Mittwoch, 8. April 2015

2015.04.09: Newsletter Bildung

Die Presse – 9. April 2015

 

 

Rechnungshof-Rohbericht: Lehrer als „Hackler“ in Frühpension

Drei von vier Pflichtschullehrern nützten die günstige Hacklerregelung. Mehrkosten: zwei Milliarden Euro. Auch die Krankenstandstage sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen.

Wien. Es war nur ein einziger Landeslehrer, der wegen seines Alters regulär in den Ruhestand ging. Alle anderen Kollegen traten im Burgenland die Pension zwischen 2008 und 2013 deutlich früher an. Auch in den anderen Bundesländern sieht die Situation kaum besser aus – das durchschnittliche Pensionsalter liegt bei Pflichtschullehrern mit Beamtenstatus (Landeslehrer) bei lediglich 59,6 Jahren. Bundeslehrer kamen auf 61,2 Jahre.

Zu diesen Ergebnissen kommt ein der „Presse“ vorliegender Rohbericht des Rechnungshofs, der erstmals umfassend das Pensionsantrittsalter der Pflichtschullehrer in allen Bundesländern untersucht, vergleicht und analysiert. Die Politik hat diese Welle an Frühpensionen ausgelöst. Denn erleichtert wurde der Abgang mittels abschlagsfreier Hacklerregelung durch den bereits berühmt-berüchtigten Nationalratsbeschluss in der Nacht von 24. auf 25. September 2008, wenige Tage vor der Nationalratswahl. Trotz vielfacher Warnung der Experten wurde der Zugang zur Hacklerpension etwa durch die Anrechnung von Krankenstandszeiten auf die erforderlichen Beitragszeiten erleichtert. Beamte konnten nach 40 Jahren ab dem 60. Lebensjahr die Hacklerpension antreten, Frauen im ASVG mit 55 Jahren, Männer nach 45 Beitragsjahren.

Diese danach legale Möglichkeit wurde massiv in Anspruch genommen, wie der Bericht zeigt: Fast drei Viertel (72,9 Prozent) aller Landeslehrer traten zwischen 2008 und 2013 mit der Hacklerregelung ihre Frühpension an. Im Bund lag der Schnitt bei 51 Prozent. Die Hauptgründe, warum dies von Pflichtschullehrern häufiger als von Bundeslehrern an Höheren Schulen in Anspruch genommen wurde: Bei pragmatisierten Pflichtschullehrern, bei denen es sich also um Beamte handelt, werden die Kosten ähnlich wie bei den aktiven Landeslehrern vom Bund übernommen. Außerdem weisen Pflichtschullehrer in der Regel eine kürzere Ausbildungszeit als Bundeslehrer auf, weshalb sie früher die notwendigen Arbeitsjahre beisammen haben. Die 12.500 Pensionierungen führen allein bei den Pflichtschullehrern zu Mehrkosten von zwei Milliarden Euro.

Die Anzahl der pensionierten Lehrer nahm in fast allen Bundesländern um mehr als 20 Prozent zu – Vorarlberg liegt mit 27,6 Prozent an der Spitze, Wien ist mit 14,5 Prozent Schlusslicht. Bund: 25 Prozent. Ausgaben für Pensionen stiegen um bis zu 30 Prozent. Während die damalige Unterrichtsministerin Elisabeth Gehrer 2001 Maturanten noch riet, nicht den Beruf des Lehrers zu wählen, gab es zehn Jahre später wegen der vielen Pensionierungen einen Personalmangel. Die Zahl der aktiven Lehrer nahm nur im Burgenland (4,6 Prozent), Vorarlberg (5,3 Prozent) und Wien (4,7 Prozent) zu. Die stärksten Reduktionen erfolgten in Kärnten (–9,8 Prozent).

Krankenstände nehmen zu

Später wurde die Notbremse gezogen: Die SPÖ-ÖVP-Regierung hat die Hürden für den Gang in die Hacklerpension 2011 erhöht – seitdem steigt langsam auch das Pensionsalter. Während es von 2004 bis 2007 noch bei 56,7 Jahren lag, ist es 2013 in allen Bundesländern über 60 Jahre geklettert, die Personalsituation entspannt sich langsam. Anfang 2014 erfolgte dann eine deutliche Verschärfung.

Neben der Hacklerregelung war Krankheit der zweithäufigste Grund für Frühpensionierungen. Im Spitzenfeld liegt hier Oberösterreich mit 22 Prozent. Auf Bundesebene sind es im Schnitt 9,3 Prozent. Die Krankenstandstage sind von 2008 bis 2013 bei den Landeslehrern mit Beamtenstatus von 11,74 auf 13,87 Tage gestiegen. Auffallend ist, dass dies fast doppelt so viel wie bei den Vertragslehrern der Länder ist. Diese kommen auf 7,1 Tage. Besonders viele Krankenstandstage gab es in Wien (18,87), besonders wenige in Tirol (8,26).

Um die Arbeitsfähigkeit zu erhalten, empfiehlt der Rechnungshof Maßnahmen wie das Herabsetzen der Lehrverpflichtung im Alter, Fortbildung mit gesundheitlichem Schwerpunkt oder therapeutische Maßnahmen wie Burn-Out-Prävention und Coachings. Ein Großteil der Pensionen wegen Dienstunfähigkeit wird mit psychiatrischen Erkrankungen begründet.

 

 

Die Presse – 9. April 2015

 

 

NMS: „Komplizierte“ Notenskala könnte geändert werden

Die flexibleren Extrastunden sollen nicht die einzige Reform der NMS bleiben. Heinisch-Hosek will sich auch die Notenskala ansehen.

Die Flexibilisierung bei den Extrastunden, die heute im Ministerrat beschlossen wurde, soll nicht die einzige Reform der Neuen Mittelschule bleiben. Das kündigte Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) an. Sie will sich auch die siebenteilige Notenskala an den Neuen Mittelschulen „anschauen“, die immer wieder kritisiert wird. „Das ist etwas kompliziert“, sagte sie.

In den Neuen Mittelschulen wird zwischen grundlegender und vertiefter Allgemeinbildung unterschieden. Die Skala bei der grundlegenden Bildung reicht von Befriedigend bis Nicht Genügend, die in der vertieften Bildung von Sehr gut bis Genügend. Statt eines Fünfers in der vertieften Bildung bekommen Schüler einen Dreier in der grundlegenden, ein Einser oder Zweier in der grundlegenden Bildung entspricht einem Dreier oder Vierer in der vertieften.

Der oberste Lehrergewerkschafter Paul Kimberger klagte wiederholt über das komplizierte Notensystem. „Das ist nicht transparent, keiner kennt sich aus. Und sogar jene, die es erklären sollten, können es nicht erklären.“ Staatssekretär Harald Mahrer (ÖVP) hatte bereits gegenüber der „Presse“ angekündigt, dass das Notensystem in der Bildungsreformkommission noch Thema werde.

Stunden für andere Fächer

Die sechs Zusatzstunden pro Klasse und Woche, die der Bund an den Neuen Mittelschulen zahlt, sollen künftig flexibler eingesetzt werden können: Derzeit müssen diese Stunden in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch verwendet werden - etwa für einen zweiten Lehrer in der Klasse (Team Teaching). Künftig sollen sie auch für andere Schwerpunktfächer eingesetzt werden können.

Was andere mögliche Adaptierungen der Neuen Mittelschule angeht – immerhin war die Evaluierung des Schultyps enttäuschend ausgefallen -, will sich Ministerin Heinisch-Hosek nun ansehen, „was die Schüler brauchen“. Auch will sie mehr Kontrolle: „Es wird natürlich gut begleitet und kontrolliert, wie die sechs Stunden eingesetzt werden“, sagte die Ressortchefin vor dem Ministerrat. Es sei wichtig, auf die Qualität zu achten.

Sie will das System der Neuen Mittelschule aber nicht generell in Frage stellen. „Das System der Neuen Mittelschule ist ein gutes. Das System der Trennung mit zehn (Jahren, Anm.) ist ein schlechtes.“ Sie halte es nach wie vor für nicht in Ordnung, die Kinder bereits in diesem Alter zu trennen. „Mit 14 Jahren wäre es zeitgerecht genug.“ Auch Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) wolle ja „die Zehn- bis 14-Jährigen neu denken und spricht von Modellregionen.“

Geht nicht auf Mitterlehner ein

Auf Mitterlehners jüngste harte Äußerungen zur Neuen Mittelschule, ging Heinisch-Hosek nicht direkt ein. Sie freue sich sehr, dass die sechs Zusatzstunden in den NMS bleiben und künftig flexibler eingesetzt werden können. Wenn man Veränderungen und Verbesserungen wolle, müsse man auch ansetzen. Sie glaube, dass Mitterlehner das auch so gemeint habe.

Der Vizekanzler hatte zuletzt öffentlich an der Neuen Mittelschule gerüttelt: „Ich sehe das bisherige Modell der Neuen Mittelschule skeptisch“, sagte er in einem Interview mit der Tageszeitung „Österreich“. „Fortsetzung nicht garantiert, wenn nichts korrigiert werden kann.“

 

 

KLZ – 9. April 2015

 

"System der NMS ist ein gutes"

Im Ministerrat wurde beschlossen, dass Zusatzstunden in der Neuen Mittelschule (NMS) ab Herbst nicht mehr nur auf Hauptfächer verteilt werden dürfen. Die Ministerin freut das, sie will weiter reformieren.

Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) hat sich am Mittwoch erfreut über die geplanten flexibleren Zusatzstunden für die Neue Mittelschule (NMS) gezeigt. Auf Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP), der sich zuletzt äußerst skeptisch zur NMS geäußert hatte, ging Heinisch-Hosek vor dem Ministerrat gegenüber Journalisten nicht direkt ein.

Zusatzstunden auch für Nebenfächer

Die Änderung sieht vor, dass ab die sechs Zusatzstunden in der NMS nicht mehr nur in den Hauptfächern Deutsch, Mathematik und Englisch eingesetzt werden können, sondern auch in Nebenfächern oder Begabtenförderung.  Heinisch-Hosek freue sich sehr, dass die Zusatzstundennun flexibler eingesetzt werden können. Das wurde am Mittwoch auch so im Ministerrat beschlossen. Die vom Bund bezahlten Stunden werden etwa für einen zweiten Lehrer in der Klasse (Team Teaching) verwendet. Künftig sollen sie auch für andere Schwerpunktfächer eingesetzt werden können.

Wenn man Veränderungen und Verbesserungen will, müsse man auch "ansetzen", so Heinisch-Hosek. Sie glaube, dass Mitterlehner das auch so gemeint habe. Nun müsse man schauen, was die Schüler brauchen. Sie möchte sich etwa die siebenteilige Notenskala an den NMS ansehen. "Es wird natürlich gut begleitet und kontrolliert, wie die sechs Stunden eingesetzt werden", so die Ressortchefin. Es sei wichtig, auf die Qualität zu achten.

"System ist ein gutes"

Lediglich eine Umschichtung von den Hauptgegenständen weg sah sie auf Journalistenfrage nicht. "Das System der Neuen Mittelschule ist ein gutes. Das System der Trennung mit zehn (Jahren, Anm.) ist ein schlechtes." Sie halte es nach wie vor für nicht in Ordnung, die Kinder bereits in diesem Alter zu trennen. Mit 14 Jahren wäre es früh genug.

Auch aus der ÖVP höre sie immer wieder Stimmen, die für ganztägig verschränkte Schulformen plädierten. Mitterlehner spreche außerdem bei den Zehn- bis 14-jährigen von Modellregionen - und wenn dies der erste Schritt ist, sei sie dafür, meinte Heinisch-Hosek.

Wenig Freude mit der ÖVP-Kritik an der NMS haben die sozialdemokratischen Pflichtschullehrer-Gewerkschafter. Deren Vorsitzender Thomas Bulant forderte in einer Aussendung von Heinisch-Hosek einen "Stopp der Entwicklungsarbeit an den Neuen Mittelschulen" - "bis auch der Koalitionspartner das Engagement der LehrerInnen für die Unterrichtsentwicklung an Neuen Mittelschulen schätzt und anerkennt, dass der Unterricht von Kindern aus bildungsfernen Schichten ressourcenintensiver ist als der von SchülerInnen aus bildungsnahen Schichten!". Auch Bulant sprach sich für eine gemeinsame Schule aus, die er "Langform Pflichtschulzeit" bzw. "Schule für alle" nennt.

Vier Wochen vor Start der Zentralmatura zeigte sich Heinisch-Hosek außerdem überzeugt, dass diese "gut funktionieren" wird. Es stecke viel Logistik dahinter. Die Schüler seien aber gut gerüstet, das zeigten die (derzeit laufenden) Präsentation der vorwissenschaftlichen Arbeiten.

Mitterlehner: Bildungsreform noch heuer

Auch Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) haben sich über den künftig möglichen flexiblen Einsatz der sechs Zusatzstunden erfreut gezeigt. Dies sei ein erster Schritt hin zu mehr Autonomie an den Schulstandorten, erklärten sie am Mittwoch nach dem Ministerrat. "Das ist nicht die große Schulreform", erklärte Faymann. In einem ersten Schritt seien jedoch Kritikpunkte aufgegriffen und nun Neuerungen umgesetzt worden. Die derzeit nur in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch einsetzbaren sechs Zusatzstunden seien zu unflexibel gewesen. Je nach Anforderung soll die Mehrstundenleistung nun gezielt eingesetzt werden. Die höhere Flexibilität sei ein "kleines Beispiel" für die Stärkung des Schulstandorts.

Bis zum 17. November gebe es das gesamte Konzept zur Bildungsreform, meinte Mitterlehner. Er verwies auch auf seine Kritik vom Wochenende, wonach rund 300 Mio. Euro in die NMS investiert wurden, sich die Situation der Leistungsschwachen aber nicht verbessert habe. Im Gegenteil, in den Schulfächern Deutsch, Englisch und Mathematik gebe es sogar ein schlechteres Abschneiden. Es brauche daher Verbesserungen und Konsequenzen, so Mitterlehner. Die neue Regelung sei auch ein entscheidender Schritt für die Autonomie der Schulen. Der Vizekanzler pochte auch auf die pädagogische Qualitätskontrolle.

 

"Österreich" vom 09.04.2015                                   Seite 5

Ressort: Politik

 

Wien, Niederösterreich, Burgenland, CityWien, CityNÖ

 

Bildungsministerin hält an Projekt fest

 

Mittelschule: Heinisch gegen Mitterlehner

 

Flexiblere Zusatzstunden sollen jetzt Ergebnisse der NMS besser machen.

 

Wien. "Das System der neuen Mittelschule (nMS) ist ein gutes." Bildungsministerin gabriele Heinisch-Hosek (SpÖ) bleibt hart. nachdem Vizekanzler Reinhold Mitterlehner die nMS in ÖSTER-REICH infrage gestellt hatte, weil sie trotz höherer Kosten kaum Ergebnisse liefere, setzt Heinisch jetzt auf aktionen. Mit Reformen will sie den Koalitionspartner besänftigen, ein Ende der nMS sei aber kein Thema. Wenn man Veränderungen und Verbesserungen will, müsse man auch "ansetzen", so Heinisch-Hosek. Deshalb wurde jetzt auch das System der Zusatzstunden umgebaut.

 

Die sechs Stunden in der Woche wurden bisher nur für Deutsch, Englisch oder Mathematik ver wendet. Jetzt sollen Schulen autonom darüber entscheiden.

 

 

"Der Standard" vom 09.04.2015                                Seite: 8

Ressort: Inland

 

Bundesland, Bundesland Abend

 

Siebenteilige Notenskala auf dem Prüfstand

 

   Die Regierung hat eine erste kleine Reform der Neuen Mittelschule beschlossen. Als Nächstes will sich Heinisch-Hosek das Benotungssystem vornehmen und die Qualität der Lehrer an den NMS besser kontrollieren.

 

   Wien – Restlos überzeugt ist der ÖVP-Chef noch nicht. Reinhold Mitterlehner betonte am Mittwoch nach dem Ministerrat neuerlich, dass die Neue Mittelschule (NMS) trotz Investitionen in Höhe von 300 Millionen Euro bisher zu keinen besseren Leistungen der Schüler geführt habe. Die am Wochenende vorgebrachte Drohung, wonach die Fortsetzung der NMS „nicht garantiert“ sei, wiederholte der Vizekanzler bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Kanzler Werner Faymann allerdings nicht.

 

   Schließlich hat man sich bei der jüngsten Regierungsklausur in Krems darauf eingeschworen, im Bildungsbereich künftig konsensual vorzugehen. Bis zum 17. November soll eine große Bildungsreform stehen. Klar sei jedenfalls, dass man aus der Rechnungshofkritik an der NMS „Konsequenzen“ ziehen müsse, sagte Mitterlehner. Schließlich würden ab 2018 weitere 230 Millionen Euro in diesen Bereich fließen.

 

   Vorerst bäckt man aber nur kleine Brötchen. Eine erste Korrektur bei der NMS wurde am Mittwoch verabschiedet. Wie berichtet, dürfen die sechs Zusatzstunden in den Neuen Mittelschulen künftig flexibler eingesetzt werden – also nicht nur für die Fächer Deutsch, Mathematik und Englisch.

 

   Kanzler Werner Faymann (SPÖ) sieht darin eine Stärkung der einzelnen Schulstandorte. Mehr Autonomie ist ja auch ein Fixpunkt für die in Aussicht gestellte Reform der Schulorganisation. Der SPÖ-Chef erwartet sich durch den flexibleren Einsatz der Zusatzlehrer auch bessere Ergebnisse. Aus den bisherigen Evaluierungen wisse man nämlich, dass die Ergebnisse zwischen den einzelnen Schulstandorten sehr unterschiedlich ausgefallen seien, so der Kanzler.

 

   Reform der Benotung

 

   Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) wälzt bereits weitergehende Pläne. Das siebenteilige Notensystem steht auf dem Prüfstand. Die Lehrergewerkschaft hatte an diesem System wiederholt Kritik geübt.

 

   Derzeit funktioniert das Benotungssystem folgendermaßen: In Deutsch, Mathematik und Englisch werden die Schüler innerhalb der Klasse vom Lehrer in zwei Gruppen eingeteilt. Beherrscht man komplexere Sachverhalte, wird man nach der Notenskala für „vertiefte Allgemeinbildung“ bewertet – sie reicht von „Sehr gut“ bis „Genügend“. Erreicht man nur die Basisbildung, wird die Notenskala für „grundlegende Allgemeinbildung“ angewendet – sie reicht de facto von „Befriedigend“ bis „Nicht genügend“. Dieses System sei aber zu komplex und stelle die Lehrer vor Probleme, so die Kritik der Gewerkschaft.

 

   In welcher Form die Notenskala reformiert wird, ließ Heinisch-Hosek aber offen. Ebenfalls Handlungsbedarf sieht sie in der Qualitätskontrolle der Lehrer. Zur Erinnerung: Eine Anfang März veröffentlichte Evaluierung der NMS hat auch ergeben, dass das NMS-Konzept an mehr als der Hälfte der Standorte „nur unzureichend umgesetzt“ wurde.

 

   An der grundsätzlichen Sinnhaftigkeit der Neuen Mittelschule zweifelt die Bildungsministerin nicht. „Das System der Neuen Mittelschule ist ein gutes. Das System der Trennung mit zehn (Jahren, Anm.) ist ein schlechtes.“

 

   „Nicht Deppen der Nation“

 

   Wenig Freude mit der ÖVP-Kritik an der NMS haben die sozialdemokratischen Pflichtschullehrer-Gewerkschafter. Deren Vorsitzender Thomas Bulant forderte von Heinisch einen „Stopp der Entwicklungsarbeit an den Neuen Mittelschulen“, bis auch der Koalitionspartner ÖVP anerkenne, dass der Unterricht von Kindern aus bildungsfernen Schichten ressourcenintensiver sei als der von Schülern aus bildungsnahen Schichten. „Wir sind nicht die Deppen der Nation, die Entwicklungsarbeit für eine Schulart leisten, die immer wieder infrage gestellt wird“, so Bulant. (go)

 

    Kommentar Seite 32

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"Der Standard" vom 09.04.2015                                Seite: 8

Ressort: Inland

 

Bundesland, Bundesland Abend

 

Das Neue an der alten Hauptschule

 

   Mit der Neuen Mittelschule (NMS) wurde 2012 – neben Hauptschule und AHS-Unterstufe – ein neuer Schultyp für die Zehn- bis 14-Jährigen in Österreich eingeführt. Genauer gesagt wurden die bisherigen Hauptschulen (HS) in NMS „umgewandelt“. Diese Metamorphose der HS soll 2018 abgeschlossen sein, dann wird es nur noch NMS und keine Hauptschulen mehr geben.

 

   Im laufenden Schuljahr gibt es 1073 NMS, darunter elf AHS-Unterstufen (von rund 280). Damit sind derzeit rund 96 Prozent der Hauptschulen zumindest teilweise in NMS umgewandelt.

 

   Und was daran ist neu? Im Gegensatz zur Hauptschule sind keine fixen Leistungsgruppen vorgesehen, und es gibt Zusatzmittel. Konkret zahlt der Bund sechs Zusatzstunden für „pädagogische Fördermaßnahmen“ in Mathematik, Deutsch und Englisch. Diese zusätzlichen Ressourcen können für die Besetzung dieser Fächer mit je zwei Lehrern (Teamteaching) eingesetzt werden oder aber für Individualisierung, differenzierten Unterricht in der Klasse, Begabungs- und Begabtenförderung, inklusive Pädagogik, Förderung in temporären Schülergruppen sowie Förder- und Leistungskurse. Ursprünglich sollten in den drei Hauptfächern HS- und AHS- bzw. BMHS-Pädagogen gemeinsam unterrichten, dieses Ziel wurde allerdings nie wirklich erreicht – und mit der Einführung der NMS als Regelschule fiel das Erfordernis des gemeinsamen Lehrereinsatzes ohnehin weg. An fast der Hälfte der NMS unterrichten nach wie vor nur Hauptschullehrer und -lehrerinnen. (nim)

 

   WISSEN

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"Der Standard" vom 09.04.2015                               Seite: 32

Ressort: Kommentar

 

Lisa Kogelnik

 

Bundesland, Bundesland Abend

 

Drohen hilft nicht weiter

 

Die Abschaffung der Neuen Mittelschule wäre ein fataler bildungspolitischer Fehler

 

   Dass es nicht funktionieren wird, war von Anfang an klar. Die Neue Mittelschule hat einen Geburtsfehler. Es ist absurd, das System einer Gesamtschule der Zehn- bis 14-Jährigen testen zu wollen, während die Gymnasien in der Unterstufe weiterhin bestehen bleiben. Dennoch wäre es ein fataler Fehler, die Neue Mittelschule jetzt wieder abzuschaffen. Damit droht die ÖVP in regelmäßigen Abständen. Kürzlich verkündete ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner, dass die Fortsetzung der Neuen Mittelschule nicht garantiert sei.

 

   Wenn die neue Schulform jetzt wieder eingestampft wird, hätte man die hunderten Millionen an Euro, die das Projekt gekostet hat, gleich beim Fenster rauswerfen können. Davon abgesehen wäre eine solche Entscheidung die denkbar schlechteste für die betroffenen Lehrer und Schüler.

 

   Obwohl es in der öffentlichen Debatte oft heißt, dass bei der Neuen Mittelschule nur die Türschilder der Hauptschulen ausgetauscht wurden, ist die Einführung einer neuen Schulform neben der Zentralmatura die größte Änderung im österreichischen Bildungssystem seit Jahrzehnten. Die Lehrer müssen anders unterrichten und anders benoten. Im Idealfall haben sie viel Energie in die Umstellung auf neue Methoden des Unterrichtens investiert. Wenn man diese engagierten Lehrer jetzt zurück an den Start und in die Hauptschulen schickt, würde sie dies in hohem Maße frustrieren. Genau diese engagierten Lehrer braucht das System aber. Immerhin hat die Evaluierung der Neuen Mittelschule gezeigt, dass sie vor allem dort funktioniert, wo sich die Pädagogen für das neue System einsetzen.

 

   Ob es die ÖVP mit der Drohung einer Abschaffung der Neuen Mittelschule ernst meint, ist aber sowieso fraglich. Vielmehr versucht die Volkspartei wohl politisches Kapital aus den Schwierigkeiten des Koalitionspartners SPÖ mit dem Bildungsressort zu schlagen. Wenn das rote Vorzeigeprojekt nicht die erwarteten Erfolge bringt, kann sich wohl auch der ansonsten pragmatische Vizekanzler Mitterlehner ein bisschen Schadenfreude nicht verkneifen. Das ist verständlich, aber nicht angebracht. Anstatt damit zu drohen, bei der Bildungsreform rückwärtszugehen, sollte die ÖVP Vorschläge zu Änderungen bei der NMS bringen.

 

   Denn es ist unbestreitbar, dass die Neue Mittelschule weiterentwickelt werden muss. Die Evaluierung hat gezeigt, dass sie zwar mehr kostet, aber noch keine besseren Leistungen als die Hauptschule bringt.

 

   Die aktuell beschlossenen Änderungen sind kleine Schritte in die richtige Richtung. So können die sechs zusätzlichen Stunden, die jeder Neuen Mittelschule zur Verfügung stehen, künftig flexibel und nicht nur in den Schwerpunktfächern eingesetzt werden. Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) will außerdem die Benotung vereinfachen. Darüber werden sich vor allem die Lehrer freuen; das bisherige System war mit sieben Noten viel zu kompliziert.

 

   Weitere Reformen, die bei den Lehrern ansetzen, sind notwendig. Viele der Pädagogen stehen dem neuen Schultypus noch skeptisch gegenüber, man muss versuchen, sie von der Sinnhaftigkeit zu überzeugen. Am besten mit Weiterbildungen. Ein anderer Ansatz findet sich im Expertenpapier bezüglich der Schulverwaltungsreform: Sie schlagen vor, Lehrer für besondere pädagogische Leistungen der Schüler finanziell zu belohnen. Das könnte neue Anreize schaffen.

 

 

"Kurier" vom 09.04.2015                                    Seite: 2

Ressort: Innenpolitik

 

Wi, Abend, Länder, Morgen

 

ÜBERBLICK

 

   Neue Mittelschule: Flexibel bei Stunden

 

Bildung. Die Regierung hat gestern beschlossen, dass zusätzliche Bundesmittel im Ausmaß von sechs Lehrerstunden für Neue Mittelschulen, die für die Hauptfächer zweckgewidmet waren, auch für andere Schwerpunktfächer verwendet werden dürfen. "Ab Herbst können Schulen flexibel über den Einsatz dieser Zusatzstunden entscheiden", sagt Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek. Derzeit müssen die vom Bund zusätzlich bezahlten Stunden in Deutsch, Mathematik und Englisch verwendet werden, etwa für einen zweiten Lehrer in der Klasse (Team Teaching).

 

 

Wiener Zeitung – 9. April 2015

 

 

Neue Mittelschule

Regierungsspitze sieht Schritt zu mehr Autonomie

 

 

 

 

Wien. Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) haben sich über den künftig möglichen flexiblen Einsatz der sechs Zusatzstunden bei der Neuen Mittelschule (NMS) erfreut gezeigt. Dies sei ein erster Schritt hin zu mehr Autonomie an den Schulstandorten, erklärten sie am Mittwoch nach dem Ministerrat.

"Das ist nicht die große Schulreform", erklärte Faymann. In einem ersten Schritt seien jedoch Kritikpunkte aufgegriffen und nun Neuerungen umgesetzt worden. Die derzeit nur in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch einsetzbaren sechs Zusatzstunden seien zu unflexibel gewesen. Je nach Anforderung soll die Mehrstundenleistung nun gezielt eingesetzt werden. Die höhere Flexibilität sei ein "kleines Beispiel" für die Stärkung des Schulstandorts.

Konzept zur Bildungsreform bis 17. November

Bis zum 17. November gebe es das gesamte Konzept zur Bildungsreform, meinte Mitterlehner. Er verwies auch auf seine Kritik vom Wochenende, wonach rund 300 Millionen Euro in die NMS investiert wurden, sich die Situation der Leistungsschwachen aber nicht verbessert habe. Im Gegenteil, in den Schulfächern Deutsch, Englisch und Mathematik gebe es sogar ein schlechteres Abschneiden.

Es brauche daher Verbesserungen und Konsequenzen, so Mitterlehner. Die neue Regelung sei auch ein entscheidender Schritt für die Autonomie der Schulen. Der Vizekanzler pochte auch auf die pädagogische Qualitätskontrolle.

Heinisch-Hosek froh über flexiblere Zusatzstunden

Zuvor hatte sich Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) erfreut über die geplanten flexibleren Zusatzstunden gezeigt. Auf Mitterlehner, der sich zuletzt äußerst skeptisch zur NMS geäußert hatte, ging Heinisch-Hosek vor dem Ministerrat gegenüber Journalisten nicht direkt ein.

Sie freue sich sehr, dass die Regierung bei ihrer Klausur in Krems beschlossen habe, dass die sechs Zusatzstunden in den NMS flexibler eingesetzt werden können. Das soll am Mittwoch im Ministerrat formal beschlossen werden. Derzeit müssen diese vom Bund zusätzlich bezahlten Stunden in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch verwendet werden - etwa für einen zweiten Lehrer in der Klasse (Team Teaching). Künftig sollen sie auch für andere Schwerpunktfächer eingesetzt werden können.

Heinisch-Hosek will sich siebenteilige Notenskala ansehen

Wenn man Veränderungen und Verbesserungen will, müsse man auch "ansetzen", so Heinisch-Hosek. Sie glaube, dass Mitterlehner das auch so gemeint habe. Nun müsse man schauen, was die Schüler brauchen. Sie möchte sich etwa die siebenteilige Notenskala an den NMS ansehen. "Es wird natürlich gut begleitet und kontrolliert, wie die sechs Stunden eingesetzt werden", so die Ressortchefin. Es sei wichtig, auf die Qualität zu achten.

Lediglich eine Umschichtung von den Hauptgegenständen weg sah sie auf Journalistenfrage nicht. "Das System der Neuen Mittelschule ist ein gutes. Das System der Trennung mit zehn (Jahren, Anm.) ist ein schlechtes." Sie halte es nach wie vor für nicht in Ordnung, die Kinder bereits in diesem Alter zu trennen. Mit 14 Jahren wäre es früh genug.

Auch aus der ÖVP höre sie immer wieder Stimmen, die für ganztägig verschränkte Schulformen plädierten. Mitterlehner spreche außerdem bei den Zehn- bis 14-jährigen von Modellregionen - und wenn dies der erste Schritt ist, sei sie dafür, meinte Heinisch-Hosek.

Zentralmatura werde "gut funktionieren"

Wenig Freude mit der ÖVP-Kritik an der NMS haben die sozialdemokratischen Pflichtschullehrer-Gewerkschafter. Deren Vorsitzender Thomas Bulant forderte in einer Aussendung von Heinisch-Hosek einen "Stopp der Entwicklungsarbeit an den Neuen Mittelschulen" - "bis auch der Koalitionspartner das Engagement der LehrerInnen für die Unterrichtsentwicklung an Neuen Mittelschulen schätzt und anerkennt, dass der Unterricht von Kindern aus bildungsfernen Schichten ressourcenintensiver ist als der von SchülerInnen aus bildungsnahen Schichten!". Auch Bulant sprach sich für eine gemeinsame Schule aus, die er "Langform Pflichtschulzeit" bzw. "Schule für alle" nennt.

Vier Wochen vor Start der Zentralmatura zeigte sich Heinisch-Hosek außerdem überzeugt, dass diese "gut funktionieren" wird. Es stecke viel Logistik dahinter. Die Schüler seien aber gut gerüstet, das zeigten die (derzeit laufenden) Präsentation der vorwissenschaftlichen Arbeiten.

 

 

Heute – 9. April 2015

 

NMS-Lehrer wehren sich: "Nicht Deppen der Nation"

Dem roten Lehrergewerkschafter Thomas Bulant reicht die Kritik an der Neuen Mittelschule (NMS): "Wir sind nicht die Deppen der Nation, die Entwicklungsarbeit für eine Schulart leisten, die immer wieder in Frage gestellt wird."


Bulant fordert von Unterrichtsministerin Heinisch-Hosek (SP), den "unbezahlten Mehraufwand" der Lehrer zu streichen. Hosek präsentierte gestern als Verbesserung sechs Zusatzstunden, die flexibel an den Schulen eingesetzt werden können. Das lobte sogar der schärfste NMS-Kritiker, Vizekanzler Mitterlehner (VP).

 

 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 82 vom 09.04.2015               Seite: 2

Ressort: Innenpolitik

 

Österreich

 

Der graue Alltag der Großen Koalition

 

   Die Freude über die Steuerreform-Einigung ist verflogen. Worüber aktuell gestritten wird.

 

   Wien. Eine kleine Reform der Neuen Mittelschule (NMS) beschloss die Regierung am Mittwoch. Die sechs zusätzlichen Lehrerstunden, die der Bund bezahlt, können von den Schulen nun flexibel eingesetzt werden.

 

    Bisher waren die Stunden für Deutsch, Englisch und Mathematik reserviert. Hier konnte sich ein Zweitlehrer um die schwächeren Schüler in der Klasse kümmern. Nun dürfen die Lehrerstunden auch für andere Fächer verwendet werden.

 

   Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) sieht darin eine Möglichkeit für die Schulen, inhaltliche Schwerpunkte zu setzen und dadurch attraktiver zu werden. ÖVP-Vizekanzler Reinhold Mitterlehner trägt die Änderung mit, konnte sich allerdings den Hinweis nicht verkneifen, dass die NMS gerade in Deutsch, Englisch und Mathematik schlechtere Ergebnisse liefern als die Hauptschulen.

 

   Die ÖVP hinterfragt daher unter Hinweis auf die bisherigen Mehrkosten von 300 Millionen Euro das gesamte Konzept der NMS. Für die SPÖ kommt das jedoch nicht infrage, denn für sie ist die NMS ein Schritt in Richtung Gesamtschule und daher ein Prestigeprojekt.

 

    Das Schulthema ist nur ein Beispiel für die Mühen der Ebene, in der die Große Koalition nach ihrer Steuerreform-Einigung wieder angelangt ist. Die Finanzierung der Reform steht auf wackeligen Beinen, weshalb das Finanzministerium auf einen straffen Budgetvollzug drängt. Noch im April sollen die Ressorts die entsprechenden Richtlinien erhalten. Sie werden vor allem im Verteidigungsministerium mit Hochspannung erwartet.

 

   Kein Geheimnis ist, dass Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) zudem eine Pensionsreform anstrebt, um das Wachstum des Staatszuschusses zu den Pensionen etwas einzudämmen. Die SPÖ lehnt dieses Vorhaben ab.

 

   Ein weiterer Plan zur Finanzierung der Steuerreform lautet, die Zuverdienstmöglichkeiten der Beamten in der Frühpension einzuschränken. Dazu bedürfte es allerdings einer Verfassungsänderung. Die Gewerkschaft Öffentlicher Dienst reagierte auf das Vorhaben bereits verschnupft.

 

   Keine Freude mit allzu rasanten Reformen (mit Ausnahme einer Verländerung der Schulverwaltung) hätten auch die Länder, in denen heuer Landtagswahlen anstehen. Stellvertretend für seine wahlkämpfenden Kollegen verbat sich Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP) kürzlich jeglichen bundespolitischen Gegenwind: Rückenwind aus Wien gebe es sowieso keinen, er wäre schon mit Windstille zufrieden. – Dieser Wunsch ist der Bundespolitik erfahrungsgemäß Befehl. pur

 

 

"Vorarlberger Nachrichten" vom 09.04.2015

Ressort: VN-A

 

 

Nach Ministerrat pochen Kanzler und Vize auf weitere Reformen im Bildungsbereich.

 

Kleiner Vorbote für die Schulreform

 

   wien. (VN) Der Budgetvollzug sei auch heuer besser als erwartet abgelaufen. Österreich halte seinen Budgetkurs ein und schließe mittlerweile zum vierten Mal besser ab als erwartet. Das berichtete SP-Bundeskanzler Werner Faymann am Mittwoch nach dem Ministerrat. Die Regierung könne mit Rückhalt arbeiten, denn die Budgets basierten „auf soliden Zahlen“.

 

   Weiters thematisierte der Kanzler die im Ministerrat beschlossene Vorlage zur Novelle des Schulunterrichtsgesetzes und der Schulorganisation. Konkret geht es dabei um Reformschritte der Neuen Mittelschule. „Wir haben die Kritik ernst genommen, reagiert und Lösungsmöglichkeiten in den Vorschlag eingearbeitet“, betonte Faymann. Diese Reform sei bereits ein kleiner Vorbote für die von Regierung für heuer geplante große Schulreform, „mit der wir den Standort stärken und auf die individuellen Bedürfnisse besser eingehen wollen“.

 

   Konkret enthält die Novelle unter anderem eine Erweiterung der Einsatzmöglichkeiten der für die Neue Mittelschule zusätzlich vom Bund zur Verfügung gestellten Lehrpersonalressourcen im Umfang von sechs Lehrerstunden. Dadurch sollen diese schulautonom auch in Schwerpunktfächern eingesetzt werden können. Überdies bringe die Erweiterung „mehr Flexibilität, etwa in Sachen Teamteaching“.

 

   Auch VP-Vizekanzler Reinhold Mitterlehner sprach sich nach dem Ministerrat für eine Fortsetzung und Intensivierung der Reformen im Bildungssystem aus, um die Wissensgesellschaft in Österreich zu stärken: „Die Experten-Evaluierung der Neuen Mittelschule und die Ergebnisse des Rechnungshofes haben gezeigt, dass zwar viel investiert wurde, sich aber die Situation für leistungsschwache Schüler nicht verbessert hat.“ Trotz des Einsatzes von rund 300 Millionen Euro gebe es teils ein schlechteres Abschneiden als in der Hauptschule. „Daher muss es hier Konsequenzen und Verbesserungen geben. Den ersten Schritt in diese Richtung haben wir heute gesetzt, indem die Schulautonomie gestärkt wird“, sagte Mitterlehner.

 

   Mehr Flexibilität ermöglicht

 

   „Diese Reform ermöglicht mehr Flexibilität. In Zukunft können die Schulen autonom entscheiden, in welchen Fächern sie die sechs zusätzlichen vom Bund finanzierten Stunden einsetzen wollen. Das heißt, dass diese Stunden nicht mehr nur auf Deutsch, Mathematik und Englisch begrenzt sind, sondern auch für andere Schwerpunktfächer wie Physik oder Chemie geöffnet werden.“

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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