Donnerstag, 9. April 2015

2015.04.09: Bildung

ORF – 9. April 2015

 

Neue Mittelschule: RH skeptisch, Lehrer zufrieden

Eher skeptisch äußert sich der Rechnungshof (RH) zu den geplanten Änderungen bei der Neuen Mittelschule (NMS). So werde etwa nicht thematisiert, ob die Flexibilisierung des Ressourceneinsatzes weg von den Hauptfächern zu autonomen Schwerpunkten zu einer Erhöhung der Schülerleistung beitrage, heißt es in der Stellungnahme des RH.

Mehr Flexibilität bei Zusatzstunden

Mit der Novelle, die gestern den Ministerrat passiert hat, wird es den NMS ermöglicht, die vom Bund für diese Schulform zusätzlich bezahlten sechs Lehrerstunden nicht mehr wie bisher nur in den Fächern Deutsch, Mathematik und Lebende Fremdsprache (v.a. Englisch, Anm.) einzusetzen. Künftig soll dies auch in Pflichtgegenständen eines schulautonomen Schwerpunktbereiches möglich sein.

„Warum nun eine Ausdehnung weg von den differenzierten Pflichtgegenständen auch auf weitere Unterrichtsgegenstände erfolgt und inwieweit dies auf die Ergebnisse der summativen Evaluation, die mittlerweile vorliegt, zurückzuführen ist, war für den RH nicht nachvollziehbar.“ Außerdem regt der RH an, den zusätzlichen Ressourceneinsatz entsprechend den Ergebnissen der Evaluation anzupassen: „Dies könnte auch eine Reduktion der zusätzlich vom Bund zur Verfügung gestellten Ressourcen bedeuten.“

Kostenneutral möglich?

Auch die im Gesetz erwarteten unveränderten Personalausgaben hinterfragt der RH: Gleichbleibende Kosten seien nur dann zu erwarten, wenn die sogenannten „Werteinheiten“ gleich blieben. Hintergrund: Jedes Fach wird je nach Unterrichtsaufwand mit verschiedenen Werteinheiten bedacht. Wenn die Zusatzstunden nun aber für andere Fächer aufgewendet werden, könnten die Kosten dementsprechend steigen oder sinken.

Lehrer freuen sich über mehr Entscheidungskompetenz

Zufrieden mit den Änderungen zeigte sich dagegen der Vorsitzende der Pflichtschullehrer-Gewerkschaft, Paul Kimberger. Damit würden langjährige Forderungen der Gewerkschaft erfüllt. Mit dem Entfall der Bindung der Zusatzstunden an die Fächer Deutsch, Mathematik und Englisch könnten die Schulen den Ressourceneinsatz nun selbst steuern, so Kimberger zur APA.

Außerdem werde das bisher „enge Korsett“ aufgeschnürt, mit dem die Zusatzstunden primär für Teamteaching verwendet wurden. Zwar seien im Gesetz schon jetzt auch andere Verwendungsmöglichkeiten vorgesehen - „aber in Österreich wird Schule oft nicht über das Gesetz gesteuert, sondern über Ressourcen“.

 

APA0327 II, XI 09.04.2015 13:49:05

 

Neue Mittelschule: Rechnungshof skeptisch, Lehrer zufrieden

Utl.: Fraglich, ob Stunden-Verlagerung weg von Hauptfächern zu Erhöhung der Leistung führt - Kimberger: Gewerkschafts-Forderung erfüllt

Schule/Lehrende/Rechnungshof/Österreich

Eher skeptisch äußert sich der Rechnungshof (RH) zu den geplanten Änderungen bei der Neuen Mittelschule (NMS). So werde etwa nicht thematisiert, ob die Flexibilisierung des Ressourceneinsatzes weg von den Hauptfächern zu autonomen Schwerpunkten zu einer Erhöhung der Schülerleistung beitrage, heißt es in der Stellungnahme des RH.

Mit der Novelle, die am Mittwoch den Ministerrat passiert hat, wird es den NMS ermöglicht, die vom Bund für diese Schulform zusätzlich bezahlten sechs Lehrerstunden nicht mehr wie bisher nur in den Fächern Deutsch, Mathematik und Lebende Fremdsprache (v.a. Englisch, Anm.) einzusetzen. Künftig soll dies auch in Pflichtgegenständen eines schulautonomen Schwerpunktbereiches möglich sein.

"Warum nun eine Ausdehnung weg von den differenzierten Pflichtgegenständen auch auf weitere Unterrichtsgegenstände erfolgt und inwieweit dies auf die Ergebnisse der summativen Evaluation, die mittlerweile vorliegt, zurückzuführen ist, war für den RH nicht nachvollziehbar." Außerdem regt der RH an, den zusätzlichen Ressourceneinsatz entsprechend den Ergebnissen der Evaluation anzupassen: "Dies könnte auch eine Reduktion der zusätzlich vom Bund zur Verfügung gestellten Ressourcen bedeuten."

Auch die im Gesetz erwarteten unveränderten Personalausgaben hinterfragt der RH: Gleichbleibende Kosten seien nur dann zu erwarten, wenn die sogenannten "Werteinheiten" gleich blieben. Hintergrund: Jedes Fach wird je nach Unterrichtsaufwand mit verschiedenen Werteinheiten bedacht. Wenn die Zusatzstunden nun aber für andere Fächer aufgewendet werden, könnten die Kosten dementsprechend steigen oder sinken.

Zufrieden mit den Änderungen zeigte sich dagegen der Vorsitzende der Pflichtschullehrer-Gewerkschaft, Paul Kimberger. Damit würden langjährige Forderungen der Gewerkschaft erfüllt. Mit dem Entfall der Bindung der Zusatzstunden an die Fächer Deutsch, Mathematik und Englisch könnten die Schulen den Ressourceneinsatz nun selbst steuern, so Kimberger zur APA. Außerdem werde das bisher "enge Korsett" aufgeschnürt, mit dem die Zusatzstunden primär für Teamteaching verwendet wurden. Zwar seien im Gesetz schon jetzt auch andere Verwendungsmöglichkeiten vorgesehen - "aber in Österreich wird Schule oft nicht über das Gesetz gesteuert, sondern über Ressourcen".

(schluss) aku;cm;jul

APA0270 II, XI 09.04.2015 12:53:18

 

Pensionen: Lehrer für Gleitpension

Utl.: Kimberger: Anstieg der Krankenstände wegen höherer Belastungen

Lehrende/Pensionen/Gewerkschaften/Österreich

Für die Einführung einer Gleitpension bzw. einer Altersteilzeitregelung für Pädagogen plädiert der Vorsitzende der Pflichtschullehrer-Gewerkschaft Paul Kimberger. Die Belastung der Lehrer sei in den vergangenen Jahren höher geworden, darüber hinaus gebe es nach wie vor kein Unterstützungs- und Supportsystem an den Schulen, so Kimberger zur APA zum Rechnungshof-Rohbericht zu den Lehrerpensionen.

Die Inanspruchnahme der "Hacklerregelung" könne man den Pädagogen nicht vorwerfen, meinte Kimberger: "Dass man die bestehenden gesetzlichen Regelungen in Anspruch genommen hat, ist klar. Die Gesetze werden im Parlament gemacht, nicht in der Lehrergewerkschaft." Über Sinn und Unsinn der Hacklerregelung wolle er nichts sagen. Diese sei mittlerweile auch ausgelaufen bzw. deutlich verschärft worden.

Mit dem Anstieg der Krankenstände bzw. der Inanspruchnahme der Pension aus gesundheitlichen Gründen habe der Rechnungshof aber ein wichtiges Thema aufgezeigt, so Kimberger. Grund sei einerseits der ansteigende Altersschnitt der Pädagogen: "Bei Beibehaltung der derzeitigen Pensionsregelung werden in den nächsten zehn bis zwölf Jahren 50 Prozent des Lehrerstands ausgewechselt."

Andererseits seien die Herausforderungen in den Klassen höher geworden - "Stichwort Integration, Migration, Erziehungsproblematik", so Kimberger. "Das alles trägt dazu bei, dass die Belastungen der Lehrer gewachsen sind. Und wir haben natürlich auch kein Unterstützungs- und Supportpersonal." Der Rechnungshof weise deshalb auch auf zu treffende Maßnahmen hin - diese deckten sich etwa mit dem Wunsch der Gewerkschaft nach einer Gleitpension bzw. einer Altersteilzeitregelung, die etwa eine reduzierte Unterrichtsverpflichtung für ältere Lehrer vorsieht.

(schluss) aku;nt;jul

APA0222 II, XI 09.04.2015 12:07:07

 

Pensionen: Fast drei Viertel der Landeslehrer gingen als "Hackler"

Utl.: Rohbericht des Rechnungshofs - Regelung mittlerweile verschärft - Kaum "reguläre" Pensionsantritte

Lehrende/Pensionen/Rechnungshof/Österreich

Fast drei Viertel der Landeslehrer haben zwischen 2008 und 2013 mittels Hacklerregelung den Weg in die Frühpension angetreten. Zu diesem Ergebnis kommt laut "Presse" (Donnerstag-Ausgabe) ein Rohbericht des Rechnungshofs (RH). Aufgrund des Erreichens des gesetzlichen Pensionsalters traten die Pflichtschul-Pädagogen dagegen nur selten in den Ruhestand.

In dem RH-Bericht wird dabei das Pensionsantrittsalter der Pflichtschullehrer in allen Bundesländern untersucht und verglichen. Demnach ging etwa im Burgenland im Vergleichszeitraum gerade einmal ein einziger Pädagoge (0,2 Prozent) in den Ruhestand, weil er das gesetzliche Pensionsalter erreichte. Ähnlich ist es in den anderen Bundesländern - einzig in Wien trat ein zumindest etwas höherer Prozentsatz (7,1 Prozent) in den regulären Ruhestand.

Am eifrigsten wurde die Hacklerregelung von den Landeslehrern im Burgenland in Anspruch genommen (85 Prozent). In den meisten anderen Bundesländern liegen die Werte zwischen 70 und 75 Prozent, lediglich in Wien (69,5 Prozent) finden sich etwas weniger "Hackler" unter den pensionierten Landeslehrern. Diese "alte" Hacklerregelung mit abschlagsfreier Pension in Anspruch nehmen konnten Frauen mit 40 Beitragsjahren mit 55 Jahren sowie Männer mit 45 Beitragsjahren mit 60 Jahren. Bei Beamten waren (für beide Geschlechter) 40 Beitragsjahre (und das 60. Lebensjahr) nötig - wobei fast alle Landeslehrer-Pensionisten unter die Beamtenregelung fallen. Mit Ende 2013 wurde die Regelung allerdings verschärft.

Neben der Hacklerregelung zweithäufigster Grund für Frühpensionierungen bei Landeslehrern war die Dienstunfähigkeit: Im Bundesländer-Vergleich am häufigsten in Anspruch genommen wurde sie in Oberösterreich (22 Prozent der Pensionsantritte), am seltensten im Burgenland (elf Prozent). Von zwölf auf 14 pro Jahr gestiegen sind die Krankenstandstage der beamteten Landeslehrer zwischen 2008 und 2013 - sie sind damit praktisch doppelt so hoch wie jene der Vertragslehrer (sieben). Am meisten Krankenstandstage pro Lehrer gab es in Wien (19), am wenigsten in Tirol (acht).

Bundeslehrer (Lehrer an AHS und berufsbildenden mittleren und höheren Schulen/BMHS) nutzten dagegen die Hacklerregelung (51 Prozent) seltener. Grund ist etwa die längere Ausbildungszeit, wodurch sie erst später in den Beruf einsteigen. Auch den Weg in die Dienstunfähigkeits-Pension (neun Prozent) wählten sie seltener als ihre Kollegen an den Pflichtschulen.

(schluss) aku;mk

ORF – 9. April 2015

 

Fast drei Viertel der Landeslehrer als „Hackler“ in Pension

Fast drei Viertel der Landeslehrer haben zwischen 2008 und 2013 mittels Hacklerregelung den Weg in die Frühpension angetreten. Zu diesem Ergebnis kommt laut „Presse“ (Donnerstag-Ausgabe) ein Rohbericht des Rechnungshofs (RH). Aufgrund des Erreichens des gesetzlichen Pensionsalters traten die Pflichtschulpädagogen dagegen nur selten in den Ruhestand.

In dem RH-Bericht wird das Pensionsantrittsalter der Pflichtschullehrer in allen Bundesländern untersucht und verglichen. So ging etwa im Burgenland im Vergleichszeitraum gerade einmal ein einziger Pädagoge (0,2 Prozent) in den Ruhestand, weil er das gesetzliche Pensionsalter erreichte. Ähnlich ist es in den anderen Bundesländern - einzig in Wien trat ein zumindest etwas höherer Prozentsatz (7,1 Prozent) in den regulären Ruhestand.

Am eifrigsten wurde die Hacklerregelung von den Landeslehrern im Burgenland in Anspruch genommen (85 Prozent). In den meisten anderen Bundesländern liegen die Werte zwischen 70 und 75 Prozent, lediglich in Wien (69,5 Prozent) finden sich etwas weniger „Hackler“ unter den pensionierten Landeslehrern.

Diese „alte“ Hacklerregelung mit abschlagsfreier Pension konnten Frauen mit 40 Beitragsjahren mit 55 Jahren sowie Männer mit 45 Beitragsjahren mit 60 Jahren in Anspruch nehmen. Bei Beamten waren (für beide Geschlechter) 40 Beitragsjahre (und das 60. Lebensjahr) nötig - wobei fast alle Landeslehrer-Pensionisten unter die Beamtenregelung fallen. Mit Ende 2013 wurde die Regelung allerdings verschärft.

Dienstunfähigkeit zweithäufigster Grund

Neben der Hacklerregelung zweithäufigster Grund für Frühpensionierungen bei Landeslehrern war die Dienstunfähigkeit: Im Bundesländervergleich am häufigsten in Anspruch genommen wurde sie in Oberösterreich (22 Prozent der Pensionsantritte), am seltensten im Burgenland (elf Prozent).

Von zwölf auf 14 pro Jahr stiegen die Krankenstandstage der beamteten Landeslehrer zwischen 2008 und 2013 - sie sind damit praktisch doppelt so hoch wie jene der Vertragslehrer (sieben). Die meisten Krankenstandstage pro Lehrer gab es in Wien (19), die wenigsten in Tirol (acht).

Bundeslehrer (Lehrer an AHS und berufsbildenden mittleren und höheren Schulen/BMHS) nutzten dagegen die Hacklerregelung (51 Prozent) seltener. Grund ist etwa die längere Ausbildungszeit, wodurch sie erst später in den Beruf einsteigen. Auch den Weg in die Dienstunfähigkeitspension (neun Prozent) wählten sie seltener als ihre Kollegen an den Pflichtschulen.

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen