Donnerstag, 5. März 2015

ORF Bildung Nachtrag 4. März 2015


 

ORF ONLINE  04.03.2015

 

NMS nur neues Kürzel für alte Probleme?

Das einstmals zwischen SPÖ und ÖVP umkämpfte Projekt Neue Mittelschule (NMS) ist durch den nun veröffentlichten unerfreulichen Evaluierungsbericht offenbar nicht gefährdet. Die ÖVP machte am Mittwoch klar, dass sie dem Schulmodell weiterhin keine große Liebe entgegenbringt, aber statt einer Kehrtwende vor allem rasche Verbesserungen an bestehenden Mankos fordert.

 

ÖVP-Bildungssprecher Harald Mahrer erklärte gegenüber dem Ö1-Mittagsjournal, vor allem die Schulautonomie und die Elementarpädagogik müssten besser aufgestellt werden. Ein Zurück gebe es zum derzeitigen Moment ohnehin nicht: „In dem Moment, wo ein Schulsystem - die Hauptschule - in die Neue Mittelschule umgewandelt wird, kann man das wie bei einer Operation am offenen Herzen nicht stoppen“ - mehr dazu in oe1.ORF.at.

 

In Wahrheit ein Konflikt ums Geld

Die SPÖ steht ohnehin weiter zur NMS. Bildungssprecherin Elisabeth Grossmann erklärte per Aussendung ebenso wie gegenüber Ö1, man müsse bei dem an sich richtigen Konzept nur „nachschärfen“ und die Ressourcen effizienter und zielgerichteter einsetzen: „Da müssen wir weitergehen - keinen Schritt zurück, das wäre fatal.“ Ressourcen sollten zudem „auch nach den jeweiligen Herausforderungen am Schulstandort verteilt“ werden, so Grossmann weiter. Mahrer setzte dem die Forderung nach mehr „Autonomie“ entgegen.

SPÖ und ÖVP meinen damit in Wahrheit das Geld und seine Verteilung beziehungsweise Umverteilung. Auch der Bericht offenbarte Schwächen der NMS vor allem bei vormaligen Hauptschulen im urbanen Raum. „Es hat früher sehr gute Hauptschulen gegeben, die tolle Ergebnisse geliefert haben. Die gibt es jetzt auch, nur heißen sie halt Neue Mittelschulen“, meinte Mahrer gegenüber der APA am Mittwoch. „Und es gab welche mit Problemen unterschiedlicher Art. Die heißen jetzt eben auch Neue Mittelschulen.“

 

„Vielleicht teilweise zu rasch“ umgesetzt

Von Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) gab es fast 24 Stunden lang keine Reaktion zum Evaluierungsbericht. Mittwochnachmittag erklärte sie schließlich in einer Aussendung, die Neue Mittelschule (NMS) sei „ein starkes und gutes Projekt“. Die Evaluierung der Schulform habe „gezeigt, wo noch nachzubessern ist, doch die deutliche Verbesserung des Schulklimas und der Schulkultur zeigen den richtigen Weg“, so die Ministerin. Sie plädiert für eine „Weiterführung und noch bessere Umsetzung“.

Die unterschiedlichen Standpunkte von SPÖ und ÖVP bildeten sich auch in der Landespolitik ab. Im Burgenland verteidigte etwa der Landesschulrat die NMS, während die ÖVP Mängel bei der Umsetzung des Modells durch den Bericht als erwiesen ansah - mehr dazu in burgenland.ORF.at. In der Steiermark gestand SPÖ-Bildungslandesrat Michael Schickhofer aber ein, dass das NMS-Modell „vielleicht teilweise in der Umsetzung zu rasch gegangen“ ist - mehr dazu in steiermark.ORF.at.

 

Auch Lehrer gegen „Abdrehen“

Die ÖVP-dominierte Lehrergewerkschaft ist allerdings ebenso gegen das „Abdrehen“ der NMS, wie Lehrervertreter Paul Kimberger am Mittwoch betonte. Er zeigte sich darüber hinaus vom schlechten Zeugnis für die NMS wenig beeindruckt. Dieses könne „nur Schreibtischattentäter und manche Theoretiker in den Schulbehörden“ überraschen, so auch Kimberger unter Verweis auf die „Inhomogenität der Gruppen“: Ohne Differenzierung zwischen einzelnen Schulstandorten und deren spezifischen Problemen werde man „nicht auskommen“.

Im Hinblick auf die „überfallsartige flächendeckende Einführung“ der NMS weist der Gewerkschafter darauf hin, dass sich Veränderungen im Bildungssystem nur langsam einstellen. Von vielen Seiten werde ihm allerdings bestätigt, dass sich hier in Bezug auf eine neue Lernkultur vieles entwickle, „aber das braucht noch Zeit“. Auch die Salzburger NMS-Direktorin Edeltraud Fellner meint, für eine Evaluierung sei es so kurz nach der Umstellung noch zu früh - mehr dazu in salzburg.ORF.at.

 

Experte sieht bildungspolitischen „Blödsinn“

Der Bildungsexperte Stefan Hopmann zeigte sich gegenüber der APA überhaupt überrascht, dass die „Anfangsdelle“ zum Start der NMS laut dem Bericht nicht größer ausfiel. Wer glaube, dass sich durch eine Gesetzesänderung Schülerströme verändern oder kurzfristige Leistungszuwächse erzielen lassen, „ist auf dem falschen Dampfer und versteht nichts von Schule“, so Hopmann. Auch aus seiner Sicht war die Fixierung der NMS als Regelschule im Jahr 2012 „voreilig“ und das Gesetz dafür ohnehin schlicht „blödsinnig“.

Durch das Gesetz seien Sachen „eingefroren und vorgeschrieben worden, die überhaupt nicht notwendig waren und die Schulen direkt daran gehindert haben, zum Teil zu tun, was für den jeweiligen Standort richtig gewesen wäre“, so Hopmann. Misserfolge des Modells nun auf die einzelnen Schulen abzuwälzen, will er nicht gelten lassen. Vielmehr müsse die Politik sicherstellen, dass jede Schule sich „die richtige Lösung schneidern“ könne: „Die sieht nun mal in Simmering anders aus als in Hermagor und dort wieder anders als in Feldkirch.“

 


 

ZIB 13 vom 04.03.2015 13.00 Uhr

 

Evaluierungsbericht: Schlechtes Zeugnis für NMS

 

Fenderl Birgit (ORF)

   Sie ist das Prestigeprojekt der österreichischen Bildungspolitik - die Neue

   Mittelschule, kurz NMS. Die Erwartung, die in sie gesetzt werden, kann sie

   aber offenbar nicht erfüllen. Ein erster Evaluierungsbericht stellt der

   Neuen Mittelschule kein gutes Zeugnis aus. Sie sei jedenfalls nicht besser

   als die herkömmliche Hauptschule, heißt es.

 

Hofer Jörg (ORF)

   Bis 2018 soll die Neue Mittelschule die Hauptschule ablösen. 250 Millionen

   Euro sind dafür veranschlagt. Der bereits seit längerem erwartete

   Evaluierungsbericht - untersucht wurden nur die erste und zweite Generation

   NMS - fällt enttäuschend aus. Zentraler Befund:

 

OFF Sprecher (ORF)

   Insgesamt gibt es keine belastbaren Hinweise, dass das Niveau der NMS im

   Durchschnitt über jenem vergleichbarer Hauptschulen liegt.

 

Hofer Jörg (ORF)

   Und weiter:

 

OFF Sprecher (ORF)

   Vielmehr bestehen Zweifel, ob dieses Niveau an allen Standorten tatsächlich

   erreicht wird.

 

Hofer Jörg (ORF)

   Die Ursache für das schwache Ergebnis sei nicht zuletzt die mancherorts

   mangelhafte Umsetzung, heißt es in dem Bericht weiter. Dort, wo die Neue

   Mittelschule so läuft wie vorgesehen, sind die Ergebnisse laut

   Evaluierungsbericht gut. Im Bildungsministerium, das die Evaluierung der

   NMS in Auftrag gegeben hat, wird der Bericht heute mit den

   Bildungsreferenten der Länder diskutiert.

 


 

ZIB 17 vom 04.03.2015 17.00 Uhr

 

Evaluierungsergebnis der Neuen Mittelschule

 

Hazivar Rainer (ORF)

   Ein erster Evaluierungsbericht stellt der Neuen Mittelschule kein gutes

   Zeugnis aus. Zwar sei die Gewalt an den Schulen zurückgegangen, insgesamt

   erfüllt sie die Erwartungen in zentralen Bereichen aber nicht. Dabei ist

   ihr Ausbau bereits fixiert: Das Prestigeobjekt der österreichischen

   Bildungspolitik soll bis 2018 flächendeckend ja alle Hauptschulen ersetzen.

 

Bernhart Katharina (ORF)

   Der Bericht hat die erste und zweite Generation der Neuen Mittelschule

   untersucht mit ernüchterndem Ergebnis. Demnach gebe es keine Hinweise, dass

   das Niveau der NMS im Durchschnitt über jenem der Hauptschule liegt. Mit

   ein Grund: Eine unzureichende Umsetzung in etwas mehr als der Hälfte der

   untersuchten Klassen. Halbherzig, nennt das die Expertin, das Ergebnis sei

   wenig überraschend. Ein Verbesserungsansatz: Mehr Schulautonomie.

 

Schrittesser Ilse (Universität Wien)

   Denn Schulen, Schulleitungen, Lehrkräften an den Schulen, die wissen oft

   genau was sie zu tun haben, und wo, in welche Richtung sie gehen müssen,

   welche Schwerpunkte sie setzen müssen. Und oft sind ihnen aber die Hände

   gebunden.

 

Bernhart Katharina (ORF)

   Mehr Schulautonomie kann sich auch die Unterrichtsministerin in einer ersten

   Reaktion vorstellen. Die Neue Mittelschule sei, wenn vollständig umgesetzt

   ein gutes Projekt, so Heinisch-Hosek.

 


 

Ö1 Journal um fünf 17:00 vom 04.03.2015 17.00 Uhr

 

Neue Mittelschule: Heinisch-Hosek verteidigt Konzept

 

Williwald Christian (ORF)

   Die neue Mittelschule, ein kompletter Reinfall. Man kann den

   Evaluierungsbericht von Experten der Uni Salzburg in diese Richtung deuten.

   Die Schülerinnen und Schüler schneiden teilweise schlechter ab, als jene

   aus Hauptschulen. Das Team-Teaching, das gemeinsame Unterrichten von

   Hauptschul- und AHS-Lehrern bringt nichts. Förderung für schwache Schüler

   nicht messbar. Aber der Bericht sagt auch: Man hat zwar viele Schulen in

   neue Mittelschulen umbenannt, aber in den Meisten hat man den Unterricht

   kaum geändert. Das Problem ist die Umsetzung. Das Konzept ist richtig, so

   die Schlussfolgerung von Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek.

   Eva-Haslinger berichtet.

 

Haslinger Eva (ORF)

   In einer Aussendung nimmt Bildungsministerin Gabriele Heinisch Hosek,

   Stellung zum Bericht zur neuen Mittelschule. Sie schreibt: Die neu

   Mittelschule sei ein starkes und gutes Projekt. Damit das Konzept der neuen

   Mittelschule positive Effekte bringen kann, müsse es vollständig umgesetzt

   werden - was noch nicht ausreichend gegeben gewesen sei - so die

   Ministerin. Bei der ÖVP hatte man vor einigen Monaten noch laut über einen

   möglichen Stopp des Projekts nachgedacht. Davon ist heute keine Rede.

   Wissenschafts-Staatssekretär Harald Mahrer verlangt aber Verbesserungen.

 

Mahrer Harald (ÖVP)

   Das Korsett für die Schulen ist zu eng. Es zeigt sich eindeutig, dass die

   Lehrerinnen und Lehrer, aber auch die Schulleitungen mehr Möglichkeiten

   haben müssen, um auf spezifische Probleme der Schülerinnen und Schüler die

   auch zum Teil kulturell und aus dem Umfeld der Schulen bedingt sind,

   eingehen zu können.

 

Haslinger Eva (ORF)

   Notwendig sei vor allem mehr Autonomie für die Schulen, so Mahrer.

 


 

Ö1 Abendjournal 18:00 vom 04.03.2015 18.00 Uhr

 

Evaluierungsbericht zur NMS - Reaktionen

 

Williwald Christian (ORF)

   Die anderen Parteien ziehen ganz unterschiedliche Schlussfolgerungen aus dem

   Bericht. In einem sind sich die Oppositionsparteien einig: Die Neue

   Mittelschule sei gescheitert. Der Koalitionspartner ÖVP gibt sich

   zurückhaltend.

   Monika Feldner-Zimmermann.

 

Feldner-Zimmermann Monika (ORF)

   Als Konsequenz plädiert Wissenschaftsstaatssekretär Harald Mahrer von der

   ÖVP für mehr Autonomie der Schulen.

 

Mahrer Harald (ÖVP)

   Es zeigt sich eindeutig, dass die Lehrerinnen und Lehrer, aber auch die

   Schulleitungen mehr Möglichkeiten haben müssen, um auf spezifische Probleme

   der Schülerinnen und Schüler die auch zum Teil kulturell und aus dem Umfeld

   der Schulen bedingt sind, eingehen zu können.

 

Feldner-Zimmermann Monika (ORF)

   Vor ein paar Monaten hat man in der ÖVP noch laut über einen Ausstieg aus

   dem Projekt nachgedacht. Für Mahrer kommt das nun aber nicht in Frage.

 

Mahrer Harald (ÖVP)

   In dem Moment, wo sozusagen ein Schulsystem die Hauptschule in die neue

   Mittelschule umgewandelt wird, kann man - das ist wie bei einer Operation

   am offenen Herzen, ja nicht einfach stoppen, sondern ich glaube, wir müssen

   ganz entscheidend gemeinsam daran arbeiten, in der Regierung, dass wir die

   Qualität in der Schule erhöhen. Und die Schulautonomie wird vermutlich der

   größte Hebel dort sein.

 

Feldner-Zimmermann Monika (ORF)

   Raus aus der Neuen Mittelschule und zurück zum Konzept der Hauptschule.

   Genau das fordert aber der Freiheitliche Bildungsssprecher Walter

   Rosenkranz.

 

Rosenkranz Walter (FPÖ)

   Was haben wir nicht alles gehört von Team Teaching und die besseren Schüler

   unterrichten dann quasi die schwächeren Schüler und das fördert beim einen

   das Wissen, beim anderen die soziale Kompetenz. Alle diese ganzen

   sozialromantischen Floskeln und Lehrformen, die da uns gepredigt worden

   sind, alles hat nicht gegriffen.

 

Feldner-Zimmermann Monika (ORF)

   Genau das Gegenteil will der Grüne Harald Walser. Die Neue Mittelschule als

   zusätzlicher Schultyp habe scheitern müssen. Jetzt solle sie zur

   gemeinsamen Schule für alle Zehn- bis 14-Jährigen ausgebaut werden, fordert

   er.

 

Walser Harald (Die Grünen)

   Was wir jetzt brauchen, ist das Bekenntnis zu einer gemeinsamen Schule.

 

Feldner-Zimmermann Monika (ORF)

   Die NEOS fordern die Schulautonomie zu stärken. Das Team Stronach verlangt

   das Geld statt in die Neue Mittelschule, in den Ausbau der Ganztagsschulen

   zu stecken.

 


 

Oberösterreich heute 19:00 vom 04.03.2015 19.00 Uhr

 

 

Oberösterreich heute 19:00 (19:00) - Evaluierungsbericht zur Neuen Mittelschule - Interview mit Johann Bacher

 

Mocuba Jutta (ORF)

   Universitätsprofessor Dr. Johannes Bacher, Mitglied der

   Evaluierungskommission von der Johannes Kepler Universität, ist zu diesem

   Thema zu Gast. Einen schönen guten Abend!

 

Bacher Johann (Johannes Kepler Universität Linz)

   Guten Abend!

 

Mocuba Jutta (ORF)

   Herr Universitätsprofessor, großer Aufwand, wenig erreicht. Was ist

   schiefgelaufen?

 

Bacher Johann (Johannes Kepler Universität Linz)

   Ja, was wir in unseren Daten primär sehen, ist, dass wir ja zwei

   Generationen untersucht haben. Die erste Generation, sozusagen die

   Gründergeneration, und dann die Generation ein Jahr später, wo dann schon

   fast eine flächendeckende Einführung stattgefunden hat und wo wir

   Leistungsverbesserungen feststellen ist noch in der ersten Generation, die

   in der zweiten Generation vollkommen verloren gegangen sind. So dass man

   sagen kann, dass das Projekt oder der flächendeckende Ausbau einfach zu

   schnell erfolgt ist, bevor man ... Es wäre sinnvoller gewesen, vorher die

   erste Generation zu evaluieren und daraus Maßnahmen abzuleiten,

   Empfehlungen abzuleiten, wie die Implementierung, die flächenmäßige

   Implementierung läuft.

 

Mocuba Jutta (ORF)

   Landesrätin Hummer hat jetzt gesprochen in einem Beitrag von engen Schranken

   im Bezug auf Methodik, Pädagogik, Benotung. Sind das auch Ihre ... aus

   Ihrer Sicht vielleicht die Gründe warum die Neue Mittelschule jetzt so

   schlecht abgeschnitten hat?

 

Bacher Johann (Johannes Kepler Universität Linz)

   Also was wir sehen, es ist ja auch angesprochen worden, ist, dass die

   Schulen erfolgreich sind, denen es gelungen ist, viele dieser Elemente, die

   bei der Neuen Mittelschule vorgesehen waren, umzusetzen. Was wir auch

   gesehen haben, was ganz wichtig ist, dass Problemlösungen oder Ansätze,

   Projekte vor Ort entwickelt werden müssen. Das heißt, für die Schule A

   braucht ein anderes Konzept als die Schule B. Das hat auch dann dazu

   geführt, dass eine einzelne Variable statistisch gar nicht wirkt, sondern

   dass es tatsächlich immer ein Gesamtpaket ist, das vor Ort von den Schulen

   und von Schulpartnern entwickelt werden muss, damit dann auch dieses

   investierte Geld oder diese Modellansätze wirksam werden.

 

Mocuba Jutta (ORF)

   Jetzt sucht man eben ... Also man hat das Gefühl, man sucht nach dem

   richtigen Weg. 300 Millionen sind laut Rechnungshof schon in dieses Projekt

   gesteckt worden. Ist das nicht genug? Braucht es neue Mittel?

 

Bacher Johann (Johannes Kepler Universität Linz)

   Das kann man jetzt schwer beurteilen. Was wir schon wissen ist, dass es

   sinnvoller wäre, ein Teil der Mittel anders zu verteilen. Derzeit

   berücksichtigen wir im österreichischen Schulsystem die soziale

   Zusammensetzung der Schulen überhaupt. Das heißt, eine Schule, die eine

   sehr ungünstige soziale Zusammensetzung hat - zum Beispiel viele sozial

   benachteiligte Kinder hat - bekommt gleich viel Geld wie eine Schule, die

   weniger sozial benachteiligte Kinder hat. Und das wäre ganz wichtig, hier

   auch den Schulen, die eine ungünstige Ausgangsbedingung haben, mehr Mittel

   zur Verfügung zu stellen. Also insofern ist Ihre Frage jetzt nicht einfach

   zu beantworten. Ich glaube schon, dass im System genug Geld ist für

   Umschichtungen, aber manche Schulen würden bestimmt mehr Geld brauchen,

   manche vielleicht weniger.

 

Mocuba Jutta (ORF)

   Ist dieser Schultyp noch zu retten aus Ihrer Sicht? SPÖ und ÖVP wollen ja an

   dem Modell festhalten.

 

Bacher Johann (Johannes Kepler Universität Linz)

   Na, ich glaube, es bleibt nichts anderes übrig. Man muss realistisch sein.

   Er ist schon in über 90 Prozent der Hauptschulen haben umgestellt auf Neue

   Mittelschulen. Das wird sozusagen ein Ersatz für die Hauptschulen sein und

   den Schultyp wird es weitergeben.

 

Mocuba Jutta (ORF)

   Trotzdem muss man sagen, das Zeugnis ist nicht gut ausgefallen jetzt. Müssen

   sich Eltern vielleicht Sorgen machen, dass ihre Kinder vielleicht für das

   Berufsleben nicht so gut gerüstet sind oder vielleicht weniger Chancen

   haben?

 

Bacher Johann (Johannes Kepler Universität Linz)

   Wie gesagt, im Vergleich zu den Hauptschulen hat es ja keine wesentlichen

   ... keine Verschlechterungen gegeben im statistischen Durchschnitt. Es ist

   nur nicht gelungen, was halt die ursprüngliche Versprechung war, dass das

   Leistungsniveau deutlich steigen wird und sich dem Gymnasium annähert. Also

   dieses Ziel ist nicht erreicht worden, aber in den Daten ist ablesbar, dass

   es keine Verschlechterungen im Vergleich zu den Hauptschulen gegeben hat.

 

Mocuba Jutta (ORF)

   Was, Herr Professor, wenn sich die Neue Mittelschule nicht bewährt? Geht es

   dann zurück zur klassischen Hauptschule, wie wir sie von den letzten

   Jahrzehnten kennen?

 

Bacher Johann (Johannes Kepler Universität Linz)

   Also ich erwarte, dass jetzt die Diskussion, die jetzt begonnen hat, doch

   dazu führen wird, dass es mehr schulische Autonomie geben wird, dass es

   möglich sein wird, dann eben Problemlösungen vor Ort zu finden und der

   Schlüsselfaktor, der jetzt in vielen Untersuch - auch internationalen

   Studien zum Vorschein tritt, ist einfach, dass es gelingen muss, wieder

   einen guten Unterricht zu machen. Das heißt, dass die Zeit in der Schule

   für das Unterrichten genutzt werden kann. Das bedeutet eben drei Elemente.

   Ein Element ist das sogenannte Klassenzimmermanagement. Class Room

   Management. Da sehen wir positive Anzeichen. Das hat mit dem sozialen

   Verhalten der Schüler zu tun. Hinzu kommen dann anfordernde Aufgaben, dass

   man den Schülern durchaus etwas abverlangt und ganz zentral auch eine

   Feedback-Kultur.

 

Mocuba Jutta (ORF)

   Das heißt, ganz kurz: Sie sehen noch einen Weg?

 

Bacher Johann (Johannes Kepler Universität Linz)

   Auf jeden Fall!

 

Mocuba Jutta (ORF)

   Vielen herzlichen Dank! Dankeschön!

 

Bacher Johann (Johannes Kepler Universität Linz)

   Danke!

 


 

Zeit im Bild 1 vom 04.03.2015 19.30 Uhr

 

Evaluierung der Neuen Mittelschule - schlechtes Ergebnis

 

Hazivar Rainer (ORF)

   Die Neue Mittelschule - kurz NMS - wird wieder einmal kritisiert, diesmal

   aber in einem Evaluierungsbericht. Die NMS ist 2008 als Schulversuch

   eingeführt,

   2012 dann ins Regelschulwesen übernommen worden. Mittlerweile gibt es an NMS

   mehr Schüler als an Hauptschulen und in den Unterstufen von Gymnasien. Bis

   zum Schuljahr 2018/19 sollen dann sämtliche Hauptschulklassen durch neue

   Mittelschulen ersetzt werden. Größte Neuerung an der NMS im Vergleich zur

   Hauptschule ist ein zusätzlicher Lehrer in Deutsch, Englisch und Mathematik

   und eben neue Unterrichtsmethoden wie Projektunterricht, mehr

  Selbstständigkeit der Schüler und individuelle Förderung. Theoretisch -

   praktisch zeigt der Evaluierungsbericht, dass das in mehr als der Hälfte

   der NMS-Klassen nur "durchschnittlich" oder kaum ausgeprägt ist. In 26

   Prozent gab es eine "weniger intensive" Umsetzung, nur in 20 Prozent wurde

   der neue Stil "umfassend" umgesetzt. Sprich: Das viele Geld hat unterm

   Strich wenig gebracht.

 

Stribl Simone (ORF)

   Der Evaluierungsbericht als Zeugnis für eine Schulform, die einst als

   Prestigeprojekt präsentiert wurde - und es ist kein gutes Zeugnis. Die

   Umwandlung der Hauptschule in die Neue Mittelschule keine besseren

   Ergebnisse, zeigt sich. Für die Bildungsexpertin nicht überraschend, denn

   oft sei einfach nur das Türschild gewechselt worden.

 

Schrittesser Ilse (Universität Wien)

   Man ist eingestiegen mit viel Elan und dann ist man auf halbem Weg

   stehengeblieben. Also das heißt, man hat die Schulen dann mit den

   Rahmenbedingungen, mit den Ressourcen, die am Anfang zugesagt wurden, mehr

   oder minder alleingelassen.

 

Stribl Simone (ORF)

   Der Bericht beleuchtet die ersten zwei Jahrgänge der Neuen Mittelschule.

   Seitdem habe sich viel verbessert, sagt die Bildungsministerin. Als erste

   Konsequenz will sie den Schulen ermöglichen, die sechs Zusatzstunden, die

   nur in Deutsch, Mathe, Englisch verwendet werden dürfen, flexibel zu

   gestalten.

 

Heinisch-Hosek Gabriele (SPÖ)

   Wenn wir es schaffen gemeinsam, diese sechs Stunden, die ja dieses

   Zusatzangebot an die Neuen Mittelschulen sind, freizugeben, flexibel zu

   gestalten, dann muss das natürlich auch gut begleitet werden, denn die

   Schulen wissen das sicher selber am besten. Das ist ein erster Schritt in

   die Autonomie.

 

Stribl Simone (ORF)

   Die Mittel müssen nun effizienter eingesetzt werden, findet

   ÖVP-Wissenschaftsstaatssekretär Mahrer.

 

Mahrer Harald (ÖVP)

   Die Ergebnisse, die vorliegen, die sollten nicht dazu führen, dass man zur

   Tagesordnung übergeht, sondern im Sinne einer mutigen politischen

   Entscheidung jetzt dort anpackt, wo es anzupacken gilt. Das heißt mehr

   Autonomie und mehr Investment im Kindergarten.

 

Stribl Simone (ORF)

   Die Regierung verspricht eine Verbesserung im nächsten Schuljahr, denn die

   nächste Prüfung für die Neue Mittelschule kommt bestimmt.

 

Hazivar Rainer (ORF)

   Und in der "ZiB 2" ist dann jener Experte zu Gast, der die Neue Mittelschule

   unter die Lupe genommen hat, nämlich Ferdinand Eder von der Universität

   Salzburg. Die "ZiB 2" mit Armin Wolf heute um 22 Uhr in ORF 2.

 


 

ZIB Flash 21:50 vom 04.03.2015 21.50 Uhr

 

 

ZIB Flash 21:50 (21:50) - Neue Mittelschule - schlechte Evaluierungsergebnisse

 

Wassertheurer Christiane (ORF)

   Schlechte Noten bekommt die Neue Mittelschule. Eigentlich sollte sie in drei

   Jahren die Hauptschulen ersetzen. Doch die Umwandlung bringe keine besseren

   Ergebnisse, heißt es in einem neuen Evaluierungsbericht.

 

Schrittesser Ilse (Universität Wien)

   Man ist eingestiegen mit viel Elan und dann ist man auf halbem Weg

   stehengeblieben.

 

Wassertheurer Christiane (ORF)

   Als Konsequenz will die Regierung jetzt den Unterricht an den Neuen

   Mittelschulen und deren Finanzierung flexibler gestalten. Für die

   Opposition ist das Konzept Neue Mittelschule gescheitert. Ja, was läuft da

   falsch bei der Umsetzung der Neuen Mittelschule? Dazu in der ZiB2 einer der

   Hauptautoren des Prüfberichts - Professor Ferdinand Eder von der Uni

   Salzburg, um 22 Uhr in ORF2.

 


 

ZiB 2 vom 04.03.2015 22.00 Uhr

 

Schlechte Noten für NMS - Ferdinand Eder im Studiogespräch

 

Wolf Armin (ORF)

   Und wir haben Bildungsministerin Heinisch-Hosek natürlich zur

   Zeugnisbesprechung hier ins "ZiB 2"-Studio eingeladen, sie wollte aber

   nicht kommen. Bei mir begrüße ich jetzt aber einen der Hauptautoren dieses

   dicken Prüfberichts: Universitätsprofessor Ferdinand Eder,

   Erziehungswissenschaftler an der Uni Salzburg. Guten Abend, vielen Dank

   fürs Kommen!

 

Eder Ferdinand (Universität Salzburg)

   Guten Abend, Herr Wolf!

 

Wolf Armin (ORF)

   Herr Professor Eder, "Die Presse" schreibt heute als Zusammenfassung Ihres

   dicken Berichts - Zitat: "Müsste für die Neue Mittelschule ein Zeugnis

   ausgestellt werden, wäre die die Note eindeutig: Nicht genügend" - Zitat

   Ende. Ist das eine korrekte Benotung?

 

Eder Ferdinand (Universität Salzburg)

   Aus meiner Sicht überhaupt nicht. Man muss das schon differenziert

   betrachten: Gemessen an den Erwartungen, die ursprünglich, so vor sechs,

   sieben Jahren, formuliert worden sind, sind die Ergebnisse natürlich

   enttäuschend. Wen man aber realistische Erwartungen anlegt, dann sieht man,

   eben nach diesen ersten Generationen, die wir überprüft haben, zeigen sich

   viele Entwicklungen, wo man sagen kann, das geht schon in die richtige

   Richtung. Und aus unserer Sicht war vor allem die Unterscheidung richtig -

   es ist ja vorhin kurz angesprochen worden: Es gibt Schulen, die diese Idee

   der neuen Schulkultur gut umgesetzt haben, und es gibt Schulen, die das

   nicht so gut umgesetzt haben. Und wenn wir auf jene Schulen schauen, wo das

   gut umgesetzt wurde, da sind die Ergebnisse durch die Bank ein Stück besser

   und da können wir wirklich sagen, wir haben gute Hinweise, dass sich die

   Lernkultur, die Unterrichtsqualität, dass sich das eben so in einem

   mittleren Bereich durchaus verbessert hat und dass wir dort auch Zuwächse

   im Leistungsbereich haben.

 

Wolf Armin (ORF)

   Jetzt sind aber die Zuwächse im Leistungsbereich ziemlich gering, selbst in

   den Schulen, die das gut umgesetzt haben, und das ist doch für ein derart

   aufwendiges Projekt letztlich schon eine relativ vernichtende Bilanz, oder?

 

Eder Ferdinand (Universität Salzburg)

   Ich würde nicht das Wort "vernichtend" gebrauchen, aber es ist ganz klar:

   Auch für uns als Evaluierungskonsortium war das zunächst einmal

   enttäuschend. Andererseits muss man schon auch relativieren: Wenn wir in

   den guten Schulen etwa so wie 30 Punkte Zuwachs haben - in den

   PISA-Untersuchungen trennen Österreich und Finnland ungefähr 40 Punkte nach

   der gleichen Metrik, also...

 

Wolf Armin (ORF)

   Gut, aber in Ihrem Bericht steht der zentrale Satz: "Es gibt keine

   belastbaren Hinweise, dass das Niveau der Neuen Mittelschule im

   Durchschnitt über jenem vergleichbarer Hauptschulen liegt." Für ein

   Projekt, das im Jahr über 200 Millionen Euro kostet.

 

Eder Ferdinand (Universität Salzburg)

   Ja, daran ist nicht zu rütteln. Das ist ein Sachverhalt, der ist mehrfach

   und gut überprüft worden, auch unter Überprüfung der sozialen

   Zusammensetzung eben der Neuen Mittelschulen, und das ist ein irritierendes

   Ergebnis. Und unsere Konsequenz war ja auch der massive Vorschlag, bei der

   Verteilung dieser Mittel in Zukunft viel, viel mehr darauf zu achten, dass

   sie wirklich den leistungsschwächeren Schülern zugutekommen und dass man

   das nicht quer über alle Klassen, Schulen eigentlich gleichmäßig streut.

   Man muss ja immer vor Augen haben: Wir haben in Österreich in der Neuen

   Mittelschule oder in den Hauptschulen ja ungefähr die Hälfte der Schüler-

   und Schülerinnen, die eigentlich AHS-reif sind, nicht. Und die zweite

   Hälfte, das sind überwiegend Schülerinnen, die verstärkt Unterstützung

   brauchen, nicht. Und derzeit hatten wir die Situation, dass über die

   Schülerinnen, die eigentlich AHS-reif sind und die, die das nicht sind,

   ganz gleichmäßig eigentlich dieses Füllhorn der zusätzlichen Stunden

   ausgeschüttet wurde.

 

Wolf Armin (ORF)

   Jetzt war ja ein ganz zentrales Ziel auch der Neuen Mittelschule, eben diese

   soziale Durchmischung zu verbessern, aber auch das ist nicht gelungen.

 

Eder Ferdinand (Universität Salzburg)

   Das war ein vorhersagbares Ergebnis. Wenn die AHS neben der Neuen

   Mittelschule weiterhin besteht, dann haben wir keine soziale Durchmischung,

   weil ein Drittel der Schüler und Schülerinnen, nämlich die

   leistungsstärksten, für diese Durchmischung nicht zur Verfügung steht. Und

   die AHS-Unterstufe hat sich letzten Endes, kann man sagen, am Projekt NMS

   nicht beteiligt.

 

Wolf Armin (ORF)

   Warum eigentlich nicht? Es sind nur elf AHSen unter diesen über 1 000 neuen

   Mittelschulen.

 

Eder Ferdinand (Universität Salzburg)

   Ja, das ist auch für uns irgendwie irritierend, weil an und für sich war ja

   für alle Schulen etwas zu gewinnen, nämlich eine ganz erhebliche Anzahl

   zusätzlicher Werteinheiten für Lehrerstunden. Und ich denke, dahinter

   steckt eben diese Abschottungspolitik, die die AHS letzten Endes betreibt,

   dass sie diese Langform eigentlich erhalten möchte. Und derzeit ist das vom

  Image her und auch von den, wie soll man sagen, vom Nutzen für die Schüler

   und Schülerinnen und die Eltern her einfach die beste schulische

   Möglichkeit, die wir für Zehnjährige in Österreich haben.

 

Wolf Armin (ORF)

   Jetzt hat die Bildungsministerin in unserem Vorbericht gesagt, Ihre

   Überprüfung kam zu früh. Man könnte aber auch sagen, Sie kam möglicherweise

   zu spät. 2012 wurde aus der Neuen Mittelschule - vom Schulversuch wurde sie

   zur Regelschule. Alle Hauptschulen in Österreich werden umgestellt bis

   2018. Hätte man eigentlich Ihre Überprüfung nicht machen sollen, bevor man

   aus einem Schulversuch die Regelschule macht?

 

Eder Ferdinand (Universität Salzburg)

   Aus meiner Sicht war das wirklich ein Fehler. Das ist in der damaligen

  politischen Konstellation eben so ausgehandelt worden. Die ursprüngliche

   Idee war wirklich, an einer kleinen Anzahl von Schulen und Klassen eben

   dieses neue Modell einer besseren oder anderen Lernkultur auszuprobieren.

   Die Schulen sind auch beauftragt worden, in verschiedenen Bereichen

   Erfahrungen zu sammeln, und das hätte eigentlich dann im Sinne von Best

   Practice in einer Übergangsphase den anderen zur Verfügung gestellt werden

   sollen. Und ich glaube, das sehen viele so, dass eigentlich diese schnelle

   Ausweitung auf viele Standorte eben letzten Endes von der ganzen

   Unterstützung her nicht zu schaffen war und dass wir auch deswegen die

   Situation haben, dass eine ganze Reihe von Schulen möglicherweise zwar das

   Etikett übernommen haben, aber in vielen Bereichen den Unterricht so

   weitergeführt haben wie bisher.

 

Wolf Armin (ORF)

   Herr Professor Eder, vielen Dank für Ihren Besuch im Studio und für die

   Einschätzung.

 

Eder Ferdinand (Universität Salzburg)

   Gerne, Danke.

 


 

ZiB 2 vom 04.03.2015 22.00 Uhr

 

Evaluierungsbericht: Schlechte Noten für Neue Mittelschule

 

Wolf Armin (ORF)

   Es ist die größte Schulreform seit Jahrzehnten - die Umwandlung der

   Hauptschulen in Österreich in sogenannte Neue Mittelschulen. 96 Prozent

   aller Hauptschulen sind bereits umgestellt - zumindest zum Teil, aber erst

   jetzt wurden die Neuen Mittelschulen erstmals umfassend geprüft. Und das

   Ergebnis ist ernüchternd: Schlechtes Zeugnis, Nicht genügend, durchgefallen

   - so fassen die Zeitungen heute den über 400-Seiten dicken Prüfbericht

   zusammen. Die Kurzfassung: in den teuren Neuen Mittelschulen fühlen sich

   die Schüler zwar etwas wohler als in Hauptschulen, aber bessere Leistungen

   bringen sie nicht. Harald Jungreuthmayr berichtet.

 

Jungreuthmayer Harald (ORF)

   Die Neue Mittelschule in Markt Allhau im Burgenland. Eine der ersten. Die

   Erfahrungen hier sind positiv. Dass der Vergleich mit den Hauptschulen

   ernüchternd ausfällt, liegt für die Direktorin an mangelnder Vorbereitung.

 

Hallemann Daniela (NMS Markt Allhau)

   Hier ist ein bisschen das Gefühl entstanden, dass die Lehrer und die Kinder

   so ein bisschen als Versuchskaninchen missbraucht werden. Wenn man eine

   Reform macht, muss man sich im Vorhinein überlegen, welche Ressourcen,

   welche Struktur, welche Schritte.

 

Jungreuthmayer Harald (ORF)

   Dabei enthält der sogenannte Evaluierungsbericht durchaus Erfreuliches:

   Weniger Gewalt an den Schulen etwa und weniger Frust für die Schüler, das

   Lernklima hat sich verbessert. In den Leistungen der Schüler schlägt sich

   das aber kaum nieder. Vereinzelt sind sie sogar schlechter als in den

   Hauptschulen. Die Fortschritte sind minimal. Vor allem, wenn man bedenkt,

   wie viel Geld in die Neue Mittelschule gesteckt wird. 230 Millionen Euro

   pro Jahr werden es im Vollausbau sein. Die Neue Mittelschule, das

   Prestigeprojekt von Ex-Unterrichtsministerin Claudia Schmied, sollte die

   Chancen von Kindern aus bildungsfernen Schichten verbessern. Gelingt

   praktisch nicht, sagt der Bericht. Doch das Ganze zu stoppen, fordert kaum

   jemand. Zu weit ist das Projekt fortgeschritten. Immerhin haben von allen 1

   118 ehemaligen Hauptschulen mittlerweile 1 073 mit der Umwandlung zur Neuen

   Mittelschule begonnen. Die 45 verbliebenen reinen Hauptschulen beginnen

   damit diesen Herbst. Bis 2018 soll der Umbau abgeschlossen sein. Auf

   Regierungsseite will man auch nicht von Scheitern sprechen. Der Bericht

   bilde nur die Anfangsphase ab.

 

Heinisch-Hosek Gabriele (SPÖ)

   Diese Evaluierung war etwas zu früh und lässt Schlüsse nicht zu für die

   Zukunft, denn mittlerweile bei der Schulqualität, bei der Schulentwicklung,

   es hat sich Etliches verbessert.

 

Jungreuthmayer Harald (ORF)

   Das Konzept sei richtig, die Durchführung müsste aber weiter verbessert

   werden. Beispiel: An mehr als der Hälfte der Hauptschulen wurde praktisch

   nur das Türschild, aber nicht der Unterricht geändert. Nun soll den Schulen

   stärker auf die Finger geschaut werden.

 

Heinisch-Hosek Gabriele (SPÖ)

   Ich werde eine Sonderbeauftragung erteilen, dass die Schulaufsicht ganz

   genau im kommenden Jahr ab sofort in die Neuen Mittelschulen schaut.

 

Jungreuthmayer Harald (ORF)

   Dafür sollen die Neuen Mittelschulen künftig frei entscheiden können, wie

   sie die sechs Zusatzstunden verwenden. Eine alte Forderung der ÖVP, die das

   Modell, anders als in der Vergangenheit, nicht mehr in Frage stellt.

 

Mahrer Harald (ÖVP)

   Ich appellieren daher, dass man es bei den zusätzlichen Mitteln belässt,

   aber dass wir diese zusätzlichen Mittel an den Schulen individueller

   verwenden können.

 

Jungreuthmayer Harald (ORF)

   Heinisch-Hosek und Enzenhofer warnen davor, die vielen engagierten

   Lehrerinnen an den Neuen Mittelschulen durch Schwarzmalerei zu entmutigen.

   Hier in Markt Allhau scheint die Gefahr nicht zu bestehen.

 

Hallemann Daniela (NMS Markt Allhau)

   Also ich appelliere an alle Lehrer, an alle Eltern: habt ein bisschen ein

   Vertrauen, probiert ein bisschen was aus - Neue Mittelschule kann sehr wohl

   gelingen.

 

Jungreuthmayer Harald (ORF)

   Zu überprüfen bei der nächsten Zeugnisverteilung.

 


 

ZIB 24 vom 04.03.2015 23.30 Uhr

 

Regierung hält an Neuer Mittelschule fest

 

Gadenstätter Lisa (ORF)

   Und wir schauen jetzt noch auf die anderen wichtigen Themen dieses Tages:

 

OFF Sprecherin (ORF)

   Nach der Umstellung von 96 Prozent der Hauptschulen in Neue Mittelschulen

   wurden diese erstmals umfassend geprüft. Trotz eines ernüchternden

   Ergebnisses mit kaum Verbesserungen hält die Regierung an dieser

   Schulreform fest.

 

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Mit freundschaftlichen Grüßen

 

Kurt Schober
Klubsekretär

SPÖ-Parlamentsklub
01/40110-3569

0664 / 44 45 005
kurt.schober@spoe.at

 

SPÖ-Parlamentsklub

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