Projekt auf Schiene gebracht. 2012 wurde die Neue Mittelschule (NMS) als Regelschule installiert, ab Herbst 2015 sollen in allen Hauptschulen die ersten Klassen nur noch als NMS geführt werden, 2018 soll die Umwandlung abgeschlossen sein. Hauptunterschied zwischen NMS und Hauptschule sind die vom Bund finanzierten sechs Zusatzstunden für Mathematik, Deutsch und Englisch. Diese können für die Besetzung dieser Fächer mit je zwei Lehrern (Teamteaching) eingesetzt werden oder für Individualisierung, differenzierten Unterricht, Begabungs- und Begabtenförderung.

 

   Nun liegt der von der Koalition in Auftrag gegebene Evaluierungsbericht vor, das Ergebnis ist ernüchternd und eine weitere Schlappe für die ohnehin schwer angeschlagene Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ): Die Hauptziele der Neuen Mittelschule wurden deutlich verfehlt (siehe rechts). Dass die mit zusätzlichen Mitteln und Personal ausgestattete NMS besser abschneidet als die Hauptschule, war die große Hoffnung, hat sich aber nicht erfüllt.

 

   „Furchtbar naive Idee“

 

   Die Regierung hält trotz des Berichts an der Neuen Mittelschule aber fest. Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) will die Mittel für die Zusatzstunden breiter streuen, Wissenschaftsstaatssekretär Harald Mahrer (ÖVP) fordert den Ausbau der Schulautonomie, die FPÖ hält Heinisch-Hosek für rücktrittsreif. Wenig überrascht zeigen sich der Vorsitzende der Pflichtschullehrer-Gewerkschaft, Paul Kimberger, und der Bildungswissenschaftler Stefan Hopmann. Die Ergebnisse könnten nur „Schreibtischattentäter und Theoretiker in den Schulbehörden“ überraschen, so Kimberger. Veränderungen im Bildungssystem bräuchten länger. Hopmann: Die Erwartung von schnellen Verbesserungen sei eine „furchtbar naive Annahme“.

 


 

"Kleine Zeitung" vom 05.03.2015                              Seite: 2 MONIKA SCHACHNER

 

„Es liegt noch viel Arbeit vor uns“

Landesschulrat und Politik wollen nachschärfen.

 

      GRAZ. „Es widerspiegelt das, was unsere Lehrer zurückgemeldet haben“ – so kommentiert die Präsidentin des Landesschulrates Elisabeth Meixner die Evaluation. Und: „Dieser Befund ist ernst zu nehmen.“ Ein von Schulaufsicht, Schulleiter und Lehrer gemeinsam geschnürtes Maßnahmenpaket soll nun die Schwächen der NMS ausmerzen. Dieses sieht Fortbildung ebenso vor wie eine flexible Differenzierung. Meixner: „Jede Schule muss selber entscheiden dürfen, wie die sechs Zusatzstunden aufgeteilt werden.“ Bisher wurden diese ausschließlich für Teamteaching genutzt, nicht zur Förderung begabter oder schwacher Schüler.

 

   Auch Bildungslandesrat Michael Schickhofer sieht Verbesserungspotenzial: „In der breiten Umsetzung hat sich herausgestellt, dass das Teamteaching die Lehrer vor teilweise große Probleme stellt.“ Schickhofer setzt auf die Begleitung der Schulen im Qualitätsmanagement und Lehrerfortbildung: „Da liegt noch viel Arbeit vor uns.“ Die Steiermark ist mit 166 NMS und nur noch vier Hauptschulen übrigens Vorreiter.

 


 

"Kleine Zeitung" vom 05.03.2015                              Seite: 2

 

„Der Elan ist bald versandet“

Bildungsexperte Andreas Salcher über das Scheitern der Neuen Mittelschule.

 

   INTERVIEW

 

   Ist die Neue Mittelschule gescheitert?

 

   ANDREAS SALCHER:Was früher eine sehr gute Hauptschule war mit einem exzellenten Direktor und engagierten Lehrern, ist durch die zusätzlichen Mittel eine leicht bessere Hauptschule geworden. Wo die Idealbedingungen nicht gegeben waren, hat sich nichts verbessert. Die soziale Diskriminierung oder die Bildungsnachteile wurden durch das neue Modell nicht ausgeglichen.

 

   Warum der Flop?

 

   SALCHER:Weil es ein von oben verordnetes Modell und das Gegenteil von Autonomie war. Wenn in einer Klasse viele bildungsferne Schüler sind, hat es keinen Sinn, wenn zwei Lehrer Mathematik unterrichten, wenn die Schüler Aufgaben nicht verstehen.

 

   Teamteaching war das große Schlagwort?

 

   SALCHER: Die angekündigte Revolution hat nie stattgefunden. In der Mehrzahl der Fälle haben die Lehrer um die Kontrolle in der Klasse gerungen, in vielen Fällen ist der zweite Lehrer hinten gesessen und hat Hausaufgaben korrigiert.

 

   Ist nur das Türschild ausgetauscht worden?

 

   SALCHER: In der euphorischen Anfangsphase waren sicherlich guter Wille und Euphorie vorhanden. Dann ist der Elan versandet, man hat die Mittelschule nicht mit den Ressourcen ausgestattet.

 

   Was tun? Zusperren? Das Projekt abblasen?

 

   SALCHER: Ich kann die Schulen nicht zusperren, die existieren ja. Man sollte jetzt nicht mit neuen Fünfjahresplänen daherkommen. Ziel muss sein, den Schulen mehr Luft zum Atmen, mehr Autonomie zu geben, auf Basis eines Leistungsvertrags mit klaren Vorgaben. Die Schule organisiert sich selbst, der Direktor entscheidet, ob er Lehrer, Psychologen, Sozialarbeiter einstellt. Das wäre ein Kulturwandel. INTERVIEW: M. JUNGWIRTH

 


 

"Österreich" vom 05.03.2015                                  Seite 31

 

BeSt bringt das Beste für Bildung

Heute startet Österreichs größte Bildungsmesse BeSt 2015 in der Stadthalle

Der Rekord-Event in Wien bringt alles zum Thema Schule, Lehre, Studium und Job.

 

Wien. ab heute ist die Wiener Stadthalle das Bildungszentrum: Vier Tage lang geben Österreichs Top-Bildungsexperten bei der BeSt 2015 Tipps und wichtige Infos zu Schule, Studium und dem Weg in den Beruf. Rund 80.000 Besucher werden erwartet: Schüler, Studierende und Weiterbildungsinteressierte. Es gibt insgesamt 330 Stände mit rund 1.000 Beratern.

 

Die besten Tipps. dabei geht es um Fragen wie: Was tun mit der matura? Lehre, Studium, gleich in den Beruf -aber wie? auch die Weiterbildung für bereits Berufstätige ist ein wichtiger Teil des Info-angebots ebenso wie auslandsaufenthalte, Postgraduate-Studien u. a. die Veranstalter der BeSt sind das Bildungsdas Wirtschaftsministerium und das arbeitsmarktservice (amS). auf Wunsch wird mit den Interessenten ein Berufstest gemacht und gleich vor ort ausgewertet, sagt amS-Wien-Chefin Petra draxl. außerdem geboten wird heuer u. a. "master direkt": Hochschulexperten beraten Interessierte zu masterstudien &Co.

 

Der Start: Die BeSt ist die größte Berufsinfo-Messe.

 


 

"Österreich" vom 05.03.2015                                  Seite 33

 

Heinisch-Hosek

»Hilfe für Junge«

 

"Bei der Entscheidung über ihre weiterführende Bildungs-oder Berufslaufbahn müssen wir Jugendlichen die bestmögliche Unterstützung, Beratung und Information bieten", sagt Bildungs-und Frauenministerin gabriele Heinisch-Hosek: "die BeSt3 ist dafür ein großartiges angebot und eine wichtige Ergänzung zur Bildungs-und Berufsorientierung an den Schulen."

 


 

"Österreich" vom 05.03.2015                                   Seite 6 Werner Schima

 

Das sagt Österreich

Kein Pfusch mehr an den Schulen

 

Die große Bildungsreform ist eines der Kriterien, an denen diese Regierung spätestens 2018 gemessen werden wird. Neben Internet-Offensive (offensichtlich auf Schiene), Steuerreform (Prinzip Hoffnung) und Bundesheer-Neustart (bis jetzt eher vermurkst) ist sie das allerwichtigste Projekt.

 

Bis jetzt läuft vieles schief in der österreichischen Schule. Die zuständige Ministerin - Zentralmatura-Pannen, schlechtes Zeugnis für die Neue Mittelschule, Streit mit den Ländern - scheint vom Pech verfolgt. Man hört, sie hätte schon mehrmals daran gedacht, alles hinzuschmeißen.

 

Mit einem Rücktritt wäre aber keinem geholfen. Jemand Neuer im Ministeramt müsste wieder bei null beginnen.

 

Zeit darf jetzt keine Rolle spielen

 

Was unsere Schule jetzt braucht, ist ein nationaler Schulterschluss, wie er sich bei der Hypo-Affäre abzeichnet. Dazu gehört, dass sowohl SPÖ als auch ÖVP heilige Kühe schlachten und aufeinander zugehen.

 

Mehr Schulautonomie, also mehr Eigenständigkeit (und Verantwortung!) der einzelnen Schulen, wäre einer dieser Lösungsansätze - auch für die Neue Mittelschule.

 

Zeit darf jetzt keine Rolle spielen. Die Reform unserer Bildung ist viel zu wichtig, um sie herunterzupfuschen. Ein großer Wurf muss her. Auf ein paar Monate mehr oder weniger kommt's nicht mehr an.

 


 

"Österreich" vom 05.03.2015                                   Seite 6

 

Zentralmatura: Wieder Panne bei Probelauf

Pannenserie ohne Ende: Bei Testlauf wurden schon bekannte Aufgaben verwendet.

 

Wien. Als ob Heinisch-Hosek nicht schon genug Probleme hätte, gibt es jetzt auch eine neue Panne bei der Zentralmatura: Beim derzeit laufenden Probegalopp für Englisch wurden bereits zuvor veröffentlichte Aufgaben verwendet. Im Vorfeld musste zudem eine "missverständlich interpretierbare" Angabe ergänzt werden. Das geht aus einem Schreiben des Bundesinstituts für Bildungsforschung (Bifie) an die Schulen hervor.

 


 

"Heute" vom 05.03.2015                                        Seite 5

 

Probelauf für 2016

Pannen bei der Englisch-Matura

 

Beim gestrigen Zentralmatura-Probelauf wurden zwei bereits zuvor veröffentlichte Aufgaben verwendet. Und es gab missverständliche Angaben.

 


 

APA0168 II, XI 05.03.2015 10:32:01

 

Schulautonomie: Was Schulen derzeit dürfen

Utl.: Mitsprache bei Benotung in der Volksschule, Festlegung der schulautonomen Tage, Werbung und Sponsoring

 

Die Reaktionen auf die Evaluierung der Neuen Mittelschule (NMS) waren zwar durchaus geteilt - in einem Punkt war man sich aber weitgehend einig: Die Autonomie der Schulen soll unbedingt ausgebaut werden. Schon jetzt haben aber die Schulen durchaus einige Möglichkeiten.

Bestimmungen zur Schulautonomie finden sich in diversen Schulgesetzen. Direkt an den Schulen entschieden werden können etwa manche Lehrplanfragen, die Eröffnung und Teilung von Klassen, Fragen der Vermietung von Schulräumen bzw. Werbung und Sponsoring, die Einführung der Fünf-Tage-Woche und als weithin bekannteste Bestimmung die Vergabe der schulautonomen Tage. Außerdem haben die Schulpartner (Schüler, Eltern, Lehrer) durch den Schulgemeinschaftsausschuss bzw. das Schulforum ein Recht zur Stellungnahme bei der Besetzung von Leitungsfunktionen.

Die Schulpartner können innerhalb eines bestimmten Rahmens etwa die Stundenzahl von Pflichtgegenständen verändern, zusätzliche Pflichtgegenstände einführen, bestehende Freigegenstände in Pflichtgegenstände umwandeln oder Freigegenstände bzw. unverbindliche Übungen schaffen. Außerdem können - allerdings nur bei Wahrung der Kostenneutralität - Klassen- und Gruppengrößen verändert werden.

An Bundesschulen können im Rahmen der Teilrechtsfähigkeit Einrichtungen mit eigener Rechtspersönlichkeit geschaffen werden. Das bedeutet, dass die Schulen etwa am Standort eigenverantwortlich Verträge abschließen und Veranstaltungen durchführen können bzw. das damit erwirtschaftete Geld für eigene Zwecke verwenden können. Ebenfalls behalten werden dürfen Einnahmen aus Werbung und Sponsoring.

In der Öffentlichkeit am bekanntesten sind die Bestimmungen über die schulautonomen Tage: Hier dürfen die Schulpartner jedes Unterrichtsjahr fünf Tage "aus Anlässen des schulischen oder sonstigen öffentlichen Lebens" schulfrei erklären - wobei mittlerweile zwei dieser Tage aber bundesländerweise doch wieder zentral festgelegt werden.

Außerdem dürfen die Schulpartner bestimmen, dass in der ersten und zweiten Klasse Volksschule den Noten eine Leistungsbeschreibung hinzugefügt wird (das komplette Ersetzen der Noten durch eine alternative Leistungsbeurteilung bedarf allerdings eines Schulversuchs, Anm.). Außerdem können sie (bei Schulen, für die kein Sprengel besteht) zusätzliche Reihungskriterien für die Aufnahme von Schülern festlegen. Wenig Mitsprache haben sie dagegen bei der Direktorenbestellung - in diesem Bereich ist derzeit nur ein Recht auf Stellungnahme vorgesehen. Gar keine Kompetenzen haben sie dagegen bei der Auswahl von Lehrern.

 

 


 

APA0037 II, XI, WI 05.03.2015 06:00:14

 

Budget: Parlaments-Experten warnen vor Mehrkosten bei Landeslehrern

Utl.: Budgetdienst sieht Heinisch-Hosek vor Finanzproblemen - Hypo-Bad Bank gefährdet EU-Defizitgrenze 2014 - Für Nulldefizit "Gegenmaßnahmen erforderlich"

 

Der Budgetdienst des Parlaments sieht auf das Unterrichtsministerium auch heuer wieder Finanzprobleme zukommen. In einer der APA vorliegenden Anfragebeantwortung an das Team Stronach verweisen die Experten auf eine deutliche Unterdotierung der Ausgaben für Landeslehrer. Der unerwartet hohe Finanzbedarf der Hypo-Bad Bank "Heta" könnte indessen das Defizit 2014 über die EU-Grenze steigen lassen.

Das Team Stronach hatte nach der Kritik Finanzminister Hans Jörg Schellings (ÖVP) an den "Wohlfühlzahlen" in den Budgets seiner Vorgänger den Budgetdienst gebeten, Risikopositionen im Bundeshaushalt zu benennen. "Ein deutlich höherer Abschreibungsbedarf der HETA Vermögenswerte könnte für 2014 zu einer Überschreitung der Maastricht-Defizit-Grenze von 3 Prozent des BIP führen", heißt es in der Anfragebeantwortung. Auch die Auswirkungen auf 2015 und die Folgejahre müssten neu bewertet werden.

Weitere Probleme sieht der Budgetdienst auf das Unterrichtsministerium zukommen. Hier konnte Ministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) schon im Vorjahr nur deshalb mit dem ihr zugedachten Budget auskommen, weil Mietzahlungen bis 2016 gestundet und Rücklagen aufgelöst wurden. Das Problem aus Sicht des Budgetdienstes: Die Landeslehrer haben um 120 Mio. Euro mehr gekostet als erwartet.

Dabei weist der Budgetdienst darauf hin, dass die Ausgaben des Unterrichtsressorts an sich gut vorhersehbar wären - 94 Prozent sind Personalkosten und Mieten. Während der Anstieg der Mieten für 2015 eingepreist wurde, habe man bei den Personalkosten aber einen Rückgang eingeplant. "Dies betrifft insbesondere die Auszahlungen für die LandeslehrerInnen, die bereits 2014 zu niedrig budgetiert wurden. Im Bildungsbudget besteht somit 2015 das Risiko einer Budgetüberschreitung", so der Budgetdienst.

Damit bestätigt der Budgetdienst Warnungen Heinisch-Hoseks, die Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) im Februar angesichts so gut wie aufgebrauchter Rücklagen um eine Budgetaufstockung gebeten hatte.

Als weitere "Risikoposition" wertet der Budgetdienst u.a. die im Finanzrahmen noch mit 500 Mio. Euro ab 2016 eingestellte Finanztransaktionssteuer, angesichts der schleppenden Konjunktur schwache Steuereinnahmen und hohe Ausgaben für Arbeitslosigkeit sowie steigende Pensionskosten. Auch das erst kürzlich beschlossene Sicherheitspaket ist naturgemäß noch nicht eingepreist.

"Zur Erreichung des von der Bundesregierung angestrebten strukturellen Nulldefizits im Jahr 2016 (strukturelles Defizit von 0,45 % des BIP, Anm.) sind daher entsprechende Gegenmaßnahmen erforderlich", heißt es in der Analyse. Näheres müsse der im April geplante neue Finanzrahmen regeln.

 


 

OTS0050 II, CI 05.03.2015 09:52:54

 

Stronach/Lugar: Neue Mittelschule ist gescheitert

Utl.: Ausbau von Ganztagsschulen weit sinnvoller

 

"Das Ergebnis des Expertenberichts beweist, dass das Geld, das in die Neue Mittelschule (NMS) gesteckt wurde, eine Fehlinvestition ist: Laut Bericht gibt es keinen Hinweis auf eine ausreichende Verbesserung des Lernniveaus. Insbesondere die Kosten für das Teamteaching stehen in keiner Relation zu den Ergebnissen", stellt Team Stronach Bildungssprecher Robert Lugar nach der Präsentation des Expertenberichts im Ministerium fest. "Dieses Geld hätte die Regierung besser in den Ausbau von Ganztagsschulen mit verschränktem Unterricht investiert", macht Lugar aufmerksam.

 

Lugar fordert erneut, den Schulen Autonomie einzuräumen: "Die Direktoren, Lehrer, Eltern und Schüler vor Ort wissen selbst am besten, was zu tun ist, um die Leistungsstandards zu heben. Gerade in Zeiten, in denen das Geld knapp ist, muss man die Mittel dort einsetzen, wo sie den meisten Erfolg bringen", betont Lugar. Deshalb müsse man die Neue Mittelschule als gescheitert betrachten, so der Abgeordnete.

 

Rückfragehinweis:   Team Stronach Parlamentsklub/Presse   Tel.: ++43 1 401 10/8080   mailto:parlamentsklub@teamstronach.at

 

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/15673/aom

 


 

OTS0085 II 05.03.2015 10:40:59

 

NEOS: Wir müssen soziale Durchmischung und Chancengerechtigkeit durch konkrete Anreizfinanzierung gewährleisten

Utl.: Strolz fordert Heinisch-Hosek auf, in Sachen Schulautonomie jetzt rasch ins Tun zu kommen

 

 

Die NEOS sind erfreut, dass Bundesministerin Heinisch-Hosek nun bereit ist, die 6-Stunden Co-Teaching an den Neuen Mittelschulen (NMS) in ein frei verfügbares Qualitätsbudget umzuwandeln. Über den konkreten Einsatz dieser Mittel - 230 Millionen Euro im Vollausbau - soll autonom an den Schulen entschieden werden. NEOS-Chef Strolz dazu: "Damit wird ein erster Punkt unseres 6-Punkte-Sofortplans für eine gestärkte Schulautonomie umgesetzt. Frau Ministerin, bitte jetzt zügig auch unsere anderen Vorschläge aufgreifen."

Die Ministerin müsse entschlossen Konsequenzen aus der Evaluierung der NMS ziehen. Es zeigt sich insbesondere, dass trotz hohem Mitteleinsatz die soziale Durchmischung in den Neuen Mittelschulen nicht gelingt. Wenn wir wollen, dass die Talente blühen in Österreich, wenn wir wollen, dass wir mehr Chancengerechtigkeit für die jungen Menschen erreichen, dann brauchen wir neue Antworten", fordert Strolz. "Bildung soll nicht vererbt werden, sondern sie soll eben an den Talenten, Potenzialen und Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen anknüpfen. Daher müssen wir die soziale Durchmischung in den Schulen als gesellschaftspolitisches Ziel gesetzlich festschreiben. Und wir müssen dieses Ziel endlich mit einer Anreizfinanzierung hinterlegen."

Konkret reklamiert Strolz, die finanzielle Autonomie der Schulen umzusetzen. Die Schulen sollen ein Globalbudget erhalten, mit dem sie alle Aufwendungen bestreiten und innerhalb dessen sie frei entscheiden und Schwerpunkte setzen können. Die Finanzierung folgt dabei den Schülerinnen und Schülern und besteht aus einer schülerbezogenen und einer kriterienbezogenen Komponente. Je Schüler_in wird an die Schule ein fixer Betrag überwiesen. Dieser wird ergänzt durch kriterienbezogene Beträge, konkret für Sprachförderung pro Schüler_in mit nichtdeutscher Muttersprache, eine Bildungsaufstiegsförderung pro Schüler_in, bei dem/der kein Elternteil einen höheren Schulabschluss als die Pflichtschule hat und eine Regionalförderung pro Schüler_in für Schulen in ländlichen Gemeinden. Diese kriterienbezogene Finanzierung würde die gelingende soziale Durchmischung in den Schulen und die Chancengerechtigkeit massiv beschleunigen. Und das brauchen wir dringend, wenn wir nicht jährlich tausende Lebensläufe junger Menschen brutal verbiegen und deren Talente unterwegs verlieren wollen", so Strolz.

Link zu NEOS-Vorschlägen: http://www.strolz.eu/blog/die-muendige-schule-unser-6-punkte-sofortpl an-fuer-eine-gestaerkte-schulautonomie

Rückfragehinweis:  Parlamentsklub der NEOS 01 40110-9091 presse@neos.eu
http://neos.eu

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/16170/aom

 


 

Mit freundschaftlichen Grüßen

 

Kurt Schober
Klubsekretär

SPÖ-Parlamentsklub
01/40110-3569

0664 / 44 45 005
kurt.schober@spoe.at

 

SPÖ-Parlamentsklub

www.klub.spoe.at

 

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