Donnerstag, 30. April 2015

Bildungs-Newsletter 30.4.2015/3. Teil

OTS0225 II 30.04.2015 14:46:26

Matura – Grossmann: JVP tappt in FPÖ-Populismusfalle und verunsichert SchülerInnen

Utl.: FCG-Gewerkschafter Quin schließt Ausnutzen unterschiedlicher Beginnzeiten aus - JVP hört vor lauter Populismus keine Argumente mehr, auch nicht jene aus eigener Partei

SPÖ-Bildungssprecherin Elisabeth Grossmann hat kein Verständnis für die aktuelle "Verunsicherungstaktik" der Jungen ÖVP in Sachen Zentralmatura. "Offenbar ist die JVP in die Populismusfalle der FPÖ getappt und trägt so leider ebenso wie die FPÖ zur Verunsicherung der Schülerinnen und Schüler bei, die sich derzeit gewissenhaft auf die neue Matura vorbereiten und ganz sicher auf Populismus und Verunsicherung verzichten können", sagte Grossmann heute, Donnerstag, gegenüber dem SPÖ-Pressedienst. ****

"Statt weiter als Trittbrettfahrerin der FPÖ zu agieren, wäre die JVP gut beraten, sich die aktuellen Aussagen von FCG-Lehrergewerkschafter Eckehard Quin zu Gemüte zu führen, der für die JVP kein Unbekannter sein dürfte. Im Gespräch mit der APA schließt Quin unmissverständlich das Ausnutzen unterschiedlicher Beginnzeiten der Zentralmatura für die Weitergabe von Beispielen per Smartphone aus und verweist darauf, dass die SchülerInnen ihre Handys am Beginn der Matura abgeben müssen", betonte Grossmann.

Es sei "bedauerlich und zum Schaden der Schülerinnen und Schüler, dass die JVP nicht für Argumente zugänglich ist und vorgibt, es besser zu wissen als der schwarze Vorsitzende der AHS-Gewerkschaft, der in Sachen unterschiedliche Beginnzeiten sachlich und richtig argumentiert". So verweist Quin etwa darauf, dass auch auf die unterschiedlichen Fahrpläne der öffentlichen Verkehrsmittel in manchen Regionen Rücksicht genommen werden müsse. Es gelte außerdem, die Autonomie der Schulen zu respektieren, sagte Grossmann, die angesichts der Aussagen der JVP betonte: "Offensichtlich ist es so, dass die JVP vor lauter Populismus keine Argumente mehr hört - auch nicht jene aus der eigenen Partei." (Schluss) mb/bj

Rückfragehinweis: SPÖ-Bundesorganisation, Pressedienst, Löwelstraße 18, 1014 Wien  01/53427-275 http://www.spoe.at/impressum

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Mit freundschaftlichen Grüßen

 

Kurt Schober
Klubsekretär

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Bildungs-Newsletter 30.4.2015/2. Teil


 

APA0359 II, XI 30.04.2015 13:32:43

 

Schulsozialarbeit in der Steiermark wird personell aufgestockt

Utl.: Künftig 37 statt bisher 17 Dienstposten für gesamte Steiermark - Sollen vor allem Schüler von NMS und Polytechnischen Schulen in problematischen Lebenslagen unterstützen

 

Die Schulsozialarbeit in der Steiermark wird ausgebaut. Während sich bisher 17 Schulsozialarbeiter um die Unterstützung von Schülern in problematischen Lebenssituationen kümmerten, wird der Personalstand auf 37 Personen aufgestockt. Dies erklärten Bildungslandesrat Michael Schickhofer und Soziallandesrat Siegfried Schrittwieser (beide SPÖ) am Donnerstag bei einem Pressegespräch.

 

In schwierigen Lebenssituationen wie der Scheidung der Eltern, Problemen mit den Eltern oder Lehrern oder auch bei Fällen von Gewalt und Mobbing in der Klasse seien Schulsozialarbeiter wichtige Ansprechpartner für die Schüler, betonte Bildungslandesrat Schickhofer. Konflikte könnten mit ihrer Hilfe schon im Anfangsstadium entschärft werden, begründete der Landesrat Engagement für den Ausbau der Schulsozialarbeit. "Nicht jeder wird in ein Elternhaus hineingeboren, wo alles passt", gab Soziallandesrat Siegfried Schrittwieser zu bedenken.

 

Das Unterstützungsangebot wurde seit dem Jahr 2009 in ausgewählten steirischen Bezirken als Pilotprojekt angeboten. Es soll nun durch eine gemeinsame Finanzierung von Land (60 Prozent) und den Sozialverbänden flächendeckend in den sieben steirischen Bildungsregionen verwirklicht werden. Das Bildungsressort nehme dafür 1,4 Mio. Euro (statt bisher 1 Mio. Euro) in die Hand, sagte Schickhofer.

 

In welchen Schulen die Schulsozialarbeiter konkret zum Einsatz kommen werden, werde dann in den Bildungsregionen über die Bezirkshauptmannschaften und die Schulinspektoren entschieden. Fest stehe bereits, dass in der steirischen Landeshauptstadt künftig acht statt bisher fünfeinhalb Dienstposten ausgeschrieben werden.

 

Landesweit will man mit dem aufgestockten Personal vor allem die Neuen Mittelschulen und Polytechnischen Schulen besser versorgen können. "Mittelfristig werden wir weitere Anstrengungen brauchen", hielt der Bildungslandesrat aber auch fest. Und um die Kontinuität in der Arbeit zu halten, werde man die Aufträge an die Anbieterorganisationen für jeweils drei und nicht wie bisher ein Jahr vergeben.

 


 

OTS0191 II 30.04.2015 13:18:04

 

JVP-El Habbassi: Unverantwortliche Panne bei Zentralmatura

Utl.: Unterschiedliche Uhrzeiten beim Beginn der Zentralmatura sorgen für weiteres Chaos.

 

Die Junge ÖVP ist über den neuerlichen Fehler des Bildungsministeriums bei der Zentralmatura verärgert. Zwar sind die Fragen in ganz Österreich ident, doch beginnen die Maturantinnen und Maturanten zu unterschiedlichen Uhrzeiten. Das ermöglicht ein einfaches Weiterleiten der Angaben zwischen den Schülerinnen und Schülern und sorgt für weiteres Chaos im Rahmen der Zentralmatura. Die unprofessionelle Arbeit der Vergangenheit im Bildungsbereich scheint sich nun weiter fortzusetzen.

 

"In Zeiten von Smartphones dauert es nur wenige Sekunden bis Schülerinnen und Schüler die Angaben an ihre Kolleginnen und Kollegen an anderen Schulen weiterschicken können. Das hätte man bereits im Vorhinein bedenken müssen. Es ist unverantwortlich, dass dem Bildungsministerium hier schon wieder peinliche Pannen unterlaufen", so JVP-Nationalratsabgeordneter Asdin El Habbassi über die mangelnde Koordination des Ministeriums.

 

Nach dem Datenskandal, dem Wirrwarr bei den Vorbereitungsstunden und den fehlenden Angabeblättern beim Testlauf der Zentralmatura ist dies nun der nächste Höhepunkt rund um das Drama der Zentralmatura. Für die Junge ÖVP steht fest, dass in Zukunft endlich die Schülerinnen und Schüler angemessen unterstützt werden müssen und nicht durch unnötige Pannen und falsches Autonomieverständnis von Seiten der Bildungsministerin verunsichert werden sollen.

 

Rückfragehinweis: Laura Sachslehner Junge ÖVP 0664 859 2933 Laura.Sachslehner@junge.oevp.at

 

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/165/aom

 


 

APA0325 II, XI 30.04.2015 12:57:07

 

Matura: Bundesschulsprecher für einheitliche Beginnzeiten

Utl.: Gegen pauschale "Schummel"-Unterstellungen

 

Bundesschulsprecher Lukas Faymann übt Kritik an den unterschiedlichen Beginnzeiten bei der am Dienstag mit dem Fach Deutsch startenden Zentralmatura. Gleichzeitig verwahrte er sich in einer Aussendung gegen "Unterstellungen, die davon ausgehen, dass es zu 'Schummel-Affären' kommen wird".

 

"Ich finde es unangebracht, alle Maturantinnen und Maturanten als Schummler abzustempeln", meinte Faymann. Die meisten hätten hart für ihre Matura gelernt. "Die Leistung des Großteils der Schülerinnen und Schüler darf keinesfalls durch Pauschalisierungen relativiert werden".

 

Kritik übte Faymann am Bildungsministerium: "Ich finde es rätselhaft, dass es das Bildungsministerium in über fünf Jahren Vorbereitungszeit nicht geschafft hat, einheitliche Startzeiten festzulegen. Die Schülerinnen und Schüler haben ein Recht auf eine professionell geplante Matura."

 

Im Ministerium hatte man die möglichen unterschiedlichen Startzeiten mit den ebenfalls uneinheitlichen Schulbeginnzeiten begründet. Auch für die bisherigen fast flächendeckenden Schulversuche zur Englisch-Zentralmatura gab es keine vorgegebene Startzeit.

 


 

APA0164 5 II 0378 XI            Siehe APA0507/29.04   Do, 30.Apr 2015

 

Matura - Lehrervertreter: "Das soll mir jemand vorhupfen"

Utl.: Quin: Schummeln mit Smartphone nie auszuschließen, aber Ausnutzen unterschiedlicher Beginnzeiten praktisch schon =

 

   Wien/Österreich-weit (APA) - Der Vorsitzende der AHS-Lehrergewerkschaft, Eckehard Quin (FCG), schließt das Ausnutzen unterschiedlicher Beginnzeiten der Zentralmatura für die Weitergabe von Beispielen per Smartphone praktisch aus. "Da müsste ja wer im beaufsichtigten Raum das geschmuggelte Handy aus der Unterhose rausfischen, fotografieren und versenden. Das soll mir jemand einmal vorhupfen, wie das geht", so Quin zur APA.

 

   Eine solche Weitergabe hätte auch nur Sinn, wenn sie ganz am Anfang der Matura erfolge, meinte Quin. Und da habe jeder Maturant genug damit zu tun, sich einmal selbst die Beispiele anzusehen. "Zeit, um über Schummeln nachzudenken, hat man eher gegen Ende."

 

   Die Schüler müssten ihre Handys am Beginn der Matura abgeben, so Quin. Man führe aber natürlich keine Leibesvisitationen durch. Insofern könne es durchaus vorkommen, dass ein Schüler es schaffe, ein Smartphone etwa in der Unterhose in den Prüfungsraum zu schmuggeln. Damit könne man dann etwa versuchen, bei einem späteren Toilettenbesuch im Internet etwas nachzuschauen. "In Einzelfällen wird es irgendeine Art des Schummelns immer geben. Aber dass wer im Prüfungsraum etwas abfotografiert - nein. Schummeln kann man nie ausschließen, aber erschweren. Da muss man sich schon intelligentere Maßnahmen überlegen."

 

   Im Fach Englisch erprobe man die Zentralmatura außerdem seit zwei bis drei Jahren großflächig teilweise unterschiedlichen Beginnzeiten, so Quin: "Bisher hat es meines Wissens noch nie ein Problem gegeben."

 

   Dass der Prüfungsbeginn nicht einheitlich vorgegeben wird, hält der Lehrervertreter für richtig: "Österreich besteht nicht nur aus Wien." Es gebe genug Schulen, die mit ihrem Unterricht schon vor acht Uhr bzw. erst nach acht beginnen - das liege an den Fahrplänen der öffentlichen Verkehrsmittel in manchen Regionen. "Alles, was sich zum normalen Ablauf ändert, ist eine Zusatzbelastung für die Schüler, die haben eh schon genug Stress. Ich halte es für durchaus sinnvoll, dass man es macht wie bisher."

 

   "Mit aller Entschiedenheit" verwahrt sich Quin gegen Befürchtungen, dass Lehrer Aufgaben weitergeben könnten. Auch der stellvertretende Vorsitzende der Lehrergewerkschaft an den BMHS, Heinrich Himmer, weist das zurück: "SchülerInnen und LehrerInnen so viel kriminelle Energie zu unterstellen ist einfach abwegig. Die vorhandenen Regelungen stellen sicher, dass die Matura auch in diesem Jahr korrekt abläuft."


 

OTS0163 5 II 0190 OSU0001                             Do, 30.Apr 2015

 

Zentralmatura: Bundesschulsprecher kritisiert uneinheitliche Startzeiten bei schriftlichen Klausuren

Utl.: Maturierende nicht pauschal als Schummler abstempeln =

 

Wien (OTS) - Wie gestern, Mittwoch, bekannt wurde, starten die schriftlichen Klausuren der Zentralmatura am Dienstag nicht überall zur selben Uhrzeit. Bundesschulsprecher Lukas Faymann kritisiert darauffolgende Unterstellungen, die davon ausgehen, dass es zu "Schummel-Affären" kommen wird. Er betont, dass die Leistung der Maturantinnen und Maturanten nicht durch Pauschalisierungen relativiert werden darf. Gleichzeitig kritisiert Faymann die neuerliche Panne im Vorfeld der Zentralmatura.  Er fordert ein Ende der Pannenserie und einen reibungslosen Ablauf der Zentralmatura in der kommenden Woche.

 

"Ich finde es unangebracht, alle Maturantinnen und Maturanten als Schummler abzustempeln. Die meisten Maturierenden haben hart für ihre Matura in der kommenden Woche gelernt. Die Leistung des Großteils der Schülerinnen und Schüler darf keinesfalls durch Pauschalisierungen relativiert werden", so Faymann.

 

Gleichzeitig kritisiert Faymann die mangelnde Professionalität seitens des Ministeriums bei der Umsetzung der Zentralmatura:

 

"Ich finde es rätselhaft, dass es das Bildungsministerium in über fünf Jahren Vorbereitungszeit nicht geschafft hat, einheitliche Startzeiten festzulegen. Die Schülerinnen und Schüler haben ein Recht auf eine professionell geplante Matura", so Faymann weiters.

 

Rückfragehinweis:    Lukas Faymann    Bundesschulsprecher    lukas.faymann@bsv.at    0664 588 64 71

 

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Mit freundschaftlichen Grüßen

 

Kurt Schober
Klubsekretär

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Bildungs-Newsletter 30.4.2015

Ö1 Morgenjournal 07:00 vom 30.04.2015 07.00 Uhr

 

Ö1 Morgenjournal 07:00 (07:00) - Schelling für Finanzausgleich neu

 

Williwald Christian (ORF)

   Sieben Uhr und sieben Minuten, die österreichischen Staatsfinanzen

   beschäftigen uns jetzt: Aufgabenorientierung bei der Finanzierung, da kann

   man sich auf Anhieb vielleicht wenig vorstellen, bei näherer Betrachtung

   sagt man vielleicht: was denn sonst, öffentliches Geld muss dorthin, wo es

   gebraucht wird. Aber diese Aufgabenorientierung dürfte ein heikler Punkt

   werden in den Verhandlungen von Hans Jörg Schelling mit den Ländern und

   Gemeinden über den Finanzausgleich. Der Finanzminister findet nämlich, da

   ist noch einiges zu verbessern, damit das Geld keine unnötigen Umwege

   macht. Aufgabenorientierung würde nämlich konkret bedeuten, dass die Länder

   weniger mitzureden hätten, und die Gemeinden direkt mehr Geld bekommen. Das

   gefällt der größten Gemeinde Österreichs besonders. Stefan Kappacher:

 

Kappacher Stefan (ORF)

  Ein aufgabenorientierter Finanzausgleich wird besonders von Wien forciert,

   das Zentralraum davon profitieren würde. Das zweitgrößte Bundesland

   Niederösterreich wiederum ist strikt dagegen. Finanzminister Hans Jörg

   Schelling will die Aufgabenorientierung, und das brächte große Änderungen

   mit sich. Etwa bei den Kindergärten, die Landessache sind, aber de facto

   von den Gemeinden betrieben werden:

 

Schelling Hans Jörg (ÖVP)

   Wenn man sich dazu entschließt, dass Kindergärten aufgabenorientierend

   finanziert werden, dann sollte der Fluss des Geldes auch direkt an die

   Aufgaben-Übernehmenden erfolgen. Also das, glaube ich, muss man einfach so

   sehen, sonst brauche ich keine Aufgabenorientierung, sonst kann ich es

   weiterhin mit <unverständlich> verteilen.

 

Kappacher Stefan (ORF)

   Das Geld für die Kindergärten würde also nicht mehr über die Länder an die

   Gemeinden fließen, sondern direkt. Schelling:

 

Schelling Hans Jörg (ÖVP)

   Wenn es aufgabenorientierte Zuordnungen gibt, dann kann es auch zu einer

   Verschiebung durchaus der Mittel kommen - das muss man ganz klar auch so

   sehen. Aber dazu muss man sich zuerst darauf verständigen. Wofür ich nicht

   stehe: dass wir zum x-ten Mal einen Finanzausgleich, der für die Länder

   nicht unvorteilhaft ist, verlängern.

 

Kappacher Stefan (ORF)

   Eine klare Ansage des Finanzministers, der persönlich eine letztmalige

   Verlängerung bis Ende 2016 durchgesetzt hatte - allerdings vor allem, um

   Zeit zu gewinnen für die von ihm angestrebte Reform. Schelling will

   Transparenz in die Zahlungsströme bringen, wodurch gut 100 Millionen Euro

   eingespart werden könnten. Ein besonders weites Feld sind hier die

   Spitäler:

 

Schelling Hans Jörg (ÖVP)

   Sie alle kennen meine Wortmeldungen, die mir ja heute noch nachhängen, wenn

   ich mich ab und zu einmal zum Bau eines neuen Krankenhauses geäußert habe.

   Ich bleibe aber dabei, dass das veränderungsbedürftig ist.

 

Kappacher Stefan (ORF)

   Der Bund müsse hier mitreden können, sagt der Finanzminister, der auch schon

   eine gewisse Einsicht der Länder zu erkennen glaubt. Erste Ausbaupläne im

   Spitalsbereich würden im Sinne der Sparsamkeit bereits überarbeitet. Und

  zur großen Baustelle Schulverwaltung sagt Schelling:

 

Schelling Hans Jörg (ÖVP)

   Egal wo die Lehrer sind, ich beharre darauf, dass in Zukunft alle Lehrer

   über das Bundesrechenzentrum abgerechnet werden. Weil dass wir jetzt vier

   verschiedene Abrechnungssysteme haben, ich glaube das ist jetzt auch wieder

   so ein Beispiel.

 

Kappacher Stefan (ORF)

   Offen ist Schelling für mehr Steuerautonomie für die Länder, wobei sehr

   fraglich ist, ob es dazu kommen wird. Erstens wollen das nicht alle neun

   Länder:

 

Schelling Hans Jörg (ÖVP)

   Drei, die befürworten, drei, die eher ablehnen und drei, die sagen, na

   schauen wir es uns einmal an.

 

Kappacher Stefan (ORF)

   Sagt der Finanzminister, der selber Bedenken hat. Wenn, dann müssten

   ertragreiche Steuern den Ländern übertragen werden. Etwa die Zinsensteuer:

 

Schelling Hans Jörg (ÖVP)

   Da könnte man zum Beispiel bei der KESt überlegen, ob die

   Sparbuchbesteuerung in den Bundesländern unterschiedlich ist. Wir sehr

   lustig werden. Wird man vielleicht dann sagen, nein machen wir nicht,

   weil...

 

Kappacher Stefan (ORF)

   Bei der Körperschaftssteuer wiederum drohe ein ruinöser Wettbewerb um

   Betriebsansiedlungen. Schelling kann sich unter der Bedingung:

 

Schelling Hans Jörg (ÖVP)

   ... wenn sie nicht höher wird wie jetzt.

 

Kappacher Stefan (ORF)

   ... auch Länderautonomie bei der Einkommensteuer vorstellen.

 


 

OTS0031 5 II 0347 NGS0002                             Do, 30.Apr 2015

 

FSG-GÖD-LehrerInnen schreiben an Bundeskanzler Faymann

Utl.: Offener Brief des FSG-Vorsitzenden in der ARGE-LehrerInnen Thomas Bulant anlässlich des 1. Mai 2015 im Wortlaut

Wien (OTS) - Sehr geehrter Herr Bundeskanzler und Parteivorsitzender!

 

Ich bin Lehrer, weil ich Kindern in unserer Gesellschaft Stärke und Orientierung geben und  ihren Blick auf die Vielfalt dieser Welt öffnen möchte. Ich bin dabei von der Vision angeleitet, meine Schülerinnen und Schüler zur Freude am Lernen zu verführen und ihnen Leistungsbereitschaft, Kreativität und Kritikfähigkeit vorzuleben.

 

Am Anfang der Sozialdemokratie standen Visionen: "Was wir ersehnen von der Zukunft Fernen, dass Brot und Arbeit uns gerüstet stehen, dass unsere Kinder in den Schulen lernen und unsere Alten nicht mehr betteln gehen." Neben der sozialen Gerechtigkeit stellten Sozialdemokraten die Fragen der Bildung stets ins Zentrum ihrer Politik. Lehrerinnen und Lehrer sind dabei natürliche Verbündete, wenn es darum geht,  mittels pädagogischer Maßnahmen zu einer gerechteren Gesellschaft beizutragen. Sie sind die Brückenbauer in die Zukunft.

 

Wie können Sie es daher zulassen, dass über den Boulevards die Arbeitsleistung von  Lehrerinnen und Lehrern in Frage gestellt wird anstatt sich selbst ein Bild über die Herausforderungen, die Arbeitsbedingungen und das Engagement in den Schulen zu machen? Wie können Sie es zulassen, dass Lehrerinnen und Lehrer von der Regierung dieser Republik nicht jene Unterstützung und Motivation erhalten, die sich die Jugend dieses Landes verdient hat? Wie können Sie es zulassen, dass die immer wieder kehrende Diskussion um eine Erhöhung der Unterrichtszeit junge Menschen im Lehrberuf in Gefahr bringt ihren Arbeitsplatz zu verlieren?

 

Wenn wir die Vision einer gerechteren Welt miteinander teilen, dann muss die Diskreditierung jener, die unserer jungen Generation die Wege in die Zukunft bereiten sollen, ein Ende haben! Daher appelliere ich am Feiertag der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer dieses Landes an Sie, schließen Sie mit den Lehrerinnen und Lehrern ein Bündnis zugunsten der jungen Generation! Auf dem Rücken der Schule lässt sich kein Budget sanieren, mit den Lehrerinnen und Lehrern gemeinsam können Sie jedoch Zukunft gestalten.

 

Rückfragehinweis:    MMag. Dr. Thomas Bulant    Vorsitzender der FSG in der ARGE Lehrer    Schenkenstraße 4 / 5. Stock    1010 Wien    M: thomas.bulant@apsfsg.at     H: 0699 1 9413999

 

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/88/aom

 


 

OTS0033 5 II 0194 NGS0003                             Do, 30.Apr 2015

 

Matura ist kein Krimi

Utl.: Mit der künstlich erzeugten Hysterie zu Startzeiten der Matura  werden SchülerInnen und LehrerInnen grundlos kriminalisiert.

Wien (OTS) - Zum wiederholten Mal versuchen bestimmte Medien und politische Gruppen ein Scheitern der Matura zu entdecken. Einmal ist sie zu leicht, dann zu schwierig, dann wieder zu zentral oder zu autonom oder einfach alles zusammen. Nun werden die Beginnzeiten angeprangert.

 

"Man kann über Neues immer geteilter Meinung sein. Die ständige Schlechtmacherei der Matura ist allerdings völlig unangebracht", stellt dazu der Vorsitzende der Fraktion sozialdemokratischer GewerkschafterInnen an berufsbildenden mittleren und höheren Schulen, Heinrich Himmer, fest. Und der Vorsitzende der FSG-AHS, Michael Zahradnik, ergänzt: "Wir weisen die implizite Unterstellung, LehrerInnen würden unterschiedliche Beginnzeiten der Reifeprüfung für "Schummeleien" ausnützen, mit aller Entschiedenheit zurück."

 

"SchülerInnen und LehrerInnen so viel kriminelle Energie zu unterstellen ist einfach abwegig. Die vorhandenen Regelungen stellen sicher, dass die Matura auch in diesem Jahr korrekt abläuft." so Himmer abschließend.

 

Rückfragehinweis:   Fraktion Sozialdemokratischer GewerkschafterInnen - GÖD

 

   Mag. Heinrich Himmer    0676 531 32 42    heinrich.himmer@fsgbmhs.eu    BMHS - Gewerkschaft der LehrerInnen an berufsbildenden  mittleren und höheren Schulen

 

   Mag. Michael Zahradnik    0676 541 42 35    michael.zahradnik@inode.at    AHS - Gewerkschaft der LehrerInnen an allgemeinbildenden höheren Schulen

 

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/88/aom

 


 

"Vorarlberger Nachrichten" vom 30.04.2015

 

Ministerin zu Besuch und Lehrerprotest an Pädagogischer Hochschule

 

   Circa 100 AHS-Lehrer mobilisierten vor der PH Vorarlberg in Feldkirch gegen die Pläne der Regierung, die Lehrverpflichtung zu erhöhen. Im Haus hielt Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek eine Veranstaltung ab. /A8 Foto: VN/Steurer

 

 

"Vorarlberger Nachrichten" vom 30.04.2015

 

Heinisch-Hosek kam für Dialog mit Lehrern nach Feldkirch. Andere Lehrer protestierten.

Nicht nur Kaffeeplausch für Bildungsministerin

 

   Feldkirch. Sie huschte hurtig am Gehsteig vor dem gemeinsamen Eingang zur Pädagogischen Hochschule sowie zum Gymnasium vorbei. Doch Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (53) wurde von den gut 100 protestierenden Lehrern bemerkt, als sie sich Richtung Seiteneingang bewegte. Es kam zu vereinzelten Pfiffen. Dabei hatte die Ministerin für den Tag in Feldkirch Gutes vor.

 

   Ein sogenanntes „World Café“ mit Direktoren und Lehrern wollte sie im großen Hörsaal der Pädagogischen Hochschule abhalten. Das ist eine spezielle Workshopmethode zur Generierung von Ideen zu verschiedensten Themen.

 

   Kurzes Gespräch

 

   Doch den Damen und Herren am Vorplatz war nicht nach Kaffeeplausch zumute. Sie protestierten. Die Pläne der Regierung, vor allem den Lehrern Höherer Schulen eine um zwei Stunden höhere Lehrverpflichtung aufzubrummen, hatte sie zusammengebracht. Es war nicht nur das Personal des ansässigen Gymnasiums, auch Kollegen aus anderen Schulen im Land waren gekommen, um ihren Unmut zu artikulieren. Dabei war Heinisch-Hosek sehr um Kalmierung der Situation bemüht. Sie empfing drei Lehrervertreter zu einem kurzen Gespräch. Als diese aus dem Zimmer von Rektor Gernot Brauchle (51) wieder herauskamen, meinte sogar der nicht immer zu Späßen aufgelegte AHS-Lehrervertreter Gerhard Pusnik: „Sie war sehr freundlich mit uns. Aber völlig unverbindlich in der Sache.“

 

   Spannender Herbst

 

   „Ich verstehe die Ängste der Lehrer“, meinte Heinisch-Hosek nach dem Gespräch mit den Pädagogenvertretern, „aber ich setze auf die Verhandlungen im Herbst. Das Thema höhere Lehrverpflichtung kommt immer wieder auf den Tisch, auch wenn es zuletzt von den Medien hochgepusht wurde, müssen wir darüber reden“, macht Heinisch-Hosek klar. Nicht einmal das erst im vergangenen Jahr beschlossene neue Dienst- und Besoldungsrecht sei in dieser Form sicher. „Je nachdem, was als Ergebnis bei den Verhandlungen herauskommt, muss es entsprechend eingebettet werden.“

 

   Unverändert bleiben laut Heinisch-Hosek die Ressourcen für die Neue Mittelschule, trotz der jüngsten Kritik von Finanzminister Hans Jörg Schelling (61). „Wir müssen aber unbedingt die Effizienz erhöhen“, macht sie klar. Ein eindeutiges Ergebnis des Vorarlberger Forschungsprojekts „Schule der Zehn- bis 14-Jährigen“ sieht die Ministerin als genehmigungstauglich durch den Bund. „Sollte ein klares Bekenntnis zu einer Gemeinsamen Schule herauskommen, würde ich mich dem nicht verwehren.“

 

   Die protestierenden Lehrer können sich damit nicht trösten. Sie wollen auch keine neuen Verhandlungen, sondern eine Ministerin, die sich mit ihnen solidarisch zeigt. „Ich bin jetzt seit 2007 Lehrerin. Seitdem haben sich Dinge stets verändert und immer zum Schlechteren. Ich will, dass das endlich einmal aufhört“, bringt es die 35-jährige Englisch-Lehrerin Barbara Baumann für sich auf den Punkt.

 


 

"Format" Nr. 18/2015 vom 30.04.2015                 Seite: 12,13,14    Reportage          Von Stefan Knoll

 

22 Stunden mit Schelling

 

   Was Michael Häupl kann, schafft der Finanzminister locker: 22 Stunden Arbeitspensum in eineinhalb Tagen. FORMAT hat Schelling beim Ecofin in Riga beobachtet.

 

   Der vom Ministerium angemietete achtsitzige Learjet sieht neben der 30 Meter weiter rechts geparkten Bombardier der deutschen Luftwaffe wie Spielzeug aus. Die fünf Mal größere Entourage von Finanzminister Wolfgang Schäuble trifft nur Minuten nach der Delegation des österreichischen Amtskollegen am Flughafen der lettischen Hauptstadt Riga ein. Schäuble wird samt Rollstuhl rücklings die Gangway hinaufgetragen. Hans Jörg Schelling winkt, Schäuble winkt zurück.

 

   Wenig später hebt Schellings Maschine Richtung Wien ab. Ein weiterer Ecofin abgehakt. 22 Stunden an Meetings, Mediengesprächen und Verhandlungen, verpackt in eineinhalb Tagen. Und wieder kein Durchbruch bei den Reformverhandlungen mit Griechenland. "Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen“, sagt Schelling im Flieger.

 

   Rückblende: Es ist sieben Uhr früh, als der Finanzminister in Riga das erste Mal an diesem Freitag über griechische Reformen spricht. Er sei "einigermaßen genervt“, dass es immer noch keine Fortschritte gebe, sagt er in die Mikrofone von ARD und ZDF. "Wir müssen in Österreich schließlich auch Reformen machen.“

 

   Vier Stunden dauert das anschließende Eurogruppen-Treffen, länger als geplant. Das dominierende Thema: Griechenland. Es geht um die nächste EU-Kredittranche von 7,2 Milliarden Euro im Austausch gegen Sparpläne aus Athen. Vor dem Tagungsraum machen Gerüchte von Schreiduellen hinter Polstertüren die Runde. "Wann bekommen wir die Unterlagen, wo drinnen steht, wann welche Reformen im griechischen Parlament zur Abstimmung eingebracht werden?“, fragt Schelling bei der anschließenden Pressekonferenz. "Wir können nicht auf Basis eines Überschriftenpapiers Entscheidungen treffen.“ Schelling will Struktur. Yanis Varoufakis pokert. "Die Gespräche könnten erst im letztmöglichen Moment zu einem für beide Seiten fruchtbaren Ergebnis führen”, meint der griechische Finanzminister.

 

   "Varoufakis ist Spieletheoretiker, das muss man wissen“, sagt Schelling am Abend beim Briefing der mitgereisten österreichischen Journalisten. Dann erzählt er von Tarifverhandlungen mit der Ärztekammer, als er noch Chef des Sozialversicherung-Hauptverbandes war. "Die Kammer hat regelmäßig mit dem Leichentuch gewachelt und mit dem Ende der Gesundheitsversorgung gedroht.“ Griechenland agiere beim Thema Reformen genau so.

 

   In dieser Rolle gefällt sich der Winzer aus St. Pölten: hier der studierte Betriebswirt, Unternehmer, Reformer. Dort die Blockierer, Inszenierer. "Varoufakis erklärt uns jedes Mal, wie die Welt funktioniert. Wir hätten aber gerne Zahlen, Daten, Fakten“, sagt Schelling. Dann bricht er zum Galadinner der Finanzminister auf.

 

   Kurz vor Mitternacht kehrt er ins Hotel zurück, genehmigt sich an der Hotelbar noch einen Schlummertrunk. Reden will er da nicht mehr viel.

 

   Schelling ist verstimmt. "Da müssen wir reagieren“, brummt der Minister beim Frühstück am nächsten Morgen. Dieses Mal hat Kärnten mit dem Leichentuch gewachelt. Die finanzielle Versorgung für Schulen und Spitäler sei gefährdet, warnt Landeshauptmann Peter Kaiser in heimischen Medien. Selbst der Alpenverein könne das alpine Wegenetz nicht mehr verwalten. "Kärnten steht still“, titelte die "Kronen Zeitung“. 343 Millionen Euro soll die Republik vorstrecken, weil sich das Land seit dem Heta-Moratorium kein Geld mehr am Finanzmarkt borgen kann (siehe Kasten). Dabei sei die Höhe der Finanzierung kein großes Thema, meint Schelling: "Das Einzige, was wir verlangen, ist ein konkreter Rückzahlungsplan für die Landesschulden.“ Und einen Risikoaufschlag für die Kredite vom Bund.

 

   Zuvor hatte sich Schelling schon zum Arbeitsfrühstück mit Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem getroffen. Die Themen um halb acht Uhr früh: Kapitalmarktunion und natürlich Griechenland. Das Themenhopping sei die einzige Sache, die er am Finanzminister-Job unterschätzt habe, meint er: "Dabei geht’s ja meistens um substanzielle Dinge, in die man eingearbeitet sein muss. Und ich bin vermutlich der erste Finanzminister seit Hannes Androsch, dem dabei kein Staatssekretär zur Seite steht.“

 

   Dann bricht er auf zum nächsten Doorstep. Themen: Kapitalmarktunion und "Profit Shifting“ in der EU - also Steuerflucht. Dazwischen hat Schelling einen bilateralen Termin mit dem Präsidenten der Europäischen Investitionsbank, Werner Hoyer. Österreich übernimmt im Sommer routinemäßig den Vorsitz im Gouverneursrat der EIB. Als Beleg für die Fähigkeit zum Themenhopping beantwortet Schelling bei der anschließenden Pressekonferenz auch Fragen zur Bankenunion, dem automatischen Datenaustausch, dem Asset Review bei der Heta und abschließend zu Griechenland. Ob man sich tatsächlich beschimpft habe, wie man gerüchteweise hört, will ein Journalist wissen. Es gebe offenbar unterschiedliche Auffassungen von Emotionalitäten, erwidert Schelling. "Wenn ich einmal laut werde, dann hören Sie es bis hierher.“ Also keine Schreiduelle am Ecofin.

 

   "Rich Countries first, poor countries later. We have to wait“, ruft Schelling lachend der französischen Delegation nach, die vor der österreichischen von der Security vom Tagungsgelände gelotst wird.

 

   20 Minuten bleiben schließlich noch für einen Spaziergang durch die Innenstadt von Riga. Schelling erblickt einen Schnauzbartträger, will ein gemeinsames Foto. Österreich? Seine Stiefel seien von dort, sagt der Lette. Dann radelt er weiter. Mit Polizei-Eskorte geht es zurück zum Flughafen, wo Schelling auf Duzfreund Schäuble trifft. Man verstehe sich blendend, habe ähnliche Themen, erzählt der Minister im Flugzeug. Auch in Berlin sei nicht jeder glücklich über die Föderalstrukturen.

 

   Über die Bundesländer-Chefs kann sich der Minister ärgern: "Die sind keinen Widerspruch gewohnt. Wenn früher einer zum Finanzminister ging und gesagt hat, er will 30 Millionen, hat er sie einfach bekommen. Und keiner hat nachgesehen, ob nicht vielleicht 15 Millionen reichen.“

 

   Angeblich werde in den Ländergremien schon beraten, wie man ihn wieder loswerde. "Das hat man schon einmal versucht, als ich damals die Gesundheitsreform aufgesetzt habe.“

 

   Einen Tag hat Schelling jetzt frei. Er wird ihn im Weingut verbringen. Vergangene Woche in Washington, erzählt er, habe er wegen der Zeitverschiebung schon um 23 Uhr europäischer Zeit ein 22-Stunden-Arbeitsprogramm absolviert gehabt, und nicht erst zu Mittag des nächsten Tages, wie sich der Wiener Bürgermeister brüste. "Fast hätte ich den Michi Häupl angerufen und mich ins Wochenende verabschiedet.“

 

   Ein letztes "Bonmotscherl“ zum Abschied. Dann geht er ins Wochenende. Ins echte, diesmal.

 

   Zur Person. Hans Jörg Schelling (eigentlich Johann Georg), 1953 in Hohenems (Vbg.) geboren, studierte Betriebswirtschaftslehre in Linz. 1981 wurde er Assistenz der Geschäftsleitung beim Möbelhaus Kika/Leiner. 1992 wechselte er zum Konkurrenten XXXLutz, war bis 2009 Geschäftsführer, danach in den Hauptverband der Sozialversicherungsträger. Seit September 2014 ist er Finanzminister.

 

   Ecofin

 

   Monatlicher Marathon

 

   Einmal im Monat tagt der EU-Finanzministerrat (Ecofin), die Euro-Gruppe meist am Tag vor der eigentlichen Sitzung. Beim informellen Ecofin wie in Riga werden jedes Halbjahr grundsätzliche Positionen besprochen, etwa die Förderung von Wachstum und Beschäftigung. Topthema in Riga war die griechische Schuldenpolitik.

 


 

"Der Standard" vom 30.04.2015                               Seite: 14              Walter Müller

 

Kritik von Eltern: Direktoren wählen Schüler nach Gusto aus

Es ist jedes Frühjahr dasselbe Drama: Kinder werden aus oft unerklärlichen Gründen vom Gymnasium, das sie nach der Volksschule besuchen wollen, abgewiesen. Eltern sprechen von einer „willkürlichen Auslese“ der Direktoren. Ein exemplarischer Fall aus Graz.

 

   Graz – „Wie erkläre ich das jetzt Alex?“, fragt die besorgte und zornige Mutter. Monatelang habe sich der Volksschüler gefreut, ab Herbst ins Grazer Seebacher-Gymnasium zu gehen, er habe sich auch das ganze Jahr über bemüht, alle erforderlichen „Einser“ zu bekommen, zudem wohne die Familie gleich um die Ecke – und jetzt sei die überraschende Absage im Postfach gelegen.

 

   Alex ist nicht der Einzige. Zahlreiche andere Kinder, die an sich die Kriterien – Wohnort in Schulnähe, alle Fächer auf „sehr gut“, Geschwister in der Schule – erfüllen, wurden nicht ins Gymnasium aufgenommen. Unter den betroffenen Eltern herrscht jetzt helle Aufregung, und sie erheben gegen den Direktor der öffentlichen Schule schwere Vorwürfe: Dieser agiere „völlig willkürlich“ und suche sich die Kinder nach eigenem Gutdünken aus.

 

   „Der Direktor hat uns mitgeteilt, dass er bei manchen Fällen auch mit dem Los entscheidet, ob ein Kind bei ihm aufgenommen wird oder nicht. Wir haben bis heute keine Ahnung, nach welchen Kriterien wirklich ausgewählt wurde. Jetzt kann man sich vorstellen, was passiert, wenn die Schulen und Direktoren noch mehr Autonomie bekommen. Dann gibt’s überhaupt keine Kontrolle mehr“, sagt Alex’ Mutter. Maria-Theresia Lutz, Mutter eines Buben, der wie Alex abgelehnt wurde, ist ebenso irritiert: „Unsere Kinder sind nun gezwungen, entweder ein paar Stationen mit der Bim zu fahren oder einen viel weiteren Fußweg, entlang der viel befahrenen Leonhardstraße mit schmalen Gehsteigen, zu nutzen. Mir ist das ganze Vorgehen völlig unverständlich. Schule und Direktor sollten den Vergabevorgang offenlegen.“

 

   Es habe den Eindruck, alles liege „alleine in den Händen eines Mannes, der die Plätze nach persönlichem Gusto vergibt“.

 

   Gymnasialdirektor Wolfgang Kasper zeigt sich verwundert über die Kritik: „Ich bedaure als Schulleiter sehr, dass wir leider nicht alle Kinder, die von ihren Eltern bei uns angemeldet werden, aufnehmen können. Ich schaue mir sehr genau an, für welche Kinder wir das näheste Gymnasium sind. Nach Erhalt der Abweisungen haben mich rund 15 Eltern kontaktiert. Alle Gespräche bis auf eines verliefen in äußerst freundlicher Atmosphäre.“

 

   Im Landesschulrat will man nun aufgrund der Proteste der Eltern sich die Sache aber dennoch genauer anschauen. Die amtsführende Präsidentin des steirischen Landesschulrates, Elisabeth Meixner, sagte im Gespräch mit dem Standard, die zuständige Schulaufsicht werde „unverzüglich damit beauftragt, den Hinweisen nachzugehen“.

 

   Über etwaige Konsequenzen werde erst „nach Prüfung des Sachverhaltes entschieden“.

 

   Elisabeth Meixner: „Wir können aber versichern, dass die Direktorinnen und Direktoren alle Möglichkeiten zur Vermeidung von Abweisungen ausschöpfen und sich den Entscheidungsprozess nicht einfach machen.“

 

Das lange Anstehen um die Erlaubnis, ins gewünschte Gymnasium wechseln zu können, endet bisweilen mit einer herben Enttäuschung.

 


 

"Die Presse" vom 30.04.2015                                Seite: 2   LEITARTIKEL           von Florian Asamer

 

Zentral ist vor allem die Aufregung

 

Die Zentralmatura ist auch so etwas wie eine Prüfung über die Reformreife unserer Gesellschaft. Es schaut so aus, als müsste sie noch einmal antreten.

 

   Bis kommenden Dienstag die ersten Prüflinge zur heftig diskutierten neuen Reifeprüfung antreten, war vor allem eines zentral: die Aufregung um diese wichtige Bildungsreform. Ein abgestürzter Server da, unklare Rechenbeispiele dort, geleakte Probeaufgaben hier, unzureichende Betreuungskapazitäten für die neue vorwissenschaftliche Arbeit überall. Man kann sich des Eindrucks nicht ganz erwehren, dass es viele der in das Projekt Zentralmatura involvierten Personen (Lehrer, Eltern, Schüler, Politiker) nicht ungern sähen, wenn sich die einheitliche Matura schlussendlich als Flop erwiese.

 

   Insofern ist die Zentralmatura in erster Linie einmal auch als politisch-gesellschaftliche Reifeprüfung zu verstehen. Inwieweit nämlich nehmen die von Reformen betroffenen Bürger Unannehmlichkeiten und Pannen in der unvermeidlichen Umstellungsphase einer Reform in Kauf? Sieht man da die Reaktion auf die neue Matura als Messlatte, schaut es für weitere dringend notwendige Änderungen im Bildungssystem, aber auch für andere Großthemen wie Gesundheit und Verwaltung gar nicht gut aus. Natürlich muss die Politik anstehende Neuerungen ordentlich vorbereiten und vor allem auch gut erklären, da gibt es bei der verantwortlichen Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek und dem ihr angegliederten Pannen-BIFIE sicher noch Luft nach oben. Umsetzen aber können die Reform letztlich nur die Betroffenen selbst.

 

   Und natürlich ist die Zentralmatura sinnvoll. Wie denn sonst soll Autonomie und damit ein differenziertes, auf die Begabungen und Neigungen der Schüler eingehendes Unterrichten möglich sein, wenn man nicht ein unter allen Umständen zu erreichendes Bildungsziel außer Streit stellt? Ist dieses Ziel einmal klar, stehen viele Wege offen, auch tatsächlich dorthin zu gelangen. Das bringt Wahlfreiheit, Kreativität, Wettbewerb; und damit bessere, andere - ja - mehr Bildung.

 

   All jenen, die sich nun vor einer Nivellierung nach unten fürchten, muss man die Frage stellen: Ja, wie war es denn bisher? War das Niveau gut? Mittel? Oder gar schlecht? Da waren an ein und derselben Schule Noten im selben Gegenstand unterschiedlich viel wert, weil ein Lehrer viel, sein Kollege aber wenig verlangt hat. Da hat ein Professor seinen Schützlingen die Maturafragen vorab verraten, ein anderer war nicht einmal bereit, den Stoff vernünftig einzugrenzen. Gerecht? Gutes Niveau? Schlechtes? Wer soll das beantworten? Meist tun es übrigens ungefragt jene, die ihre eigene Matura im Brustton der Überzeugung im Nachhinein als schwierig qualifizieren.

 

   Wenn aber in Zukunft die Latte für alle gleich hoch liegt, wird zumindest einmal ein einheitlicher Standard festgelegt. Natürlich besteht zu Beginn die Gefahr, dass einem zu schlechten Ergebnis abgeholfen wird, indem man am Beurteilungsschlüssel dreht. Bisher konnte das aber der korrigierende Lehrer in seinem Kammerl quasi nach dem Zweiaugenprinzip (mehr oder weniger) mit sich selbst ausmachen. Gelingt es einem Lehrer aber in Zukunft nicht, seinen Schülern in vier Jahren Oberstufe einen klar vorgegebenen Stoff zu vermitteln, anderen Kollegen aber schon, wird es erstmals auch möglich, die Qualität der Arbeit von Lehrenden zu vergleichen. Und guten Lehrern, die mit ihren Schülern den vorgegebenen Stoff schon in kürzerer Zeit bewältigt haben, bleiben zusätzliche Freiräume. Das modulare System in den Oberstufen (also Angebot von frei wählbaren Semesterkursen zusätzlich zum Pflichtprogramm) macht es möglich, solche Freiräume sinnvoll zu füllen.

 

   Ein gutes Beispiel, wie Lernen auch aussehen kann, ist die vorwissenschaftliche Arbeit. Diese kleine Seminararbeit wird von Mitte der siebenten Klasse bis zu Matura erstellt, dann vor einer Kommission "verteidigt" und ersetzt ein mündliches Maturaprüfungsfach. Das dabei Erarbeitete wird noch präsent sein, wenn kurzfristig angestrebertes Wissen für eine Mündliche längst vergessen ist - oft schon während der Maturareise.

 

   Weil die wirklich wichtigen Dinge schon vor der Matura passieren. Oder eben danach. Das könnte auch so eine zentrale Erkenntnis sein.

 

   Mehr zum Thema: Seiten 1 bis 3

   E-Mails an: florian.asamer@diepresse.com

 


 

"Die Presse" vom 30.04.2015                                   Seite 1

 

REIFEPRÜFUNG IN EUROPA

Abschluss des Sekundarbereichs II schriftlich/mündlich

 

TSCHECHIEN

 

Tschechien hat das, was Österreich gerade durchmacht, erst kürzlich durchlebt. Das Land führte im Jahr 2011 die Zentralmatura ein-inklusive einiger Pannen. Die "Nová maturita" besteht aus einem zentral vorgegebenen staatlichen und einem schulinternen Teil. Die Benotung nehmen nicht die Lehrer, sondern eigene Korrektoren vor.

 

GROSSBRITANNIEN

 

Großbritannien reformiert die Schulabschlussprüfung gerade. Die Prüfung soll wieder in traditionellen Fächern wie Mathematik, Englisch, Naturwissenschaften und (lebenden und klassischen) Fremdsprachen abgelegt werden müssen. Bislang war das nicht der Fall. Das führte-trotz glänzender Abschlussnoten-zu einem schlechten Niveau der Schulabgänger.

 

FRANKREICH

 

Frankreich gilt als Vorzeigeland in puncto Zentralmatura. Landesweit finden die einheitlichen "Baccalauréat"-(Bac)-Prüfungen gleichzeitig statt. Die Klassenlehrer haben weder etwas mit der Aufgabenstellung noch mit der Korrektur zu tun. Die Prüfungen gelten auch als Gradmesser für die Qualität der Schule.

 

ITALIEN

 

Die italienische "maturità" ist kompliziert: Zur Endnote steuern nämlich auch der Notenschnitt, das Betragen und Sonderleistungen der letzten drei Schuljahre bei. Von den drei schriftlichen Prüfungen werden zwei landesweit vom Schulministerium festgelegt und eine von einer schulischen Prüfungskommission-zu dieser zählen eigene und externe Lehrer. Am schwersten wiegt die mündliche Prüfung. Bei dieser werden die Maturanten querschnittartig über alle Fächer des letzten Schuljahres befragt.

 


 

"Die Presse" vom 30.04.2015                                Seite: 1

 

Auf einen Blick

Am 5. Mai startet die Zentralmatura mit dem Fach Deutsch. Tags darauf folgt Englisch, die letzten zentralen Klausuren finden am

 

   13. Mai statt (Latein und Griechisch).

 

   Rund 26.000 Schüler absolvieren heuer die Zentralmatura. Rund 19.000 von ihnen an den 334 AHS, 7000 im Rahmen des Schulversuchs an den BHS.

 

   Die Aufgaben werden vom Bundesinstitut für Bildungsforschung (BIFIE) vorgegeben. Am Tag nach der jeweiligen Prüfung werden sie veröffentlicht.

 


 

"Die Presse" vom 30.04.2015                                Seite: 1

 

Neue Matura, bessere Schule?

 

   Zentralmatura. Mit der Prüfung in Deutsch startet in fünf Tagen die neue Reifeprüfung. Über die größte Schulreform seit Langem wird viel gestritten. Was sie dem Schulsystem wirklich bringt.

 

   von Bernadette Bayrhammer, Julia Neuhauser und Rosa Schmidt-vierthaler

 

   Wien. Nur noch fünf Tage, dann wird es ernst für die erste echte Zentralmatura. Die letzten Aufgabenhefte werden heute ausgeliefert - die Lieferwagen sind zum Teil sogar mit Farbpatronen bestückt, damit die Beispiele nicht in den falschen Händen landen. Mit Deutsch beginnen am Dienstag dann die Klausuren.

 

   Über Sinn und Unsinn der Zentralmatura wird viel gestritten - nicht zuletzt wegen diverser Malheurs. Erst gestern wurde kritisiert, dass Schummelgefahr bestehe, weil die Prüfungen an den Schulen zu unterschiedlichen Uhrzeiten beginnen. Klar ist: Es ist die größte Reform seit Langem, weil sich mit der Matura auch der Unterricht verändert. "Die Presse" hat sich angesehen, warum die Schule durch die Zentralmatura (nicht) besser wird.

 

   Weil sich niemand mehr durchschummeln kann - und manche besser werden müssen.

 

   Bei einer zentralen Matura kann sich keiner mehr durchschummeln - weder die Schüler noch die Lehrer. Und dass die Leistungen künftig vergleichbar werden, bringt Potenzial für Verbesserungen: Schulen und Lehrer, die wiederholt schlecht abschneiden, werden an sich arbeiten müssen. Dass das wirklich passiert, darauf werden Schulaufsicht und Ministerium achten (müssen).

 

   Weil der Stoff nicht auswendig gelernt wird, sondern es ums Verständnis geht.

 

   Die Erfinder der neuen Matura haben sich ein hehres Ziel gesetzt: Das Gelernte soll nicht sofort wieder vergessen, sondern nachhaltig gespeichert werden. Voraussetzung dafür ist, dass die Schüler den Stoff verstehen. Das hat etwa den Mathematikunterricht verändert. Es wird mehr Wert auf Reflexion und Interpretation gelegt. Gerechnet wird weniger. Die Rechenfertigkeiten werden damit zwar geringer, man darf aber darauf hoffen, dass das mathematische Verständnis ein besseres wird.

 

   Weil nicht mehr so in die Tiefe gegangen wird - auf Kosten der Allgemeinbildung.

 

   Um Schüler auf die spezifischen Aufgabenstellungen vorzubereiten, braucht es viel Unterrichtszeit. In Deutsch müssen neun Textsorten trainiert werden. Damit geht Zeit verloren, um bei anderen Themen in die Tiefe zu gehen. Das Schreiben - mehr oder weniger brillanter - Analysen und die Beschäftigung mit Literatur weicht dem Bedarfstext. Damit kann ein Teil jener Allgemeinbildung verloren gehen, die früher am Gymnasium wesentlich war. Ob für Wissen Platz ist, das über das Abgefragte hinausgeht, wird dem Lehrer überlassen sein. Schulen, die nicht auf ein eigenes Profil und Schwerpunkte verzichten wollen, werden die Zeit dafür finden müssen.

 

   Weil es jetzt zwar um den Output geht - der sich aber an der Vergangenheit orientiert.

 

   Mit der Zentralmatura geht es im Schulsystem mehr darum, was Schüler letztlich können sollen. Das ist gut. Das Problem: Man hat sich nicht zuerst überlegt, was Schüler nach acht Jahren können sollen - sondern sich zu sehr daran orientiert, was bisherige Jahrgänge konnten. Auch die Politik hat schließlich ein Interesse, dass nicht allzu viele Schüler an der neuen Matura scheitern. Überspitzt könnte man sagen: Die Latte richtet sich nach den schlechtesten Schulen.

 

   Weil die Lehrer zumindest vor der Matura vom Prüfer zum Begleiter werden.

 

   Die Rolle der Lehrer ändert sich, wenn sie es nicht mehr sind, die die Schüler prüfen. Im Vordergrund steht - vielleicht noch mehr als bisher -, die Matura gemeinsam gut zu bewältigen, und nicht das Prüfen und Geprüftwerden. Was vielleicht zu einer anderen Lehrkultur führt: mit dem Lehrer als Begleiter.

 

   Weil Standardisierung eine Bedingung für die oft geforderte Autonomie ist.

 

   Alle wollen mehr Schulautonomie - von der Bildungsministerin abwärts. Aber nur, wenn klar geregelt ist, was am Ende herauskommen soll, kann man Schulen auch alle (oder viele) Freiheiten für den Weg dorthin geben. Dass eine zentrale Prüfung diese Freiheiten indirekt beschränkt, ist klar - aber auch gewollt.

 

   Weitere Infos: www.diepresse.com/bildung

 


 

"Die Presse" vom 30.04.2015                                Seite: 2 von bernadette bayrhammer und rosa schmidt-vierthaler

 

Lehrer stehen auf dem Prüfstand

 

   Vergleich. Auch Lehrerleistungen werden durch die Zentralmatura zunehmend transparenter. Besonders schlechte Resultate könnten auch Folgen haben.

 

   Wien. Früher war es ja relativ einfach: Drohte eine Klasse bei der schriftlichen Matura richtig schlecht abzuschneiden, übten manche Lehrer davor bestimmte Beispiele besonders intensiv. Und wenn eine Maturaklasse nach der anderen reihenweise Fünfer einfuhr, war man eben ein besonders fordernder Lehrer. Ohne alle Pädagogen unter Generalverdacht stellen zu wollen - es gab Schlupflöcher, um zu verhindern, dass Klassen allzu schlecht abschnitten. Und Argumente, um schlechte Ergebnisse besser darzustellen. Die sind mit der Zentralmatura nun weg.

 

   Auch wenn Lehrerleistung nicht gleich Schülerleistung ist - denn natürlich spielen da sehr viele andere Faktoren mit -, macht die neue Matura nicht nur die Leistungen der Schüler vergleichbar, sondern auch die der Lehrer. Ein Lehrer, dessen Klassen notorisch versagen, dessen Schüler deutlich schlechter abschneiden als die der Kollegen, ist zumindest potenziell ein schlechter Pädagoge. Oder anders gesagt: Der Rechtfertigungsdruck für die Lehrer steigt. Und damit womöglich auch die Nervosität. Immerhin gibt es international vergleichsweise krasse Beispiele dafür, was man mit zentralen Prüfungsergebnissen anstellen kann: So feuerte in Washington die Chefin der Schulbehörde vor fünf Jahren fünf Prozent der Lehrer - die meisten, weil ihre Schüler in standardisierten Tests schlecht abgeschnitten hatten.

 

   Verpflichtende Fortbildungen?

 

   In Österreich ist man davon zwar auch gedanklich weit entfernt. Doch die neue Vergleichbarkeit ist dem Bildungsministerium nur recht: "Sollten tatsächlich an bestimmten Standorten oder in bestimmten Klassen überdurchschnittlich schlechte Ergebnisse auftreten, wird das in die qualitative Weiterentwicklung des Unterrichts einfließen", heißt es aus dem Büro von Ministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ). Viel deutlicher will man nicht werden. Aber allein die Vorstellung, womöglich zu Fortbildungen verdonnert zu werden oder die Unterrichtsplanung mit dem Direktor absprechen zu müssen, dürfte den wenigsten Lehrern gefallen.

 

   Laut Bildungsressort gehe es zunächst um ein Miteinander zwischen Lehrer, Direktion und Schulaufsicht - ähnlich, wie das jetzt schon bei den Bildungsstandards der Fall sei. Diese bringen genauso wie die Zentralmatura mehr Transparenz, auch über die Lehrerleistung. Mit dem Unterschied, dass bei der Matura Kollegen, Eltern und Schüler Bescheid wissen. Das Umfeld weiß, wie eine bestimmte Klasse abgeschnitten hat.

 

   Es gibt viele andere Gründe, warum sich viele Lehrer und ihre Gewerkschaft so erbittert gegen die Zentralmatura gewehrt haben - weil sie ein Eingriff in ihre Freiheit ist zum Beispiel. Mitgespielt hat die neue Vergleichbarkeit aber bestimmt - das bestätigen auch Lehrer, zumindest hinter vorgehaltener Hand. Offensiv kommuniziert wird das nicht, auch nicht unter Lehrerkollegen: Wer gibt schon gern zu, die neue Matura zu fürchten, weil er Angst hat, dass seine Klasse versagt?

 

   Der oberste AHS-Lehrervertreter Eckehard Quin sieht die Zentralmatura ohnehin überhaupt nicht als Testung des Lehrers. "Es werden ja nicht die Lehrer geprüft, sondern die Schüler." Aus dem Ergebnis eines Schülers könne man nichts über einen Lehrer ableiten, so Quin: Man wisse nichts über seine Intelligenz, über seinen Hintergrund, über seinen Eifer. Auch nicht, ob es vielleicht Lehrerwechsel gab. Auf längere Sicht könne man gewisse Rückschlüsse ziehen, meint er dann doch. "Aber das konnte man ja früher auch. Eine Matura ist ja kein Geheimnis."

 

   Das stimmt: Auch bisher kam die Schulaufsicht ins Spiel, wenn es irgendwo gar nicht klappte. Bei etwaigen Auffälligkeiten habe es immer schon Dienstaufsichtsbesprechungen gegeben, auch schon bevor es die Zentralmatura gab, heißt es aus dem Wiener Stadtschulrat. Und auch künftig würde sich die Schulaufsicht die Ergebnisse genau ansehen. "Das ist eine Zentralmaturakontrolle, aber insofern natürlich auch eine der Lehrer." Und: "Jetzt gibt es weniger Ausreden."

 

   Faire Beurteilungen sind schwierig

 

   Die Lehrer würden jetzt stärker als zuvor vor der Frage stehen, wie sie die Ergebnisse ihrer Schüler rechtfertigen, sagt die Bildungsexpertin Christa Koenne. Man müsse sich mit relativen Erwartungswerten befassen. Von einem Oberstufengymnasium (mit vielen Ex-Hauptschülern) kann man nicht die gleichen Ergebnisse erwarten wie von einem Elitegymnasium. "Aber wenn unter gleichen Rahmenbedingungen sehr unterschiedliche Ergebnisse erzielt werden, muss das den Lehrer zum Überlegen bringen. Und wenn es sich um Wiederholungstäter handelt, sollte die Behörde reagieren." Eine gewisse Verunsicherung rühre aber auch von etwas anderem, sagt sie: "Lehrer wissen, wie schwer es ist, fair zu beurteilen. Und jetzt werden sie selbst beurteilt."

 


 

"Die Presse" vom 30.04.2015                                Seite: 2

 

Matura: (K)eine Voraussetzung für die Uni

Geschichte. Die Matura erfährt seit der Einführung 1849 derzeit ihren größten Wandel. Ein Rückblick.

 

   Wien. Der kommende Dienstag markiert für Österreichs Bildungstradition eine Zäsur: Die Matura erfährt die größte Änderung seit ihrer Einführung. Die österreichische Reifeprüfung oder Matura (von lat. maturitas, die Reife) geht auf Unterrichtsminister Leo Thun-Hohenstein zurück, der 1849 mit der Matura die Zugangsvoraussetzung für die Uni schuf. Das damals sechsjährige Gymnasium, dem ein zweijähriger philosophischer Lehrgang zur Erlangung der Uni-Reife folgte, wurde in das - bis heute bestehende - achtjährige Gymnasium umgewandelt, das mit der Matura zum Studium berechtigt.

 

   Um die einzelnen Maturafächer wurde zwischen Kirche und Staat heftig gestritten. Die erste Reifeprüfungsvorschrift legte fest, dass schriftlich in Deutsch, Mathematik, Latein sowie Griechisch maturiert werden musste. Mündlich waren allerdings nicht drei, sondern sechs Fächer vorgeschrieben (Literatur der Muttersprache, Latein, Griechisch, Mathematik, Naturgeschichte/Physik und Geografie/Geschichte). Nach einigem Herumexperimentieren (so wurde der mündliche Prüfungsstoff zwischenzeitlich in manchen Fächern auf das letzte Semester der achten Klasse beschränkt) einigte man sich 1908 auf eine bis heute geltende Festlegung: Neben drei schriftlichen Pflichtfächern - heute Deutsch, Mathematik und meist Englisch - müssen die Schüler aus dem Kanon der Gegenstände noch vier für die mündliche Prüfung wählen. Dieses Konzept wurde später für die berufsbildenden höheren Schulen angepasst. Übrigens: Auch die mit der Zentralmatura eingeführte vorwissenschaftliche Arbeit ist keine neue Erfindung. In der Zwischenkriegszeit gab es ein ähnliches Modell. Der Widerstand der Lehrer brachte das aber zum Kippen.

 

   Matura verliert ihre Exklusivität

 

   Lange war die Matura das einzige Sprungbrett für eine nachfolgende Universitätslaufbahn. Freilich gab es Ausnahmen, also Studierende, die ohne Matura Uni-Karrieren machten. In Deutschland war etwa Albert Einstein ein derartiger Fall, in Österreich der im Vorjahr verstorbene Spitzenphysiker Walter Thirring, der wegen der Kriegsereignisse zu keinem Gymnasialabschluss kam. In Österreich büßte die Matura das Alleinstellungsmerkmal, zum Uni-Studium zu qualifizieren, nach und nach ein. In den 1980er-Jahren wurde mit dem Schlagwort "Studieren ohne Matura" die Berufsreifeprüfung eingeführt, die den Uni-Besuch in jenem Studienbereich ermöglichen sollte, in dem der Lehrabschluss absolviert wurde. Eine weitere Umgehung der Matura sollte 1993 mit der Gründung der ersten Fachhochschulen erfolgen. Ex-Wissenschaftsminister Erhard Busek wies explizit darauf hin, dass auch Lehrlinge in eine FH aufgenommen werden sollten, nach Möglichkeit bis zu 20 Prozent. Erreicht wurde das Ziel nicht. Seit 2005 werden außerdem immer mehr Zugangstests an Unis durchgeführt. Matura allein reicht also meist nicht mehr.

 

   Den Anstoß für den Wandel zur Zentralmatura gab 2003 übrigens nicht eine der Bildungsministerinnen, sondern die Wiener Stadtschulratspräsidentin, Susanne Brandsteidl (SPÖ). (ewi/red.)

 


 

"Die Presse" vom 30.04.2015                                Seite: 2   von Bernadette Bayrhammer

 

"Im System geerdet": Wer die Matura-Aufgaben erstellt

 

   Prüfungsfragen. Rund 180 extra geschulte Lehrerinnen und Lehrer produzieren pro Jahr rund 2300 Aufgaben für die Zentralmatura. Dafür braucht es durchaus Inspiration. Und Geduld: Von der ersten Idee bis zur fertigen Matura-Aufgabe dauert es ein bis zwei Jahre.

 

   Wien. Manchmal sitzt Andrea Ferlin an ihrem Schreibtisch, und da kommt nichts. Keine Idee - oder zumindest keine, die als Matura-Aufgabe für mehrere tausend Schüler taugen würde. Dann geht die Mathematiklehrerin gern eine Runde schwimmen. Danach ist die Inspiration meist da - und mit ihr einige Beispiele, die womöglich irgendwann auf dem Tisch von 20.000 AHS-Maturanten landen.

 

   Andrea Ferlin ist eine von rund 180 extra geschulten Lehrerinnen und Lehrern, die an Aufgaben für die Zentralmatura tüfteln. Zehn bis 15 kümmern sich um Mathematik. Dass es Lehrer sind - aus allen maturaführenden Schultypen und aus ganz Österreich - ist Absicht. "Die Aufgaben sollen nicht von abgehobenen Schreibtischtätern produziert werden", sagt Peter Simon, der im Bundesinstitut BIFIE für die Zentralmatura verantwortlich ist. "Sie sollen im System geerdet sein."

 

   Ferlin unterrichtet eigentlich Mathematik und Geografie am Gymnasium Biondekgasse in Baden (NÖ), vor allem in Oberstufenklassen. "Da kommen einem natürlich auch im Lauf des Unterrichts schon viele Ideen für Maturabeispiele." Die Aufgaben entwickelt sie seit dreieinhalb Jahren zusätzlich zum Lehrerjob für das BIFIE, beworben hat sie sich nicht. "Man wird entdeckt", sagt Simon: Die Lehrer fallen durch irgendwelche Extratätigkeiten auf, etwa in der Fortbildung.

 

   550 Mathe-Aufgaben pro Jahr

 

   Insgesamt werden laut BIFIE pro Schuljahr knapp 550 Mathematikaufgaben produziert - pro Mathematikmatura braucht man etwa 28 Aufgaben. Über alle zentral geprüften Fächer hinweg, von Deutsch über Englisch bis Griechisch, werden rund 2300 Beispiele pro Jahr produziert. Lehrerin Andrea Ferlin hat sich bisher "zwischen 100 und 200 Beispiele" ausgedacht. Einige davon hat sie auch schon in (Probe-)Klausuren wiedererkannt.

 

   Bis die Aufgaben wirklich vor den Schülern liegen, vergehen aber ein bis zwei Jahre - und nicht alle Ideen schaffen es dorthin. Die Aufgabenentwickler diskutieren sie auf einer Onlineplattform ("Alles wasserdicht abgesichert", sagt Peter Simon). Rund 50 Experten, Fachdidaktiker und Testtheoretiker überprüfen die Aufgaben dann. Da können sich die Beispiele auch noch verändern. "Dass in der Angabe aus einem Zug ein Auto wird, kann schon sein", sagt Andrea Ferlin. Einmal sollte sie zu einer bestimmten Kompetenz ein Beispiel erarbeiten. "Da hat sich die Muse verweigert, und es ist ein Blödsinn geworden."

 

   In Feldtestungen an Schulen wird dann erprobt, ob die Beispiele funktionieren. Passt eines nicht, wird es gestrichen oder überarbeitet, und es geht von vorn los. Schließlich kommen die Aufgaben noch einmal in die Hände von Experten. "Finetuning" nennt Peter Simon das: Je Fach wird rund eine Woche lang überprüft, ob die Aufgaben tatsächlich Konzept und Lehrplan entsprechen. Alles, was hier nicht ausgesiebt wird, landet in der engeren Auswahl für die echte Prüfung.

 

   Nur wenige kennen die Matura

 

   Welche Prüfungsbeispiele wirklich auf dem Tisch der Maturanten landen, wissen aber pro Fach nur zwei bis vier Personen aus dem BIFIE. Didaktiker oder Schulinspektoren haben genauso wenig Ahnung wie die Lehrerinnen und Lehrer, die die Matura-Aufgaben entwickeln. Andrea Ferlin rechnet damit, dass Beispiele auftauchen werden, die sie entwickelt hat - auch wenn sie es natürlich nicht weiß. Ob ihre Maturaklasse deshalb einen Vorteil haben wird? Wenn, dann eher, weil die Lehrerin das Konzept der neuen Matura inzwischen sehr stark verinnerlicht hat - und mit ihren Schülern übt, was das Zeug hält. "Mit dem vielen Übungsmaterial, das ich für sie produziere, erkennen sie vielleicht sogar meinen Stil." Über die Lösung sagt das allerdings noch immer nichts aus.

 


 

"Österreich" vom 30.04.2015                                   Seite 1

 

Testen Sie selbst: Würden Sie die Zentralmatura bestehen?

Serie: Die ersten sieben Maturafragen aus Deutsch, englisch und Mathematik. s. 6

 

 

"Österreich" vom 30.04.2015                                   Seite 6

 

26.000 zittern vor der Zentral-Matura

Reifeprüfung beginnt am kommenden Dienstag

Erstmals ist die Zentralmatura Pflicht bei den Reifeprüfungen der Gymnasien.

 

Wien. Durchgesickerte Aufgaben, der Streit um den Notenschlüssel, Ärger über späte Information zu den mündlichen Prüfungsterminen - wenn nächste Woche Dienstag die Zentralmatura beginnt, kann sie schon auf eine "stolze" Geschichte an Problemen zurückblicken.

 

Nichtsdestotrotz -am Dienstag treten 19.164 Gymnasiasten und rund 7.000 BHS-Schüler zur Zentralmatura in Deutsch an. In den Tagen darauf sind dann die anderen Fächer dran. Im Juni müssen die Maturanten dann noch die mündlichen Klausuren überstehen (siehe Zeitplan).

 

Sicherheitstransporter bringt die Angaben

 

Damit die Matura nicht mit Pleiten und Pannen weitergeht, laufen die Vorbereitungen seit Monaten auf Hochtouren. Aktuell werden noch die letzten Prüfungsbögen mit Sicherheitstransporten an die Schulen geliefert. Insgesamt geht es um über 180.000 Angabenhefte, die an die 427 Standorte geliefert werden müssen.

 

Der Sicherheitsaufwand ist enorm: Die Kuverts werden mittels Sicherheitstransporten an die Schulen geliefert und dort an eine dem Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) bekannte, berechtigte Person übergeben. Die Lieferwagen sind mit GPS-Sendern und mit Farbpatronen bestückt! (pli)

 

Der Fahrplan zur Zentralmatura

 

Erstes Prüfungsfach am Dienstag ist Deutsch

5. Mai. Der erste Termin - Deutsch schriftlich.

6. Mai. Englisch schriftlich.

7. Mai. Spanisch oder Volksgruppen-Sprache.

11. Mai. Mathematik.

12. Mai. Italienisch.

13. Mai. Latein oder Griechisch.

27. Mai. Ergebnis der schriftlichen Matura.

ab 6. Juni. Mündliche Klausuren starten.

 

Ministerin Heinisch-Hosek ist mindestens so gespannt wie die Schüler, ob das Prestigeprojekt funktioniert.

Am Dienstag beginnt die Zentralmatura mit Deutsch.

Die Maturanten-Karte Die meisten AHS-Maturanten gibt es in Wien. Bundesweit stellen sich 19.164 Schüler der neuen Reifeprüfung.

 


 

"Kronen Zeitung" vom 30.04.2015                               Seite 1

 

Fragen könnten weitergegeben werden:

Schummel-Alarm bei Zentralmatura

 

 

"Kronen Zeitung" vom 30.04.2015                              Seite: 2

 

Fragen ident, aber Schulen starten nicht zeitgleich mit Prüfung

Schummel-Alarm – noch eine Panne bei neuer Zentralmatura

 

Wien. – Gut vernetzte Freunde können ab Dienstag ihre Matura-Noten deutlich verbessern: Österreichs Schulen beginnen nämlich nicht zeitgleich mit der Prüfung – die Fragen sind aber bundesweit ident. Maturanten (oder auch Lehrer?), die um 7.20 Uhr beginnen, hätten noch fast zwei Stunden Zeit, andere Schulen zu informieren.

 

   „Ja, das ist tatsächlich ein Problem. Diese Schummelei wäre möglich“, bestätigt ein Mitarbeiter eines Landesschulrats-Büros gegenüber der „Krone“ die nächste Panne bei der Zentralmatura. Und dieser Insider verrät: „Das Bildungsministerium hat das verbockt. Man war dort in den vergangenen Wochen nicht fähig, eine Beginnzeit festzulegen. Jetzt starten die Schulen am Dienstag um 7.20 Uhr – oder auch erst um neun Uhr.“ DaRICHARD SCHMITTbleibt viel Zeit, die Mathematik-Aufgaben oder die Lateinmatura an Freunde in anderen Schulen, die später beginnen, zu verraten.

 

   Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ, Bild u.) meint dazu: „Es geht lediglich um eine Stunde und 40 Minuten. Und ein Erlass verpflichtet ohnehin alle zu Geheimhaltung.“ Warum nicht zeitgleich mit der Matura gestartet wird, begründet die Ministerin so: „Die Autonomie der Schulen wird respektiert, es wird auf die individuelle Verkehrssituation der Schüler Rücksicht genommen.“

 

  Bekanntlich ist das nicht die erste Panne: Tests liefen katastrophal, es wurde bereits vor Sicherheitsrisken gewarnt, zeitgleich mit der Stellung für das Bundesheer wurde die Matura angesetzt – und es gab auch einen Nazi-Text für die Deutsch-Matura.

 


 

"Oberösterreichische Nachrichten" vom 30.04.2015            Seite: 27

 

Ganztägige Schule : Rechnungshof übt Kritik

 

   Linz. Ganztägige Schulformen sollen in Österreich ausgebaut werden. Dabei unterstützt der Bund die Gemeinden finanziell. Die Länder wickeln diese Förderungen ab, können aber dabei nur sehr eingeschränkt steuernd eingreifen, kritisiert nun der oberösterreichische Landesrechnungshof.

 

   Das Finanzierungssystem sei zu komplex, ein Überblick über die Gesamtkosten fehle bei allen Akteuren, heißt es in einer Aussendung. 14.200 Schüler in Oberösterreich besuchen eine ganztägige Schule. 12.200 Kinder werden in einem Hort betreut. Es sei nicht ersichtlich, ob Hortplätze bei den Berechnungen des Bundes mitberücksichtigt sind, sagt LRH-Direktor Friedrich Pammer. Oberösterreich verfüge über eine überdurchschnittlich gute Hortstruktur. "Die Bundeszuschüsse werden aber nur zum Ausbau ganztägiger Schulformen gewährt", sagt Pammer. Das würde Länder mit einem großen alternativen Angebot - wie Oberösterreich - finanziell benachteiligen. Laut LRH-Bericht "wäre es nur konsequent, die Mittel auch für Horte zur Verfügung zu stellen.

 


 

"Österreich" vom 30.04.2015                                  Seite 20

 

Ganztagsschule: OÖ erreicht Quote nicht

Rechnungshof übt massive Kritik

26.500 Kinder besuchen derzeit eine Ganztagsschule oder einen Hort.

 

Linz. Der Wahlkampf lässt grüßen: Der Landesrechnungshof-Bericht zum Ausbau der ganztägigen Schulformen löste am Mittwoch eine Diskussion aller Parteien aus. Die Sensibilität ist groß: Bildungslandesrätin Doris Hummer (ÖVP) reagierte bereits einen Tag vor Veröffentlichung des Berichts und musste schon allein für das "Abschießen" Kritik von der SPÖ einstecken.

 

Der Inhalt des Berichts: 14.200 Kinder werden derzeit in Ganztagsschulen betreut, bis 2018/19 sollen es 16.600 sein. Damit erreicht OÖ jedoch nur die Hälfte der vom Bund vorgegebenen Quote von 30 Prozent. Im Bereich der Horte wird das Ziel erreicht, es gibt jedoch dafür keine gleichwertigen Förderungen. Während die Grünen eine Benachteiligung durch den Bund sehen, gehen SPÖ und FPÖ mit Hummer hart ins Gericht: "Sie muss sich erklären, warum die Zielwerte derart zurückfallen." Hummer:"Wir bauen jene Betreuungsformen aus, welche Eltern und Kinder tatsächlich brauchen."

 

Weitere Rechnungshof-Kritik: Es habe keiner einen Gesamtüberblick über die Kosten, der Datenaustausch zwischen Landesschulrat und Bildungsressort funktioniere nicht.

 

Kinder in Horten & Ganztagsschulen

 

14.200 von etwa 120.600 schulpflichtigen Kindern gehen laut LRH in Ganztagsschulen. 280 Pflichtschulen werden als solche Ganztagsschulen in OÖ geführt. 12.200 Schüler besuchen einen Hort.

 

In OÖ werden 26.500 Schüler nachmittags betreut.

 


 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 100 vom 30.04.2015             Seite: 10

 

Jobsuche ohne Schulabschluss

Wie geht es den Tausenden Schulabbrechern? Die SN haben Betroffene gefragt. Aber nicht nur sie haben derzeit Probleme, einen Job oder eine Lehrstelle zu finden.

 

   Alexandra Parragh Wien. Könnte sie die Zeit um drei Jahre zurückdrehen, würde Ines eines machen: die Pflichtschule beenden. Denn die hat die 19-jährige Wienerin mit kroatischen Wurzeln 2012 abgebrochen, indem sie ihre Lehre zur Einzelhandelskauffrau nach nur sechs Monaten hinschmiss. Seither hat Ines einen regelrechten Jobparcours hingelegt: in einer Parfümerie, bei einem Supermarkt, sogar bei der Post. „Aber es war nichts für mich dabei“, sagt sie. Im Herbst will Ines eine Ausbildung als Heimhelferin beginnen. Bis dahin bleibt sie Stammgast im „AMS Jugendliche“ am Gumpendorfer Gürtel im sechsten Bezirk in Wien, das die SN besucht haben.

 

   Es ist speziell für 15- bis 21-Jährige, die auf der Suche nach der richtigen Lehrstelle oder dem passenden Job sind. 4200 waren im März dort arbeitslos gemeldet. Wie viele davon Schulabbrecher waren, kann Leiterin Gerda Challupner nicht sagen. Fest steht aber, dass Zuwandererkinder mit nicht deutscher Erstsprache besonders gefährdet sind, die Schule abzubrechen. Laut Bildungsministerium war ihr Anteil in Tirol und Wien am höchsten. In Wien haben österreichweit auch die meisten 14-Jährigen die Hauptschule abgebrochen.

 

    Insgesamt sank die Zahl der Schulabbrecher in Österreich. Gerda Challupner und ihr Stellvertreter Max Fischer glauben, dass das den vielen Programmen zu verdanken ist, die sich mittlerweile um die Vermittlung von Jugendlichen nach der Schule kümmern. Vor allem das Jugendcoaching, die Weiterbildungsberatung direkt an den Schulen, die es seit 2012 gebe, habe sich bewährt. „Dadurch wenden sich die Jugendlichen schon im November, also während des letzten Hauptschuljahres, an uns und nicht erst danach“, sagt Fischer.

 

   Zugleich bestätigen Challupner und Fischer aber, dass speziell Jugendliche aus bildungsfernen Schichten – und dazu zählen häufig Migrantenfamilien – die größten Probleme am Arbeitsmarkt hätten. Dazu komme, dass Betriebe wegen der schwachen Konjunktur weniger Lehrstellen anböten. Immer weniger Firmen seien gewillt, sich die Zeit zu nehmen, um Lehrlinge auszubilden. Dabei bietet das AMS gemeinsam mit der Wirtschaftskammer Unternehmen das Service, ihnen die Vorauswahl geeigneter Lehrlinge abzunehmen. „Die Anforderungen, was Jugendliche heute wissen und können müssen, sind gestiegen. Als ich vor 35 Jahren beim AMS angefangen habe, mussten Jugendliche noch keine Berufserfahrung vorweisen, damit sie wo aufgenommen werden“, betont Challupner.

 

   Jaqueline kann das nur bestätigen. „Ich suche seit einem Jahr eine Lehrstelle, finde aber keine“, sagt die 15-Jährige, die die Pflichtschule absolviert hat. Sie sei schon froh, wenn sie auf ihre Bewerbungen eine Antwort bekomme. Ihren eigentlichen Berufswunsch – Sozialarbeiterin – könne Jaqueline mangels Matura nicht verwirklichen. Weiter in die Schule zu gehen komme für sie aber nicht infrage. „Nein, ich will mein eigenes Geld verdienen“, sagt Jaqueline.

 

   Je niedriger der Bildungsgrad, desto höher das Risiko der Arbeitslosigkeit – dieser Trend trifft auch auf Jugendliche zu. Trotzdem registriert man beim zuständigen AMS, dass vor allem 18-bis 20-Jährige, die eine Ausbildung absolviert haben, zusehends Probleme haben, einen Job zu finden. Das trifft sogar auf die zu, die eine berufsbildende höhere Schule (BHS) besucht haben. Der 20-jährige Philipp hat eine HTL mit Schwerpunkt Logistik absolviert. Trotzdem sucht er seit drei Monaten händeringend einen Job. „90 Prozent der Firmen sagen mir ab, weil sie keinen Bedarf haben. Oder sie verlangen mehr Praxiserfahrung.“

 


 

"Der Standard" vom 30.04.2015                               Seite: 39

 

Christian Fiala Elisabeth Parzer: Christian Fiala ist Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Direktor des Wiener Verhütungsmuseums und Gynmed-Leiter.

Und wo bleibt die Verhütung?

Der neue Erlass des Bildungsministeriums zur Sexualpädagogik greift zu kurz

 

  Die derzeitige Sexualerziehung in Schulen bedarf dringend einer Überarbeitung. In den offiziellen Unterrichtsmaterialien findet sich zum Beispiel keine einzige Abbildung von nackten Menschen. Dabei hatte bereits 1972 ein Aufklärungsbuch nicht nur auf den Innenseiten, sondern sogar auf dem Coverbild ein nacktes Paar mit Kind abgebildet.

 

   Auch der neue Erlass des Bildungsministeriums für Sexualpädagogik an den Schulen greift zu kurz. Während sich Jugendliche im Internet jede Art von Pornografie ansehen können, gibt es in dem neuen Entwurf keine brauchbare Erläuterung darüber, wie sich junge Menschen wirksam vor ungewollten Schwangerschaften schützen können. Viel zu lange hat die katholische Kirche mit ihrer lebensfremden und lustfeindlichen Vorstellung von Sexualität den Menschen vorgeschrieben, wie sie den intims- ten Lebensbereich zu gestalten haben. Das Ergebnis ist mit rund 30.000 Abtreibungen jährlich eine der höchsten Abtreibungsraten in Westeuropa.

 

   Selbstbestimmte Sexualität

 

   Wenn wir dies ändern wollen, müssen wir auch in der Pädagogik jungen Menschen alle Informationen für eine selbstbestimmte Sexualität vermitteln. Dazu gehört insbesondere auch, wie sie sich vor ungewollten Schwangerschaften schützen können. Wir müssen aber auch dafür Sorge tragen, dass sich alle Jugendlichen Verhütungsmittel leisten können, insbesondere die sehr wirksamen, aber kostspieligeren Langzeitmethoden.

 

   Basierend auf unserer langjährigen Expertise bei der Prävention ungewollter Schwangerschaften haben wir für die Beratung von Jugendlichen Strategien entwickelt, um die Anwendung wirksamer Verhütungsmethoden zu fördern. Im Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch wenden wir diese Strategien seit acht Jahren sehr erfolgreich und bei sehr großer Nachfrage an.

 

   Vor allem schärfen wir das Bewusstsein der Jugendlichen dafür, dass sie sich bei jedem Geschlechtsverkehr wirksam schützen müssen, wenn sie kein Kind zeugen möchten: „Verhütung macht Schule“.

 

   Verhütung macht Schule

 

   Unzählige Schulklassen kommen im Rahmen ihres Unterrichtes zu unseren sexualpädagogischen Führungen ins Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch (MUVS). Dabei sehen wir, dass die Sexualerziehung an Schulen oftmals ungenügend ist. Wir Erwachsene werden unserer Verantwortung gegenüber der jungen Generation nicht gerecht und geben das verfügbare Wissen und die mögliche Unterstützung nicht an unsere Kinder weiter. Vor allem lassen wir sie mit den ungewollten Folgen ihrer Sexualität allein.

 

   So kommt im neuen Entwurf zur Sexualerziehung das Wort „Schwangerschaft“ kein einziges Mal vor. Wie aber sollen junge Menschen lernen, sich vor ungewollten Folgen der Sexualität zu schützen, wenn wir Erwachsene ihnen die wichtigsten Informationen vorenthalten? Deshalb muss im neuen Erlass des Bildungsministeriums dringend ein Kapitel über „Prävention ungewoll- ter Schwangerschaften“ eingefügt werden.

 

   Weiter heißt es unter dem Punkt „Pädagogische Haltung“, die Lehrkräfte müssten keinesfalls Experten in Sachen Sexualerziehung sein. Erwachsen sein allein reicht aber erfahrungsgemäß nicht aus. Es bedarf der Auseinandersetzung mit eigenen Einstellungen und Werten, gerade in der Sexualität. Gewährleistet werden müssen Fortbildungen für Lehrkräfte mit der Möglichkeit zur Reflexion. Gegebenenfalls müssen sie auch ihre Grenzen erkennen und an andere Experten verweisen.

 

   Ferner wird im neuen Erlass auch öfter von einer „positiven Haltung“ gegenüber der menschlichen Sexualität beziehungsweise von einer „positiven pädagogischen Haltung“ gesprochen. Was das genau heißen soll, bleiben die Autoren allerdings schuldig. Als Beispiel sind jedenfalls die Standards für Sexualaufklärung der WHO und der deutschen Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zu nennen. „Sexualaufklärung befähigt die Menschen, sich als sexuelle Wesen zu entwickeln. Dies bedeutet zu lernen, Gefühle und Bedürfnisse auszudrücken, Sexualität lustvoll zu erfahren sowie die eigene Geschlechterrolle und sexuelle Identität zu entwickeln.“

 

   Lustvoll erleben

 

   Sexualpädagogik darf nicht nur problemorientiert sein, sondern muss auch die vielen positiven Aspekte vermitteln.

 

   p Weitere Informationen finden Sie auf de.muvs.org

 

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Mit freundschaftlichen Grüßen

 

Kurt Schober
Klubsekretär

SPÖ-Parlamentsklub
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