Dienstag, 7. April 2015

2015.04.08: Newsletter Bildung

Die Presse – 8. April 2015

 

 

Die Korrektur der Neuen Mittelschule

Der Ministerrat wird Mittwoch eine erste Reform der viel kritisierten Neuen Mittelschule beschließen. Bei der Verbesserung des Teamteachings soll es aber nicht bleiben.

Wien. Schon wieder wird an der einst gemeinsam von SPÖ und ÖVP beschlossenen Neuen Mittelschule (NMS) gerüttelt: „Ich sehe das bisherige Modell der Neuen Mittelschule skeptisch. Fortsetzung nicht garantiert, wenn nichts korrigiert werden kann." Mit dieser Aussage sorgte ÖVP-Obmann Reinhold Mitterlehner am Osterwochenende für eine neuerliche (Bildungs)Diskussion innerhalb der Koalition.

Dass die Neue Mittelschule verbessert werden soll, ist spätestens seit dem durchwachsenen Evaluierungsbericht klar. Die Frage des Wie ist aber noch nicht gänzlich beantwortet. „Die Presse" hat sich angeschaut, welche Korrekturen die Regierung bei der Neuen Mittelschule vornehmen wird beziehungsweise vornehmen könnte.

1.    Zwei Lehrer sollen nicht nur in den Hauptfächern eingesetzt werden.

Die erste Adaptierung der NMS soll schon heute, Mittwoch, durch den Ministerrat gehen. Dabei soll das zentralste Element der Neuen Mittelschule, das Teamteaching (also der gemeinsame Unterricht von zwei Lehrern), reformiert werden. Die vom Bund für das Teamteaching vorgesehenen und bezahlten zusätzlichen sechs Stunden sollen nämlich nicht mehr nur in Deutsch, Mathematik oder Englisch, sondern auch in anderen „Schwerpunktfächern" eingesetzt werden können. Damit soll der zweite Lehrer in jenen Stunden verwendet werden, in denen es am Standort für am sinnvollsten erachtet wird. Schulen, die etwa einen naturwissenschaftlichen oder technischen Schwerpunkt haben, werden den zweiten Pädagogen also vermutlich für den Unterricht in Fächern wie Biologie und Physik verwenden.

2. Schulen sollen entscheiden, ob sie AHS- bzw. BHS-Lehrer anstellen.

So gut wie fix ist auch eine weitere Neuerung: Künftig sollen Länder oder Schulen entscheiden können, ob mit den zusätzlichen sechs vom Bund finanzierten Stunden Bundes- oder Landeslehrer beschäftigt werden. Also ob sie AHS- bzw. BHS-Lehrer anstellen wollen oder auch die sechs zusätzlichen Stunden mit NMS-Lehrern besetzen. Grundsätzlich war bei der Schaffung der NMS vorgesehen, dass Lehrer aus AHS oder BHS dort unterrichten müssen. Eingehalten wurde das aber nur zum Teil: 2014 waren nur an 55 Prozent der NMS Bundeslehrer im Einsatz. Grund dafür war neben dem Lehrermangel wohl auch die Tatsache, dass die NMS für AHS-Lehrer nicht sehr attraktiv ist.

3. Schüler sollen vermehrt in Gruppen unterrichtet werden.

Diese beiden Korrekturen des Teamteachings gehen der Lehrergewerkschaft nicht weit genug. „Teamteaching ist kein Allheilmittel", sagte Lehrervertreter Paul Kimberger vor Kurzem und plädierte dafür, die Kinder nicht nur gemeinsam in einer Klasse zu unterrichten, sondern „mehr zu differenzieren" und temporäre Gruppen zu schaffen. Auch Staatssekretär Harald Mahrer, der für die ÖVP das Thema Bildung verhandelt, findet, dass das Teamteaching „nicht unangetastet bleiben darf". Konkret wünscht er sich mehr Begabtenförderung, Förder- und Leistungskurse. Dafür brauche es mehr „temporär gebildete Gruppen". Rein gesetzlich wäre das jetzt schon möglich – in der Praxis dürfte aber das klassische Teamteaching überwogen haben. Wie Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) auf den Vorschlag regieren wird, bleibt abzuwarten. Immerhin hat aber auch sie schon in Aussicht gestellt, dass anstelle von Temateaching ein individuelles Schülercoaching möglich wäre. Die nötigen Gesetzesänderungen wären „schnell und einfach schon ab Herbst umsetzbar".

4. Das siebenteilige Notensystem soll überdacht werden.

In der Kritik steht auch das siebenteilige Notensystem. In der NMS wird zwischen grundlegender und vertiefter Allgemeinbildung unterschieden. Die Skala bei der grundlegenden Bildung reicht de facto nur von Befriedigend bis Nicht Genügend und die in der vertieften Bildung von Sehr gut bis Genügend. „Das ist nicht transparent, keiner kennt sich aus. Und sogar jene, die es erklären sollten, können es nicht erklären", monierte Gewerkschafter Kimberger bereits. Nun soll auch auf politischer Ebene noch einmal über die Sinnhaftigkeit des Systems nachgedacht werden. Im Büro von Staatssekretär Mahrer heißt es, dass das Notensystem in der Bildungsreformkommission noch Thema werde.

5. Neue Mittelschulen sollen besser kontrolliert werden.

Die NMS sollen – wie beim Lehrereinsatz – mehr autonome Entscheidungen treffen dürfen. Gleichzeitig soll aber die Kontrolle verschärft werden. Da die Evaluierung zeigte, dass viele Schulen das neue Konzept gar nicht umgesetzt haben, hat die Ministerin bereits angekündigt, dass der „zweckmäßige Mitteleinsatz und die Umsetzungsqualität" verstärkt durch die Schulaufsicht geprüft werden sollen.

 

 

Die Presse – 8. April 2015

 

 

Chancen: Von Träumen, die nicht viel zählen

Marco Maurer erzählt, wie er es trotz des deutschen Schulsystems auf die Uni geschafft hat. Und er hat sich auf Spurensuche gemacht – bei anderen Aufsteigern, bei Talentescouts und einer Prinzessin.

Das hat doch keinen Wert bei ihm." Das ist ein Satz, der sich bei Marco Maurer eingebrannt hat. Sein ehemaliger Volksschullehrer hat ihn gesagt, damals, als es darum ging, ob Marco, Sohn eines Rauchfangkehrers und einer Friseurin, statt der Hauptschule in die Realschule gehen sollte. Nach der Schule kam der nächste Dämpfer: Journalist? „Herr Maurer, fangen Sie nicht an zu träumen", sagte der Herr vom Arbeitsamt. So fing er in der Molkerei an. Um ein Haar, so schreibt Marco Maurer in seinem Buch „Du bleibst was du bist", sei auch er ein Opfer des Schulsystems geworden.

Womöglich kommt manchen die Geschichte bekannt vor – nicht nur, weil sie sich so oder so ähnlich nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich bis heute immer wieder abspielt. Marco Maurer – der nach seiner Lehre zum Molkereifachmann dann doch das Abitur nachgemacht hat, an die Uni gegangen ist und an die Journalistenschule – hat sie vor zwei Jahren unter dem Titel „Ich Arbeiterkind" in der „Zeit" veröffentlicht. Das Echo auf seine Geschichte habe ihm gezeigt, „dass dieses Land in Sachen Bildung und Aufstiegschancen nicht nur ein wenig in Schieflage ist, sondern dass kräftig was falsch läuft". Ein Befund, den viele auch für Österreich teilen. In seinem Buch will Maurer nun ergründen, was los ist mit dem deutschen Schulsystem. Und was zu tun ist, damit Deutschland ein gerechtes Land wird.

Er bleibt dafür aber nicht bei den Zahlen, auch nicht bei der persönlichen Geschichte. Marco Maurer macht sich dafür auf eine groß angelegte Spurensuche. Und er spricht mit einer ganzen Reihe von Menschen, von denen er sich Erkenntnisse erwartet. Er befragt drei Bildungsaufsteiger – etwa Martin Roth, Chef des Victoria and Albert Museum in London – über ihren Lebensweg, darüber was sie vielleicht besser können als andere und über ihre Ängste. Er trifft den Bahnchef Rüdiger Grube, den Eliteforscher Michael Hartmann und den Hamburger CDU-Bürgermeister Ole von Beust, der nicht zuletzt daran gescheitert ist, dass er die Volksschule verlängern wollte.

Sozialdemokratie in Bedrängnis

Maurer geht auch in Schulen und sammelt Beispiele dafür, wie es besser laufen könnte: Er begleitet Suat Yilmaz, der im Auftrag der Hochschule Gelsenkirchen im Ruhrgebiet an Schulen nach Talenten sucht. Und in Berlin trifft er Prinzessin Konstanza zu Löwenstein, die an Neuköllner Problemschulen versucht, Schülerinnen für Bildung zu motivieren – und sich auf ganz eigene Art darum bemüht, akademische Feindbilder abzubauen. Auch nach Finnland macht er sich auf – abgedroschen, aber trotzdem gut.

Schmunzeln muss man, als Maurer sich in München in eine CSU-Veranstaltung schleicht und anfängt, unangenehme Fragen zur Schulpolitik zu stellen. Und auch den Sozialdemokraten Frank-Walter Steinmeier bringt er mit seinen Fragen in Bedrängnis.

Das Buch ist eine Abrechnung mit dem Schulsystem, wie auch wir es kennen. Aber es ist keine wütende Streitschrift, sondern ein Text, der sich Schritt für Schritt durch eine ganze Reihe von Begegnungen tastet. Und gerade deshalb ist er so eindringlich. Nicht nur die Politik, wir alle könnten anderen Menschen mehr Chancen eröffnen, schreibt Marco Maurer am Schluss. „Schaffen wir das?" (beba)

 

 

"Die Presse" vom 08.04.2015                               Seite: 13

Ressort: Bildung

 

DP

 

Österreich, Abend, Österreich, Morgen

 

3,1 Millionen Seiten, 19.164 Maturanten

 

   Zentralmatura. In vier Wochen fällt der Startschuss für die erste verpflichtende neue Matura an den Gymnasien. Wie viele Gymnasiasten maturieren, wie viele Seiten werden verschickt, und was kostet das? Die neue Matura in Zahlen.

 

   Wien. Es sind nicht mehr ganz vier Wochen, bis der Startschuss für die erste verpflichtende Zentralmatura an den Gymnasien fällt. Am 5. Mai beginnt der erste echte Durchlauf der neuen Reifeprüfung mit dem Fach Deutsch. Mehr als eine Woche wird dann (fast) jeden Tag zentral das Wissen der AHS-Maturanten abgeprüft. Wie viele Schüler maturieren, wie viele Seiten werden verschickt, wie viel kostet das, und wie lange dauern die Prüfungen dann eigentlich? Die Zentralmatura in Zahlen.

3,1 Millionen Druckseiten wird das zuständige BIFIE-Institut für die Matura an Heften mit Klausurangaben ausdrucken. Das sind laut dem Institut etwa 180.000 Aufgabenhefte für die schriftliche Matura, die quer durch ganz Österreich an Schulen geliefert werden.

195.000 Euro betragen allein die Druckkosten für die diesjährige Zentralmatura. Was die Logistik kostet, könne man nicht präzise sagen, heißt es aus dem BIFIE.

71 unterschiedliche Aufgabenhefte gibt es. Je nachdem, wie lang ein Schüler ein Fach belegt hat - vier oder sechs Jahre Französisch zum Beispiel -, sind die Aufgaben unterschiedlich. Und je nach Prüfung kommen zwischen einem und vier Aufgabenheften zum Einsatz: Es gibt etwa in Englisch Hören, Lesen und Schreiben.

19.164 AHS-Maturanten an österreichweit 334 Gymnasien absolvieren heuer die (teil-)zentrale Matura, die meisten von ihnen in Wien (5270), gefolgt von Niederösterreich (3100) und der Steiermark (2827). Die wenigsten AHS-Maturanten, nämlich 552, gibt es im Burgenland.

7000 BHS-Schüler an 93 berufsbildenden Schulen bekommen im Rahmen eines Schulversuchs in einem oder mehreren Fächern zentrale Aufgabenstellungen. An den BHS gibt es noch Differenzierungen nach Schultyp und Zweig. Pflicht wird die Zentralmatura an den BHS erst kommendes Jahr.

11 Unterrichtsfächer werden an den Gymnasien schriftlich zentral abgeprüft: Deutsch, Mathematik, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Latein und Griechisch sowie Slowenisch, Ungarisch und Kroatisch an jenen Schulen, an denen sie Unterrichtssprachen sind.

3 oder vier Fächer müssen Schüler wie bisher zur schriftlichen Prüfung wählen. Je nachdem sind dann mündlich zwei oder drei Prüfungen zu absolvieren. Als dritte Säule kommt die vorwissenschaftliche Arbeit dazu.

40.000 bis 60.000 Zeichen muss die vorwissenschaftliche Arbeit haben, die die AHS-Maturanten eine Woche nach den Semesterferien abgeben mussten. Das sind knapp 20 bis 30 Seiten. Wie streng auf die Länge geachtet wird, liegt beim Lehrer, wie nach Kritik jüngst klargestellt wurde.

180 Lehrerinnen und Lehrer haben unter der Leitung des BIFIE die Klausuraufgaben für die Zentralmatura erstellt. Dazu kommen rund 50 Fachexperten verschiedener Bereiche, Fachdidaktiker und Testtheoretiker.

270 Minuten, also viereinhalb Stunden, dauern die Klausuren in der Regel. Ausnahme: die schriftliche Matura in Deutsch bzw. in den anderen Unterrichtssprachen (Slowenisch, Ungarisch, Kroatisch). In diesen Fächern dauern Klausuren 300 Minuten, also fünf Stunden.

10 Tage dauert es, bis die Schüler spätestens ihr Prüfungsresultat bekommen. Im Bildungsministerium werden alle Ergebnisse gesammelt. Am 26. Mai wird die gesamte Maturastatistik veröffentlicht.

25 Minuten dauern die neuen sogenannten Kompensationsprüfungen, mit denen Schüler sich ein Nicht genügend der schriftlichen Klausur ausbessern können. Mündliche Prüfungen finden am 1. und 2. Juni statt. Auch diese Aufgaben werden zentral vom BIFIE erstellt.

2 Wochen nach der schriftlichen Prüfung darf frühestens die mündliche Prüfung stattfinden. Das ist kürzer als die bisherige Frist mit drei Wochen.

24 Themenbereiche müssen die Fachlehrer für jeden mündlich geprüften Gegenstand pro Maturaklasse maximal festlegen. Mindestens sind es drei Themenblöcke. Die konkreten Fragestellungen im Rahmen der Themenblöcke erarbeitet aber weiterhin der Lehrer.

10 bis 20 Minuten dauern die mündlichen Prüfungen. Die Schüler ziehen blind zwei Themenbereiche, aus denen sie einen auswählen. Der Lehrer legt dann eine Frage vor. Die Themen können danach auch von anderen Prüflingen gezogen werden, denn diese dürfen sich nicht im Raum vorbereiten, in dem geprüft wird.

3 gröbere Pannen gab es bei der Generalprobe im Vorjahr: In Englisch wurde für viele überraschend der Bewertungsschlüssel geändert, in Deutsch wurde ein umstrittener Text mit NS-Bezug vorgelegt, und in Mathematik fehlten gleich an mehreren Schulen Prüfungsbögen.

30 Minuten sollte es maximal dauern, bis eventuelle Probleme bei schriftlichen Klausuren behoben sind: Falls (wie im Vorjahr an mehreren Schulen) Prüfungsbögen fehlen, gibt es in jedem Kuvert ein Reserveexemplar und für die Lehrer die Möglichkeit, die Angaben downzuloaden.

 

 

Die Presse – 8. April 2015

 

 

Super-GAU: Wie sicher ist die Zentralmatura?

Dass Maturaaufgaben vorab im Internet auftauchen, wäre der schlimmstmögliche Fall. In einigen Ländern ist das schon passiert. Verschlüsselung und Geheimhaltung sollen in Österreich die Sicherheit garantieren.

Wien. Einige Malheurs sind bei der neuen Matura ja bisher schon passiert – von fehlenden Prüfungsbögen in Mathematik bis zu einem Text mit NS-Bezug in Deutsch –, der Worst Case blieb allerdings bisher aus: Bis dato sind noch nie zentrale Maturaaufgaben in die falschen Hände und von dort womöglich ins Internet gelangt. In mehreren anderen Ländern mit (teil)zentralen Reifeprüfungen ist das schon eingetreten.

In Polen etwa mussten vor elf Jahren 14.000 Schüler die schriftlichen Prüfungen in Polnisch und Geschichte wiederholen, weil die Angaben im Netz aufgetaucht waren. In Ungarn landeten im Jahr darauf die Aufgabenstellungen für Mathematik und Geschichte im Internet, in Italien war der Cicero-Text für die Lateinprüfung im Jahr 2002 bereits vor der zentralen Prüfung im Internet zu finden. Besonders brisant: In Italien wurde das Leck sogar im Unterrichtsministerium oder in der Staatsdruckerei selbst vermutet.

Stellt sich die Frage, wie sicher die österreichische Zentralmatura ist. Kann man garantieren, dass in Österreich – anders als in Polen, Ungarn oder Italien – keine Aufgaben im Internet landen? „Wir tun alles Menschenmögliche, damit die neue Reifeprüfung planmäßig über die Bühne geht", sagt Jürgen Horschinegg, Chef des verantwortlichen Bundesinstituts für Bildungsforschung (BIFIE) gegenüber der „Presse". „Uns geht es um ein Höchstmaß an Sicherheit und Zuverlässigkeit für Schüler, Lehrer und Eltern." Das BIFIE habe seine Sicherheits- und Kontrollmaßnahmen in Zusammenarbeit mit dem TÜV Austria „umfassend überprüft und erweitert", heißt es.

„Geheimhaltung ist zentral"

Konkret beginne das bei einer Reihe von Kontrollen und Checks bei der Bestellung der Aufgabenpakete durch die Schulen. So soll sichergestellt werden, dass wirklich jede Schule und jede Klasse die richtigen Klausurangaben in der richtigen Zahl bekommt. Abgesehen davon „spielt der Aspekt der Geheimhaltung eine zentrale Rolle bei der Planung", heißt es. „Um sicherzugehen, dass die Aufgaben während des gesamten Prozesses geheim bleiben, hat das BIFIE auf unterschiedlichen Ebenen Vorkehrungen getroffen." Dazu gehört beispielsweise, dass die Daten mehrfach verschlüsselt sind – mit „Verfahren, die technologisch höchsten Anforderungen entsprechen".

Dazu kommt, dass der Kreis an Eingeweihten immer kleiner wird. Während an der Entwicklung der Aufgaben noch eine größere Personengruppe beteiligt ist – etwa Lehrer, Fachdidaktiker und Testtheoretiker –, erfolgt die Zusammenstellung der tatsächlichen Prüfungspakete durch einen „deutlich kleineren Personenkreis, eine Handvoll Personen". Jeder von ihnen muss eine Geheimhaltungsklausel unterschreiben.

Sicherheitstransport

Einmal gedruckt – auch die Druckerei ist geheim – werden die insgesamt 180.000 Aufgabenhefte, die an 427 Schulen gehen, bis Ende April in „versiegelten Kuverts" mittels „Sicherheitstransport" der Post Wertlogistik an „eine dazu berechtigte Person" an der Schule zugestellt. Damit endet die Zuständigkeit des BIFIE – ab da muss jede Schule dafür Sorge tragen, dass die Aufgaben sicher verwahrt sind. Geöffnet werden die Kuverts erst bei der schriftlichen Prüfung.

Am Ende landen die Klausuren der Zentralmatura aber auf jeden Fall im Internet: Am Tag nach der jeweiligen Prüfung werden die Aufgaben veröffentlicht. Auch die Lösungen kommen übrigens ins Internet – aber frühestens nach den Notenkonferenzen.

 

 

Die Presse – 8. April 2015

 

 

Religionsunterricht: 82 Beschwerden in fünf Jahren

Beschwerden über katholische und den islamische Religionslehrer halten sich in etwa die Waage. Ausreißer sind generell Oberösterreich und Wien.

Die Beschwerden gegen Religionslehrer halten sich in Grenzen: Insgesamt 82 Fälle hat die Schulaufsicht in den vergangenen fünf Jahren an sämtlichen Schulstufen registriert. Das geht aus einer parlamentarischen Anfragebeantwortung durch das Bildungsministerium hervor. Dabei halten sich Beschwerden über den römisch-katholischen und den islamischen Religionsunterricht in etwa die Waage.

Konkret betrafen 38 Beschwerden das Fach Religion katholisch, 33 Religion islamisch, 9 Religion
griechisch-orientalisch (orthodox) und 2 Religion evangelisch. Auffällig ist dabei Oberösterreich: Mehr als die Hälfte der Beschwerden, nämlich 43 Fälle, betreffen dieses Bundesland. Im Gegensatz dazu ist es in Wien entweder nicht üblich, Beschwerde einzureichen, oder es gibt keine Probleme. Denn es gab nur vier Fälle, die islamische Religion betrafen - und keinen zur katholischen. 

Innere Angelegenheit der Kirchen

Nicht aufgeführt wird in der parlamentarischen Anfrage, um welche Art von Beschwerden es sich gehandelt hat. Zum Tenor der Beschwerden wird zusammenfassend bemerkt, dass diese sich auf verschiedene Themengebiete bezogen haben und unterschiedliche Aspekte ansprechen wie z.B. religiöse Inhalte, methodische Aspekte oder das Verhalten der Lehrkräfte.

Grundsätzlich handelt es sich beim Religionsunterrichts um eine innere Angelegenheit der Kirchen und Religionsgemeinschaften - zumindest, was den Inhalt betrifft. Die Frage der schulrechtlichen Normen ist Sache der staatlichen Schulaufsicht. Aber die Schulbehörden müssen auch handeln, wenn ihnen Vorfälle gemeldet werden. Schulbücher werden übrigens von den Glaubensgemeinschaften selbst für den Unterricht zugelassen, allerdings dürfen nur Büchewr verwendet werden, die nicht im Widerspruch zur staatsbürgerlichen Erziehung stehen: Demokratie, Humanität, Solidarität, Friede und Gerechtigkeit sowie Offenheit und Toleranz gegenüber den Menschen sind Grundwerte der Schule.

Zwei Strafverfahren

Lediglich zwei Strafverfahren wurden innerhalb der fünf Jahre eingeleitet. Eines wurde eingestellt, bei dem zweiten ist der Ausgang nicht bekannt, da das Dienstverhältnis zum Religionslehrer eingestellt wurde. Anlass der Anfrage des Grünen Bildungssprecher Harald Walser war ein Vorfall an eine Grazer NMS: Ein Islamischer Religionslehrer soll Gewalt gegenüber Andersgläubigen gut geheißen und die Anschläge auf die Satirezeitung Charlie Hebdo verteidigt haben. Die Schüler meldeten offenbar selbst ihren Religionslehrer.

 

 

"Die Presse" vom 08.04.2015                               Seite: 13

Ressort: Bildung

 

Österreich, Abend, Österreich, Morgen

 

Russischlehrer wollen zentrale Aufgaben

 

   Russisch hat bei der neuen Matura eine Sonderstellung.

 

   Wien. Das Fach Russisch nimmt bei der neuen Matura eine Art Sonderstellung ein: Zwar wird die schriftliche Prüfung an allen Schulen am selben Tag - am 4. Mai - abgehalten. Die Aufgaben werden aber nicht zentral vom BIFIE vorgegeben.

 

   Der Verband der Russischlehrerinnen und Russischlehrer (VRÖ) würde eine Vorgabe der Aufgaben durch das BIFIE aber durchaus begrüßen. "Wir arbeiten sehr eng mit dem BIFIE zusammen, weil wir die Sprache auf demselben Niveau prüfen wollen wie alle anderen Sprachen", heißt es beim VRÖ.

 

   Derzeit gibt es an österreichischen Schulen rund 7000 Schüler, die Russisch lernen. An den AHS maturierten im Vorjahr 145 Schüler schriftlich in Russisch. (APA)

 

 

Österreich – 8. April 2015

 

Mini-Reform für Neue Mittelschule

Mehr Flexibilität bei sechs Zusatz-Stunden für NMS. 

Die Regierung beschließt heute eine größere Autonomie für die Neuen Mittelschulen. Der Evaluierungsbericht für die Neue Mittelschule (NMS) war so vernichtend, dass ÖVP-Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner die neue Schulform infrage stellte (siehe rechts). Zumindest mit einer kleiner Reform will die Regierung jetzt eingreifen: Die sechs Zusatzstunden für die NMS, die der Bund bezahlt und die von zwei Lehrern abgehalten werden, können dann flexibler gestaltet werden.

  • Andere Fächer. Die Stunden müssen nicht mehr in Deutsch, Mathematik oder Englisch für Team-Teaching eingesetzt werden. Gibt es in einer Schule etwa einen Physik-Schwerpunkt, können die Stunden auch in diesem Fach verstärkt abgehalten werden.
  • Förderstunden. Die Zusatzstunden können aber auch für „andere gesetzlich vor­gesehene Differenzierungsmaßnahmen" verwendet werden. Darunter fallen Begabtenförderungen ebenso wie Förderunterricht für einzelne Schüler. Einer der beiden Lehrer kann eine kleine Schülergruppe herausnehmen und gezielt fördern.

Ministerrat beschließt heute die Flexibilisierung
Der Ministerrat beschließt heute diese Mini-Reform. „Die Standorte werden in Zukunft flexibler auf lokale Herausforderungen reagieren können", sagte SPÖ-Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek bei der Präsentation der Maßnahme. Debora Knob

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Regierung will Ergebnisse bis Sommer

 

Drei Arbeitsgruppen für die Schulreform

 

In drei Teilbereiche hat die Bildungsreform-Kommission ihre Themen aufgegliedert.

 

Wien. Bis Sommer wollen SPÖ-Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek und ÖVP-Staatssekretär Harald Mahrer (Bild) erste Ergebnisse ihrer Bildungsreform vorlegen. Wie ÖSTERREICH erfuhr, sind dazu jetzt drei Untergruppen der Reformkommission eingesetzt worden, die bisher einmal getagt haben. Im April sollen noch zwei weitere Termine folgen. Die Gruppen behandeln folgende Themen:

 

l Pädagogik: Welche Konzepte sollen umgesetzt werden?

 

l Finanzielles: Wie ist das leistbar?

 

l Legistik: Wie können die Ideen in neue Gesetze gegossen werden?

 

Hauptziel der Schulreform ist eine weitere Stärkung der Schulautonomie, wie sie heute bei den NMS begonnen wurde (s. links).

 

Die Länder wollen, dass der Bund zwar zentral Bildungsziele und Lehrpläne steuert, sie sie dann aber vor Ort umsetzen können.

 

Knackpunkt in den Verhandlungen ist die Frage, ob sich die Schulen auch die Lehrer selbst aussuchen dürfen. Die Gewerkschaft lehnt diesen Schritt strikt ab. (knd)

 

 

Der Standard – 8. April 2015

 

 

Personalvertretung: Haslauers Ärger mit den Lehrern

Thomas Neuhold

Salzburger Landeshauptmann im Clinch mit Personalvertretung. ÖVP-Dissident geht mit Haslauer hart ins Gericht.

Salzburg - Die Personalvertretung der rund 4900 Pflichtschullehrer im Land Salzburg muss vorerst ohne freigestellte Funktionäre auskommen. Das Land - ressortzuständig ist Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) - hat nach Aufsichtsbeschwerden der Grünen- und der ÖVP-Minderheitenfraktion den Beschluss des Zentralausschusses der Lehrervertretung über die Verteilung der Freistellungen aufgehoben.

Hauptargument der Behörde: Die Mehrheitsfraktion der Namensliste Gierzinger habe sich 100 Prozent der Freistellungen selbst zugesprochen. Dies sei "eine Missachtung der Minderheitenrechte". Die Causa ist beim Landesverwaltungsgericht anhängig. Die Personalvertreter müssen nun wieder zurück an die Schulen, ihnen werde aber weiterhin "aufgrund der geltenden Gesetzeslage für ihre Personalvertretungstätigkeit jederzeit die notwendige freie Zeit gewährt", wie das Büro von Haslauer dazu auf Anfrage des STANDARD mitteilt.

Namensliste blamiert ÖVP

Hinter der juristisch verzwickten Causa steht ein langer Konflikt zwischen Lehrervertretern und der ÖVP. Schon vor den Personalvertretungswahlen im November 2014 ist der langjährige Vorsitzende des Zentralausschusses, Siegfried Gierzinger, aus der ÖVP ausgetreten. Gierzinger, der seiner Partei vorgeworfen hatte, sich zu wenig für die Lehrerinteressen einzusetzen, kandidierte mit einer Namensliste und verpasste den Schwarzen einen Dämpfer: Fünf von sieben Zentralausschussmandaten gingen an seine Namensliste. Die ÖVP kam gerade noch auf ein Mandat, die Grünen ebenso.

Warten auf Gerichtsentscheid

Aktuell geht der Lehrervertreter mit Haslauer hart ins Gericht: Solange es mit Gabi Burgstaller eine rote Ressortchefin gegeben habe, sei seine Haltung genehm gewesen, jetzt wünsche man eine ruhigere Personalvertretung. Rechtlich glaubt er, die Sache durchzustehen: In einem ähnlichen Fall in Oberösterreich habe der Verwaltungsgerichtshof zugunsten seiner Kollegen entschieden.

Das Ressort Haslauer versucht jetzt, die Lehrerschaft zu beruhigen: Landesweit gebe es rund 60 Personalvertreter. Diese wären "so breit aufgestellt", dass bis zu einem rechtsgültigen Beschluss über die Freistellungen die Vertretung gewährleistet sei.

 

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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