Freitag, 6. März 2015

Bildungs-Newsletter 6. März 2015


 

"Die Presse" vom 06.03.2015                                Seite: 7

 

Haupt- und Neue Mittelschule sind (k)eine Sackgasse

Matura. Die Neue Mittelschule sollte die Bildungswegentscheidung nach hinten verschieben. Das tut sie aber nicht. Inwieweit entscheidet die Schulwahl eigentlich darüber, wer später maturiert und wer nicht?

 

   Wien. Das schlechte Zeugnis für die Neue Mittelschule (NMS) ist nun amtlich. Verantwortlich will dafür aber niemand sein. Schon gar nicht die Landespolitik. Wiens Bildungsstadtrat Christian Oxonitsch (SPÖ) glaubt - trotz fehlender Bundesländerauswertung -, dass das Wiener NMS-Modell sowieso zu den besseren zählt. Burgenlands Landeschef, Hans Niessl (SPÖ), ist sogar davon überzeugt, dass in seinem Bundesland "deutlich bessere Ergebnisse" erzielt wurden, und will das mit der Auswertung der einzelnen Länderergebnisse beweisen. Geben wird es diese (mitunter aus statistischen Gründen) vermutlich nie.

 

   Die Bundesregierung ist sich in einem Punkt einig: Gerüttelt soll an der Neuen Mittelschule nicht werden. Verbesserungen soll es geben. Einzig ÖVP-Klubobmann Reinhold Lopatka, der schon früher mit NMS-kritischen Bemerkungen aufgefallen ist, weicht von Partei- und Regierungslinie ab: "Warum soll man krampfhaft etwas weiterführen, wenn die Ziele nicht erreicht werden?", sagte Lopatka in der "Kronen-Zeitung".

 

   Schlechte Chancen in Wien

 

   Apropos Ziele: Ein Wunsch bei der Einführung der NMS war, dass damit eine attraktive Alternative zum Gymnasium geschaffen wird und es so zu einer späteren Bildungswegentscheidung kommt. Das hat - zumindest bislang - nicht funktioniert. Stellt sich die Frage, inwieweit Schüler tatsächlich schon bei der Schulwahl mit nicht einmal zehn Jahren über ihre Bildungslaufbahn entscheiden?

 

   Sackgasse ist der Besuch einer Haupt- oder Neuen Mittelschule definitiv nicht. Von 41.789 Maturanten im Jahr 2012 haben 22.231 im Alter von zehn bis 14 Jahren laut Statistik Austria eine AHS-Unterstufe besucht (53,2 Prozent). 17.638 Maturanten gingen in diesem Alter in eine Hauptschule (damals gab es die Neue Mittelschule noch nicht). Damit liegt der Anteil der ehemaligen Hauptschüler unter jenem der Maturanten bei 42,2 Prozent.

 

   Während in manchen Bundesländern - wie in Tirol, Oberösterreich und Salzburg - mehr als die Hälfte der Maturanten ursprünglich eine Hauptschule besucht hat, ist das in Wien völlig anders (siehe Grafik). Nur 19,9 Prozent der Wiener Maturanten haben im Alter von zehn bis 14 Jahren eine Hauptschule besucht. Selbst unter den Maturanten an Wiener berufsbildenden höheren Schulen (BHS) finden sich nur 37,2 Prozent ehemalige Hauptschüler. Inwieweit mit zehn Jahren eine Entscheidung über den Bildungsweg getroffen wird, hängt also deutlich von der Region ab. (j. n.)

 


 

"Die Presse" vom 06.03.2015                                Seite: 7

 

Warnung vor Geldproblemen im Schulressort

Die Kosten der Landeslehrer wurden nicht berücksichtigt.

 

   Wien. Der Budgetdienst des Parlaments sieht auf das Bildungsministerium auch heuer wieder Finanzprobleme zukommen. Das Problem: Die Ausgaben für die Landeslehrer wurden deutlich unterdotiert. Das geht aus einer Anfragebeantwortung an das Team Stronach hervor.

 

   Das Problem aus Sicht des Budgetdienstes: Die Landeslehrer haben um 120 Millionen Euro mehr gekostet als erwartet. Doch während der Anstieg der Schulmieten für 2015 eingepreist wurde, habe man bei den Personalkosten aber einen Rückgang eingeplant. Dies betreffe insbesondere die Auszahlungen für die Landeslehrer, die bereits 2014 zu niedrig budgetiert wurden. (APA)

 


 

"Die Presse" vom 06.03.2015                               Seite: 17

 

Bessere Ausbildung, weniger Geld

Gleichstellungsindex. Frauen sind im Schnitt besser ausgebildet als Männer - in den beruflichen Positionen und im Gehalt schlägt sich das aber nur sehr bedingt nieder.

 

   Wien. Rechtzeitig vor dem Weltfrauentag präsentierte das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) einen neuen "Gleichstellungsindex Arbeitsmarkt", den es im Auftrag des AMS entwickelt hat.

 

   Der Index zeigt anhand von 30 Indikatoren, wie es um die Gleichstellung der Geschlechter bei Arbeit und Einkommen sowie an den "Schnittstellen zum Arbeitsmarkt" - Bildung und Familie - bestellt ist. Dargestellt wird das so, dass der jeweilige Indexwert für Männer mit hundert angesetzt und der Wert für Frauen in Prozent davon angegeben wird. Bei einem Wert von 100 für beide Geschlechter wäre Gleichstellung erreicht. Tatsächlich erreichen Frauen - im Bundesländer-Durchschnitt und quer über alle Kriterien - jedoch nur 71 Prozent.

 

   Große Unterschiede gibt es bei Arbeitszeit und beruflichen Positionen: Frauen arbeiten viel öfter Teilzeit und sind seltener in Führungspositionen. Allerdings werden sie in den meisten Bundesländern auch seltener arbeitslos als Männer.

 

   Beim Einkommen erreichen Frauen im Österreich-Schnitt 67 Prozent des Männer-Indexwerts. Deutlich geringer ist der Unterschied nur in Wien (83 Prozent; Gesamt-Indexwert für Wien: 81 Prozent). Beim Kriterium Ausbildung übertreffen Frauen die Männer im Schnitt sogar - allerdings ist ihre Ausbildungssituation sehr heterogen. Es gibt zwar mehr hoch qualifizierte Frauen als Männer, aber auch mehr mit einem sehr niedrigen Bildungsstand. Am größten sind die Ungleichheiten bei der Schnittstelle Familie und Arbeitsmarkt - hier erreichen Frauen österreichweit nur einen Indexwert von 40 Prozent (Wien: 49 Prozent). Vor allem liegt das daran, dass Männer nur selten einen Teil der Karenz übernehmen. Frauen verdienen außerdem nach der Karenz oft weniger als vorher.

 

   In zwei Jahren soll der Index neu berechnet werden.

 


 

"Der Standard" vom 06.03.2015                                Seite: 1

 

Kein Schulexperte

 

   Wer ehrlich ist, wagt ohne genauere Kenntnis der Materie und ohne praktischen Einblick kein Urteil, ob die Neue Mittelschule grundsätzlich eine vernünftige Sache ist. Wer ehrlich ist, würde es auch nicht wagen, ohne entsprechende Voraussetzungen ein fundiertes Urteil über die Gesamtschule abzugeben.

 

   Worüber man sich aber bei bloßer Betrachtung von außen sehr wohl ein Urteil anmaßen kann, ist die offen zutage liegende Tatsache, dass die Schulpolitik ein völlig vermurkstes, konzeptloses, von allen möglichen Interessen beherrschtes Trümmerfeld ist.

 

   20 Prozent der 15-Jährigen können nicht richtig lesen, schreiben und rechnen (und grüßen, aber das hat mit der Schule weniger zu tun als mit den Eltern). Die Lehrer sind einerseits bemitleidenswert, weil der Job wirklich burnout-gefährdend ist, werden aber andererseits von einer rigiden Gewerkschaft in eine unproduktive Bestemmhaltung gedrängt.

 

   Das Schulsystem ist teuer, aber ineffizient. Handwerkliches wie funktionierende technische Voraussetzungen für eine Zentralmatura fehlen oder gehen schief. Reformen, wie eben die Einführung der Neuen Mittelschule, bringen offenbar nicht die gewünschten Ergebnisse. Schule ist Spielball von Machtinteressen, wie etwa der versuchten Kaperung der Lehrer durch die Bundesländer.

 

   Was ist das? Teil eines Multiorganversagens dieser Republik?

 


 

"Der Standard" vom 06.03.2015                                Seite: 8    Lisa Nimmervoll

 

Autonomie schön und gut, Subsidiarität besser

ÖVP-Landesschulratspräsident Enzenhofer betont Rolle des Staates für Schulsystem

 

   Wien – Das Wort der Stunde heißt „Schulautonomie“. So trägt etwa das Papier der Expertengruppe, das am Dienstag an die Bildungsreformgruppe der Regierung überreicht wurde, den programmatischen Titel „Freiraum für Österreichs Schulen“. Aber auch die Politik griff angesichts des Evaluierungsberichts über die Neuen Mittelschulen (NMS) beherzt zu und präsentiert nunmehr mehr Autonomie für die Schulen als Erfolgsrezept für die Schulpolitik.

 

   Nach Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) und Wissenschaftsstaatssekretär Harald Mahrer (ÖVP) pochten am Donnerstag nicht nur die Grünen, sondern als einer von vielen Landespolitikern auch der burgenländische Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ) darauf, die Schulautonomie zu erhöhen, um die Situation in Österreich zu verbessern. Niessl fordert auch eine Veröffentlichung der NMS-Länderergebnisse, da er – wie die Wiener und Salzburger – stark vermutet, dass sein Land mit mehreren NMS „mit Vorbildcharakter“ deutlich besser ist als der Österreich-Schnitt. Es dürften nicht alle Pädagogen „in einen Topf kommen“.

 

   Vor dem Frustationspotenzial, das eine zu simple Analyse des NMS-Berichts berge, warnt auch Oberösterreichs Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer (ÖVP): „Das war kein Leistungstest über die Arbeit der Lehrer“, sagt er im STANDARD-Gespräch. „Der Bericht zeigt klar: Es ist nicht die Schulorganisation, die eine Schule vorwärts bringt, und Teamteaching als Allheilmittel reicht nicht aus. Es ist nicht die Lösung für alle Bereiche.“ Vielmehr fordert Enzenhofer, dass die bisherigen Zusatzmittel für eine zweite Lehrperson in Deutsch, Englisch und Mathematik künftig von den Schulen autonom eingesetzt werden können, etwa für räumlich getrennte Differenzierung in Lerngruppen statt allgemeiner Lehrertandems.

 

   Für die vielbeschworene Autonomie rät Enzenhofer jedoch zur Vorsicht: „Ich warne vor dem Begriff Autonomie. Ich würde eher von Subsidiarität sprechen – im Sinne von: Die kleinere Einheit hat Entscheidungskompetenz, solange dem nicht übergeordnete Zusammenhänge entgegenstehen.“

 

   Dieser Unterschied betone „die unabdingbare Verantwortung der übergeordneten Ebene, also des Staates, für zentrale Aufgaben der Schule wie Ziele und Qualität“.

 

Organisation macht keine Schule: Fritz

 


 

"Der Standard" vom 06.03.2015                               Seite: 30

 

Evaluiert: Die Mittelschule und Spindelegger

Weltgeist und Wissenschaft

 

   Die heimische Politik erlebt bewegte Tage. Michael Spindelegger soll als prominenter Teilhaber einer Agentur mithelfen, in der Ukraine die Wirtschaft zu entfesseln. Kurz gesagt: Spindelegger wird ein Werkzeug des Weltgeistes.

 

   Man traute seinen Augen nicht, als der französische Philosoph Bernard-Henri Lévy – gut versteckt in einer ZiB-Ausgabe – sich über den Mann aus der Hinterbrühl äußerte. Um die Bedeutung dieser Weltsekunde zu ermessen, muss man kurz nach Luft ringen. Lévy über Spindelegger, das ist so, als ob Jean-Paul Sartre kurz die Arbeit am Idioten der Familie unterbrochen hätte (schlappe 1028 Seiten!), um sich lobend über Josef „Happy Pepi“ Staribacher zu äußern. Oder über Ingrid Leodolter.

 

   Die 1970er-Jahre sind unwiderruflich vorbei. Mit ihrem Dahinwelken verlieren auch ihre ideologischen Einschreibungen an Wert. Ein höchst gegenwärtiger Spross der Wissenschaft sorgte für eine kleine Sternstunde in der ZiB 2. Sie dauerte bloß sechs Minuten. Ferdinand Eder rechtfertigte im Zwiegespräch mit Armin Wolf (ZiB 2) die u. a. von ihm betriebene Evaluation der „Neuen Mittelschule“. Von den 1073 umgemodelten Hauptschulen hat eine erkleckliche Zahl bloß das Türschild geändert. Das Füllhorn staatlicher Zuwendung (sechs zusätzliche Wochenstunden!) sei über alle Schüler gleichmäßig ausgegossen worden.

 

   Und so blieb es einem brillanten Wissenschafter vorbehalten, ohne Entrüstung, dafür mit strahlender Sachkompetenz das (Schul-)Kind beim Namen zu nennen. „Die andere Lernkultur“ ist Utopie, solange es, parallel zu ihr, die AHS gibt. In der liest man bestimmt eifrig Bernard-Henri Lévy.

 

   p derStandard.at/TV-Tagebuch

 


 

"Der Standard" vom 06.03.2015                               Seite: 31 Ressort: Kommentar der anderen

 

Günter Haider: Günter Haider, Erziehungswissenschafter und Psychologe, war Lehrer in Volks-, Haupt- und polytechnischen Schulen, kehrte 2008 nach fünfjähriger Periode als einer von zwei Direktoren des Bundesinstituts für Bildungsforschung (Bifie) an die Universität Salzburg zurück.

Neue Schulpolitik braucht neue Köpfe

 

   Nach dem miserablen Evaluationsbericht über die Neuen Mittelschulen ist eines klar: Die österreichische Bildungspolitik braucht neues Personal, wenn es jeso etwas wie eine substanzielle Reform geben soll,die diesen Namen auch verdient.

 

   Mit dem Evaluationsbericht der Uni Salzburg und des Bifie wird der pädagogische Misserfolg des Modellversuchs Neue Mittelschule (NMS) öffentlich gemacht. Der Rechnungshof hat ja zuvor bereits das organisatorische und finanzielle Schlamassel des Unterrichtsministeriums und das NMS-Lügengebäude der damaligen Ministerin Claudia Schmied umfassend angeprangert.

 

   Jetzt wissen wir, dass die unprofessionelle und unverantwortliche Schulpolitik der letzten Jahre Kinder und Lehrer der Hauptschulen als Versuchskaninchen für ein untaugliches Modell missbraucht hat. Die Schuld liegt eindeutig bei den Regierungsparteien, im Speziellen bei Claudia Schmied und dem ÖVPler Werner Amon, die 2012 trotz aller Warnungen, trotz negativer Daten aus dem ersten NMS-Jahrgang und ohne eine Evaluation abzuwarten die NMS für alle Hauptschulen per Gesetz eingeführt haben.

 

   Gleichzeitig hat die Regierung 2012 auch die bis dahin gesetzlich vorgeschriebene Evaluation beerdigt. Es ist dem Salzburger Bifie zu verdanken, dass trotz des offenen Missfallens der Ministerin Schmied diese Evaluation weiter betrieben wurde und heute überhaupt ein Bericht vorgelegt werden kann. Dieser Widerstand gegen das Lieblingsprojekt der egozentrischen Ministerin hat manchem am Bifie ja auch die Karriere gekostet.

 

   Der vorliegende Evaluationsbericht zeigt, dass die NMS alle von der Regierung in Aussicht gestellten Erwartungen verfehlt hat:

 

   Q Es gibt keinen positiven Leistungseffekt: In allen Überprüfungen und Tests haben die Neuen Mittelschulen nicht besser als die alten HS abgeschnitten, an etlichen Standorten waren die NMS-Ergebnisse sogar schlechter als früher.

 

   Q Es gibt keinen Attraktivitätseffekt: Der NMS laufen seit Jahren die Schüler in Richtung Gymnasium davon, das zeigt die jährliche Schulstatistik. Die Eltern stimmen seit längerem mit den Füßen über diesen Schultyp ab – vor allem dort, wo ein Gymnasium in der Nähe ist.

 

   Q Es gibt keinen pädagogischen Effekt des Team-Teachings im Vergleich zu den bisherigen Leistungsgruppen: Was in der Theorie und auf Papier schön ausschaut, muss in der Schulrealität noch lange nicht funktionieren.

 

   Q Es gibt durch die NMS weder mehr Chancengleichheit noch Chancengerechtigkeit: Auch diese ureigenen sozialdemokratischen Ziele werden durch die NMS nicht besser erreicht.

 

   Alles, was uns die Hochglanzbroschüren der Ministerin für die NMS versprochen haben, ist nicht eingetreten. Das Projekt hat dem Schulsystem aber hunderte Millionen Euro als Ressource entzogen. Und dieser Misserfolg ist für aufmerksame Beobachter auch keine Überraschung mehr:

 

   Q 2012 waren die Probleme im Kern bereits bekannt und die Ministerin auch voll informiert über die schlechten Ergebnisse des ersten vollen NMS-Jahrgangs (2008–2012). Das hat sie nicht abgehalten, ihren überzogenen Werbefeldzug für ihre „Superschule“ weiterzuführen.

 

   Q Allen Warnungen der Wissenschafter und der Praxis zum Trotz wurde nicht auf die geplante Evaluation gewartet und die NMS flächendeckend per Gesetz eingeführt. Und die Evaluation sollte schubladisiert oder zumindest um Jahre verschoben werden, das hat das Bifie verhindert.

 

   Q Auch die Ergebnisse der großen Standardüberprüfung 2013 zeigten die Probleme mit der NMS wieder deutlich auf. Aus fadenscheinigen Gründen („Datenleck“) wurde daraufhin die für 2014 festgesetzte Überprüfung in Deutsch am Ende der NMS und der Vergleich mit der HS mehrere Jahre verschoben. Ab 2016 gibt es dann nämlich keine alten Hauptschulen mehr zum Vergleichen, das löst für die Ministerin Heinisch-Hosek das Problem.

 

   Auf den Punkt gebracht: Wider besseres Wissen haben Regierung und uneinsichtige Ministerinnen ihr koalitionäres „Lieblingsprojekt“ einfach durchgezogen. Die Versuchskaninchen und Leidtragenden waren die Lehrer und Schüler. Diese Schulen, Lehrer, Schüler und Eltern befinden sich jetzt in einer unangenehmen, teils prekären Situation:

 

   Mehr als 1000 Schulen wurden mit hohem administrativem und finanziellem Aufwand und viel Arbeit vor allem der Lehrer auf einen neuen Schultyp umgestellt, weil versprochen wurde, dass damit wesentliche Vorteile verbunden wären.

 

   Das Schulmodell stellt sich nun amtlich als Fehlschlag heraus, statt Imagegewinns droht nun Imageverlust, und das wird sicher nicht zur Motivation an den Schulen beitragen. Die Enttäuschung wird vor allem bei den Engagierten groß sein – wozu war der ganze Aufwand? Warum sollen Eltern ihr Kind in einen Schultyp schicken, der gerade amtlich bestätigt erhielt, dass er nicht das Gelbe vom Ei ist?

 

   Die Glaubwürdigkeit dieser Unterrichtsminister und ihrer hohen Beamten ist praktisch vernichtet, wem werden Lehrer und Eltern, wem wird die Öffentlichkeit künftig noch neue Hochglanzversprechungen abnehmen? Und vor allem: Sollen und können uns jetzt dieselben Minister, Politiker und Ministerialbeamten, die das gan- ze Schlamassel mitverursacht haben, aus dieser schwierigen Situation auch wieder herausbringen?

 

   Das glaube, wer mag, ich nicht. Eine Neuaufstellung der gesamten Führung ist notwendig.

 

Zukunft? Eher nicht. In den Neuen Mittelschulen wurden die gesetzten Ziele samt und sonders verfehlt. Eltern und Kinder stimmen mit den Füßen ab und laufen in die Gymnasien.

 


 

"Kurier" vom 06.03.2015                                    Seite: 5

 

Buben hängen die Mädchen in Mathematik weiter ab

OECD-Studie.Am Sonntag ist Weltfrauentag. Für die OECD Anlass, sich anzuschauen, wie sich die schulischen Leistungen von Mädchen und Buben unterscheiden. Fazit für Österreich: Der Geschlechterunterschied ist in den Fächern Mathematik und Naturwissenschaften besonders groß. Hier sind die Buben den Mädchen weit voraus - sie erreichten beim PISA-Test 2012 um 22 Punkte mehr (im Schnitt erreichten die Österreicher in Mathematik 506 Punkte).

 

   Anders sieht es beim Lesen aus. Das beherrschen die Mädchen besser. Und sie sind auch fleißiger als ihre Mitschüler: Sie sitzen 72 Minuten pro Woche länger bei den Hausübungen als die Burschen.

 

   Der Geschlechterunterschied bei den Mathematikleistungen ist im internatonalen Vergleich in Österreich besonders groß. Nur in Chile und Luxemburg ist er noch größer. Das ruft Frauen- und Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek auf den Plan. Sie setzt auf Maßnahmen wie Lehrerfortbildungen oder Informationen über geschlechtssensible Didaktik.

 

   Die guten Mathe-Ergebnisse können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Buben die Verlierer der Bildungssysteme sind: Über alle Länder hinweg sind 60 Prozent der leistungsschwachen Schüler männlich.

 


 

"Kurier" vom 06.03.2015                                    Seite: 5 Bernhard Gaul

 

Expertenpapier

Schulen sollen (fast) alles allein entscheiden

Reformplan.Schulautonomie hat Rückenwind

 

   Die schwachen Ergebnisse der wissenschaftlichen Studie über die Neue Mittelschule haben einen überraschend positiven Aspekt: Der Ausbau der Schulautonomie rückt ins politische Bewusstsein. Ein Plus an Selbstständigkeit, so sehen es jedenfalls unisono die Experten, könnte rasch deutliche Verbesserungen im Schulbetrieb ermöglichen.

 

   Zum Hintergrund: Eine totale Autonomie hieße, der Schulstandort bekommt vom Schulerhalter sein Budget überwiesen, und darf alles andere selbst bestimmen: Von den Öffnungszeiten über die Auswahl des Lehrpersonals bis zum Design von Unterrichtsfächern und Stundenplänen. Laut OECD-Studie von 2012 sind die Niederlande Spitzenreiter in Sachen Schulautonomie - 86 Prozent der Entscheidungen fallen dort auf Schulebene. Auch in England haben die Schulen weitest gehend Autonomie (81 Prozent).

 

   HinterbänklerÖsterreich gehört in Sachen Autonomie eher zu den Hinterbänklern, der Studie zufolge werden nur 31 Prozent der Entscheidungen im Schulwesen auf Schulebene getroffen. Im OECD-Durchschnitt sind es 41 Prozent, im EU-Vergleich 46 Prozent.

 

   Ministerin Heinisch-Hosek will als erste Maßnahme an den NMS die zweckgewidmeten Budgetmittel "für weitere standortspezifische Schwerpunktfächer" öffnen. Oder auch "Schülercoaching statt Teamteaching".

 

   Für die Bildungsreformgruppe der Bundesregierung ist es damit aber noch lange nicht geschehen. Sie stützen sich auf einen Expertenvorschlag zur revolutionär neuen Schulverwaltung - der KURIER berichtete. Vorgeschlagen werden "autonome Schulen", und zwar in allen Bereichen:

 

   PädagogikUnter Schulleitungsverantwortung sollen eigene pädagogische Schulkonzepte entstehen. Zudem soll es eine "Umsetzungsautonomie" im Bereich des Lehrplans geben. Auch autonome Schwerpunktsetzungen und alternative Leistungsbeurteilungen sollen ermöglicht werden.

 

   OrganisationDie Schulen entscheiden über Unterrichtszeit, Länge der Schulstunden, Öffnungszeiten, Tagesablauf und Klassen. Jeder Schüler hat fünf Tage "individueller Freistellung".

 

   PersonalSchule entscheidet allein über Personal, sogar Leistungsprämien für Lehrer sind angedacht.

 

   Finanzen"Freie Verfügbarkeit über bestimmte finanzielle Ressourcen", mit Möglichkeit zur Drittmittelbeschaffung und Weiterbildungsbudgets.

 

   Das Konzept soll bis 2025 umgesetzt werden, so der Plan. Ob das auch passieren wird, kann derzeit niemand abschätzen. Immerhin loben die Grünen das Konzept - und stellen Stimmen für die nötige 2/3-Mehrheit in Aussicht.

  


 

"Kurier" vom 06.03.2015                                    Seite: 4

 

demokratie-bildung

Premiere im Hohen Haus: Wenn Lehrlinge Gesetze initiieren

Erstes Lehrlingsparlament.Jugendliche schlüpften in die Rolle von Abgeordneten und probten die Änderung der Vorschriften für ihre Ausbildung

 

   von Heinz Wagner 1978 wurden die grundlegenden gesetzlichen Bestimmungen über die Pflichten für Lehrberechtigte und Lehrlinge beschlossen. Wer nach dem damals neuen Berufsausbildungsgesetz die Lehre absolviert hat, ist mittlerweile (fast) in Pension.

 

   Abgesehen von den einen oder anderen kleinen Abänderungen standen am Donnerstag erstmals gröbere Änderungen dieses Gesetzes auf der Tagesordnung im Plenarsaal des Nationalrates - sowie im Ausschuss und in den Klubsitzungen - allerdings der Fraktionen Türkis, Violett, Gelb, Weiß und Grau.

 

   Die Abgeordneten waren rund 100 Jugendliche des ersten österreichischen Lehrlingsparlaments.

 

   Lehrlinge der zehn größten heimischen Ausbildungsbetriebe (ÖBB, Voest Alpine, Kapsch, Spar, Wiener Linien ...) wurden von Nationalratspräsidentin Doris Bures eingeladen, um eineinhalb Tage im Hohen Haus zu erleben und mitzugestalten - nach ähnlichem Muster wie die "Jugendparlamente" für Schulklassen, die schon 14 Mal stattfanden.

 

   Beim Lehrlingsparlament ging es darum, einen fiktiven Gesetzesvorschlag zu diskutieren, abzuändern, Koalitionen mit anderen "Parteien" zu schließen, um Mehrheiten zu finden. Am Ende wurde im Plenum debattiert und mehrere Beschlüsse wurden gefasst. Zentrale Anliegen der Jugendlichen: Eine gesetzliche Verpflichtung, um die Qualität der Lehre zu halten bzw. zu verbessern und nicht nur von einzelnen Betrieben abhängig zu machen; die Verpflichtung zur Fortbildung nicht nur für Lehrlinge, sondern auch für jene, die sie in den Unternehmen ausbilden.

 

   Wie zum Beispiel Sophie Meisel, Informations- und Elektrotechnik-Lehrling bei A1, die dem KURIER erzählte, dass sie gerade im ersten Lehrjahr ihrer zweiten Ausbildung sei. Bei ihrer ersten Lehrstelle - sie wurde Großhandelskauffrau - hätte sie nur wenig gelernt.

 

   Fürs "echte Parlament" Die Lehrlinge forderten auch, dass Menschen mit Beeinträchtigungen in der Ausbildung besser gefördert werden. Denn selbst wenn Lehrlinge mit Behinderungen eingestellt würden, fehle es oft an der adäquaten Unterstützung bzw. an geeigneten Materialien und auch an qualifizierten Lehrpersonen.

 

   Von den Erfahrungen im Parlament zeigten sich praktisch alle Lehrlinge angetan. Viele, wie etwa Milo¨ Aničić, hoffen allerdings darauf, "dass das echte Parlament ihre Forderungen aufgreife".

 

   Vom KURIER darauf angesprochen, meinte Doris Bures, die weitere jährliche Lehrlingsparlamente zusicherte, dass sie die Ergebnisse der Beratungen der Jugendlichen den echten Abgeordneten noch einmal ans Herz legen wolle.

 


 

"Österreich" vom 06.03.2015                                   Seite 6

 

Rücktritt? Heinisch-Hosek sagt: »Ich schaue in die Zukunft«

SPÖ-Ministerin will weitermachen

Die Bildungsministerin denkt nicht daran, aufzugeben und steht weiter hinter der NMS.

 

Verärgert. Das neueste Bildungsdebakel lässt Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek nicht ungerührt. Nachdem die Neue Mittelschule von ihrem eigenen Evaluierungsbericht verrissen wurde, soll Heinisch am Dienstag der Kragen geplatzt sein: Ein SPÖMann berichtete, dass sie intern Dampf abließ und sogar davon geredet haben soll, alles "hinschmeißen zu wollen".

 

Zumindest nach außen hin ist die SPÖ-Ministerin allerdings weiter guter Dinge: Gegenüber ÖSTER-REICH signalisierte sie, dass sie nicht ans Aufgeben denkt: "Ich schaue in die Zukunft, und das bedeutet, die Neue Mittelschule zu verbessern. Ich stehe zu diesem pädagogischen Konzept. Alles drum herum sind bloß Gerüchte."

 


 

"Österreich" vom 06.03.2015                                   Seite 6

 

Sparstift: 60% der Direktoren-Jobs gestrichen

 

Wien. Das Koalitionspapier sieht auch massive Einsparungen in der Schulverwaltung vor: 50 %der Schulgesetze fallen weg, 30 %der Verwaltungskosten sollen eingespart werden. Durch Zusammenlegungen bzw. Betreuung mehrerer Standorte wollen die Schulreformer die Zahl der Schulleiter auf ein Drittel reduzieren. Die wenigen Direktoren hätten dann aber mehr Macht, sprich: Sie sollen sich das Personal - also die Lehrer -selbst aussuchen können.

 


 

"Österreich" vom 06.03.2015                                   Seite 6

 

Reform-Plan

Aus für 50-Minuten-Schulstunde

Schulen dürfen Noten kippen, auch Schüler-Urlaub kommt

 

50-minütige Schulstunde hat bald ausgedient, für Schulnoten sind Alternativen zulässig.

 

Wien. ÖSTERREICH liegt das brisante Reformpapier vor, das die Koalition derzeit berät. Der Plan: mehr Autonomie für die Schulen.

 

Die Lernzeiten können auch geblockt werden

 

Tagesablauf in der Schule: Er kann künftig "autonom gestaltet werden" - das wird in vielen Fällen das Ende der 50-Minuten-Stunde bedeuten. Lernzeiten können geblockt werden (z. B. für "Klausurtage außerhalb der Unterrichtszeit zur Qualitätsentwicklung"). Schüler dürfen auch außerhalb der Unterrichtzeiten in der Schule anwesend sein - die Schulen wären also in der Regel Ganztagsschulen.

 

"Schüler-Urlaub": Auch das wird Lehrer nicht freuen: Die fünf freien Tage, die Schulen autonom festlegen können, fallen weg. Stattdessen sollen sich Schüler - nur auf Antrag - individuell 5 Tage "Urlaub" nehmen können. Das bedeutet aber auch: Die Lehrer haben dann natürlich nicht frei.

 

Schulnoten. Dafür bekommen die Lehrer mehr Freiheit: Sie können ein Viertel des Lehrplans weglassen bzw. andere Inhalte durchnehmen. Und: Die Möglichkeit, Leistungen statt mit Schulnoten anders zu beurteilen, soll ausgebaut werden. Die Entscheidung darüber liegt bei den Schulen.

 

Keine Zukunftsmusik: 20 %der Schulen sollen bis 2018 umgestellt sein -bis 2025 dann alle.

 


 

"Österreich" vom 06.03.2015                                  Seite 17

 

Nach bundesweit miesem Zeugnis

Niessl bricht Lanze für Neue Mittelschulen

Der Landeschef will genaue Länder-Ergebnisse: "Unsere Schulen sind viel besser."

 

Bgld. Viel Geld wurde in die Etablierung der Neuen Mittelschule (NMS) gesteckt. Und nun soll sie nicht besser sein als die altbekannte Hauptschule. Durch ein ernüchterndes Zeugnis für die NMS wurde dem Prestige-Projekt der SPÖ ein gehöriger Dämpfer verpasst. Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ) ergreift nun Partei für die NMS im Burgenland und ruft auf, "nicht alle Lehrer und Schulen von ganz Österreich in einen Topf zu werfen".

 

Vorbild-NMS. Eine Veröffentlichung aller länderspezifischen Ergebnisse der Evaluierung soll laut Niessl nun beweisen, dass das Projekt nicht überall zum Scheitern verurteilt ist. Die Mittelschulen in Oberwart, Markt Allhau und Oberwart hätten einen österreichweiten Vorbildcharakter, ist der Landeschef überzeugt.

 

Auch die anderen 38 NMS im Land würden erfolgreich laufen. "Ich bin überzeugt, dass das Burgenland mit deutlich besseren Ergebnissen als die anderen Bundesländer hervorsticht."

 

Lösung. Dass sich an der Situation der NMS was ändern muss, bestreitet Niessl nicht: "Hier könnten mehr Schulautonomie und bessere Aus-und Fortbildungsmöglichkeiten für Lehrer helfen."

 

Projekt NMS: Bedeutet ein schlechtes Zeugnis das Aus? LH Hans Niessl will konkrete Ergebnisse aus den Ländern.

 


 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 54 vom 06.03.2015               Seite: 2

 

In Mathe gehen die Leistungen auseinander

Heinisch-Hosek empfiehlt Lehrern, ihren Unterricht zu hinterfragen.

 

   Paris, Wien. Während in anderen Ländern der Geschlechterunterschied der Schüler in Mathematik kleiner wurde, hat er sich in Österreich vergrößert, geht aus einem neuen OECD-Bericht hervor: Hatte der PISA-Test 2003 keinen auffallenden Unterschied in der Mathematik-Leistung der 15-jährigen Buben und Mädchen in Österreich ergeben, zeigte sich beim 2012er-Test eine signifikante Differenz von 22 Punkten; im OECD-Schnitt war sie mit elf Punkten halb so groß.

 

   Reaktion von Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ): Die Art der Präsentation von mathematischen Inhalten kann Geschlechterunterschiede in der Schülerleistung hervorrufen. Lehrer sollten in der Aus- und Weiterbildung verstärkt sensibilisiert werden, das „eigene Verhalten im Unterricht zu hinterfragen und der Übertragung von Geschlechterstereotypen gezielt entgegenzuwirken“. Überzeugt gab sich die Ministerin in einer Aussendung, dass die Zentralmatura mittelfristig zur Verringerung des „Gender Gap“ in Mathematik beitragen wird, da alle die gleichen Aufgaben erhalten und die „Subjektivität der Beurteilung minimiert“ wird., APA

 


 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 54 vom 06.03.2015               Seite: 2

 

Förderstopp für Sprachkurse

Der Integrationsfonds nimmt derzeit keine Förderansuchen an. Verdoppelung der Ansuchen stellt vor massive Herausforderungen und leerte offenbar die Fördertöpfe zu rasch.

 

   Helmut Schliesselberger Wien. Der Österreichische Integrationsfonds (ÖIF) will Zuwanderern in Österreich Information und Unterstützung bei zentralen Lebensthemen anbieten. 65 Prozent der Beratungen beziehen sich auf das Thema Sprache. 95 Prozent des ÖIF-Förderungsbudgets gehen in die Sprachförderung. Doch derzeit ist der ÖIF nicht mehr in der Lage, Förderansuchen für Sprachkurse zu bearbeiten.

 

    Organisationen, die vom Integrationsfonds geförderte Sprachkurse durchführen, fühlen sich im Regen stehen gelassen, betroffene Asylberechtigte auch. „Es laufen Kurse, es starten Kurse, aber wir bekommen vom ÖIF kein Geld mehr“, sagt die pädagogische Leiterin der Salzburger Volkshochschule, Nicole Slupetzky. Man habe diese Woche vom ÖIF erfahren, dass kein Geld da sei. Es gebe ab sofort keine Förderungen mehr, weil der Topf leer und schon zu viel ausgegeben worden sei. Bei der Salzburger Volkshochschule fürchtet man, um 50.000 Euro Kurskosten umzufallen, da es für 110 Teilnehmer in Salzburg ab Herbst nur mündliche Förderzusagen gibt. Bei Kursen, die Anfang dieser Woche begannen, hat es jetzt geheißen, die Teilnehmer müssten den Kurs selbst zahlen.

 

   Beim ÖIF wird bestätigt, dass im März tatsächlich keine neuen Förderanträge angenommen werden, da man frühere Anträge aufarbeiten muss. Ab 1. April können Zuwanderer dann neue Förderanträge stellen. Zudem arbeite man an einer Überarbeitung seiner Förderrichtlinie. Die Sprecherin des OIF dementierte, dass der Fördertopf bald leer sei: „Das stimmt nicht.“ Angesichts einer Verdoppelung der Förderanträge stehe man jedoch vor massiven Herausforderungen – auch finanzieller Natur. Aber: „Alle Kurse, die bewilligt sind, werden bezahlt.“

 

   Donnerstagnachmittag sicherte ÖIF-Geschäftsführer Franz Wolf der Salzburger Volkshochschule nun doch definitiv zu, dass Kurse die bis Ende Februar gelaufen sind, auch bei einer nur mündlichen Zusage vom ÖIF finanziert werden.

 

   Es habe im Jänner und Februar über 3000 Sprachförderungsanträge gegeben, die Hälfte sei bearbeitet und bewilligt worden, was zahlenmäßig eine Verdoppelung bedeute, betont die ÖIF-Sprecherin. Man habe ein Budget von nur 1,2 Mill. Euro für Sprachförderung und werde dies übers Jahr verteilt vergeben. Andere Fördergeber mit größeren Budgets hätten sich aus der Sprachförderung zurückgezogen. Das ÖIF sei „ein kleiner Player“ und nur subsidiär zuständig, wenn AMS oder die Länder nicht förderten.

 

   Auch die Salzburger SPÖ-Vizebürgermeisterin und Integrationsexpertin Anja Hagenauer, betont im SN-Gespräch, dass laut ihren Informationen dem ÖIF das Geld ausgehe. Dabei seien die Flüchtlingsströme aus Krisengebieten, insbesondere Syrien, absehbar gewesen „Dass man das nicht budgetiert hat, verstehe ich nicht.“ Nun müsse man eben nachbudgetieren. In den Sprachkursen müssten Zuwanderer für den Arbeitsmarkt fit gemacht werden. Dafür brauche es das Erreichen des Levels B1, wofür 400 bis 500 Kursstunden notwendig seien. Es sei billiger, zwei, drei Millionen Euro zusätzlich für Sprachkurse auszugeben, da die Menschen dann Zugang zum Arbeitsmarkt hätten und nicht am Sozialamt anstehen müssten.

 


 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 54 vom 06.03.2015               Seite: 2

 

Der Unterschied sind die Kinder

 

   Wo Frauen am weitesten von der Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt entfernt sind und warum.

 

   Wien. Die immer bessere Bildung allein hat es bisher nicht geschafft: Obwohl die Frauen in diesem Punkt die Männer unterdessen recht weit überflügeln, sind sie von der Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt noch deutlich entfernt. Das ist ein Ergebnis des vom Wirtschaftsforschungsinstitut für das AMS entwickelten „Gleichstellungsindex Arbeitsmarkt“.

 

   Vier Themenfelder – Erwerbsarbeit, Einkommen, Bildung und Familie – wurden für die Wifo-Studie durchleuchtet und letztlich zu einem Gesamtindex gebündelt. Der Frauenwert in Relation zum mit 100 Prozent angesetzten Männerwert spiegelt das Geschlechterverhältnis. So schaute es 2013 aus: Frauen erreichen beim Gesamtindex 71 Prozent des Männerwerts. Das heißt: Die Ungleichheit auf dem Arbeitsmarkt lag zuletzt bei 29 Prozent.

 

    Mit Ausnahme Wiens kommt die Studie für die Bundesländer auf recht ähnliche Werte, wobei der Unterschied in Vorarlberg am größten ist (Frauenwert: 63%). In Wien ist der Unterschied signifikant kleiner (Frauenwert: 81%). Julia Bock-Schappelwein vom Wifo führt das auf die vielen in der Bundeshauptstadt versammelten Branchen, die Beschäftigungsmöglichkeiten für Hochqualifizierte und ganztägige kostenlose Kinderbetreuungsmöglichkeiten zurück.

 

    Auch beim Einkommen ist Wien ein Ausreißer. Während die Einkommensindikatoren einen durchschnittlichen Frauenwert für Gesamtösterreich von 67 Prozent ergeben, sind es in Wien 83 Prozent.

 

   Bei der Bildung haben die Frauen die Männer hinter sich gelassen. Die Frauen überschreiten die 100 Prozent der Männer um 18 Prozentpunkte. Das hilft bei der Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt aber so lang nicht, solange der Großteil der Familienarbeit von Frauen erledigt wird. Hier sind die Unterschiede zwischen den Geschlechtern mit Abstand am größten. Exemplarisch sieht man das beim Kindergeld: Alle Varianten zusammengenommen liegt der Frauenanteil bei 83 Prozent, jener der Männer bei 17 – wobei sich für die kürzeste, aber am höchsten dotierte Variante 32 Prozent der Männer, aber nur 17 Prozent der Frauen erwärmen können. Bock-Schappelwein: „Bei der Inanspruchnahme und der Dauer der Karenz sind wir von einer Gleichmäßigkeit am weitesten entfernt.“

 

   Der „Gleichstellungsindex Arbeitsmarkt“ soll nun alle zwei Jahre aktualisiert werden. i.b.

 


 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 54 vom 06.03.2015              Seite: 22

 

Wer soll die Lehrer verwalten? Seit Jahren wird darüber...

 

   Wer soll die Lehrer verwalten? Seit Jahren wird darüber diskutiert! Die derzeitige Lösung ist sinnlos und teuer. Entweder alle Lehrer zum Land oder alle Lehrer zum Bund. Und die bessere Lösung ist die Dezentralisierung. Erspart 35 oder mehr Millionen Euro. Und trotzdem ist die Schule in allen Bundesländern gleich. Auch die Idee der Schulautonomie ist zu unterstützen, allerdings ist die Idee, dass sich die Direktoren ihre Lehrer aussuchen, Unsinn. Wir hätten dann viele Eliteschulen und ebenso viele „Schlechte Lehrer“-schulen.Mag. Franz Karl 1130 Wien Steuerreform auf Etappen Zu „Pröll kann sich Steuerreform auch in Etappen vorstellen“ SN vom 2. 3.: Sollte der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll das an Facetten schon sehr reiche Vorhaben einer bevorstehenden (?) Lohnsteueranpassung in der ORF-„Pressestunde“ am 1. März 2015 wirklich als möglichen Vorgang in Etappen angedacht haben, dann signalisiert eine solche Andeutung einmal mehr, dass eine Lohnsteuerentlastung nur über andere Steuererhöhungen finanziert werden soll, weil die in unserem Land so dringend notwendige Reformen der in unserem Staat überbordenden Bürokratie auf föderalistischer Grundlage nach wie vor kein Thema zu sein scheinen.

 

   Sehr geehrter Herr Landeshauptmann, haben Sie eigentlich noch nicht bemerkt, dass die Kosten einer multiplen beamteten Verwaltung in allen öffentlichen Bereichen – finanziert durch die Lohn- und Einkommenssteuer – längst schon die Kaufkraft der Bürger diese Landes immer mehr schmälert? An eine wirkliche Reform will wohl keiner heran. So verstehe ich Ihre Aussage einer etappenweisen Lohnsteuerreform.

 

   Traurig, aber leider wahr, dass wir mit unseren eigenen Steuern diese Steuerreform finanzieren müssen – und dann noch in Etappen! Die Wirtschaft wird es spüren!M. Lettowsky 2500 Baden Jugendund Politik Das Thema Jugend und Politik ist in letzter Zeit immer interessanter für mich geworden, da ich vor ein paar Monaten 16 Jahre alt geworden bin und somit meine Wahlberechtigung erhalten habe. Doch ist es wirklich sinnvoll, 16-Jährige über Österreich entscheiden zu lassen? Seit 2007 gilt diese Reform für ganz Österreich, doch ist es positiv zu bewerten oder ist es eher ein „Hilfeschrei der Politik“, um junge Wähler auf ihre Seite zu ziehen? Schließlich ist es bekannt, dass die Wahlwerbung immer gezielter auf die jüngere Generation anspielt.

 

   Nun stellt sich die Frage, wie gut sich die Jugendlichen überhaupt mit Politik auskennen. Und ob sie sich mit diesem Thema auseinandersetzen oder einfach dem Bauchgefühl vertrauen und ihr Kreuzchen irgendwo setzen. Meiner Meinung nach ist dies das größte Problem mit der Wahlberechtigung unter dem 18. Lebensjahr. Vielleicht sollte man einmal eine Umfrage machen, bei der festgestellt wird, ob sich die Jugendlichen für Politik interessieren und wie viele 16- und 18-Jährige wählen gehen.Jakob Kreidl, 5161 Elixhausen

 


 

"Oberösterreichische Nachrichten" vom 06.03.2015             Seite: 2

 

Schulautonomie als Rettungsanker

 

   WIEN. Nach dem schlechten Zeugnis für die Neue Mittelschule gilt eines für Politik und Experten gleichsam als Rettungsanker für Verbesserungen im System: ein Ausbau der Autonomie an Schulen. Diese ist in Österreich gering ausgeprägt. Nicht einmal ein Drittel aller schulrelevanten Entscheidungen werden auf Schulebene getroffen, im EU-Schnitt sind es 46 Prozent.

 

   Die Vorschläge der von der Regierung beauftragten Experten für eine neue Schulverwaltung mit mehr Autonomie (die OÖNachrichten berichteten) haben nun offenbar Chancen auf Umsetzung: Grünen-Bildungssprecher Harald Walser sprach gestern von einem "wirklichen Schritt vorwärts". Dazu stünden die Grünen für die notwendige Verfassungsmehrheit bereit.

 

   Mindestgröße für Schulen

 

   Zur Stärkung der Schulautonomie schlagen die Experten vor: mehr "Gestaltungsspielräume mit hoher Verantwortung in den Bereichen Pädagogik, Organisation, Personal und Finanzen" für Schulen. Sie sollen für Dienst- und Fachaufsicht ihrer Lehrer zuständig sein - allerdings in größeren Einheiten. Die Experten empfehlen zumindest eine schulübergreifende Mindestgröße von 200 bzw. in der Oberstufe 400 Schülern pro autonomer Schule.

 

   Auf Länderebene sollen "Bildungsdirektionen", deren Direktoren auf fünf Jahre befristet bestellt werden, die "operative Umsetzung" übernehmen, der Bund steuert zentral. Damit ist Walser noch unzufrieden: Er fordert eine klarere Festlegung der Bundeskompetenz.

 

   Interessantes gibt es im Expertenpapier zur gemeinsamen Schule: eine Empfehlung zur "Reduzierung der Schnittstellen", etwa auf eine bei 14 Jahren. (jabü)

 

   Das Expertenpapier finden Sie auf nachrichten.at

 

Walser mit Verhandlungsangebot

 


 

"OÖ Nachrichten" vom 06.03.2015                              Seite 19 PRO & CONTRA FRAGE DES TAGES

 

Ministerin, reif für den Rücktritt?

Datenlecks, Zentralmatura-Pannen, Kritik an der Neuen Mittelschule-Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek in Not.

 

Pro

 

Jasmin Bürger Innenpolitik-Redakteurin in Wien

 

Keine Lernerfolge

 

Seit 15 Monaten ist Gabriele Heinisch-Hosek Bildungsministerin. Der Start war holprig: Vom Datenleck beim Bildungsforschungsinstitut (Bifie),das für PISA-Test und Bildungsstandards zuständig ist, bis zu den Zentralmatura-Pannen (ebenfalls Bifie) lief 2014 viel schief. Heuer folgte neuer Zentralmatura-Wirbel und nun der Bericht zur Neuen Mittelschule. Die Pannen kann man Heinisch-Hosek nicht persönlich anlasten. Im Krisenmanagement hat sie trotz vieler Gelegenheiten aber nichts gelernt. Von der hektischen, wieder zurückgezogenen Absage der PISA-Teilnahme bis zur Kommunikation zur NMS: Heinisch-Hosek wirkt nicht, als hätte sie das Heft in der Hand. Ganz abgesehen davon, dass sie als Frauenministerin nur noch zum Frauentag auftritt.

 

Contra

 

Wolfgang Braun Ressortleiter Politik

 

Schweres Erbe

 

Gut schaut es nicht aus für die Ministerin. Vor einem Jahr hat sie, kaum im Amt, in einer nicht nachvollziehbaren Panikreaktion die Teilnahme an den PISA-Tests abgesagt-und das wenig später wieder revidiert. Souverän hat das genau so wenig gewirkt wie ihr Umgang mit den Pannen bei der Zentralmatura. Was man ihr jedoch zugutehalten muss, ist, dass sie einen Sack voller Probleme von ihrer Vorgängerin geerbt hat-vor allem bei der Neuen Mittelschule, wo sie auf einen fahrenden Zug aufspringen musste. Aus Schaden wird man klug, heißt es. So gesehen müsste Heinisch-Hosek in ihren ersten 15 Monaten sehr viel gelernt haben. Da wäre es doch schade, wenn sie diese Weisheit jetzt nicht mehr unter Beweis stellen könnte.

 

Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SP)

 


 

"Oberösterreichische Nachrichten" vom 06.03.2015            Seite: 17 Von Dietlind Hebestreit

 

Zu viel Druck: Wenn Schüler knapp vor der Matura das Handtuch werfen

Expertin erklärt, warum die Jungen überlastet sind und wie Eltern das erkennen können

 

      Für Eltern ist es oft ein Schock: Ein Jahr vor der Matura sagt der 17-jährige Sohn, dass er die Schule hinschmeißt. Das kommt immer öfter vor, weiß Marina Gottwald von ihrer Arbeit in der Landesnervenklinik Wagner-Jauregg in Linz. "Eigentlich sind Kinder und Jugendliche leistungsbereit, neugierig und lernfreudig", sagt die stellvertretende Vorsitzende des OÖ Landesverbandes für Psychotherapie. Die Ursache sieht Gottwald in einer Überlastung der betroffenen Jugendlichen: "Die Schüler haben zu wenig Entspannungsphasen und Freizeit, in der sich das Gehirn regenerieren kann. Wenn auf Spannungsphasen keine Entspannung folgt, bricht das System zusammen."

 

   60-Stunden-Woche und mehr

 

   Besonders betroffen seien höhere Schulen wie die Handelsakademie. Dort haben die Schüler oft zwei bis drei Mal pro Woche bis 18 Uhr Schule, dann müssen sie noch Hausübungen machen und lernen - oft auch an den Wochenenden. "Die Arbeitszeit eines Erwachsenen beträgt 38,5 Stunden. Wenn man Lernen als Arbeit sieht, kommen die betroffenen Schüler auf eine 60+-Woche", erklärt die Psychologin und Psychotherapeutin.

 

   Ob es jungen Mädchen und Burschen zu viel wird, müssen Mütter und Väter selbst erkennen, denn oft reden Kinder nicht gerne über ihre Probleme, um die Eltern nicht zu enttäuschen. Folgende Hinweise auf Überlastung sind typisch:

 

   Psychosomatische Beschwerden wie Bauch- oder Kopfschmerzen.

 

   Geändertes Essverhalten: Der Jugendliche isst deutlich mehr oder weniger als bisher.

 

   Versagensängste: Der Schüler befürchtet, die nötigen Leistungen nicht erbringen zu können.

 

   Schlafprobleme: "Acht Stunden plus - minus sind normal", so die Expertin.

 

   Panikattacken.

 

   Angst vor Bloßstellung durch Lehrer oder Mitschüler.

 

   Alkoholmissbrauch: Alkohol wird zu Entspannung konsumiert.

 

   Auch wenn Schüler über Selbstmord sprechen, sollten Eltern das sehr ernst nehmen - sogar wenn es im Streit oder im Affekt passiert. "Ich habe sogar schon Achtjährige erlebt, die versucht haben, sich das Leben zu nehmen", sagt Gottwald.

 

   Wie Eltern ihre Kinder unterstützen können:

 

   Druck herausnehmen. "Es ist kein Verbrechen, sitzen zu bleiben oder schlechte Noten zu haben", sagt Gottwald.

 

   Mit den Schülern ins Gespräch kommen: Den Jugendlichen zugestehen, dass ihr Leben stressig ist und dass sie in der Schule viel leisten müssen.

 

   Eltern sollten mit den Lehrern regelmäßig über Probleme sprechen.

 

   Auf Erholungsphasen zu achten, ist wichtig - nicht erst in den Sommerferien, sondern jede Woche. Schüler brauchen Zeiten, in denen sie nichts tun müssen.

 

   Es darf kurze Stimmungstiefs geben. Wenn aber die Spirale kontinuierlich nach unten führt, sollte professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden.

 

   Auch Lehrer können Schüler auf folgende Art unterstützen: Burschen und Mädchen sollten richtig Lernen lernen; den Umgang mit Stress üben; erkennen, wann der Druck zu hoch ist; lernen, sich selbst einzuschätzen und mit belastenden Gefühlen und privaten Belastungen wie etwa Liebeskummer oder Problemen in der Familie umzugehen. "Die Seele hat genauso wie der Körper Grundbedürfnisse. Kinder und Jugendliche sollten über Psychohygiene (Infokasten oben) Bescheid wissen", sagt Psychotherapeutin Gottwald.

 

Wenn alles zu viel wird: Druck herausnehmen Foto: colourbox.de

 


 

"Oberösterreichische Nachrichten" vom 06.03.2015             Seite: 3

 

Lautlos regieren: Wie Josef Ostermayer als Schlüsselfigur der SPÖ arbeitet

 

   Wien. Peter Altmaier sitzt an der Quelle: Als deutscher Kanzleramtsminister leitet der Christdemokrat die zentrale Koordinierungsstelle der Berliner Regierungspolitik. Haben Ressorts unterschiedliche Auffassungen, zimmert er den Kompromiss. Er ist auch das Scharnier zwischen Regierung, Parlament, Ländern, Sozialpartnern und Zivilgesellschaft.

 

   Josef Ostermayer hat eine ähnliche Arbeitsplatzbeschreibung. Eines unterscheidet den 54-jährigen Burgenländer von seinem deutschen Kollegen: Er ist der politische Lebensmensch seines Vorgesetzten. Seit 27 Jahren folgt er Werner Faymann von einer Stelle zur nächsten. Zu Kollisionen kam es nie: "Ich fühle mich extrem privilegiert, dass mein Chef auch mein Freund ist", sagte er einmal zum langen gemeinsamen Weg.

 

   Als Kanzleramtsminister hat Ostermayer vielfältige Zuständigkeiten: Kunst, Kultur, Verfassung, Kultus, Medien. Auszug aus seinem Programm der letzten Wochen: Bildungsreform, Islamgesetz, Volksgruppenförderung, Amtsgeheimnis, Bundestheater, Presseförderung, dazu die tägliche Routine (Staatspreis für die schönsten Bücher 2014, Verleihung von Professorentiteln etc.).

 

   Um die Ecke denken

 

   Wie schafft "der Blondschopf, in dessen bubenhaftes Gesicht die Falten eines reifen Mannes eingeschrieben sind" ("Die Zeit" in einem Porträt), dieses Pensum?

 

   Immer um halb acht Uhr lässt er sich von seiner Wohnung in Mariahilf abholen, dann hat er durchgehend Termine. Mit dem Kanzler redet er täglich fünf, sechs Mal. Ostermayer ist ein pragmatischer Problemlöser, SP-Mitglied erst seit 2001. Zwar wäre ihm eine sozialdemokratische Welt am liebsten - aber weil er sich die Wirklichkeit nicht aussuchen kann, muss er mit dem zurechtkommen, was ist.

 

   Seine Stärke ist, um die Ecke zu denken; vorauszuahnen, was sein Gegenüber wollen könnte. Er hört allen zu, hat ein gutes Gedächtnis und kennt jede Unterlage. Am Ende seines langen Arbeitstages schleppt er Akten nach Hause, zum Nachtstudium. Mit diesem Wissensvorsprung verblüffte er etwa die Opposition im U-Ausschuss zu Faymanns Inseraten.

 

   Im Umgang mit der Konkurrenz ist er verbindlich; ein lautes Wort ist nie zu hören, außer jemand kritisiert den Kanzler. Eng ist sein Verhältnis zu VP-Justizminister Wolfgang Brandstetter. Auch die VP-Regierungskoordinatorin Johanna Mikl-Leitner schätzt Ostermayers Präzision.

 

   Stadtbekannt ist nur eine Gegnerin: Die Wiener Vizebürgermeisterin Renate Brauner. Mit ihr entzweite er sich vor zwanzig Jahren, angeblich wegen Wohnbaufragen.

 

   Aber sie wird wohl die Kommunalpolitik früher verlassen als er die Bundesregierung.

 

Zwei, die sich "blind verstehen": Kanzler Faymann und sein politischer Lebensmensch Ostermayer

 


 

"Kronen Zeitung" vom 06.03.2015                             Seite: 23

 

Viel Kritik an steirischem Vorzeigeprojekt  „Nicht auf halbem Weg aufgeben“:

Streit um die Neue Mittelschule

 

„Glaubenskrieg“ um die Neue Mittelschule in der Steiermark: Während aus dem roten Polit-Lager Durchhalteparolen ausgegeben werden, nimmt in der schwarzen Reichshälfte die Kritik an diesem Schulmodell zu. Die Leidtragenden sind wieder einmal die Schüler, auf deren Rücken der Streit ausgetragen wird…

 

   250 Millionen Euro teures Prestigeprojekt

 

   In Sachen Neue Mittelschule – kurz NMS – war die Steiermark ja Österreich-Vorreiter, 2008 wurden Graz, Voitsberg und Murau zu Modellregionen. Doch die anfängliche Euphorie istGERALD SCHWAIGER verflogen – das Leistungsniveau der Kinder, die vorher die Hauptschule besucht hatten, ist in der NMS alles andere als besser geworden.

 

   Stimmt nicht, wirft Wolfgang Erlitz, einer der Motoren hinter dem 250-Millionen-Euro-Prestigeprojekt, ein. Das Konzept funktioniere, so der Vizepräsident des Landesschulrats, man dürfe jetzt nicht auf halbem Weg aufgeben.

 

   Dass es jetzt massive Kritik gibt, wundert die Schulrats-Präsidentin indes nicht. Sie habe bereits 2012 davor gewarnt, das Modell zur Regelschule zu erheben, betont Elisabeth Meixner. Ministerin Heinisch-Hosek solle das Konzept überarbeiten und „auf eine vernünftige Basis stellen“. Ihre vielen Pannen stellten eine große Herausforderung dar.

 

   Vor allem im Bereich des Teamteachings gebe es noch Probleme, räumt dann Bildungslandesrat Michael Schickhofer ein: „Daher ist etwa die Fortbildung der Pädagogen entscheidend für den Erfolg der Neuen Mittelschule – und da liegt noch viel Arbeit vor uns!“

 


 

"Kronen Zeitung" vom 06.03.2015                             Seite: 18

 

Experten warnen vor „Sexting“-Folgen

„Kinder wissen oft nicht, was sie tun“

 

„Solche Fotos und Videos verfolgen die Kinder oft jahrelang, teilweise müssen sie deswegen die Schule wechseln.“ Christine Kirchberger-Winkler, Kinder- und Jugendanwältin des Landes, warnt anlässlich des aktuellen Sexting-Falles um eine 13-Jährige, dass viele Jugendliche die Folgen nicht abschätzen können.

 

   Der Fall einer 13-jährigen Linzer Gymnasiastin die – wie berichtet – über WhatsApp Porno-Aufnahmen von sich verbreitet hat, ist leider keine Ausnahme. Das bestätigt die Kinder- und Jugendanwältin Christine Kirchberger-Winkler: „Uns sind einige derartige Fälle bekannt. Wir setzen auf Aufklärung. Unsere Theaterstücke über Kinderrechte im Internet wurden in siebzig Aufführungen von 17.000 Schülern gesehen. Bei den Diskussionen zeigt sich, dass die Kinder teilweise außerstande sind, die Folgen ihres Tuns abzuschätzen.“

 

   Bisher hinkte der Gesetzgeber puncto neue Medien der Alltagsrealität der Teenager hinterher, das allerdings soll sich im Sommer ändern, weiß Kirchberger-Winkler. Dann soll das für Schüler oft allgegenwärtige Cybermobbing, also Hassattacken im Internet, ein eigener Strafbestand werden.

 


 

"Kronen Zeitung" vom 06.03.2015                              Seite 18

 

Post von Jeannée

 

Ganz liebe Gabi Heinisch-Hosek, Sie ham richtig gelesen: Ganz...

. . . Gabi Heinisch-Hosek und nicht, wie gewohnt, das aggressive Frau Unbildungsministerin.

 

Was mit mir los ist?

 

Nun, ganz liebe Gabi Heinisch-Hosek, ich versuch’s bei Ihnen heut halt einmal auf die milde Tour.

 

Schaun S’, Sie sind doch a intelligente Frau mitten im Leben, beseelt von tiefer Liebe zu unserer Jugend

 

. . . wie Sie kurz nach Ihrer Bestellung zu Werner Faymanns neuer Bildungsministerin richtiggehend rührend zu formulieren verstanden:

 

„Am Ende meiner Amtszeit 2018 habe ich die Vision von Kindern, die neugierig in die Schule hineingehen, zufrieden herauskommen, ohne Nachhilfe oder Hausaufgaben, und ihr Tagwerk damit erledigt haben. Der Rest des Tages ist für die Familie.“

 

Ganz liebe Gabi Heinisch-Hosek: So, wie’s jetzt ausschaut, können die Kinder von Glück reden, wenn am Ende Ihrer Amtszeit überhaupt noch genügend Schulen vorhanden sind, in die es sich lohnt, neugierig hineinzugehen.

 

Daher (und weil Sie a intelligente Frau mitten im Leben sind): Haben Sie, beseelt von tiefer Liebe zu unserer Jugend, Erbarmen mit derselben sowie mit Ihrem Kanzler, der die Negativschlagzeilen, die Sie ihm täglich frei Haus liefern, trotz seiner legendären Langmut definitiv leid ist, und – treten Sie zurück.

 

Das wär ganz lieb von Ihnen, ganz liebe Gabi Heinisch-Hosek.

 


 

"Heute" vom 06.03.2015                                        Seite 6

Ressort: Politik

 

Heute Hauptausgabe, Heute Niederösterreich, Heute Oberösterreich

 

Bei der Schulreform

 

Grüne legen sich mit Erwin Pröll an

 

Grünen-Bildungssprecher Walser ist gegen eine "Verbundesländerung" der Schule, wie sie Niederösterreichs Landeshauptmann Pröll will. Walser favorisiert den Expertenvorschlag, der vor allem Schulautonomie empfiehlt.

 


 

"Kleine Zeitung" vom 06.03.2015                              Seite: 6

 

„Zwei Seelen in meiner Brust“

Sachbuchautor Nikolaus Glattauer gibt eine erste Einschätzung des neuen Bildungspapieres.

 

   INTERVIEW

 

   Was halten Sie von dem Bildungspapier? Ein Schritt in die richtige Richtung?

 

   NIKOLAUS GLATTAUER: Das sind sogar zwei, drei Schritte in die richtige Richtung. Die Bildungspflicht halte ich für sehr vernünftig. Man sollte Kinder erst dann aus der Grundschule entlassen, wenn sie reif sind – und nicht, wenn sie automatisch zehn sind. Jemanden so lange in der Grundschule zu lassen, bis er lesen kann, ist sinnvoll.

 

   Und die finanzielle Autonomie?

 

   GLATTAUER: Da sehe ich schon ein Problem auf uns zukommen. Viele Schulleiter verstehen sich in erster Linie als Pädagogen, nicht als Buchhalter. Sie sind auch gar nicht dafür ausgebildet. Meine Schulleiterin hebt die Hände, wenn man ihr sagt, sie hat in Zukunft mit einem riesigen Batzen Geld dafür zu sorgen, die Schule zu managen.

 

   Das eröffnet Gestaltungsspielräume?

 

   GLATTAUER: Bis zu einem gewissen Grad halte ich mehr Kompetenzen für Schulleiter sogar für notwendig, ich denke an die Personalauswahl. Heute kann man einen Lehrer, der nicht zu einem bestimmten Schulprofil passt, nicht woanders hingeben, wo er besser passen würde.

 

   Sollte man Kleinstschulen schließen, die viel Geld kosten?

 

   GLATTAUER: Da wohnen zwei Seelen in meiner Brust. Auf der einen Seite sind Minischulen unrentabel und oft der Willkür der Gemeinde ausgesetzt. Auf der anderen Seite ist es problematisch, wenn man Kinder ewig durch die Gegend kutschieren muss.

 

   Wo müsste man noch ansetzen?

 

   GLATTAUER: Wenn die Schulleitung durch Proporz festgelegt wird, kann man es gleich vergessen. Ich warne allerdings davor, mit dem Schlagwort der Autonomie denselben Fehler zu begehen wie bei der Neuen Mittelschule, wo völlig falsche Erwartungen geweckt worden sind, die nur enttäuscht werden konnten.

 

   Wie meinen Sie das? Haben Sie den Eindruck, dass sich in der Substanz was bewegt? Oder sind das alles nur schöne Papiere?

 

   GLATTAUER: Ich habe schon den Eindruck, dass viel passiert. Meiner Meinung nach ist was anderes entscheidend: Es muss die Trennung der Kinder nach der Volksschule beendet werden. Solange das nicht passiert, bleibt alles nur Stückwerk.

 

   INTERVIEW: MICHAEL JUNGWIRTH

 


 

"Kleine Zeitung" vom 06.03.2015                              Seite: 6 MICHAEL JUNGWIRTH

 

Schulstart erst um 8 Uhr 30

Nach dem Flop bei der Neuen Mittelschule kündigt sich eine Bildungsrevolution an. SPÖ und ÖVP haben ein Bildungskonzept ausarbeiten lassen, das Schulen größte Autonomie einräumt.

 

   Schulpolitik ist in diesen Tagen eine Hochschaubahn der Gefühle. Zu Wochenmitte wurde der Neuen Mittelschule in einem 470-seitigen Bericht ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt. Jetzt sickert ein Expertenpapier unter dem Titel „Freiraum für Österreichs Schulen“ durch, das SPÖ und ÖVP im Herbst in Auftrag gegeben hatten und in den nächsten Wochen von der großkoalitionären Bildungsgruppe, der auch Erwin Pröll angehört, prioritär behandelt werden soll. „Ich habe meinen Augen nicht getraut, als ich es gelesen habe“, meinte der stets kritische, grüne Bildungssprecher Harald Walser. „Das Papier atmet einen neuen Geist.“ Zu den Eckpunkten des Papiers, das der Kleinen Zeitung vorliegt.

 

   SCHULPFLICHT: Die klassische Schulpflicht wird abgeschafft, stattdessen wird die Bildungspflicht (bis 14) und die Bildungsgarantie (bis 18) eingeführt. Schüler verlassen etwa erst dann die Volksschule, wenn sie schreiben, rechnen und lesen können – und nicht automatisch mit zehn Jahren oder nach der vierten Klasse.

 

   AUTONOMIE: Das ist das Kernelement des neuen Konzepts. Der Bund legt die Bildungsziele fest, den Schulen wird die Verantwortung für Pädagogik, Organisation, Personal und Finanzen übertragen.

 

   SCHULSTUNDEN: Die Schulen sollen autonom den Tagesablauf fixieren können. Sie sollen etwa selbst entscheiden können, ob sie an der 50-Minuten-Stunde festhalten wollen oder nicht, ob sie den Unterricht blocken wollen, wie die Unterrichtseinheiten über den Tag verteilt werden.

 

   LEHRSTOFF: Die Schulen können zu 25 Prozent vom vorgeschriebenen Lehrplan abweichen und eigene Schwerpunkte setzen.

 

   ÖFFNUNGSZEITEN: Die Schulen sollen – im Sinn der Ganztagsbetreuung für Kinder von berufstätigen Eltern – bereits um sieben Uhr früh öffnen und um 18 Uhr schließen. Der Unterricht beginnt allerdings erst um 8 Uhr 30 und endet um 16 Uhr 30.

 

   FREIE TAGE: Die fünf schulautonomen Tage werden gestrichen, dafür haben Schüler Anspruch auf fünf Freitage im Laufe eines Schuljahrs.

 

   DIREKTOREN: Schulleiter sollen befristet, nämlich nur auf fünf Jahre, bestellt werden. Eine Verlängerung ist natürlich möglich. Den pragmatisierten Direktor gibt es dann nicht mehr.

 

   PRÄMIEN: Die Direktion kann Leistungsprämien für besondere pädagogische Leistungen vergeben. KLEINSCHULEN: Österreich zählt 242 Volksschulen mit nur einer Klasse. Die Experten meinen allerdings, eine Volksschule sollte eine Mindestgröße von 200 Schülern, ein Gymnasium eine Größe von 400 Schülern anpeilen. Kleine Standorte sollen nicht geschlossen werden, sondern wie in Niederösterreich im Verbund (ein Direktor für drei oder vier Schulen) zusammengefasst werden.

 

   QUALITÄTSSICHERUNG: Eine Schlüsselrolle spielt eine neu einzurichtende Qualitätssicherungsstelle. Die Grünen wollen hierfür eine unabhängige Stelle schaffen.

 

   BILDUNGSDIREKTIONEN: Im Sinn der Verwaltungsvereinfachung sollen auf Landesebene Bildungsdirektionen eingerichtet werden, die den Landeshauptleuten unterstellt sind. Die Landesschulräte in der bisherigen Form werden abgeschafft. Die Länder wären für die Schulerhaltung und die gesamte Personalbewirtschaftung zuständig.

 

   ZEITPLAN: Die Experten gehen davon aus, dass die Umsetzung des Konzepts rund zehn Jahre braucht (wie einst in Finnland).

 


 

"Kleine Zeitung" vom 06.03.2015                             Seite: 10 MICHAEL JUNGWIRTH

 

DENKZETTEL

Pleite-Ministerium

 

   Die Politik legt in diesen Tagen einen bildungspolitischen Parforceritt hin. Da stellt zunächst eine Expertengruppe der Neuen Mittelschule ein vernichtendes Zeugnis aus – nicht, weil das Konzept schlecht ist, sondern weil der Bund das Projekt nicht professionell genug umgesetzt hat. Wäre Claudia Schmied noch Unterrichtsministerin, müsste sie wohl den Hut nehmen.

 

   Nun sickert ein anderes Expertenpapier durch, das sogar dem grünen Bildungssprecher Walser, der nie zimperlich mit der Regierung umgeht, Respekt abverlangt. Das Konzept sieht eine weitgehende Schulautonomie und eine Komplettreform der Schulverwaltung vor. Jetzt wird sich die koalitionäre Bildungsgruppe, der Leute wie Erwin Pröll angehören, der Thematik annehmen. Die ersten Signale, die man aus SPÖ und ÖVP vernimmt, stimmen hoffnungsfroh.

 

   Nur: Nach PISA, Zentralmatura, Bifi und Neuer Mittelschule ist zu befürchten, dass das Bildungsministerium auch dieses Projekt in den Sand setzen würde. Größeren Reformbedarf als das Schulsystem hat derzeit wohl das Bildungsministerium.

 


 

"Kleine Zeitung" vom 06.03.2015                             Seite: 14               SONJA HASEWEND

 

AUFWECKER

Nur das Beste

 

   Die Neue Mittelschule, einst Prestigeprojekt und mit viel Euphorie gestartet, ist auf dem Boden der Tatsachen angekommen: Die Revolution ist ausgeblieben, auch wenn sich in den Schulen eine neue Lernkultur etabliert hat.

 

   Die Lehrer an ihrer Schule leisten tolle Arbeit, erzählt eine Pädagogin, die an einer Grazer Neuen Mittelschule unterrichtet. Doch was in der Theorie gut klingt, ist nicht immer realistisch. So hänge zum Beispiel der Erfolg des Teamteachings stark davon ab, ob sich zwei Lehrer verstehen, die gemeinsam unterrichten – oder ob sie Konflikte mit in die Klasse tragen.

 

   Es ist auch schwierig, Schülerleistungen stark zu verbessern, wenn die Leistungsstärkeren gar nicht da sind. Das ist in städtischen Neuen Mittelschulen oft der Fall. Das Prinzip, dass Starke die Schwächeren mitziehen, bleibt dabei eine Utopie.

 

   Eltern in den Städten, die höhere Bildung für ihre Kinder wünschen, versuchen weiterhin alles, um ihre Kinder in ein Gymnasium zu bringen. Den Eltern ist das nicht vorzuwerfen, sie wollen lediglich das Beste für ihren Nachwuchs.

 

   Sie erreichen die Autorin unter   sonja.hasewend@kleinezeitung.at

 


 

"Kleine Zeitung" vom 06.03.2015                             Seite: 16

 

Hauptschulen sind bis 2018 Geschichte

Neue Mitteschule ist seit 2012 ein eigener Schultyp.

 

   HINTERGRUND

 

   Die Neue Mittelschule (NMS) ist seit 2012 ein eigener Schultyp für die 10- bis 14-Jährigen und tritt bis 2018 sukzessive an die Stelle der Hauptschule. Die NMS begann als Modellversuch im Jahr 2008 an 67 Standorten.

 

   Die wichtigsten Unterschiede zur Hauptschule: Für temporäre Gruppenbildung, Förder- und Leistungsmaßnahmen oder Teamteaching mit zwei Lehrern in der Klasse gibt es Zusatzmittel. Im Gegensatz zur Hauptschule sind keine fixen Leistungsgruppen vorgesehen.

 

   Die NMS erhalten vom Bund sechs Zusatzstunden für „pädagogische Fördermaßnahmen“ in den Gegenständen Mathematik, Deutsch und Englisch. Diese zusätzlichen Ressourcen können für die Besetzung dieser Fächer mit je zwei Lehrern (Teamteaching) eingesetzt werden oder aber für Individualisierung, differenzierten Unterricht in der Klasse, Begabungs- und Begabtenförderung, inklusive Pädagogik, Förderung in temporären Schülergruppen sowie für Förder- und Leistungskurse.

 

   Grundidee der NMS war der gemeinsame Einsatz von Hauptschul- und AHS- oder BMHS-Pädagogen in Mathematik, Deutsch und Englisch. Nach wie vor unterrichten an fast der Hälfte der NMS-Standorte keine AHS-oder BMHS-Lehrer.

 


 

"Kleine Zeitung" vom 06.03.2015                             Seite: 16 SONJA HASEWEND

 

Von Besseren lernen geht so nicht

Im urbanen Raum stehen Neue Mittelschulen vor ähnlichen Problemen wie eh und je: Die Leistungs- stärkeren bleiben weg.

 

   Für mich ist das Ergebnis nicht überraschend.“ Kurt Hofmann sitzt im Direktorsbüro der Neuen Mittelschule (NMS) Kepler in Graz und schüttelt den Kopf. Der von der Regierung in Auftrag gegebene Evaluierungsbericht hat den Neuen Mittelschulen ein ziemlich schlechtes Zeugnis ausgestellt: Wie berichtet hat sich demnach zwar der Unterricht verbessert, durchgehend bessere Leistungen erbringen die Schüler jedoch nicht.

 

   Schulleiter Hofmann sieht das Problem im System: „Solange mit zehn Jahren selektiert wird, wird sich nichts grundlegend ändern“, sagt er. Schließlich bestünden mit Neuen Mittelschulen und AHS-Unterstufen weiterhin zwei Parallelsysteme. „Warum sollten in den Ballungsräumen Kinder mit sogenannter AHS-Reife plötzlich die Schulen wechseln?“

 

   Durchmischung

 

   Das steht auch im Evaluierungsbericht: „Der Anspruch, eine sozial und mit Blick auf Bildungsvoraussetzungen ausgewogen durchmischte Schülerschaft anzuziehen, konnte – von einzelnen Standorten abgesehen – nicht eingelöst werden.“

 

   Auf dem Land gibt es Neue Mittelschulen, die tatsächlich von Schülern aller Leistungsniveaus besucht werden. Die NMS 1 Deutschlandsberg ist eine von ihnen. Im Bezirk gibt es keine AHS-Langform, also kein Gymnasium mit Unterstufe. „Nahezu hundert Prozent der 10- bis 14-Jährigen im Raum Deutschlandsberg besuchen die Neue Mittelschule“, sagt Josef Hirsch, Direktor der NMS 1. Er fühlt sich von der Kritik nicht betroffen.

 

   „Bei uns ist die Situation eine andere. Wir haben ja faktisch eine Gesamtschule. Unser Bestreben war, die Leistungsschule aufrechtzuerhalten.“ Positiv ist für Hirsch, dass die Neue Mittelschule „Anstöße zu neuen Lernformen“ gibt. Statt der Leistungsgruppen gebe es nun Schwachen- und Begabtenförderung. Seine Schule biete auch gleiche Inhalte an wie die Gymnasien.

 

   Vererbte Bildung

 

   In Graz herrschen andere Rahmenbedingungen. „Die Idee der Neuen Mittelschule war, dass schwächere Schüler von den besseren lernen“, sagt Hofmann. „In Graz gehen aber die besseren Schüler in die AHS.“

 

   Bildung wird in Österreich tendenziell vererbt. Oft verhindern mangelnde Deutschkenntnisse schulischen Erfolg. In Hofmanns NMS Kepler tummeln sich Kinder unterschiedlichster Nationalitäten. Gut findet der Direktor, dass in der NMS die Stundentafeln bis zu einem gewissen Grad autonom gestaltet werden können. So kann es zum Beispiel bei Bedarf mehr Deutschstunden geben, auch wenn das zulasten anderer Gegenstände geht. „Aber sicher, noch mehr Deutsch wäre immer wünschenswert“, sagt er.

 

   Die NMS Graz-Kepler hat sich bei der Umstellung auf die Neue Mittelschule leichtergetan als andere. Sie ist eine der Pilotschulen, an denen die Inhalte der Neuen Mittelschule schon lange erprobt wurden.

 

   Euphorie ist weg

 

   Schon seit vielen Jahren gibt es an diesen Pilotschulen offenes Lernen, innere Differenzierung ohne Leistungsgruppen und Teamteaching mit zwei Lehrern in einer Klasse. Die anderen Schulen, die erst später auf die Neue Mittelschule umgestellt haben, mussten sich erst mit dem System vertraut machen.

 

   Die große Euphorie des Beginns, als die Neue Mittelschule eingeführt wurde, sei jedenfalls nicht mehr da, sagt Hofmann. Er hätte sich eine Evaluierung schon früher gewünscht, bevor die Neue Mittelschule 2012 zur Regelschule wurde. Die alte Hauptschule wünscht er sich trotzdem nicht zurück.

 


 

"Kleine Zeitung" vom 06.03.2015                             Seite: 24 LISA HOLZFEIND

 

Ganztagsschule wird zum Trend

Für die Ganztagsschule in Feldkirchen gibt es für kommenden Herbst so viele Anmeldungen wie noch nie. Situation hat sich nach Schulzusammenlegung mit Volksschule 2 gebessert.

 

   Im September des Vorjahres wurden die Volksschulen 1 und 2 zusammengelegt. Wie berichtet, suchten damals acht Lehrerinnen der Volksschule 2 um Versetzung an, da sie angeblich mit der Schulleitung nicht mehr zufrieden waren. Es kam schlussendlich zur Abberufung der Direktorin und zu der Zusammenlegung. Die Direktorin der angrenzenden Volksschule 1, Margot Stern-Isak, war plötzlich für insgesamt 15 Klassen zuständig.

 

   Jetzt sei wieder Ruhe eingekehrt, sagt Stern-Isak: „Wir arbeiten als Team zusammen und nicht als Einzelkämpfer. Es gibt auch regelmäßige Besprechungen.“ Abgesehen davon gäbe es noch eine gute Nachricht zu vermelden, denn über 50 Prozent der insgesamt 82 Schuleinschreiber werden ab Herbst die dortigen Ganztagsklassen besuchen: „Das ist ein absoluter Rekord. Es klingt vielleicht eingebildet, aber wir führen das unter anderem auf die gute Qualität in unserer Schule zurück“, sagt Stern-Isak. Anfangs hätten die Eltern nur das Konzept der Ganztagsklassen gekannt: „Jetzt haben sie Erfahrungswerte.“ Mittlerweile sei es sogar so, dass sowohl hochbegabte Kinder als auch Kinder mit Förderbedarf ganztags in die Schule gehen. „Der Vorteil der Ganztagsschule ist, dass die Klassenlehrerin immer vor Ort ist und entscheiden kann, ob die Kinder noch üben müssen oder ob sie mit dem Stoff schon weitergehen kann“, sagt Stern-Isak. Viel Wert lege man auch auf die Interessen-und Begabungsförderung: „Ich habe einmal zusammengerechnet, wie viele Stunden wir dafür aufwenden. Insgesamt sind es 1700 Stunden im Jahr.“ Konkret beinhalten diese Förderungen unter anderem die Bereiche Forschen, Mathematik, aber auch Bewegungseinheiten wie das Zirkusturnen, das mit einem Kooperationspartner angeboten wird.

 

   „Anfang war schwer“

 

   Die Ganztagsschule in Feldkirchen, die vor fünf Jahren installiert wurde, war die erste in Kärnten. Ab Herbst wird dann unter anderem in St. Veit eine Ganztagsklasse installiert. Am Anfang sei es laut Stern-Isak in Feldkirchen schwer gewesen, Lehrer für das Ganztagsmodell zu finden: „Mittlerweile sehen sie aber die Vorteile.“ Dass aus der Ganztagsklasse eine fixe Einrichtung werden soll, wie es sie jetzt bei der Neuen Mittelschule geben soll, davon hält Stern-Isak aber nichts: „Ich habe Angst vor einer Massenproduktion, weil das im Sinne der Qualität nicht gut sein würde. Die Eltern sollten weiterhin freie Wahl haben. Es sollte aber wenigstens in jedem Bezirk eine Ganztagsklasse geben, immerhin sehe ich das als Trend. Dass es jetzt auf einmal so massiv angenommen wird, hat aber auch mich überrascht.“ Nicht nur Direktoren von Neuen Mittelschulen, sondern auch andere Interessierte kommen nach Feldkirchen, um sich das Ganztagsmodell näher anzuschauen.

 

   Im Herbst 2017 soll die Volksschule dann in das neue Schulzentrum gegenüber übersiedeln. Die letzten Verhandlungen, bei denen man noch Wünsche anbringen konnte, seien laut Stern-Isak gut verlaufen. Vier Freizeiträume und zusätzliche Nischen sind dort für die Ganztagsschüler reserviert.

 


 

"Format" Nr. 10/2015 vom 06.03.2015                    Seite: 16,17 Stefan Knoll

 

Standort

Die Kosten der Kompromisse

Österreich rutscht im Deloitte-Standort-Ranking weiter ab. Der Grund: Reformstau: Die Ursache: viele Kompromisse im politischen Räderwerk. Und die gehen auch ins Geld.

 

   Bekannte Hiobsbotschaften, ein Vertrauensvorschuss und ein Hoffnungsschimmer: So lässt sich das aktuelle Standort-Ranking von Deloitte zusammenfassen. Positiv wertete die Wirtschaftsprüfungskanzlei den Bericht der Griss-Kommission und die "sachliche Debatte“ zur Steuerreform - gemeint war die Expertenkommission im Vorfeld der politischen Debatte. Das war’s dann aber auch schon mit den Good News für den Standort. Österreich rutscht auch im Deloitte-Ranking weiter ab. "Dringender Handlungsbedarf“ wird bei der Abgabenquote und im Steuersystem geortet. "Handlungsbedarf“ gibt es in den Bereichen Bildung und der Verfügbarkeit hochqualifizierter Arbeitskräfte. Und auch die Staatsausgaben werden kritisch bewertet. Macht insgesamt 3,00 von fünf möglichen Punkten (2013: 3,14).

 

   Wir bleiben also weiter "abgesandelt“, wie Wirtschaftskammer-Chef Christoph Leitl sagen würde. Seit 2012 spielt Österreich in internationalen Wettbewerb-Rankings nicht mehr in der Liga der Top 20 mit. Dafür gibt es viele Gründe. Oder einen einfachen: Reformstau.

 

   Und dessen Ursache ist der Kompromiss. Denn politische Prozesse stoßen hierzulande schnell an ideologische und/oder strukturelle Grenzen. Oder auch gleich an neun - Landesgrenzen nämlich. Ein schönes Beispiel liefern die aktuellen Verhandlungen zwischen Finanzministerium und den Bundesländern über deren Bilanzen. Die sollen nämlich endlich einheitlich und transparent werden: Kredite und Veranlagungen nicht zum Ausgabepreis eingepreist, Haftungshöhen nicht mehr mittels "Risikogewichtungen“ nach unten nivelliert werden können. Eigentlich wollte man diese Punkte schon nach dem Salzburger Spekulationsskandal im Dezember 2012 erledigen. Ein "Spekulationsverbot“ genanntes Regelwerk sollte verhindern, dass 350 Millionen Euro hohe Schuldenberge einfach übersehen werden. Aber dazu kam es nicht. Aus dem Regel- wurde ein Stückwerk. "Wir haben nach wie vor keinen Überblick“, bilanziert Bernhard Felderer, Chef des Fiskalrates. Eine wasserfeste Rechnungslegung scheiterte bislang am Widerstand der Länder. Deren Finanzdirektionen melden ihre Haftungen zwar mittlerweile an die Statistik Austria. Aber die Angaben sind nicht überprüfbar. Die Gemeinden ziehen bei Veranlagungen externe Berater bei. Doch die Grundlage bildet eine Empfehlung des Gemeindebundes, und kein Gesetz. Kostenfaktor gesamt: uneinschätzbar.

 

   Ein weiteres Beispiel sind die Landesförderungen. Subventionen für Mehrwegwindeln, Kfz-Anschaffung, Hausrat & Co sollten ab 2011 in eine Transparenzdatenbank eingespeist werden. Ein Ende der Mehrfachförderungen versprach Finanzminister Josef Pröll. Zwischen 3,5 und fünf Milliarden Euro könnten eingespart werden, schätzte das Wirtschaftsforschungsinstitut damals . Eine funktionierende Umsetzung fand aber bis heute nicht statt.

 

   Im Bund trägt "Großkoalitionitis“ die Hauptschuld daran, dass bei den großen Reformbereichen kaum etwas weitergeht. Stichwort: Pensionen. 10,2 Milliarden Euro musste der Bund im Vorjahr zu den Pensionsversicherungsbeiträgen im ASVG-Bereich zuschießen. Die Auszahlungen stiegen brutto um 610 Millionen Euro. Gleichzeitig hat sich die Koalition im Regierungsprogramm einen schrittweisen Anstieg des faktischen Antrittsalters von 58,4 auf 60,1 bis 2018 vorgenommen, also umgerechnet eine Erhöhung um 17 Wochen pro Jahr. 425 Millionen Euro an Einsparungen würde das jährlich bringen, hat Neos-Sozialsprecher Gerald Loacker errechnet. Doch die Umsetzung scheitert am Bonus-Malus-System, mit dem Unternehmen ihre älteren Arbeitnehmer im Betrieb halten sollen. Die Wirtschaftskammer blockiert es erfolgreich. So lange sind auch "Maßnahmen“ obsolet, die die Regierung ab 2016 im Fall eines Abweichens vom Pensionspfad ergreifen soll.

 

   Selbes Thema, andere Baustelle: die Luxus-Pensionen. Sie sollten nach dem Auffliegen des von FORMAT aufgedeckten Skandals um Nationalbank-Luxusrentner um bis zu 25 Prozent gesenkt werden. Dank Staffelung muss selbst der Ex-OeNB-Präsident Adolf Wala nur mit 18 Prozent Abschlägen rechnen. Was in seinem Fall immer noch eine kalkulatorische Rente von 26.000 Euro ergibt. Und dank großzügiger Ausnahmen und der Ausklammerung sämtlicher Landes- und Kommunalbetriebe sowie einiger ausgelagerter Staatsbetriebe stehen den sieben Millionen Euro an Einsparungen laut Pensionsexperten Bernd Marin weiterhin jährliche Zusatz-Ausgaben von 600 Millionen Euro gegenüber.

 

   Stichwort: Bildung. Der kleinste gemeinsame Nenner für die Gesamtschule heißt Neue Mittelschule (NMS). Alleine zwischen und 2008 und 20012 kostete der Schulversuch 114 Millionen Euro. 250 Millionen Euro sollen es bis zum Endausbau 2018 sein. Ein aktueller interner Evaluierungsbericht des Bildungsministeriums stellt der NMS ein vernichtendes Urteil aus: Insgesamt gebe es "keine belastbaren Hinweise“ dafür, dass die Schulform qualitativ besser sei als die Hauptschule.

 

   Zahlen-Voodoo. Der Deloitte-Bericht attestiert der Republik, zu viel Geld in Reparaturmaßnahmen stecken. Bei der Gegenfinanzierung greift man dann gerne zu Zahlen-Voodoo: Finanzministerin Maria Fekter wollte 2012 den Mehrbedarf bei der "Bad Bank“ der Kommunalkredit mit der Vorwegbesteuerung der Pensionskassen abfangen. 900 Millionen Euro sollte das bringen. Es wurden knapp 250 Millionen. Die Abgeltungssteuer mit der Schweiz sollte eine Milliarde bringen (750 Millionen flossen ins Budget), jene mit Liechtenstein brachte statt 500 nur 264 Millionen Euro.

 

   Mit der Steuerreform steht die Reformfähigkeit der Regierung derzeit wieder auf dem Prüfstand. Und das Kleinklein um die Gegenfinanzierung lässt Schlimmes erahnen. Sieht wieder einmal nach faulen Kompromissen aus.

 


 

 

 

 

 

 

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